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Eine Kundgebung des Hansabundes.

Die schweren nationalen Aufgaben.

Am Mittwoch war das Präsidium des Hansabun­des in Berlin zusammengetreten, um zu der durch den Austritt des Landrats Nötger geschaffenen Lage Stel­lung zu nehmen. Als Ergebnis der Beratungen ver­öffentlicht das Präsidium folgenden Beschluß:

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Ein neues Kaiserschloß in Wiesbaden? Ueber das schon einmal erwähnte Projekt der Erbauung eines neuen Katserschlosses in Wiesbaden meldet der Wies= badener Korrespondent des B. T." jetzt allerlei Ein­zelheiten. Danach will man nicht nur, wie anfänglich geplant, das Terrain des Paulinenschlößchens für den Neubau verwenden, sondern es sollen fünf große Villen angekauft, niedergelegt und ihr Terrain zu Barkanlagen verwendet werden. Das Terrain des Paulinenschlößchens, wie es jetzt ist, soll die Stadt Wiesbaden den Katser unentgeltlich zur Verfügung stellen. Die Kosten für die Erwerbung der fünf Villen mit Zubehör, die nach der Berechnung auf 2 Mini­onen Mark zu stehen kommen wird, sowie das Geld für den ganzen Schloßneubau sollen durch Privatmit­tel aufgebracht werden.

vtertausend Hafenarbetter in den Ausstand. Ste for dern Anerkennung thres Verbandes und die Busiche rung, daß weiterhin nur Mitglieder des Verbandes be schäftigt werden. 150 Polizeibeamte gingen gestern von Birmingham nach Hull ab. Die Unmöglichkeit, die an Bord der Schiffe befindlichen großen Vorräte an But ter, Eiern und Schinken in Hull und in den anderen Häfen an Land zu bringen, ist besorgniserregend. Die Lage in Hull wird stündlich ernster, da die Ausstän digen die Schiffahrt vollstärbtg lahmlegen. Auch in Grimsby sind alle Hafenarbetter in den Ausstand ge treten.

Zur Einleitung von Vorarbeiten für die Durchfüh rung der hausgewerblichen Krankenversicherung wer­den sich Ende dieser Woche höhere Beamte aus dem Reichsamt des Innern und dem preußtschen Handels­ministerium in die Hauptsächlichsten Gebtete der Haus­industrie begeben. Die Kommission besucht Hamburg, Bünde, Herford, Bielefeld, Crefeld, Elberfeld, Cöln, Offenbach, Lichtenfels, Kronach, Sonneberg, Plauen, Dresden, Breslau und Reichenbach. Es wird sich da= rum handeln, in diesen Orten die Verhältnisse der Hausarbeit in der Zigarren-, Leinen-, Spizen-, Leder­waren-, Spielwaren-, Korbwaren-, Nahrungsmittel­Industrie und der Konfektion zu untersuchen, sowett fie für die Krankenversicherung in Frage kommen.

