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mit einem Bauer, Korb oder auch nur mit einer Tasche sehen ließ, stürmisch begrüßte. Es dauerte lange, bis sich alle Freunde von geschenkten Papageien überzeugen lie­Ben, daß fie ebenso wie der unglückliche Bigarrenhändler einem Wigbold zum Opfer gefallen waren.

Ein Meisterstück der Chirurgie. Mit lebhafter Span­nung verfolgt man gegenwärtig in Neuyork das Werk der Chirurgen vom St. Johns- Krankenhaus, die es sich zum Ziele gesetzt haben, einem Patienten durch langwierige und komplizierte Haut- und Muskeltransplantationen ein Der Patient, der Ti­völlig neues Gesicht zu schenken. mothy Martin heißt, fiel vor einigen Monaten mit dem Kopf zwischen die Zahnräder einer Maschine und erlitt die furchtbarsten Verlegungen. Nase und Mund wurden germalmt und fortgerissen, und als man den Besinnungs­losen ins Krankenhaus brachte, zweifelte man an seinem Aufkommen. Er konnte weder sprechen noch essen. Aber Martin trotte dem Tode und bewies eine so überraschende Lebenskraft, daß bei den Chirurgen die Frage auftauchte, ob man nicht versuchen solle, ihm auf fünstlichem Wege wenigstens die Menschenähnlichkeit zurückzugeben. Die Aerzte entschlossen sich zu dem Wagnis. Die erste Auf­gabe war die Schaffung eines neuen Mundes. Mit un= endlicher Geduld begann die Arbeit, Stück um Stüd setzte man Haut- und Muskelstränge an die formlose Wunde an, bie Muskeln wurden mit den übriggebliebenen Gesichts­muskeln verbunden. Der Prozeß des Anwachsens vollzog sich sehr langsam, aber nach und nach gewannen die an­gesetzten Muskeln an Kraft, der Patient lernte sie be­nuken, und nach einigen Monaten war er imstande, wie­ber zu sprechen. Von anderen Körperteilen wurden dann Hauttransplantationen vorgenommen, und die Operation ist so ausgezeichnet gelungen, daß man bei der unteren Ge= sichtshälfte nur an wenigen Narben die Spuren chirur gischer Arbeit erkennt. Die schwierigste Aufgabe stand aber noch bevor: der Bau" einer neuen Nase. Damit wurde am letzten Montag begonnen. Der linke Arm des Patienten wurde heraufgebogen und an der linken Seite des Gesichts befestigt. Die Aerzte entfernten dann den Nagel des fleinen Fingers, schlitten den Finger der Länge nach auf und setzten das freigelegte Fleisch auf die Höh­lung des Gesichtes, in der früher die Nase gewesen war. Der kleine Finger soll hier festwachsen. Wenn die Ver­bindung start genug ist, wird er amputiert. Dann wer­den die Aerzte wiederum durch Hauttransplantation ver­suchen, die Form des angewachsenen Gliedes einer Nase möglichst ähnlich zu machen. So wird aus Neuyork gemel­det, sogar mehrfach, und vielleicht ist es auch so, aber heillos amerikanisch klingt die ganze Geschichte doch.

Kleine Ursachen, große Wirkungen. Die friedliche Stadt Pupelo in Mississippi steht vor dem Ruin. In den letzten zwei Jahren ist mehr als die Hälfte der Bevölke rung plöglich fortgezogen. Warum? Was ist die Ursache dieser jähen Entvölkerung? Die Ursache ist ein reizendes helles Sommerkleid der Frau Bürgermeisterin. In diesem Kleide kam die Gattin des Stadtgewaltigen eines schönen Frühjahrstages vor drei Jahren in den Bahnhof, wo ge= rade eine Lokomotive manöverierte. Rauchwolken stiegen auf, Ruß schwirrte durch die Luft, und mit der Schönheit der Frühjahrstoilette der Frau Bürgermeisterin war's zu Ende. Ein Schadenersatzprozeß folgte, aber als die Klä­gerin abgewiesen wurde, setzte der Bürgermeister es im Stadtrate durch, daß eine Bestimmung erlassen wurde, die bie Entwickelung von Rauch, Ruß oder Funken im Stadt­gebiet verbot. Die Eisenbahn verlegte schließlich, um den angedrohten schweren Strafen zu entgehen, den Bahnhof aus der Stadt. Dem Bahnhofsgebäude aber folgten na­türlich die Verwaltungsgebäude und Werkstätten. Damit wurden die Arbeiter und Beamten wiederum gezwungen, in die Nähe zu ziehen; die Leute verließen Pupelo und zogen in die Arbeiterwohnungen, die die Eisenbahn dicht am neuen Bahnhof errichtet hatte. Heute zählt Pupelo weniger als die Hälfte der Einwohner von vor zwei Jah­ren, und die Auswanderung dauert noch fort, doch der Bürgermeister ist ein Trotzkopf und will au chjetzt noch nicht nachgeben.

