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Durch glühende Kohle verbrannt ist gestern der 44jäh­rige Arbeiter August Wolff aus Niederschöneweide bet Berlin. Er hatte in der chemischen Fabrit von Kunheim & Co. die Feueröffnung in der Sulfaabteilung zu bedie nen; durch ein Bersehen geriet er so dicht an die glühende Masse heran daß die brennenden Schladen seinen Körper trafen. Mit furchtbaren Brandwunden wurde er nach dem Areiskrankenhaus in Brig gebracht, wo er gestern unter qualvollen Schmerzen gestorben ist. Der Verunglückte war verheiratet und hinterläßt vier unmündige Kinder.

Unter Mauertrümmern begraben. Eine große Men­[ chenmenge hatte sich gestern in Mailand am Ziel der Rad­fahrt rund um Italien angesammelt, um die eintreffen­den Radfahrer zu begrüßen. Fünfzehn Personen waren auf eine in der Nähe befindliche Mauer gestiegen; diese stürzte plötzlich ein und begrub unter thren Trümme eine große Anzahl Menschen. Ein 15jähriger Knabe wurde tot hervorgezogen, zwei andere Personen wurden sterbend nach dem Hospital gebracht, außerdem erlitten 20 Perso­nen schwere Verlegungen, während 50 mit leichteren Ver­wundungen davonkamen.

Ein tragisches Schidjal. Vor einigen Monaten wurde, wie erinnerlich, Geheimrat Professor Wilmanns in Bonn von einem Zuge der Dampfstraßenbahn von Godesberg überfahren und getötet. Seit dieser Zeit zeigte die Frau des Lokomotivführers Besgen, der den Zug geführt hatte, tiefe Schwermut, obwohl festgestellt ist, daß ihr Mann feine Schuld hatte. Die Frau war von dem Wahn be­fallen, daß entweder sie oder ihr Mann auf gleiche Weise den Tod erleiden würden. Gestern warf sie sich vor einen Zug der Staatsbahn und wurde auf der Stelle getötet.

Ein Schreden für die Verbrecherwelt. Zu den in der breiten Deffentlichkeit fast gänzlich unbekannten, für die allgemeine Sicherheit aber unentbehrlichen Preßerzeugnissen gehört an erster Stelle das Allgemeine Deutsche Fahn­dungsblatt", das wohl nur wenige nichtamtliche Abonnen­ten besitzt, obwohl es auch jedem Privaten gegen einen ge­ringen Preis zugänglich ist, wegen seiner Aktualität aber für die Verbrecherzunft ein Gegenstand des Schreckens ist. An Stelle der einzelnen Fahndungsblätter der verschiede nen Bundesstaaten, deren Inhalt an der Grenze des Son­derterritoriums Halt machte, begann es im Jahre 1899 au erscheinen, um als einheitliches Organ für das ganze Reich alle zur Jagd auf Verbrecher angeordneten Bekanntmachun gen aufzunehmen und wirksam zu machen auch für den Fall, daß es den Hochstapler, Hoteldieb, Falschspieler oder Geldschrankknacker gelüften sollte, im länderreichen Thu­ringen eines Tages einen Spaziergang durch ein halbes Dußend Kleinstaaten zu unternehmen. Vom Berliner Po­Itzeipräsidium herausgegeben und gemeinsam von allen Bundesstaaten unterhalten, die die Kosten im Verhältnis der von ihnen zu leistenden Matrikularbeiträge unter sich verteilen, ist es bei täglichem Erscheinen in einer Auflage von mehr als 15 000 Exemplaren verbreitet, die unentgelt­lich an eine lange Reihe von deutschen Behörden im In­und Auslande versendet werden, in vielen hundert Erem­plaren auch an Polizeiverwaltungen von ausländischen Staaten gelangen, die sich durch Uebersendung der von ihnen herausgegebenen Fahndungsblätter revanchieren. Beilagen in Kunstdruckpapier enthalten in technisch vollendeter Form die Reproduktionen der Photographien von besonders ge­fährlichen Verbrechern, die ihr Gewerbe als internationale Wegelagerer auf beiden Hemisphären ausüben, und wenn am Schluß des Jahres ein Anhang erscheint, der die Liste der bis dahin noch nicht erledigten Steckbriefe und sonstigen Veröffentlichungen enthält, bleibt der abgeschlossene Jahr­gang des Fahndungsblattes, das freilich auch eingehend studiert sein will, noch weiterhin ein wertvolles Verbrecher­album für die Polizeibehörden.