Das am 28. Juni 1911 zusammengetretene Ge­samtpräsidium des Hansabundes gibt zunächst seinem Bedauern über den Austritt des Landrats a. D. Rötger Ausdruck. Zu diesem verantwortungsvollen Schritt war nach Ansicht des unterzeichneten Präsiden­ten und Vizepräsidenten ein Anlaß nicht gegeben. Die Prüfung der Sachlage und des Briefwechsels zwt­schen Herrn Landrat a. D. Rötger und Herrn Geheim­rat Rießer ergibt, daß begründete Zweifel über In­halt und Tragwette des einstimmigen Präsidialbeschlus= ses betr. der Stellungnahme des Hansabundes zu den Wahlen und Stichwahlen nicht bestehen konn­ten, und zwar sowohl nach dem Wortlaut des Beschlus= ses wie nach den seiner Fassung voraufgegangenen Verhandlungen im Gesamtpräsidium. Dieser Beschluß, der mit Ermächtigung des Präsidiums in den Mittet­lungen des Hansabundes vom 24. November 1910 und seitdem wiederholt öffentlich bekanntgegeben worden ist, hat das Prinzip festgestellt, daß der Hansabund die Ausgabe von Stichwahl parolen in allen Fällen den politischen Parteten zu überlassen hat, zu deren ausschließlicher zuständigkeit sie gehört. Eine wirtschaftliche Vereinigung, die Mitglieder aller bir­gerlichen Parteien umfaßt, darf sich unter keinen Um­Ständen zur Ausgabe von Stichwahlparolen drängen laffen, falls sie nicht ihr Lebensinteresse gefährden will. Eine Ausnahme von diesem Prinzip zuzulassen, ist denn auch, wie hiermit festgestellt wird, settens des Herrn Landrat a. D. Rötger weder bei der Beschluß­fassung selbst noch in den mehr als sechs Monaten, die feit jenem Präfidialbeschluß vergangen sind, beantragt worden. Die von Herrn Rötger beanstandete Veröf= fentlichung des im Anschluß an den Hansatag verbrei­teten Werbeaufrufs entspricht zunächst formell dem Recht und der Pflicht des geschäftsführenden Vor­sitzenden und überdies einer ihm durch einstimmigen Präsidialbeschluß vom 29. September 1910 ausdrücklich erteilten Ermächtigung. Inhaltlich aber enthält dieser Werbeaufruf, der lediglich die Bekämpfung der ein­seitigen demagogischen Agrarpolitit" und die Durch­setzung einer besseren Würdigung der gewerblichen Ar­belt zum Gegenstande hat, nicht die geringste Abwet­chung von dem bis dahin auch von Herrn Landrat a. D. Rötger vertretenen Programm des Hansabundes. Das Präsidium ist sich bewußt, seine schweren na­ttonalen Aufgaben, die Gesamtinteressen aller Kreise der Industrie und gleichermaßen des Handels, des Gewerbes, Handwerks und der Angestellten nach Maßgabe der Sabungen zu vertreten, bisher auch durchgeführt zu haben und wird dieser Pflicht bis zur endgültigen Erreichung ihrer Ziele auch in der Folge unbedingt nachkommen."

König Georg und Kronprinz Wilhelm.

Die Hoffähigkeit" der englischen Sozialisten. Die Tatsache, daß der sozialistische Führer und Parlamen tarter Macdonald an dem Diner bet dem Kriegsmints ster Haldane tetlgenommen hat, bet dem der Deutsche Kaiser erschien, hat füngst zu einem Beschluß einiger Gruppen der unabhängigen Arbetterpartet geführt, in dem Macdonalds Verhalten verurteilt wird; es set nicht angängig, zusammen mit einem Feinde des Sos zialismus zu spetsen. Macdonald hat darauf eine res solute Antwort gegeben. Wenn", so schreibt er, eine solch alberne Bestimmung aufgestellt würde, so könn ten einige Soztaltsten nicht mehr mit ihren Frauen speisen und auch die Schwelle des Hauses von Mits gliedern ihrer eigenen Familien nicht mehr überschrets ten. Man kann mit dem Kaiser gerade so gut wie mit den Herren Balfour und Asquith den Sozialismus er­örtern. Solange die Gegner des Sozialismus sich an die Regeln der Vernunft halten und gesetzmäßig vor­gehen, müsse man auch mit ihnen argumentieren dürfen."

Zur Revision der Anwaltsgebühren hat das Retchs­Justizamt die Anwaltskammern um statistisches Mate­rial ersucht. Die Anwaltskammern lehnten jedoch dies Ansinnen ab. Jetzt hat, wie der Lok.- Anz." erfährt, die Reichsjustizverwaltung sich an die Einzelregierun= gen und die Oberlandesgerichte mit dem Ersuchen um gutachtliche Aeußerungen darüber gewandt, ob entspre= chend der Preissteigerung aller Lebensbedürfnisse eine allgemeine Erhöhung der Anwaltsgebühren erforder= lich scheine. Vom Ausfall dieser Gutachten wird es abhängen, ob die fragliche Revision in Angriff genom­men wird oder nicht.

Kleine Nachrichten.

Professor Wallot, der Erbauter des Reichstagsge­bäudes beging in Dresden seinen 70. Geburtstag. Die städtischen Kollegien zu Dresden haben ihm die goldene Ehrendenkmünze der Stadt verliehen.

Der Verband deutscher Lokomotivführer und Heizer htelt in diesen Tagen in Mülhausen seinen 27. Ver­bandstag ab. Der Verband, der vor 40 Jahren ins Le­ben gerufen worden ist, zählt gegenwärtig in ganzen Reiche rund 19 000 Mitarteder und besitzt ein Vereins­vermögen von 2700 000 Mart.