10 000 Selbstmorde in fünf Jahren, das ist das Ergeb­nis einer Statistik, die die Petersburger Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege soeben über die Selbstmorde in der russischen Residenz für die Zeit von 1906 bis 1910 veröffentlicht hat. Diesen Mitteilungen sind nur die offi= ziellen Angaben zu Grunde gelegt, in Wirklichkeit ist die Zahl der Selbstmordversuche bedeutend größer, da viele nicht zur Registrierung gelangten. 5592 der Personen, die Selbstmordversuche begingen, nahmen zu einem Gift ihre Zuflucht, wobei Essigessenz bevorzugt wurde. Die meisten Selbstmorde werden in der falten Jahreszeit verübt und die fleinste Zahl entfällt auf den Sommer. Sehr häufig wenden die Selbstmörder verschiedene Mittel zur Errei­chung ihres Zieles an: sie nehmen Gift und werfen sich darauf durch das Fenster auf die Straße oder stürzen sich ins Wasser. Die Ursache der Kinderselbstmorde hängt in den meisten Fällen mit grausamer Behandlung von sei­ten der Eltern oder Arbeitgeber und mit Heimweh zu­sammen.

Ein deutscher Prinz in der Fremdenlegion? Der be­fannte Orientreisende Artbauer erzählte jüngst in einem Vortrage in Wien über die französische Fremdenlegion, die er sehr genau fennt, sehr viel interessante Einzelheiten, von denen manche mit Rücksicht auf die jüngsten Erörterungen Interesse erregen dürften. Von besonderer Bedeutung ist die Mitteilung, die als authentisch gelten darf, daß vor nicht langer Zeit ein deutscher Prinz in der Fremdenlegion diente. Er hatte natürlich nicht seinen alten fürstlichen Namen beibehalten, sondern hatte sich in die Listen unter dem Namen August Friedrich Nornemann als Fremden­legionär einschreiben lassen. Ob ihn irgend ein dunkles Vorkommnis dazu zwang, in dieser furchtbaren Armee, welche in dem fieberschwangeren Boden Afrikas eine trau= rige Arbeit verrichtet, Dienst zu nehmen, oder ob es nur die Sucht nach romantischen Abenteuerr war, die viele Jünglinge zu dem unbesonnenen Schritt verleitet, das fonnte der Gelehrte nicht feststellen, da der Prinz darüber Schwieg. Ja, in der ganzen Fremdenlegion ahnte kein Mensch, wer dieser Nornemann eigentlich war. Man hielt thn für irgend einen desertierten Deutschen, der hier Zu­flucht gesucht hatte. Trotzdem sollte der Schleter des Ge­heimnisses bald gelüftet werden. Der junge zarte Prinz fonnte die Strapazen und die Fieberatmosphäre nicht ver­tragen. 3wet Jahre hielt er mutig Stand, bis ihn im Jahre 1898 der Tod ereilte. Er starb in En- Sef- Ra. An­fangs wollte man ihn bestatten, wie alle anderen Num­mern" der Fremdenlegion, dte bei dem Ableben einfach ge­löscht werden. Ein primitives Grab wird diesen Flücht­fingen gegönnt, die zu einfachen Zahlen in der großen Le­gton herabgesunken sind. Durch Zufall fand man bei ihm Aber die hohe Abstammung dieses Fremdenlegionärs ga­ben. Der Kommandeur hielt es darum für richtiger, die Betche dieses Prinzen nicht dem Boden Afrikas zu über­geben, sondern file unter dem Gelette eines Offiziers und

zweier Korporale nach Deutschland zu schaffen und sie sei­nen fürstlichen Eltern zur Beischung zu senden. In Ham­burg nahm der Chef des Hauses die Leiche persönlich in Empfang und belohnte den Offizier und die beiden Solda­ten reichlich. Das war das traurige Ende des Lebensro­mans eines Fürsten.

