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Berdacht, den Mord verübt und dann das Feuer angelegt u haben, richtet sich gegen den Neffen des Fräuleins, einen 16 Jahre alten Bergarbetter.

Wieder ein Brand in einem Vergnügungspark. Gestern vormittag brach in einem Vergnügungspark in San Fran­atsko ein großer Brand aus, dem die ganzen Anlagen mit Ausnahme eines Theaters zum Opfer fielen. Bisher sind dret Leichen geborgen worden.

Aus den Gerichtssälen.

Ein aufsehenerregender Strafprozeß sollte gestern vor dem Münchener Schwurgericht zur Verhandlung gelangen. Wegen Anfertigung unzüchtiger Bilder war der bekannte Münchener Künstler Marquis Franz Wilhelm de Bayros angeklagt. B. war jedoch nicht zum Termin erschienen, son­dern sandte ein ärztliches Krankheitsattest aus Innsbruck. Der Staatsanwalt beantragte hierauf einen Haftbefehl und bie Beschlagnahme seines gesamten in Deutschland befind­lichen Vermögens. Der Gerichtshof hat dem Antrag des Staatsanwalts entsprochen mit der Begründung, daß die Entschuldigung de Angeklagten nach dem bisherigen Ver­halten des Angeklagten wenig glaubwürdig sei und Flucht ins Ausland vorliege. Die Vermögensbeschlagnahme ist im Reichsanzeiger zu publizieren. Als Sachverständige wa­ren sechzehn den höchsten Gesellschaftskreisen Münchens an­gehörende Personen geladen.

Aus dem Reiche der Technik.

Die schwerste Maschine, die bisher in Deutschland ge­baut wurde, eine/ gekuppelte Schlepptender- Güterzuglo­tomotive, hat dieser Tage die Werkstätten des Eisenwerts J. A. Maffei in Hirschau bei München verlassen. Sie wirö auf die internationale Industrie- und Gewerbe- Ausstellung in Turin gehen und dort Zeugnis davon ablegen, auf welch hoher Stufe deutsche Ingenieurkunst und deutsche Mascht= nenbauindustrie stehen. Die Lokomotive, die im Typ den großen bayerischen Schnellzugslokomotiven ähnelt, ist eine fünffach gekuppelte Heißdampfvierzylinder- Verbundlokomo­tive, die besonders auf Strecken mit starken Steigungen ver­wendet werden soll und ein weit größeres Schleppvermö­gen besitzt als die bisherigen/ gefuppelten Güterzugma schinen. Sie ist imftande, 800 Tonnen( 16 000 Zentner) mit einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern in der Stunde noch auf einer Steigung von 11 Meter auf 1000 Meter zu bewältigen. Der Kessel hält eine Spannung von 16 At­mosphären aus. Natürlich ist die Maschine mit allen Neuerungen der Maschinenbautechnik ausgestattet und wird ficherlich ein interessantes Stück der Ausstellung werden.

Vermischtes.

Der einstige Feldwebel des Kaisers. Der Sekretär und Botenmeister im Abgeordnetenhause Julius Hartmann, feierte am Sonntag das Fest seiner silbernen Hochzeit. Der Kaiser zeichnete seinen ehemaligen Kompaniefeld­webel aus seiner aktiven Dienstzeit beim Ersten Garde­Regiment zu Fuß durch Uebersendung einer silbernen Standuhr aus. Auch die Beamten und Diener des Abge­ordnetenhauses erfreuten den beliebten Mann durch wert­volle Angebinde.