Ein deutsches Sanatorium auf Java. Wie dem Tägl. Korr." von zuverlässiger Seite geschrieben wird, besteht die Absicht, auf Java ein Sanatorium zu errichten, in das er= frankte Beamte der ungesunden Südseekolonien Aufnahme finden können. Obwohl offiziell hierüber nichts zu erfah­ren ist, so muß man diese Anregung doch lebhaft begrüßen. Der Aufenthalt in einer großen Anzahl unserer Südsee­besitzungen ist derartig unzuträglich, daß die hinausgegan= genen Beamten nach verhältnismäßig furzer Zeit erkran= fen und dann gezwungen sind, auf mehrere Monate zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit nach Deutschland zurück­zukehren. Durch den Bau eines deutschen Sanatoriums auf Java würde den Beamten die zeitraubende und kost­spielige Urlaubsreise nach Europa in vielen Fällen erspart werden. Die Erkrankten können in dem leicht zu erreichen­den Sanatorium in wenigen Wochen wieder hergestellt wer den, ohne die lange Reise unternehmen zu müssen. Die Interessierten Instanzen haben schon die ersten Schritte zur Verwirklichurg des Planes getan und wird gegenwärtig nach einem tüchtigen Organisator des Unternehmens Um­schau gehalten.

Ein nobler Komponist. Der Komponist Friedrich Ba­ron Erlanger, dessen Oper Tessa" jüngst am Budapester Nationaltheater mit großem Erfolg aufgeführt wurde, hat den Mitwirkenden gegenüber seine Anerkennung in der Form verschiedener Angebinde zum Ausdruck gebracht. So erhielt die Vertreterin der Titelpartie Frau Szamossy, die dem Studium threr Aufgabe einen Teil ihres Urlaubes gewidmet hatte, ein Brillantkollier. Einen ähnlichen Schmuckgegenstand schenkte der Komponist der Frau Szofer. Die übrigen Mitwirkenden erhielten Brillantnadeln, gol­dene Uhren und ähnliche Wertgegenstände. Außerdem hat Baron Erlanger dem Chorpersonal, dem Arbeiterpersonal und dem Pensionsfonds des Orchesters den Betrag von fe 1000 ronen angeboten. Das Chorpersonal hat jedoch mit der Begründung, daß es für eine künstlerische Pflicht­erfüllung keine Geschenke annehme, abgelehnt, worauf der Komponist die Summe dem Pensionsfonds des Theaters zuwendete.

Ein Radikalmittel gegen die Zigeunerplage. Wie aus Oppeln geschrieben wird, macht sich in der dortigen Gegend die Zigeunerplage wieder recht unangenehm bemerkbar; besonders durch Diebstähle werden die Landleute in den Dörfern oft recht empfindlich geschädigt. Kürzlich hat nun der Landrat des Kreises Oppeln in einer Sizung zu ei nem Gewaltmittel geraten. Er führte aus, man solle bei Annäherung der Zigeuner die Sturmglode läuten, um dann gemeinschaftlich die lästigen Besucher zu vertreiben. Die wenigen Gendarmerieposten stehen dem Zigeunerun­wesen fast machtlos gegenüber; es fann oft, wegen der großen Entfernung ihrer Standorte, auf ihre Unterstügung nicht gerechnet werden, und so sind die Einwohner der heimgesuchten Ortschaften zur Selbsthilfe gezwungen.

Ueber einen seltenen Scheidungsgrund wird dem Tägl. Korr." aus Buffalo geschrieben: Der 74 Jahre alte James Doty war vor einiger Zeit zu einem neuen Berufe übergegangen. Er besaßte sich mit Fallenstellen und ging auch dem edlen Weidwerk nach. Als Spezialität betrieb er die Jagd auf Stinktiere. Seiner Gattin schien aber lein neues Gewerbe nicht zu gefallen, denn sie hat einen Scheidungsprozeß gegen ihn anhängig gemacht mit der Be­gründung, daß er fürchterlich nach den von ihm erlegten Stinktieren rieche. Der Richter behielt sich die Entschei bung vor und riet dem Ehepaar, sich zu vertragen. Steber Mißstände im dänischen Gefängniswesen wird aus Kopenhagen geschrieben: Die Ueberfülluna der Gefäng

nife und Zuchthäuser wird in Dänemark als eine immer ernstere Kalamität empfunden. Die Anzahl der Verbrechen nimmt fährlich zu; neue Strafanstalten wurden aber seit

dose oder der Deder der goldenen Taschenuhr geben das Bild der Karte deutlich wieder.