Der dritte Verhandlungstag des Deutschen Ge= werkschaftskongresses, der Mittwoch, brachte zunächst noch eine Erweiterung der Aussprache über das am Tage zuvor verhandelte Thema betr. Arbeiterschutz und Arbeiterversicherung, wobet sich mehrere Redner ein­gehend über die Forderungen der Arbeiter inbezug auf den Schutz der Heimarbeiter, die Versicherung der Privatangestellten, das Verbot der Kinderarbeit, die Einführung des Marimalarbeitstages usw., äußerten. Die vorgelegten Resolutionen wurden einstimmig an­genommen. Das Koalitionsrecht in Deutschland und der Vorentwurf zu einem deutschen Strafgesetzbuch hil= dete das folgende Thema. Der Referent legte dar, daß das Koalitionsrecht, das Sozialpolitiker der verschieden­sten Richtungen als eine Waffe erklärt hätten, die die Arbetter im Dienste der guiltfatton, der Menschheit führten, im Deutschen Reiche zwar theoretisch aner­kannt wäre, daß jedoch die praktische Ausübung die­ses Rechtes durch die Gesetzgebung und die Rechtsaus= legung erschwert würde. Der Vorentwurf zu einem deutschen Strafgesetzbuche enthalte keinerlet Vorschrift zum Schutze der Koalitionsfrethett. Werde der Entwurf Gesetz, dann bleibe den Arbeitern nichts wetter übrig als zum schärfsten Mittel, zum Streik, zu greifen.

Es ist in London allgemein angenehm aufgefallent, wie intim sich das Verhältnis zwischen dem englischen Königspaar und dem deutschen Kronprinzenpaar ge­staltet. Das Königspaar erscheint stetig in Begleitung der deutschen Verwandten bet den Hoffesten und in der Deffentlichkeit. Namentlich wurde das bei dem Gar tenfest im Buckingham- Palastgarten bemerkt, wo der Röntg wieder die Kronprinzessin und der Kronprinz die Königin führte. Selbst bei dem Empfang besonders vom König ausgezeichneter Herren und Damen blieben das englische Herrscherpaar und der deutsche Kronprinz und seine Gemahlin in einer dichten Gruppe vereint. Im englischen Publikum wird das Kronprinzenpaar täglich populärer. Man berettet ihm Ovationen. In den Kinematographentheatern, wo die Bilder vom Krönungsfest natürlich die Hauptanziehungskraft bil­den, wird die Erscheinung des Kronprinzen stets mit großem Beifall begleitet, namentlich aber ein Bild, das die Landung des Kronprinzenpaares in Dover dar­stellt. In einem Artikel über den Aufenthalt des Kronprinzen in England sagt der Daily Expreß" un­ter anderem:" Der Kronprinz liebt es schr, eine Ein­faufstour im Automobil oder zu Fuß zu unternehmen. Er und seine Gemahlin haben viele Läden besucht und Taufen Spielzeuge für ihre dret kleinen Söhne. Die Wallace- Kollektion hat der Kronprinz gleich in den ersten Tagen besucht und dort ein wunderbares Porträt seiner Großmutter, der verstorbenen Kaiserin Friedrich, gefunden. Eins haben der Kronprinz und die Kron­prinzessin inmitten der rauschenden Festlichkeiten fet­nen Augenblick vergessen: die kinderstube in Potsdam. Jeden Tag, seit er in London tst, tele­graphiert der glückliche Vater dreier gesunder Söhne Anfragen nach Botsdam und ist nicht eher zufrieden, Sis die Antwort eingetroffen tst."

2)

Jugendfreundschaft.

Roman von G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.)

Auswanderung ostdeutscher Kolonisten? Im Kretse Bnin( Posen) sollen nach Blättermeldungen die Söhne von Ansiedlern nach Kanada auszuwandern beabsich­tigen, well ste tetn Siedlungsland bet uns mehr finden können.

Die Errichtung eines Kaufmannserholungsheims, des ersten in Deutschland, in Bad Salzhausen in Ober­heffen soll, wie verlautet, gesichert sein.

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Die sportlichen Leiter des deutschen Rundfluges haben beschlossen, wegen des ungünstigen Wetters in Cöln einen Ruhetag einzulegen und bestimmt, daß an diesem Ruhetag teine örtlichen Wettbewerbe stattfinden sollen. Der Wetterflug von Cöln findet also nicht am Freitag, sondern voraussichtlich am Sonnabend statt, sodaß sich das ganze Programm um einen Tag ver­schiebt.

Goldgruben in Oberfranken. Die im vorigen Jahr hundert mit Erfolg betriebenen Golderzgruben bet Goldkronach, die seit längerer Zeit stillgelegt sind, sollen wieder in Betrieb genommen werden. In den Gutach ten bei Suchverstanorgen wiro ein uverrajeno großes Golderzlager in Aussicht gestellt.

