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Deutscher Reichstag.

Achtung vor Gesetz und Recht vernichtet wird. Abg. Raab ( w. Bg.) meinte, auch Vorgesetzte werden durch untergebene mißhandelt. Die Juden seien ein unfriegerisches Volk und burchaus als Offiziere nicht geeignet. Ein inzwischen einge­gangener Schlußantrag wurde infolge der Raabschen Rede zurückgezogen, so daß am Montag die Beratung weitergeht.

Die Immenstadter Wahl.

Es

digenden Erklärungen, die von der Reichsfinanzverwal tung über die Dedungsfrage abgegeben werden konnten. Ein Aufruf zur Sammlung eines konservativen Wahl. fonds wird von der Kons. Korr." veröffentlicht. heißt in dem Aufrufe u. a.: Von allen Seiten läuft man Sturm gegen die konservative Partei. Ein Wahlkampf von kaum je gekannter Heftigkeit steht uns bevor. Unsere gesamten konservativen Interessen stehen dabei auf dem Spiele. Alles, was wir geistig, wirtschaftlich, kulturell und sozial unser nennen, ist in Gefahr."

Die mit Spannung erwartete Erfazwahl für den ver­storbenen Zentrumsabgeordneten Schmid im sechsten schwä­bischen Reichstagswahlkreise Lindau- Immenstadt, die am Sonnabend stattfand, hat die Notwendigkeit einer Stich­wahl zwischen dem Zentrumskandidaten und dem Liberalen ergeben. Es erhielten Amtsrichter Emminger( Bentr.) 11 856, Rechtsanwalt Thoma( liberal) 10 588, Goelzer ( Sozialdemokrat) 3808 Stimmen. In der Hauptwahl 1907 hatten das Zentrum 12 013, die Liberalen 10 633, die Sozial­demokraten 1999 Stimmen. 3entrum und Liberale, zwischen denen jetzt wieder die Stichwahl ansteht, sind sich in ihren Stimmen aber annähernd gleichgeblieben, während die So­zialdemokraten, welche den Liberalen in der Stichwahl hel= fen wollen, ihre Stimmenzahl nahezu verdoppelt haben. Wie aus den angegebenen Zahlen hervorgeht, ist der Rückfall dieses bis 1878 von dem Nationalliberalen Völk vertretenen Wahlkreises an die Liberalen so gut wie sicher, da die Sozialdemokraten ihre Wahlhilfe zugesagt haben. Auch die Wahlbeteiligung von etwa 85 oder 86 Prozent ist zu erheblich, als daß genügende Reserven für einen Sieg des Zentrums noch herauszuholen wären. Bei dieser Ge­legenheit sei darauf hingewiesen, daß am heutigen Montag abermals um ein bisher vom Zentrum vertretenes Mandat, nämlich das nennte Königsberger( Allenstein- Rössel), ge­kämpft wird.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Eine Ergänzung des freisinnigen Parteiprogramms ist beabsichtigt. Der geschäftsführende Ausschuß der Fort­schrittlichen Volkspartei hat eine Kommission zur Ausar­beitung von Sonderprogrammen gewählt, die als Anhang zum allgemeinen Parteiprogramm die Forderungen der Fortschrittlichen Volkspartei auf dem Gebiete der Land­wirtschaft, der Arbeiterschaft und des Handwerks behan­deln sollen.

Der Aufenthalt des Kaisers in Wilhelmshaven wird vom 5. bis 7. März dauern. Der Kaiser, der auf dem Flottenflaggschiff Deutschland" wohnen wird, wird der Bereidigung der Marinerekruten am 5. März beiwohnen, die neuen Werft- und Hafenanlagen, den seiner Vollen­dung entgegengehenden Linienschiffsneubau Ostfries= land" sowie den Ersatzbau für den kleinen Kreuzer Con­dor" besichtigen, und auf einer Fahrt nach Helgoland sich von den Fortschritten der Arbeiten zur Befestigung der Insel und des Hafenbaues überzeugen.

