Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
-
oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 124.
-
Telephon: Nr. 362.
Ueber die Vererbung der Jmmunität.
Von Geh. Ober- Med.- Rat Prof. Dr. Paul Ehrlich, Frankfurt a. M.
Das Problem der Vererbung hat seit jeher einen großen Reiz auf die naturwissenschaftlichen Forscher ausgeübt. Die Bearbeitung dieses sowohl theoretisch hoch interessanten als auch praktisch außerordentlich bedeutsamen Forschungsgebietes trat mit der Auffindung der Antikörper, d. h. der im Organismus sich bildenden Schutzstoffe, in eine neue Phase. Schien doch hier ein aussichtsreiches Feld eröffnet zu sein, auf dem sich die grundlegende Frage nach der Vererbung erworbener Eigenschaften bearbeiten ließ. Denn die Antikörper sind Stoffe, die der tierische und menschliche Organismus in mehr oder minder hohem Grade für kurze oder längere Zeit produziert, wenn er 3. B. von einer Infektionsfrankheit befallen war. Den Zustand, in dem sich ein solcher Organismus dann befindet, bezeichnet man bekanntlich als den der Immunität. Diese Immunität läßt sich durch das Blutserum der immunen Individuen auch wieder auf andere übertragen und erzeugt bei diesen ebenfalls eine wenn auch nur passagere Immunität, ja, man fann mit den immunisierenden Schutzstof auch Heiiwirkungen erzielen.
fen
Das Diphtherieheilserum ist der bekannteste und anerkannteste Typus dieser Antikörper. Ich konnte aber nachweisen, daß sich die Schutzstoffe nicht nur im Blute, sondern auch in der Milch immunisierter Tiere finden. Die Erkenntnis dieser Tatsache hat nun Licht in die Frage der Vererbung der Immunität von Vater oder Mutter auf die Nachkommenschaft bringen fönnen. Es ist hier nicht der Plaz, auf die Möglichkeiten einzugehen, durch welche die Immunität der Kinder, die von immunen Eltern stammen, bedingt werden kann.
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
des Großherzoglichen Polizei Amtes
Behörden Oberhessens
Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Montag, den 29. Mai 1911.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 29. Mai.
Die Fortschrittliche Volkspartei für das Großherzogtum Hessen hielt am Samstag im Englischen Hof in Bingen unter dem Vorsitz von Ju
ab. Zu der Landesausschußsizung wurden die Vorarstizrat Gallus( Darmstadt) ihren dritten Parteitag beiten für die hessischen Landtagswahlen und die Reichstagswahlen beraten. Am Sonntag beginnt die öffentliche Landesparteiversammlung. Die Vertreter der Berliner Parteizentrale und die Landesverbände von Baden, Württemberg, Pfalz und Hessen- Nassau sind eben falls vertreten.
