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2.3.1912 Erstes Blatt
 
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nichts mehr befürchtet. Gine Granate der Ausständi­gen ftel in das Grundstück der amerikanischen Gesandt­fchaftswache, ohne jedoch zu explodieren.

800000 ausständige englische Kohlenarbeiter.

Der Kohlenarbeiterstreit hat bereits begonnen und umfaßt gegenwärtig 800 000 Bergleute. Während die Verhandlungen in London noch fortdauern, breitet sich der Ausstand über das ganzeLand aus. Inzwischen dürf= ten fast alle Kohlengruben verlassen sein; nur die Leute, die nötig sind, um die Gruben vor dem Ersaufen und dem Ansammeln von Gasen zu bewahren, bleiben zu­rück. Schon macht sich in den Industriegebieten Koh­lenmangel fühlbar. Die Eisenbahngesellschaften tünden eine Einschränkung des Zugverkehrs an, vermindern das Zugpersonal und stellen Wächter zum Schuße der Eisenbahnen an. Zu Ordnungsstörungen ist es noch nicht gefommen. Die meisten Kohlengrubenbesizer ha= ben London bereits verlassen. Ferner verlautet noch, daß Premterminister Asquith den Grubenbesitzern neue Vorschläge gemacht habe. Die Führer der Bergleute find voll triumphierenden Stegesbewußtseins und erklä­ren, daß sie moralisch bereits geficgt hätten, da die Re­gierung das Prinzip auf Minimallohn anerkannt habe. Die Hoffnungen auf Frieden sind tief gesunken und man bereitet sich überall auf das schlimmste vor. Die Truppen erhielten Befehl, sich bereit zu halten, und in den Kohlengebieten werden Vorkehrungen für umfang­reiche militärische Operationen getroffen. Viele Hun­derttausend von Arbeitern und Angestellten im ganzen Lande erhalten von ihren Firmen bedingungsweise Kündigung für den Fall, daß wegen Kohlenmangel der Betrieb eingestellt werden muß. Man erwartet ein noch nie zuvor dagewesenes Chaos.

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London, 1. März. In der Ansprache, die Pre­mierminister Asquilh gestern an die Konferenz der Bergarbeiter gerichtet hat, führte er u. a. aus: Die Re­gierung habe sich entschlossen, einzugreifen, falls die Verhandlungen zu keinem Ergebnis führen sollten. Die Kohlenarbeiter nehmen eine Ausnahmestellung unter den Industriearbeitern der Nation ein. Es habe sich gezeigt, daß die Forderung eines Lohnminimums für die Arbeiter in den Kohlengruben gerecht set. Der Mi­nister schloß mit einem Appell an die Arbeitervertreter, sich ihrer schweren Verantwortung bewußt zu bleiben.

Der Generaldireffor als Millionendefraudant.

Die Nachricht, das der Generaldirektor der fürstlich Hatzfeld- Wildenburgischen Domänen von Boot in Waldbroehl im Rheinland Unterschlagungen in Höhe von etwa zwet Millionen Mark gemacht hat, erregte naturgemäß nicht nur in Deutschland, sondern weit darüber hinaus großes und nicht unberechtigtes Auf­fehen. Es werden dazu folgende Einzelheiten aus Waldbroehl gemeldet:

In Waldbroehl war es schon längst kein Geheim­nis mehr, daß etwas in der Leitung des Gutes nicht mehr gestimmt hat. Man hörte allenthalben vieles re­den über das Treiben des Generaldirektors von Boot, der übrigens in der ersten Zeit seiner Tätigkeit eine allgemein geachtete Persönlichkeit war. Eine Dame, die mit ihrem Liebhaber geflüchtet ist, hatte von Boot ganz und gar in den Händen und stellte an den Mann die tollsten Anforderungen für ihren Lebensunterhalt. Unter solchen Umständen hätte sich selbst der tiefste Brunnen ausgefchöpft und auch von Boot wußte schon feit einigen Jahren mit feinem Gelde nicht mehr aus und ein. Er fam schließlich so weit, daß selbst die auf der Domäne liegenden und Tag für Tag eingehenden Gelder nicht mehr ausreichten, er fuhr nach Düssel­dorf und griff dort auch noch die bei dortigen Banten lagernden Depots des Fürsten Hatzfeld an. So ging es lange Zeit weiter. Fürst Haßfeld- Wildenburg, der bekanntlich deutscher Gesandter in Kairo ist, sette in feinen Direktor großes Vertrauen, das erst durch de­faillierte, nach Kairo gehende Briefe erschüttert wurde. Es sollte darauf im Auftrage des Fürsten eine Gene­ralrevision stattfinden und diese war dem Generaldirek­tor doch zu lästig.

