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in Gießen.

Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amil. Bekanntmachungen

vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­Erscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. jeden Werktag fri. Die Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seliersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 74.

-

Telephon: Nr. 362.

Unseren lieben Lesern und Mitarbeitern, sowie der geehrten Geschäftswelt machen wir hiermit die ergebene Mitteilung, daß der Verlag der

,, Gießener Zeitung"

( nicht zu verwechseln mit der Gießener Morgen- Zeitung) in eine

Gesellschaft m. beschr. Haftg. umgewandelt ist.

Hochachtungsvoll

Der Verlag

der Gießener Zeitung B. m. b. H.

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei Amfes

Behörden Oberhessens

Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Dienstag den 28. März 1911

stört, wenn er in die Nähe des Nestes kam. Und schließ­lich ist seine Wildheit nur immer eine Folge des Unt­verstandes der Menschen, die den Fuchs nicht im Hause dulden wollten und ihn dadurch zwangen, ein Räuber zu werden. Ich werde der Entwicklung der Dinge mit der strengsten Neutralität zusehen. Im übrigen muß man die Hühner auf die Selbsthülfe verweisen...."

Bravo, bravo", sagte der Fuchs, der das Gespräch mit angehört hatte. Bauer, ihr seid ein wahrhaft er­leuchteter Mann; und es ist ein gutes Zeichen der Zeit, daß die Bildung auch auf dem Lande so große Fort­schritte macht. Der Geist des Mittelalters beginnt zu weichen, und die Sonne der Aufklärung steigt rotleuch­tend empor. Erst wenn die wahre Toleranz überall ihren Einzug gehalten hat, wird der Fortschritt der Kul­tur ins Phänomenale wachsen, und zwischen Füchsen, Menschen und Hühnern wird ein Bund des ewigen

Friedens gelchlossen werden....

So redete der Fuchs noch lange weiter und der Bauer hörte gerne zu, denn genau so stand es in seiner

Die Fortschrittliche Volkspartei und Beitung, die zudem noch den Vorzug hatte, daß sie auch

die Hirsch- Dunker'schen.

In der Freisinnigen Zeitung"( Nr. 60) war dem 3entrum eine zurücksetzung der christlich organisierten Arbeiter bei der Aufstel lung der Reichstagskandidaturen vorge­worfen worden. Das fortschrittliche Blatt hatte sich eine Auslassung der sozialdemokratischen Münchener Post" zu eigen gemacht und bemerkt, die christliche Arbeiteror­ganisation wolle diese Zurücksetzung nicht ruhig hinneh­men, sondern habe deshalb in Bayern über die 3en­trumspartei ein Fehmgericht abgehalten. Demgegenüber schreibt der Gewerkverein", das Organ der zum Links­liberalismus schwörenden Hirsch- Dunckerschen Gewerkver­eine unter der Ueberschrift: Vom Balken im eigenen Auge:

Der Zweck dieser Notiz( der Freis. 3tg.") fann doch nur sein, die christlichen Arbeiter gegen das Zen­trum scharf zu machen. Die Freis. 3tg." aber ist un­jeres Erachtens dazu in keiner Weise befugt. Denn gerade die Fortschrittliche Volkspartei, deren führendes Organ die" Freisinnige 3tg." ist, hat in feinem einzigen auch nur einigermaßen sicheren Wahlkreise sich dazu verstehen können, einen Arbeiter als Kandidaten aufzustellen. Wer aber selbst im Glashause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen."