3ehn Gebote für die schöne Jahres3 eit. 1. Du darfst keine Aeste und Zweige, keine Blätfer und Blüten von Bäumen und Sträuchern abreißen, abschneiden oder mit einem Stock abschlagen. 2. Du darfst die Rasenplätze in den Anlagen, die Wiesen und Getreidefelder nicht betreten. 3. Du darfst in den Anlagen der Gärten, auf Wiesen und Feldern keine Blu men pflücken, um sie dann wegzuwerfen. 4. Du darfst nicht im Walde die Heidel- und Preißelbeersträucher, die Heide- und Farrenkräuter oder andere Waldpflanzen Herausreißen, abbrechen oder abschneiden. 5. Du darfst nicht den neuangepflanzten Waldbäumchen die Köpfe der oberen Triebe abbrechen, abschneiden oder abschla= gen; denn diese Pflanzen sterben dann ab und werden Straßen und Plätzen Obstschalen, Kirsch und Pflaumen früppelhafte Bäume. 6. Du darfst nicht auf Wegen, ferne, Papierstücke, Brotreste 2c. wegwerfen. 7. Du darfst nicht die aufgestellten Bänke in den Anlagen durch EinSchneiden von Buchstaben und Namen, durch Beschrei ben und Beschmieren beschädigen. 8. Du darfst die Quellen in den Anlagen nicht verstopfen oder auf anPlätze mit den sprudelnden Quellen kostet sehr viel Geld. dere Weise beschädigen; denn das Herrichten dieser 9. Du darfst die Singvögel nicht fangen und sie nicht beim Nisten und Brüten stören. 10. Du darfst auch anAbrin verfütterte, und die Tiere durch langsame Steidere nützliche Tiere, wie Eidechsen, Blindschleichen, Maulgerung der Menge auf einen hohen Grad der Immu- würfe 2c. nicht töten oder quälen; denn diese Tiere vernität gebracht habe. Ich habe nun Männchen von hoher Immunität mit normalen Weibchen gepaart, und umgekehrt hochimmune Weibchen mit normalen Männchen. Während nun die Nachkommenschaft der ersteren Gruppe feine Immunität aufwies, woraus erhellte, daß die Keimstoffe des Vaters eine Immunität zu übertragen nicht imstande sind, konnte an den Jungen der immuniesierten Mütter Jmmunität nachgewiesen werden. Diese Jmmunität hielt während der ganzen Säugungsperiode und noch einige Zeit darüber hinaus an. Wurden die von der immunen Mutter geborenen Jungen von einer normalen Mutter gesäugt, so trat keine Immunität ein, und umgekehrt konnten normale Junge durch Säugung an einer immunen Mutter sich eine Immunität ersäugen. Durch diese Versuche war konstatiert, daß weder die väterliche noch die mütterliche Keimzelle eine erheb= liche Uebertragung der Immunität bewirkt, sondern, daß die Milch der immunisierten Mutter die Schutzstoffe auf die Nachkommenschaft überträgt.
Ich habe vor langen Jahren die Lösung der Frage in Angriff genommen, dadurch, daß ich an Mäuse Giftstoffe, die aus dem Rizinussamen und der Jequiritybohne gewonnen waren, das sogenannte Ricin
und
Diese im Tierexperiment gewonnenen Erfahrungen müssen auch für die menschliche Praxis von großer Bedeutung sein. Ich wies schon in meiner Arbeit darauf hin und betonte, daß die stillende Mutter ihrem Kinde zweifellos eine wenn auch nicht exakt nachweisbare Menge von Schutzstoffen mit auf den Weg gibt; denn anders können wir uns die Tatsache nicht erklären, daß die Brustsäuglinge von gewissen Krankheiten während der Säugungsperiode verschont bleiben.
Neuerdings hat die Uebertragung von Schutz- und Heilstoffen durch die Muttermilch bei der Behandlung syphilitisch geborener Kinder eine besondere Bedeutung gewonnen. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß die Milch von mit Salvarsan behandelten Müttern, vorausgesetzt, daß diese selbst Zeichen der Erkrankung darboten, einen heilsamen Einfluß auf die Krankheit des Kindes ausübt. Die Frage ist jedoch noch im Fluß und muß noch näher studiert werden.
Jedenfalls dürfen wir annehmen, daß die Natur, die ja mit so großen Finessen arbeitet, wenn dies Wort hier erlaubt ist, der Muttermilch Eigenschaften verleiht, die schützend auf den kindlichen Organismus wirken und die es der Mutter zur Pflicht machen, ihr Kind, soweit auch nur irgend angängig, selbst zu stillen.
Wir entnehmen diesen interessanten Aufsatz der Frankfurter Sondernummer der Zeitschrift„ Unser Weg", Blätter für Gesundheit von Mutter und Kind. Verlag Elsner& Dr. Salomon, Berlin S. 42.
tilgen viele schädliche Insekten.
