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schende Sturmwind verfing sich in den Kleidern des Kindes, fo daß es fast vom Winde getragen wurde und unverlegt auf dem Hofe anfam.
Ein schwerer Unfall bei einer Theaterprobe hat sich am Sonnabend im Operettentheater in Hamburg ereignet. Es ftürzte ein Stück vom Bühnenboden ab, wobei drei Damen mit in die Tiefe gerissen wurden und schwere Verletzungen davontrugen.
Um an den Freuden des Karnevals teilnehmen zu fönnen, unterschlug ein junger Kaufmann aus Düsseldorf 10 000 Mart, die er bei einer Bank abheben sollte. Er wurde in Cöln verhaftet.
Ein schweres Grubenunglück wird aus Gleiwit gemeldet. Auf der Wolfganggrube stürzten dret Maschinenarbei ter beim Butagefördern eines schweren eisernen Trägers in den Schacht. Alle drei wurden zerschmettert.
Ein Irrfinniger stürzte sich in Utiol bei Valencia in einem Cafe auf die Gäste und stach alle Erreichbaren nieder, bis er durch einen Revolverschuß ins Auge getroffen uno getötet wurde. Ein Dußend Personen wurde schwer verletzt.
Von einem hungrigen Bären geraubt wurde in der Nähe von Petersburg ein vierjähriges Mädchen aus dem Kreise ihrer Spielgefährtinnen. Als man den Bären verfolgte, ließ er seine Beute fallen. Das Kind war jedoch be reits tot.
Aus den Gerichtssälen.
Das oberbayerische Schwurgericht in München beschäf tigte sich in dreitägiger Verhandlung mit den Angeklagten Anton Ulrich, dessen Ehefrau Karoline Ulrich und dem Metzger Ludwig Aschberger. Diese hatten im August v. J. die 65 Jahre alte Privatiere Jda Feldmater, bei der die Karoline zum Schein als Dienstmädchen eingetreten war, überfallen, gefesselt und gefnebelt, wobei die 65 Jahre alté Frau den Erstickungstod fand. Anton Ulrich und Ludwig Aschberger wurden am Sonnabend zu lebenslänglichem Zuchthaus und Karoline Ulrich zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Vermischtes.
Doppelselbstmord im Eisenbahnzuge. Als der von Leipzig kommende Personenzug Sonnabend mittag auf dem Chemnitzer Hauptbahnhof eintraf, fand man in einem Abteil zweiter Klasse die Leichen eines alten Herrn und eines jungen Mädchens. Das Paar war in Wittgensdorf eingestiegen und hatte sich während der Fahrt mit Blausäure vergiftet. Die Toten wurden nach dem Chemnizer Krankenhaus gebracht. Es handelt sich um ein Liebespaar, und zwar um einen 60 Jahre alten Zollbeamten aus Riga und um eine 23jährige Näherin aus Leisnig i. Sa. In einem hinterlassenen, an die Polizei gerichteten Briefe bitten sie, in Chemnik verbrannt zu werden. Als Grund zur Tat geben sie Schwermut über eine unheilbare Krankheit an.
Ein fühnes Reiterstückchen. Wir lesen in der„ D. Tgztg." In Gran wird ein fühnes Reiterstück, welches ein Infanterieoffizier machte, viel bewundert und besprochen. In einem Gespräche äußerte sich ein Oberschullehrer, daß nur die Husarenoffiziere wirklich gute Reiter seien. Dem widersprach der Leutnant Bela Balogh de Galante vom 76. Infanterieregiment lebhaft und wettete mit dem Oberlehrer, daß er am nächsten Tage mit seinem Pferde in den ersten Stock des Oberrealschulgebäudes hinauf- und ohne eine Pause zu machen wieder die Treppe hinabreiten werde. Er gewann die Wette glänzend. Der junge Offizier ist als ausgezeichneter Reiter bekannt.