Ein falscher Hauptmann wurde von der Polizei in Charlottenburg verhaftet. Der 25 Jahre alte woh­nungslose Josephsti taufte sich bei einem Trödler eine Hauptmannsuniform und begab sich in diesem Aufzuge in Begleitung eines Komplizen nach dem Geschäft eines Juweliers in der Kantstraße in Charlottenburg, um sich hier eine größere Auswahl von Goldsachen vorlegen zu Tassen und hierbei Diebstähle auszuführen. Der Plan kam jedoch nicht zur Ausführung, da der Hauptmann" infolge seiner nicht recht passenden Uniform, seines schiefen Helm­sizes und der nicht mehr im Gebrauch befindlichen blanken Säbelscheide einem ihm begegnenden Offizier auffiel, der die Festnahme des verdächtigen ,, Kameraden" durch einen Schuhmann veranlaßte. Auf der Wache wurde der Uni­formträger dann als der vielfach vorbestrafte Einbrecher J. festgestellt. Weitere Ermittelungen hatten ergeben, daß J. in die Wohnung einer Kontoristin, mit der er ein Liebesverhältnis angeknüpft hatte, eingebrochen war und deren goldene Uhr erbeutet hatte. Als die Bestohlene ge= stern auf dem Polizeipräsidium den wahren Charakter thres Postassistenten" erfuhr und ihm ihre Verachtung zum Ausdruck brachte, tröstete er sie mit den Worten: " Wenn Sie die Uhr nicht wiederbekommen, bin ich noch immer Kavalier genug, Ihnen den Schaden zu ersetzen." Am Verzweiflungstat zweier Wiener Studenten. Sonntag morgen kam der Student Worm aus Reichenberg auf ein Polizeikommissariat in Wien und meldete, er habe sich mit seinem Freunde, dem stud. jur. Baer in einem Borstadthotel vergiftet. Er( Worm) set nach tiefem viel­stündigem Schlaf erwacht und habe seinen Freund tot aufgefunden. Die Tragödie hat die traurigste Vorgeschichte. Baer ist der Sohn eines Kavallerierittmeisters, der den Sohn für die militärische Laufbahn bestimmte. Mitten im Studium starb der Vater, weshalb Baer aus der Offi­zierschule austreten mußte. Er schlug sich ebenso elend wie sein Freund Worm durch. Beide litten beständig Hunger Sie wurden aus und wohnten meist im Männerasyl. Hunger und Not lebensüberdrüssig und beschlossen, gemein­sam zu sterben. Baer brachte Gift und trank dreiviertel davon, indem er Worm versicherte, der Rest werde genügen. Worm schlief bald darauf ein und fand beim Erwachen den Freund tot neben sich liegen. Worm hat die feste Absicht geäußert, sobald wie möglich dem Freund in den Tod zu folgen, weshalb er auf der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses genau überwacht wird.

Unter sicherm Geleit. Ein hübsches Geschichtchen, das fich vor kurzem in Mors am Niederrhein abspielte, erzählt der dortige Grafschaftler". Seine Helden sind ,, Mitglie­der" des Mörser Amtsgerichtsgefängnisses, die in dessen stiller Abgeschlossenheit ihre Strafen verbüßen. Es sind zumeist verhältnismäßig harmlose Menschen, die nur we gen fleinerer Diebstähle und gegenseitiger Mißhandlungen für kurze Zeit der goldenen Freiheit beraubt sind. Sie empfinden die Haft während der guten Jahreszeit auch gar nicht so schmerzlich, da ste vielfach mit Garten- und Feld­arbeit beschäftigt werden. So zog auch jüngst wieder ein folcher Trupp, begleitet von dem schwerbewaffneten Auf­seher, zu einem der eingemeindeten Orte hinaus, um dort unter der gestrengen Aufsicht des Wärters tätig zu sein. Aber als gar zu gestrenger Herr erwies sich dieser nicht, der Dämon Alkohol in Gestalt einiger Flüssigkeiten, die ihm gereicht wurden, gewann Gewalt über thn, und so tam es schließlich, daß die Gefangenen ihren Wärter be­wachen mußten, auf daß ihm kein Unheil widerfahre. Köst­lich muß der Einzug in die Stadt gewesen sein, als sie ihn brachten" und im Gerichtsgefängnis ablieferten. Keiner pon ihnen hat übrigens die günstige Gelegenheit benutzt, bas Weite zu suchen.

