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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

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vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die Illustr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

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Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H.

Nr. 151.

Telephon: Nr. 362.

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens

Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Freitag, den 30. Juni 1911.

rechtsantrag ab. Die ganze erste Seite des sozialdemo­Der preussische Landtagsschluss und tratischen Barteiorgans war gestern mit einem Aufruf an die Wähler und mit Betrachtungen über das Wahl­recht ausgefüllt.

die Presse.

an

von

Das Wolffsche Telegraphenbureau verbreitet folgende, allem Anschein nach offiziöse Mitteilung: Der Schluß des Landtages war, wie bekannt, für Ende dieses Monats in Aussicht genommen. Die nähere Bestimmung dieses Zeitpunktes hing für die Staatsregierung von dem Fort­gange der parlamentarischen Arbeiten ab. Das Fort­bildungsschulgesetz erhielt in der Kommission für die Re­gierung eine unannehmbare Fassung, und es bestand feine Hoffnung, daß hierin im Plenum noch eine Aen­derung eintreten könne. Auch die Aussicht, noch mehrere andere Gesetze zu verabschieden, wurde durch den Ver­lauf der letzten Sitzungen des Abgeordnetenhauses zer stört. Infolgedessen sah die Staatsregierung trotz des anlaßt, von der erteilten Allerhöchsten Ermächtigung, den glatten Fortgangs der Geschäfte im Herrenhause sich ver­Landtag zu schließen, unverzüglich Gebrauch zu machen.

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Aus Stadt und Land.

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Der schrille Mißllang bei dem Schluß der preußi­schen Landtagsverhandlung hat eine leidenschaftliche Stimmung in die Lager aller Parteien getragen. Am schärfsten äußern sich die Organe der Linken, aber auch mittelparteiliche Blätter, wie die Tägl. Rundschau", wen­den sich mit nachdrucksvoller Kritik gegen die Politik des Uebermutes und der Mißachtung von Rechten, die von den Mehrheitsparteien in der letzten Zeit getrieben wor­den ist. Besonders scharf ist auch das Urteil über den seitherigen Präsidenten Jordan von Kröcher, der all­mählich immer mehr, statt ein Hüter der Minderheit zu sein, ein Vollstrecker des Mehrheitswillens geworden sei. Nachdem er gestern aus eigener Machtvollkommenheit die Tagesordnung geändert und dadurch den Landtag förm lich gesprengt habe, werde man ihm kaum ein Unrecht tun, wenn man ihm auch den urheberischen Anteil der eigenartigen Abstimmungsordnung bei der Beratung des freisinnigen Wahlrechtsantrages beimißt. Nach der bisher geltenden Uebung müsse bei der Vorlage mehreren Anträgen immer über den weitestgehenden ab­gestimmt werden, weil die Entscheidung darüber vielfach die weitere Abstimmungstätigkeit überflüssig macht. Wäre nach diesem Brauch verfahren worden, dann hätten die Konservativen nicht bei der Abstimmung über den na­tionalliberalen Antrag auf Einführung des abgestuften Wahlrechts und das Zentrum nicht bei der Abstimmung über die Wahlkreiseinteilung die mutwilligen und necki schen Scherze einer Isolierung der Antragsteller treiben fönnen. Durch die Ablehnung des freisinnigen Antrages überhaupt fet der nationalliberale Antrag ebenfalls er­ledigt gewesen. Das Urteil gegen die Haltung des Herrn v. Kröcher in der letzten Schlußsizung des Abge­ordnetenhauses verschärfe sich noch dadurch, daß ihm das Bewußtsein des Verstoßes gegen die Geschäftsordnung einwandfrei nachgewiesen werden könne, und zwar trete gegen den Präsidenten kein anderer als Se. Exzellenz Jordan von Kröcher selber auf. Vor etwa 6 Wochen habe der zweite Vizepräsident des Abgeordnetenhauses angeregt, zur Abstimmung über das Feuerbestattungsge­setz eine zweite Sizung auf den Nachmittag anzuberau­men, wogegen Präsident v. Kröcher Widerspruch erhoben habe, der dadurch den Herren präjudiziert werde, wel­che aus irgendwelchen Gründen heute nicht an der Sit­zung teilnehmen können und vielleicht morgen da sein würden." Als der Vizepräsident trotzdem seinen Wunsch Wunsch wiederholte, habe Präsident v. Kröcher geltend gemacht, daß sein Standpunkt hiermit als ausdrücklicher Widerspruch angemeldet sei, und es könne bekanntlich eine zweite Sitzung nicht angesetzt werden, wenn ein Wider­spruch aus dem Hause erfolgt. Auf Grund dieser Auf­fassung, womit er sich selbst für alle Zeiten präjudiziert p- Schutzhütten im Vogelsberg. Als habe ,, fonnte und durfte er den gestrigen Fehler über­ein besonder Uebelstand für Touristen und sonstige Ge­haupt nicht machen. Aber die Geschäftsführung des Herrn sellschaften, welche den Taufstein und Hoherodskopf be­v. Ströcher habe, seitdem die Sozialdemokraten ihren Ein­suchen wollen wird sehnlichst das Bestreben von Schutz­zug in das Abgeordnetenhaus gehalten haben, allmäh- hütten mit Ruhebänken vermißt, wenn solche von einem lich immer mehr den Eindruck der Unparteilichkeit ver­Gewitter, oder plötzlich eintretendem Regenwetter über­loren. In einem Punkte allerdings müßten die Mehr- rascht werden, und überhaupt keinen Schutz vor dem heitsparteien in Schutz genommen werden. Der frühe Unwetter finden können wenn kein Baum und fein Strauch mehr davor schützt, und durchnäßt unverrichte

