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Deutscher Reichstag.

In der Sonnabendsibung teilte der Präsident mit, daß, falls es gelänge, am Sonnabend die dritte Lesung der Reichsversicherungsordnung zu erledigen, am Montag zwet Sibungen stattfinden sollten, um den Rest des Arbeits­stoffes noch aufzuarbeiten. Die Generaldebatte wurde fort­gesetzt bei der Reichsversicherungsordnung. Abg. Fischer( Soz.) wendet sich gegen Zentrum, Nationallibera­le und Konservative, denen er den Vorwurf macht, daß fie Parteipolttik getrieben haben. Redner bezeichnet die Witwen- und Waisenversorgung als puren Schwindel und schließt seine heftigen Ausführungen, indem cr betont, daß seine Partei im Interesse der deutschen Arbetter gegen die­ses Ausnahmegesetz stimme. Abg. Horn( natl.) verteidigt den Standpunkt der Mehrheitsparteien. Redner geht auf Einzelheiten der Vorlage ein und bestreitet, daß der Groß­grundbesitz in der Vorlage bevorzugt werde. Das neue Verfahren bringe wesentliche Vorteile. Inzwischen sind die neuen Kompromißanträge Schulz eingegangen. Hier­nach wird die Einkommengrenze bei der Krankenver= sicherung( Krankenhilfe in den ersten drei Wochen) von 2000 auf 2500 Mark erhöht, u. s. w. Staatssekretär Delbrück geht auf den Entwurf näher ein, der Aenderungen erfahren habe, die er nicht gewünscht habe. Redner hebt die Vor­züge der Vorlage im einzelnen hervor und kommt zu dem Schlusse, daß auf dem Gebiete der sozialpolitischen Fürsorge ein erfreuliches Resultat erzielt worden ist. Es set gelun gen, über manche Schwierigkeiten hinweg ein großes und gutes Stück vaterländischer Arbeit zu leisten. Abg. Kor­fanty( Pole) erklärt, seine Partei werde sich der Stimme enthalten. Abg. Beder( Zentrum) verteidigt die Haltung des Zentrums. Abg. Mugdan( fr. Vp.) spricht sich gegen den Antrag Schulz aus. Abg. Molkenbuhr( Soz.) verlangt Vertagung und bezweifelt die Beschlußfähigkeit des Hauses. Ein namentlicher Aufruf ergibt die Anwesenheit von 226 Abgeordneten. Das Haus ist also beschlußfähig. Der Ver­tagungsantrag wird abgelehnt.

Es folgen dann Reden der Abgg. Becker- Arnsberg( 3.) und Molkenbuhr( Soz.). Damit schließt die Generaldiskus­sion. Das Haus vertagt sich auf Montag 11 Uhr.

Diaz Abschied von Meriko.

Nach einer telegraphischen Meldung aus Meriko wird fich der Expräsident Diaz nach Spanien begeben, um dort in voller Burückgezogenheit zu leben. Sein Rücktrittsgesuch wurde im Kongreß unter eindrucksvollem Schweigen verle= sen und einem Komitee überwiesen, das alsbald die An­nahme empfahl. Während der Abstimmung rief man auf der Galerie: Viva Madero!" Nachdem der Rücktritt vom Kongreß angenommen war, erhob sich ein Mitglied und rief: Präsident Porfirio Diaz ist tot, lang lebe der Bürger Diaz!" Die meisten Anwesenden stimmten in den Ruf ein. Der Finanzminister Limantour hat sein Amt niedergelegt. Ehe er ging, übergab er seinem Unterstaatssekretär den Staatsschah, beinahe 260 Millionen Mark in Gold, und ließ sich von ihm eine Quittung darüber ausstellen. Nach einem weiteren Telegramm aus Mexiko wurde die Reise des Expräsidenten nach Veracruz mit allen Vorsichtsmaßre= geln ausgeführt. Es wurden drei Züge benutzt. Frau und Sohn des Diaz reisten mit dem zweiten Zuge, der dritte führte eine Abteilung Soldaten mit sich. Die Abfahrtszeit wurde nicht bekannt gegeben, da man befürchtete, Aufrührer könnten die Flucht verhindern und Diaz mißhandeln. Dieser hat sich an Bord des Dampfers Ypiranga" begeben, der Donnerstag von Veracruz nach Europa abgeht.

