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3.2.1912 Erstes Blatt
 
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au Katser und Reich nicht beirre und daß fie der Zu­

Hungerlöhne und Kinderarbeit in Amerita. verficht feien, daß den Deutschen, die im Feſtbalten an

Ohne Zweifel tft, wie der Neuporter Mitarbeiter ber L. N. N." feinem Blatte schreibt, die in den letzten Jahren in den Vereinigten Staaten zutage getrefene Stärkung der sozialistischen Partet, die unverkennbare foztale Unrast bis zu einem gewissen Grade die Folge der völligen Vernachlässigung der Arbeiterschutzgesetzge= bung, insbesondere solcher Maßnahmen, welche zur Fürsorge der in den Industrien tätigen Kinder zu fchaffen gewesen wären. Vor fünf Jahren wurde ein­mal ein Versuch gemacht, die Kinderarbeit in der Union von Bundes wegen dadurch zu beseitigen, daß man den Versand der Produkte solcher Arbeit von Staat zu Staat zu verbieten versuchte. Die Bill erlangte jedoch dank der Opposition der Bergwerks- und Spinnereibefizer nie Gefeßeskraft, und alles blieb beim alten. Inzwischen ist eine stetige und bedrohliche Steigerung der Preise für die notwendigsten Lebensbedürfnisse eingetreten, auf welche die Lohnskalen der Industriearbeiter nur unzureichende oder gar keine Rücksicht genommen haben.

Die unmittelbare Folge war eine enorme Zunahme der Beschäftigung Unmündiger, welche die Familien­väter in die Fabriken schickten, um thr fümmerliches Jahresbudget, das im Durchschnitt noch nicht fünfhun­bert Dollar beträgt, um ein Geringes zu erhöhen. Zur­zeit wird in der Stadt Neuyork eine von der Regierung eingeleitete Enquete abgehalten, um die Lage der in den Wäschereien Beschäftigten, die kürzlich in den Ausstand traten, zu erforschen. Bisher hat sich ergeben, daß der Durchschnittslohn der Mädchen und Frauen, welche die überwiegende Mehrzahl der in dieser Industrie tätigen Arbetterschaft bilden, sechs Dollar und fünfzig Cents pro Woche bet 72 stündiger, naturgemäß äußerst anstren­gender und gesundheitsschädlicher Arbeitszeit beträgt. Solche standalösen Zustände bilden keine Ausnahmen, sondern sind typisch für die Lage des Proletariats im Lande der sogenannten Freiheit.

Sechs der größeren Einzelstaaten der Unton haben selbständig in den letzten drei Jahren Gesetze zur Ein­fchränkung oder Beseitigung der Kinderarbeit erlassen. Wie wenig praktisch und erfolgreich eine solche Einzel­Staats- Gefeßgehung aber ist, dafür bildet der Staat Tennesser ein lehrreiches Beispiel. Dort war ein durch­greifendes Kir derarbeits- Verbot kaum erlassen, als gan= ze Eisenbahntransporte von Arbeitern" im zarten Al­ter unter Leitung von Fabrikaufsehern nach den Baum­wollspinnereien von Süd- Carolina abgingen. Ster wurden die Kleinen fern vom ärmlichen Heim der El­tern in der bitteren Frondienst zu noch kläglicheren Be­dingungen gespannt als sie ehedem gewöhnt waren.

Prasident Taft und feine Kabinettsmitglieder sind augenblicklich damit beschäftigt, das Land zu bereisen und in vielen schönen Reden den Preis des Landes und ihrer Verwaltung zu singen. An Stoff dazu fehlt es ihnen nicht, der Banamakanal, die Truftverfolgung und der Weltfrieden geben Gelegenheit zu gewandter Phra­fenentfaltung. Das, was den Vereinigten Staaten in erster Linie tot täte, eine planmäßige und energische Unfall- Haftpflicht- und Invalidengefeßgebung und ein rücksichtsloses Vorgehen gegen die Ausbeuter kindlicher Fronarbeit, wird nirgends und von niemanden gesagt. Warum nicht? Weil die Besitzer der Bergwerks-, Glas­bläser- und Textil- Industrie die höchsten Beiträge zur republikanischen Nationalkampagne zu zahlen pflegen. Weil man, um wieder Prästdent zu werden, Geld braucht, und solches nicht in ausreichendem Maße er­halten wird, wenn man die mächtigen Industriefapitäne vor den Kopf stößt.

