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Diebstahl diplomatischer Schriftstücke?

Der Hamburger Spion und der Diebstahl beim

Reichskanzler.

Eine überraschende Nachricht geht der Berl. Morgen­post" zu, die, wie das Blatt erklärt, auf ihre Richtigkeit bin nicht nachgeprüft werden konnte, aber infolge des Dun­els, das noch immer über dem Juwelendiebstahl im Reichs­fanzlerpalais schwebt, und durch die verschiedenen Versio­nen, die über den Diebstahl in die Oeffentlichkeit gedrungen Rind, nicht jeder Wahrscheinlichkeit entbehrt. Die Meldung lautet:

Die Verhaftungen in der Hamburger Spiona= geaffäre, die die Polizei von Anfang an nicht wahr haben wollte, und über die sie die Oeffentlichkeit in völligem Dunkel hielt, scheinen auf ganz anderer Grundlage erfolgt zu sein, als man zuerst annahm. Es soll sich nämlich her­ausgestellt haben, daß die Verhaftung des englischen Schiffsmaklers Schulz nichts mit Werftspionage zu tun hat, daß sie vielmehr mit dem am 10. März entdeckten Juwe= lendiebstahl im Berliner Reichskanzlerpas Y'a'i's im Zusammenhang steht. Bei dieser Gelegenheit sol= len Schriftstücke von hohem diplomatisch e m Wert en t'w'e'n'd'et worden sein. Schulz, der aus einer norddeutschen Familie stammt, ist, wie bereits gemeldet, na­turalisierter Engländer. Er unterhielt mit vielen deut­fchen Marineoffizieren gesellschaftliche Beziehungen. Da­durch ist wahrscheinlich der Verdacht entstanden, daß die Ver­Haftung wegen Spionage auf den Werften erfolgt set.

Von einem Diebstahl im Reichskanzlerpalais erfuhr die Deffentlichkeit zuerst am 10. März. Damals hieß es, der Diebstahl set schon vor einigen Tagen verübt worden. Die gestohlenen Schmuckgegenstände hätten nur den ge= ringen Wert von 2000 Mart gehabt und wären das Eigen­tum der Schwägerin des Reichskanzlers, man sei auch schon dem Täter auf der Spur. Später, als der verhältnismäßig geringe Wert der Schmucksachen auffiel, hörte man, das ge­ftohlene Gut gehöre einem Bediensteten im Reichskanzler­palais. Dann hörte jede Nachricht über die polizeilichen Ermittlungen auf.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Ueber den Aufenthalt des Kaiserpaares in Venedig meldet uns der Draht: Seine Majestät der Kaiser hielt Sonntag vormittag den Gottesdienst an Bord der Hohen­follern ab. Mittags folgte der Kaiser in Begleitung des Fürsten Fürstenberg und des Oberhofmarschalls Grafen zu Eulenburg einer Einladung des Grafen und der Grä­fin Papadopoli zur Tafel. Prinzessin Viktoria Luise be­sichtigte Sonntag mittag einige Sehenswürdigkeiten in der Stadt.

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Gewerkschaften erstattet in deren Zentralblatt den Be­richt für das Jahr 1910. Danach haben die christlichen Ge­werkschaften dieses Jahr mit einem Zuwachs von 30 000 bis 35 000 Mitgliedern abgeschlossen. Die Einnahmen des Gesamtverbandes stellten sich auf rund 118 000 M, die Aus­gaben auf rund 100 000 M, sodaß ein Bestand von rund 18 000 verbleibt. Der Ausschuß legt in dem Bericht ein lebhaftes Bekenntnis zugunsten der Tarifverträge zwi­schen Unternehmern und Arbeiterorganisationen ab.

