Ausgabe 
2.3.1912 Erstes Blatt
 
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Deutscher Reichstag.

unterricht obligatorisch und von der Erwerbung eines Abgangszeugniffes in diesem Unterrichtszweig die Er­laubnis zur Eheschließung abhängig gemacht wird. Der Vorschlag begegnete einer gedämpften Hetterkett. An­scheinend wußte man nicht recht, ob man ihn ernst neh­men sollte.

Am Mittwoch wurde mit der zweiten Lesung des Ctats des Innern begonnen. Abg. Mayer( 3.) sprach gegen das Kohlensyndikat und für ein Reichspetroleum­Monopol. Abg. Pauli( tons.) nahm sich des Mittel­standes an. Abg. Graf Posadowsky( wild) wandte sich gegen den alten Boltzetstaat, gegen eine gefezwidrige Auslegung des Reichsvereinsgefeßes durch manche Be­hörden und gegen den fortgesezten Auftauf von Bauern­gütern durch den Großgrundbesiz. Er verteidigte die febige Wahlkreiseinteilung und wandte sich sodann ge­gen die Herabfeßung der Altersgrenze im Invaliditäts­geset. Am Donnerstag wurde die Beratung fortgesetzt, wobei zuerst Abg. Bassermann( ntl.) das Wort nahm. Er regte wiederholt die Teilung des Reichsamtes des Innern in zwet Reichsämter ant, lobte unsere Sozial­politif, die nicht stille stehe und bezeichnete das Reichs­vereinsgesetz als einen Fortschritt, der besonders der Ar­beiter- und Gewerkschaftsbewegung zugute komme. Redner lehnte es ab, die sozialdemokratische Bewegung mit Gewalt niederzuschingen, ebenso das Koalitionsrecht der Arbeiter anzutasten und verlangte eine neue Wahl­freiseinteilung sowie eine allgemeine Besitzsteuer. Abg. Doormann( f. Vp.) forderte die Festlegung der Alters­grenze auf 65 Jahre. Er bezeichnete die Wohnungs­frage für dringend. Staatssekretär Delbrück sprach sich gegen eine Tellung des Reichsamts des Innern aus und wies dann die Behauptung der Sozialdemokraten zurück, daß sie allein die Sozialpolitik gemacht hätten. In längeren Ausführungen legte der Staatssekretär dar, daß von einem Stillstand der Sozialpolitik nicht die Rede sein könne. Für Streifvergehen reichten die bis­herigen Strafbestimmungen aus.

Die Berliner Frauentagung.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Ueberschuß aus dem Reichsetat für 1911 dürfte sich auf rund 180 Millionen belaufen. Diefer Ueber­schuß wird aber keinesfalls zur Deckung neuer Ausga­ben herangezogen. Er wird vielmehr zur Tilgung von Ausgaben nicht werbender Natur verwendet werden, die nach dem strengen Grundsaße in den ordentlichen Etat gehören, aber seinerzeit in dem außerordentlichen Etat untergebracht wurden. In parlamentarischen Kreisen hat man übrigens die Hoffnung, den Etat bis zum 31. März zu verabschieden, fast aufgegeben. Man rechnet damit, daß die Regierung dem Haus ein Not­etatsgesetz für zwei Monate vorlegen wird, das den Bundesrat ermächtigt, die Ausgaben auf der Grundlage der beiden ersten Monate des Etats für das Jahr 1911 zu leisten.

gefängnis eingeliefert worden. Mehrere Mitglieder der Bande sind auf dem Transport entwichen.