Die Lage im Lande ist, so schreibt man der Magdeb. 3tg.", äußerst verworren. Und nicht nur Mißgünstige bezweifeln, daß es de la Barra gelingen werde, Ordnung zu schaffen und die verschiedenen widerstreitenden Elemente auszusöhnen. Das Ende der Rebellion raubt den Banditen jeden Vorwand für ihr Treiben und die Cientificos", so Heißen die Bureaukraten, die bisher den kleinen Mann in Mexiko aussogen, werden dem neuen Regime noch viel zu schaffen machen. Die Neuwahlen dürften in den ersten Tagen des Oktobers stattfinden, und wenn sich die Dinge nicht gewaltig ändern, wird Madero der nächste Präsident der merikanischen Republik werden. Bis dahin wird der erfolgreiche Rebellenführer, wie bekannt, dem provisorischen Präsidenten de la Barra als Ratgeber zur Seite stehen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Zaren? Wie dem Berl. L.-A. gedrahtet wird, spricht man in Petersbur ger Hoffreisen von einer in diesem Sommer während der Schärenfahrt des 3arenpaares bevorstehenden Zusammen­funft mit Kaiser Wilhelm bei Björkö.

Der Bundesrat hat in seiner Sizung am Sonnabend den vom Reichstag angenommenen Entwürfen eines Ver­fassungs- und Wahlgesetzes für Elsaß- Lothringen zuge= Stimmt.

Die verstärkte Gemeindefommission des Abgeordneten­hauses hat nun das Gesetz über die Wegereinigung in er­

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3wei Kirschen an einem Stengel.

Roman von A. von LtItencron. ( Nachdruck verboten.)

Nach einigem Hin und Her, nach Bedenken und Seuf­zen war es der Tochter denn auch gelungen, Frau Amrum dazu zu bringen, daß sie sich einverstanden mit diesem Dienste bei der Schwester erklärte. Die dreihundert Mark sollten dann auf die Sparkasse gebracht werden als Hei­ratsgut der Tochter.

Der nächste Tag war ein Sonntag. Frau Amrum hatte der Tochter vorgeschlagen, in ihrem gewöhnlichen bäurischen Sonntagsstaate zur Kirche zu gehen, aber diese ließ es sich nicht nehmen, ihre städtische Kleiderpracht bei dieser Gelegenheit zu zeigen.

Die kleinen Eitelkeitsteufel waren denn auch ganz geschäftig bei dem Kirchgang und beunruhigten sie selbst bei der Predigt, so daß sie nicht wie sonst eine Herzstärkung mitnehmen konnte.

Den Hans hatte sie oben unter den Männern sitzend entdeckt und war mit ihm zusammengetroffen auf dem Gange durch den Kirchhof. Hinter ihr her war er gefom­men, und da der Weg an den Gräbern vorbei nicht breit war, so mußte er sich ordentlich vorbeizwängen an der Kathi und ihrer Mutter, die nebeneinander gingen.

Seinen Hut hatte er dabei abgezogen und gegrüßt, aber kein Wort gesprochen und war davon gehaftet, als ob er Siebenmeilenstiefel anhätte, wie das Mädchen in threm Aerger dachte.

ster und zweiter Lesung beraten. Die Kommission hat den § 5 des Gesetzes dahin geändert, daß die Gemeinden die Hauseigentümer nur zur Hälfte der ihnen durch die Stra= ßenreinigung entstehenden Kosten heranziehen dürfen.

Die Handelsvertragskommission erteilte Sonnabend abend mit 11 gegen 5 Stimmen dem deutsch- schwedi schen Handelsvertrag seine Zustimmung und gab der Regierung die nachgesuchte Vollmacht zur Erneuerung des zum 16. Juli d. J. von Japan gkündigten Handels­abkommens.