Der Reichstag fette am Sonnabend die zwette Beratung Des Militäretats fort. Der konservative Abg. Gans Edler u Putlig erblickte in dem vorliegenden Etat den Beweis, paß die Bestrebungen, größere Uebersichtlichkeit herbeizu­führen, nicht ohne Erfolg geblieben sind. Redner bat den Artegsminister, dem Luxus in der Armee wie bisher ent­gegenzutreten. Eine Bevorzugung des Adels in der Armee gebe es nicht. Das seien reine Redensarten. In Baden ollten Soldaten offen für die Sozialdemokraten agittert baben. Diese Blüte des Großblocks beweise, wie der Groß­block die Verhältnisse verwirre. Auf der Zucht des Heeres beruhe seine Festigkeit und die des preußischen Staates. Das fönne uns kein anderer Staat nachmachen. Unser Heer fet ein Volksheer. Der folgende Redner, der nationallibe­rale Abgeordnete Paasche stimmte in das Lob der Armee im allgemeinen ein, aber auf die Kritik dürfe man nicht verzichten, und deshalb set der Erlaß des Kriegsministers über den Verkehr zwischen Offzieren und Abgeordneten zu bedauern. Ein Volksheer in dem Maße, wie man es wünschen müsse, sei das Heer nicht, viele wehrfähige Män ner würden nicht zum Dienst ausgehoben, und in zahlrei­hen Regimentern sete sich, obwohl der Kriegsminister selbst es nicht billige, das Offizierkorps noch immer ausschließlich aus Adligen zusammen. Bei der Qualifikation der Offt­atere solle die Tüchtigkeit entscheiden, konfessionelle Rück­fichten dürften nicht obwalten, politische aber könne man nicht ausschalten, solange die Sozialdemokratie auf threm gegenwärtigen Standpunkt stehe. Der Pole Brandys mein­te, der bewaffnete Friede wäre zu teuer bezahlt, namentlich das platte Land sei zu schwer belastet. Den religiösen Be= dürfnissen der Soldaten, auch der polnischen, müsse man auf Jede Weise entgegenkommen. Die Polen würden aber, ob­wohl sie staatserhaltend seien, auch im Heere zurückgesetzt. Der Abg. Liebermann v. Sonnenberg( wirtsch. Vg.) erklärte, die an der Armee- und Militärverwaltung geübte Kritik set größtenteils unberechtigt, namentlich von der sozialde­mokratischen Seite sei wenig übriggeblieben. Den Wünschen der Handwerker fönnte man wohl mehr entgegenkommen. Wenn wieder Wünsche laut geworden seien, die Gehälter gewisser Beamten zu erhöhen, so müsse unbeschadet der Aus­merzung vielleicht vorgekommener Fehler endlich Ruhe ein­treten. Erhöhe man jetzt wieder eine Kategorie, so werde das wieder eine Schraube ohne Ende. Der Erlaß des Kriegsministers über den Verkehr zwischen Offizieren und Abgeordneten sei zu billigen, er beziehe sich nicht auf ge­rechtfertigte Beschwerden, sondern auf Klatschereien. Da­rauf nahm der Abg. Stücklen( Soz.) das Wort. Offiziere, die Soldaten mißhandelten, sollten aus dem Heere ausge= stoßen werden. Die preußische Disziplin sei nichts als Kadavergehorsam. Der Kriegsminister habe den Bissing= schen Erlaß als theoretische Studie bezeichnet. Vielleicht habe man an einen Staatsstreich der Rechten gedacht. Aber die Sozialdemokraten marschierten ihrem Ziele entgegen imt Rahmen der Gesetze. Abg. Gothein( f. Vp.) erflärte, die Abrüstungsfrage werde nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden. Redner forderte eine Einschränkung der Zahl der Militäranwärter. Die besten Unteroffiziere sollten zu Leutnants gemacht werden. Die schlimmste Disziplinlosig= feit sei die Mißhandlung Untergebener. Redner forderte die Deffentlichkeit der Militärgerichtsverhandlungen auch für Beschwerden über die politische Beeinflussung der Reserve= offiziere und bedauerte die Zurücksetzung der jüdischen Ein­fährigen. Er forderte auch für die jüdischen Mitbürger das Recht, das die Grundlage jeden Staates sei. Darauf nahm Kriegsminister von Heeringen das Wort: Das Volksver mögen vermehre sich jährlich um 5 Milliarden. Unter dem Schutz seiner Heeresmacht konnte Deutschland so außeror­dentlich aufblühen. Die Tüchtigkeit vor dem Feind sei nicht vom Adel oder Bürgerlichen abhängig. Die Unannehmlich­Teiten der Grenzgarnisonen suche man dadurch zu mildern, daß den Herren alljährlich zu Reisen in die Heimat Unter­stützungen gewährt würden. In der Bekleidung wirtschafte man so sparsam wie möglich. Jede Verfolgung eines Re­serveoffiziers wegen politischer Betätigung innerhalb der Staatserhaltenden Parteien weist der Redner weit von sich. Hinsichtlich der Judenfrage sei die Rechtslage klar. Eine Zurücksetzung des Glaubens wegen sei ungesetzlich.( Buruf links: Geschieht aber doch!) Der Kriegsminister geht auf einige vorgetragene Fälle ein. Es habe sich ergeben, daß die betreffenden jüdischen Offiziersaspiranten nicht geeignet waren.( Unruhe links. Beschämende Ausrede.) Nun wird behauptet, daß seit 1885 in Preußen fein Jude Offizier ge­worden ist. Der Grund dafür entspringt ganz sicher anti­semitischen Regungen.( Lebhaftes hört, hört links.) Ich unterstreiche dick, daß ich das nicht billige.( Hört, hört, links.) Aber was soll geschehen? Man fann nur in jedem speziellen Fall eingreifen, und das verspreche ich auch heute. Antise­mitische Neigungen sind den maßgebenden Stellen durchaus fern. Abg. Graf Garmer- Osten( kons.) bat besonders, die fleinen und mittleren Städte des Ostens mit Garntsonen zu bedenken. Redner bedauerte die Verringerung der ret­kenden Artillerie Abg. Linz( Rp.) stimmte den Resolutio­nen zu, die auf eine Förderung des gewerblichen Mittel­standes hinzielen. Die Besetzung militärischer Stellen dürfte nicht nach konfessionellen und Standesrücksichten er­folgen, sondern nur nach der persönlichen Tüchtigkeit. Das Duell sei ein ungerechter Aft der Notwehr, durch den jede

