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Nr. 126.

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Telephon: Nr. 362.

Ein Weg zur Selbstbilte tür das Handwerk.

der Großherzoglichen des Großherzoglichen Bürgermeisterei Polizei Amfes Behörden Oberhessens sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Mittwoch, den 31. Mai 1911.

| den Krebsschaden des ganzen Standes. In der Stadt verordnetenversammlung hat man bisher praktische Vor­schläge freilich noch kaum gehört, vielleicht ist der Weg, der in Mannheim und Heidelberg beschritten wurde, auch hier gangbar. Wer unternimmt an maßgebender Stelle die ersten Schritte?

Reichstagswahlvorbereitungen.

Neue Reichstagskandidatur. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, wurde am Sonn­tag in Altenkirchen anstelle des zurückgetretenen Dekonomierats Kreuz aus Bonn der Legationsrat vom Rath, Landtagsabgeordneter für den Kreis Wetzlar, als nationalliberaler Reichstagskandidat für die kom­mende Wahl aufgestellt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 31. Mai. Berkaufstag der Großherzogin.

Der am 13. Juni hier in Steins Garten stattfin­dende Verkaufstag der Großherzogin ist die 4. Veran­staltung dieser Art in Hessen, deren Ertrag unterstütz­ungsbedürftigen Lungenleidenden gilt, für die von Kran­kenkassen, Versicherungsanstalten 2c. zurzeit noch nicht ge­sorgt ist. Wer die unendliche Not kennt und das Elend, das meist unverschuldet bei vielen dieser Kranken ein gekehrt ist, kann es nur mit freudigem Dank begrüßen, daß unsere Großherzogin sich wiederholt in den Dienst der Sache stellt und dadurch den weitesten Kreisen ein leuchtendes Vorbild gibt im Dienste edelster Menschlich­keit zur Linderung der Not jener armen Kranten tätig zu sein. Die großen Mühen, die sich die Herrschaften durch diese Veranstaltung auferlegen, werden am besten durch eine rege Beteiligung am Verkaufstage anerkannt. Der Eintrittspreis zum Verkaufsstag ist, um allen Krei­sen der Bevölkerung den Besuch zu ermöglichen, auf 1 Mark festgesetzt; und der Verkauf der Gegenstände so billig als möglich angeordnet worden. Es wird Ge­legenheit geboten sein, für geringes Geld eine wertvolle Kunstsache oder einen praktischen Gegenstand zu erwer­ben, die gleichzeitig dauernd ein Andenken an die Feier bilden werden. Mit der Ausgabe der Eintrittskarten wurde bereits begonnen. Es wird gebeten, von dem Vorverkauf recht zahlreich Gebrauch zu machen, damit am Verkaufstag selbst der Andrang zu den beiden Kas­sen möglichst erleichtert wird. Die Vorverkaufsstellen werden auf den Plakaten bekannt gegeben.