Der Schreden der Pest. In Charbin wurde mit der Ausgrabung der Pestleichen begonnen, um die Verbrennung der Leichen vorzunehmen. Bisher sind 7000 Leichen ausgegraben worden. Die Stadt Beibulindse ist dem AusSterben geweiht. Die Bewohner fliehen, von panischer Furcht erfüllt. Täglich kommen bis fünfhundert Todesfälle vor. Die gesamte Polizei der Stadt ist gestorben, odaß die Stadt täglich durch Marodeure geplündert wird. In der Umgegend von Beibulindse liegen viertausend Bestleichen umher. In der Stadt Tjandshan ist die Pest Im Gefängnis ausgebrochen; alle Insassen des Gefäng= nisses sind dem Tode geweiht.
Bombenanschlag in einem Vortragssaal. Unter dem Podium der Akademie der schönen Künste in Chicago entdeckte die Polizei, kurz bevor dort der ungarische Graf Apponyi einen Vortrag halten sollte, zwei Bomben, deren Zünder aber erst eine halbe Stunde später gewirkt hätten. Sie umringte sofort den Saal und nahm alle verdächtigen Individuen fest; Graf Apponyi wurde nach und von dem Bersammlungslokal von einer starken Polizeiabteilung be= gleitet. Wären die Bomben explodiert, so wären die VerTuste an Menschenleben fürchterlich gewesen.
Die sprechende Uhr. In Bern, der altberühmten Stätte der Uhrmacherkunst, hat man teht eine neue Uhr ersonnen, die die Stunden nicht mehr schlägt, sondern regelrecht mit Menschenstimme ansagt, eine vollkommen sprechende Uhr. Es handelt sich dabei um eine einfache Kombination von Uhr und Phonograph. Alle Viertelstunde wird der im Uhrgehäuse verborgene fleine Phonograph in Tätigkeit gesetzt und kündet laut die Zeit. Eine ein fache Vorrichtung ermöglicht es, während der Nachtstunden den Phonographen auszuschalten.
Die Pilgerfahrt einer Braut. Die Braut des jungen englischen Forschers Leutnant Boyd Alexander, der im Mai des vergangenen Jahres auf seiner Expedition durch den dunklen Erdteil in der Nähe des Tschadsees von Eingeborenen ermordet wurde, hat nun ihren Vorsaz ausge= führt: sie hat die Stätte besucht, an der der Mann, der dereinst ihr Gatte werden sollte, als ein Märtyrer der Wissenschaft und ein Opfer seiner Kühnheit fiel. Miß Olive Mac Leed hat die traurige Fahrt ohne Beglei tung eines Weißen gewagt; mit einem Gefolge von schwarBen Trägern unternahm ste von der Küste Nigerias aus den Vormarsch in die Wildnis Mittelafrikas, wo in Malfoni die beiden Brüder Alexander ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Denn auch der ältere Bruder des Leuthants Boyd Alexander hat auf einer Expedition in der gleichen Region seinen Tod gefunden. Die kühne junge Dame war durch feine Bedenken abzuhalten gewesen, ihr berwegenes Vorhaben auszuführen, das ihr als eine letzte Pflicht gegen den verstorbenen Bräutigam erschien: im August vorigen Jahres hat sie die Abreise von England angetreten, und sechs Monate später dte Stätte erreicht, wo Boyd Alexander im Herzen des dunklen Weltteils seine legte Ruhestätte gefunden hat.
