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Bezugspreis 40 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

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olerteljährlich 1,20 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint Dienstags, Donnerstags, Samstags. Redaktion: Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung rricht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 230.

-

Telephon: Nr. 362.

Reichstagswahlen 1912.

Die liberale Einigung ist nun auch in Württemberg durchgeführt. Im 14. Württembergischen Reichstagswahlkreis( Ulm- Heidenheim) unterstützt die nationalliberale Partei den Kandidaten der Volkspartei, Hähnle, während umgekehrt die Volkspartei bei den Landtagswahlen für die nationalliberalen Kandidaten in Ulm- Stadt und Geislingen eintritt.

! Mainz. Eine am Sonntag abgehaltene Ver­sammlung der Nationalliberalen Partei des Reichstagswahlkreises Mainz- Oppenheim hat be­schlossen, zur Reichstagswahl einen Kandidaten aufzu­stellen und Fühlung mit anderen Parteien zu suchen. Ferner wurde auf Beschluß der Versammlung beim Lan desvorstand der Partei die Einberufung einer a ußer= ordentlichen Sigung des Landes- A u s- schusses beantragt, damit eine Klärung der verwor renen Verhältnisse in der Landespartei herbeigeführt

werde.

Hessische Landtagswahlen 1911.

=

§ Als Termin für die Eröffnung des 35. Landtages ist die Zeit zwischen dem 13. und 20. Dezember in Aussicht genommen. Der Großherzog wird auch diesmal die Thronrede im Residenzschloß persön­lich verlesen.

§ Nierstein. Da sämtliche Stimmzettel des ge= wählten Bauernbündlers Michael Wolf in der Länge und in der Breite je einen Zentimeter zu klein sind, also wegen Kenntlichkeit den gesetzlichen Bestimmungen nicht entsprechen, so wird die Wahl angefochten werden.

Soziales.

Die Wetzlarer 3tg." erhielt vom Reichstagsabgeord­neten Behrens folgenden Brief:

Sie bringen in Nr. 220 vom 7. November unter Soziales eine Zuschrift vom 3echenverband, in der auf meine Rede in der Reichstagssitzung vom 17. Oktober Bezug genommen wird. Ich habe in dieser Reichstagsizung u. a. gesagt: Es sei mir von einer Stelle mitgeteilt worden, daß nach den Listen des Ar­beiternachweises 10-15 000 Bergarbeiter arbeitslos sind." Der Zechenverband behauptet nun in seiner Zu­schrift, daß diese Mitteilung den tatsächlichen Verhält nissen nicht entspricht. Im Nachsatz zu dieser Zuschrift ist gesagt: Was man danach von den Behauptungen des Abg. Behrens zu halten habe, kann jeder Unbefan­gene selbst entscheiden." Diese Schlußbemerkung ist irre­führend. Ich selbst habe nichts behauptet, sondern habe lediglich dem Reichstage mitgeteilt, was mir von derer Stelle über die Arbeitslosigkeit nach den Listen des Arbeitsnachweises mitgeteilt worden ist. Ob die mir zugegangene Mitteilung falsch oder richtig ist, beweißt der Zechenverband in seiner Zuſchrift, auf Grund seiner Arbeits nachweislisten nicht, sondern er ruft sich lediglich auf Statistiken des Bochumer Knapp­schaftsvereins und des sozialdemokratischen Bergarbeiter­verbandes. Die Statistiken dieser beiden Instanzen sind

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jedoch nicht beweiskräftig. Beweiskräftig fönnte ledig lich sein, wenn der Zechenverband die Liste seines Ar­beitsnachweises benutzen würde. Dies hat der Zechen= verband jedoch wohlweislich vermieden.

Die mir gewordene Mitteilung über die in den Li­sten des Arbeitsnachweises verzeichneten arbeitslosen Berç­arbeiter stammt aus einer Quelle, die, soweit ich es be= urteilen kann, aus eigenem Wissen Kenntnis der Liste des Arbeiternachweises hat. Daher brauchte ich im Reichstage am 17. Oktober anbetrifft, so ist das eine un­teilung weiterzugeben.

Was nun den zweiten Teil aus meiner Rede im Reichstage am 17. Oktober anbe, rifft, so ist das eine un­umstößliche Tatsache, daß verschiedene große Zechen im Ruhrrevier fortgesetzt größere und große Scharen von Ausländer ins Ruhrrevier hineinschleppen. Diese für die einheimischen Arbeiter, sowie für den deutschnationa­len Gedanken unangenehme Tatsache hat der Zechenver­band auch nicht in Frage zu stellen vermocht.