Wenn auch auf Grund der letzten Berufszählung als feststehend anzusehen ist, daß der Stand der Handwer­fer und Kleingewerbetreibenden im Deutschen Reiche an Mitgliederzahl nicht verloren, sondern eher noch gewon­nen hat, so ist doch auch über die schwierige Erwerbs­lage dieser Bevölkerungsgruppe, über die Schwere des Daseinskampfes, den die Handwerker und Gewerbetrei­benden seit Jahren zu bestehen haben, kein Zweifel möglich. Das unaufhörliche Wachstum der Großbe­triebe, die fortschreitende Konzentration im Geschäfts- und Kreditwesen, die Teuerungsverhältnisse in den großen Städten, die den mittelständischen Geschäftsmann immer mehr an die Peripherie, in die ärmeren Stadtteile, oder gänzlich aus der Stadt herausdrängen, überhaupt der Zug der Zeit mit seinem im Vergleich zu früher wesent­lich veränderten Angebot- und Kaufsystem alles das hat den deutschen Handwerker schwer geschädigt und die zu ihm gehörigen oder ihm nahestehenden Mittelstands= freise an dem allgemeinen Aufschwung der Lebenshal­tung und Verdienstmöglichkeit, der sonst überall in un­serem Vaterlande zu beobachten ist, mindestens nicht in dem Maße wie alle übrigen Berufsstände und Volks­schichten teilnehmen lassen. Die Hilfe, die hier not tut, tann nicht allein von außen kommen. Viel vermag die Selbsthilfe, wenn sie am rechten Ort und in der rechten Weise angewendet wird. Daß dies möglich ist, bewei­sen die Abmachungen zwischen dem Stadtrat in Heidel­berg und der Handwerkskammer in Mannheim über die Mitwirkung von Handwerkssachverständigen bei der Ver­gebung städtischer Arbeiten und Lieferungen. Ihr In­halt ist im wesentlichen der folgende: 1. Die Hand­werkskammer ernennt zur Mitwirkung bei der Vergebung städtischer Arbeiten und Lieferungen für die einzelnen Gewerbe auf die Dauer eines Jahres je einen Sachver: ständigen. Letztere sind für die Dauer dieser ihrer Tä­tigkeit von der Beteiligung an städtischen Submissionen ausgeschlossen und erhalten keine Vergütung. 2. Vor der Ausschreibung von Arbeiten aus solchen Gewerbsarten, für die von der Handwerkskammer Sachverständige er­nannt sind, ist von dem ausführenden Amt dem betref­fenden Sachverständigen Gelegenheit zu geben, von dem Entwurf des Anschreibens und den Verdingungsunter­lagen nicht jedoch auch von dem Kostenvoranschlage Einsicht zu nehmen, damit er etwaige Wünsche inbe­zug auf das Ausschreiben oder die Verdingungsunter­lagen äußern kann. Von dem Termin zur Deffnung der Angebote ist der betreffende Sachverständige zu benach­richtigen. Auf Erscheinen kann er an einem besonderen Tische der Verhandlung anwohnen und sich nach Be­lieben Notizen machen. 3. Von dem Submissionsergeb­nis, wie es sich nach erfolgter Prüfung der Angebote ergibt, ist ohne Gegenüberstellung der berichtigten Zahlen dem Sachverständigen und dem Gewerbe- und Hand= werkerverein von dem die Arbeit ausführenden Amt Kenntnis zu geben. 4. Aufgabe des Sachverständigen ist es, die Angebote auf ihren Preis, sowie besonders auch daraufhin zu prüfen, ob die Selbstkosten des An­bieters gedeckt werden. Wird von einem städtischen Amt der Zuschlag an ein Angebot beantragt, das nach An­sicht des Sachverständigen die Selbstkosten des Anbie- kirche und Beisammensein auf der Landskrone veran­ters nicht deckt, so hat das Amt in seiner Vorlage an die Kommission für städtische Beamten ausdrücklich da­rauf hinzuweisen. 5. Die Sachverständigen sind befugt im Benehmen mit dem betreffenden Amt die Arbeiten während und nach der Fertigstellung zu besichtigen. Et­waige Anstände sind zur Kenntnis des Amtes oder des Stadtrats zu bringen. 6. Die bestellten Sachverständi­gen sind auch zu den engeren Submissionen über Arbei­ten und Lieferungen, deren Anschlag mehr als 2000 Mark beträg ,, zuzuziehen. Der Beizug hat in solchen Fällen in sinngemäßer Anwendung der für die öffent­lichen Submissionen geltenden Bestimmungen zu erfol­gen." Von solchen Abmachungen wird man sich segens­reiche Wirkungen versprechen dürfen. Es ist bekannt, wie von Handwerkern, die nur erst einmal in das Ge­schäft hineinkommen" wollen, bei Submissionen Angebotenlauf( 5 Turner) auf dem Bergesgipfel abgehalten. bote gemacht werden, deren geringe Höhe auf den er­sten Blick erkennen läßt, daß derjenige, der die Liefe­rung zu solchen Preisbedingungen übernimmt, mit Ver­lust arbeiten muß. Indem solche Vorkommnisse durch Sachverständigen- Gutachten verhindert werden, ist ein Weg zur Selbsthilfe gewiesen, auf dem das Handwerk, wenn auch zunächst nur auf einem Gebiete, zu innerer Gesundung und Kräftigung gelangen kann.