Die großen Hüte der Damen haben einem Berliner Kinematographenbestzer große Ungelegenheiten beret­tet. Denn mit der Berufung auf die Ungetüme, die die

Damen auf den Köpfen tragen, ist ihm die Konzession für sein neu eingerichtetes Kinematographentheater versagt worden. Der Kreisausschuß hatte einen Ortstermin ab­gehalten und daraufhin wäre dem Antrag auf Erteilung der Schankkonzession Folge gegeben worden, wenn nicht in letzter Linie der Vertreter der beklagten Behörde die großen Hüte ins Feld geführt hätte. Bei besetzten Bänken, so meinte er, namentlich wenn Damen mit großen Hüten sich auf ihnen befinden, würden die Zwischenräume zwischen den Bänken sich als zu eng erweisen für den Kellner, der dann nicht zu den hinteren Plägen gelangen könne. Der Kreisausschuß hielt diesen Einwand für durchschlagend" und wies schließlich die Klage ab. So geschehen in der Sigung des Kreisausschusses für den Kreis Teltow zu Berlin.

Ein schweres Karussellunglück hat sich in dem hart an der pommerschen Grenze gelegenen westpreußischen Dorse Brieseniz ereignet. Während sich das Karussell drehte, löste sich ein Teil des Unterbodens und flog, mit großer Kraft geschleudert, in die Zuschauermenge hinein, mehrere Personen unter sich begrabend. Hierbei wurden 3 Schulkin­der schwer und eine Anzahl erwachsener Personen leichter verlegt. Zwei erwachsene Mädchen, die auf Pferden rit­ten, wurden ebenfalls in weitem Bogen in die Zuschauer­menge geschleudert und gleichfalls schwer verletzt.

Ein schauriger Fund wurde im Walde in der Um­gegend von Schönheide i. Sa. von Spaziergängern gemacht. Sie fanden einen fast in Verwesung übergegangenen mensch­lichen Körper, von dem Raubtiere ein Bein vollstän stig abgenagt hatten. In dem Toten ermittelte man mit Hilfe seiner Taschenuhr den seit Jahr verschwundenen Postgehilfen Scheffler aus Rothenkirchen, der nach Unter­schlagung von 600 Mark flüchtig geworden war. Er hatte sich aus Furcht vor Strafe im Walde erschossen.

Die Entführung eines Deutschen von griechischen Räu­bern. Wie die Jenaer Volkszeitung" schreibt, ist der in den Balkanbergen entführte Reisende kein Jenaer Pro­fessor, sondern der technische Angestellte Franz Richter der Firma Zeiß, der die Besteigung des Olymp im Auftrage der geographischen Gesellschaft Thüringen unternommen hatte. Die letzten Nachrichten von ihm sind am Mittwoch bei seiner Familie eingelaufen und waren aus Saloniki datiert. Er spricht darin die Hoffnung aus, daß er bei normalem Fortgang seiner Arbeit am Donnerstag nach Pfingsten wieder in Jena sein würde. Zur Verfolgung der Räuber sind zwei Militärabteilungen aus Elassona abgegangen, ferner alle verfügbaren Gendarmen und einer aus früheren Bandenmitgliedern bestehenden Freiwilli­genkompanie. Die Regierung gibt den Behörden die Schuld, weil sie Richter nur zwei Gendarmen mitgegeben haben. Die Leichen der beiden Gendarmen wurden in ei­nem Gehölz bei Kokinaple gefunden.

Der erste Postreferendar. Nach den jetzt geltenden Be­stimmungen müssen sich die Anwärter der höheren Post­laufbahn einem akademischen Studium unterziehen. Die Elevenzeit beträgt mindestens vier Jahre, wovon ein Jahr auf die Erlernung des praktischen Dienstes und drei Jahre auf das Studium der Staatswissenschaften, Rechtswissen= schaft, Physik, Chemie und Elektrotechnik an einer Univer­sität oder zum Teil an einer technischen Hochschule entfal­len. Von den unter den neuen Bedingungen eingetre­tenen Posteleven hat sich jetzt der erste nach Beendigung des Studiums der vorgeschriebenen Prüfung unterworfen und ist nun zum Postreferendar ernannt worden. Die Prüfung zum Postassessor kann nach Ablauf der dreijäh­rigen Referendarzeit vor dem beim Reichspostamt einge­setzten Oberprüfungsrat abgelegt werden. Der neue Post­referendar ist der Oberpostdirektion Stettin zur weiteren praktischen Ausbildung überwiesen worden.