Es blieb Boot unter diesen Umständen nichts an­deres übrig, als zu verschwinden. Bis heute weiß man von Boot weder seinen Aufenthalt, noch hat man eine Spur, wohin er geflohen sein tönnte. Die Polizei ver­folgt zwar einige Spuren, doch glaubt man allgemein, daß es nicht gelingen wird, des ungetreuen Dieners habhaft zu werden, da er einen Vorsprung von zirka zehn bis vierzehn Tagen hat. Die Vollmacht als Ge­neraldirektor ist gelöscht, und ein gerichtlich bestellter Revisor ist an der Arbeit, um die Unterschlagungen, die nahe an zwei Millionen heranretchen sollen, festzustellen. Fürst Haßfeld ist bereits auf der Heimreise nach Deutschland begriffen. Wie fetzt auch bekannt wird, hat von Boot, bevor er feine Stellung beim Fürsten Haz­feld antrat, in Berlin gelebt, wo er es verstand, mit dem Hochadel bekannt zu werden. Er war damals stellen­los und bewarb sich lange Zeit um eine passende Stel­lung. Schließlich erhielt er durch seine angebahnten guten Beziehungen eine Anstellung im Deutschen Offt­ztersverein, und zwar in der heraldischen Abteilung.

Er hinkte zur Tür hinaus. Um so schnell wie mög­lich aus dem Bereiche des beleidigten Feindes zu kom­men, gebrauchte er seinen Fuß in so komischer Wetse, daß Tyrolt allen Aerger vergaß und halblaut lachen mußte.

Einige Minuten herrschte verlegene Stille im Saal. Ein Jeder hing seinen Gedanken nach, die keineswegs angenehm waren. Frau von Tarandal hüstelte letse in ihr Spizentaschentuch, und Bourlier klopfte nervös mit dem Fingerknöchel auf die Tischplatte.

,, Unerhörten Standal," sagte er nach einer langen Pause, doch er kam nicht unerwartet. Ich kannte met­nes Sohnes Gesinnung. Nun, er wird einsehen lernen, daß er damit gar nichts erreicht, sondern mein Wohl= wollen für Sie nur noch mehr befestigt hat. Mir und meiner Tochter zu Liebe wollen Sie ihm seine Heftig= fett verzeihen."

Es ist bereits geschehen, Herr Bourlier," erwiderte Tyrolt, der mit großer unbehaglichkeit wahrnahm, auf welch' schwanker Grundlage das Wohlwollen seines fünftigen Schwiegervaters ruhe. Hoffen wir von der Zukunft das Beste und sprechen Sie von etwas anderem."

" Ja, Sie haben Recht, lassen wir uns in unserem Mahle nicht stören," sprach Bourlier tief auffeufzend.

Erzählen Sie uns lteber die Einzelheiten der un­feligen Kahnfahrt. Von Desiree konnte ich nur Bruch­stücke erfahren," sagte Frau von Tarandal, indem sie den Salat mischte und ihrem Gaste den Braten ret= chen ließ.