Eine dritte Friedenskonferenz im Haag. Wie der Frankf. 3tg." aus Cöln gemeldet wird, finden zurzeit Verhandlungen zwischen den Mächten zwecks Einladung zu einer dritten Friedenskonferenz im Haag statt. Die Konferenz wird voraussichtlich zur Einweihung des von Carnegie gestifteten Friedenspalastes zusammentreten. Von Holland wird der Antrag zur Beratung gestellt wer= den, daß alle folontalen Rechtsfragen dem Schiedsgericht unterstellt werden sollen.

So merkwürdig hatte er ausgesehen, als er sie streifte. Kathi grübelte. Finster und bärbeißig war er anzuschauen gewesen, und sie meinte bei sich, ganz spöttisch hätte er ausgesehen, wie er den Hut so tief gezogen und es dann doch nicht der Mühe wert gehalten, ihr einen Guten Tag" und Willkommen daheim" zu bieten! Morgen nachmittag reiste sie wieder ab. und se fragte sich, ob sich überhaupt

Verschlimmerung im Befinden des Papstes. Das Be­finden des Papstes läßt trotz aller Dementis aus dem Vati­kan zu wünschen übrig. Der Schwächeanfall, von dem die Agenzia Stefani" berichtete, datiert mehrere Tage zu­rüd. Es handelt sich nicht um eine Ohnmacht, sondern nur um ein vorübergehendes übles Befinden und Asthma, doch ist es zweifellos, daß eine seelische Depression im Bunde mit der veränderten Lebensweise, deren Folgen sich jetzt allmählich bemerkbar machen, die Gesundheit des Papstes ungünstig beeinflußt haben.

H

Die russische Note an die Pforte ein Fiasko. Die russi­sche Note an die Türkei wegen der montenegrinisch- alba­nesischen Grenzunruhen wird einem Telegramm der Mgdb. 3tg. aus Paris zufolge dort als ein schwerer diplomatischer Fehler beurteilt. Der Mißerfolg der Note beweist die völlige Isolierung Rußlands in der Balkanpolitik. Ein neuer türkisch bulgarischer Grenzzwischenfall. Sonnabend vormittag gruben Soldaten eines türkischen Postens einen Graben auf bulgarischem Gebiete im Bezirk Küstendil. Als bulgarische Soldaten herankamen, gab der türkische Offizier Befehl zu feuern, worauf Türken und Bulgaren sich gegenseitig beschossen. Wie es heißt, sind auf türkischer Seite ein Offizier und zwei Soldaten gefal­len, auf bulgarischer Seite wurde ein Mann verwundet. Erst am Abend wurde das Feuer eingestellt.

Kritische Lage in Portugal? Meldungen des New­york- Herald" und der Daily Mail" aus Lissabon bezeich­nen die Lage als sehr kritisch. In Caminho Novo griffen mehrere 100 Monarchisten eine aus Kavallerie und In­fanterie bestehende Militärabteilung an. Herbeieilende Munizipalgardisten gaben Schüsse auf die Monarchisten ab, und es gelang ihnen, sie zu zerstreuen. Eine große Anzahl Verhaftungen wurde vorgenommen. Im ganzen Norden des Landes ist es still; es ist aber, wie es scheint, nur die Ruhe vor dem Sturm. Die Regierung trifft aus ßerordentliche Vorsichtsmaßregeln. Zahlreiche wohlhabende Lissaboner Familien haben Portugal mit Rücksicht auf die bevorstehenden Ereignisse verlassen. Man sieht den Wah­len mit den größten Besorgnissen entgegen.

Kleine Nachrichten.

Streik der Berliner Bäcker. In einer von mehreren Bäderfrequenz. Badenweiler 1335; Brückenau 228; Franzensbad 1362; Karlsbad 12 848; Kissingen 5831; König­stein 2403; Marienbad 3388; Nauheim 7836; Neuenahr 3542; Orb 648; Pyrmont 2818; Salzungen 576; Soden 777; Soo­den a. d. W. 708; St. Blasien 4509; Teplitz- Schönau 1188.

