9250
δι
lo
en
Us
Be
le
bis
erfr
4
Zu spät.
Zu spät.
Eine Erzählung aus dem Nihilistenleben. Von Felix Baumann.
In dem vornehmen Petersburger Liteinijviertel lag eine reizende,
im italienischen Renaissancestil erbaute Villa, das Eigentum des reichen Prinzen Ramiroff. Das Gebäude war eine getreue Nachbildung der Münchener Wohnstätte des verstorbenen Malers Franz von Lenbach, zu dessen wärmstem Verehrer der kunstliebende Prinz gehörte, und dessen Villa ihm bei einem Aufenthalte in der bayrischen Hauptstadt so imponiert und gefallen hatte, daß er das ihm durch Erbschaft zugefallene alte Palais am Liteinijprospekt bei seiner Rückkehr nach Petersburg niederreißen und auf dem Terrain sich von einem Münchener Architekten eine " Lenbach- Villa" erbauen ließ. Die antiken Skulpturen, die auf der Terrasse, der stolzen Freitreppe und in Mauernischen malerisch verteilt waren, paßten zwar nicht so recht in die Umgebung des Liteinijprospekt mit seinen Bauten aus der Zeit früherer Herrscher, aber dennoch machte die prinzliche Villa mit ihrem Vorgarten und dem sich anschließenden prächtigen Park, der mit seinen geschorenen Hecken, in allerhand Gestalten geschnittenen Bäumen, geraden Alleen, Bogengängen usw. die altfranzösische Anlage verriet, einen ungemein anheimelnden und freundlichen Eindruck. Gegenwärtig wurde das fürstliche Tuskulum nur von der jungen Braut des russischen Krösus und ihrer Gesellschaftsdame bewohnt. Prinz Ramiroff hatte darauf bestanden, daß seine elternlose Verlobte während ihrer Brautzeit die Villa bewohnen sollte. Er selbst hatte in seinem Schlosse auf der sogenannten " Apotheker- Insel", einem anderen Teile der Newa- Metropole, Quartier bezogen.
Langsam hatten sich die Schatten der Nacht über Petersburg gebreitet. Die prinzliche Villa war nur teilweise erleuchtet. Paula v. Ranowska, die zukünftige Gattin des Prinzen, saß träumerisch in ihrem Boudoir. Sie hatte in Jan, de la Vaudérés Roman Les Courtisanes de Brahma" gelesen das Buch war jedoch achtlos ihren Händen entglitten und lag jetzt aufgeschlagen zu ihren Füßen in den weichen Haaren des prächtigen Ziegenfelles. Das junge Mädchen lächelte zufrieden, als es die herrlichen, dekolletierten Schultern tiefer in die weichen Libertykissen des Diwans drückte und mit dem in einem weißen Atlasschuh steckenden zierlichen Füßchen lustig und taktmäßig auf den Teppich klopfte.
Paula v. Ranowska dachte augenblicklich an ihre Zukunft. In wenigen Tagen würde sie verheiratet sein, und diese Verbindung versprach ihr alles das, wonach sie sich immer so gesehnt hatte: Reichtum, Glanz, Lurus und Ansehen. Sie hatte einen Mann nach ihrem Geschmack gefunden, nicht zu jung und nicht zu alt, weder zu kühl noch zu stürmisch, vor allem einen wirklichen Prinzen. Wohl hatte es dem Prinzen viel Mühe und Schwierigteiten bereitet, seinen Entschluß bei dem erlauchten Oberhaupte seines Hauses durchzusetzen. Der Zar weigerte sich zuerst ganz entschieden, seinen Bitten zu willfahren, schließlich war der Herrscher aller Reußen von dem großen Liebreiz und persönlichen Zauber, der von der berückenden Schönheit ausging, auch so eingenommen worden, daß er seine Einwilligung zur Verbindung gab.
Paula v. Ranowska wußte, welche Macht sie in ihrer Schönheit besaß. Viele männliche Herzen schlugen schneller bei ihrem Anblick, und auch ihre bittersten Rivalinnen mußten zugestehen, daß die junge Polin eine außerordentliche Schönheit war. Das entzückende von einem üppigen blonden Haarwuchs umrahmte Gesicht mit den geistvollen, zuweilen so seltsam flammenden blauen Augen, der klassisch schönen Nase, dem reizenden kleinen Munde, dessen perlenhafte Zahnreihen schon manchen Maler zur Verzweiflung gebracht hatten, und dem fehlerlosen rosigen Teint harmonierte prächtig zu der schlanken, eleganten und biegsamen Gestalt. Paula stand im 20. Lebensjahre, aber mit ihrer frischen Jugendlichkeit und dem unschuldsvollen Gesicht machte sie einen fast findlichen Eindruck.
