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Deutscher Reichstag.

In der Sonnabendstßung konnte nur die Generaldis­kussion über die Reichsversicherungsordnung in dritter Le­sung beendet werden. Staatssekretär Delbrück fühlte sich, wie die Redner der Parteien aus dem Hause, veranlaßt, vom Standpunkt der Verbündeten Regterungen das Fazit der sich ihrem Ende nun zuneigenden Verhandlungen zu stehen und zu betonen, daß organisatorisch zwar manches nicht nach den Wünschen der Regierung seine Regelung ge­funden hat, daß aber, was die Leistungen betrifft, die Wün­sche sich erfüllt haben und daß dies die eingeräumten Kon­zeffionen als berechtigt erscheinen läßt. Er erkannte in die­ser abschließenden Rede, der eine programmatische Bedeutung im gewissen Sinne nicht aberkannt werden kann, an, daß die Gegner der Reichsversicherungsordnung mit ritterlichen Waffen gekämpft und der Verabschiedung keine unüberwind­liche Schwierigkeit in den Weg gelegt haben.

Man konnte in der Montagssitzung zweifelhaft werden, ob dies Anerkenntnis des Staatssekretärs nicht etwas ver= früht war; denn die Sozialdemokraten fielen wieder in ihre frühere Praxis zurück, mit längeren Reden aufzuwar­ten und gegen die Mehrheitsparteten den Vorwurf der Schweigsamkeit zu richten. Den letzteren ist es gelungen, mit den Verbündeten Regierungen ein Kompromiß zu ver= einbaren, nach welchem die Grenze für die Versicherungs­pflicht der Betriebsbeamten, Werkmeister, Handlungsgehil= fen usw. von 2000 auf 2500 M jährliches Einkommen erhöht wurde, das höchsterreichbare Ziel nach Lage der Situation und der Leistungsfähigkeit der Beteiligten. Auch gegen diesen Antrag, der kurz und treffend von dem Abg. Dr. Thoma( natl.) begründet wurde, erhob sich auf Seiten der Linken Widerspruch, der zu längerem Aufenthalt führte. Die Sozialdemokraten vertraten einen Antrag auf 3000 M Jahresverdienst in wiederholten Ausführungen der Abgg. Hoch und Molkenbuhr. Ihr Antrag fiel jedoch in nament licher Abstimmung gegen eine geringe Minderheit, während der Kompromißantrag darauf fast einstimmig angenommen wurde.

Sodann gab es eire ziemlich erregte Aussprache über die Wochenhilfe. Hier bezweckte der Antrag Schultz einen Busaß, wonach für Mitglieder der Landkrankenkassen, die nicht der Gewerbeordnung unterstehen, die Satzung die Dauer des Wochengeldbezuges auf mindestens 4, höchstens 8 Wochen bestimmen fanm Die Abgg. Ablaß und Gen. ( f. V.) wollten die Gewährung der Geburtshilfe und des Schwangerengeldes obligatorisch machen. Hier schlugen der Abg. Dr. David sowie die Abgg. Fegter und Bebel die schärf­sten Töne gegen die Antragsteller an. Abg. Frhr. v. Gamp ( Reichspartei) erst führte die Debatte in ruhigere Bahnen, indem er auf den Kernpunkt der Frage einging, wie ste in diesem Zusammenhang betrachtet werden muß. Er hob besonders hervor, daß die Frauen in der Landwirtschaft nur 4 bis 6 Wochen bei der Ernte und auch dann nur einen hal­ben Tag beschäftigt werden, und daß durch die Reduzierung der Beihilfe von 8 auf 4 Wochen die Mittel für die obliga­torische Hebammenfürsorge disponibel werden. Die Aus­einandersetzungen spannen sich noch eine Zeitlang weiter und endeten, wie vorauszusehen, mit der Annahme des An­trages Schulz. Ein Ende der dritten Lesung der Reichs­versicherungsordnung ist einstweilen noch nicht vorauszu=

fehen.

Winke für Invalidenmarken- Kleber.