Ein neuer Reklametrid. Eine Firma aus dem fashio­nabelsten Geschäftsviertel Londons, der New Bond Street, ist auf eine ganz neue Idee verfallen, thre Fabrikate unter dem fauffräftigen Publikum bekannt zu machen. Diese Firma läßt zwei ihrer schönsten Damen auf dem Ozean zwischen Europa und Amerika auf den großen Personen­dampfern hin und her fahren, und während der Fahrt kön­nen die weiblichen Passagiere des Dampfers die beiden Da­men in den neuesten und fünstlerischsten Kostümen bewun dern und werden- wie es auch gar nicht anders möglich sein kann zum Kaufen bestimmt. Die Probierdamen aus der New Bond Street erklären die Preise und neh­men Maß. Die letteren werden drahtlos an die Firma gesandt, und wenn die Passagiere von Neuyork in London eintreffen, fönnen sie bereits ihre Kostüme fertig in th= ren Hotels in Empfang nehmen. Dieser Geschäftsfniff ist neu, ein wenig teuer, aber er soll sich doch bezahlt machen.

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Eine gefahrvolle Ballonlandung.

Der Ballon Altenburg" in die Fulda gestürzt. Dem Freiballon Altenburg" vom Luftschifferklub in Altenburg ist am Sonntag in der Nähe von Cassel ein eigen­artiges Mißgeschick widerfahren. Da der Ballon bei dem herrschenden Sturm mit ungeheurer Schnelligkeit dahin­trieb und die Insassen fürchteten, bis an die Nordsee ge­trieben zu werden, beschloffen sie im Fuldatal eine Lan­dung, die aber nur mit größter Gefahr vor sich gehen fonnte. Der Ballon wurde bei dem Landungsversuch plötz­lich vom Winde wieder emporgehoben und mit allen vier Insassen in die Fulda geschleudert. Nur mit großer Mühe gelang es, diese zu retten. Ueber das Unglück werden uns folgende Einzelheiten mitgeteilt:

§§ Caffel, 27. März. Der Balloon war mit den Herren Fabrikbesitzer Richard Gerhardt- era( Reuß), einem be­währten Führer, der schon 30 Fahrten unternommen hat, Hofbuchdruckereibefizer Franz Geibel, Gutsbesizer Bret ting und Regierungsassessor Wandelt, sämtlich aus Al­tenburg, am Sonntag vormittag um 10% Uhr in Altenburg aufgestiegen. Er hatte unter Führung des Herrn Gebhardt zunächst eine günstige Fahrt. Bei stechender Sonne bewegte er sich hoch über den Nebel- und Regenwolken, und die Erkundigungen, die man wegen des Wetters bet den Stern­warten eingezogen hatte, schienen sich zu erfüllen, der schar­fe Ostwind schien nachzulassen, während die Nebel- und Re­genwollen an Stärke zunahmen, sodaß die überflogene Landschaft fast nirgends zu erkennen war. Der Ballon stteg bei der Wärme, die die Sonne ausstrahlte, immer höher, und als er nach etwa einstündiger Fahrt einem zweiten Ballon hoch oben in den Lüften begegnete, war er bereits so hoch gestiegen, daß man fürchtete, zu weit nach Westen getrieben zu werden, weshalb Anstrengungen gemacht wur­den, weiter in die Tiefe zu kommen. Mit dem zweiten Bal­Ion war eine Verständigung nicht möglich, da der starke Ostwind beide Luftschiffe mtt größter Schnelligkeit in west­Itcher Richtung trieb. Der andere Ballon verschwand den Insassen des Ballons Altenburg" in seitlicher Richtung aus dem Gesichtskreis. Da die Luftschiffer mit dem Ballon Al­tenburg" mittlerweile 240 Kilometer gefahren waren, be= schlossen sie, zu landen. Der Gasverlust var durch die stark entwickelte Wärme sehr erheblich, und da man schon sehr viel Ballas abgegeben hatte, fürchtete man, bis an die Nord­fee getrieben zu werden, wenn der Ballon noch einmal in die hohen Regionen aufsteigen würde. Die Landung ge­staltete sich ungewöhnlich schwierig, weil unterhalb der Re­genwolken zunächst die Temperatur sehr niedrig war und der Ballon infolgedessen schneller in die Tiefe hinabgleiten wollte; es wurde, um diesen schnellen Abstieg zu mildern, viel Ballast ausgeworfen und dann der erste Landungsver­such bei dem Dorfe Wahnhausen gemacht. Dieser Ver= such mißglückte; die Luftschiffer vermochten nicht, auf der Wiese zu landen und die ihnen hier zu Hilfe eilenden Leute konnten sich mit den Insassen nicht verständigen, da der hef= tige Sturmwind den Ballon ziemlich schnell in südwestlicher Richtung forttrieb. Der Führer, Herr Gerhardt, ließ nun weiterhin Ballast abgeben, bis der Ballon den bewaldeten Kragenhofer Berg passtert hatte, und er versuchte nun, den Ballon in dem Fuldatal niederzubringen. Das war auch ganz gut gelungen; der Kragenhofer Berg und die Fulda waren bereits überflogen und auf dem Wolfsanger­Ihringshäuser Wiesengebiet unterhalb der Kragenhöfer Brücke in nächster Nähe der Fulda sollte die Landung vor sich gehen. Schon hatte der Ballon einmal mit der Gondel den Boden erreicht, die Reißleine zwecks Deffnung des Gas­ventils war schon gezogen worden und man glaubte, jetzt nach einem zweiten, leichteren Stoß fest auf den Boden zu fommen, als plöglich der Sturmwind die Ballonhülle faßte, sie vom Erdboden riß und samt der Gondel mit allen vier Insassen in die Fulda schleuderte. Dabei wurde die Ballon­hülle schwer beschädigt; die Gondel drehte fich in der Luft und tippte beim Aufschlagen auf das Wasser so um, daß Regierungsaffessor Wandelt- Altenburg unter die Gon del gequetscht und in das Wasser gedrückt wurde. Dabei er­litt er einen komplizierten Knöchelbruch am linken Fuß, der ihn vollends seiner Bewegungsfreiheit beraubte. Die übri­gen Insassen mühten sich, ihrem verlegten Kameraden Hilfe zu bringen. Mit einer Hand an den Tauen sich haltend, ver­suchten sie, mit der anderen Hand den unter Wasser ge= brückten Regierungsassessor Wandelt aus seiner gefährlichen Lage zu befreien, wobei sie laut um Hilfe riefen. Hilfe war erfreulicherweise bald zur Stelle. Den Landungsversuchen hatte mit Interesse eine Anzahl Leute aus Wolfsanger und Spieckershausen zugefehen; der Schleusenmeister an der Kragenhöfer Schleuse, Immler, hatte schon vor der ersten Landung bei dem Hinübertreiben des Ballons über den Fluß die Befürchtung geäußert, daß der Ballon ins Wasser stürzen könnte; er hatte auf jeden Fall ein Fähr­boot flottgemacht. Er ruderte sofort zur Unfallstelle und hier gelang es, zunächst die unverletzten drei Luftschiffer und schließlich den bewußtlosen Regierungsassessor Wandelt in das Fährboot zu ziehen. Bei diesem machten sich bereits alle Anzeichen eines Erstickungstodes bemerkbar; das Gesicht hatte sich bereits verfärbt, die Zunge war stast angeschwol­Ien. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche hatten indes Erfolg; unterdessen war ein Krankenautomobil zur Stelle gerufen worden, das den schwer mitgenommenen Luftschiffer zunächst nach Bad Wolfsanger brachte. Die drei anderen Luftschiffer famen mit dem Schrecken und dem fal-. ten Bad davon. Unter Anteilnahme der Dorfbewohner wurde nunmehr die Bergung des Ballons und der Gondel vollzogen. Der Ballon war so mit Wasser angefüllt wor den, daß es nur unter den schwierigsten Umständen möglich war, ihn zu bergen; es mußten mehrere Schnitte in die Ballonhaut gemacht werden, um das Wasser zum Ent­weichen zu bringen. Nachdem man ihn nach stundenlanger Arbeit an das Land gezogen hatte, wurde er nach dem Bahnhof Kragenhof gefahren, wo man ihn verpackte. Die drei unverletzt gebliebenen Luftschiffer begaben sich abends nach Taffel, von wo aus sie die Rückreise in die Heimat ap­traten.

Baviere, welche den erstaunten Kommandeuren Auskunft Furchtbares Brandunglück in Amerika.