Ihre Träumereien führten sie zu der gestrigen großen Truppenrevue zurück, wo ihre Schönheit wieder großartige Triumphe gefeiert und ihr in der glänzenden Versammlung von Großfürsten, Prinzen, Offizieren usw. alles zu Füßen gelegen hatte. Auch von der Zarin war sie huldvollst begrüßt worden, und der oberste Kriegsherr selbst hatte sie mehrere Male ins Gespräch gezogen. In einigen Stunden würde sie auf dem Balle beim Großfürsten Michailowitsch wieder die gefeiertſte Schönheit sein, und zufrieden und stolz blickte sie auf ihr Bild in dem gegenüber liegenden prachtvollen vergoldeten Spiegel. Sie befand sich bereits in vollem Ballstaat, denn sie wußte, daß ihr Verlobter als Soldat viel auf Pünktlichkeit hielt.
„ Prinzessin Paula v. Ramiroff" flüsterten ihre Lippen, als
auf einmal die Hausglocke ertönte, und das laute Schellen sie erschreckt aus ihren Träumen emporfahren ließ.
Gespannt lauschte Paula. Wer konnte so spät noch kommen? Ihr Verlobter hatte das Ballbukett bereits gesandt, er selbst konnte es aber noch nicht sein, und auch das Rollen eines Wagens war nicht vernommen worden.
Paula vernahm das Öffnen der Haustür, dann ein undeutliches Stimmengemurmel, und jetzt wurde an die Tür geklopft. Ehe sie eine Antwort geben konnte, öffnete sich die von einer schweren Portiere verdeckte Tür, der Vorhang wurde heftig beiseite geschoben, und unangemeldet trat ein junger Mann in sichtlicher Erregung ein. Sinter ihm wurde das verlegene Gesicht des Dieners bemerkbar, der wie zur Entschuldigung die Achsel zuckte, dann aber die Tür wieder schloß.
Für einen Augenblick starrte Paula den plötzlichen Eindringling wie eine Geistererscheinung an, eine leichte Blässe hatte sich über ihr Gesicht gelagert. Gleich darauf sprang sie jedoch unwillig auf und betrachtete den, wie es schien, sehr unwillkommenen Besucher, einen jungen, großen und schlanken Mann von ungefähr 26 Jahren mit einem intelligenten Gesicht und etwas blassen Teint, aber prächtigem schwarzen Lockenhaar, mit zornigen Blicken und einem Anflug von Verachtung.
Einige Sekunden lang schauten sich beide in die Augen, dann aber sagte Paula, obwohl ihre Brust stürmisch wogte, anscheinend ruhig:„ Du bist es, Alexis? Was willst du denn noch so spät?"
Der Angeredete antwortete nicht sogleich. Er schaute die Fragende lange an und schien nur mühsam nach Fassung und Worten zu ringen.
„ Ich wollte dich noch einmal sehen und eine Aussprache zwischen uns herbeiführen," stieß er endlich hervor und stützte sich dabei, wie von einer plötzlichen Schwäche befallen, schwer auf die Lehne des vor ihm stehenden Fauteuils:„ Es ist ja das letzte Mal, daß wir uns begegnen," setzte er hastig hinzu.
Paula hatte jetzt ihre Fassung wiedergewonnen, sie schritt zu dem Umschalter neben der Tür und plötzlich durchströmte eine helle Lichtfülle das Zimmer. Vorher hatte nur eine rot verschleierte elektrische Lampe das trauliche Gemach erleuchtet, aber nun verursachten die jäh entflammenden Birnen in der elektrischen Krone und den lichtspendenden Bronzefiguren in den Ecken des Zimmers eine so blendende Helle, daß Aleris einen Augenblick erschrocken zurücktrat.
,, Also abermals zum letzten Male," rief Paula lachend, als sie wieder Platz genommen und auch den jungen Mann zum Sitzen aufgefordert hatte, welche Einladung dieser jedoch unberücksichtigt ließ. Dazu kenne ich dich zu gut," fuhr sie fort, „ nach meiner Hochzeit wirst du mich noch öfters aufsuchen, mir ein ausgezeichneter Kavalier sein und dich endlich selbst nach einer Lebensgefährtin umschauen."
„ Natürlich! Du kannst nichts wie scherzen," brauste der junge Mann auf.„ Immer bist du in guter und froher Laune! Du hast ja so glänzende Aussichten," Warum auch nicht? fügte er nach einer Pause sarkastisch hinzu.