Die Schlaftur. In der friedlichen und ein wenig schläfrigen Landschaft der Touraine ist ein eigenartiges Paradies für Nervenkranke erstanden, das von den Grünbern, die Menschenkenner zu sein scheinen, den treffenden Namen„ Somnarium" erhalten hat. Die einzige Pflicht, die die Gäste dieser Anstalt zu erfüllen haben, ist, zu schlafen, zu schlafen bei Tag und zu schlafen bei Nacht. Der hie aussterbenden Sehnsucht nach der Romantik des Unge=
wöhnlichen ist Rechnung getragen: Wer einmal dies Schlummerland betreten hat, läßt die Welt und seine Vergangenheit hinter sich. Alle Kleider und Toiletten, die man unter Menschen trug, werden zurückgeschickt, neue Gewänder müssen angelegt werden. Aber die Patienten, Nervenleidende, die an schwindender Willenskraft, Ges dächtnisschwäche, Melancholte usw. leiden, streifen nicht nur die Gewänder der Welt ab, fie opfern auch ihren bür gerlichen Namen. Mit dem Eintritt in das Somnarium nimmt jeder Pattent den Namen des Zimmers an, das ihm zugewiesen wird. Die Zimmer scheinen alle nach berühmten Dottoren benannt zu sein, so heißt eins Charcot, und sein Bewohner wird demgemäß Monsieur oder Madame Charcot genannt. Für Schwerleidende sind indigoblau tapezierte Zimmer vorgesehen, weil diese Farbe die Nerven beruhigt, Refonpaleszenten erhalten grün tapezierte Bimmer. Im übrigen aber lautet die Parole: Schlafen, schlafen, schlafen. Wo Schlummerlosigkeit wal tet, werden die Räume durch erotische Düfte parfümiert, die nach den Erfahrungen der leitenden Aerzte angeblich Das beste Schlafmittel sind; man verfügt über ein ganzes Arsenal solcher Schlummerdüfte.
Hinter den Kulissen des Cölner Karnevals. Dem „ Berl. Lot.- Anz." wird aus Cöln geschrieben: Während zahlreiche fleißige Hände die Schlußarbeiten an den Wagen des Rosenmontagszuges verrichten, unter denen besonders die Prachtwagen des Prinzen Karneval und die beiden anderen Hauptfiguren, der Cölner Bauer und die Jungfrau, Bewunderung und Aufsehen erregen dürften, spielen sich hinter den Kulissen vielbesprochene Vorgänge ab. Eine Anzahl der in letzter Zett mehrfach aufgetauchten ,, Wanderredner" hatte sich zusammengetan und mehrere farnevalistische Sigungen unter dem Namen" Reformtzung" veranstaltet, mit denen sich jetzt die Staatsanwaltschaft beschäftigt. Diese hat mehrere Lieder beschlagnahmt, deren Inhalt derart obszön war, daß gegen die Verfasser gerichtlich eingeschritten werden soll. Ein anderer Fall zeigt, in wie leichtfertiger Weise fleinere Karnevalsges sellschaften Wirtschaften und Handwerker schädigen. Es ist feine Seltenheit, daß die Vorstände von Karnevalsverbänden mit den von ihnen verwalteten Eintrittsgeldern Privatgeschäfte machen. Einer Cölner Firma passierte es, daß sie den ganzen Vorstand einer Cölner Gesellschaft wegen Nichtbezahlung gelieferter Drucksachen verklagen mußte; fie mußte alle Herren ohne Ausnahme zum Offenbarungseide laden lassen, ohne einen Pfennig zu erhalten. Bet sämtlichen Vorstandsmitgliedern war nichts zu pfänden.
Entenjagd mit Lichtbündeln. Die Liebhaber der Entenjagd werden von Frankreich aus mit einem Vorschlag überrascht, der ihnen, wenn sie rechte Jäger sind, nur wenig gefallen wird. Es wird nämlich ein Mittel angegeben, wilde Enten zu fangen, ohne einen Schuß abzugeben. Man stellt einen großen Käfig an den Rand des Wassers, wo sich das Geflügel aufhält. Dieser besitzt nach der Wasserseite hin eine leichte Falle, die sich nur von außen nach innen öffnet. Der Käfig ragt 50 bis 60 Zentimeter über die Wasserfläche empor, und dieselbe Höhe besitzt auch die Falle. Hinter dem Ganzen steht auf dem Ufer eine Art von kleinem Leuchtturm der mit Acetylenlicht gespeist wird und ein Lichtbündel nach jeder beliebigen Richtung auszusenden vermag. Wenn der Jäger das Geräusch eines Buges wilder Enten hört, so lenkt er die Lichtstrahlen in die betreffende Richtung. Die Vögel sollen von dem starken Licht angezogen werden. Der Lichtstrahl muß nun weiter so gedreht werden, daß er bis ins Innere des Käfigs hineinführt und schließlich auf dessen Inneres beschränkt bleibt. Angeblich folgen die Enten dem Lichtstrahl besinnungslos, so daß sie in die Falle gehen. Es soll auf diese Weise möglich sein, ganze Flüge von 50 bis 60 oder sogar 80 Enten mit einem Schlag zu erbeuten. Die Sache erinnert an die berühmte Ge= schichte vom Hahn, der durch einen Kreidestrich hypnotisiert wird. Außerdem wird der Bericht dadurch verdächtig, daß er von der Zeitschrift der französischen Interessenten der Acetylenindustrie in die Welt gesetzt worden ist.