Es kommt noch immer sehr häufig vor, daß Invaliden­tentenbewerber aus Unkenntnis der grundlegenden Be­stimmungen des Invalidenversicherungsgesetzes vom 13. Juli 1899 der Wohltaten dieses Ges- bes verlustig gehen. Im allgemeinen wird viel zu spät, namentlich von landwirt= schaftlichen Arbeitern oder Selbstversicherten, mit Verwen­dung von Quittungsmarken angefangen, vielfach erst dann, wenn sich Alters- oder sonstige Beschwerden fühlbar machen. Dann ist es meist bis zur Invalidität zu spät, die erfor= derlichen Beitragswochen nachzuweisen. Hierauf dürfte er­neut immer wieder hinzuweisen sein. Bet jeder lohn­pflichtigen Arbeit empfiehlt es sich, sich vom Arbeitgeber gleich eine Bescheinigung über die geleistete Arbeit, die Höhe des Lohnes und darüber ausstellen zu lassen, daß die Arbeit dem ortsüblichen Lohne auch wirklich entsprach.

Die Bestimmungen über den Kreis derjenigen Personen, auf die sich die Pflichtversicherung und die freiwillige Ver­Sehr ficherung erstreckt, sind viel zu wenig bekannt.

häufig wird die Anwartschaft dadurch verloren, daß während zweier Jahre keine Arbeitswochen nachgewiesen sind aber auch nicht geklebt worden ist. Dabei ist es unter Umstän­den einfach, die Anwartschaft nicht zu verlieren. Zum Bet= spiel, wenn 100 Pflichtmarken nachgewiesen worden sind, ist es gestattet, freiwillig weiter zu kleben, ohne den Nach-= weis lohupflichtiger Arbeit. 20 Marken innerhalb der be= zeichneten 2 Jahre genügen, um die Anwartschaft nicht zu verlieren. Wenn ein Versicherter die Anwartschaft auf Rente verloren und nach dem Erlöschen wieder Marken entrichtet hat, so kann er, wenn durch die Nachbringung der Marken die Anwartschaft wieder auflebt, für ein Jahr zu­rück freiwillig Marken nachkleben. Sonst darf er nur von dem Tage ab Beitragsmarken verwenden, wo er den Ent­schluß gefaßt hat, sich freiwillig weiter zu versichern. Diejenigen Personen, welche sich freiwillig versichern, kön­en Beitragsmarken einer beliebigen Lohnklasse verwenden.

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3wei Kirschen an einem Stengel.

Roman von A. von Piltencron. ( Nachdruck verboten.)

Beileibe nit," entfuhr es ihr.

Er betrachtete sie mit einem warmen Blicke.' s ist a dumme Geschicht, daß just hüt die Beratung ist, wo ich bi sin möt, und das duert bis spät, sonst kunnt wi hüt bl­samme bliewe."

Kathi begriff das, aber ein Beisammensein mit Hans wollte sie sich unter keinen Umständen entgehen lassen. Es fuhr ihr durch den Sinn, daß sie den Verwandten schreiben könne, sie müsse noch ein oder zwei Tage länger bleiben, und so schlug sie dann schnell entschlossen vor: Kunnst morge nach der Arbeit zu uns fumme." ,, Kann ich nit!"

Aberst dann übermorge!" drängte sie.

Er schüttelte den Kopf. Geht nit, hab mi allwell schonsten versagt."

Kathi wurde ungeduldig. Wer is denn, dem Du Dich zusage tätst?" Und da er keine Antwort gab, fuhr sie fort: Kunnst Dich allweil schon da losmache und zu uns fumme!"

,, Geht nit," wiederholte er noch einmal und bohrte den Knotenstock, den er in der Hand hielt, tiefer in die Erde. Aberst, Mädel, so hitzig brukts doch nit sin, next Sünntag funne wie allemal zusamme gahn."

Das geht doch nit," platzte sie jetzt heraus ,,, da bin ich wieder zurück in Friedenau!"

Der Bursche sah sie an, als hätte er nicht recht gehört. ,, Was was redst?"

