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Wissenschaft, Kunst und Literatur.

in preußischer Prins als Komponist. Prinz Joachim orechts Phantafte Raskolnikow" wurde gelegentlich eines Symphoniekonzerte von der Karlsbader Kurkapelle zur Ur­aufführung gebracht. Der Aufführung wohnten nahezu 2000 Personen bei. Der Prinz und seine Gemahlin waren anwesend. Dte Phantasie für großes Orchester nach dem gleichnamigen Werk von Dostojewskt erntete langanhalten­ben Applaus. Der musikalisch begabte Prinz ist bekannts lich ein Sohn des verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen.

Der Nationalausschuß für die deutschen Jugendfestspiele hat infolge der über Erwarten erfolgten zahlreichen An­meldungen die Spieldauer von drei auf vier Wochen ver­längert.

Ein deutsches Festspielhaus in Bad Homburg. Der Ge­danke der Schaffung deutscher Festspielhäuser, der infolge der Aufführung des Oedipus" durch Prof. Reinhardt in verschiedenen deutschen Städten aufgetaucht ist, und durch die Deutsche Volks- Festspiel- Gesellschaft gefördert wird, hat jetzt zum ersten Male greifbare Gestalt angenommen, und zwar in dem seit kurzem vorliegenden Plane des ersten beutschen Festspielhauses in Bad Homburg v. 6. H. Um Ihr großes Interesse für das Unternehmen zu zeigen, hat die Stadt Homburg einen Bauplatz im Werte von rund 1 Million Mark, der prächtig in unmittebarer Nähe des alten Kurparks liegt, zur Verfügung gestellt. Dort soll sich in­mitten der reizvollen Taunuslandschaft das erste deutsche Festspielhaus erheben, ein Theater großen Stils mit eint­gen tausend Sitzplätzen, das nach dem Vorbilde von Bay­reuth nur zu gewissen Zeiten im Jahre sich öffnen soll, um deutsche Volksfestspiele zur Aufführung zu bringen. Ge­genwärtig schweben die Verhandlungen wegen der Finan zierung des Unternehmens; es handelt sich um die Aufbrin­gung von mehreren Millionen Mark. Falls es gelingt, fie in nächster Zeit zu einem gedeihlichen Abschluß zu bringen, dürfte in Jahresfrist der Riesenbau bereits seiner Bestim mung übergeben werden können.

Vermischtes.

Ein Haus durch Bergsturz verschüttet. Durch einen Bergsturz wurde in Eichstetten in Baden ein größeres Haus verschilttet. Eine Frau rettete sich nur mit Mühe durch den Dachstuhl während ihr Sohn verletzt wurde. Der Schmiedemeister Hörsch, der Besitzer des eingestürzten Hau­ses, und ein Kind wurden tot aus den Trümmern ge­zogen. Es ist nicht unmöglich, daß noch weitere Personen unter den Trümmern liegen, da das Haus direkt auf die Straße gedrückt wurde.

Zu dem Automobilunglück bei Goslar ist noch mitzu­teilen, daß die Leiche des getöteten Fabrikanten Otto Blumenberg längere Zeit, ehe sie nach Goslar transpor­Hert wurde, auf offener Landstraße liegen mußte. Diesen Umstand benutzten Räuber, die Leiche zu berauben. Sie erbeuteten dabei eine goldene Uhr, ein goldenes Zigaret tenetui, zwei Brillantringe im Gesamtwerte von 3000 M und eine Brieftasche mit etwa 250 M Papiergeld. Außer­Sem fielen ihnen noch 250 M in Gold und Silber in die Hände. Die Diebe konnten bisher nicht ermittelt werden.

Menschenfleisch als Krantenspeise. Aus Tunis wird gemeldet: Ein alter Marabut( Wanderheiliger), der sich Der Arzneikunde widmete, hatte der Familie eines fran­Ten Eingeborenen geraten, dem Patienten Menschenfleisch zu essen zu geben. Die Mitglieder der Familie bemächtig­ten sich daraufhin zweier Kinder eines benachbarten Stammes, töteten sie und setzten das Fleisch dem Kranken vor. Die Angelegenheit ist zu Ohren des Gouverneurs gekommen, der sofort eine eingehende Untersuchung einge­leitet hat.