Das Werfen mit Steinen in anderer Leute Garten ist aber die Hauptbeschäftigung der Fortschrittspresse und besonders ihres führenden Organs. Es ist deshalb ganz gut, daß nun auch einmal im eigenen linksliberalen La­ger sich eine Stimme erhebt, die darauf aufmerksam macht, daß der Linksliberalismus gut daran täte, zu­erst auf den Balken im eigenen Auge zu achten. Aber auf einen Erfolg ihrer Vorstellung werden die Hirsch­Dunckerschen Gewerkvereine bei der Fortschrittlichen Volks­partei nicht rechnen dürfen. Einmal hat diese Partei ja tatsächlich selbst einigermaßen sichere Wahlkreise nicht zu vergeben, sie hängt vielmehr überall von der Mitwirk­ung anderer Parteien, namentlich der Sozialdemokratie, ab. Dann aber ist sie bei der Kandidatenaufstellung durch das Veto des Hansabundes beschränkt, und dieser scheint zwar die Vertretung der kommerziellen und in­dustriellen Interessen durch Stadträte, Bankdirektoren, Juristen, ja selbst durch liberale Paſtoren für zweckent sprechend zu halten, aber für Kandidaten aus den Krei­sen des Mittelstandes, der Angestellten und natürlich auch der Arbeiter nichts übrig zu haben.

Eine Fabel für aufgeklärte Leute.

Der Fuchs war in den Hühnerhof eingebrochen und würgte nach Herzenslust. Schreiend rannte die Bäuerin über den Hof und rief den Bauer, der am Torpfeiler lehnte und seine Pfeife rauchte, zu: Aber Mann, siehst Du es denn nicht? Jag' ihn doch hinaus!"

Der Bauer aber rührte sich nicht vom Fleck: Ich bin ein liberaler Mann" sagte er, man darf nicht gewalt­sam in den Gang der Dinge eingreifen; man darf der Entwickelung keine Hindernisse in den Weg legen, ich bin für Freiheit und Fortschritt!"

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,, Aber er bringt ja alle Hühner um!" schrie die Bäu­erin entsetzt. Es ist das Recht des Stärkeren," sagte der philosophische Bauer kühl; es gehört so zur Ent­wickelung, zum Fortschritt. Ein jedes Wesen hat das Recht sich auszuleben, und der Fuchs ist auch ein Ge­schöpf, und ist nun einmal auf Geflügel angewiesen". Die Bäuerin brummte etwas, das nicht wie Schmei­chelei klang. Aber die Hühner legen uns doch Eier Man muß und der Fuchs nicht", meinte sie. abwarten", erwiderte der Bauer,, vielleicht wenn ihn ruhig gewähren läßt, bringt es der Fuchs auch noch ge­zum Eierlegen. Man hat ihn bisher nur immer

-

es

man

von den grundgescheiten Herren in der Stadt gelesen wurde. Die Bäuerin aber ging weinend von dannen, denn sie wußte genau, wie die Herrlichkeit dieser Kultur in der Wirklichkeit sich ausnehmen und wie die freie natürliche Fortentwickelung" enden würde.

Aus Stadt und Land.

den

Gießen, den 28. März 1911. Postausweiskarten. Die in Deutschland ausgestellten Postausweiskarten erhalten zufolge einer zwischen der deutschen und der französischen Postverwal­tung getroffenen Vereinbarung vom 1. Mai ab auch in Frankreich Gültigkeit, so daß sie von da ab von französischen Postdienststellen bei der Aushändigung von Postsendungen als vollgültige Ausweispapiere behan­delt werden. Ebenso gelten die von französischen Post­dienststellen ausgestellten Identitätsbücher vom 1. Mai ab den deutschen Postanstalten gegenüber als vollgültige Ausweise. In den Geltungsbereich der im Reichspost gebiet ausgestellten Post- Ausweiskarten waren schon bis­her einbezogen: Bayern, Württemberg, Belgien, Däne­mark, Italien, Luxemburg, Norwegen, Desterreich, sowie Schweden und die Schweiz.