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
Professor Metschnikoff über den Krebs. Im Anschluß an den internationalen Kongreß zur Bekämpfung der bösar= tigen Geschwülste bespricht der berühmte Gelehrte die verschiedenen im Laufe der Zeit vorgeschlagenen Methoden, den Krebs zu behandeln, elektrische Behandlung, HizebeHandlung, Radium, Serum und anderes und kommt zu dem Schlusse, daß heue noch die aussichtsreichste Behandlung des Krebses in der Entfernung der Geschwulst mit dem Messer besteht. Das Wahrscheinlichste ist, daß es sich auch beim Krebs um kleine Lebewesen handelt, die die Krankheit hervorrufen. Der Krebs entwidelt fich gern an Warzen und Muttermalen, diese lassen sich leicht mit den neuen kosmetischen Methoden ohne Verunzierung entfernen. Das häufigere Auftreten des Zungenkrebses bet Männern als bei Frauen ist wohl auf die Unfitte des Rauchens zurückzuführen. Es ist auffällig, daß der Hautfrebs bet Landbewohnern häufiger ist als bei Städtern. Metschnikoff führt das auf die mangelhafte Reinlichkeit und Hautpflege der Landbewohner zurück.
Der Fenersee in Deutsch- Samoa.
Nachdem schon so manches über die großartigen vulkanischen Ausbrüche auf der Insel Sawai geschrieben worden ist, bringt jezt Dr. Schmittmann in Petermanns Mitteilungen" eine Reihe von trefflichen Photographien nebst einer kurzen Schilderung, die sich insbesondere auf den Feuersee des dortigen Vulkans bezieht.
Es muß in der Tat ein überwältigender Eindruck sein, über den Rand des neuen Kraters hinweg in diesen Herenkessel zu schauen, auf dessen Boden die rotglühende Lava stedet. Eine andere Photographie zeigt die gewaltige Dampfsäule, die aus dem Meer aufsteigt, wenn die Lava über die Küste hinaus fließt und ins Wasser gelangt. Ein drittes Bild gewährt den Anblid trostloser Vernichtung, die durch einen Lavastrom in einer Pflanzung von Kokospalmen angerichtet worden ist. Ueber der zu Blöcken und Fladen erfalteten Lava liegen die verkohlten Riesenstämme der Palmen durcheinander oder ragen an einigen Stellen noch als Strünke, ihrer Kronen völlig beraubt, in die Luft. Der noch nicht zur Ruhe gekommene Aus= bruch der Vulkaninsel begann im August 1905; der Hauptlavastrom erreichte eine Breite von 10 Kilometern und hat auf seinem Wege bis zum Meer alles Leben vernichtet. Der Teil des Lavastromes, der ins Wasser gelangt ist, steht jetzt wie gefroren aus. Als er zu fließen aufhörte, bahnte sich die Lava einen anderen unterirdischen Abfluß aus dem Krater und gelangte, von der Oberfläche aus ge=
sehen, zum Meer, wo sich seine Ankunft durch die Entwick lung von mächtigen Dampfsäulen verrät. Die Landschaft in der nächsten Umgebung der Kraters wird mit einem weiten schwarzen Meer des Todes und der Vernichtung verglichen. Die Urwaldriesen an den Waldrändern sind durch Dämpfe derart angegriffen, daß sie aussehen wie gebleichte Knochen. Auch sie sind ihres Laubes völlig beraubt und strecken gespensterhaft ihre nackten Arme wie hilfesuchend gen Himmel. Es tostet eine gehörige Anstrengung, sich über die Lavamassen, die hier und da noch Dämpfe ausscheiden; mehrere Stunden lang bis zum ei gentlichen Kraterrand hindurchzuarbeiten. Das Ziel dieses anstrengenden Marsches läßt sich auch ohne Wegweiser und Kompaß nicht verfehlen, denn