Liebknecht über die Sozialdemokratie im Kriegsfalle.

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Das Pariser Sozialistenblatt Humanitee" ver­öffentlicht nach einer Drahtmeldung aus Paris eine Unterredung mit dem deutschen fozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Liebknecht, nach welcher dieser ut. a. gesagt haben soll: Die Macht der sozialdemokra= tischen Partei sollte im Hinblick auf Kriegszeiten grö­Ber fein als in Friedenszetten. Wenn der Krieg er­flärt werden foute, so müßte man ihn verhindern kön= nen, indem man sich ernstlich widersetzt. Von fünf Millionen Bürgern, welche die Reserve des deutschen Heeres bilden, ist die Hälfte aus unseren Reihen her­porgegangen. Die beiden ersten Jahrgänge und die jungen Leute von 18 bis 20 Jahren gehören der Mehr­Bahl nach ebenfalls zu uns. Die Regerung weiß dies und ist darum sehr beunruhigt.

Rundschau vom Tage.

Politisches.

Eine Kundgebuna des Deutschen Kriegerbundes. Der Präsident des Deutschen Kriegerbundes, General­oberst v. Lindequist, erläßt eine Rundgebung, in der festgestellt wird, daß die schmerzle Erfahrung, daß wette Boltskreise sich bei den Wahlen von Kaiser und Reich abgewendet und sich wahrer deutscher Art ent­fremdet hätten, die deutschen Krieger in ihrer Treue

Die Herren von Dieskaut.

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Original- Roman von Franz Treller. ( Nachdruck verboten.)

Auch das Erscheinen seines Bruders Hugo fürchtete er; dessen Verbleiben bei dem kostspieligen Retterregt­ment war bet der völligen Zerrüttung der Vermögens­verhältnisse start in Frage gestellt, und Harald wußte, daß er Hugo sett längerer Bett höchst unsympathisch ge­worden war.

Vor dem Portale des Schlosses Dieskau fuhr ein Herr vor, der dem Dtener eine Karte überreichte mit bem Ersuchen, bet dem Herrn Baron anzufragen, ob er zu sprechen set.

" Der Herr Baron ist krank und wird kaum fe­mand empfangen." " Versuchen Ste es!"

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Der Diener forderte Holtau denn dieser war der Besucher auf, auszusteigen, nötigte ihn in ein 3tm­mer, um thn gleich darauf in das von dem Freiherrn bewohnte Gemach eintreten zu lassen.

Der alte Herr saß bleich und abgemagert in einem Lehnstuhl, die Karte, auf der Hermann Holtau, Direk­tor der vereinigten elektrischen Werke zu Birmingham, Oberleutnant der Reserve" zu lesen war, lag vor thm. Nicht weit davon stand Harald, den er hatte rufen Tassen, um mit ihm zu beraten, ob er den Fremden em­pfangen sollte. Beide Dieskaus wurden durch jeden Be­fuch, dessen Zweck nicht bekannt war, beunruhigt. Da die Karte dieses Herrn ganz unverdächtig erschien, hatte man thn vorgelassen.

Als Holtau eintrat und sich vor dem Freiherrn ar= Hg verneigte, erkannte ihn Harald sofort, nur der Na­me war ihm entfallen. Haralds Brauen zogen sich zu= sammen.

Ste entschuldigen. wenn ich im Stuhle bleibe, Herr

der Monarchie, an Kaiser und Reich das Hell des Vol­fes erblicken, auch der Steg bleiben wird.