Die Programmerklärung des neuen französischen Kabinetts wird sehr kurz sein und scharf den Willen betonen, zu regieren, und dabet alle Vorrechte in An­spruch nehmen, die mit der Ausübung der Regierungs­gewalt verbunden sind. In erster Rethe wird es be­müht sein, die Wahlreform durchzuführen in einer Ge­stalt, die der gesamten republikanischen Partet ihre Annahme möglich macht. Weiter wird das Kabinett die Steuerreform und das Beamtenstatut durchführen und das Budget ohne Verzug beschließen lassen. So­dann wird das Kabinett einen Gesezentwurf einbrin­gen, der die Frage der Abgrenzung der Weingebiete regelt, und in kurzer Frist der Kammer das Budget für 1912 unterbreiten. Endlich wird das Kabinett be­müht sein, die Wiederanstellung der entlassenen Et­senbahner zu erreichen.

Ich gehe mit dem Plan um, eine dritte Villa zu faufen, um ein Krankenhaus zu gründen, das hier fehlt; ich danke Gott, der mich mit den dazu nötigen Mitteln gesegnet hat.

Nun habe ich Dir viel erzählt, liebe Thekla und bitte Dich, mir bald zu antworten und mir recht genau über Euch zu berichten. Ich sah nur Deine beiden äl­testen Kinder, die jetzt schon erwachsen sind, von den jüngeren weiß ich nichts. Könnte ich Dich und die Det­nen hier zum Sommer haben, hier atmet man freier als in der Stadt und erholt sich an Leib und Seele.

Karla grüßt unbekannterwetse Deine Töchter, sie hai den lebhaften Wunsch, sie bald kennen zu lernen. Viel Liebes Deinem guten Mann und Deinen Kin­dern!

In alter treuer Freundschaft

Der Ausstand der englischen Seeleute hat schärfere Formen angenommen. In Liverpool traten gestern

Deine Anna Hatdeck. Es war an einem regnerischen Märztage, als dieser Brief in die Hände Frau Grotenbachs gelangte.

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Ein Flug über den Niagarafall. Der Aviatiker Lincoln Beachey flog am 27. Junt mit seinem zwet­decker über den Hufeisenfall des Ntagara und landete wohlbehalten auf kanadischem Gebiet. Er erklärte, der Flug habe seine Nerven in furchtbarer Weise auf die Probe gestellt. An hunderttausend Menschen sahen dem Wagestück zu.

Eine fechstöpfige Familie ertrunken. Der Schiffer Sulschus aus Memel wurde auf der Fahrt von Memel nach Königsberg im Kurischen Haff von einem schweren Unwetter überrascht. Der Reisekahn sant und die ganze an Bord befindliche Familie, Eltern und vier Kinder, fand den Tod in den Fluten des Haffs.

Weib. Ihre Kinder wuchsen frisch und fröhlich heran, nte hörten sie Klagen, nie sahen ste finstere Gesichter. Ste wußten, daß sie sehr arm waren und daß sie einst auf eigenen Füßen stehen mußten; sie entbehrten man­ches, was thre jungen, wohlhabenden Freunde besaßen, trozdem waren die Grotenbachs ein zufriedenes het­teres Völkchen, sieben an der Zahl. Sie waren bei der einfachen Kost rotbäckig und gesund, die abgetragenen Kleider, von der Mutter kunstvoll geflickt, saßen auf schlanken, wohlgebauten Körpern. Nur die kleine

Irma war das Sorgenkind der Familie.

Dreißig Bauern ertrunken. In dem an der Wolga gelegenen Dorfe Krasnoje fand ein großes Volksfest statt. Als ein plößliches Unwetter losbrach, drängte alles nach der Fähre; das überladene Fahrzeug schlug um und dreißig Bauern ertranfen.

Ein Perlenhalsband im Werte von 300 000 Mart ist bei der Galavorstellung im Coventgarden- Theater in London einer Dame abhanden gekommen. Sie will dem ehrlichen Finder eine Belohnung von 10 000 M zahlen.