"

Jetzt galt es, ihre Sache zu vertreten, und lebhaft sprudelte sie los. Auf in Jahr hab ich mich verdingt bt de Verwandte, und die dreihundert Mark, die ich dafür friegen tu, schau, das is min Heiratsgut, die trag ich auf Die Sparkass." Sie hatte so eilig gesprochen, das Herz flopfte ihr dabei so gewaltig, daß ste nun einen Augen­blid innehalten mußte, um Atem zu schöpfen.

Je höher jedoch die Beiträge sind und je mehr Beitrags­marken verwendet werden, desto höher wird später die Rente sein. Die Bestimmungen über die Entwertung der Mar­fen werden noch sehr häufig nicht beachtet. Jede Marke muß mit dem Verwendungsdatum versehen sein. Sehr häufig werden noch nach Eintritt der Invalidität Marken geklebt. Das ist immer aussichtslos zur Erlangung der Invalidenrente. slo od

Rundschau vom Cage. Politisches.

Der Kaiser hielt gestern auf dem Truppenübungsplat Döberitz die alljährliche Uebung mit der 2. Garde- Infan­teriebrigade, der sogenannten Kaiserbrigade, ab.

Prinzregent Luitpold schonungsbedürftig. Nach einer amtlichen Mitteilung aus Berchtesgaden wird der Prinz­regent seinen Aufenthalt in Berchtesgaden über die Pfingstfeiertage hinaus verlängern. Die Verlängerung des Aufenthalts in Berchtesgaden geschieht auf ärztlichen Rat. Der Prinzregent ist seit einigen Tagen leidend und muß sich Schonung auferlegen. Zu Besorgnissen ir­gendwelcher Art über das Allgemeinbefinden des Prinz­regenten ist jedoch kein Anlaß.

Das Befinden des Kaisers Franz Joseph. Der Katarrh des Kaisers ist geschwunden. Sein sonstiger Gesundheits­zustand ist befriedigend und erfordert keine therapeutische Behandlung. Alle Minister und hohen Würdenträger wur­den verständigt, daß der Kaiser von 1. bis 15. Juni feine Vorträge entgegennehmen und keine Audienzen erteilen wird. Die dringlichen Regierungsgeschäfte, soweit sie eine persönliche Inanspruchnahme notwendig machen, werden in dieser Zeit vom Erzherzog- Thronfolger Franz Ferdinand erledigt.

Die Gerüchte über den Rücktritt des preußischen Land­wirtschaftsministers v. Schorlemer entbehren der Begrün­dung. Zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Land­wirtschaftsminister besteht in der Ostmarkenpolitik völlige Einigkeit.

Der Landtagsschluß. Wie der Inf." mitgeteilt wird, fann erwartet werden, daß der Landtag spätestens am Sonnabend, den 1. Juli geschlossen werden wird. Eine Tagung bis in den Juli hinein kann als ausgeschlossen gel­ten, da die Abgeordneten sich zum Beginn der Reisezeit nicht mehr zusammenhalten lassen.

Die Abgeordnetenhauskommission zur Beratung des Ausführungsgesetzes zum Viehseuchengeset hat ihre erste Lesung beendet. Nach§ 23 können die Verbände beschlie­ßen, daß auch in anderen Fällen als den im§ 66 des Vieh­seuchengesetzes und im§ Abs. 1 des gegenwärtigen Gesetzes vorgesehenen eine Entschädigung für Verluste durch über­tragbare Seuchen der Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel und des Rindviehs oder durch Milzbrand bei Schafen zu gewähren. Hierzu wurde ein nationalliberaler Antrag angenommen, nach dem diese Bestimmungen ausgedehnt auf die durch übertragbare Seuchen für Schweine, Schafe und Ziegen erwachsen sind. Weiter wurde ein Antrag der Konservativen angenommen, wonach denjenigen Vieh­besitzern, die durch die Durchführung der Schutzmaßregeln wirtschaftlich geschädigt sind, Beihilfen gewährt werden können. Diese Beihilfen sollen aus allgemeinen Staats­mitteln den Verbänden zur Hälfte zurückerstattet werden.