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In den Kreisen der Frankfurter Handwerker flagt man seit langer Zeit über das Submissionswesen als

* Der Verein für das Deutschtum im Ausland hält seine diesjährige Hauptversammlung vom 6.- 8. Juni in Koblenz ab, womit eine kurze Feier seines 30jährigen Bestehens verbunden ist.

* Die Tagung des Bundes deutscher Verkehrsvereine findet in Worms in der Woche nach Pfingsten vom 6.- 9. Juni statt. Neben zeitgemäßen Vorträgen wird den Gästen auch eine man­nigfache und genußreiche Unterhaltung geboten werden. Am 8 Juni wird nachmittags eine Rheinfahrt nach Op­penheim mit Ehrentrunk, Besichtigung der Katharinen

staltet. Abends geht es per Dampfer zurück nach Worms, dort zwangloser Abend am Rheine mit Brückenbeleuch­tung. Der letzte Tag bringt einen Ausflug ins male­rische Neckartal.

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Der hiesige Schach klub wird am 18. Juni mit den Mitgliedern des Nauheimer Schachvereins ein Tournier im Tennis- Cafe in Bad- Nauheim ab­halten.

* Feldbergfest. Am Sonntag, 18. Juni, fin­det das 58. Feldbergfest statt. Der diesmalige Fünf lampf sieht Hochspringen, Weitspringen, Kugelstoßen mit Anlauf( 20 Pfund), Laufen über 100 Meter und eine Freiübung vor. Zum erstenmale werden auch Mann­schaftskämpfe im Tauziehen( 6 Turner) und im Eil­

Ein Hypothekenschwindler trieb in letzter Zeit sein Unwesen in Elberfeld. Durch Inserate in einer Tageszeitung gab er bekannt, daß er als Selbst­darleher Mt. 80 000 auf 1. und 2. Stelle auszugeben habe, und daß auch Agenten nicht ausgeschlossen seien. Mit 3 Geldsuchenden trat er dann in Verbindung und stellte sich als Amtsrichter E. Lorent von Dortmund vor. In einem Falle gelang es ihm eine angebliche Gebühr von Mt. 40 zu erschwindeln. Der Betrüger hat ein sicheres Auftreten und wird wie folgt beschrieben:

( Gießerer Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Inseraten zeile.- Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

| Familienname E. Lorent, zirka 40 Jahre alt und an­geblich in Dortmund, Wilhelmstraße 3, wohnhaft. Größe 1.70 bis 1.72; schlank, etwas hochgezogene Schultern, schwarzes Haar und engl. gestuzten schwarzen Schnurr­bart. Aussehen blaß, schmales Gesicht. Spricht teilweise kölnischen Dialekt und trägt einen Kneifer mit schwarzer Einfassung. Es sei nachdrücklich vor dem Schwindler gewarnt.

* Pfingst wetteraussichten. Nach allgemeinen Wetterlage nehmen die Meteorologen an, daß für die Pfingsttage warme und vorwie­gend heitere Hochdruckwitterung zu erwarten ist.

* Der Roggen blüht. Der Roggen hat sich in den letzten Tagen durch die warme Temperatur und die anhaltende Feuchtigkeit dort, wo er vom Unwetter verschont blieb, sehr gut erholt. Die Halme sind schon über mannshoch und versprechen einen guten Stroher­trag. Auch die Aehren haben sich gut entwickelt; sie hängen jetzt dicht voll Blüten. Wenn nicht noch schäd­liche Naturereignisse eintreten, so ist eine gute Roggen­ernte zu erwarten.