Ste selbst war nicht im Stande, einen Bissen zu ge= nießen, und fast wäre eine heimliche Träne in die Sa­latschüssel gefallen. Auch Bourlier stocherte, sichtlich be= müht, fetue Aufregung zu bezwingen, zwecklos auf set­nem Teller herum. Nur Tyrolt griff zu. Er war troz allem glücklich. Die Angriffe seines ohnmächtigen Geg­ners waren nicht imstande, feinen Appetit zu verder= ben, den er sich in ehrlicher Tagesarbett erworben hatte.

Es behagte ihm jedoch da nicht lange, und er bewarb, fich um Stellungen als Güterdirektor oder Generalbe­vollmächtigter. Schließlich gelang es ihm später mit Hilfe einflußreicher und hochstehender Protektion, die er sich zu sichern verstand, eine Anstellung beim Fürsten Hazfeld zu bekommen.

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Vermischtes.

Im Ballfaal gekreuzigt. Ein eigenartiger Vorfall erregt, wie die Preß- Zentrale" erfährt, in Herford gro­Bes Aufsehen. In einem Lofal fand ein Maskenball ftatt. Die Straßenpassanten bemerkten nun zu ihrem Erstaunen, wie sich ein junges Mädchen zum Ball be­gab, das als Maste die Darstellung der Kreuzigung Christi trug. Nachdem das Mädchen in dieser Maske aus dem einen Ballofal ausgewiesen war, begab es sich in ein anderes Ballokal, wo es tm Gedränge der Mas­fen untertauchte. Nach einiger Zeit aber wurde es in einer Ecke bes Saales buchstäblich gefreuzigt aufgefun­ben. Die Ursache dieses Vorganges ist noch nicht auf­geklärt. Man nimmt an, daß das Motiv auf religiösen Wahnsinn zurückzuführen ist. An dem Aufkommen der Unglücklichen wird gezweifelt.

Die Schulden des Hauptmanns Lux. Gegen den aus Glaz entflohenen Hauptmann Lux wird im Reichsanzeiger vom 26. Februar eine öffentliche Zu­stellung veröffentlicht. Die Firma G. Töpfer in Glaz flagt gegen den französischen Hauptmann Lux in Frank­retch unbekannten Aufenthaltes, unter Behauptung, daß Beklagter während seiner Festungshaft der Klägerin für fäuflich entnommene Waren 60,94 Mark schuldig geworden set. Aur mündlichen Verhandlung" wird der Beklagte vor das Glazer Amtsgericht, Zimmer 24, auf den 30. April, vormittags y Uhr, geladen. Es ist wohl kaum anzunehmen, daß der Beklagte dieser Auf­forderuna Foloe leisten wird

Die Besoldung des Personals der städtischen Ver: waltung von Berlin, ausschließlich der Magistratsmit­glieder, erfordert für 1912 eine Ausgabe von rund 14 Millionen Mark, ungerechnet der Ausgaben für Po= Itzei und Feuerwehr. Die Ausgaben für die Beamten der Sparkasse, der Feuerfozietät, der Stadthauptkasse, die in der Werksabteilung beschäftigt sind, der Werke usw. in Höhe von rund 1% Millionen Mart sind in die­ser Summe mitinbegriffen, die für die Direktoren der Werke indessen nicht. Für die königliche Polizei hat Berlin 8,3 Millionen Mark und für das Feuerlöschwe­fen 2 Millionen Mark zu zahlen nach Abzug der Ein­nahmen von 1% Millionen Mark Beitrag der städtischen Feuersozietät. Insgesamt werden danach 26 Millionen Mark für die Personalbesoldung, Polizei und Feuer­wehr gebraucht.

27 Millionen Marz für die Berliner Volksschulen find nach dem Etatsentwurf fitr dieses Jahr vorgesehen. Am 1. April dieses Jahres werden in Berlin 308 Schu­len, und am 1. Oktober dieses Jahres 309 Gemeinde­schulen und 21 Hilfsschulen besetzt sein. Ende März vorigen Jahres waren vorhanden: 302 Reftoren, 3270 Gemeindeschullehrer, 1681 Gemeindeschullehrerinnen, zusammen 5256 Lehrpersonen. Für die Besoldung und Honorare find 20,2 Millionen Mart vorgesehen; für Lehrbücher, Schreibbedarf usw. find 334 000 Mark einge­stellt. Für Schul-, Haus- und Turngeräte werden 151 000 Mart verlangt und fitr Heizung, Beleuchtung, Wasser usw. rund 982 000 Mart. Die Reinigung er­fordert 345 000 Marf, die bauliche Unterhaltung fast 1 Millionen Mart. Für Prämien usw. sind 49 200 Mark bewilligt, und für verschiedene Ausgaben rund 200 000 Mart.