Einen Gesegentwurf für das Verdingungswesen im Deutschen Reich hat ein Ausschuß des Hansabundes ausge= arbeitet. In private Rechsbefugnisse will die Vorlage nicht eingreifen. Freihändige Vergebungen sind darin an eine Grenze von 5000 M( bei Arbeiten für nicht hand­mertsmäßige Betriebe), von 1000 M bei anderen geknüpft. Auch das Zuschlagswesen soll zugunsten der Gewerbetrei­benden reformiert und namentlich die Vertragsstrafen fest­gesetzt werden.

Zur Verleihung des Generalsranges an den Reichs­fanzler von Bethmann Hollweg dürften folgende Anga­ben von Interesse sein: Der Reichskanzler bekleidete bis­her den Rang eines Majors und trug als solcher die Uni­form des 1. Gardedragonerregiments. Herr von Beth­mann Hollweg hat seiner Dienstpflicht bei dem 1. Garde­dragonerregiment genügt, war dann kurze Zeit Reserve­offizier dieses Regiments, später als Landrat des Kreises Oberbarnim und Präsidialrat in Potsdam Premierĭeut­nant der Gardelandwehrkavallerie 2. Aufgebots. Jahre 1900, nach der Ernennung zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, wurde er als Rittmeister unter Verleihung der Berechtigung zur Tragung der Landwehr­uniform verabschiedet. Daß Herr von Bethmann Hollweg jemals eine Kavalleriebrigade kommandiert, ist natürlich ausgeschlossen, ebenso wenig wie Fürst Bismarck, der als Einjähriger bei den Gardejägern in Potsdam gestanden hatte, militärisch jemals die Halberstädter Kürassiere be­fehligt hat, deren Uniform er trug. Die Verleihung des Generalsranges an Reichskanzler erfolgt lediglich deshalb, um ihnen, wenn sie bei gewissen Gelegenheiten in Uni­form zu erscheinen haben, die ihrer Würde entsprechende Stellung innerhalb der Etikette zu geben; der leitende Staatsmann fann nicht gut vor irgend einem Flügeladju­tanten die Hacken zusammenschlagen.

Die Errichtung einer Zentralstelle für die Begutach= tung von Nahrungs- und Genußmitteln in Berlin hat das Reichsamt des Innern beschlossen. Damit ist einem in Interessentenkreisen lange gehegten Wunsche entsprochen

werden.

Die Lage an der russisch- chinesischen Grenze soll nach Pelinger Meldungen sehr ernst sein. Man glaubt, wenn China sich nicht innerhalb der festgesetzten Frist bedingungs­los auf der Standpunkt der russischen Note vom 16. Feb­ruar stellt, werde Rußland Zwangsmaßnahmen ergreifen, die bereits vorbereitet seien. In der Petersburger Presse heißt es, die russische Diplomatie habe endlich das längst notwendige Wort gesagt. Jetzt sei die Reihe an der chine­sischen Regierung, auf der die letzte Verantwortung liege. Rußland könne nur sagen, daß seine Sache gerecht sei. Die Presse gibt ferner der Hoffnung Ausdruck, daß Entschlossen­heit schneller zum Ziele führe als das Lallen der Diplo­matie. Krieg im Sinne einer Revanche liege nicht im russischen Interesse, wenn der Krieg aber ausbreche, so müsse der Schlag gegen China schnell und energisch sein.

Zur Ausführung des Zuwachssteuergesetzes bringt die N. A. 3." eine offiziöse Mahnung an die Gemeinden: " Mehrere der Gemeinden, die nach§ 60 Abs. 2 des Zu­wachssteuergesetzes vom 14. Februar d. J. befugt sind, die Belassung ihrer bisherigen Zuwachssteuersatzung beim Reichskanzler zu beantragen, halten mit der Stellung sol­cher Anträge zurück, bis sie die Ausführungsbestimmungen zum Geseze oder die Festsetzung des Durchschnittsertrags durch den Bundesrat erfahren oder ihre Gemeindevertre= tungen befragt haben. Diese Gemeinden gehen von un­zutreffenden Voraussetzungen aus. Anträge auf Belas­sung der bisherigen Sagung fönnen, soweit ste überhaupt aussichtsvoll erscheinen, nur dann berücksichtigt werden, wenn sie vor dem 1. April d. J. vorbehaltlos gestellt und bei dem Reichskanzler eingegangen sind."

