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Deutscher Reichstag.

Die elsaß- lothringische Verfassung angenommen. Die elsaß- Iothringische Verfassungsre form ist in der gestrigen Freitagssigung nach kurzer De batte in dritter Lesung angenommen worden. Anfangs wußte man nicht, ob die Vorlage glatt durchgehen werde oder ob nicht noch in letzter Stunde unerwartete Schwie­rigkeiten erstehen. Der Reichskanzler war zur Stelle, um nötigenfalls einzugreifen, aber er fand keinen Anlaß dazu. Die Generaldebatte nahm einen ruhigen Verlauf und beseitigte jeden Zweifel über das Zustandekommen des Verfassungs- und des damit zusammenhängenden Wahl­gesetzes. Ueber den Verlauf der Sizung ist folgendes zu berichten:

Zunächst wurde die Vorlage betreffend die Gewährung von Diäten an die Reichstagsmitglieder für die Herbst­session ohne wesentliche Debatte erledigt und darauf die No­velle zum Zünd warensteuergesetz, die die Gel­tungsdauer der bisherigen Bestimmungen über die Kon­tingentierung von 5 auf 10 Jahre verlängert.

Darauf folgte in Anwesenheit des Reichskanzlers, des Staatssekretärs für Elsaß- Lothringen Zorn v. Bulach und einer großen Zahl von Regierungsvertretern die dritte Lesung der elsaß- lothringischen Verfassungsgesetze. Sie ver­Itef im ganzen sehr sachlich. In der Generaldiskussion rechtfertigte zunächst der Abg. Windler( konf.) nochmals ein­gehend die ablehnende Haltung der Konservativen. E8 folgten hierauf zustimmende Reden der Abgg. Dr. Zehnter ( 3.), Dr. Frank- Mannheim( Soz.), Dr. Müller- Meiningen ( fortschr. Vp.) und Beck- Heidelberg. Von der Reichspartei sprach zunächst der Abg. Schulz im Namen derjenigen Mit­glieder, die der Vorlage ihre Zustimmung hauptsächlich aus Rücksicht auf die Gewährung der Bundesratsstimmen ver­sagen. Auch das Wahlrecht errege Bedenken. Redner verwies auf die Folgen, die die Aufhebung des Diktaturpa­ragraphen entgegen den auf sie gesetzten Erwartungen ge= bracht habe. Er befürchtete, der Landesausschuß und die Vorgänge in ihm würden nur ein Kinderspiel setn gegen das, was im späteren Parlament sich ereignen werde. Im deutschen Osten sei die Haltung der Regierung in der elsaß< lothringischen Frage ein Barometer für ihre Haltung in allen übrigen politischen und nationalen Fragen. Nach dem Grafen Miclzynski, der die Gründe für die ablehnende Haltung der Polen nochmals zusammenfaßte, sprach Abg. Dr. Höffel für die größere Mehrheit der Reichspartei. Er begrüßte den Fortschritt, der durch die Vorlage endlich ge­macht werde, und erklärte die schweren Bedenken gegen die Gewährung der Bundesratsstimmen und gegen das Wahl­gesetz für hinfällig. Er sei fest davon überzeugt, daß die Berfassungsreform: wirtschaftlich und politisch zu einer en­geren Verschmelzung Elsaß- Lothringens mit dem Reich führen werde. Bald werde eine größere Rufriedenheit im Reichsland festgestellt werden können. Es kamen noch elsaß- lothringische Abgeordnete zum Wort, deren Stellung bekannt ist: Abg. Dr Ricklin, die Abgg. Preiß, Gregoire und Vonderscheer, letzterer im Sinne der Zentrumsmehr­heit. In der Gesamtabstimmung wurden sodann die beiden Vorlagen, das Verfassungsgesetz und das Wahlgesetz, mit 211 gegen 93 Stimmen endgültig angenommen, 7 Mitglie= der enthielten sich der Abstimmung.