Die Handels- und Gewerbekommission des Abgeord= netenhauses hat eine Petition des Bundes deutscher Buch­binderinnungen über den Wettbewerb der Gefangenen­anstalten und das Unterbieten der freien Arbeit durch Gefängnisarbeit der Regierung zur Erwägung überwiesen. Regierungsseitig wurde bestritten, daß die Gefängnisse dem freien Buchbindergewerbe nennenswerte Konkurrenz mach­ten, da größtenteils die Buchbindereien der Gefängnisse ihre Produkte nur an Staatsbehörden lieferten. Die Kon­furrenz der Gefängnisarbeit werde erheblich überschätzt.

Das Pflichtfortbildungsschulgesetz, das dem Abgeord­netenhause zur Beratung vorliegt, dürfte, wie man in par­lamentarischen Kreisen annimmt, kaum zustande kommen. Nachdem die Kommission den Religionsunterricht als Un­terrichtsfach für die gewerblichen Fortbildungsschulen an­genommen und beschlossen hat, in den Schulvorstand auch die Geistlichen wählen zu lassen, ist die Vorlage ge­fährdet, da die Regierung sich diesen Beschlüssen nicht un­terwerfen will.

Eine Entgleisung des französischen Kriegsministers. Der neue Kriegsminister Goiran hielt am Sonntag an die Pariser Korrespondenten italienischer Zeitungen, die thm auf dem Flugplatz bei dem Start Paris- Rom vor­gestellt wurden, eine Ansprache, in der sich folgende Stelle findet: Meine Herren, unsere fliegenden Helden sind be= rufen, die Alliance, pardon, ich will sagen: das natürliche

,, Das wirst nit tun," hörte sie ihn sagen, ganz ruhig, aber fest und finster, und dabei schloß sich seine Rechte zu einem eisernen Druck um ihre Hand.

,, De Mutter hätt nix darwidder," murrte ste. ,, Das wirst nit tun," wiederholte er lauter, so daß es fast wie eine Drohung Klang. Verstehst nit? Jch, der Hans Ruland, leid so was nit!"

Trozig sah sie ihm in die Augen. Ich mein, daß es a gut Ding is um die dreihundert Mark, und daß ich so a Stück Heiratsgut nit wegschmiete bruk, drum nehm ich die Stelle an, auch wannst brummen tust."

,, Auch wann ich Dirs verbiete tu?" Seine Hand preßte die ihre bis zum Schmerze.

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Das brachte ihren mühsam zurückgehaltenen Zorn zum Auflodern. Ju ju, dausendmal ju!" rief sie ihm zu. Mit was for Recht wüllst mi fommandiere?" Da schleuderte er ihre Hand weg. Weilst zwei Kir­schen an oinem Stengel of ein Will habe mußt!"

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Und Din Will füllt allemal kummandiere," mur­melte sie ,,, schau, das paßt mi of nit!" Sie war blaß ge= worden, aber einlenken wollte sie doch nicht.

,, De Stengel is allweil zerrisse, an dem de zwei Kirsche baumeln tät," lautete seine Antwort. Brauchst nit mehr nach de Hans sin Didkopp zu frage, funnst nu dun und lasse nach Din Pläsier, mich scherts nit mehr."

Stumm standen sie nebeneinander. Ueber ihren Häuptern freiste schreiend eine Krähenschar, und das sanfte Schneegeriesel, das vor kurzem eingesetzt, hatte sich ver­stärkt, so daß dichte Flocken auf sie niederfielen.

Von alle dem merkten die beiden nichts, sie hatten zu viel mit sich selbst zu tun.

,, Tu's Dir bedenken, Kathi," sagte er jetzt, sollts ut sin mit uns, oder willst dahem bleibe?"

,, Nein, ich geh," gab sie eigensinnig zurüd.

Na, denn adjüs! Merk Dir's, nu is vorbi! Ganz vorbi!" Ohne sich auch nur einmal umzusehen, hastete er mit großen Schritten davon.

Band, das Frankreich und Italien umschließt, noch) enger zu knüpfen. Ich hoffe, daß die französischen Flieger die richtigen Interpreten unseres Empfindens sein werden."