Der Ausschuß des Gesamtverbandes der

christlichen

Das Familiengeheimnis.

Schluß.

Roman von L. Walter. ( Nachdruck verboten.)

Die Freundschaft" zwischen Amerita und Japan ist in einem Depeschenwechsel zwischen dem Präsidenten Taft und dem Kaiser von Japan betont worden. Aus Washing­ton wird nämlich gemeldet: In Beantwortung einer Mit­teilung des Präsidenten Taft an den Kaiser von Japan, in der Taft versichert, daß er den wilden Gerüchten, die über die Absichten Japans inbezug auf Mexiko zirkulier­ten, feinen Glauben beimesse, ist eine Depesche des Kaisers von Japan eingegangen, die besagt, daß der Kaiser bereits überzeugt gewesen sei, daß Taft diesen bösen falschen Ge= rüchten über Japan feinen Glauben geschenkt habe und in der er seinerseits die Versicherung der Freundschaft zwi­schen den beiden Nationen aufs wärmste erwidert.

Und so geschah es auch. Als Horn von der wunderbaren Fügung der Dinge hörte, brach er in Trä­nen aus. Es gibt doch ein Gewissen," rief er und das Gewissen ist das Werkzeug der Vorsehung. Später habe auch ich Ihnen Eröffnungen zu machen."

Der Advokat erschien zur verabredeten Stunde und begab sich mit seinem Klienten zu Junker. Sie fanden den jungen Mann bleich und abgehärmt in seinem Zim­mer, dennoch hörte er ruhig den Vortrag des Rechts­anwalts an. Nun öffnete er die Tür des Nebenzimmers und ließ die Gäste eintreten. Apathisch zog er die Vor­hänge des Betts zurück. Eine Leiche lag in den weißen Kissen... es war Cäcilie.

Kleine Nachrichten.

Prinz Adalbert von Preußen, der vor kurzem eine Blinddarmentzündung überstanden hat, hat sich zur völlt= gen Wiederherstellung seiner Gesundheit zu mehrwöchigem Aufenthalt nach St. Moritz begeben.

Militäranwärter und Abiturient. Der aus Goslar ge­bürtige Sergeant Muhs von der ersten reitenden Batterie des Hannover. Feldartillerie- Reg. Nr. 10( v. Scharnhorst), der seine zwölfjährige Militärdienstzeit nahezu vollendet hat, bestand jetzt an der Oberrealschule zu Celle das Abi­turienteneramen.

,, Meine Frau ist diese Nacht an den Folgen der schreck­lichen Krankheit gestorben, die so viel Jammer und Elend angerichtet hat. Ihre lette Bitte war: Rette die Ehre meines Vaters! Du bist mein Universalerbe" Nach­dem sie mein Versprechen empfangen, daß ich alles tun werde, was möglich sei, verschted sie, ein Lächeln der Dankbarkeit auf den Lippen. Meine Herren, ich bin Of­fizier gewesen, und werde es wiederum werden; ein Df­fizier hält sein Wort... ich rette die Ehre meines Schwiegervaters. Erwarten Sie in den nächsten Tagen meinen Rchtsanwalt."

Der Dichter Martin Greif, der im Kufsteiner Kranken­haus Aufnahme gefunden hat, ist so schwer an der Wasser= sucht erkrankt, daß die Aerzte an einem Aufkommen des Dichters zweifeln.

Die beiden Männer verließen erschüttert das Haus her Trauer. Wilhelm Junker kniete nieder, bedeckte die ftarre, lilienweiße Hand seiner toten Gattin mit Küssen und fragte unter Schluchzen: Bist Du zufrieden, Cä­cilte?"