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Aus den Gerichtssälen. Freispruch wegen sinnloser Betrunkenheit. Schwurgericht in Osnabrück verhandelte gegen einen Arbeiter, der in totaler Trunkenheit seinen ebenfalls

Als sich der Postbote entfernt hatte, blickte Frau Thekla neugierig auf die Schriftzüge des Briefes nieder. Sie öffnete den Umschlag und sah nach der Unterschrift. Ein leises Rot der Freude färbte ihr noch immer hüb­sches, bleiches Gesicht, als sie den Namen der Jugend­freundin las. Ste fah ste plötzlich vor sich, die zierliche Gestalt, die klugen, braunen Augen, das schwarze, lockige Haar und das edelgeschnittene Profil; das trat deutlich aus dem Schatten der Vergangenheit hervor. Es ist doch etwas Wunderbares um solche alte Freund­schaft, sie überdauert Zett und Wechsel.

Ich bekomme dreißig Pfennig Strafporto," sagte der Postbote. Ucber das Gesicht der Empfängerin glitt ein flüchtiger Schatten, sie bezahlte das Geforderte. Dreißig Pfennige! Eine kleine Summe zwar, aber im­merhin eine Ziffer für diejenigen, die mit jedem Nickel rechnen müssen, und Thekla Grotenbach gehörte zu hnen. Die Familie war groß und der Ernährer be­fleidete eine schlecht bezahlte Stelle an der Bank in Memel. zu viel zum Verhungern und zu wenig zum Leben", dachte er oft sorgenvoll, wenn es überall fehlte. Die Ehe war eine glückliche, das schöne Wort: Die Liebe trägt und duldet alles," paßte auf Mann und

Aus der Jugendzett, aus der Jugendzeit Klingt ein Lied mir immerdar!

O! wie Itegt so wett, pl wie liegt so weit, Was mein einst war!"

am größten, hier steht der Schreibtisch des Vaters, denn der Vielbeschäftigte hat kein Arbeitszimmer, in das er sich zurückziehen kann, um meist bis Mtiternacht seine Rechnungen durchzusehen. Das weiße Haupt des Er­nährers der Familie beugt sich über die Arbeit, er darf nicht fetern, muß er doch den Wolf von der Tür fern­halten, den grimmen Wolf, der Mangel heißt.

So murmelten Theklas Lippen, dann Itest sie dte drei dichtbeschriebenen Bogen.

Und währenddessen sitzt ein treues Weib, die Mut­ter seiner Kinder, neben ihm am Nähttsch und bessert beim Schein der Studierlampe die Wäsche und Kleider der jungen Schar aus. Zuweilen streicht sie mit der Hand leise liber sein spärliches Haar, dann sieht er von seiner Arbeit auf und nickt ihr freundlich zu.

Das Haus, in dem die Familie wohnt, ist klein und niedrig, es liegt ganz am Ende der Stadt in einer Win­telgasse, aber es ist warm und bequem und vor allen Dingen: es ist billig. Ein blasser Strahl der März= sonne fällt in das Zimmer und trifft den alten Näh­tisch, an dem Thekla Grotenbach Blatz genommen hat. Die große Familie hat wenig Raum in den stark ver­wohnten Stuben, da heißt es, zusammenrücken, auf­einander Rücksicht nehmen. Der sogenannte Saal tst

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Meine liebe, gute Anna," sagt Grotenbach, und es Itegt eine Welt von Liebe in diesen Worten. Ist der letzte Federstrich getan, dann fizzen sie noch ein Weilchen auf dem alten Sofa mit dem verblichenen Damast, die fleißigen Hände ruhen ineinander und sie sprechen vom Herzen zum Herzen. Das ist für sie die schönste Stunde des Tages, auf die sie sich freuen und wo sie sich das Beste in der Welt" geben. Sorglich löscht Frau Thekla die große Lampe aus, die verbraucht so viel Petroleum. und sie darf nicht mehr als ein gewisses Quantum im Monat kaufen. Ein Licht erhellt bet der Zwiesprache, der Gatten das. Zimmer, die Gesichter des Paares allein sind deutlich zu sehen, ste lächeln sich an und fühlen sich glücklich in ihrer trenen Liebe, die sie vor langen Jahren einander zuführte.

Wie rücksichtslos die Märzsonne durch die schadhaf= ten, mühsam ausgebesserten Gardinen schlüpft, man fieht die geflickten Bezüge der Möbel, die Flecken auf der Tischdecke, den farblos gewordenen Teppich, die häßliche billige Tapete, den schlechten Fußboden. Und doch sieht man es der Einrichtung an, daß sie aus einer besseren Zeit stammt, einer Bett, da Frau Sorge noch fern war.

( Sortiebung folgt.)

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