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Pfarrer Jatho feines Amtes entfekt.

Die Hauptverhandlung gegen den Cölner Pfarrer Fatho, die, wie wir meldeten, vor dem Spruchkollegium bes Evangelischen Oberkirchenrats in Berlin geführt wurde, ist beendet. Das Kollegium erklärte eine fer­nere Wirksamkeit des Pfarrers Jatho innerhalb der preußischen Landeskirche für unmöglich. Der Spruch wurde mit Dreiviertel- Majorität gefällt.

Ans den Verteidigungsreden,

fede Lehrschranke fallen, wenn ein Bantheist wie Jatho in der Kirche verbleibt.

Was die

materielle Wirkung des Urteils gegen Jatho betrifft, so ist zu bemerken, daß nach dem geltenden Irrlehregesetz der Cölner Pfarrer von der Behörde nunmehr feines Amtes entsetzt werden muß, daß er aber die ihm gefeßlich zustehende Pension behält, da nach dem neuen Gesetz die Absehung eines Geist­lichen wegen Irrlehre nicht als Strafe wegen eines Disziplinarvergehens angesehen werden soll. Die Cöl­ner Freunde Jathos haben außerdem eine erheb= liche Geldsumme gesammelt und auf einer Cöl­ner Bank depontert, um die wirtschaftliche Zukunft Jathos sicherzustellen. Es wird sich wahrscheinlich um eine freireligiöse Gemeinde handeln.

die der Professor der praktischen Theologie Baum= garten- Kiel und Pfarrer Traub aus Dortmund hielten, teilen wir noch einiges mit. Baumgarten nahm als erster Verteidiger das Wort. Er ging davon aus, daß er persönlich in theologischer Beziehung sehr weit von Jatho differtere, und daß es deshalb für ihn ursprünglich durchaus eine Frage gewesen sei, ob er Angeschuldigte noch als Geistlicher auf einer evange­Itschen Kanzel geduldet werden könnte. Nunmehr wolle er die Sache aber von einer anderen Seite betrachten, wie nämlich die Wirkung der angefochtenen Lehre gewesett set. Sterbet verlas er tells ganz, teils auszugsweise etwa fünfzig Briefe aus der Menge aller der vielen, die an Jatho gerichtet worden sind. Dem Cölner Getftlichen wird darin von den Absendern tief­fter Dank dafür ausgesprochen, daß er sie erst wieder aus der Kirchenfremdheit herausgerettet und wieder zu einem religiösen Leben gebracht habe. Persönlich hält Baumgarten Jathos Standpunkt für pantheistisch; ob­wohl er sich empfindungsgemäß in seiner Predigt auch an Jesum Christum anlehne, so wurzeln seine wahren religiösen Gefühle doch mehr im allgemeinen Gedanken von Religiosität als in den historischen Grundlagen des Christentums.

Der zwette Verteidiger Pfarrer Traub äußer­te sich zunächst über die kirchenrechtliche Seite der Frage und nahm unter diesem Gesichtspunkt das gesamte At­tenmaterial durch. Vor allem hob er hervor, wie ver­hältnismäßig bedeutungslos doch eigentlich die Be­schwerden seien, die aus Cöln und anderen Orten zu den Akten gegeben wurden. Speziell aus Cöln fet es nur immer ein und derselbe Mann gewesen, der sich beschwert gefühlt habe, und dies set eine Persönlichkeit, die sich schon früher in Düsseldorf als religiöser Queru­lant betätigt habe. Alsdann ging Pfarrer Traub eben­falls zur religiösen Würdigung der Tätigkeit Jathos über und verteidigte seinen Klienten gegen den Vor­wurf der Unverträglichkeit seiner Lehre mit den Be fenntnissen der Kirche. Besonders hob er dann noch das landeskirchliche Interesse hervor, das an einer Frei­sprechung Jathos bestehe.

Jathos Schlußwort.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

staatliche Bensions- und Hinterbliebenenversicherung der Privatangestellten hat wiederum in Berlin getagt, um zu dem Gesetzentwurf betreffend die Angestelltenversicherung Stellung zu nehmen. Die Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, daß der Entwurf nach wie vor als eine brauch bare Grundlage für die Schaffung des Gesetzes anzusehen sei, dessen baldige Verabschiedung im Reichstage erstrebt werden müsse.

Der Kaiser, der am Sonnabend einer Einladung des amerikanischen Admirals Badger zur Besichtigung des amerikanischen Flaggschiffes Louisiana" gefolgt war und dort auch das Frühstück eingenommen hatte, hielt Sonn­tag morgen an Bord der Hohenzollern" Gottesdienst ab. Zum Mitsegeln an Bord der Jacht Meteor" bei der Wett­fahrt des Norddeutschen Regattavereins auf der Kieler Föhrde waren u. a. geladen: Reichskanzler Dr. von Beth­mann Hollweg und Staatsminister Freiherr von Schor­Iemer. Die Stadt Kiel veranstaltete Sonnabend nach­mittog im Reichshallen- Theater eine Festlichkeit für die Matrosen der amerikanischen Linienschiffe. Etwa 800 Mann nahmen daran teil. Sonntag vormittag fand ein Wettrudern zwischen deutschen und amerikanischen Boo­ten statt.