* Gießen, 24. März. Professor Dr. Ludwig Schlesinger in Budapest, der als Nachfolger des Geh. Hofrats Prof. Dr. M. Pasch als Ordinarius der Mathematik an die Universität Gießen berufen wurde, ist, wie die Darmst. 3tg." schreibt, 1864 zu Tyrnau in Ungarn geboren. Er studierte von 1882 bis 1884 in Heidelberg, dann bis 1887 in Berlin und promovierte 1887 mit einer Abhandlung über lineare homogene Dif­ferentialgleichungen 4. Ordnung. Zwei Jahre darauf habilitierte er sich in Berlin, wurde 1893 Extraordina­rius in Bonn, 1897 ordentlicher Professor der höheren Mathematik in Klausenburg und 1905 in Budapest. Schlesingers Hauptarbeitsgebiet ist die Theorie der Dif­ferentialgleichungen, die er durch mehrere gediegene zu­sammenfassende Werke und eine große Zahl von scharf­sinnigen Einzeluntersuchungen bereichert hat.

- Gießen.( Für die Veteranen.) Um bei den entstehenden bedeutenden Unkosten gelegentlich der vom Offizierkorps geplanten Aufführung der Quizows eine einigermaßen lohnende Einnahme für den guten Zweck zu gewährleisten, muß die Veranstaltung wegen des angesetzten Blumentages und kurz darauf stattfinden den Verkaufstages J. K. Hoheit der Großherzogin, wel­che die Wohltätigkeit in erhöhtem Maße in Anspruch nehmen, bis auf weiteres verschoben werden.

*

Gießen, 26. März. Die Schlußprüfung für Handarbeitslehrerinnen an der Aliceschule fand gestern statt. Die 15 Schülerinnen bestanden sämtlich.

*) Gießen. Der Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs hat von hier aus einen neuen Touristenweg geschaffen, um eine direkte Verbindung zwischen Gießen und dem Vogelsberg zu schaffen. Er geht vom alten Friedhof aus über die Hohewart nach Annerod, Albach, Münster, Wetterfeld und Laubach.

* Bad Nauheim. Veranlaßt durch das schöne Wetter der letzten Tage, ist der Verkehr von Kurgästen schon recht ansehnlich.

*

Friedberg. Im Predigerseminar findet am nächsten Mittwoch, vormittags 11 Uhr, die feierliche Ent­lassung der in diesem Frühjahre abgehenden Kandi­daten statt.

* Ober- Mörlen. Bürgermeister Geibel hat bei der Oberpostdirektion Darmstadt den Antrag gestellt, eine Automobilfahrpost einzurichten, die, von Bad- Nau­heim ausgehend, die Orte Nieder- Mörlen, Ober- Mör­len, Langenhain- 3iegenberg, Fauerbach, Ostheim und len, Langenhain- Ziegenberg, Fauerbach, Ostheim vielleicht auch Nieder- Weisel berühren soll. Die Handels­

( Gießener Tageblatt)

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Telephon: Nr. 362.

23. Jahry.

fammer Friedberg hat sich diesem Antrage befürwortend angeschlossen.

== Lollar, 28. März. Bei der hier am Sams= tag stattgefundenen Beigeordnetenwahl erhielten Gemein­derat Gerlach 69, Schreinermeister Geißler 7. 69, Schuhmachermeister Pfaff 45, Fabrikant Schie= mang 44, Gemeinderat Hofmann 5. 36, Land­wirt Geißler 31 und die drei weiteren Kandidaten zusammen 11 Stimmen. Es findet Stichwahl zwischen Gerlach und Geißler statt.

== Lich, 27. März. Bei der Wahl eines Bezirks­vorsitzenden der Landwirtschaftskammer für den Kreis Lich Hungen wurde einstimmig Bürgermeister Dör­mer- Lich, als sein Stellvertreter der Bürgermeister Nick­las von Steinheim bei Hungen ebenfalls einstimmig gewählt.

besuchte gestern vormittag das Hofmännische Institut. such im Neuen Palais ein. Die Großherzoglichen Herrschaften begaben sich nachmittags. im Auto nach Schloß Seeheim und nahmen dortselbst den Tee.

* Darmstadt, 24. März. Die Großherzogin

*) Darmstadt. Der Großherzog hat am 8. März 1911 dem ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landesuniversität Geheimen Hofrat Dr. Moriz Pasch in Gießen, anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen verliehen.