Todessturz eines Schwimmkünstlers. Der siebzehn­fährige Handelsschüler Michael Csipcsala_unternahm ge­Stern mit polizeilicher Bewilligung einen Sprung von der Elisabethbrücke in Budapest in die Donau. Mehrere tau­send Personen versammelten sich in der Umgebung der Brüde. Csipcsala sprang von einer Höhe von dreißig Metern in die Donau, tam aber zum Entsetzen der Menge nicht mehr zum Vorschein. Alle Rettungsversuche waren vergebens. Csipcsala, der den Sprung in die Donau zum Training für die olympischen Spiele unternahm, war ein bekannter Wettschwimmer, der bereits mehrere Preise ge= wonnen hat.

Ueberschwemmungstatastrophe in Kleinasien. Das Wilajet Hudavendigiar mit der Hauptstadt Brussa ist von einer schweren Ueberschwemmung heimgesucht worden. Seit 48 Stunden geht ein wolkenbruchartiger Regen nieder, der die Ebene des Ulfertschai unter Wasser setzte. Bei Brussa Find zwei Brücken eingerissen. Eine ganze Straße ist ein­gestürzt. Tausende von Personen sind obdachlos. Ein 13­jähriges Mädchen ist ertrunken. Die Materialverluste

find außerordentlich groß. Die Regierung entsandte milt­tärische Hilfe, Pioniere mit Kähnen und Rettungsma­terial. Aus Adrianopel werden große Schneewehen ge­meldet.

Goldfunde in Bolivia. Auf dem Dampfer Cedric Yehrten am Sonnabend zwei Jren namens Steven und Patrick Odonoghue nach Jrland zurück. Sie waren vor einigen Jahren nach Nordamerika ausgewandert und Tommen jetzt nach vielen Versuchen, ihr Glück zu machen, mit einem Sad Gold aus Bolivia zurück, wo sie eine im Jahre 1901 aufgegebene Goldmine für 20 000 Mart kauf­ten. Die Mine stellte sich aber als noch sehr goldhaltig heraus. Die Brüder bekamen, so drahtet marf dem Berl. Igbl., bereits 52 Millionen Mark dafür geboten, sie lehn­ten jedoch dieses Angebot ab, da sie die Mine selbst aus­beuten wollen.

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Britische Gastlichkeit. Die Rheinisch- Westfälische Zei­fung schreibt: In denselben Tagen, da das deutsche Kai­erpaar als Gast des Königs von England auf englischem Boden weilte, sang man in den Londoner Musithallen den neuesten Gassenhauer: Ich knallte mit meiner Peitsche" und besonders bejubelt wurde die dritte Strophe: Ich hatte einen Alpdruck gestern abend und träumte solch ei­nen schrecklichen Traum. Jch träumte, daß England über­fallen wurde; durch die kriegerischen Deutschen wurden wir berfallen. Rings um mein Haus fam ein Trupp Deut­her, und die ganze Nacht hindurch brüllten Kanonen. ber ich ließ sie meine Laune sehen, als sie alle vor mich lamen, mit Bajonett und Säbel. Ich knallte mit meiner Bettsche, dann schloß ich die Tür mit einem Stoß und ließ ie alle meine Stimmung spliten!" Was würde man in England sagen, wenn sein Königspaar auf deutschem Bo­en mit solchem Peitschentnall empfangen würde? Sinaus Mit euch! Wie tat das prüde Albion doch früher so ent­tet, wenn Eduards, des Prinzen von Wales, untönig­es Brivatleben die deutschen Wizblätter zu nahelie­onder Begleitmufit berlodte. Bei uns wurde dagegen aus

einem Brettllang Jofort eine Haupt- und Staatsaltion ge­macht. So aber schwiegen unsere Offiziöfen in allen Sprachen und wollen, Watte in den Ohren, die hochbe­friedigt" genossenen Festdiners verdauen.