Friedberg, 31. Mai. Montag nachmittag ging in der Umgebung von Büdingen ein Wolkenbruch nieder. Die anschwellenden Fluten des Seemenbaches rissen den Bahndamm der Strecke Gießen Geln= hausen nieder. Der Zug, der gestern abend um 10 Uhr die Strecke passieren wollte, mußte auf offener Strecke zurückdirigiert werden, sodaß die Passagiere, wel­che nach Frankfurt wollten, über Friedberg fahren mußten.

Offenbach, 30. Mai. Ein wolkenbrucharti­ger Gewitterregen ging Montag nachmittag über unsere Stadt hernieder. Die Straßen wurden von den hefti­gen Regengüssen momentan völlig überflutet, bis ein starkes Hagelwetter einsetzte, das in den Fluren viel Schaden anrichtete.

== Offenbach, 30. Mai. Die hiesigen Rahmen­macher und Glasergehilfen haben gestern die Arbeit nicht aufgenommen, weil die Unternehmer die Unterzeichnung des vereinbarten Vertrages hinausgezogen haben. Falls die sofort eingeleiteten Verhandlungen zu einer Eini­proflamiert werden. gung nicht führen werden, soll unverzüglich der Streik

Wetzlar. Das preußische Abgeordnetenhaus vertagte sich gestern auf unbestimmte Zeit, wahrschein­lich bis zur zweiten Hälfte des Juni. Das Eisenbahn­anleihegesetz war vorher in dritter Lesung angenommen worden. Der Regierung wurden Petitionen um Erbau­ung einer Bahn von Nauheim nach einer Station der Aar- Bahn, wie um Weiterführung der Wester= waldbahn als Material überwiesen.

* Weilburg, 31. Mai. Die Eisenbahnfrage nach dem Kaltenbachtale ist dadurch in ein anderes Sta­dium getreten, daß sich auch die Hannoversche Bahnbau­Aktien- Gesellschaft für die Strecke Niedershausen- Obers­hausen- Arborn- Rennerod ausgesprochen hat.

-sch Limburg, 31. Mai. Mit dem zweige­leisigen Ausbau der Eisenbahnstrecke Frankfurt­Niedernhausen- Limburg wird jetzt energisch begonnen. Dem Vorstand der in Höchst errichteten Bauabteilung ist ein besonderer Ingenieur mit dem Wohnsitz in Nie­dernhausen von der Eisenbahnverwaltung beigegeben worden. Die Arbeiten sollen nach Möglichkeit beschleu­nigt werden.

Marburg, 31. Mai. Jm Burgwalde bei Marburg findet man eine Warnungstafel mit folgender eigenartigen Inschrift: Dieser Weg ist gein Weg. Wer es doch dud, wird bestrafd."

Frankfurt, 31. Mai. Montag nachmittag 30g ein schweres Gewitter über Frankfurt. Es richtete hauptsächlich in den nördlichen Stadtteilen und in den Ortschaften nach dem Taunus zu schweren Schaden an. Im freien Feld nahm der Hagel die Obstbäume schwer mit. Zerfetzte Blätter, abgeschlagene Blüten und Zweige liegen am Boden. Die Kirschen, die schon Früchte an­gesetzt hatten, sind entsetzlich zugerichtet. Auch in der weiteren Umgebung hat das furchtbare Unwetter großen Schaden angerichtet.

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Aus Rheinhessen, 31. Mai. Wenn man durch die Fluren der Felder schreitet, so kann man die Wahrnehmung machen, daß alles schön und üppig ge­deiht. Die Aehren der Kornfelder stehen bereits schon in Mannshöhe, die Weinberge entwickeln sich prächtig, so daß blühende Stöcke feine Seltenheit mehr sind. Auch die Kirschenbäume hängen voll von Früchten, so daß man stützen muß, um das Brechen zu verhindern. Ueberhaupt scheint es dieses Jahr ein reiches Obstjahr zu geben.