Die Folgen einer verfrühten Ehrung. Die Unter­schlagungen des verstorbenen Direktors Hempel von der Borsigwalder Terrain- Attien- Gesellschaft haben auch die Gemeinde Tegel bei Berlin in eine verzwickte Lage gebracht. Allerdings nicht in eine finanziell verzwickte, sondern in eine etwas komische Lage. Als Hempel näm­lich noch im Zenit seines Ruhmes stand, wurde in An­erfennung seiner großen Verdienste um die Boden­verwertung" eine Straße in Tegel Hempelstraße" be­nannt. Jeßt, nachdem sich herausgestellt hat, daß Hem­pel ein Betrüaer war, wird auch das Verschwinden die­fes Andenkens an thn gewünscht, und es sind bereits Anträge gestent worden, der Straße einen anderen Namen zu geben.

Jede Kugel trifft ja nicht. Wenn man die Men­schenverluste in den letzten Feldzügen mit der Zahl der verfeuerten Patronen vergleicht, so ergibt sich die auf­fallende Tatsache, daß troß der zunehmenden Präzision der Feuerwaffen doch die Verluste immer mehr abneh= men. So weist z. B. Waterloo 24 Prozent, Sedan nur 12 Prozent Verluste auf. Es beruht dies darauf, daß die Entfernungen, aus denen das Feuergefecht eröffnet wird, gewachsen sind und daß die Sichtbarkeit der Biele bedeutend abgenommen hat. Bei Colenso brauchten die Buren 600 Schüsse, um einen Treffer zu erhalten, bei den Engländern brauchte man dazu sogar 5000 Schüsse. Die Maroffaner verfeuerten 1897 im Kampfe gegen Raifult 80 000 Patronen, gaben 800 Maschinengewehr­ladungen ab, warfen 120 Granaten und hatten fei= nen Treffer. Die Serben brauchten bei Zaribrod am

VII.

Zwei Tage später sah Waldemar die Geliebte wie­der. Als er aus dem Bureau seines Fabrikherrn kam, dem er wie alltäglich Rapport abgestattet hatte, fand er Desiree an der Verandatür sizend mit einem Buche in der Hand.

Ste streckte ihm beide Hände entgegen, und thr noch blaffes Gesicht färbte sich mit einem halben Rot, als er mit einem Ruf des Entzückens auf sie zukam.

" Ich habe Ste hier erwartet, Herr Tyrolt", sagte ste mit einer Stimme, welche ihn vor Wonne erbeben mach­te. Es war mein Wunsch, Sie zu sprechen, bevor noch die Tante sich sehen läßt, Ihnen noch einmal von gan= zem Herzen zu danken."

Als ob es dessen bedürfte", unterbrach er sie, an ihrer Seite Plaz nehmend. Ich wollte, ich hätte schon vor der Katastrophe eingreifen können. Denken Sie nicht mehr daran, teures Fräulein."

,, immer, immer werde ich daran denken! Wüßte ich nur, wie ich Ihnen meine grenzenlose Dankbarkett beweisen könnte!"

" Ihre Rettung ist mir Lohn genug, Desiree. Daß es mir vergönnt war, Ihr Leben zu erhalten, erfüllt mich mit unsagbarem Entzücken, denn wenn Sie ge­storben wären, hätte ich ja mein Liebstes auf Erden verloren."

,, Lieben Sie mich denn?"