Berlin- Marotto in drei Tagen. Die Verbindung zwischen Europa und Marokko ist sehr wesentlich beschleu­nigt worden Fährt man von Berlin Sonntag mittag 1.00, von Paris weiter mit dem Süderpreß Montag 12.16 nachm., von Madrid Dienstag abend 8.20 nach Algeciras, So erreicht man den dortigen Hafen Mittwoch nachmittag 2.00. Von hier fonnte man erst Donnerstag früh 7.00 wei­terfahren, obgleich man nur 2 bis 3 Stunden nach Tanger braucht. Jetzt geht schon eine Stunde nach der Ankunft aus Madrid, also 3.00 nachm., der Dampfer nach dem ma­rottanischen Hafen. Ebenso mußte man bisher Tanger schon Mittwoch 12.00 mittags verlassen. Jetzt fährt man erst Donnerstag vormittag 11.00 von dort und ist 1.30 in Algeciras. Von hier gehts 3.05 weiter, so daß man in Madrid Freitag früh 9.05, in Paris Sonnabend 9.37 abends, in Berlin Friedrichstraße Sonntag abend eintrifft. Die Reise nach und von Tanger wird also um je eine Nacht verkürzt. Man braucht nur noch drei Tage von Berlin nach Tanger und zurück.

Das verlorene Paradies der Scheidungsluftigen. Der Staat Nevada, der bisher das Paradies aller scheidung­suchenden Eheleute von Amerika war, hat plötzlich die Be­dingungen zur Erlangung einer Scheidung bedeutend ver­schärft. Bisher war es genügend, eine Wohnung in Ne­vada auf sechs Monate zu mieten und sich ab und zu dort zu zeigen, um eine Scheidung auf Grund geistiger Un­stimmigkeiten" und dergleichen zu erlangen. Jetzt aber hat die Legislatur dieses westlichen Staates der amerika­nischen Union ein Gesetz angenommen, das zur Bedingung macht, daß Personen, die auf Scheidung flagen, tatsächlich sechs Monate im Staate gewohnt haben. Das Gesetz tritt am 1. Juli in Kraft, und nun sind alle Züge nach Reno, der Hauptstadt von Nevada, von Ehefrauen überfüllt, die sich vorher noch die Vorteile des jetzigen Zustandes zunuzze machen wollen.

Die Entdeckung Ameritas durch einen Polen. In Am­herst im Staate Massachussetts in Nordamerika wurde im April d. J. ein großer polnischer Farmertag abgehalten. Dabei hielt der Pole Dr. Tupper aus Boston, einer der Hauptführer der Polen Amerikas, einen Vortrag über die Verdienste, die sich die Polen um Amerika erworben haben". Vor allem hob Dr. Tupper hervor, daß 16 Jahre vor der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus dieser Erd­teil bereits durch den Polen Jan aus Kolno im heutigen russischen Gouvernement Lomscha entdeckt worden sei. Jan aus Kolno sei zunächst nach Labrador gekommen und dann weiter südlich gegangen. Auch im 17. Jahrhundert wären die Polen die Pioniere der Kultur in Amerika gewesen und zwar auf der Halbinsel Manhattan, da wo heute Neuyork steht. Viele preußische Polenblätter, so auch der Piel­grzym" in Pelplin( Westpreußen) in seiner Nummer vom 20. Mai 1911, drucken diese Weisheit des Herrn Dr. Tup­per zustimmend ab. Auf diese Art Geschichte zu machen ist wirklich so einfach wie die Lösung des Problems vom Ei des Kolumbus.

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Eine Zwergdemonstration. Sonnabend früh erschienen in der Potsdamer Straße in Berlin eine Anzahl von 3wer­gen mit ihren Impresarios vor dem geschlossenen Sportpa­last, für den sie, insgesamt 125 Personen mit kleinen Pfer­den und dem ganzen Apparat eines großen Zirkus, enga­giert waren. Die Krisis im Sportpalast hat indessen thr Auftreten verhindert. Die Demonstration sollte den Zwed haben, dem Publikum zu zeigen, in welche mißliche Lage die kleinen Leute gekommen sind.