** Jüdische Feiertage und die Armee. Der höchste jüdische Feiertag, das Versöhnungsfest, dauert in diesem Jahre von Sonnenuntergang des 1. bis zum Sonnenuntergang des 2. Oktober. Aus diesem Grunde hat die Militärbehörde angeordnet, daß etwaigen Wünschen jüdischer Einjährig- Freiwilliger, erst am 3. Oktober eingestellt zu werden, zu entsprechen sei. Es wird aber besonders darauf hingewiesen, daß die aktive Dienstzeit vom Tage des Diensteintritts rechnet und der Entlassungstag sich dementsprechend hinausschiebt.
*„ Eigene" Sachen beim Militär. Der kommandierende General des 18. Armeekorps hat an die ihm untergebenen Stellen einen Erlaß gerichtet, in dem es heißt:„ Ich habe Veranlassung, auf die Mißstände hinzuweisen, die das Tragen eigener Sachen seitens der Mannschaften im Gefolge hat. Wohlhabende Eltern wird es nicht bedrücken, wenn sie ihre Söhne mit Extrauniform je nach Wunsch ausstatten. Arme solide Jungens müssen sich bescheiden, wenn ihre reichen Kameraden Sonntags Staat machen. Unsolide Elemente wollen es diesen dann gleichtun und stürzen sich in Ausgaben, deren Deckung die Eltern empfindlich schädigt. Eine Einschränkung des Tragens eigener Sachen erscheint mir daher sehr erwünscht, auch im kameradschaftlichen Interesse. Die für den Sonntag ausgegebene Bekleidung darf dann freilich nicht so unansehnlich sein, daß ein Mann, der auf sein Aeußeres hält und das gehört zum Soldaten ungern auf die Straße geht und dann auf den Ausweg verfällt, sich eigene Sachen zu kaufen." * Trübe Zeiten für Militäran wär ter. Der„ Reichszollbeamte" bringt in seiner letzten Nummer eine Notiz, nach der wirklich trübe Zeiten für Militäranwärter herrschen. Die drei größten deutschen Verwaltungen, Staatsbahn, Post und Zoll, nach denen sich bisher alljährlich der Hauptstrom der Militäran= wärter richtete, haben ihre Pforten zeitweise geschlossen oder sind im Begriff, dies zu tun. Die mittlere Laufbahn bei der preußischen Staatsbahn ist bereits längerer Zeit gesperrt; nur auf dem Wege über Unterbeamtenstellen, wie Schaffner 2c. ist dort ein Einrücken in mittlere Stellen möglich. Bei der Reichspost steht die zeitweise Sperrung unmittelbar bevor und auch bei der 3ollverwaltung soll eine zeitweise Sperrung der Anmeldelisten wegen allzu großen Andrangs zu erwarten
sein.
-
seit
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 Pfg.
Stellen: Die
die 44 mm breite Inseratenzeile. gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg. 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Berbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Feriensonderzüge von Frankfurt a. M. nach Hamburg und Bremen werden im Monat Juli zwei gefahren und zwar 7. Juli nachmittags 9 Uhr ab Hauptbahnhof Frankfurt und 9. Juli nachmittags 9.09 Uhr ab Bockenheim. Ausgabestationen für Fahrkarten
sind Frankfurt, Bockenheim und Gießen.
*
schen Schrifttums hat wegen des hohen erzieherischen Eine Bücher stiftung. Ein Freund deutWertes, den das Lebenswerk des durch seine„ Nibelunge" bekannten Dichters Wilhelm Jordan darstellt, 4000 Stück der jüngst erschienenen ersten vollständigen Biographie Jordans von Maurice Reinhold v. Stern gestiftet. Die Exemplare sollen Schul-, Vereins- und öffentlichen Lesehallen und Büchereien jeder Art zur Verfügung gestellt werden. Gesuche um Ueberlassung von Exemplaren sind an die Verlagsbuchhandlung von Moritz Diesterweg in Frankfurt a. M., Hochstraße 29,
zu richten.