Kempen zur Laft gelegt. Sie beziehen sich auf Betrug, Un­terschlagung im Amte, Urkundenfälschung und Konkursver­gehen. Die von Guenter veruntreute Summe ist auf 277500 Mark festgesetzt worden. Das Krefelder Schwurgericht wird sich am 24. April mit dieser Angelegenheit beschäftigen.

Eine Vier- Millionen- Stiftung hat der bekannte Milliar­där Carnegie der japanischen Universität Wasada in Tokio vermacht. Diese Schenkung ist damit begründet, daß Graf Okama, der Gründer der Universität, wiederholt für den Frieden eingetreten ist.

Der Kampf gegen die Hutnadel ist jetzt auch vom Stadt­rat in Leipzig aufgenommen worden, aber nicht nur in Form einer wohlmeinenden Mahnung, sondern eines Ver­bots mit Strafandrohung.

Ein verhängnisvoller Zwischenfall am Altar ereignete sich während eines Passionsgottesdienstes in der Schloß­kirche zu Cüstrin. Der Schloßpfarrer Busse kam den Altar­ferzen mit seinem Talar zu nahe, so daß dieser auf dem Rücken zu brennen begann, ohne daß es der Geistliche selb wahrnahm. Nur durch das schnelle Eingreifen eines Man= nes, der in der Nähe stand, wurde ein schweres Unglück ver­hütet. V. erhielt nur leichte Brandwunden.

Neuer Winter im Rheinland. Im gesamten mittel­rheinischen Gebiet ist am Sonntag starker Schneefall ein­getreten. Im bergischen Lande liegt der Schnee einen hal­ben Meter hoch. Auch im Ruhrgebiet herrschte heftiger Schneesturm.

Einen graufigen Fund machten Erdarbeiter beim Bahn­bau der elektrischen Bahn Bonn- Honnef. Bei den Ausschach­tungsarbeiten wurde eine Kiste ausgegraben, die ein menschliches Skelett enthielt. Wahrscheinlich hat man es mit den Ueberresten eines seit einigen Jahren vermißten Satt­lers zu tun, der auf geheimnisvolle Weise plötzlich ver­schwand.

Ein humorvoller Uhrendieb. Im neuen bayerischen Verkehrsministerium blieben kürzlich in allen Räumen die elektrischen Uhren stehen. Die Mutteruhr, die den Gang aller anderen treibt, war gestohlen worden. An ihrer Stelle prangte ein Bettel mit den höhnischen Worten: Dem Glück­lichen schlägt feine Stunde!"

Bei einem großen Fabrikbrande in Milwaukee( Nord­amerita) stürzten vier Feuerwehrleute von einem Dache in die Tiefe und kamen in den Flammen ums Leben. Nur die verkohlten Leichname konnten geborgen werden. Vier­zehn weitere Feuerwehrleute erlitten schwere Brand­wunden.

Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich am Sonn­abend im Staate Georgia( Nordamerika). Bet dem Passie= ren einer Brücke entgleisten von einem Schnellzuge in der Nähe von Dcilla fünf Wagen. Vierzig Reisende wurden getötet.

Ein Eisenbahnunfall, der leicht böse Folgen hätte haben können, hat sich am Sonnabend abend vor dem Duisburger Hauptbahnhof ereignet. Der Eilzug Berlin- Köln fuhr dem nach Mülheim- Ruhr ausfahrenden Personenzug in die Flanke. Beide Lokomotiven und ein Wagen entgleisten. Personen sind nicht verletzt. Die Ursache des Unfalls ist ein Signaldefekt infolge des herrschenden Sturmes.

128 strafbare Handlungen werden dem in Krefeld in Untersuchungshaft sißenden Notar Werner Guenter aus

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Vor der Fremdenlegion bewahrt. Auf dem Wege nach Frankreich wurde der 16 Jahre alte Gehilfe Stössin aus Rathenow in Berlin festgenommen. Der junge Mensch hatte schon immer den Wunsch ausgesprochen, in die Frem Senlegion einzutreten, und er wollte seinen Plan jetzt auch zur Ausführung bringen. Er entwendete seinem Vater 200 Marf und machte sich auf die Fahrt nach Frankreich. Aber bereits in Berlin sollte die Reise eine unliebsame Unterbrechung finden. Der junge Mensch wurde von der Polizei aufgegriffen und wieder nach Rathenow zurückge­bracht.