" Ja, Desiree, von ganzer Seele, mit aller Inbrunst meines Herzens. Wenn ich es bisher auch nicht zut sagen wagte, Ste mußten die Leidenschaft fühlen, welche mich ergriffen, seit mir das unverdiente Glück zuteil ge= worden, in Ihrer Nähe weilen zu dürfen. Sie waren seit Monaten mein einziger Gedanke, mein Traum des Glückes, der Gegenstand meiner heißen Sehnsucht. Heu­te aber liebe ich Sie mehr denn je, denn ich habe An

24. November 1885 im ganzen 200 000 Schüße, um 68 Bulgaren zu treffen. Die Franzosen verfeuerten 1881 im Gefecht bet Chellala. 35 000 Gewehrpatronen und 41 Artilleriegeschoffe, um 70 Araber zu treffen. Ein Engländer, der sich mit der Schießausbildung der mo dernen Infanterte befaßt, fagt, wenn ein Heer so well gebracht würde, daß mit 600 Schüffen immer ein sicherer Treffer erzielt wird, so wäre dies die am besten schießende Armee der Welt.

Drahtnachrichten und neuestes.

Ein rheinisches Kurhaus von Felsblöden bedroht. Coblenz, 1. März. Infolge des anhaltenden starken Regens der lezten Tage haben sich bei Sobern heim an der Nahe große Felsblöcke losgelöst und dro hen, auf das Kurhaus Jungborn zu stürzen. Alle Maß­nahmen zur Verhütung einer Katastrophe sind getrof­fen worden.

Die Großmächte als Friedensvermittler.

Paris, 1. März. Petit Paristen" will über die von den fünf Großmächten bei den Kriegführenden eingeleiteten Schritte wissen, daß die Mächte sich darauf beschränkt haben, an die italienische und die türkische Regierung die Anfrage zu richten, unter welchen Be­dingungen sie geneigt sein würden, über den Frieden zu verhandeln. Man gibt sich übrigens keinem großen Optimismus hin, da in letzter Zeit die Gegensäße zwi­schen den beiden kriegführenden Parteien wieder schär­fer hervorgetreten find.

Ausschreitungen im Pariser Chauffeurstreik. Paris, 1. März. Gestern abend überfielen aus­ständige Chauffeure in der Nähe des Hauptbahnhofs mehrere arbeitswillige Chauffeure. Die Schußleute, die den Angegrifienen zu Hile eilten, wurden von den Streifenden mit Revolverschüssen empfangen. Verlezt wurde bei der sich entwickelnden Schießerei niemand. Gegen das Apachentum in Paris.

Paris, 1. März. Infolge der Ermordung des Pariser Schußmanns Garnier durch Banditen, die im Auto entfamen, hat der Polizeipräfekt den Befehl an die Schuyleute gerichtet, in allen Fällen, wo Chauf­feure nach Verübung von Verbrechen oder Vergehen in thren Fahrzeugen die Flucht ergreifen, ohne weite­res die Luftreifen der Automobile durch Säbelhtebe zu durchschneiden.

Berliner Getreide und Schlachtviehmarkt.

Während die Verhältnisse des Weltmarktes eine reichliche Versorgung Europas mit Wetzen erwarten lassen, kann man, was insbesondere Deutschland angeht, mit einiger Berechtigung vermuten, daß der vom Welt­markt ausgehende Druck auf den Preisstand wohl kaum auf erheblichen Widerstand stoßen wird. Die Saaten sind im allgemeinen, soweit bis jetzt Nachrichten vorite­gen, gut durch den Winter gekommen, die milde, feuchte Witterung ist günstig, die Eröffnung der Schiffahrt er­leichtert die Zufuhr, das Angebot vom Inlande mehrt fich, die Ausfuhr hat sich eingeschränkt und der Konsum hält mit Käufen außerordentlich zurück. Namentlich für Roggen war die Aufnahmefähigkeit der Mühlen wegen schlechten Mehlgeschäfts sehr gering und der starke La­gerbestand in Berlin ist ein nicht zu unterschäßender Faktor für die Preisbildung in nächster Zeit. Hafer fonnte sich ebenso wie Futtergerste und Mats besser be­haupten. Aber schließlich zeigten sich die inländischen Produzenten williger, Hafer zu begeben. Am lezten Lage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Lie­ferung im Mai wie folgt: Weizen 213,25 M., Roggen 192,00 M, Hafer 192,75 M., Mais 166,50 Mr.