*

Auf diese Zeilen ist dem Schreiber folgende Antwort geworden:

Es gehört in der Tat die ganze Sophistik eines Herrn Behrens dazu, hinsichtlich seiner von uns widerlegten Ausführungen im Reichstage zu sagen: Ich selbst habe nichts behauptet, sondern habe lediglich mitgeteilt, was mir von anderer Stelle über die Arbeitslosigkeit mitge= teilt worden ist." Will Herr Behrens hiermit erklären, er sei persönlich nicht in der Lage, seine Ausführungen

des Großherzoglichen Polizei Amtes

=

der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Donnerstag, den 30. November 1911.

zu vertreten, so wird er uns gestat, en, vom gleichen Gesichtspunkte aus auch seine weiteren Ausführungen Ihnen gegenüber zu bewerten. Uns ist unverständlich, was Herr Behrens aus den Arbeitsnachweislisten her= auslesen will, denen alles andere, nur nicht die von ihm behauptete Arbeitslosigkeit zu entnehmen ist. Ist es etwa nicht deutlich genug, wenn wir mit aller Klarheit fest­gestellt haben, daß die Behauptungen des Herrn Beh­rens die tatsächlichen Verhältnisse genau auf den Kopf stellen. Mit voller Absicht haben wir den Beweis hier­für den amtlichen Nachweisungen des Knappschafts­vereins entnommen. Würden wir mit Belegen aus der

Statistik des Arbeitsnachweises gedient haben, so hätte doch zweifellos Herr Behrens diese Zahlen nicht als beweiskräftig gelten lassen, zumal der Arbeitsnachweis des Zechenverbandes jener Parität entbehrt, die Herrn Behrens so begehrenswert erscheint. Wir müssen es uns daher als völlig zwecklos versagen, sachlich auf die Ar­gumente des Herrn Behrens einzugehen. Wie wir ge­nannten Herrn kennen, würde er allen sachlichen Dar­legungen doch nur dieselben Redensarten entgegensetzen und schließlich immer wieder erklären, seiner Quelle" mehr zu glauben, als unseren einwandfreiesten Fest= ſtellungen.

Was die weitere Behauptung des Herrn Behrens über das Einschleppen größerer und großer Scharen von Ausländern ins Ruhrrevier anlangt, so müssen wir diese in dem behaupteten Umfange, auf Grund des uns zur Verfügung stehenden sachlichen Materials, nach wie vor als unrichtig zurückweisen. Möge der Abgeordnete Behrens seine Behauptungen mit Zahlen und Namen auf einwandfreier Grundlage belegen. Da er aber hierzu nicht in der Lage sein wird, so haben wir unsere Aus= führungen in feiner Hinsicht einzuschränken.

Rus Stadt und Cand.

Gießen, 30. November 1911.

n Gießen. Die Hinrichtung des Raubmörders Erbe wird wahrscheinlich in den nächsten Tagen auf dem Hofe des Landgerichts stattfinden. Wie man wei­ter hört, ist ein Gnadengesuch von dessen Mutter an den Großherzog gerichtet worden. Sie hat eine Audienz nachgesucht, um persönlich ihre Bitte um Gnade für den Sohn anbringen zu können.

o Hungen. Nach dem Genuß von Wurstsuppe, die über Nacht in einem fupfernem Kessel gestanden haite, ist gestern hier eine Frau nach etwa dreiwöchigem Kran fenlager an Vergiftung gestorben.

o Bad Nauheim. Das Gerücht vom Eingehen des hiesigen Telephonamtes infolge Einrichtung einer Zentrale für Nauheim und Friedberg in Friedberg, er­regt hier ziemliches Aufsehen. Wir können das nicht glauben, daß dem Weltbad dieses sehr wichtige Ver­fehrsinstitut genommen werden soll. Die Oberpostdirek

tion hat nach einer neueren Nachricht erklärt, daß an eine Verlegung des hiesigen Telephonamtes nicht ge= dacht werde. Jedenfalls hat da Jemand etwas läuten

hören, aber nicht richtig.

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o Bad Nauheim. Die Eingemeindung seres Nachbarortes Schwalheim steht in naher Aussicht. o Friedberg. Zwischen den eng benachbarten Städten Friedberg und Bad- Nauheim soll eine cleftri­sche Bahn erbaut werden, die unter Umständen auch noch nach einigen nahegelegenen Ortschaften weiter ge­führt werden kann.

o Friedberg. Die Stadtverordnetenversammlung hat den städtischen Beamten, Lehrern, Bediensteten und Arbeitern, die weniger als 2600 Mark Einkommen ha­ben, Teuerungszulagen bewilligt. Den Lehrern wird das Wohnungsgeld von 550 auf 600 Mait erhöht. Für den neuen Voranschlag soll eine allgemeine neue Gehaltsordnung ausgearbeitet werden.