Die Algecirasatte bleibt die Grundlage? Der Matin" bringt eine anscheinend offiziöse Note, in der es heißt: Das Ansuchen Mulay Hafids um das Protektorat Frant reichs ist nicht neu. Die Regierung, die auf den, den lei­tenden Grundsäzen der Algecirasatte und der anderen tenden Grundsätzen der bestehenden Verträge zuwiderlaufenden Gedanken nicht eingehen konnte, hat ausweichend geantwortet. Die Alges cirasakte bleibt die Grundlage der Morokkopolitik Frant reichs. Ebenso selbstverständlich ist es, daß man dem An­suchen Mulay Hafids, die Zahl der vor Fez stehenden Trupa pen auf 50 000 Mann zu erhöhen, nicht nachkommt.

Die türkische Deputiertentammer hat nach Erklärun­gen des Ministers des Auswärtigen über das Vorgehen Rußlands und nach Mitteilungen des Großwesirs über den Malissorenaufstand der Regierung mit 135 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen. 47 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung.

Kleine Nachrichten.

Der gestrige Unfall des Prinzen Joachim von Preußen auf dem Döbertzer Grerzierplab ist darauf zurückzuführen, daß der Prinz im Laufe der militärischen Uebung in eine Bodenvertiefung getreten und zu Fall gekommen ist. Die ärztliche Untersuchung hat einen Bluterguß ins rechte Kniegelenk ergeben.

Ein neuer Riesendampfer der Hamburg- Amerika- Linie. Die Hamburg- Amerika- Vinie bestellte bet der Werft von Blohm& Voß ein Schwesterschiff zu dem auf der Vulkan­werft in Hamburg im Bau befindlichen Turbinenschnell­dampfer von 50 000 Tonnen für die Neuyorker Fahrt. Der auf der Vulkanwerft im Bau befindliche Dampfer soll den Namen Imperator" erhalten.

Verschiebung der landwirtschaftlichen Wanderausstel­lung. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft hat mit Rück­sicht auf den bedeutenden Umfang der Maul- und Klauen­seuche die auf 1913 in Breslau geplante Wanderausstellung ausfallen lassen und sie auf das Jahr 1915 verschoben.

Eine neue Rheinbrücke. Die preußische Regierung plant eine Ueberbrückung des Rheins zwischen Bingerbrück und Rüdesheim als Verbindung der strategischen Bahn Binger­brück- Münster a. Stein mit dem rechtsrheinischen Eisen­bahnnetz, da auf der Strecke von Koblenz- Mainz( etwa 100 Kilometer) keine Rheinbrücke vorhanden ist. Die Brücke soll nur strategischen Zwecken dienen, wahrscheinlich ist aber, daß sie später auch den Verkehr übergeben wird.

Ein Krematorium für Magdeburg. Der Magdeburger Magistrat plant auf dem Friedhof die Erbauung eines Ofens für Leichenverbrennung und hat bereits eine grö­ßere Summe für die Vorarbeiten verlangt.

Der sozialdemokratische Bergarbeiterführer Schröder, der erst Anfang dieses Jahres vom Meineid gereinigte ,, Kaiserdelegierte", der vor einigen Tagen, wie gemeldet, einen leichten Schlaganfall erlitt, sodaß er das Präsidium des Bergarbeitertages abgeben mußte, ist jetzt infolge eines zweiten stärkeren Schlaganfalles vollständig zusammengebro­chen. Sein Zustand ist bedenklich.

Der Direktor des Berliner Sportpalastes in der Pots­damerstraße, Rostin, der, wie gemeldet, verhaftet war, wur­de vom Untersuchungsrichter gegen Stellung einer Kaution von 25 000 M wieder auf freien Fuß gesetzt.

12 000 Mark verbrannt. Am Sonntag brach in der Bürstenfabrik von Ernst Kittel in Bärenwalde in Sachsen Feuer aus, dem das Wohnhaus und die Seitengebäude zum Opfer ficien. 36 Maschinen wurden vernichtet; 12 000 Mark Bargeld verbrannten. Die Ursache des Brandes wird auf Blitzschlag zurückgeführt.