Preise des städtischen Schlachtvieh- Marktes. 1. Och sen: a) vollfleischtge, ausgemästete höchsten Schlachtwer­tes, ungejocht 81-86 M., b) junge, fleischige, nicht aus­gemästete und ältere ausgemästete 73-82 M., c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 66-72 M. 2. Bullen: a) vollfleischige ausgewachsene höchsten Schlacht­wertes 75-81 M., b) vollfleischige jüngere 71-79 M., C) mäßig genährte füngere und gut genährte ältere 66 bis 72 M. 3. Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemä­stete Färsen höchsten Schlachtwertes 75-78 M., b) voll­fleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, bis zu 7 Jahren 68-74 M., c) ältere ausgemäffete und we= nig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 64-69 M., d) mäßig genährte Kühe und Färsen 55-62 M., e) ge= ring genährte Kühe und Färsen bis 62 M., f) gering ge nährtes Jungvieh( Fresser) 54-68 M. 6. Kälber: a) Doppellender feinster Mast 114-143 M., b) feinste Mast= tälber 97-105 M, c) mittlere Mast- und beste Saug­fälber 87-93 M., b) geringere Mast- und gute Saugfäl= ber 79-88 M., e) geringere Saugfälber 62-78 M. 5. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 74 bis 84 M, b) ältere Masthammel, geringere Maſtläm­mer und gut genährte junge Schafe 68-72 M., c) mäßig genährte Hammel und Schafe 56-72 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 3tr. Lebendgewicht 65-66 M., b) vollfleischige Schweine 250 bis 300 Pfund 63-65 M., c) vollfleischige 200-240 Pfund 61-64 M., d) vollflet­schige Schweine 160-200 fund 60-62 M., e) voliflet= schige Schweine unter 160 Pfund 55-58 M., f) Sauen 60-61 M.

teil an Ihrem Leben und darf mit der Zuversicht des Glücklichen fragen: Geltebte, willst Du mein werden, mein herrliches Weib, meine Gefährtin für das ganze Leben?"

Ja, Waldemar, ich will Dir folgen, als Deine Gat­tin, Dir will ich angehören", flüsterte Destree, sich an ihn schmiegend, und ich preise den lieben Gott, daß er mich in Todesgefahr brachte, um uns schneller zusam= menzuführen zum seligen Leben."

Waldemar drückte einen langen, innigen Kuß auf thren schwellenden Mund.

,, Nun habe ich von Dir Besitz genommen als meine Ilebe Braut", sagte er aufjubelnd. Daß Du es weißt, Desiree. Pava billigt unsere Verlobung, er gibt uns feinen Segen und auch die Tante fügt sich, wenn auch mit Seufzen."

Ich weiß", lächelte das Bräutchen. Papa hat mich bereits gesegnet und Tante hat mir ihr Leid geklagt." " So steht unserem Glück niemand im Wege als Dein Bruder Olivier,

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freilich, er mag Dich nicht leiden." Er haßt mich.

,, Er haßt alle, die ihm körperlich und geistig über­Tegen sind," sagte das junge Mädchen leichthin. Wir werden uns darüber trösten müssen. Gottlob, Papa ist Herr im Hause. Was er will, geschieht."

" Nicht nur der persönliche Haß ist es, der mich von Olivier trennt, sondern auch der politische," seufzte Wal­demar. Er sieht in mir einen Feind des Vaterlandes und tut mir damit bitter Unrecht. Ich liebe dieses schöne Frankreich, als ob es meine Heimat wäre, und wenn Du erst mein Weib sein wirst, soll es mir doppelt teuer fetn."

( Fortsegung folgt.)