105 Jahre alt geftorben. Der älteste Mann der Provinz Posen, der Schuhmacher Zaborowski in Sa­motschin, ist im Alter von 105 Jahren gestorben. Er erfreute sich bis in die letzte Zeit einer ausgezeichneten Gesundheit. Bet seinem 100. Geburtstag hat der Grets ein tatferliches Gnadengeschenk von 300 Mark erhalten. Ein vorsichtiger Selbstmörder war der 25jährige Tapezterergehilfe Rohde in Groß- Lichterfelde bet Ber­Itn. Er steckte in seinem Zimmer die Matraße in Brand, übergoß sich dann selbst mit Wasser, damit er nicht von den Flammen ergriffen werde und suchte nun durch den sich entwickelnden Qualm den Erstickungstod zu finden. Der Lebensmüde kam auch zum Ziel. Als die Tat ent­deckt wurde, war er bereits tot.

Wie die endgültige Reichstagspräsidentenwahl am 8. März ausfallen wird, ist, wie der Franks. Ztg." aus Berlin bestätigt wird, zurzeit noch durchaus unklar; denn es haben zwischen den Parteien noch keine Vers handlungen zum Zwecke einer Vereinbarung stattge­funden. Einzelne Versuche, die in der Hauptsache da­raus hinausliefen, die Zustimmung der Parteien der Rechten für einen nationalliberalen Präsidenten zu ge= winnen, haben zu feinem Ergebnis geführt. Ob es überhaupt zu Verhandlungen zwischen den Parteten tommen wird, ist auch fraglich, weil sich die meisten von ihnen so festgelegt haben, daß sie nicht mehr gut zurück tönnen.

Am Dienstag wurde in Berlin der deutsche Frauenkongreß eröffnet, auf welchem es recht interes­fant herging. Die Reform der Hauswirtschaft war das Thema, zu dem die erste Rednerin, Frau Elly Heuß­Knapp das Wort ergriff. Die Vortragende ist eine überzeugte Gegnerin der von den Ultras der Frauen­bewegung gewünschten Vergesellschaftung des Haus­halts, der gerade inmitten der Großbetriestendenzen der Gegenwart seinen individualistischen Charakter nicht nur bewahrt habe, sondern ihn sogar zu vertiefen be­strebt fet. Gemeinwirtschaftliche Experimente, wie das Einfüchenhaus, würden bis auf weiteres Experimente bleiben, troß aller Vorteile und Ersparnisse. Denn je mehr sich das Berufsleben mechanisch gestalte, desfo mehr straube sich der Mensch gegen die Schematisierung auch seines Haushalts. Die Erleichterungen, die der moderne Haushalt der Industrie verdankt man braucht nur an Konservenfabriken, Wasserleitung, Ret­nigungsmaschinen zu denken, ermöglichen der Frau die Teilnahme am Erwerbsleben neben der Erfüllung häuslicher Pflichten, der die Tendenz innewohnt, sich zur Qualitätsarbeit zu verfeinern. Diese höhere Hausarbeit fegt aber eine berufsmäßige Ausbildung voraus.

Verzweiflungstat eines Kranken. Auf dem Hofe des Krankenhauses in Willich( Rheinland) fand man einen lungenfranken Patienten mit zerschmetterten Gliedern tot vor. Der Kranke hatte sich in der Ver= zweiflung aus dem dritten Stockwerk in den Hof hinab gestürzt.

Ein Reichspetroleummonopol? Die N. Breuß. Corr." schreibt: Unter den Steuer- und Abgabe- Plänen, die im Jahre 1909 gelegentlich der Reichsfinanzreform ausgearbeitet wurden, befand sich auch der Plan eines Reichspetroleummonopols. Man hat diesen Plan von neuem geprüft und wiederholt aus wirtschaftspolitt­schen Rücksichten wieder fallen lassen. Nun aber ist der Plan abermals aufgenommen worden, und diesmal ist man augenscheinlich in Regierungsfreisen entschlossen, den gesetzgebertschen Versuch zu machen, diesen Blan zu

In der Diskussion trat Frau Regine Deutsch für eine berufsmäßige Ausbildung der Dienstboten und für gefeßliche Regelung ihrer Arbeitszeit ein, und Frau Lischnewska warf sich mit Eifer zum Anwalt des Ein­Küchenhauses auf. Ste würde ohne Bedauern den Ein­zelkochtopf" aus dem Haushalt verschwinden sehen. Die Referentin nahm sich dagegen in ihrem Schlußwort warm dieses Einzelkochtopfes" an und wollte ihn nicht mtssen zu Gunsten einer billigen, unschmackhaften, un­ästhetischen Massenbeföstigung". Hier fei der erste und beste Platz für Qualitätsarbeit der Frauen.

verwirklichen.