es wird durch die röts liche Färbung des Himmels bezeichnet, an dem sich die Gluten des Feuersees widerspiegeln. Am Abend mit zunehmender Dunkelheit wird das Schauspiel natürlich noch großartiger und schauriger. Der Beobachter vergleicht sein Gefühl mit dem bei einer Annäherung an eine große bren= nende Stadt. Gegen Mitternacht war der Kraterrand erreicht, nachdem die an der Expedition beteiligten Eingeborenen zurückgeblieben waren, da sie durch kein Gewalt mittel einen Schritt weiter gebracht werden konnten, weil ihre Phantasie den Krater mit bösen Geistern bevölkerte. Der Blick in den Krater selbst mußte freilich auch den nüchternsten Menschen aufs tiefste ergreifen. Die Wände des Kessels stürzten etwa 100 Meter steil abwärts, und drun ten brüllte ein Feuersee, die ganze Umgebung mit einer roten Glut übergießend. Die feurigflüssigen Massen dre= hen sich im Wirbel; Glasblasen steigen auf und platen mit heftigem Knall an der Oberfläche; rotglühende Springbrunnen werden emporgeschleudert und zersprigen wie Blutstropfen nach allen Seiten. Dazu ein ohrenbetäubendes Geräusch. Wenn Samoa nicht so gar weit wäre, so würde der Feuersee von Sawai jetzt gewiß zu den meistbesuchten Plätzen der Erde gehören.
Drabtnachrichten und Deuestes.
Handwerkertag.
Berlin, 27. Februar. In den Germaniaprachtsälen trat gestern vormittag der Bund der Handwerker zu seiner 6. Generalversammlung zusammen. Unter der stattlichen Zahl der Erschienenen, die aus allen Landesteilen herbeigeeilt waren, bemerkte man den Landtagsabgeordneten Hammer( kons.), den Reichstagsabgeordneten Werner( Rfp.) svwie die Zentrumsabgeordneten Irl und Paulg- Cochem. Nach der Begrüßung der Delegierten ergriff der Bundesvorsitzende Voigt das Wort zu seinem Referat über das Handwerk und die nächsten Reichstagswahlen. Nach einem Korreferat des Malermeisters Martin- Alsfeld, des Landesvorsitzenden für beide Hessen nahm der stellvertretende Provinzialvorsitzende für die Provinz Brandenburg, Reichstagsabgeordneter Werner das Wort zu seinem Vortrage: Das Handwerk und der Hansabund, in dem er sich scharf gegen den Hansabund wandte, der die Mittelstandsbewegung bekämpfe und einzig und allein die linfsstehenden Parteier fördere.
Vertrachter Rabattverein.
Berlin, 27. Februar. Wie bereits berichtet, ist der Rabattsparverein Norden" wegen finanzieller Schwierigfeiten in Liquidation gegangen. Soweit sich bisher feststellen ließ, beträgt die Unterbilanz 500 000 M, doch dürfte sich bei genauerer Prüfung noch eine größere Summe ergeben. Seit dem Jahre 1902, in dem der Verein in eine G. m. b. S. umgewandelt worden war, herrschte im Geschäftsbetrieb des Unternehmens eine unglaubliche Willfür seitens der Leiter. Die Mitglieder hatten bei ihrem Eintritt 10 M zu zahlen, erhielten dafür aber keine Rechte, die es ihnen ermöglicht hätten, Einsicht in die Geschäftsführung zu nehmen. Ebensowenig stand ihnen das Recht zu, Rechenschaft von dem Vorstand über die Anlage der Kapitalien, die aus ihren Einlagen und dem Gewinn aus dem Rabattmarkensystem bestanden, zu fordern. Da die Mitglieder des Vereins ausschließlich aus kleinen Leuten bestehen, so wagte niemand, sein Geld zurückzuziehen, umsomehr, als dies mit einem Verlust von 10 Prozent der Einlage verbunden war.