Ein frivoler Scherz". Aus Paris wird berichtet: Herr und Frau Ganthes, die in Antibes in einer Villa wohnen, erhielten vorgestern ein Telegramm, das mit ,, Carree"( dem Leiter der Pariser Komischen Oper) unter­zeichnet war und lakonisch den Tod ihrer einzigen Tochter meldete, die Sängerin an diesem Theater ist. Von Schmerz ergriffen, machten sich die Eltern sofort nach Paris auf und begaben sich in die Wohnung ihrer Tochter. Zu ih rer maßlosen Ueberraschung trafen sie aber die junge Dame wohl und munter an. Es hatte sich also um eine gefälschte Depesche gehandelt, die irgend jemand aus Rache oder in anderer unlauterer Absicht abgeschickt hatte. Ganthes hat eine Klage wider Unbekannt eingereicht.

Ein Bärenidyll fonnte man an einem der letzten Tage im Bärengraben in Bern beobachten. Einer der kleinen vorjährigen Mutzen hatte sich in Kletterübungen versucht und war auf einer der im Bärengraben eingepflanzten hohen Tannen fast bis zum Wipfel emporgeklommen. Der starfe Wind brachte den Baum zum Schwanken, und nun bekam unser junger Mutz Angst. Höher konnte er nicht, herunter wagte er sich nicht, und da hob er ein schauder­haftes Gebrüll an; denn ein Fehltritt beim Abstieg aus dieser Höhe hätte ihm auf dem harten Steinboden den sicheren Tod gebracht. Seine Bärenkameraden sahen die Situation, fletterten einige Meter am Baume hinauf und wieder hinunter. Da wagte es die Bärenmutter, hinauf­zuklettern, und es gelang ihr, ganz vorsichtig bis zu dem oben in Gefahr befindlichen Jungen zu kommen. Erst ver­suchte sie, den Kleinen mit den Tagen herunterzuholen, und als dies nicht gelang, zog sie ihn mit dem Maul her­unter und brachte ihn unter lautem Jubel der Menschen­menge, die sich nach und nach angesammelt hatte, sicher aus der Gefahr, so daß er den Rest selber hinabklettern fonnte. Gleichsam als wollte sie den übermütigen Klet­terer für seine Waghalsigkeit bestrafen, versetzte sie ihm am Boden einige Male recht derbe Tatenschläge. Die Szene war ergözlich und hätte eine gelungene finemato­graphische Aufnahme gegeben.

Nachmittags beschied Karl Halling den ersten Kom­mis in sein Kabineit. Das Geheimbuch lag vor ihm auf­geschlagen. Schwarz", sagte er streng, Sie sind ein Schurke!" Der Kommis erbleichte; doch wollte er auf­fahren. ,, Verteidigen Sie sich nicht," fuhr der junge Chef fort; ich bringe Ihnen einen Zeugen, der gesehen, daß Sie diese Notiz in das Geheimbuch meines Vaters ge= schrieben, um zugunsten meiner Tante einen Betrug zu begehen, daß Sie das Buch in jenen Schrank geschlossen, den Schlüssel in der Eile behalten haben, durch den Hof über den Hausflur zu dem franken Chef gegangen sind und ihm, der sie sterbend darum gebeten, den Schlüssel überreichten. Ihnen bleibt die Wahl zwischen offenem Bekenntnis und Gefangennahme... Im ersteren Falle werde ich schweigen aus Rücksicht auf meine Tante, der Sie die Ehe versprochen, obgleid ein armes, aber braves Mädchen, das Sie bereits durch Ihre Untreue unglücklich gemacht, der Erfüllung desselben Versprechens harrt Leugnen Sie hartnädig, so überliefere ich Sie rücksichtslos dem Kriminalgericht, das den Tatbestand sicher ermitteln wird. Bekennen Sie, und ich gebe Ihnen zugleich einen Brief zurück, den Sie an den Agenten Rudolphi geschrie ben und der den Beweis liefert, daß Sie Ihrem Wohl­täter, meinem guten Vater, als Sie noch Lehrling waren, ein Dokument gestohlen und dafür einen Judaslohn von einigen Goldstücken erhalten haben, den Sie durch aus­gesprochene Drohungen zu vervielfältigen gesucht. Ren= nen Sie diesen Brief?"