Ueber die Kosten des letzten Wahlkampfes gehen jetzt allerlei Mitteilungen durch die Presse. Es werden faum glaubliche Summen genannt, die diesmal von den Parteien aufgewendet worden seien. So soll die Wiederwahl des Abgeordneten von Heydebrand allein 150 000 Mart Spesen verursacht haben. Nach einer Nottz im Stendaler Altmärfer" hat die Wiederwahl des Herrn von Kröcher, des früheren Präsidenten des Abgeordnetenhauses, 125 000 Mart gekostet. Für die Wahl einzelner liberalen Abgeordneten dürften nicht viel geringere Summen aufgewendet worden sein.

Ueber eine Miliarde Heereslasten in Frankreich. In seinem Bericht über das französische Kriegsbudget sagte das zuständige Mitglied des Senats, daß es mit Hinzuziehung der 54 Millionen für die militärischen Ausgaben von Marokto über eine Milliarde betragen wird, wobei etwaige Nachtrags- oder außerordentliche Kredite nicht mitgerechnet seten. Der Senator berührte auch die Frage der Verwendung der Senegalschüßen und meinte diese Truppen seien im Kriege oder bei Aufständen sehr verwendbar, aber man tönne sie nicht in Europa als Garnisontruppen verwenden.

Ueber die Aussichten der Bhilologiestudierenden stellt in Nr. 2 der Berliner Blätter für höheres Schul­wefen" ein Oberlehrer fest, daß auf allen Universitäten Deutschlands von den im Sommerhalbjahr 1911 einge= schriebenen Studenten rund 20 250 fich den verschiedenen Zweigen des höheren Lehramts widmeten. Die jun= gen Philologen allein waren fast ebenso zahlreich wie die fungen Mediziner und Juristen zusammen, deren An­Bahl 20 740 betrug. Die Studierenden der höheren Schul­wissenschaften machten für sich 44,5 Prozent aller unt­versitätsbesucher aus, die Juristen 23,1, die Mediziner 22,6 und die Theologen nur 9,8 Prozent.

Erbschaften and Erbschaftssteuern in Frankreich und Englard. Die Hinterlassenschaften in Frankreich tm Jahre 1910 legen wiederum Beweis ab von dem zu­nehmenden Reichtum der französischen Massen da nicht weniger als 359,836 Personen, also mehr als die Hälfte der Verstorbenen Geld hinterließen. Die Gesamtsumme diefer 359 836 Hinterlassenschaften betrug 5 319 982 380 Francs. Selbstverständlich bilden die kleinen Hinterlas= senschaften bis zu 10 000 Francs die ungeheure Mehr­helt, über vier Fünftel. 17 Prozent hinterließen mehr als 16 000 Francs und 5 Prozent mehr als 50 000 Frs. Von Millionären sind im Jahre 1910 in Frankreich 564 gestorben: davon besaßen 383 1 bis 2, 142 2 bis 5, 29 5 bis 10 und zehn 10 bis 50 Millionen. Das von der 564 Millionären hinterlassene Gesamtvermögen be­trug 1 288 359 077 Francs. Der Ertrag der englischen Erbschaftssteuern betrug letztes Jahr rund 309% Millio­ner. Mart. Es unterlagen ihnen 10 Erbschaften von einer Million Pfund Sterling und darüber, 25 Erb­schaften zwischen einer halben und einer Million und 30 zwischen 300 000 und 500 000 Pfund Sterling. Das Durchschnittsalter der verstorbenen zehn fund- Millio­näre überſtieg 72 Jahre.

Die chinesischen Revolutionäre branchen Geld. Nach einem Telegramm aus Schanghai erörterte die chinesische Seedampfschiffahrtsgesellschaft das Gesuch der Revolutionäre um Hergabe von zehn Millionen Laels zur Bezahlung der Truppen. Es wurde beschlossen, die Schiffe der Gesellschaft, als Sicherheit für eine Anlethe zu verpfänden.