Hierauf folgte die dritte Lesung der Reichsversiche rngsordnung. In der Generaldebatte sprachen zu= nächst die Abgg. Trimborn( 3.) und Schickert( kons.), indem ste ein Bild der mit der Reichsversicherungsordnung erziel ten Vorteile entwarfen. Kurz vor 6 Uhr vertagte sich dos Haus auf Sonnabend.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Zu Bundesratsbevollmächtigten sind dem Reichsan­zeiger zufolge der Präsident des Reichsmilitärgerichts General Graf von Kirchbach und der braunschweigische Staatsministe Hartwieg ernannt worden.

Die Budgetfommission des Abgeordnetenhauses beriet über den Antrag der Abgg. Lüders und Spinzig( freikon­Jervativ), betr. Förderung der Ziegenzucht. Die Kommis­ston nahm den Antrag dahin an, daß die Regierung er­wägen möge, weitere Mittel für die Förderung der Ziegen­zucht bereitzustellen. Der Antrag Lieber und Gen. betref= fend Revision des Gebührentarifs für die Katasterämter wurde gleichfalls angenommen.

Die Handelsvertragskommission des Reichstags hat dem Gesezentwurf betr. die Erneuerung des Handelsver­trags mit Japan zugestimmt.

Die Kommission für den schwedischen Handelsvertrag hat dem Vertrag mit 11 gegen 5 Stimmen zugestimmt. Da­gegen waren 3 Zentrumsabgeordnete, 1 Nationalliberaler und 1 Vertreter der Wirtschaftlichen Vereinigung

Der Entwurf einer neuen Eisenbahnzollordnung, der zurzeit dem Bundesrat zur Aeußerung vorliegt, ist im Reichsschazamt ausgearbeitet worden.

panzerschiffe, 17 große Kreuzer, 39 fleine Kreuzer, 7 Ka­nonenboote, 3 Flußkanonenboote, 10 Schulschiffe, 12 Spe= zialschiffe und 2 Hafenschiffe. Die Torpedobote sind natür­lich in der Liste nicht enthalten. Von den 128 Kriegs­schiffen gehören 70 zur Marinestation der Ostsee und 58 zur Marinestation der Nordsee. Der Werft in Wilhelms­haven sind 53, der Werft in Kiel 48 und der Werft in Danzig 27 Schiffe zugeteilt.

128 Kriegsschiffe führt die neue amtliche Schiffsliste der Marine auf. Darunter sind 30 Linienschiffe, 8 Küsten­

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3wei Kirschen an einem Stengel.

Roman von A. von Liliencron. ( Nachdruck verboten.)

Eine neue deutsche Kolonialbahn. Am 25. Mai wurde die Manengubabahn in Kamerun ihrer Bestimmung übergeben. Die neue 160 Kilometer lange Eisenbahnlinie nimmt ihren Anfang am rechten Ufer des Kamerunflusses und ist besonders darum beachtenswert, weil sie ein recht schwieriges Gelände durchquert. In der Nähe der Küste führt der neue Bahndamm durch ausgedehnte Sümpfe; weiter im Innern des Landes werden dichte Urwälder durchquert. Die Spurweite der Bahn beträgt 1 Meter. Der Bau wurde im Jahre 1906 der Kamerun- Eisenbahn­Gesellschaft bewilligt, der eine Konzession von 90 Jahren zugestanden wurde. Das Deutsche Reich leistet der Gesell­schaft eine laufende Garantie. Der deutsche Staat ist an der Bahn mit einem prozentualen Gewinn beteiligt, und hat ferner das Recht, in späteren Jahren die Gesamtan­lage anzukaufen.

Kathi nichte. Ich glaub selbsten, daß ich mich ganz närrisch hab, aberst es fam halt so über mich!"

Die Mutter sah sie mit unverhohlenem Erstaunen an. ,, Und so fein bist, so städtisch!"