Frage

Gießen, den 30. Juni. Unsere Regimentstapelle erzielte ge­stern abend mit dem 3. Abonnementskonzert einen durchschlagenden Erfolg. Eine respektable Leistung war die Ouverture 3. Oper Der Nordstern" von Meyer­beer und das launenhafte, aber sehr gefühlvolle italie­nische Tonstück von Tschaikowsky. Auch die große Fan­tasie a. d. Oper Tiefland" von d'Albert fand ungeteilte Anerkennung. Unter den Kompositionen des zweiten Teils war von besonderem Interesse ein Wa Izer aus Der neuesten Neuzeit, der aus Motiven des Richard Strauß'schen Rosenkavalier" zusammengestellt war. Man war erstaunt, von diesem allermodernsten Komponisten, der seine Noten gewöhnlich auf einen Hau­fen schüttet, einen Walzer zwar von unverkennbarer Eigenheit in altfränkischer entzückender Nippsachen feinheit der Rokokozeit zu vernehmen. Der Vortrag des gerade nicht sehr leichten Musikstückes stellte der Leistungs­fähigkeit unserer Regimentskapelle ein gutes Zeugnis aus. Der dritte Teil enthielt das umfangreiche Schlach tenpotpourri von Saro: Deutschlands Erinnerungen an die denkwürdigen Kriegsjahre von 1870-71, dessen treff­liche Wiedergabe starken Beifall auslöste. Mit einem flotten Marsch schloß der genußreiche Abend.