vielen Jahren nicht mehr gebaut. Wie unerträglich der Der Wettermacher Rodrian über schönes Pfingswetter.

jetzige Zustand ist, geht daraus hervor, daß man vor fur­zem in einem Kopenhagener Gefängnis eine Zelle, die für drei Mann berechnet war, mit 14 Mann belegen mußte; der Plazmangel ist so groß, daß viele Verurteilte monatelang, nachdem ihr Urteil rechtskräftig geworden ist, weiter im Untersuchungsgefängnisse behalten werden müssen, weil in den Strafanstalten alles besetzt" ist. Vor einigen Tagen wurde in der Strafanstalt Bridsloese bei Kopenhagen ein Verurteilter aufgenommen, deffen Urteil auf 8 Monate lautete; der Mann war aber nach Eintritt der Rechtsfraft des Urteils so lange im Untersuchungsgefängnis geblieben, daß er in Wirklichkeit in der Strafanstalt nur noch 33 Tage zu verbüßen hatte! Eine sehr unangenehme Folge dieses Zustandes ist, daß der Unterschied zwischen Untersuchungs­haft und Strafhaft unwillkürlich verwischt werden muß; die Untersuchungsgefangenen klagen bitterlich darüber, daß fie nicht anders als schon verurteilte Personen behandelt werden, und leider sind diese Klagen sehr oft berechtigt. Wie jetzt bestimmt verlautet, weiß sich die dänische Justiz­verwaltung nicht anders zu helfen, als durch eine in der nächsten Zukunft vorzunehmende Entlassung von etwa 100 Buchthäuslern aus dem Zuchthause zu Horsens. Es sollen etwa 100 derjenigen Insassen des Buchthauses ausgesucht werden, deren Strafzeit sowieso in nicht allzu langer Zeit vorbet sein würde und deren Führung im Zuchthause gut gewesen ist. Eine derartige Massenentlassung wird natür­Itch dem schlimmsten Plaßmangel etwas abhelfen und einige " Luft" auch in den Untersuchungsgefängnissen schaffen. Gleichwohl sieht man natürlich in Dänemark diesem Schritt, den die Justizverwaltung notgedrungen tun wird, mit nicht gerade angenehmen Gefühlen entgegen.

Die Schnaps- Leibrente. Aus Münster wird der Na­tionalzeitung" folgendes Geschichtchen erzählt: Ein begets sterter Verehrer des Schnapses war ein vor kurzem in Delde verstorbener pensionierter Beamter. Der Mann hatte in wenigen Jahren nicht allein seine ganze Pension regel­mäßig in Schnaps umgesetzt, sondern daneben auch noch 8000 Mark in Schnaps angelegt. Bessere alkoholische Ge= tränke nahm er nur bei besonderen Gelegenheiten zu sich. Schließlich war sein Vermögen auf etwas mehr als 4000 Mark zusammengeschmolzen. Aber der Alkoholfreund ent­sagte seinem Leibgetränk doch nicht. Allerdings machte