Ernste Nachrichten aus Merito. Nach einem Telegramm aus der Hauptstadt Mexiko gibt der Prä­sident und das Kabinett zu, daß die neuerlichen Unruhen zu einer so ernsten Gefahr geworden sind, wie sie die neue Regierung noch nicht erlebt hat. Die Aufrührer haben in der Stadt Juarez eine Bekanntmachung er­lassen, wonach Gomez wiederum zum Präsidenten pro­flamiert und erklärt wird, Madero habe seine Verpflich­tungen nicht erfüllt. Die Wahlen seien ungültig, der Kongreß aufgelöst und die Beschlüsse ohne gefeßliche Kraft. In Juarez soll eine Panik herrschen. Die mert tanische Regierung hat tausend Mann dorthin entsandt. Auch die Garnisonen in Chihuahua und Torreon sollen gemeutert haben.

Kleine Nachrichten.

Ueber das Befinden des Kaisers Franz Josef wird dem B. Lot.- Anz." aus Wien von einer Seite telegra= phtert. die häufta Gelegenheit hat, den Monarchen aus allernächster Nähe zu sehen, daß er eine geradezu er­staunliche Frische zeigt.

Der jüngste Sohn es Kaiserpaares als Straßbur= ger Student. Der sechste Sohn des Kaisers, Prinz Joachim von Preußen, wird gleich seinem Bruder Brinz August Wilhelm der Universität Straßburg als Student zugeführt werden. Wie verlautet, foll er im nächsten Sommersemester immatrikuliert werden.

Für den Posten des Großberliner Zweckverbands­direktors, der öffentlich ausgeschrieben worden ist, ha­ben sich nach Ablauf der Bewerbungsfrist über 30 Kan­

Soltau, aber ich bin krank. Bitte, nehmen Sie Play und lassen Ste mich hören, was mir den Vorzug Ihres Be­suches verschafft.

Holtau, von Harald nur durch eine leise Neigung des Hauptes Nottz nehmend, setzte sich. Das Aeußere des franken Mannes hatte etwas Wehmütiges für ihn, der Freiherr sah schlecht aus.

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Es ist eine Herzensangelegenheit, die ich Ihnen vorzutragen habe, Herr Baron", hoch horchten bet dtesen Worten der Freiherr und Harald auf- ,, ich hege eine tiefe Zuneigung zu Fräulein von Dieskau, dte, wie tch mit tiefer Freude behaupten darf, Erwiderung fin­det, und ich komme, Ste um die Hand Ihrer Tochter Hilda zu bitten."

Das fam nun allerdings sehr unerwartet. Der Freiherr war ungemein überrascht, weniger Harald, dessen Gesicht ein Gemisch von Grimm und Hohn zeigte.

" Ja, Herr Holtaut, ich weiß nicht, wie ich und meine Tochter zu dieser so ungemein überraschenden Auszeich­nung kommen", fragend sah er zu Harald hinüber.

In kurzen Worten sagte Holtau, wie er Hilda ken­nen und lieben gelernt und fuhr fort:

Ich erfreue mich einer hohen Stellung in der in­dustriellen Welt Englands und eines Einkommens, das selbst dort für recht stattlich gilt. Meine Eigenschaft als Offizier verbürgt die Unantastbarkeit meines Charak­ters und alle Auskünfte, die Ste sonst noch über mich und meine Verhältnisse wünschen könnten, wird Ihnen Ihr Nachbar auf Meerholz, bet dem ich zu Gaste bin, sowie die Eigentümer der Birminghamer Werke berett­willigst geben. Ist das Los, das ich einem Fräulein von Dieskau bieten kann, vielleicht auch nicht glänzend nach Ihrer Lebensauffassung, so tst Ihre Tochter doch durch­aus damit zufrieden, und ich würde das höchsten Erden= glück darin sehen, sie Itebevoll schützend durchs Leben ge­Tetten zu können."

didaten gemeldet. Unter den Bewerbern befinden sich nicht nur Staats- und Kommunalbeamte, sondern auch Gelehrte, Kaufleute und Industrielle.