Schluß sei von der Regierung nicht mit den Parteien, geschweige denn einseitig mit den Mehrheitsparteien ver­einbart worden. Da keine Aussicht bestanden hätte, daß das Fortbildungsschulgesetz in dem Plenum eine andere Fassung erhalten würde, und da andererseits auch die Regierung jede Auseinandersetzung über diese vermeiden wollte, sei anzunehmen, daß die Entscheidung über den Schluß des Landtages von dem Ausgang der Kommissionsverhandlungen abhängig gemacht wurde, und daß die Regierung eine zwecklose politische Aus­einandersetzung ohne ein tatsächliches gesetzgeberisches Er­gebnis zu vermeiden suchte. Eigentümlich ist bei Be­sprechung der gestrigen Vorgänge der Ton der Zen­aus den trumspresse. Hier verschwindet vollständig Erörterungen die Tatsache, daß mit einem offenkundi­gen Bruch der Geschäftsordnung die rheinische Land­gemeindeordnung von dem Tisch gefegt werden sollte, daß aber die Mehrheit bestrebt war, in Verschärfung der Geschäftsordnung den bekannten Antrag Brandenstein durchzusetzen. Die liberalen Parteien und die Sozialde­mokraten nehmen für ihre Haltung in Anspruch, daß sie ein geltendes Recht verteidigt und sich, wie nunmehr nachgewiesen sein dürfte, gegen eine bewußte Gewalttat zur Wehr gesetzt haben. Die Sozialdemokraten halten am nächsten Dienstag in Berlin und in den Vororten Versammlungen gegen die Mehrheitsparteien des Preuß. Abgeordnetenhauses wegen ihrer Haltung zum Wahl­

* Morgen nachmittag wird der bekannte Gesundheitsprediger Schneider aus Weimar zwei Vorträge auf dem Jurplatz abhalten. In Nauheim und Friedberg sowie in den Taunusbädern hielt Herr Schnei­der vor zahlreichen Zuhörern bereits Vorträge. Jeden­falls dürfte es sich lohnen, den Vorträgen beizuwohnen. Näheres s. Inserat.

ter Sache wieder umkehren müssen. Möchte doch der Vorstand des Vogelsberger Höhenklubs bald für An­legung solcher Schutzhütten wie diese in anderen Gebirgs­gegenden schon längst bestehen, bald besorgt sein.

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( Gießener Tageblatt)

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Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

maliger Schüler zur Beteiligung an der Feier ist eine außerordentlich große. Offenbach, 30. Juni. Zur Verschönerung des Schulgebäudes der technischen Lehranstalten soll ein Brunnen errichtet werden, für den der Geheime Kommerzienrat Mayer einen Betrag bis zu 100 000 M. zur freien Verfügung gestellt hat.

Offenbach, 27. Juni. Ein schwerer Unfall eignete sich im nahen Froschhausen. Ein Landwirt fuhr mit seinem mit Klee beladenen Wagen in den Hof. Als die auf dem Wagen sitzende Frau und Tochter von dem Wagen absteigen wollten, zogen die Kühe an und Frau und Tochter stürzten ab. Während das Mädchen mit dem Schrecken davonkam, blieb die Frau tot am Platze.

* Offenbach a. M., 28. Juni. Mit dem Ab­bruch der alten katholischen Notkirche in der Biebererstr. wurde am Montag begonnen.

* Marburg, 29. Juni. Die Landtagsersatzwahl lein, ergab den Sieg des freikonservativen Prof. Bredt­für den verunglückten Abgeordneten, Landrat v. Nege­Marburg, der 148 Stimmen erhielt, während auf Lauer ( B. d. L.) 18 und Prof. Schücking( Fortschr. Volksp.) 16 Stimmen fielen.