Ein Revolverkampf zwischen einem Schuhmann und mehreren Rowdies hat sich in der vergangenen Nacht im Nordosten Berlins in der Lothringerstraße abgespielt. Hierbei wurde ein 21 Jahre alter Telepho­nist durch eine Kugel in den Oberschenkel getroffen und schwer verletzt. Er wurde verhaftet und nach der Cha­ritee gebracht.

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Das älteste Schalttagskind in Süddeutschland etn angesehener Mitbürger der Stadt Heidelberg, Zi­garrenfabrikant Friedrich Erhard, der am 29. Februar feinen 20. Geburtstag fetert und damit sein 80. Lebens­jahr vollendet.

Sein 60jähriges Dienjubiläum feterte am Frei­tag der General der Infanterie von Seebeck, Kurator der Kaiserin Augusta- Stiftung in Potsdam. Der Kat­ser und die Kaiserin sandten herzliche Glückwunschtele­gramme an den Jubilar.

Die Strafgesetzkommission des Reichstags hat nach Abschluß der Beratung über die allgemeinen Teile des Vorentwurfs eine Gesamtredaktion der bisherigen Be­schlüsse vorgenommen. Mit Geldstrafen bedrohte Hand­lungen gelten erst dann als Vergehen, wenn die Straf­androhung 500 Mark übersteigt. Alle mit Geldstrafen bis zu 500 Mark oder mit Haft bedrohten Straftaten sol­Ten Uebertretungen sein. Die Höchstdauer der Haft ist von sechs Wochen auf drei Monate heraufgesetzt. Die Kommission hat ferner eine Bestimmung eingestellt, wo­nach in den Fällen, wo das Gesetz dem Richter die Wahl zwischen Freiheitsstrafen verschiedener Art läßt, auf Buchthausstrafe nur erkannt werden darf, wenn die Tat auf ehrloser Gesinnung beruht, dagegen auf Einschlie­Bung zu erkennen ist, wenn die Tat weder auf ehrloser noch verwerflicher Gesinnung beruht.

Selbstmord eines Referendars. Der 28 Jahre alte Referendar Dr. Walter Schmuhler in Dresden verübte in seiner Wohnung Selbstmord. Vermutlich handelte er aus Furcht vor dem Assessorexamen. Schmußler versuchte er sich erst zu hängen, nahm dann, als der Ver such fehlschlug, Gift und feuerte noch eine Kugel auf fich ab.

Nach Unterschlagung von 5000 Mark ist der 19 Jahre alte Kaufmannslehrling Rump aus Neu- Cölln bei Berlin flüchtig geworden. Er sollte einen Scheck von 5000 Mark für Löhne abheben.

Rußland als Friedensvermittler. Nach Informa­tionen der Pforte soll der Vorschlag des russischen Mt­nisters Sasanow dahin gehen, in Konstantinopel und Rom Schritte zu unternehmen, um die Friedensbedin= gungen fennen zu lernen. Der von Rußland vorge­schlagene Weg für eine freundschaftliche Vermittlung zwischen Italien und der Türkei soll vor allen Dingen darin bestehen, Italien zu fragen, unter welchen Be­dingungen es Frieden schließen würde, wobei die Sou­veränität Italiens über Tripolis und die Cyrenaika unangetastet bliebe. Darauf würden dann die fünf Großmächte geeignete Schritte in Konstantinopel unter­nehmen.