Da redten bei dem Mädel schon wieder die Eitelkeits­teufel ganz vorsichtig die Köpfe. Sie griff den Muff auf, drehte sich nach rechts und dann wieder nach links und fragte: Gefall ich Dir so?"

Eine offiziöse zurechtweisung. Die Norddeutsche All­gemeine Zeitung" schreibt: In der Mittwochsitzung des preußischen Abgeordnetenhauses sind von einem sozialde­mokratischen Abgeordneten( gemeint ist Liebknecht) schwere verlegende Ausfälle gegen ein Mitglied einer aus­wärtigen Botschaft gemacht worden Der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses ist diesem Mißbrauch der Tribüne entgegengetreten, indem er dem betreffenden Abgeordne­ten einen Ordnungsruf erteilt hat. Es widerspricht den internationalen Gepflogenheiten, auswärtige Diplomaten überhaupt in die Debatte zu ziehen. Im vorliegenden Falle handelt es sich um einen sehr schweren und beson­ders bedauerlichen Bruch des internationalen Herkom­mens. Die Bemerkung würde daher regierungsseitig mit derselben Schärfe, mit der es hier geschieht, sofort zurück­gewiesen worden sein, wenn ein Vertreter der Regierung im Hause anwesend gewesen wäre.

Frau Amrum antwortete nicht gleich, dann sagte ste: Ganz reputierlich siehst aus, aberst wann ich Dich so an­chauen tu, stiehst gar nit aus wie meine Tochter. In Dein Bauernkleid gefallst mir viel besser."

Das war eine Antwort, die dem Mädchen nicht gefiel. Wannst mal nach Berlin fummst, dann wirst anders spre= che," belehrte sie ihre Mutter." In der Stadt, da lernt man erst, wie man sich nobel behabe muß, und was noble Kledage ist."

Auf die Freude der Mutter senkte sich ein Schatten. Ich mein, daheim in uns' Dorf weiß man of, was sich schide tut, und daß man sin Kledage sauber und akkurat halte muß."

Auch für Kathi hatte das Gespräch eine Wendung ge= nommen, die ihrer Freude einen Dämpfer auffezte. ,, Kann chon fin, Mutterle, aber allweil gehts in die Stadt doch anders zu als hier, und man muß halt mitmache."

Der neue französische Kriegsminister. General Goi­ran, Kommandeur des 6. Armeekorps, hat das ihm vom Ministerpräsidenten angebotene Portefeuille des Krieges angenommen.

Der russisch- türkische Konflikt. Nach Informationen der Pforte hat sich Rußland auch an andere Großmächte mit dem Ersuchen um Beteiligung an dem Schritt bei der Pforte gewandt. Sämtliche Mächte hätten sich indes ab= lehnend verhalten. Einige hätten den Schritt für unan­gemessen, erklärt, da die Türkei ein unabhängiger Staat sei und im übrigen aus der bisherigen Haltung der Pforte nichts festzustellen sei, was den Schritt rechtfertigen könne. Schließlich hätten die Mächte erklärt, Montenegro müsse strengste zurückhaltung und Neutralität beobachten. Wie die ,, Neue Freie Presse" aus Uesküb meldet, hat bei Ra­foviga ein zusammenstoß zwischen einem türkischen Bataillon und Malissoren stattgefunden, die mit bedeu­tenden Verlusten zurückgeworfen wurden. Der Verlust des türkischen Bataillons betrug 30 Tote und 15 Verwundete. Der Großwesir wird nach den neuesten Meldungen bei einer Reise nach Europa Wien, Berlin und London be­suchen.

Kind, Kind, das gefallt mir nit, wie Du sprichst! Bist viel länger weg bitewe, als zuerst wullst! Bist denn gar so gern da west?" Es lag eine gewisse Unruhe in Ser Frage der Mutter.