Chinesische Wetterregeln.

Die Wetterregeln, die der chinesische Bauer im Laufe der Jahrhunderte, ja Jahrtausende erprobt hat, treffen im allgemeinen zu. Denn sie beruhen zum großen Teil auf feinsinniger Naturbeobachtung, die sehr wesentlich durch den alten Mondkalender unterstützt wird. Soweit allerdings der Aberglaube eine Rolle dabei spielt, ist das Eintreffen der Regel natürlich nicht so oft zu beobachten. Als merk­würdiges Zusammentreffen führt der Ostasiatische Lloyd" die Tatsache an, daß auf die ersten Nachrichten von dem Erscheinen des Hallenschen Kometen die chinesischen Bauern, thren alten Anschauungen getreu, sofort große Ueberschwem­mungen, Mißwachs und Unruhen befürchteten, was in der Tat denn auch alles eingetroffen ist.

Mit unerschütterlich festem Glauben hält der chinesische Bauer an seinen Wetterregeln fest und richtet sich bei Aus­faat und Ernte unbedingt danach, und zwar ebenso bet seinen landwirtschaftlichen Geschäften, wie bet Verlobungs­feiern, Hochzeiten usw. Das Morgenrot gilt ihm als Vor­bote für den Regen, Abendrot läßt auf gutes Wetter schlte= ßen. Je nach dem Aussehen der Morgensonne wird auf die Wettergestaltung des kommenden Tages geschloffen. Die Frühsonne mit einem Mondgesicht" kündet falten Nordwind an. Wird die Sonne im Sommer früh sicht­bar, dann ist Regen unausbleiblich; wenn sie erst später aus dem Gewölf hervortritt, so soll während des Tages eine solche Hize herrschen, daß selbst der Kranich eingeht". Aus der Richtung des Windes schließt der Bauer natürlich auch auf das kommende Wetter. Südwind in der Frühe hat Niederschläge im Gefolge. Bleibt der Wind zu Anfang des Sommers stetig, dann wird es vierzig Tage lang so weiter wehen. Herbst ohne kalten Wind bringt Winter ohne Schnee, der vom Bauern sehr gefürchtet wird. Viel Wind im Frühling ist der Vorbote eines nassen Herbstes, der der Ernte verderblich wird.

Wolken und Regenbogen werden gleichfalls zu Rate ge­zogen. Ein Regenbogen im Osten bringt Wind, im Westen Regen. Erscheint ein Regenbogen im Süden, dann werden ,, die Kinder verkauft". Das heißt, es steht eine so schwere Teuerung bevor, daß arme Bauernfamilien genötigt sind, ihre Kinder zu verkaufen, um ihr Leben fristen zu können. Auch das Gebaren der Tiere hat zu Wetterregeln Anlaß gegeben. Schreit der Reiher in der Frühe, so bedeutet das bewölkten Himmel. Ruft er am Abend, so wird der nächste Tag klar sein. Das Quaken der Frösche und das geschäftige Rennen der Ameisen deutet auf Regen. Niest ein Hund, so wird der Tag nebltg werden. Sommerfäden sind ein Beichen, daß ein fruchtbarer Herbst bevorsteht. Die Sommer­fäden stammen übrigens nach dem Bauernglauben aus der Milchstraße, dem großen weißen Himmelsstrome. Sie sind dte Reste der vermoderten Gefieder der Vögel, die sich ant fiebenten Tage des siebenten Monats gen Himmel geschwun­gen haben, um eine Brücke über den Himmelsstrom zu bauen, auf der die himmlische Weberin, der Stern Vega, ihren Gatten, den Stern Aquila, allein im ganzen Jahr an diesem Tag, besuchen darf. Der Himmelsgott Shangti hat die beiden Gatten nämlich an die entgegengesetzten Ufer der Milchstraße gebannt, weil die Gattin über dem Gatten das Weben vergaß.