Von einem Eisenbahnzug überfahren und getötet wur­de gestern früh in Köpenick bei Berlin der 16 Jahre alte Handschuhmacherlehrling Paul Hübner. Als der Wärter die Strecke abpatrouillierte, fand er auf dem Bahnkörper eine Leiche, welcher der Kopf vom Rumpfe getrennt war. Die Polizei stellte fest, daß H. sich auf die Schienen warf, als gerade ein aus Berlin kommender Zug herangebraust fam.

Drei Kinder verbrannt. In der ostpreußischen Ortschaft Schillgaren brach gestern mittag ein Brand aus, dem 10 Häuser zum Opfer fielen. Drei Kinder sind verbrannt; zwei Personen wurden verletzt.

Opfer der Berge. Der russische Student Rottmann aus, Müncher stürzte durch Seilbruch von der Gamshalt im Wilden Kaiser in Tirol ab und wurde getötet.

Juwelendiebe drangen gestern in der Hauptstraße in Kopenhagen durch ein in den Fußboden gebohrtes Loch in, einen Juwelenladen, wo sie Juwelen und Goldsachen im Werte von 50 000 M stablen. opple

Caruso wegen gebrochenen Gheversprechens verklagt. Einer Blättermeldung zufolge flagt eine Verkäuferin in einem Geschäft in Mailand gegen Caruso auf 200 000 M Schadenersatz wegen Bruchs des Eheversprechens.d Mord und Brandstiftung? Bei dem Brande des Wohn­haufes des 50jährigen Fräuleins Kuhlmann in Olfen in, Westfalen fand man die e Besitzerin erwürgt im Bette. Der

Kathi starrte ihm nach, in dem dicken Schneegestöber entschwand er rasch ihren umflorten Blicken. Als der lette, nebelhafte Umriß seiner Gestalt in den wirbeln­den Flocken unterging, schluchzte sie laut auf, und heiße Tränen rannen ihr über die Backen, ob vor Zorn oder Schmerz, das wußte sie selbst nicht, und wann sie end­lich nach Hause gegangen, das hätte sie nicht sagen können.

Jemersch, Kind, Du bist ja so naß wie a gebadet Katz," begrüßte Frau Amrum ihre Tochter ,,, und ganz fäfig stehst ut, wenn Du Dir nur nit verkühlt häst!"

Kann sein," meinte das Mädchen gleichgültig, ließ sich's aber von der Mutter gefallen, daß sie ihr half, die nassen Kleider ausziehen, und ihr Fliedertee tochte. Ste trank ihn ohne Widerrede, trotzdem sie erklärte: Ich weiß nit, wie mich das wieder zurechtkriege sullt."

Am andern Morgen hatte Kathi ihren Entschluß ge­faßt. Die Reue war über sie gekommen, sie wollte zur Frühstückszeit in den Bruch und noch einmal mit Hans reden; was dann werden sollte, das wußte sie selber noch nicht.

Sie hatte eins ihrer Dorfkleider angezogen und das Tuch um den Kopf geknüpft. In der Haustür trat ihr der Briefträger entgegen, er hatte das" Sonntagsblatt" für, Frau Amrum abzugeben und händigte es Kathi ein. Die Mutter war auf Arbeit, und das Mädchen legte es auf den Tisch. Dabei rutschte ein Brief heraus und fiel zur Erde. Sie bückte sich danach und las Herrn Hans Ruland, Spreewig." Der Brief mußte sich aus Ver­sehen in das Blatt eingeklemmt haben. Nun konnte sie ihn ja gleich dem Hans bringen. Da las sie den Poststem­pel ,, Merkenheim", und wie ein Blizz durchzuckte sie der Ge­danke da ist die Rosemarie in Dienst! Ist der Brief von ihr? Was kann sie meinem Hans zu schreiben haben?-

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( Fortsetzung folgt,>

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Wieder ein vormittag brach isto ein große Ausnahme eines drei Leichen geb

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