Ein Automobil von einem Expreßzug überfahren. Am Sonntag abend ereignete sich bei Evreux in Frankreich ein schwerer Automobilunfall. Der Oberst Guionie wollte mit seinem Auto, in dem sich außer ihm ein Chauffeur und seine Frau befanden, einen Eisenbahnübergang kreuzen. Das Auto erlitt in dem Augenblick, als es auf dem Gleise war, einen Motordefekt und der Wagen blieb stehen. Be­vor er noch flott gemacht werden konnte, sauste mit ra­sender Geschwindigkeit der Pariser Expreßzug heran. Der Oberst, der noch beschäftigt war, den Defekt zu beseitigen, wurde vom Zuge erfaßt und völlig zermalmt, während die Frau und der Chauffeur Zuschauer der entseglichen Tragö­die waren.

Ein Kampf um die akademische Freiheit in Marburg vor 100 Jahren. In diesen Tagen waren es- so schreibt man dem Frankf. Gen.- Anz." aus Marburg 100 Jahre, daß die Marburger Studenten schon einmal, wie es vor ei­nigen Jahren in etwas moderner Form der Fall war, in dte Lage versetzt wurden, die akademische Freiheit zu ver­teidigen. Es war zurzeit, als unser Hessenland unter französischer Herrschaft stand. Der Kommissar der Polizet, ein Elsässer, namens Wolff, brachte den Professoren und Studenten großes Mißtrauen entgegen und ließ sie dieses auch oft fühlen. Aus Anlaß einer Schlägerei zwischen Stu­denten und jungen Bürgern, welche am 24. Mat 1811 in der Vorstadt Weidenhausen stattfand, und bei der dte Stu­denten den kürzeren zogen, beschlossen sie, sich zu rächen. Ste bewaffneten sich mit Säbeln und Knüppeln und wollten vom Barfüßertor aus gemeinsam nach Weidenhausen zie­hen, um die Prügelet fortzusehen. Als der Stadthaupt­mann von Dalwigt dies erfuhr, ließ er die Weidenhäuser Brücke mit Militär besehen und benachrichtigte auch den Polizeikommissar Wolff. Dieser machte kurzen Prozeß, er schickte Gendarmen nach dem Barfüßertor und ließ den ersten besten Studenten verhaften und, weil dieser seinen Namen zu nennen verweigerte, mit Landstreichern und Va­gabunden zusammen aufs Schloß ins Gefänanis bringen. Die anderen Studenten eilten jezt zum Prorektor Brauer und beschwerten sich ob dieses Angriffs auf die akademische Freiheit. Ein Student gehöre nicht ins Gefängnis, sondern ins Universitätskarzer. Auch Brauer konnte beim Kommis­sar nichts ausrichten, und deshalb beschlossen die Studen ten in einer im nahen Ockershausen abgehaltenen Ver­sammlung, über die Grenze nach dem damals Darmstädti­schen Städtchen Gladenbach zu ziehen. Man sandte auch sofort Quartiermacher nach dort, und diesen folgte bald die gesamte Studentenschaft. In Gladenbach, wo sie gastfreund­liche Aufnahme fanden, unterhielten die Studenten die Bürger mit allerhand Schaustellungen und festlichen Um­zügen. Bereits am andern Tage kam ein Eilbote aus Marburg, der die Studenten bat, sofort zurückzukommen, der Streit sei beigelegt und der verhaftete Student sei be­reits entlassen. Kurz darauf zogen die Studenten zum Be­dauern der Einwohnerschaft unter den Klängen einer Mu­fifkapelle wieder ab. Vor den Toren von Marburg aber standen die Bürger und begleiteten sie in die Stadt zurück, wo sie mit großem Jubel empfangen wurden.

Der Adoptionsschwindel. In Berlin bestehen jetzt nicht weniger als vier Adoptionsbureaus, die es auf die Taschen kinderloser Leute abgesehen haben. Ihre Inhaber standen früher miteinander in Verbindung, haben auch voneinan­der gelernt, Die Unternehmungen nennen sich Adoptions­und Pflegefrauenbureaus. Nach ihren großsprecherigen An­