Wenn seine Regeln einmal ausnahmsweise nicht zu­treffen, dann tröstet sich der chinesische Bauer mit dem Spruch: Wenn es falt oder warm sein müßte, dies aber nicht ist, dann steht ein schlechtes Jahr bevor." Denn richt

die Wetterregeln haben unrecht, sondern das Wetter, das den seit Urzeiten feststehenden Bräuchen nicht folgt.

Nachflänge zur Londoner Kaiserreise.

Ein englisches Berichterstatter weiß von den Londoner Kaisertagen noch allerlei Interessantes zu erzählen: Man hat," so plaudert er, besonders den Kaiser bei allen seinen Handlungen genau beobachtet und gewissermaßen unter die Lupe genommen. Man fand, daß er ein wenig stärker ge­worden sei, aber im übrigen noch recht jugendlich aussehe. Vieles von dem, was er meint oder empfindet, läßt sich aus den mehr oder minder energischen Bewegungen seiner Schultern erkennen: wenn er aufgebracht ist oder Wider­spruch findet, schüttelt er die Schultern mit fräftiger Be­wegung; wenn er aber guter Laune und in anregender Unterhaltung begriffen ist, dann bewegen sich die Schultern sozusagen in anmutiger, eleganter Linie. Man hat ferner genau darauf geachtet, wie er die Hand reicht und drüct. Es handelt sich nicht um das fühle, reservierte Hinstrecken von drei Fingern: es ist vielmehr ein echter, rechter Hände. druck, dem ein geradezu stürmisches, nicht so bald aufhören. das Händeschütteln folgt. Bet dem von Lord Londes. borough veranstalteten Gartenfest hatte der Kaiser an den in ihrer Nationaltracht erschienenen neapolitanischen Sängern solche Freude, daß er, aufgeräumt wie selten, Anekdoten erzählte, Witze machte und mit glänzender Verve die Ko­sten der Unterhaltung bestritt; man hätte glauben können, daß er nicht Gast, sondern Gastgeber set; er vergaß sich bei dem Plaudern und Scherzen so sehr, daß Lord Londesbo­rough ihn schließlich erinnern mußte, daß König Georg ihn, den Kaiser, zu einer bestimmten Stunde erwarte, und daß er das Rendezvous versäumen werde.. Was die Kaiserin angeht, so knüpft sich ein besonders hübsches Geschichtchen an den Besuch, den sie in einem Londoner Hospital machte. Sie hatte alles mit großem Interesse besichtigt und wollte gerade das Krankenhaus verlassen, als von einem weißen Bettchen her der in dieser Umgebung etwas ungewöhnlich flingende Ruf: Sip, hip, hurra!" ertönte. Der Ruf war echt deutsch, aber das Stimmchen echt englisch. Die Kaiserin drehte sich rasch um und blickte in das Gesicht eines kleinen Mädchens, das über seine Kühnheit offenbar selbst erschrok. fen war und vor lauter Verwirrung über und über erröte te. Das hast du hübsch gemacht," sagte die Kaiserin zu der verlegenenKleinen, du sollst dafür auch eine Blume haben." Sprach's, nahm aus einem Sträußchen, das sie am Busen trug, eine Rese und legte sie auf das Bett des Kindes.

Der Riesenbrand auf Coney Island.