Mainz, 28. März. Ein Unteroffizier des In­fanterie- Regiments Nr. 117 sollte wegen Mißhandlung von Untergebenen und wegen Mißbrauchs der Dienst­gewalt von seinem Vorgesetzten gemeldet werden. Als ihm dieses mitgeteilt wurde, eilte er auf seine Stube und jagte sich mit seinem Dienstgewehr eine Kugel in die Brust. Das Geschoß ging durch den Körper und drang oben in die Stubendecke ein. Im Lazarett verstarb er nach kurzer Zeit.

* Mainz. Durch die Entwässerung der Stadt von Grundwasser und durch das immer wiederkehrende Stauwasser sind die großen Grundpfeiler des Domes unterspült, und es ist notwendig geworden, im In­teresse der Erhaltung des denkwürdigen Bauwerkes die Grundpfeiler neu zu unterfangen.

** Mainz, 27. März. Am Samstag fanden sich die Schlossermeister des Großherzogtums Hessen in den Räumen der Liedertafel zulammen und haben eine Ver­einigung im Interesse ihres Handwerks unter dem Na­men Hessische Schlossermeister- Vereinigung gegründet. Als Vorort wurde auf drei Jahre Darmstadt gewählt, an welchem Ort auch der geschäftsführende Vorstand wohnen muß. In diesem wurden einstimmig gewählt: Schlossermstr. Geist 1. Vors., Schlossermstr. Heinzerling 2. Vors., Schlossermstr. Jakobi Schriftführer, Schlosser­meister Roth Rechner, sämtlich in Darmstadt. Als wei­terer Vorstand wurden ebenfalls einstimmig gewählt für Oberhessen: Schlossermeister Kreiling- Gießen, Schlosser­meister Snipp- Bad- Nauheim, für Rheinhessen Schlosser­meister Schwarz- Mainz, Schlossermeister Hammerstein= Worms, für Starkenburg Schlossermeister Steinert- Offen­bach a. M.

*

Oppenheim, 28. März. Die Haupt- Ver­sammlung des Tierschutzvereins für Hessen findet Mitt­woch, 3. Mai, auf der Landskrone unter Vorsitz des Geh. Oberschulrats Dr. Scheuermann statt. Prof. Dr. Heineck aus Alcen wird einen Vortrag über Brutpflege im Tierreich" halten.

* Kassel. Der Lokomotivenfabrik Henschel u. Sohn ist von der französischen Regierung aber­mals ein bedeutender Auftrag zuteil geworden. Es han delt sich um die Ausführung einer größeren Anzahl Schnellzugslokomotiven für die Ost- und Nordbahnen. Infolgedessen konnten in den letzten Wochen fortgesetzt Arbeiter in den Kasseler Werken der Firma neu einge­stellt werden.

* München. Der im vorigen Jahre von der Firma Kathreiners Malzkaffee- Fabriken ausgesetzte Preis von 50 000 Mt. für denjenigen deutschen Flieger, der auf einem in Deutschland erbauten Flugzeug den Weg München- Berlin durch die Luft zurücklegt, ist soeben neu ausgeschrieben worden. Nach den vom Kgl. Bayerischen Automobilklub, Abt. für Luftschiffahrt München, Brien­nerstraße 5, zu beziehenden Bewerbungsbedingungen, die vom Deutschen Luftschifferverband genehmigt wur­den, muß der Weg München- Berlin innerhalb 36 Stun­den zurückgelegt werden, wobei je eine Zwischenlandung in Nürnberg und Leipzig, und eine dritte an einem vom Flieger zu wählenden Ort gestattet ist. Die Flüge müssen in der Zeit zwischen dem 1. Mai und 30. Nov. 1911 stattfinden.

* Trier, 26. März. In der Eifel, im Hunsrück und im Moseltal schneite es gestern und heute bei hef= tigem Sturm ohne Unterlaß. Die Schneehöhe beträgt im Gebirge 30 3entimeter.