Zu Pfingsten werden wir schönes Wetter haben, wenn wir.. ordentlich zahlen wollen; und zwar sind die Zahlungen an den bekannten Wettermacher" und Elektro­techniker Richard Rodriaa in Berlin zu richten. Herr Ro­drian verspricht nämlich in einem Rundschreiben, daß er fraft seiner Befähigung, das Wetter zu beeinflussen, für die Pfingsttage schönes, warmes, vielfach bis ganz heiteres Wetter( wörtlich!), ganz ohne Regen oder nur mit Regen unter ½ Millimeter" herstellen werde, wenn er bis zum 30. Mat eine genügende Menge von Zusagen erhalten werde, für die Beeinflussung des Wetters flingenden Lohn zu be kommen. Nach Herrn Rodrian sind die Wetteraussichten für Pfingsten nach der jetzigen Wetterlage mit dem Magi­mum im Südwesten sehr schlecht, da bestimmt fühles, trübes und regnerisches Wetter zu erwarten ist. Herr Rodrian vermag aber nach seiner Erklärung das südwestliche Magi­mum oftwärts zu bringen und dadurch schönes Wetter her­beizuführen. Leider besitzt er aber nicht die Mittel, seine Wetterbeeinflussung ohne Entgelt ausüben zu können, da ihm selbst ganz beträchtliche Kosten durch Verbrauch von Kraft, durch Wetterdepeschen und Karten entstehen. Außer­dem erfordert seine Wetterbeeinflussung die Tätigkeit von zwei Personen während der Zeit der Beeinflussung voll und ganz. Es müssen sich darum eine bestimmte Anzahl von Leuten verpflichten, für jeden der drei Pfingsttage eine be­liebige Summe zu zahlen, wenn die Wettervorhersage Ro drians eintrifft. Ein Teil der zu zahlenden Summe muß schon bis zum 30. Mai an Herrn Rodrian geschickt werden, der Resttribut ist ein Tag nach Pfingsten, also am 7. Juni 1911, fällig. Herr Rodrian gibt aber auch bestimmte Garan­tien für den Fall, daß seine Wettervorhersage nicht eintrifft. In diesem Falle zahlt er nämlich die doppelte Summe des bis zum 30. Mot vorausgezahlten Betrages zurück. Jedoch gilt folgende Beschränkung: Findet innerhalb der Zeit vom 30. Mai bis 5. Juni 1911 in Europa oder an seinen Gren zen ein Erdbeben statt, oder erfolgt am 4., 5. oder 6. Juni ein Gewitter, so tritt in der Beeinflussung eine Störung ein. Vorausgezahlte Beträge gibt dann Herr Rodrian nur einfach zurück. Schließlich erinnert der Wettermacher noch daran, daß er zu Ostern trotz der schlechten Vorhersage das schönste Osterweter geschaffen habe. Darum.... zahlt!

ihm der Gedanke schwere Sorgen, wie es wohl werden Junggesellen und Ehemänner im Kriege.

würde, wenn das Geld vollständig in Schnaps aufgegangen sein werde. In dieser für ihn nicht gerade angenehmen Betrachtung verfiel er auf eine originelle Jdee. Er wandte sich an einen Wirt in Oelde und bot diesem den Rest set­nes Vermögens in Höhe von 4500 Mark zum Geschenke an unter der Bedingung, daß der Wirt ihm, so lange er noch lebe, soviel Schnaps tostenlos gebe, als er wünsche. Der Wirt, der sich wohl denken mochte, daß der schon 60 Jahre alte Mann nicht mehr allzu große Lüden in den Schnaps­vorräten des Kellers verursachen würde, erklärte sich mit der Bedingung einverstanden. Der Vertrag wurde ge­schlossen, und der Fuselfreund hatte ein sorgenfreies Da­sein, weil er sich um die Lieferung seines Lieblingsgetränks nicht zu fümmern brauchte. Diese Freude dauerte aber nur sechs Wochen, denn eines Tages trant er feinen Schnaps mehr; er war in ein Land abberufen worden, wo es aller Wahrscheinlichkeit nach mit seinem geliebten Schnaps recht mager aussehen wird. Der Wirt sorgte für ein anständi­ges Begräbnis; denn er hatte einen guten Kunden ver­loren, dem er außerdem noch nach Abzug aller Kosten ein Kapital von über 4000 Mark zu verdanken hatte.

Die Tricks der Falschspieler.

Unter dem herkömmlichen Namen Grec" versteht man Falschspieler: die Bezeichnung soll von dem berüchtigten Falschspieler Apoulos, einem Griechen und Günstling Lud­wigs 14. abgeleitet sein. Im großen und ganzen arbeiten Sie Grecs mit Helfern, und nur sehr geschickte Falschspie­ler besorgen thre Geschäfte allein. Eine Gruppe verbünde­ter Falschspieler heißt in der Gaunerwelt Philosophen­klub"," Nomadenklub" oder Cagnothe"; die Zutreiber hei­Ben Schlepper" oder Parasiten", fene, die durch Zeichen den Spieler unterrichten, heißen Judas", und das System wird Maschine" genannt. Mangeur" ist der Gehilfe, der falsche Karten einzuschmuggeln hat, Colonel" und Tante" der Hausherr oder die Hausfrau, bei denen gespielt wird. So zahlreich die Tricks der Grecs auch sein mögen, sie verfügen doch über einen gewissen eisernen Bestand von Manipulationen, von denen die passendste tm richtigen Au­genblick gewählt wird. Am beliebtesten ist das Kennzeich­nen der Karten, die Maquillage". Dabet werden die Rän­der bestimmter Karten mit einem scharfen Messer gestrichen, so daß sich der Rand rauh anfühlt. Pointiert" sind die Karten, wenn sie an gewisser Stelle mit einer zuerst in weißes Wachs gesteckten heißen Nähnadel fein gelocht wer­den. Das Wachs verklebt das Loch, so daß man dieses nicht fieht, aber fühlt. Auch die Muster auf der Rückseite werden in irgend einer Art gezinkt". Am bekanntesten ist das Anbringen eines Striches, eines Kreuzes mit einem in Wasser getauchten Hölzchen. Nach dem Trocknen bleibt auf ber glänzenden Rückseite das Kreuz z. B. als matte Beich­nung zurück. Nur auf grobe Täuschung berechnet ist das ,, Biseautieren", d. h. das Beschneiden der Ränder, wozu es eigene Maschinen gibt. Große Gewandtheit erfordert das Transportteren der Karten, wobei entweder Karten weg­genommen oder dazu gelegt werden. Das Salatmachen", d. h. das Falschmischen, besteht darin, mit den Karten so umzugehen, daß jeder Zuschauer darauf schwört, daß die Karten gut gemischt wurden; in Wirklichkeit hat sich jedoch feine Karte von der Stelle gerührt.