148 Leichen geborgen.

Die Stadt Neuyork ist am Sonnabend von einem furcht­baren Brandkatastrophe Heimgesucht worden, der eine aroße

Anzahl Menschen zum Opfer gefallen sind. Der Draht mel­det uns darüber:

Neuyork, 26. März. In einem achtstöckigen Hause in dem sich eine Zelluloidfabrik befindet, brach Sonnabend nachmittag ein Brand aus, der zahlreiche Opfer forderte. Man schätzt die Zahl der Personen, die durch Herabsprin gen aus den Fenstern oder durch Feuer den Tod gefunden haben, meist junge Mädchen, auf weit über 100. In der Fabrik waren gegen 1500 Personen beschäftigt.

Ein späteres Telegramm lautet:

Newyork, 26. März. Der gestrige Fabrikbrand entstand in der siebenten Etage des zehn, nicht, wie zuerst gemeldet, achtstöckigen Gebäudes aus unanfgeklärter Ursache und pflanzte sich mit riesiger Schnelligkeit nach den oberen Stoda werken fort. Um 6 Uhr abends waren bereits 53 Leichen meist von jungen Mädchen auf der Straße zusammengetra­gen, die bei der großen Höhe durch Sinabspringen auf die Straße den Tod gefunden hatten. Auch in dem Luftschacht wurde eine große Zahl von Leichen gefunden. Mehrere Per­sonen versuchten, sich an den über die Straße gehenden elektrischen Leitungsdrähten in Sicherheit zu bringen, stürz­ten aber ebenfalls auf die Straße, da die Drähte unter dem zu großen Gewicht rissen. Aus dem achten Stock wurden etwa 50 Leichen geborgen, sodaß die Gesamtzahl der Toten gegen 150 betragen dürfte. Eine große Zahl von Verletzten, die teilweise sehr schwere Brandwunden aufweisen, wur den durch die Ambulanzen nach den Spitälern gebracht. Wie es heißt, soll vor dem Ausbruch des Brandes eine Explo­flon stattgefunden haben. Die Brandstätte zeigt furchtbare Bilder. Ganze Reihen von Leichen junger Mädchen und Männer liegen auf den angrenzenden Straßen. Die Nach­richt von der Katastrophe verbreitete sich mit Bligesschnelle, sodaß Scharen von Angehörigen der Toten den jetzt um die Brandstätte gezogenen Polizeifordon bestürmen. Viele. der Opfer sind dadurch umgekommen, daß sie bei dem Sprung aus der großen Höhe die von der Feuerwehr aus­gebreiteten Sprungnezze durchschlugen.

Weitere Telegramme melden über die furchtbare Kata­strophe:

Nenyork, 26. März. Vis Mitternacht find aus der abgebrannten Zelluloidfabrik 148 zumeist gräßlich verstüm melte Leichen geborgen worden.

Die Feuerwehrleute erklärten den Berichterstattern, daß die Treppen mit erstickten Menschen voll gewesen seien, so daß sie die größte Mühe gehabt hätten, die Leichen aus­einanderzubringen. Gegen Mitternacht wurde ein halb irr­sinniger Ueberlebender im Souterrain gefunden, wo er in Gefahr schwebte, zu ersticken, da die Feuerwehrleute große Wassermassen in das Gebäude gepumpt hatte. Um Mitter­nacht waren die Toten aufgebahrt, worauf die Angehörigen zugelassen wurden. Herzzerreißende Szenen spielten sich da ab. Fast alle Mädchen hinterlassen Eltern, Geschwister und Verlobte. Von den Umgekommenen ist ziemlich die Hälfte russisch- jüdischer Herkunft, die anderen find Deutsche und Italiener.

Neuvork, 27. März. In der Leichenhalle, die in­folge des ungeheuren Volkszudrangs mit einem doppelten Polizeikordon umgeben ist, wurden 123 nicht identifizierte Frauen- und 13 Mäunerleichen, alle numeriert, mit den bei ihnen gefundenen Habseligkeiten zur Schau gestellt. Man hofft so die Joentifizierung durch die Angehörigen zu er leichtern. Fast alle Leichen sind infolge des Sprunges in dte Tiefe in eine formlose Masse verwandelt oder, wenn sie im Gebäude gefunden wurden, halb verkohlt. Zwei Mäd­chen, die in den Trümmern in inniger Umarmung gefun= den wurden, legte man so zusammen in einen Sarg.