Paula schien eine heftige Antwort auf den Lippen zu schweben, aber ehe sie antworten konnte, fuhr Aleris fort:„ Es iſt, wie ich gesagt habe: Seute abend sehen wir uns zum letzten Male. Es ist ein Abschied fürs Leben, und deine Fröhlichkeit erleichtert mir meinen Entschluß."
Beide schwiegen für eine Weile, dann begann Alexis wieder: „ Einst war es anders.- Als ich dich vor vielen Jahren kennen lernte-"
Ach, laß doch die alten Geschichten ruhen," unterbrach ihn Paula unwillig.
„ Gewiß, von deiner Vergangenheit willst du nichts hören," erwiderte er erregt, aber heute sollst und mußt du mich anhören. The du vor den Altar trittst und deinem Gatten die Treue gelobst, sollst du erfahren, wie schändlich du an mir gehandelt und was du verschuldet hast."
Die letzten Worte hatte der junge Mann in steigernder Erregung und überlaut gesprochen. Paula hielt sich daher mit einer koketten Gebärde die Ohren zu und bat:„ Oh, sprich nicht so laut, meine Nerven können das nicht vertragen."
Alexis war wieder ruhiger geworden, aber verächtlich schaute er auf das vor ihm sitzende liebreizende Wesen. Nie war Paula ihm schöner erschienen als gerade in diesem Augenblick.
" Ich habe dich heute aufgesucht," begann er abermals,„ um dir einmal die ungeschminkte Wahrheit zu sagen. Sie würde dich kränken, wenn dies bei einer so ausgeprägten Rokette, wite du bist, überhaupt möglich ist."
Zu spät.
Paula wollte entrüstet aufspringen, aber Alexis' Blicke bannten sie auf ihrem Plate.
,, Als ich dich vor nunmehr vierzehn Jahren an einem bittertalten Wintertag von der Straße auflas," hub er an,„ liefest du beinahe barfuß, zerrissen und vollkommen verwahrlost umher; du betteltest die Passanten an. Ich war auch noch ein Kind, nur sechs Jahre älter als du, aber bei deinem Anblick wurde ich von so tiefem Mitleid ergriffen, daß ich dir mein ganzes Taschengeld anbot. Als du mir dann deine Leidensgeschichte erzähltest, daß du ein Findelfind wärest und von einem Trunkenbold, den man dich zur Pflege anvertraut hatte, zum Betteln angehalten wurdest, und als du mich mit deinen tiefen blauen Augen so einsichtsvoll und vertrauend ansahest, da nahm ich dich bei der Hand und forderte dich auf, mit mir nach Hause zu meiner Mutter zu gehen."
Einen Augenblick schwieg Aleris. Paula war totenbleich geworden, sprach aber kein Wort, sondern zerrte nur nervös an ihrem feinen Batisttüchlein.„ Ich erinnere mich noch sehr gut," fuhr der junge Mann fort, wie wir Hand in Hand zum Gaudium der uns nachlaufenden Gassenjungen, deiner Freunde, die Straße entlang gingen. Jch, in meinem eleganten Samtanzug, du, in- Lumpen." Das letzte Wort schien Paula wie ein Peitschenhieb zu treffen, sie rührte sich aber nicht.
„ Ich führte dich zu meiner Mutter, erzählte ihr deine traurige Geschichte und bat sie, dich aufzunehmen und dir auch eine Mutter zu sein. Sie empfand dasselbe Mitleid mit dir, entriß dich deiner bisherigen elenden Umgebung, sorgte in jeder Weise für dich und wurde dir eine zweite und gute Mutter. Sie hat dich geliebt wie ihr eigenes Kind. Als sie starb, mußte ich ihr auf dem Sterbebette versprechen, daß ich für dich stets sorgen und dir ein treuer Hüter sein würde. Ich war damals zwanzig, du erst vierzehn Jahre alt, aber ich hielt mein Versprechen. Meine Mutter hatte nicht viel hinterlassen, es hätte aber zur Vollendung meiner Studien gereicht. Da ich jedoch nur auf dein Glück bedacht war, verließ ich die Universität und entsagte allen Zukunftsträumen, um dir eine gute Erziehung und Bildung verschaffen zu können. Ich widmete mich dem Kaufmannsstande. Als ich aber doch nicht so recht vorwärts tam, suchte ich einen alten und reichen, aber geizigen Erbonkel auf und überredete ihn, dich in seinem Hause aufzunehmen. Bald warst du ihm unentbehrlich geworden. Wir hatten uns bereits ewige Liebe geschworen und gelobt, nie voneinander zu lassen. Er adoptierte dich, und als er starb, hinterließ er dir sein gesamtes Vermögen. Er wußte, daß wir verlobt waren und wir eine baldige Verbindung planten. Das mag wohl auch der Grund gewesen sein, daß er dich zur Erbin einsetzte. Richtig beurteilt, warst du nun reich, ich aber arm. So kam es auch, daß, als ein anderer und reicher und vornehmerer Bewerber sich dir nahte, du mich aufgabst und unser Verlöbnis löstest. Die Aussicht auf ein glänzendes und luxuriöses Leben in einem Palast und an der Seite eines Prinzen erschien dir verlockender als eine bürgerliche Häuslichkeit."