Die falsche Coupe" hindert den Zweck des Abhebens". Hierbei gibt es zwei Mittel. Das eine soll bewirken, daß der Abhebende dort abhebt, wo es der Grec will. Er rech­net, wie der Kriminalist Prof. H. Groß betont, psychologisch richtig, daß auch hier jeder das tut, was am bequemſten ist, selbst beim Spiele; er schmuggelt in das Spiel eine Karte, die breiter ist als die andern, und diese bringt er wieder dahin, wo abgehoben werden soll. Geht das nicht, so preßt er den Teil der Karten, die eben genommen werden sollen, der Länge nach etwas zusammen, so daß dieser Teil der Karten hohl fiegt. Der Abhebende hebt gewöhnlich ent­weder an der breiten Karte oder dem hohlliegenden Bäck­chen ab, wie es der Grec haben will. Tut er dies aber nicht, so ergreift der Grec unverfroren zuerst das abgehobene Päckchen und legt es auf das zurückgebliebene Päckchen, so daß die Sache wieder betm alten ist.

Die Tätigkeit der Helfer eines Falschipielers läuft met­stens darauf hinaus, daß fte entweder als Schlepper" fun­gieren oder den Falschspieler über die Karten seiner Mit­Spieler verständigen. Die Verständigungsmittel dürfen na­türlich in feiner Weise auffallend sein. Zeichen mit den Händen sind daher wenig beliebt, besser ist die Verständi­gung z. B. mit einer Zigarre. Je nachdem der Gehilfe biese im Munde hält, den Rauch wegbläst oder einsaugt, durch beide oder nur durch ein Nasenloch ausstößt usw., fann er dem Grec alles Wissenswerte mitteilen. Um beim Abziehen das Bild der Karte sehen zu können, wird irgend ein zufällig auf dem Tisch stehendes blank poliertes Metall­gefäß, eine filberne Zuckerbüchse, ein Leefessel als Spiegel benützt. Auch die spiegelnde Fläche der silbernen Zigaretten­

Die Friedensfreunde haben schlechte Zeiten. An vier verschiedenen Punkten der bewohnten und in Beziehung zu militärischer Organisation stehenden Erde kriegswittert es mehr oder weniger heftig; am Rio Grande( Mexiko), im Jli- Tal an der chinesischen Grenze, im Yemen und um Fez hat oder wird in absehbarer Zeit mancher Mutter Sohn ben blutigen Einsatz im Spiele der Kriegsgöttin leisten müs sen. Anknüpfend an manche Erfahrungen im Buren- und im russisch- japanischen Kriege hat ein englischer Major in vollem Ernste die Frage erörtert, ob die Junggesellen oder die Verheirateten im Kampfe tapferer find, und kommt da= bet rückhaltlos zu dem Schlusse, daß der Hagestolz sein Le­ben weniger gern in öte Schanze schlägt als der Mann mit der Kostprobe auf die Süßigkeiten des Ehestandes.