Vor Kathis Augen trat ihr hübsches Stübchen von Friedenau, und da wollte ihr mit einmal die altgewohnte Stube in Hennigbach so entseglich niedrig und dürftig er­Scheinen. Vor thren Ohren schwirrten die lobenden Worte

Nach Diaz Abdantung. De la Barra hat den Eid auf die Verfassung geleistet Er wird die Präsidentschaft bis zu den nächsten allgemeinen Wahlen führen. Der Exprä­sident wird sich im Juni auf einem deutschen Schiff nach Europa begeben.

Kleine Nachrichten.

Aus Anlaß der gestrigen Grundsteinlegung zum Schö­neberger Rathaus wurde der neue erste Bürgermeister Dominicus zum Oberbürgermeister ernannt.

Streit der Berliner Bäcker. In einer von mehreren tausend Bäckergesellen besuchten Versammlung wurde ge­stern einstimmig beschlossen, in allen Bäckereien, welche die Forderungen der Gesellen bisher nicht bewilligt haben, die Arbeit sofort einzustellen. Es wurde mitgeteilt, daß 1122 Kleinmetster und mehrere Großbäckereien, die insgesamt 700 Gesellen beschäftigen, die Forderungen bewilligt haben.

Ein Theatersfandal in Braunschweig. Bei der Ab­schiedsvorstellung, die gestern im Braunschweiger Hofthea­ter zu Ehren Fräulein Roeders veranstaltet wurde, wur­den von einer Dame im Parkett fortwährend schrille Pfiffe abgegeben, so daß der Intendant dte Vorstellung abbrechen lassen mußte. Nachdem die Dame aufgefordert war, das Theater zu verlassen, konnte die Vorstellung weitergehen. Im Publikum herrschte große Bewegung.

Streif in einer sozialistischen Gründung. Wie der Draht aus Brüssel meldet, streiken in der sozialistischen

Weberet Vooruit in Gent 200 Weber, die bessere Be handlung und andere Arbeitszeit verlangen.

Verunglückte Fliegerin. Bei dem Flugmeeting von Gaillac sur Tarn stürzte die Fliegerin Madame Ntel nach einem wohlgelungenen Fluge über die Bahn. Der Appa rat tippte beim Landen über und zerbrach, wobei die Flie­gerin etwa acht Meter weit geschleudert wurde. Sie erlitt erhebliche Verlegungen, besonders an der Stirn, und mußte nach dem Spital geschafft werden.

Vom elektrischen Strom getötet. In der Zentrale der Wiener städtischen Elektrizitätswerke wurde der 40jährtge Schlossergehilfe Konecnik infolge eigener Unvorsichtigkeit durch einen elektrischen Strom von 5000 Volt getötet.

und schmeichelnden Redensarten, mit denen sie die Ver­wandten und Gäste des Hauses futterten, und da geschah es, daß ihr der Mutter Worte und Fragen gar nicht paß­ten. Sie war anderes in den letzten Wochen gewohnt ge­wesen, und hastig antwortete ste: Ganz erschrecklich gern bin ich da gewest, und so gut hats mir gefalle, daß ich noch a Weile dableibe will."

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Tödlicher Unfall im Bergwerksschacht. Im Petersen­schacht bei Sondershausen wurde der Arbeiter Laue, der in den Schacht hinab sah, von einem niedergehenden Förs derkorbe abgerissen.

In der Jauchegrube ertrunken. In Schkeitbar bet Lüzen war der Gutsauszügler Karl Friedrich Merenz mit Jaucheschöpfen beschäftigt. Er glitt dabei aus und stürzte in die Jauchegrube; bald darauf wurde er tot aufgefunden. Ein Tanzvergnügen mit blutigem Ausgang. Bei einer ländlichen Festlichkeit in Felfö- Szucs in Ungarn forderte die Gendarmerie die Leute auf, ihr Tanzfest nicht auf der Straße, sondern auf dem Hofe des Wirtshauses abzuhalten. Ein Unteroffizier, der sich dem widersetzte, wurde festge­nommen. Darauf bewarf die Menge die Gendarmerie mit Steinen und verletzte einen Gendarmen schwer. Infolge­dessen gaben die Gendarmen Feuer. 3wet Personen wur­den getötet, ein Mädchen leicht verletzt.