2)

Das Familiengeheimnis.

Novelle von L. Walter.

Der Termin des ersten Deutschen Hansatages ist jetzt festgelegt worden. Am Sonnabend wurde in einer aus allen Gauen Deutschlands im großen Saal der Handwerks­tammer zu Berlin tagenden Versammlung der Vorstände der Zweigorganisationen des Hansabundes einstimmig be­schlossen, den ersten allgemeinen Deutschen Hansatag am Montag, den 12. Juni, in Berlin abzuhalten.

Die Englandreise des Kaiserpaares. Wie die Nord­deutsche Allgemeine Zeitung" hört, wird auf besondere Einladung des englischen Königspaares die Prinzessin Viktoria Luise von Preußen das Kaiserpaar nach London begleiten.

Die Gründung eines deutschen Hausbesigerbundes, die bereits in der großen Protestversammlung gegenEinführung der Wertzuwachssteuer in Berlin angeregt wurde, ist jetzt erfolgt. Die deutschen Hausbesitzervereine werden nunmehr durch ein Rundschreiben zum Beitritt aufgefordert, um auch in wirtschaftspolitischer Beziehung einen festen 3u­sammenschluß herbeizuführen.

Der deutsche Kronprinz an den englischen König. Der Kronprinz richtete vor seiner Abreise aus Bombay an den König von England folgendes Telegramm: Ich vermag zwar nur meine wärmste Danksagung zu wiederholen, aber ich kann unmöglich Indien verlassen, ohne Dir nochmals meine herzliche Dankbarkeit für Deine Güte auszusprechen, durch die meine Reise durch Indien einen so erfolgreichen Verlauf genommen hat. Dein ergebener Neffe Wilhelm."