Nach Hinterlassung von 81 000 Mart Schulden_ges flüchtet. Der Direktionssekretär Karl Epp von einer Maschinenfabrif in Augsburg ist unter Hinterlassung von 81 000 Mart Schulden mit seiner Frau entflohen er über Frankreich, sie direkt nach Brasilien, wo sie sich wieder treffen wollen. Der Sekretär hat ein flottes Le­ben geführt und sich auch ein Auto gehalten.

Ein Duell zwischen Schülern. In Lage bet Deta mold fand am Donnerstag ein Säbelduell zwischen zwei Schülern statt. Einem der Beteiligten wurde der Brustkorb durchschlagen, der andere wurde im Gesicht verletzt.

Folgen des Alkoholgenusses. In der Nacht zum Donnerstag hat der Hüttenarbeiter Waßmannsdorf in Dortmund seine Frau mit einem Schüretsen zu Tode geprügelt. Hausbewohner fanden die Frau in blut­überströmtem Zustande als Leiche vor. Der Mörder, der geflüchtei war wurde später verhaftet. Beide Ghe­leute waren dem Trunke ergeben.

Der belgische Kohlenarbeiterstreik dauert an. Die Vereiniguno de Kohlenindustriellen des Bezirkes Bo rinage hat auch den zweiten Vermittlungsvorschlag des Handelsministers abgelehnt, die Maßnahmen für die Einführung der vierzehntägigen anstatt der wöchentli chen Lohnzahlung bis zum 1. Jult hinauszuschieben. Die Stretfführer haben einen Aufruf an sämtliche Ar­beiterorganisationen erlassen, um den 34 000 Streifen­den in ihrer bitteren Notlage Hilfe zu bringen.

Op Die Kindesleiche im Mühlrad. In Erlsdorf im Herzogtum Coburg fiel das dreijährige Kind eines Mithlenbesitzers in den Mühlengraben, ohne daß es femand bemerkte. Blöblich stand das Mühlrad still, und als der Müller nachsah, fand er sein Kind tot im Rade hängen.

Ein ettfehlicher Unglücksfall bat fich nach einer Bartser Drahtmeldung auf dem Flugplatz in Douat er eignet. Der Mechaniker Chapius wurde von der Schraube eines Zweideckers am Kopfe getroffen und buchstäblich skalplert. Er war sofort tot.

Unter den Trümmern einer Dorffirche begre ben. Wie der Draht aus Paris meldet, stürzte in Cas bannes während der Messe ein Teil des Daches der Dorffirche ein. Der Pfarrer wurde getötet, ein Chor fnabe schwer verlegt.

Die Früchte falscher Erziehung.

Vor dem Jugendgericht zu Dresden fand eine Ver­handlung gegen einen jeẞt 16jährigen Gymnasiasten namens Leopold Döring wegen Giftmordversuches an feinen Eltern statt. Die Verhandlung zeigte in gerade­zu erschreckender Weise, wohin es führt, wenn ein schon von Hause aus entarteter Taugenichts von seinen gut­mütigen Eltern in falscher Weise erzogen wird.

Als Sohn angesehener Eltern erbte der Gymnasiast von seiner in Leipzig verstorbenen Großmutter ein Vers mögen von hundertachtzigtausend Mark, das bis zu set­ner Großjährigkeit von seinen Eltern verwaltet werden sollte. Deffenungeachtet verfügte der Angeklagte stets liber große Geldbeträge. In unheilvoller Verblendung erfüllten die Eltern, die in abgöttischer Liebe an dem Sohne hingen, diesem jeden Wunsch. Verlangte er Geld, so erhielt er fede beliebige Summe. Kaum fünfzehn Jahre alt, unferhielt er bereits kostspielige Verhältnisse mit Kabarett- und Varieteedamen, stand zu einer Schau­spielerin in Beziehungen und überschüttete diese mit den kostbarsten Geschenken. In einem Vergnügungslokal der Internationalen Hygiene- Ausstellung in Dresden war der Jüngling ständiger Gast und verschwendete in Settgelagen große Summen. Mit seinen Geliebten un ternahm er Ausflüge" nach Wien und an die Riviera und tauchte sogar an der Spielbank in Monte Carlo auf. Waren seine Barmittel einmal erschöpft und wollten die verblendeten Eltern nicht mehr mit neuem Gelde herausrücken, dann stahl er den Eltern Schmucksachen und Silbergeräte, um den Erlös sofort in der geschilder­ten Art zu vergeuden.