In dem Wunsch nach allgemeiner Höherbewertung des häuslichen Arbeit der Frau klang das erste Referat aus, und diesen Gedanken griff die zweite Referentin, Frau Marianne Weber- Heidelberg auf. Sie wies auf den von zahlreichen Frauen als unwürdig empfundenen Zustand hin, daß sie selbst in der Verwendung ihres eigenen verdienten oder eingebrachten Geldes völlig vom Manne abhängig sind. Von den voll erwerbstätigen Frauen sind 76 pet. Landarbeiterinnen, und diesen wird thr färglicher Lohn nicht einmal ausbezahlt, sondern er tommt in die Hände des Mannes. Das selbständige Geldverdienen, das ein Teil der Frauenbewegung als einzigen Weg zur wirtschaftlichen Emanzipation der Frau betrachtet, fann also noch nicht als Richtschnur für die Zukunft aller Frauen gelten. Befuntäre Unab hängigkeit der Frau vom Mann würde sich aber nach Ansicht der Rednerin vielleicht erreichen lassen durch eine Ausgestaltung des Eherechts in der Form, daß das Gesetz der Ehefrau ein Anrecht auf Vereinbarung fo­wohl eines festen Haushaltsgeldes als auch eines festen Nadelgeldes für thre besonderen Bedürfnisse zubil­ligt. Damit würde auch für beide Teile der jegensreiche Zwang geschaffen sein, ein Budget aufzustellen, in dem Ausgaben und Einnahmen miteinander im Einklang ftehen.

Schließlich trat Frau Elifabeth Gnauck- Kühne für die Schaffung eines weiblichen Dienstjahres in der Weise ein, daß in den Schulen ein Jahr Haushaltungs­

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Unter Feinden.

Roman von Karl Matthias.

( Nachdruck verboten.) ,, Nicht nur das, ich habe sogar schon Ihres Vaters Einwilligung."

Lüge! Mein Vater gibt seine Tochter feinem Prus­flen," zeterte das überraschte Herrchen. Mein Vater ist ein guter Franzose, er haßt Euch Barbaren nicht went­ger als ich."

Kleine Nachrichten.

Die Nationalspende für das Militär- Flugwesen in Frankreich nimmt mit jedem Tage zu. Bis Freitag hatte sie die Summe von 592 000 Francs erreicht.

Aus den Gerichtscälen.

Keine Unfallrente bei Trunkenheit. Wie der Inf." mitgeteilt wird, hat das Reichsversicherungsamt in et­ner wichtigen Entscheidung einen Rechtsgrundsatz auf­gestellt, der von allgemeinem Interesse ist. Ein Arbet­fer hatte unerlaubt seine Arbeitsstätte verlassen und sie erst nach längerer Zeit der Abwesenheit im Zustande völliger Truntenheit wieder betreten. Er war völlig unfähig zur Arbeit und erlitt infolge seines Zustandes einen Unfall, auf Grund dessen er Ansprüche auf die Zahlung einer Unfallrente machte. Der Arbeitgeber, eine Behörde, lehnte den Anspruch ab und das Reichs= versicherungsamt trat ihrer Auffassung bei: da der Ar­beiter infolge von Trunkenheit unfähig zur Arbeit war, sei der Unfall nicht als Betriebsunfall anzusehen. Der Mann hätte durch die verbotene Entfernung von seiner Arbeitsstelle und durch den Alkoholgenuß, der ihn zur Erfüllung seiner Pflichten unfähig machte, jeden zu­fammenhang zwischen seiner Person und dem Betriebe gelöst. Dieser set auch durch die Rückkehr nicht wieder hergestellt worden, da er weder tatsächlich gearbeitet hatte, noch dazu imstande gewesen wäre.