Der Hauptausschuß der deutschen Turnerschaft, der jetzt 9000 Vereine mit über einer Million Mitglieder angehören, hat am 26. und 27. d. M. in Leipzig unter dem Vorsitz des nunmehr 85jährigen Sanitätsrats Dr. Goetz seine dies­fährige Sigung abgehalten.

Tod eines deutschen Prinzen im Auslande. Prinz Jo­hann zu Schleswig- Holstein- Sonderburg- Glücksburg ist Sonnabend abend in Kopenhagen an Lungenentzündung im 86. Lebensjahre gestorben.

Der Sieger im deutschen Zuverlässigkeitsflug. Im deutschen Zuverlässigkeitsflug am Oberrhein ist der 25jäh­rige Oberingenieur Hirth auf seinem Etrich- Rumpler- Ein­decker Steger geworden. Er erhielt den ersten Zuverläs figkeitspreis vor 35 000 Mart und den Sonderpreis des Kriegsministeriums von 5000 Mark. Hierzu treten noch Etappenpreise und Preise für Passagierflüge, so daß er runo 50 000 bis 60 000 M erhalten wird. Außerdem hat das Kriegsministertum in Aussicht gestellt, daß es dem Ste­ger einen Apparat für etwa 25 000 Mabkaufen wird. Im Offiziersonderflug erhielt Reutnant Förster den Preis des Kriegsministeriums.

Ein deutscher Professor von griechischen Räubern ent führt. Der deutsche Proffseor Eduard Richter, der sich auf einer Studienreise im Olympgebirge befand, wurde bei Ko­kinoplo, obwohl zwei Gendarmen ihn begleiteten, von grie­

noch eine Gelegenheit bieten würde, den Jugendfreund zu sprechen.

Am Nachmittage sollte von den jungen Burschen des Dorfes und der Nachbarschaft im Wirtshaus irgendeine Beratung abgehalten werden, das hatte sie zufällig im Ge­spräche nach dem Kirchgange auf der Dorfstraße gehört. Üm was es sich bei der Sizung handeln sollte, war thr entgangen, es erschien ihr auch völlig gleichgültig, denn bei ihr drehte es sich nur um die eine Frage: wird Hans dabei sein, und fönnte ich ihn nicht bei dieser Gelegen= heit sprechen?

Sie wurde dadurch abgelenkt und antwortete den Mädchen, die sie aufgesucht, um allerhand Neues von ihr zu erfahren, ziemlich zerstreut und nicht mit beredten Schil­derungen, die sie gestern der Mutter gegenüber bei der Hand gehabt hatte.

Am Nachmittag erklärte Kathi, sie wolle noch ein biß­chen an die Luft gehen, und wanderte, sehnsüchtig in die Ferne spähend, den bekannten Waldweg entlang, der nach Spreewitz führt. Jetzt hätte sie aufjubeln mögen, denn nun erkannte sie auch wirklich in dem hochgewachsenen Burschen, der ihr entgegenkam, den schmerzlich Erwar­teten.

Er hielt den Kopf etwas gesenkt und schien über ir­gendeine Sache scharf nachzudenken.

So fam es, daß er das Mädchen erst dann bemerkte, als sie ihm den Weg vertrat.

,, Willst etwa auch noch ohne Gruß vorbi? Hast feine Augen mehr für mi?" fragte sie, und durch ihre Stimme ging ein leises Zittern.

Er blieb stehen." Hab' ich das feine Stadtfräulein hüt früh nit mit alle Respekt gegrüßt?" gab er zurück. " Fast hätt ich sie gar nit fennt, so anders steht sie ut als die Kathi, mit der ich im Sommer mei Kurzweil hätt."

Din Kurzweil?" griff sie das Wort auf. Din Kurz­well? Und weiter nir?"

Er blickte ihr fest in die Augen, es war, als ob er

chischen Räubern überfallen und entführt. forschungen waren bisher erfolglos.

Die Nach

Das

Acht tödliche Unfälle beim Wasserleitungsbau. Tonnengewölbe eines Reservoirs der neuen Wasserleitung für Apulien in Süditalten brach plötzlich ein und begrub 12 Arbeiter unter den Trümmern. Acht Arbeiter wurden getötet, die anderen vier schwer verletzt.