kündigungen arrangieren" fie Adoptionen", erledigen fie diskrete Angelegenheiten", besorgen ein diskretes Seim" und so weiter. Eines dieser Bureaus machte neuer dings in Leipzin eine Filiale" auf. Kaum hatte der In­haber dort ein möbliertes Simmer bezogen, als auch schon täglich an die 1000 Briefe bei ihm einliefen. Dann schrieb er selbst sehr eifrig, und nun erschien bald auch der Geld­briefträger, der an einem Tage 100 Anweisungen brachte. Der Wirtin wurde unheimlich. Sie vermutete einen Schwindel und ging zur Polizei. Jebt verschwand der Mieter. Die Briefe, die er unter Beifügung einer Photo­graphie verfandi hatie, sind sehr bezeichnend. Es heißt da­rin: Höflichst Bezug nehmend auf Ihr wertes Schreiben, aus dem ersichtlich ist, daß Sie auf ein Kind reflektieren, gestatte ich mir folgendes zur Kenntnis zu geben. Es han delt sich um ein zirka drei Jahre altes, hübsches, gesundes Mädchen, bester, diskreter Herkunft( obige Photographie). Dem Kinde werden 4000 Mark mitgegeben. Falls Sie auf das Mädchen reflektieren, ersuche ich um genaue Angabe Ihrer Verhältnisse usw. Die entstehenden Unkosten usw. müssen Sie aber tragen, falls Ihnen daran gelegen ist, das Kind zu erhalten, den Betrag von 6,50 Mark einsenden. Die Adoptionsvermittler zeigen bald in dieser, bald in Je ner Gegend an: Mädchen von( folgt Alter) guter Serfunft an Kindesstatt zu vergeben. Erziehungsbeitrag 4000 Mt." Daraufhin melden sich Tausende, die ein Kind annehmen möchten. Sie alle bekommen dann den heftographierten Brief und senden darauf an die angegebene Adresse die verlangten 6,50 Mark als Auskunftsgebühr ein. Weiter will der Vermittler nichts. Ein Kind bekommt kein Be­werber. Die Kriminalpolizei hat sich mit diesem Treiben schon wiederholt befaßt, sie kann aber nichts ausrichten. Verlangt sie Auskunft über das zu vergebende Kind, so wird sie verweigert, weil die Sache diskret set. Es hilft also alles nichts, wenn die Leute, die gern ein Kind an nehmen möchten, sich nicht selbst schützen. So lange sie ohne weiteres die Auskunftsgebühr" einsenden, erreichen sie nur daß sich die Vermittler auf ihre Kosten ohne viele Mühe die Taschen füllen.

Ministerpräsident Monis über die Katastrophe von Iffy.

Ministerpräsident Monis empfing am Sonntag, wäh rend sein Sohn auf dem Flugfelde von Buc die Honneurs für ihn machte, die Vertreter der politischen Presse an sei­nem Schmerzenslager. Der Präsident ist durch die Ein­schienung des gebrochenen Beines zur Unbeweglichkeit ver­urteilt. Seine Gesichtswunden sind aber fast ganz geheilt; ein weißer Stoppelbart hat seine Gesichtszüge aber wesent­lich verändert. Monis erzählte seinen Besuchern genau sei­ne Eindrücke von der Katastrophe am 21. Mai. Ich wollte," sagte er, dem französischen Flugwesen meine besondere Be­wunderung bezeugen, und zugleich meine freundschaftliche Sympathie für Spanien, dessen Hauptstadt der Zielpunkt des Wettfluges war, durch meine Gegenwart in Issy bekun­den. Die letzte Person, der ich draußen die Hand drückte, war der spanische Botschafter. Ich hatte ein Vorgefühl von dem, was fommen sollte. Ich fühlte die Gefahr. Ich hatte bemerkt, daß der Apparat von Train beunruhigend schwank­te, daß sein Führer ihn nicht meistern konnte. Ich hatte es meinem armen Freunde Berteaux und Deutsch de la Meur­the, die mich und meinen Sohn begleiteten, gesagt. Alch­tung!" rief ich. Wir sind in einer Gefahrzone! Er kommt auf uns zu!" So rasch wie möglich warf ich mich zur Seite. Ich wollte nicht hier sterben. Ehe ich erfaßt wurde, hatte ich noch die klare Empfindung, daß ich der Schraube und dem Motor entgehen, aber von einem Flügel gefaßt werden würde. Ich hatte mich nicht getäuscht. Berteaux, den ar= men Freund, sehe ich noch unbeweglich erhobenen Hauptes mit erhobenem Arm, als wollte er irgend etwas befehlen - dann nichts mehr... 3u Boden geschleudert, den Kopf wie eingegraben in ein Erdloch, wurde ich eine Strede weit geschleift, mein Gesicht gleichsam abgehobelt. Ich war in elendem Zustand, mein Körper schlimm zugerichtet. Die Augen voll Erde und Blut, die Gesichtshaut teilweise nb. gelöst. Glücklicherweise war der Schädel selbst heil geblie ben, und so bin ich heute relativ wieder wohlauf. Ich merf­te nicht, daß ich den Schenkel gebrochen hatte. In dem Augenblic wäre mir das auch gänzlich gleichgültig gewe­sen. Mein erster Gedanke war, mich nach Hause schaffen zu lassen. Ich erinnere mich, allen, die mich umgaben, den Aerzten, die mich auf dem Plate operieren wollten, gesagt zu haben: Nicht hier, bringt mich nach Hause."