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Der Brand in dem Nenyorfer Vergnügungsort Coneg Island, worüber bereits in einem Teil der Sonnabend­nummer drahtlich berichtet wurde, hat ungeheure Ver wüstungen angerichtet. Der Schaden wird auf zwölf Mil­lionen Mark geschätzt. Sechs Stunden lang bis 53/, Uhr, wütete der Brand. Das umfangreiche Vergnügungslokal Traumland" wurde vollständig zerstört und vier ganze Gebäudeviertel fielen den Flammen zum Opfer. Feuer zerstörte mehrere Dutzend Vergnügungs- Etabliffe­ments, Hotels und Restaurants, viele andere wurden schwer beschädigt. Die Feuerwehr konnte wenig ausrichten, da der Wasserdruck völlig unzureichend war und überdies der Wind die Flammen dreimal von neuem anfachte. Die brennender Aussichtstürme beleuchteten die Szene kilome terweit. Manche Besiber sind schon dadurch ruiniert, daß die laufende Satson für sie verloren ist. Dutzende von Menschen entfamen den Flammen nur mit knapper Not. Zuerst hieß es, daß mehrere Menschenleben zu beklagen sei­en, auch sechs Kinder, die in einer Kinderbrutanstalt unter­gebracht waren, sollten verbrannt sein. Es stellte sich jedoch später heraus, daß alle gerettet worden sind. Während die Feuersbrunft arr ärgsten wütete, entsprang ein Löwe aus senem Käfig in Dreamland" und stürzte sich auf die Men­schenmenge, die von der Straße aus das Feuer beobachtete. Eine Panik bemächtigte sich der Leute, dte nach allen Seiten davonstoben. Ein Dußend Polizisten feuerten ihre Ne­volver auf das Tier ab und töteten es. 146 Tiere mußten in den Menagerien, die vom Feuer bedroht waren, erschos­sen werden

Coney Island( Kanincheninsel) ist die dem Neuvorker Stadtteil Long Island südlich vorgelagerte Insel, die im Sommer den Hauptausflugsplaß der Neuyorker Bevölke­rung bildet. Außer Seebädern befinden sich dort zahlreiche Vergnügungsanlagen: Theater, Schaustellungen, ein Luna­park usw. Einen Hauptanztehungspunkt für die Besucher bildet allabendlich die Darstellung eines Großfeuers, bet dem eine ganze, aus Fachwerk errichtete Straße abbrennt und die Bewohner von der Feuerwehr gerettet werden.

Drabtnachrichten und neuestes.

Schwerer Automobilunfall durch einen Hund. Iserlohn, 29. Mat. In ein mit 4 Herren besetztes Automobil sprang ein großer Hund. Der Chauffeur vers lor die Gewalt über das Automobil und dieses zerschmet­terte an einem Baum unmittelbar an einer 20 Meter tie­fen Böschung. Die vier Insassen wurden schwer verletzt nach dem Krankenhause gebracht. Der Chauffeur hat leich tere Verlegungen davongetragen.

Blutiges Familiendrama.

Neustadt( Pfalz), 29. Mai. Im benachbarten Ham­bach erschlug der 50jährige Schreinermeister Frübis seine Frau, durchschnitt seinem fiebenjährigen Sohn den Hals. und erhängte sich darauf im Speicher.

Russische Bombenwerfer.

Moskau, 29. Mat. In das Haus eines Gutsver walters in der Nähe der Ortschaft Weffelaja in Südruß­land wurde von Räubern eine Bombe geworfen. Die bes waffneten Räuber drangen hierauf in das teilweise zer­störte Haus und beraubten den Verwalter. Drei von ihnen wurden schwer verwundet.

400 Häuser durch Fener zerstört. Petersburg, 29. Mai. In dem Flecken Mir fam ein Feuer aus, durch das in 24 Stunden 400 Häuser eins geäschert wurden.

Tödlicher Absturz eines Fliegers.

0 Rom, 29. Mat. Wie aus Voghera in Obertalten gemeldet wird, stürzte auf dem Flugfeld der Flieger Cirrt' angesichts einer großen Zuschauermenge aus 200 Meter Höhe ab. Das Flugzeug geriet in Brand; Cirri starb als­bald.

Blutiger Zusammenstoß zwischen spanischen Karlisten und Radikalen.

Barcelona, 29. Mai. Bei einem Zusammenstoß zwischen Karltsten und Radikalen wurden drei Radikale, ein Karlist und ein Gendarm getötet. Viele Personen er­litten Verlegungen.

Bandel und Verkebr.

Cassel, 27. Mat. Weizen( 100 Kilogramm) 19,75 b18 20,25 M. Roggen( 100 Kilogramm) 17,50-18,00 M. Gerste, ( 100 Kilogramm) 17,00-18,00 M. Safer( 100 Kilogramm) 18,50-20,00 M. Son( Rentner) 2,70-3,50 M. Stroh( Zentner) 1,80-2,80 M.