Der verschwundene Bürgermeister.
Berlin, 27. Februar. Die Nachforschungen nach dem verschollenen Bürgermeister Trömel von Usedom scheinen bis jetzt wenigstens ergeben zu haben, daß der Vermißte noch am Leben ist. Am Sonnabend soll er auf dem Bahnhof Kreuz gesehen worden sein. Es wird erwartet, daß Trömel, der anscheinend in einem Zustand nervöser Ueberreizung planlos umherirrt, noch heute ermittelt und nach Usedom zurückgebracht werden wird.
Sturmfahrt eines Ballons.
Chemniß, 27. Februar. Bei sturmartigem Winde stteg gestern vormittag der Ballon Chemniß zu einer Fernfahrt auf. Bereits nach 78 Minuten befand er sich über Prag und landete in der Nähe von Prag. Die 130 Kilo meter betragende Strecke wurde in 78 Minuten zurückgeTegt.
Selbstmord eines Defraudanten.
Gera( Reuß), 27. Februar. Hier hat sich der etwa 20 Jahre alte Kommis Herwagen, der seinem Prinzipal mittels Nachschlüssels aus einem verschlossenen eisernen Schranke nach und nach ca. 3000 M entwendet hatte, aus Furcht vor Strafe erschossen.
Tod infolge Grünspanvergiftung.
Gera( Reuß), 27. Februar. Infolge von Blutvergiftung starb hter eine Frau im Alter von etwa 40 Jahren. Sie war mit dem Reinigen eines metallenen Teefofeffels beschäftigt, der längere Zeit nicht benutzt worden war und etwas Grünspan enthielt, der nun mit Puzmitteln entfernt werden sollte. Dabei hat sich die Frau eine unbedeutende Handverlegung und dadurch eine Blutvergiftung zugezo= gen, die nach wenigen Tagen den Tod der Frau herbeiführte.
Zwei Opfer der Schundliteratur.
Olmük, 27. Februar. Im benachbarten Zwittau erhängten sich die Volksschüler Schmitt und Batscha aus Furcht vor Entdeckung kleiner Näschereien. Bei den Leichen wurde ein Detektivroman mit dem Bilde zweier gemeinsam erhängter Knaben gefunden.
Massendiebstähle in einem Ruhrhafen. Duisburg, 27. Februar. Die Kriminalpolizei entdeckte eine Diebesbande, die seit 1909 im Ruhrorter Hafen um= fangreiche Kohlendiebstähle vollführte. Ganze Waggong wurden mit fingierten Frachtbriefen aus dem Hafen geschafft; die Menge der gestohlenen Kohlen wurde bisher mit 6000 Zentnern ermittelt.
Beruntreuungen in einem russischen Asyl. Petersburg, 27. Februar. Im hiesigen Taubstummenasyl, das unter dem Protektorat der Zarinmutter steht, sind eine halbe Million Anstaltsgelder gestohlen worden. Der schuldige Rentmeister Kusmin wurde verhaftet. Er hat die Veruntreuungen innerhalb 5 Jahren ausgeführt. Die amerikanischen Millionäre und die englische Königsfrönung.
Nenyort, 27. Februar. Für die Neise zur Krönung des Königs von England haben 50 Millionäre den Ozeandampfer Olympia für sich, ihre Familien und Dienerschaft gechartert. Sie bezahlen angeblich für diese Reise 2,4 Mil Itonen Mark,