Für 100 000 Mark Pelze gestohlen. In einem Pelz­warengeschäft in Berlin waren vom Hausdiener seit de­bruar für etwa 100 000 M Pelzwaren entwendet worden. Jetzt sind 14 junge Leute in Untersuchungshaft genommen. Elf andere Hehler wurden einstweilen auf freiem Fuß ge­laffen.

Englandą zweitgrößte Stadt. Birmingham ist nun die größte Stadt nach London in Großbritannien geworden, da die Vorlage über die Erweiterung der Grenzen vom Parla­ment angenommen worden ist. Vor hundert Jahren war Birmingham eine kleine Stadt mit nur 78 000 Einwohnern, heute zählt sie beinahe 900 000.

Ein Nachklang zum Moabiter Krawall. Der Schlosser Emil Bock, der bei den Moabiter Krawallen einen Schutz­mann durch Messerstiche schwer verletzt und deshalb vom Schwurgericht zu Jahren Gefängnis verurteilt wor­den war, hat sich in seiner Zelle im Untersuchungsgefängnis erhängt. Bock hatte gegen das Urteil Revision einlegen laffen, diese war aber verworfen worden.

Verbot der Zobeljagd in Rußland. Die russischen Be­hörden gehen jetzt energisch gegen die rücksichtslosen Pelz­fäger vor. Eine von der Kommission der Duma angenom mene Jagdgesetzvorlage verbietet, wie aus Petersburg ge­meldet wird, für immer die Jagd auf Flußbiber und Auer­ochsen und für drei Jahre den Zobelfang.

Ein Finder, der sich selbst belohnt. Vor einigen Tagen verlor der Angestellte eines Geschäfts in München einen Betrag von 17 000 M. Dem Verlierer, der in der Zeitung um Rückgabe des Geldes gebeten hatte, gingen jetzt auf anonymem Wege 15 500 Mark zu. Der Finder hatte die restlichen 1500 M als Belohnung für sich gleich in Abzug gebracht.

Berhaftung des Direktors eines Berliner Sportpalas stes. Direktor Rostin vom Sportpalast in der Potsdamer Straße wurde gestern abend unter dem Verdacht schwerer Urkundenfälschung, Betrugs und Unterschlagung verhaftet.

Zusammenstoß englischer Schlachtschiffe. Die Schlacht­schiffe Bellerophon und Inflexible" sind bei der Ein­fahrt in den Hafen von Portland zusammengestoßen, wobet die Inflexible" ein großes Leck sieben Fuß unter der Wasserlinie bekam. Dis Bellerophon" wurde nur leicht beschädigt. Beide Schiffe gingen sofort in Dock.

Schwere Sturmschäden in Südrußiand. Durch einen Sturm auf dem Dnjepr sind am Sonnabend viele Fahr­zeuge beschädigt worden. Auch Verluste an Menschenleben sind zu beklagen.

Bei einer Bootsfahrt ertrunken. Bei einer Bootsfahrt, welche drei Referendare des Oberlandesgerichts Hamm auf der Lippe machten, kenterte bei der Heesener Schleuse das Boot und alle dret Insassen fielen ins Wasser. Ein Re­ferendar Wulf ertrank. Die Reiche konnte bisher nicht ge funden werden.

Selbstmord vor den Augen seiner Angehörigen beging am Sonnabend der Regierungsrat Krause in Stralsund, in­dem er sich mittels eines mit Wasser geladenen Revolvers erschoß. Der Beweggrund ist unbekannt.

Todessturz bei der Petersburger Flugwoche. Am Sonn­abend, dem ersten Tage der Flugwoche, stürzte der Flieger Smith mit einem Sommecapparat aus einer Höhe von 40 Meter herab und starb auf dem Wege zum Krankenhause.

Aus den Gerichtssälen.