Die französische Ministertrisis wird heute zur Ent­scheidung kommen, indem Ministerpräsident Briand dem Präsidenten seine sowie seiner Kollegen Demission in ei­nem Schreiben überreichen wird. Gestern erhielt Briand den Besuch zahlreicher Mitglieder des Parlaments, die ihm ihr Vertrauen ausdrückten. Sie erkannten an, daß in lek­ter Zeit die politische Lage eine vollständig unerquickliche geworden war und daß gegen Briand in der Kammer tat­sächlich ein Komplott organisiert wurde, das bezweckte, der Arbeit des Kabinetts Hindernisse in den Weg zu legen. Die Tätigkeit der Gegner Briands besteht darin, mit allen Mitteln die Durchführung der Reformen des Ministeriums zu verhindern. Das gilt besonders für das Gesetz betref= fend die Eisenbahner. Angesichts dieser Tatsache drangen die Parlamentarier nicht in den Kabinettschef, von seinem Entschluß, zu demissionieren, abzustehen.

Wechsel in den Oberpräsidien Stettin und Posen? Der Post" wird aus Stettin gemeldet: Sicherem Verneh­men nach wird anstelle des im Laufe dieses Jahres we­gen hohen Alters zurücktretenden Oberpräsidenten Frei­herrn von Malzahn der Posener Oberpräsident von Wal­dow treten. Die Nichtanwendung des Enteignungsge­setzes in Verbindung mit dem Plane, in dem neuen Po­sener Schlosse einen kaiserlichen Prinzen residieren zu las= sen, soll die Entfernung des in der Polenfrage festgeblie­benen Oberpräsidenten aus Posen veranlaßt haben.

Kleine Nachrichten.

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Ein Denkmal für die Südwestafrika- Krieger. Auf dem Kasernenhofe des Telegraphenbataillons in Treptow bet Berlin fand Sonnabend vormittag die feierliche Uebergabe des Denkmals für die während des Eingeborenenausstandes in Südwestafrika gefallenen Offiziere und Mannschaften statt. Das Denkmal ist aus Mitteln des aktiven und des Reserveoffiziertorps hergestellt worden.

Neue Diamantenfelder in Deutsch- Südwest? Auf der Farm Amalia, 40 Kilometer von Gibeon, ist nach einer Mel­dung aus Windhuf ein Diamant in Blaugrund gefunden worden. 30 Felder sind bereits abgesteckt.

Weber die Annahme der Heeresvorlage durch den Reichstag drückt die Nordd. Allg. 3tg." ihre Zustimmung in folgenden Sägen aus: Bei der Abstimmung über die Heeresvorlage haben die bürgerlichen Parteien mit Aus­nahme der Polen und weniger Eigenbrödler in erfreu= licher Geschlossenheit zusammengehalten. Denkt man an die schweren Kämpfe um frühere Heeresvorlagen zurück, so wird man gern den Umschwung anerkennen, der sich un­ter den Parteien in der Behandlung der Wehrfrage voll­zogen hat. Selbst von sozialdemokratischer Seite wird es für nüßlich gehalten, gelegentlich eine kleine theoretische Verbeugung vor den vaterländischen Empfindungen zu machen. In der Praxis der Abstimmungen versagte die Sozialdemokratie freilich auch diesmal und brachte damit den bürgerlichen Parteien die Scheidelinie zum Bewußt­sein, die durch keine Wahlabmachung zu verwischen ist. Die ungeschmälerte Annahme der Vorlage wurde einmal durch die Darlegungen der Heeresverwaltung erleichtert, die feinen Zweifel darüber ließ, daß nur das unbedingt Notwendige gefordert worden ist, sodann durch die befrie­