,, Du vergißt dein unerträgliches Temperament und deine grundlose Eifersucht, mit der du mich immer quältest," unterbrach Paula jetzt ihren ehemaligen Verlobten.„ Das war für mich der Grund zur Trennung! Ich wollte nicht deine Sklavin sein!"
„ Ich vergesse nichts," brauste Aleris auf, das sind nur leere Ausreden. Allerdings protestierte ich einmal, und mit Recht, gegen die Annahme eines zu kostbaren Schmuckes von seiten des Prinzen. Dieses rief den unerquicklichen Streit zwischen uns hervor. Aber das lag ja in deiner Absicht. Du hobst also die Verlobung auf und betrogſt mich um mein Erbteil."
Mit blitzenden Augen und zorngeröteten Wangen sprang Paula auf:„ Ich will dein Bettelgeld nicht!" rief sie entrüstet. " Ich wollte es dir schon längst zur Verfügung stellen und
,, Du kannst nicht wieder gut machen, was du getan," unterbrach Aleris sie, es ist zu spät."
Aber vor weiteren Beleidigungen kann ich mich schützen," sprach Paula erregt, und sie war im Begriff, an den Klingelzug zu eilen. Alexis kam ihr jedoch zuvor, hielt seine ehemalige Braut am Arm fest und sagte:„ Erst muß du alles erfahren. Du siehst die Wahrheit für eine Beleidigung an."
Du kannst nicht wieder auslöschen, was du getan. Geld hat überhaupt für mich keinen Wert mehr, denn wo ich hingehe, bedarf ich dessen nicht. Denn wenn ich dieses Haus verlasse, gehe ich in den Tod!"
Paula schaute bestürzt und verwirrt empor. Der furchtbare Ernst, der in Alexis' Worten lag, machte sie stutzig und ließ sie an die Wahrheit derselben glauben. Ruhig fuhr Aleris fort: " Daß ich dich heute abend noch einmal aufsuchen konnte, verdanke ich nur einem Zufall. Als du mich vor einem Jahre so herzlos und schnöde verließest, packte mich eine grenzenlose Wut gegen den Prinzen. Auch gegen dich! Während meiner Studienzeit war ich eine Art Freigeist und ein etwas überspannter Schwärmer geworden. Ich gefiel mir darin, mit einigen Gesinnungsgenossen gegen die bestehenden Staatseinrichtungen zu agitieren und für
5
Reformen zu schwärmen. Als ich dich aber lieben lernte und du vorgabst, meine Gefühle zu erwidern, wurde ich ein anderer Mensch. Deine Liebe übte einen mächtigen Einfluß auf mich aus. Ich begann die Welt mit anderen Augen anzusehen. Nach und nach sagte ich mich von meinen politischen Freunden und ihren wilden Ideen los. Du hattest mich damals gerettet; als du mich aufgabst, stürztest du mich wieder ins Unglück und dem Verderben in die Arme. Nachdem du mich verlassen, suchte ich die alten Kameraden von neuem auf. Ihre Bestrebungen hatten inzwischen große Fortschritte gemacht und die zahlreichen Feinde der Regierung sich zu einer weitverzweigten Vereinigung organisiert.
Ich wurde bald in das geheime Komitee aufgenommen und durch einen Eid verpflichtet, jeden mir gegebenen Auftrag auszuführen. In meiner Verblendung und Weltverachtung ging ich auf alles ein. Zu spät erkannte ich erst meine Unbesonnenheit!" Aleris hielt einen Augenblick inne und starrte wie geistesabwesend vor sich hin. Paula saß wie versteinert da. Eine schreckliche Angst hatte sich ihrer bemächtigt. Das Blut hämmerte wild gegen ihre Schläfen, sie aber war unfähig sich zu rühren. Alexis begann wieder:" Es wurde bestimmt, zwei von uns sollten eine hohe Persönlichkeit umbringen und das Los darüber entscheiden. Ich zog das betreffende Los. Der Anschlag galt dem Prinzen Ramiroff, deinem Verlobten!"