0 Renyork, 27. März. Es bestätigt sich, daß während des Brandes der Celluloidfabrit über 150 Personen ihr Le­ben eingebüßt haben. Es sind meist ausländische Mädchen. Das Feuer soll infolge Defektes der Dynamomaschine ent­standen sein. Nach neueren Meldugnen brach der Brand beim Geschäftsschluß während der Lohnzahlung aus. 80 Mädchen befanden sich im 8., 9. und 10. Stock. Die Mädchen frochen um die schmalen Vorsprünge und Simse und spran= gen, sobald die Kleider Feuer fingen, auf die Straße hinab. Die Rettungsnetze erwiesen sich als wertlos, weil einige gleichzeitig sprangen. Ueber Hundert Leichen lagen in lan­gen Reihen längs der Straße mit zerschmetterten Gliedern. Von der Rückseite des Gebäudes ließ man Leitern anlegen, wodurch die Rettung von etwa 60 Mädchen ermöglicht wurde.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Die Jubelfeier in Italien.

Nom, 27. März. Die Feiern zum 50jährigen Jubel­feste des vereinigten Königreichs begannen heute mit einer Festsitzung im Senatspalast in Anwesenheit der Majestäten und der Spitzen der Behörden.. Die Präsidenten des Se nats und der Kammer sowie der Bürgermeister hielten An­sprachen.

Venedig, 27. März. Aus Anlaß der italienischen Jubelfeier hatten die Hohenzollern und die Königsberg ge­flaggt. Bei der Flottenparade um 8 Uhr gab die Königs­berg einen Salut von 21 Schüssen ab. Um 8% Uhr be­gaben sich im Auftrag des Kaisers einige Herren des Ge­folges von der Hohenzollern an Land und legten am Dent­mal Viktor Emanuels einen Kranz mit weiß- roter Schleife nieder.

Friede in Mexiko.

Neuyork, 27. März. Die Tribune" meldet aus der Stadt Merito, es sei eine Vereinbarung zwischen der Re­gierung und den Insurgenten getroffen worden, wonach letztere die Waffen niederlegen würden. Das neue Kabt­nett würde vollständig unbeeinflußte Wahlen und eine all­gemeine Amnestie gewähren.

China gibt nach.

Vefing, 27. März. Das auswärtige Amt hat nach langen wichtigen Beratungen dem hiesigen russischen Ge sandten die Versicherung gegeben, daß China heute rückhalt­los die Forderungen Rußlands bewilligen werde. Man ist hier allgemein der Ansicht, daß China feine andere Wahl hat, weil es auf einen Krieg völlig unvorbereitet ist.

Schwere Ausschreitungen Streifender.

0 Bamberg, 27. März. Im benachbarten Bischberg fam es in der vergangenen Nacht zu schweren Ausschrei tungen streifender Arbeiter der Ton- und Zementwerfe. Sämtliche Fensterscheiben der Fabrikgebäude wurden zer­trümmert und Steine in die Wohnung des Direktors ge­worfen, der sich mit seiner Familie nach Bamberg flüchten mußte. Die ganze Gendarmerie der Umgegend wurde zu­sammengezogen. Sie gab, als man sie mit Steinwürfen empfing, blinde Schüsse auf die Menge ab. Heute früh wurden die elektrischen Bogenlampen der Fabrik durch Steinwürfe zertrümmert.

Schneestürme in Frankreich. Paris, 27. März. Aus Nord- und Ostfrankreich werden heftige Schneestürme gemeldet. Bei Belfort haben die Schneestürme zahlreiche Telegraphendrähte zerrissen. Die Verbindungen mit Deutschland sind teilweise gestört. Angriff auf eine Straßenbahn.

Barcelona, 27. März. Eine große Volksmenge griff während der Nacht die Angestellten der Straßenbahn an, well ein Arbeiter beim Ueberschreiten der Straße überfah­ren worden war. 3wei Straßenbahnwagen wurden um geworfen. Erst in später Nacht wurde die Ruhe durch Mi­litär und Polizei wiederhergestellt.

Handel und Oerkebr.

Cassel, 25. März. Weizen( 100 g.) 19.00-19.50 M. Roggen( 100 g.) 15.50-16.00 M. Gerste( 100 g.) 15.50 618 17.00 M.- 2.50-3.30 M.

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Hafer( 100 Kg.) 16.00-18.00 M. Stroh( Str.) 1.60-2.40 M.

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Hen( 3tr.)