( Nachdruck verboten.) Ruhig und still lagen die Wohnungen der Menschen, denen, so schien es, sich das Grauen mit­geteilt hatte. Ein dumpfes Rasseln ließ sich verneh­men, das näher, immer näher kam. Nach und nach ließen sich die schwarzen Umrisse eines Wagens unterscheiden, der vor dem gegenüberliegenden Hause hielt. Die Tür öffnete sich. Männer trugen einen dunklen Gegenstand heraus, der in dem Innern des Gefährts verschwand. Die Arbeit war rasch geschehen, der Wagen fuhr dumpf rollend weiter, um bald an einem anderen Orte zu halten, wo seiner eine neue Last Harrte. An den erleuchteten Fenstern des verlassenen Hauses standen weinende Menschen; sie sahen dem schrecklichen Wagen nach, der ein teures Haupt der Familie fortirug... sie fonnten ihm das letzte Geleit nicht geben, da das von der Notwendigkeit diftierte Ge­setz es verbot. Das Weinen und Wehklagen verstummte, die Fenster wurden geschlossen und die unheimliche Nacht­stille trat wieder ein. Tief erschüttert starrte der junge Kaufmann durch das Zimmer; er fannte die Familie, die gegenüber wohnte, nicht näher, aber er wußte, daß sie geachtet war und bisher in glüdlichen Verhältnissen ge= lebt hatte. Vielleicht war ihr heute der Ernährer oder die liebende Mutter entrissen.

Einen weiblichen Direktor für die höhere Mädchen­schule hat sich die oldenburgische Gemeinde Bant bei Wil­helmshaven in der Person des Frl. Dr. Else Mat gewählt, die gegenwärtig das Ordinariat einer 1. Klasse an der 1. städtischen höheren Mädchenschule mit Realgymnastum in Berlin- Schöneberg innehat

mir lieb und teuer ist auf dieser Erde! O, hätte ich Ge­wißheit, hätte ich Gewißheit!"

Eriultan Abdul Hamid befindet sich fortgesetzt in Geld­verlegenheit. Neuerdings hat er nun die erforderlichen Do­fumente unterzeichnet, um 60 000 türkische Pfund, die er vor vielen Jahren in der Konstantinopeler Filiale einer Pari­ser Bank deponiert hat, zurück zu erhalten. Das Geld wird der türkischen Regierung übergeben werden, die es alsdann dem Exsultan zustellen wird.

An der Küste von Island gestrandet ist am 21. Februar der deutsche Fischereidampfer Brema" aus Bremerhaven. Von der Besatzung sind sieben Mann umgekommen, unter ihnen alle Offiziere.

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Aschberger

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verurteilt.

Ein folgenschwerer Baunnfall hat sich am Sonnabend mittag auf einem Neubau in Reinickendorf bet Berlin er eignet. Das Gerüst des vierten Stockwertes brach durch und drei Arbeiter stürzten in die Tiefe. Ein Steinträger wurde getötet, zwei andere Arbeiter wurden verletzt, da von einer schwer.

Ein eigenartiger Unfall wird aus Allenstein gemeldet. In Bischdorf stürzte ein mit Beschneiden einer Hecke beschäf­tigter Arbeiter plöblich ab, wobei ihm die Spitze der Schere ins Herz drang, so daß der Tod sofort eintrat. Ueber den Sturm als Lebensretter wird aus Halle ge­meldet: Im zweiten Stockwerk einer Wohnung auf dem Alten Markte brach in der Küche Feuer aus. Die kleine Tochter des Wohnungsinhabers, die sich allein in den Räu­men befand, sprang vor Angst aus dem Fenster. Der herr­Selma überreichte sie ihm mit dem Bemerken, daß sie das Kästchen, in dem sich die Schlüssel befanden, von dem Kassierer empfangen habe. Vorgestern abend noch habe der Vater, der sich schon unwohl fühlte, das Kästchen mit sich genommen, wie er es stets gepflegt. Am Morgen sei der Chef noch einmal in das Comptoir gegangen, aber schon eine halbe Stunde später habe man ihn in das Bett tra­gen müssen. Gegen Abend sei er eine Leiche gewesen. Lettwillige Vorkehrungen habe er nicht treffen können, da er bewußtlos gewesen sei.