Die Kronprinzessin von Schweden ist Mittwoch früh von einem Prinzen entbunden worden. Mutter und Kind befinden sich sehr wohl. Die 1882 geborene Kronprinzessin Margarete, Prinzessin von Großbritan nien und Frland, hat threm Gemahl, dem Kronprinzen Gustav Adolf von Schweden, mit dem sie seit 1905 ver­mählt ist, bereits drei Kinder geschenkt.

Diebstahl im D- Zuge. In dem D- Zug, der in der Nacht zum Donnerstag von Berlin in Frankfurt a. M. eintraf, wurde einem Reisenden die Brieftasche mit 8000 Mark Inhalt gestohlen. Der Bestohlene merkte den Verlust erst auf der Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim. Von den Tätern hat man keine Spur.

Tyrolt hatte es längst aufgegeben, den künstlichen Chauvinismus dieses Ersoldaten zu bekämpfen. Er verließ ohne Antwort die Veranda und trat in den Sa­Lon, wo er Bourlier Vater und Frau von Tarandal fand.

" War das nicht die Stimme meines Sohnes?" fragte der alte Herr, seinen Fabrikdirektor durch eine Handbewegung zum Sizen nötigend. Sonderbar, ich höre ihn immer sprechen, gesehen habe ich ihn noch nicht. Wovon sprachen Sie? Das klang ja fast wie ein Streit!"

Eine 25föpfige Zigeunerbande verhaftet. In Schweinfurt( Unterfranken) ist ein 25köpfige Zigeuner= bande unter starker Bedeckung von Gendarmerie, Feu­erwehr und bewaffneten Bauern in das Landgerichts­

Es war dergleichen," erwiderte Tyrolt auswet­chend. Ich habe Pumarquet wegen Unregelmäßigkeiten entlaffen müssen. Herrn Olivier wars nicht recht. Wte geht es Fräulein Desiree?"

gehalten haben. Ich bin nur Tante, ich füge mich und spreche Ihnen meinen Glückwunsch aus."

" Daß ich Sie, gnädige Frau, der Gesellschaft Ihrer Nichte werde berauben müssen, wenn Desiree einwilligt, meine Gattin zu werden, ist der einzige bittere Tropfen im Kelche meines Glückes."

Beling von den Republikanern bedroht.

Das glaube ich Ihnen nun wieder auf's Wort," meinte die Dame ironisch.

Ganz leidlich," antwortete Frau von Tarandal statt des Hausherrn. Das Fieber scheint gehoben zu fein. Morgen wird sie vielleicht schon wieder zum Vorschein kommen. Bis dahin müssen Sie schon Ge­buld haben, Retter und Ritter meiner leichtsinnigen Nichte."

" D, ich will geduldig warten, bis Desiree völlig ge= nesen ist."

Die chinesischen Republikaner scheinen sich in die Ordnung der Verhältnisse des himmlischen Retches nicht gewöhnen zu können. Am Donnerstag abend be= gannen in Peking einige hundert Soldaten Juanschi­fais zu meutern. Sie plünderten mehrere Häuser, zün­deten sie an und begannen ein planloses Schießen. Et­nige tausend Soldaten wurden aufgeboten, um die Ordnung wieder herzustellen. Der Draht berichtet weiter:

Der Diener meldete, daß das Diner serviert set. Frau von Tarandal reichte Tyrolt thren Arm. Man begab sich in das Speisezimmer, wo die Tafel für vier Personen gedeckt war.

,, Ste Schlimmer," drohte die alte Dame, als ob Sie nicht jede Minute bis zum Wiedersehen zählten. Mein Bruder hat mir bereits mitgeteilt, daß Ste Deftree ( nicht nur uns erhalten haben, sondern auch um fte an­

" Ich denke, daß Olivier erscheinen wird," erklärte Bourlier.