Die lebhafte Art, wie der Präsident ohne sichtbare Er­müdung sprach, überzeugte die Besucher, daß er sich schon völlig in Genesung befinde.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Großer Fabrikbrand.

Nordhausen, 30. Mai. In der vergangenen Nachi ist die mechanische Weberei von J. S. Riemann abgebrannt. Vom Feuer verschont blieben nur die Weberei und zwei große Lagerräume. Der Schaden wird auf 700 000 Mark geschätzt.

Todessturz eines Epileptikers.

Zeit, 30. Mai. Der 28jährige an Epilepsie lei­dende Kaufmann Schmeißer wurde, als er die Treppe hinaufging, plöblich von einem Anfalle überrascht und stürzte Hinterrücks die Treppe hinab. Er war bald da­rauf tot.

Rätselhafter Leichenfund.

Weida, 30. Mai. Im Seifersdorfer Holze wurde der vollständig nackte Leichnam eines jüngeren Mannes er­hängt aufgefunden. Die Leiche wies Stichverletzungen in der Brust auf und die Hände sollen dem Manne auf dem Rücken zusammengebunden worden sein. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen Die Persönlichkeit des Toten konnte auch noch nicht festgestellt werden.

Schwere Eisenbahnunfälle.

Breslau, 30. Mai. Bei der Station Sambowitz auf der Strecke Breslau- Brieg ist gestern nachmittag 5 Uhr aus bisher unbekannter Ursache ein Probezug zur Erpro­bung einer neuen Schnellzugsmaschine entgleist. Ein Hei­zer wurde getötet und drei Eisenb. hnbeamte verlegt. Neuvork, 30. Mai. In der Nähe von Mac Cook in Nebraska erfolgte ein Zusammenstoß zweier Züge, die aus entgegengesetzter Richtung famen. Neun Personen wur­den getötet.

Ein Millionendiebstahl.

Rom, 30. Mat. Wie die Blätter aus Meffina mel­den, haben unbekannte Täter im erzbischöflichen Palast ei­nen Diebstahl begangen und kostbare kirchliche Gegenstände im Wert von einigen Millionen Lire entwendet, u. a. einen goldenen mit prächtigen Steinen geschmückten Mantel, der einen wirklichen Wert von 100 000 tre befitt, dessen histo­rischer Wert aber auf drei Millionen Lire geschätzt wird.

Der Flug Paris- Rom.

Nizza, 30. Mai. Der Flieger Beaumont ist gestern abend kurz nach 7 Uhr hier angekommen. Er erhält den Preis von 108 000 Mark.

Folgenschwere Pulverexplosion. Montpellier, 30. Mai. In dem Hause eines Stein­bruchbesitzers in Lunel in Südfrankreich explodierte der im Keller aufbewahrte Pulvervorrat. Zwei Personen wur­den getötet; das Haus wurde vollständig zerstört. Riesiger Waldbrand in Japan.

Tokio, 30. Mai. Im Norden von Hakodate ist ein rtefiger Waldbrand ausgebrochen, der eine ungeheure Aus­dehnung angenommen hat. Fünf Städte sind von einem Feuermeer umgeben. Auch die Steinkohlengruben bren nen. 300 Quadratwerst Waldbestand sind bereits vernichtet. Mehrere Personen find umgekommen.