Die Angst um die Geliebte schwächte den Schmerz um den Vater ab. Karl suchte zwar sein Bett auf, aber er fonnte nicht schlafen. Als der Morgen graute, erhob er sich, abgespannt und wüst wie nach einer durchschwärmten Nacht. Was fonnte der Tag ihm bringen? Eine Last von Geschäften wartete seiner, da der tätige Chef des Hauses fehlte. Tie Lücke, die entstanden, war nicht so leicht auszufüllen. Und wer konnte sofort die begonnenen Ueberrechnungen fortsetzen? Wer war im Stande, die Kalkulationen zu durchschauen, die den unternehmenden Kaufherrn beschäftigt hatten? Der Sohn kannte den Stand des Geschäfts nicht, da er größtenteils als Korrespondent tätig gewesen, während der rastlose Vater sich der Ober­leitung unterzogen hatte. Es mußte nun seine erste Sorge sein, sich Einsicht zu verschaffen und jede Stockung zu ver­meiden. Rasch kleidete er sich an. Als er den Hausflur betrat, öffnete ein Knecht die Tür. Ein prachtvoller Som­mermorgen war angebrochen; Licht und Wärme drangen in das Haus. Die Straße war schon zwar belebt, aber man sah nur bleiche und ängstliche Gesichter. Der beginnende Verkehr trug einen düsteren Charakter. War es doch, als ob die Leute, die gezwungen waren, dem Broterwerb nach­zugehen, mit jedem Schritte dem lauernden Tode zu be­gegnen fürchteten. Tie Precht des Wetters schien eine Tünche zu sein, die Moder und Verwesung bedeckte.

Eine neue Angst bemächtigte sich Karls, nachdem er eine Viertelstunde über seine Lage nachgedacht hatte. Es wohnte ein Mädchen in der schwer heimgesuchten Stadt, an dem sein ganzes Herz hing. Auguste war seine erste Liebe, der Gegenstand seiner heißen Sehnsucht, Der Schmerz um den Vater hatte nicht gestattet, daß er sich ernstlich mit ihr beschäftigte.

O, mein Gott," rief er seufzend,, wenn auch ihr ein Unglück zugestoßen wäre! Nein, nein, Gott wird meine Auguste schützen. er kann mir nicht Alles rauben, was

,, Wer hat die Schlüssel zum Comptoir?" fragte Karl den Knecht, der den Hausflur reinigte.

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" Ich glaube, Fräulein Selma hat sie an sich genom­,, Wann?"

Gestern Abend."

Karl ging zu der Schwester seines Vaters. Selma saß noch im Negligee beim Kaffee. Sie grüßte schmerzlich und lud den Neffen zu Gaste.. Dieser beeilte sich, die ihm ge= botene Tasse zu leeren. Dann erbat er sich die Schlüssel.

So berichtete Selma.

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Karl nahm die Schlüssel und stieg in das Erdgeschoß hinab. Er öffnete die Türen. In den Comptoiren be­fand sich alles, wie er es zu sehen gewohnt war. Mit ban gem Herzen betrat er das Kabinett seines Vaters. Dori stand das Arbeitspult des Verstorbenen und dort ein eiser­ner Geldschrank, in welchem der vorsichtige Chef das Haupt­buch und die Wertpapiere aufbewahrte. Der junge Mann saß lange au fdem Stuhle des Vaters und sah träumend durch den Raum, der ihm unendlich öde erschien. Er konnte die gräßliche Veränderung kaum begreifen, die in so kurzer Zeit eingetreten. Vor vier Wochen trat er mit einem Freunde die Reise nach der Schweiz an; er sandte Briefe aus Zürich und Bern in die Heimat, die den Hoch­genuß schilderten, den die Alpen gewährten... auch die Geliebte hatte einen zärtlichen Brief empfangen und da für einen nicht minder zärtlichen nach Genf geschickt, dann war die Korrespondenz unterbrochen. Seit vierzehn Ta gen wußte Karl nichts von seiner Familie; in Nürnberg liest er, daß in seiner Vaterstadt die Cholera sich zeige... nicht die Sorge, sondern die Sehnsucht trieb ihn rasch zurüc Der verstorbene Friedrich Halling galt für einen wohl habenden Großhändler und erfreute sich in der Geschäfts­welt eines unbegrenzten Vertrauens. Solidität und Pünkt lichkeit im Verkehr gingen ihm über alles. ( Fortsetzung folgt.)

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