Peking, 1. März. Die Unruhen dauerten ge­stern bis spät in die Nacht. Die Aufrührer verlassen jezt, nachdem sie vielen Schaden angerichtet haben, mit ihrer Beute die Stadt. Die von ihnen angelegten Brände haben eine große Ausdehnung angenommen und sind zum Teil noch nicht gelöscht. Die Gesandt­schaftswachen brachten die Ausländer ohne Belästigung nach den Gesandtschaften. Dagegen wurde in den äußer­sten Stadtteilen auf Ausländer geschossen, ohne daß je­mand verlegt wurde. Jetzt wird für die Ausländer

Als die Herrschaften Platz nahmen, trat der Erwar­tete ein und ließ sich zwischen Vater und Tante, dem Direktor gegenüber, an dem Tische nieder, nachdem er einige verdrossene Begrüßungsworte gesprochen hatte.

,, Nun mein Sohn, Du hast Dir Zeit gelassen, nach dem unfreiwilligen Bade Nachricht zu geben. Jedoch Du bist wohl auf, das versöhnt mich mit dem, was geschehen."

Kein Wort des Vorwurfs," dachte Tyrolt, und gestern dieser Zorn. Der Mann ist wahrscheinlich ein schwacher Vater."

wirklich teilnehmende Menschen fand, welche mir nicht mit Spott begegneten, wie ich es hier befürchten mußte, nachdem ich in die gestellte Falle gegangen war."

Der Diener servierte ein Ragout. Die Unterhaltung stockte. Als er sich entfernt hatte, fragte Bourlier leichthin:

Sehr liebenswürdig, daß Du überhaupt Notiz von meinem Unfalle genommen hast," höhnte der Exleut­nant, bet dem die gütigen Worte auf unfruchtbaren Boden gefallen waren. Ich glaube, wenn ich der Tor­heit meiner Schwester zum Opfer gefallen wäre, wür­dest Du Dich nicht minder vergnügt zum Liebesmahle setzen."

Von welcher Falle sprachst Du?"

Statt Olivier, antwortete Tyrolt, der, leicht erblet­chend, das Haupt in den Nacken warf.

Herr Bourlier meint, daß Fräulein Desiree ihn nur deshalb zur Kahnfahrt aufforderte, um mir Ge­legenheit zu geben, meine Schwimmkünste zu zeigen." Aber das ist ja absurd," warf Nataly ein. Wenn Du Deine Kraft und Deine Ruderkunst nicht überschätzt hättest, würdest Du der Schwester Bitten nicht nachge­geben haben. Sie ist ein halbes Kind, Du ein Mann. Die Schuld an dem Unglück trifft Dich allein." Wenn ich nicht nachgab, so fuhr sie mit dem Herrn Fabrikdirektor," murrte Olivier. Das wollte ich nicht, denn der Herr dort ist kein Begleiter für Desiree."

Aber Olivier," rief Madame Nataly empört. Wie fannst Du nur so sprechen? Wir sind fast gestorben aus Angst um Dich, während Du lustig in Sedan pofultertest."

" Ich blieb dort, weil ich unter meinen Kameraden

,, Was unterstehst Du Dich," zürnte Bourlier. Du beleidigst meinen Gast in meinem Haufe? Er ist ein Mann, den ich hoch schäße, mein Freund, und wird mir bald noch mehr sein."

Also ist es die Wahrheit, daß Du der Werbung dieses Fremden stattgeben willst?"

" Ich verbiete Dir diesen Ton, Olivier. Herr Tyrolt bewirbt sich um Deiner Schwester Hand, und ich sage Ja und Amen dazu, da er ein Mann nach meinem Herzen ist."

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Dann bedaure ich, nicht länger im Vaterhause wet­Ien zu können," sprach Olivter, sich brüst von seinem Plaze erhebend, in schneidendem Tone, in welchem sich sein ganzer Haß und die Bosheit seines Charakters fund gab. Auf Wiedersehen, Papa, sobald ich die Ges wißheit habe, diesen Prufften und Glückstäger hter nicht mehr anzutreffen."

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