Karl zeigte den Brief, den er in dem Taschenbuche Rudolphis vorgefunden hatte. Dieses corpus delikti schleu= derte er vor dem listigen Betrüger nieder; er griff zitternd nach dem Briefe, bekannte seine Frevel und bat um Ver­zeihung. Er war es also, der Halling das Doku­ment gestohlen, jenes Dokument, das Halling die

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Ein verfrühter Aprilscherz. Der Inhaber eines 3i­garrengeschäftes in der Oranienstraße in Berlin hatte sich selten eines so starken Besuches zu erfreuen wie gestern vormittag. Um 7 Uhr, kurz nach Oeffnung seines Ladens, famen die ersten Kunden und jeder brachte einen ganz sonderbaren Gegenstand mit ein Vogelbauer. Die Ver­anlassung hierzu war ein Inserat, nach dem in dem Zi­garrengeschäft ein Papagei verschenkt werden sollte. Be­dingung war: Bauer mitbringen." Die Reflektanten, alle mit einem mehr oder minder großen Käfig bewaffnet, waren so zahlreich, daß bald die Nachbarschaft darauf auf­merksam wurde, den Laden umlagerte und jeden, der sich

Wiedererlangung der in demKonkurs Rudolphi verlorenen 120 000 Taler zusicherte. Zugleich versicherte er, daß Sel­ma alle Geschäftsgeheimnisse ihres Bruders tenne und längst darauf gesonnen habe, sich einen Teil seines Ver­mögens anzueignen. Er fügte sich auch und gab auf Ver­langen ein schriftliches Bekenntnis seine Schuld, das der Kassierer Horn mit unterzeichnete. Dann ward er auf der Stelle entlassen. Man hat nie wieder von ihm ge­hört. Horn übernahm es, mit Gelma zu verhandeln. Er legte ihr das Schuldbekenntnis des Geliebten vor, teilte ihr mit, daß er, der treulose Kommis, bereits eine Ge­liebte habe, und forderte sie auf, die Klage zurückzuneh­men, da der junge Chef der Firma nicht beabsichtige, die Schwester seines verstorbenen Vaters, die doch nur aus Verblendung übel gehandelt, unglücklich zu machen. Selma war einer Ohnmacht nahe; sie fügte sich fast willenlos und bat unter Tränen den alten Kassierer des Hauses, er möge die Folgen ihrer Uebereilung vernichten, denn sie habe den schändlichen Schwarz wirklich geliebt. Horn fündigte ihr sofort an, daß der Neffe ihr eine kleine Pension zu zahlen bereit sei. Denselben Abend noch reiste sie zu einer Freundin, die auf dem Lande wohnte, und dort blieb sie. Die Pension, die regelmäßig gezahlt wurde, schützte ste vor Not und Entbehrung. Als das Trauerjahr vorüber war, führte Karl seine Braut heim. Frau Bauer, die rüstige Witwe, übernahm die Leitung des Haushalts. Die Firma Friedrich Halling" gedieh bald wieder zu der frü­Heren Blüte und der brave Sohn erfreute sich desselben Bertrauens in der Geschäftswelt, das der Vater genossen.

Wilhelm Junker, der in den Militärdienst zurückge­treten, starb den Tod des Helden in Schleswig- Holstein. Sein immer noch beträchtliches Vermögen hatte er vor dem Feldzuge einer Offiziers- Witwenkasse vermacht.

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