):( Schli. Mit dem Bau der Bahnlinie Schlitz­Niederaula- Hersfeld soll im Februar nächsten Jahres be­gonnen werden.

o Offenbach a. M. Die Stadt Offenbach ge­währt auch in diesem Jahre eine Ehrengabe im Betrage von 25 Mark an diejenigen hier wohuhaften reichsdeut­schen Kriegsteilnehmer von 1864, 1866, 1870-71 einschließ­lich der auf dem Kriegsschauplatz tätig geweſenen Nicht­kombattanten, die ein Einkommen von nicht mehr als 1500 Mark haben oder aber bei einem höheren Einkom­men in dürftigen Verhältnissen leben.

s Darmstadt. Auf Einladung des Reichs- Ver­bandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaf­ten in Darmstadt, der nahezu 2000 Genossenschaften um­

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Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg

faßt, findet im Mai 1912 die dritte Tagung des inter­nationalen Bundes der landwirtschaftlichen Genossen= schaften zum ersten Male auf deutschem Boden, und zwar in Baden- Baden statt. Zur Vorbereitung des Bundes­tages wurde in einer Sitzung des Vorstandes des in­ternationalen Bundes, die hier unter dem Vorsitz des Geheimrats Ha a s stattfand, eine Kommission einge­setzt.

! Worms. In fünf hiesigen Geschäften wurden bei einer Revision mehr als hundert Brote beschlag- nahmt, weil sie zu leicht befunden wurden. Gegen die Geschäftsinhaber wurde Strafanzeige erstattet.

! Wörrstadt. Der hiesige Bürgermeister Christ hat den Vorsitz im Landwirtschaftlichen Verein der Pro­vinz Rheinhessen niedergelegt. Man bringt seinen Rück­tritt mit politischen Vorgängen während der letzten Landtagswahlen in Verbindung.

! Alzey. Eine Vertrauensmännerversammlung der Fortschrittlichen Volkspartei für den Wahlkreis Alzey­Bingen nahm einstimmig eine Resolution an, derzufolge die persönliche Kampfesweise gegen den Kandidaten, Landtagsabgeordneten Adolf Korell mit Entrüstung zu­rückgewiesen wird.

! Bingen. Bei Pferdeschlachtungen wird mit Ge­nehmigung des Großherzoglichen Ministeriums des In­Gebühr von 6 Mark zur Kreiskasse erhoben. nern fortan für die Schlachtvieh- und Fleischbeschau eine

):( Weilburg. Am 2. Dezember findet die Feier der Grundsteinlegung der neuen Unteroffizierschule statt.

):( Herborn. Aus verschiedenen Orten der Um­gegend wird über die zunehmende Unsicherheit geklagt und namentlich hat sich der Einwohner dieser Orte eine gewisse Aengstlichkeit bemächtigt. Auch in der Umgegend von Dillenburg und Haiger treibt eine größere Anzahl dem Arbeiterstande angehörender Italiener sich umher, die von ihren Arbeitgebern entlassen werden mußten, weil sie ihre militärische Einberufungsordre erhalten ha­ben und anscheinend dieser nicht Folge leisten wollen.

):( Wiesbaden. Gegen das in dem Welker= Prozeß ergangene Urteil ist von dem Nebenkläger Pfar­rer Diefenbach von Rauenthal und dessen Vertreter dem Rechtsanwalt Dr. Beres wiederum die Revision ange= meldet worden.

):( Marburg. Die Stadt Marburg konnte sämt­liche Kartoffelbestellungen zur vollen Zufriedenheit er­ledigen. Etwa 500 Zentner Kartoffeln sind zum spä­teren Verkauf seitens der Stadt eingefellert worden, so­daß ein Hinaufschwellen der Preise im Winter wohl hier vermieden wird. Die Stadt verkaufte die Kartoffeln zu 3.40 Mark pro Zentner.

):( Oberurse I. Ein hiesiger Arbeiter hatte ein zahmes Rotte hIchen, das frei im Zimmer amher­flog. Am Karfreitag flog es durch ein offenes Fenster ins Freie und war den ganzen Sommer nicht mehr zu

sehen. Letzten Donnerstag stellte sich der Ausreißer vom Frühjahr wieder ein und hat nun wieder ein sicheres Winterquartier.

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