,, Bis Du das Dörfle und Dein Mutterle vergesse tust," murmelte Frau Amrum. Nun war aber auch bei Kathi wieder die weiche Seite ihres leicht beweglichen Herzens berührt. Das glaubst ja selbst nit, daß ich Dich vergesse funnt und das Dorfel, unser liebes Häusel und..." Sie hatte Hans sagen wollen, stockte aber, und statt aller wet­teren Worte füßte ste ihr Mutterchen herzhaft.

Dann meinte sie vergnügt: Nu wüll ich mal rasch in min Kammer' nauf hüpfe und den feine Staat run­terziehe. Wannst ich mein Alltagskleid anhab, dann helf' tch Dir schuften und sullst sehe, da wirds wieder federn wie sunsten." Und als sie von oben wieder herunterkam, da wars ganz die Kathi von ehedem, die ihrem Mütterlein die Arbeit abnahm, und der es so flink von der Hand ging, daß es eine Lust war, ihr zuzuschauen.

Aus den Gerichtssälen.

Die Affäre des Einjährigen Feith vor dem Kriegsge richt. Das Cölner Kriegsgericht befaßte sich gestern mit der bekannten Affäre, die sich am 26. Junt 1909 in Bonn ab­spielte, wobei der Einjährigenunteroffizier Feith von einer Anzahl Borussen und Husareneinjähriger in seiner Woh nung überfallen und die Möbel zertrümmert wurden. An­geklagt waren Leutnant Frhr. v. Kapp- Herr, Leutnant Frhr. Wild v. Hohenborn, Unteroffizier der Reserve von Plessen weget gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs. Er­sterer war vom Erscheinen entbunden, gegen letzteren, der wegen Krankheit nicht erschienen war, wird später verhan delt. Nach stündiger Verhandlung wurde der erste An­geflagte freigesprochen, da nicht erwiesen war, daß er die Wohnung betreten hat, während der Angeklagte Frhr. von Plessen zu 8 Tagen Gefängnis verurteilt wurde.

Behaglich saßen die beiden dann beim Abendbrot. Die Kathi hatte so viel zu erzählen, das Mäulchen stand ihr nicht einen Augenblid still, sie ließ sich kaum Zeit zum Essen. Frau Amrum hörte ihr staunend zu, manchmal er­freut, manchmal mit leisem Kopfschütteln.

Weißt, so recht fenn ich mich gar nit aus in alle dem bunten Krimskrams, den Du da schwäge tätst," ge= stand sie endlich, es raspelt mir ordentlich im Kopfe herum."

Ein Zahnarzt wegen Kuppelei verurteilt. Von der Nürnberger Straffammer wurde ein Zahnarzt wegen Kuppelet zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. In die Angelegenheit waren 24 Herren und 22 Damen der besseren Gesellschaftskreise verwickelt.

" Wills schon meine," gab die Kathi zu,' s ist mir alleweil auch so gange die erste Zeit, aberst nu bin ich gescheit worde." Leb haft fuhr ste fort, fannst Dich be­finne, Mutterle, wannst ich noch in die Schule ging, da haft mal vom Jahrmarkte für mich solch furioses Ding mitbracht. folch' ne lange, runde Klöterbür. Wenn man

Aus dem Reiche der Technit.

Die größte Brücke der Welt. Die kanadische Regierung hat die Pläne für den Bau der neuen Brücke über den St. Lorenzstrom genehmigt. Diese wird die größte Brücke der Welt sein und die berühmte schottische Brücke noch um 90 Fuß übertreffen. Die Bauzeit ist auf 4 Jahre berechnet. Die neue Brücke wird 3228 Fuß long sein bei einer Breite von 88 Fuk. Sie wird sich 150 Fuß über dem Wasserspiegel erheben. Das Gewicht der Riesenbrücke wird 100 000 Ton­nen betragen, wobei das Mauerwerk nicht mit einbegriffen ist. Die Kosten belaufen sich auf rund 50 Millionen Mark.