In der Schule brachte er es nur bis zur Quarta, in welcher Klaffe er drei Jahre verbrachte. Im Oktober vorigen Jahres reifte nun in dem Burschen der Ent­schluß, feine Eltern aus der Welt zu schaffen, um in den Besiz der großmütterlichen Erbschaft zu gelangen. Nach den Aussagen des bei seinen Eltern in Stellung befind­Itchen Dienstmädchens hat der Bursche schon früher ge= äußert: Wenn ich nur wüßte, was ich machen soll, daß ich zu meinem Gelde komme; der Vater müßte erst weg. Am Abend des 31. Oktober vorigen Jahres stand in der eltrlichen Wohnung das Abendbrot bereit. Wie an an­deren Tagen goß der Sohn, ehe noch die Familie ver­fammelt war, für die Eltern Bier in die bereitstehenden Gläser, holte dann aus der Küche ein Fläschchen Salz­fäure und schüttete davon etwa 20 Gramm in fedes der bereits gefüllten Gläser. Durch einen Türspalt hatte das Dienstmädchen den verbrecherischen Vorgang beobachtet. Sie schüttete das vergiftete Bier weg, reinigte die Glä­

Er hatte ruhig, männlich und selbstbewußt ges, sprochen und doch dabei immer eine durchaus ehrerbie­tige Haltung bewahrt.

Der Freiherr sah zu Harald hinüber, der verächtlich dte Achseln zuckte.

Ich habe das Gefühl, Herr Direktor", erwiderte der Baron unter dem Einflusse Haralds, daß durch Ihren gewiß sehr schätzbaren Antrag unserem Hause eine unverdiente Ehre widerfährt. Meine Absichten, um die Zukunft meiner Tochter sicher zu stellen, sind in­dessen andere, so daß ich bedauere, Ihren Antrag nicht in Erwägung ziehen zu können."

Mit voller Ruhe lauschte Holtau diefer hochmüttgen Abfertigung, die von höhnischem Grinsen Haralds be­glettet wurde.

Mit der gleichen Gelassenhett fuhr er auch, nachdem er sich erhoben hatte, fort: Es war meine Pflicht, Herr Baron, diese Bitte in aller Ehrerbietung an Sie zu rich= ten, an der Sache selbst ändert diese Abweisung nichts. Fräulein von Dieskau wird, auch wenn es thr nicht ge­lingt, Ihre Einwilligung zu erhalten, Frau, Holtan werden."

,, Wäre es nicht an der Zett, Papa, die Unterredung mit diesem Herrn zu beenden?"

Ich kann den Herrn in der Tat nicht zu längerem Verweilen nötigen."

Holtau, der immer die gleiche vornehme Haltung bewahrte, grüßte nur den Freiherrn mit einer Ver­beugung und ging hinaus. Harald, der nicht daran zweifelte, daß Hilda diesem stattlichen Manne zugetan set, der aber trotzdem die Hoffnung, sie an Sakal zu ver­kuppeln, noch immer nicht ganz aufgegeben hatte, ging hinter Holtaut her und sagte zu ihm von oben herab: " Ich gebe Ihnen den guten Rat, meine Schwester nicht mehr zu behelligen, ich wäre sonst gezwungen, die zur Verfügung stehenden Witttel anzuwenden, um uns von einem unwillkommenen Bewerber au befreten."

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