*) Darmstadt, 29. Juni. Auf Veranlassung des Jungliberalen Vereins hielt gestern Abend der Gießener Staatsrechtslehrer Prof. Dr. Biermer einen Vortrag über die hessisch- preußische Ei­senbahngemeinschaft. Die Versammlung war namentlich auch von höheren Beamten aller Kategorien zahlreich besucht. Unter anderem war Finanzminister Braun erschienen. Die Ausführungen Biermers beweg­ten sich in der Hauptsache im Rahmen seiner kürzlich veröffentlichten Broschüre über den gleichen Gegenstand. Das mehr oder weniger fachwissenschaftliche Thema, so legte der Redner dar, eigne sich nicht zu einer parteipo­litischen Behandlung. Man habe darauf hingewiesen, daß er als großherzoglich- hessischer Ordinarius der Staats­wissenschaften den hessischen und nicht den preußischen Standpunkt zu vertreten habe. Einen einheitlichen hess. Standpunkt gebe es nicht. Nur das eine sei zu konsta­tieren, daß eine gewisse Unzufriedenheit mit dem stehenden vorhanden sei. Trotz des freundlichen Bei­falls, so schreibt die Kl. Pr.", den der Redner für seine geschickt vorgetragenen Darlegungen fand, war der Vor­trag Biermers alles in allem eine Enttäuschung, und diese wurde noch dadurch vergrößert, daß eine ange= kündigte Diskussion abgeschnitten wurde, weil der Vor­tragende alsbald nach seinem Vortrag abreisen mußte. Der als Gegenredner gemeldete Stadtverordnete Henrich sah sich infolgedessen genötigt, auf das Wort zu zichten. Es soll nun in einer von der Fortschrittlichen Volkspartei" auf Dienstag, den 4. Juli, einberufenen Versammlung das nachgeholt werden, was gestern lei­der nicht möglich war, nämlich die notwendige Ergän­zung und Berichtigungen der Biermer'schen Ausführun­gen.

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* Frankfurt, 30. Juni. Ein Unbekannter be­trat am Dienstag abend gegen 10 Uhr die Mansarde eines an der Wittelsbacher Allee bediensteten Mädchens, stellte sich als Kriminalkommissar vor und gab an, das Mädchen verhaften zu müssen. Der angebliche Kommis­sar raunte ihr aber zu, daß er von der Verhaftung ab­

stehen wolle, wenn sie ihm zu Willen wäre. Sie wider­

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stand dem Ansinnen. Der Kommissar" 30g nun Messer, drohte ihr, den Bauch aufzuschlitzen und gewaltigte sie, worauf er sich entfernte. Ein gleicher Vor­fall trug sich am Abend vorher in einem Hause Sandweg zu.

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*) Frankfurt, 30. Juni. Die Stadtverordne­tenversammlung stimmte in ihrer Sitzung der Errichtung einer Stiftungsuniversität nach Maßgabe der Magistratsvorlage und der diese ergänzenden An­träge der bürgerlichen Fraktionen mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokratie zu. Oberbürgermeister Adickes gab im Laufe seiner bemerkenswerten Rede be­fannt, daß die seit Drucklegung der Denkschrift neu hin­zugekommenen Stiftungen den Betrag von 1 Million 200 000 Mark erreicht haben.

Friedberg. Die Beeren- u. Früh obst­verwertung hat jetzt eingesetzt. Die Hausfrauen haben die Hände voll zu tun, um die reichen Ernten der genannten Obstarten zu verwerten. Ist aber doch ge­rade das Beerenobst dasjenige, welches am schwierigsten zu behandeln ist. An unserer Gr. Obstbauschule ist des­halb ein besonderer Kursus eingerichtet worden, in wel­chem alle Verwertungsarten des Beerenobstes und zwar sämtlicher zur Zeit reifenden Arten praktisch und theore­tisch durchgearbeitet wird. Säfte, Gelees, Marmeladen, Dunstobst, Liköre und Weine werden hier behandelt. Es ist dieser Kursus ein Ergänzungskursus zu den im Probenummern Herbst stattfindenden Hauptkursen. Jede Hausfrau und die, die es werden wollen, sollten nicht versäumen, da­ran teilzunehmen. Der Kursus findet am 4.- 6. Juli also kommende Woche statt. Anmeldungen sind an die Direktion der Großh. Obstbauschule umgehend zu richten.

* Alsfeld, 30. Juni. Die Alsfelder Realschule, jetzt Oberreallchule, feiert vom 30. Juni bis 3. Juli d. Js. ihr 50jähriges Jubiläum. Die Anmeldung ehe­

der Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten- und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen aufzugeben, welche sich für unsere Zeit­ung interessieren dürften.