Jm 3eichen der Luftschiffahrt.

Eine Sammelstelle für Luftschifferlandkarten. Eint ungemein nußbringende Einrichtung wurde vor einigen Tagen wie de Tägl. Korr." von gutunterrichteter Seite erfährt, in der Königlichen Bibliothek zu Berlin geschaffen, In der Kartensammlung der Bibliothek ist eine Sammel. stelle für Photographien errichtet worden, in der alle Auf­nahmen, die von Ballons oder Flugapparaten aus gemacht worden, zusammengetragen werden. Es wird beabsichtigt, alle von Flugfahrzeugen aus gemachten photographischen Aufnahmen zu sammeln, um sie dann auf ihren Wert hin gegeneinander prüfen zu können. In den Kreisen der Flugzeugführer wird die Einrichtung dieser speziellen Sam. melstelle in einem Staatsinstitut lebhaft begrüßt. Die zu sammengetragenen Photographten bleiben so auch der Nach welt erhalten.

Vermischtes.

Der Mutter in den Tod gefolgt. Ein erschütternder Vorgang spielte sich gestern in einem Haufe der Admiral straße in Berlin ab. Dort wohnt das etwa 50 Jahre alte Fräulein Schäfer, dessen Mutter vor einigen Wochen ge­storben ist. Seit dieser Zeit war Fräulen Schäfer schwer­mütig, und ihre Gemütsverfassung verschlimmerte sich der­art, daß man sie schon in eine Anstalt bringen wollte. Gestern verriegelte sie die Tür zu ihrer Wohnung und stürzte sich vom dritten Stock aus auf die Straße. Sie er­Ittt so schwere Verletzungen, daß sie nach kurzer Zeit starb neingude tät, dann is da solch feines Bild gewest von lau­ter bunte Steinche. Und wenn man das Ding schütteln tät, dann wars weg, und glir fummt ein andres, das war ebenso bunt und ebenso schin. Man bloß zu schütteln brukt man, und ins selbe Moment is was Neues dagewest, ins bunter und schiner als das andere. Die olle Klöterbür funnt ich gar nit aus der Hand gebe, immer wieder mußt ich rinkiefen, weilst ich meine helle Früd dran haben tät. Afturat so gehts mir nu in Berlin, das fümmt mir auch für, wie dazumalen min Klöterbür mit die vielen bunte Steinche."

Frau Amrum kehrte gedankenvoll mit der Hand die Brotfrumen vom Tische zusammen. Die olle Klöterbür brach in Scherben, und dann war der Spaß vorbi!"

Ste schwieg, und auch Kathi verstummte. Nach einer kurzen Pause aber fragte die Mutter: Hast aber auch nit über all dem Niesen und Schi­nen in der Stadt vergesse, abends ins liebe Bibelbuch zu Tese?"

Das Mädchen gab nicht gleich Antwort, dann sagte ste: Ich hab schon lest, nur allmal nit, wenn ich zu müd

war!"

Daß sie die letzten Wochen fast jeden Abend zu müde oder zu zerstreut gewesen war, fiel ihr dabei ein, tarum sah sie auch die Mutter nicht an, sondern machte sich z schaffen mit dem Abräumen des Tisches.

Nachher saßen Mutter und Tochter auf der Ofer bank. Erstere hatte die Brille auf und las halblaut voll großer Umständlichkeit den Brief der Schwester mit dem Vorschlag, ihr Kathi auf ein Jahr hinzugeben. Alle von der Tante ins Treffen geführten Beweisgründe für die Nützlichkeit dieses Planes unterstützte das Mädchen in warmer Lebendigkeit, immer mit dem brennenden Verlan­gen, die Zustimmung der Mutter zu erreichen.

( Fortsetzung folgt.)

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