* Vorsicht beim Einernten von Baum= früchten. Beim Einernten von Baumfrüchten in der Nähe oberirdischer Telegraphen- und Fernsprechanlagen wird häufig nicht mit der erforderlichen Vorsicht verfahren; dies hat zur Folge, daß Berührungen und Verschlingungen der Leitungsdrähte hervorgerufen werden. Dadurch wird der Telegraphen- und Fernsprechbetrieb gestört. Im Hinblick auf die bevorstehende Kirschenernte wird deshalb darauf hingewiesen, daß nach§ 318 des Str.-G.-B. derjenige, welcher fahrlässigerweise den Bephenanlage hindert oder gefährdet, mit Gefängnis bis trieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegrazu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 900 Mark bestraft wird.
* Notzuchtsversuch. Am Freitag morgen gegen 7 Uhr versuchte der Bergmann R. aus Garbenteich ein im Walde beim Forstgarten arbeitendes Mädchen aus Wagenborn zu vergewaltigen. Durch das Schreien des Mädchens wurden Leute aufmerksam, worauf sich der Bursche entfernte. Er wurde von der Gendarmerie ermittelt und der Staatsanwaltschaft zugeführt.
** Schotten, 29. Mai. Medizinalrat Dr. Krüger wurde am Samstag vom Großherzog in Audienz empfangen.
=)(= Wölfersheim, 27. Mai. Dem Landwirt H. gingen gestern am Bahnübergang die Pferde durch. Sie rasten durch das Dorf und rannten einen Kinderwagen an, worin sich ein ½ jähriges Kind befand. Das in dem Wagen liegende Kind war sofort tot, während das 4jährige Schwesterchen, welches neben dem Wagen stand, schwere Verletzungen erlitt, denen es wahrscheinlich erliegen wird. Der Fuhrmann selbst kam unter den Wagen und erlitt einen Arm- und Beinbruch.
* Darmstadt, 28. Mai. Prinzessin Heinrich von Preußen ist Samstag vormittag 10 Uhr zum Besuche am großherzoglichen Hofe im Jagdschlosse Wolfsgarten eingetroffen.
* Darmstadt, 29. Mai. Morgen Vormittag wird der vierte Ausschuß der Zweiten Kammer tagen. Nachmittags tritt der fünfte( Sonder)-Ausschuß für die Beratung der Verwaltungsgesetze zusammen. Zu derselben Zeit wird auch der Gesetzgebungsausschuß einige Gegenstände erledigen. Der Finanzausschuß hat für kommenden Freitag vormittag eine Sigung vorgesehen.
Frankfurt, 28. Mai. Der Magistrat hat sich grundsätzlich mit der Ueberlassung eines öffentlichen Plazzes für ein Heine- Monument einverstanden erklärt. Das Komitee betrachtet damit das Denkmal als gesichert. Die Sammlungen haben bisher die Höhe von 20 000 Mark erreicht; größere Spenden, auch vom Auslande, London, Paris und anderen Orten, sind eingeflossen.
Frankfurt a. M., 29. Mai. Ein flinker „ Krüppel" ist der 33jährige Arbeiter Schumann. Er bettelte auf der Kaiserstraße, und es sah so aus, als habe er nur einen Arm und keine Füße. Schumann hatte sich so geschickt hingesetzt, daß man die Beine nicht
wahrnehmen konnte. Als aber ein Schuhmann fam, erhob er sich flink und wollte davoneilen, was ihm aber nicht gelang. Auf dem Revier fand sich dann auch der zweite Arm wieder.
-g Frankenberg, 27. Mai. Das 3jährige Söhnchen des Schlossermeisters Stuppart in Bestwig trank heißen Kaffee aus der Röhre der Kanne, brühte sich und starb. Der verzweifelte Vater beging Selbstmord.
ver=
Von Georg Busse- Palma.
Der alte Landsknecht.
Armenhaus.
All die Jahre schon ist es ihm sauer gewesen, hier sein
Ein Tag in Athen.
Bon Paul Elsner.
halt in Athen, der Metropole Griechenlands, die, Trümmerhaufen phne Leben, wie ein
3um Programm einer mittelmeerfahrt gehört ein alufent