Ein psychologisch interessantes Liebesdrama hat vor dem Schwurgericht in Leipzig seinen Abschluß gefunden. Unter der Anklage, thren Geliebten, den Kaufmann Habedank erschossen zu haben, hatte sich die 31 Jahre alte Schneiderin Scharf zu verantworten. Die Angeklagte unterhielt mit Habedank längere Zeit ein Verhältnis, das nach ihrer Met­nung zur Ehe führen sollte. Als Habedank aber keine An­stalten zur Verlobung machte, schrieb sie an dessen Vater einen Brief und bat um seine Einwilligung zur Verlobung mit dem Sohne. Der alte Herr schrieb aber zurück, daß aus einer Heirat nichts werden könne, er sei jedoch bereit, ihr eine Abfindungssumme zu zahlen. Bei einem Rechts­anwalt kam auch ein Vertrag zustande, wonach die Ange­flagte gegen Zahlung von 4000 Mart sich bereit erklärte, thre Ansprüche auf den jungen Habedank aufzugeben. Kurz nach Unterzeichnung des Vertrages holte fie aber eine Pt­stole aus ihrer Wohnung, lauerte ihrem Geliebten auf und schoß ihn nieder. Als Habedank blutend am Boden lag, nahm sie seinen Kopf in ihren Schoß und streichelte ihn; dann versuchte sie, sich selbst zu erschießen, was ihr aber infolge Versagens der Pistole nich: gelang. Sie wurde von der Stelle weg verhaftet. Die Verhandlung gegen sie sollte bereits in voriger Woche stattfinden, mußte aber auf-, geschoben werden, weil sie in ihre Zelle einen erneuten Selbstmordversuch gemacht hatte. Die Geschworenen sahen, die Tat der Angeklagten, der ihr Geliebter nach wenigen, Stunden erlegen war, als Totschlag an; das Urteil des Gerichtshofes lautete auf fünf Jahre Gefängnis.

mehr zu sich selbst als zu ihr spräche. Bist mir immer gewest, wie so a Heiderösle, so frisch und herzig, hat mich nit gestört, daß Du allweil auch manchmal mit die Dörners steche funntst, aber nu schaust mi fremd aus, daß ich min Mädel von dazumalen nit wiederkenn."

,, Darfst nit so wunderliche Red' führe," schalt sie,, in vier Woche kann ich doch nimmer nit vertauscht sin." Bists halt doch," beharrte er, denn auf der Kathi ihr Wort, wie ich sie kennen tät, funnt ich mich verlasse wenn di mir sagt, vierzehn Tag geh ich furt, dann bliewt Sie auch nit a Stund länger, und noch zumalen, wo ich ihr sagen tät, das fann mir nit gefalle, daß Du zu die feine Verwandte ins Wirtshaus gehen wüllst."

Kathi schwankte zwischen Empfindlichkeit und Trok. Ich funnt halt nit früher fumme, se bruft mi so nötig." Hm," machte Hans, vielleicht der Herr Vetter, der wüll das Cousinchen wohl zur Frau Gastwirtin mache?" Nun aber fuhr sie auf. Red' nit närrisch! Arm bin ich wie a Kirchenmaus, und der Vetter brukt in sin Wirt­schaft eine, die Geld hat, dat seggt er alle Dag."

Es war, als ob diese etwas stürmisch gegebene Ant­wort den Burschen etwas beruhigt hätte. Er streďte ihr sogar die Hand entgegen, und es war ersichtlich, daß er einlenken wollte.

,, Na, gebost hat michs, daß Du so lang wegbliebe bist," gestand er,, aber nun wüll ich auch allweil nit mehr gran­tig sin. Also, Mädel, ein schön Willkomm dahem." Sie schlug herzhaft in die dargebotene Rechte, die sich fest um ihre Hand schloß. Ihr hübsches Gesicht strahlte. ,, Gelt, nun is wieder allens gut," schmeichelte ste ,,, und nu schaust nicht mehr so grimmig drein."

Auch auf seinem Gesichte lag jetzt heller Sonnenschein. Er nickte. Ich dank min Herrgott, daß wi nu widder samme ins reine fumme sein, es wullt mir schier das Herz abdrucke, wanns ich dacht, nu süllts zu End' sin mit die zwei Kirsch an oinem Stengel."

( Fortsetzung folgt.)

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