Vor Paulas Augen begann sich alles im Kreise zu drehen. Der Gedanke durchzuckte ihr Hirn, daß Alexis gekommen war, um den Prinzen hier zu erwarten und umzubringen. Sie wollte aufspringen und ihn warnen, ihr Körper war jedoch wie gelähmt. Machtlos saß sie da.
Aleris erriet ihre Gedanken, aber ihre wahnsinnige Angst schien ihm eine große Genugtuung zu bereiten, und erst nach einer längeren Pause fuhr er fort:
„ Sollte der erste Anschlag mißlingen, so hatte ich den zweiten zu unternehmen. Mein Genosse hatte nicht den Mut, die Tat auszuführen. Er suchte zu entfliehen und mußte seinen Wortbruch mit dem Leben bezahlen. So war die Reihe an mir! Heute war der Tag, der für das Attentat bestimmt wurde. Ich war fest entschlossen, mein Wort zu halten, und erwartete das prinzliche Gefährt auf dem„ Börsenplate". Schon hatte ich die tödliche Bombe bereit, da bemerke ich dich an der Seite des dem Tode Geweihten- und dahin war mein Mut. Dein Anblick erinnerte mich an meine Mutter und das ihr auf dem Sterbebette gegebene Versprechen: dich ewig zu beschützen.- Der Prinz verdankt dir sein Leben, ich aber habe mein Wort gebrochen und muß daher mit meinem Leben dafür büßen. Ein Mann, ein Wort! Freiwillig gehe ich heute nacht in den Tod, deinetwegen!"
um
Fassungslos starrte Paula ihren ehemaligen Verlobten an. Sie schien das Ungeheuerliche in seinen Worten zuerst nicht zu erfassen, dann aber kam Leben in die regungslose Gestalt. Sie sprang auf, stürzte Alexis zu Füßen und hielt die diamantengeschmückten Hände bittend zu ihm empor.
" Sabe Erbarmen, Aleris!" flehte sie,„ du darfst dieses Haus jetzt nicht verlassen. Ich habe verblendet und leichtsinnig gehandelt, aber glaube mir, ich habe nur dich geliebt, und ich liebe dich noch heute. Ich weiß, ich bin ehrgeizig und egoistisch gewesen, aber nicht schlecht. Niemals habe ich dich betrügen wollen. Ich will alles rückgängig machen und dir für immer angehören. Habe Erbarmen, Alexis, habe Erbarmen!"
Aleris wehrte ab, blaß, aber ruhig.
" Ich glaube dir nicht," sagte er.„ Und merke dir: Wenn man mich längst vergessen hat, dann magst du meiner noch gedenken, und dein Gewissen soll dir sagen: Ich habe undankbar und schamlos an ihm gehandelt und ihn ins Unglück gestürzt!" Wie vernichtet lag Paula zu seinen Füßen. Ihr Stolz und Hochmut waren dahin. Noch einmal wimmerte sie:„ Sabe Erbarmen! Lebe für mich!"
Aleris wehrte sie abermals ab und schüttelte den Kopf. 3u spät!" erwiderte er. ,, Leb' wohl!"
Paula wollte sich erheben und ihm nachstürzen. Sie wurde jedoch plötzlich vom Schwindel ergriffen. Alles begann sich um sie herum zu drehen, vor ihren Augen zogen sich feurige Kreise hin, die Möbel nahmen riesengroße Dimensionen an, und bewußtlos sank sie zu Boden.
Als Paula von Ranowska aus ihrer Ohnmacht erwachte, war sie allein. Langsam erinnerte sie sich des Geschehenen. Sie brach in Tränen aus, und die Hände vor das Gesicht schlagend, stöhnte sie: 3u spät!"
Als der Prinz eintraf, um seine Braut zum Ball beim Großfürsten abzuholen, lag diese in wilden Fieberphantasien, und einige Tage später, nachdem Aleris sang- und klanglos begraben war, wurde auch Paula von Renowska zu Grabe getragen.
Sechs Monate später setzte auch eine Kugel dem Leben des Prinzen Ramiroff in Südrußland, wohin er auf seinen Wunsch als Gouverneur versetzt war, ein Ziel. Der dritte Mann hatte seinen Eid gehalten.
lekter