Sicht man sich die Argumente des britischen Stabsoffi­ziers an, so scheint der Schluß naheliegend, daß er entweder ein ganz einseitiger Junggeselle, oder, was noch näher liegt, ein Mann ist, der außerordentlich üble Erfahrungen in der Ehe gemacht haben muß. Wenn der Herr Major auch die Gesetze der Psychologie, Soziologie, Psychiatrie und eines weiteren halben Dußend von Lehren für seine Argumen­tterungen heranzieht, so stützt er sich doch in der Schluß­folgerung gegen den minder fouragterten Freiherrn der The auf den fühnen Satz ,,, der Verheiratete sei schon deshalb der mutigere Soldat, weil das Leben ihm weniger füß und begehrenswert erschiene. Nichts wisse der Soldat mit dem Ring am Finger vom intellektuellen Frieden mit dem ein­zig dastehenden Reiz unbeweibten Glücks. Das Dasein be­deute für ihn nichts als ein Beiwort für Schmerz und Un­ruhe. Reich oder arm, set sein Leben nur ein fortgesetter Alpdruck der großen und kleinen Schrecken des verheirate ten Standes."

,, Wenn nun," so geht die geniale Deduftion weiter, solch Ehemann in Schlachtenfener kommt, so hat der Selbster haltungstrieb" bei ihm entschieden sehr viel geringeres Ge­wicht als bei dem glücklich unbeweibten. Vor sich steht der Ehemann die Möglichkeit eines schnellen und schmerzlosen Todes, mit der besonderen Aussicht, als Held gefeiert zu werden. Hinter ihm liegen all die fletnen und großen Let­den der Häuslichkeit, von den Nadelstichen angefangen bis zu der gemütlosen Grausamfeit, deren allein das Weib fä­hig ist(!) Ist er also vernünftig, so geht er mutig vor, wird totgeschossen und die Geschichte verzeichnet ihn als Hel­den. Ganz anders der Junggeselle! Das Nirvana des Schlachtfeldes lockt ihn nicht. Wenn er angesichts der feind­lichen Geschütze auf sein glückliches Leben zurückblickt und Ausschau hält auf das, was ihm an Sorglosigkeit, Unab­hängigkeit und- Neid der Ehemänner die Zukunft ver­spricht, so wird er sich woh: bemühen, der todbringenden Kugel zu entgehen. Sein Zögern, sich dem Kriegsgotte zu opfern, mag ihm als der Tapferfeit geringerer Teil ausge legt werden. Die dem heimkehrenden Krieger und Jungge­sellen sich entgegenstreckenden Arme schöner Frauen werden aber den Lebenden bald über die Möglichkeit solcher Beur­teilung durch törichte Mitmenschen trösten."

Selbst für den Spleen eines Briten erscheint diese eigen. artige Beweisführung etwas arg gepfeffert. Und was sa­gen unsere deutsche Frauen zu dem angenehmen Richter über den weiblichen Charakter aus Old- England?

Drabtnachrichten und neuestes.

Schwerer Automobilunfall.

Düsseldorf, 27. Mai. Ein mit vier Personen bes setztes Mietsautomobil stieß in der Rothstraße mit voller Wucht gegen einen Wagen. Der Anprall war so heftig, daß die Insassen herausgeschleudert wurden. Sie erlitten sämtlich schwere Verlegungen und mußten nach dem Hospi­tal gebracht werden. Am schwersten verlegt sind eine 50 Jahre alte Dame und ein Herr, die Schädelbrüche davon­trugen.

Blutiges Gefecht der Franzosen in Marokko.

Paris, 27. Mai. Ueber Tanger kommt die Mel­dung, daß die Kolonne des Obersten Gourand beim Ueber-, schreiten des Beht- Flusses von drei räuberischen Stämmen angefallen und am Weitermarsch gehindert wurde. Die Kolonne, die eine Stärfe von 2500 Mann hat und eine starke Proviantabteilung mit sich führte, mußte sich den Uebergang über den Beht- Fluß durch eine Attacke erzwin­gen. Die Kolonne hatte dabei fünf Tote; ein Unteroffizier und 22 Mann wurden schwer verwundet. Der Feind hatte 120 Tote; er ließ zahlreiche Waffen und Munition zurück. Nach dem Gefecht konnte die Kolonne ihren Marsch in der Richtung nach Fez fortsehen.

Präsident Diaz Nachfolger.

Newyork, 27. Mai. Aus Juarez wird gedrahtet: General Madero erließ ein Manifest, in welchem er die provisorische Präsidentschaft niederlegt und an die Mext=" faner den Appell richtet, de la Barra zu unterstützen. Er stellte diesem die Truppen der Aufständischen zur Verfü­aning.