Zuletzt nahm Pfarrer Jatho selbst zu einer kurzen Schlußbemerkung das Wort. Er dankte zunächst seinen Verteidigern für all thr Mühen und erklärte dann, daß er der Entscheidung des Spruchkollegiums, wie sie auch fallen möge, mit voller Ruhe entgegenjehe. Es handle fich für ihn hier nun nicht mehr um seine Person, son­dern um die Sache. Um thretwillen würde er es aufs tteffte bedauern, wenn es ihm durch den Spruch des Kollegiums unmöglich gemacht werden sollte, feiner Cölner Gemeinde weiter zu dienen. Im Laufe der Jahrzehnte set sie ihm das Zeuerste auf der Erde ge= worden, und die Liebe und Treue, die er von ihr, na­mentlich in lezter Zeit, erfahren habe, set zum größten Glück seines Lebens geworden. Er verkenne nicht die ungeheure Verantwortung und die schwierige Lage des Spruchkollegiums und hoffe nur, daß eine Entscheidung gefällt werden möchte, die dem Interesse der Religion und der Kirche entspräche.

Hierauf wurde die Sitzung aufgehoben, und das Spruchkollegium zog sich zur Beschlußfassung zurück. Das Urteil

lautete folgendermaßen:

Der Zolibeamten- Reichsverband, der über 14 000 Mit glieder zählt, hielt vom 22. bis 24. Juni seinen diesjährts gen Verbandstag in Dresden ab. Finanzminister Lenze Sprach telegraphisch das Vertrauen aus, daß der alte gute Geist der Zollbeamten auch fernerhin lebendig bleiben möge. An den Bundesrat, den Reichstag und die einzel­staatlichen Regierungen und Parlamente wurde eine Ent­schließung gerichtet, in der die Erhebung und Verwaltung der Zölle und gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern auf das Reich angeregt wird. Außerdem enthielt die Resolution die Bitte um einen Ausgleich der Gehaltsverhältnisse im Reich und in den Bundesstaaten, um eine fachgemäße Auss bildung der Zollaufseher, um eine Regelung der Dienst und Urlaubsverhältnisse und anderer allgemeiner Beam­tenforderungen.

Der Staatssekretär des Reichstolonialamtes von Lindequist wird seine mehrfach angekündigte Reise nach Südwestafrika im Oktober antreten. Der Staatssekretär will in erster Linie die Diamantenfrage an Ort und Stelle studieren.

Die Kaisermanöver in Frage gestellt? Die Maul- und Klauenseuche, die in der vorigen Woche im südlichen Hol­stein vereinzelt festgestellt wurde, hat sich in den letzten Ta­gen über den ganzen südlichen Teil der Provinz Holstein ausgebreitet, so daß ganze Ortschaften verseucht worden sind. Das Vieh stirbt in großen Mengen. Die für die Kaisermanöver, das im Auguft dort abgehalten werden soll, angesagten Einquartierungen sind bereits abbestellt worden, es scheint also, daß die Abhaltung der Kaiserma­növer, die in den verseuchten Teilen, der Provinz statt­finden sollten, in Frage gestellt ist.

Das Spruchkollegium für firchliche Angelegenhet­ten hat nach seiner freien, auf den ganzen Inbegriff der Verhandlungen und Beweise gestüßten Ueberzeug­ung fraft§ 11 des Kirchengesetzes betr. das Verfahren bei der Beanstandung der Lehre von Geistlichen, vom 16. März 1910 festgestellt, daß die weitere Wirksamkeit des Pfarrers Jatho innerhalb der evangelischen Lan= deskirche der älteren Provinzen Preußens mit der Siel­lung, die er zu seiner Lehre zum Bekenntnis der Kirche einnimmt, unvereinbar ist."

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Entsche

Versuch einer neuen Kabinettsbildung in Desterreich. Der vorausgesagte Rücktritt des österreichischen Kabinetts infolge der Niederlage der Christlich- Sozialen bei den Wahlen, die sich nun auf die Seite der Opposiition schlas gen wollen, scheint schon in den nächsten Tagen zur Tat­sache werden zu sollen. Die Wiener Neue Frete Presse" meldet: Neben den Verhandlungen, die Ministerpräsident Freiherr von Bienerth in den nächsten Tagen mit den Par­teiführern pflegen wird, werden Verhandlungen des Frei­heren von Gautsch gehen, der den Auftrag erhalten hat, sich wegen der Durchführung der großen Arbeitsprogramme, mit den Parteien zu verständigen. Wenn die Verhand­lungen des Freiherrn von Gautsch, die sich auch auf eine Kabinettsbildung beziehen werden, Erfolg haben, so tritt Freiherr von Bienerth zurück und Freiherr von Gautsch wird sein Nachfolger. Letterer würde eine gemischtes Kai binett aus Beamten und Parlamentariern bilden.

Zum Konflitt im Hansabund nimmt auch die Nordd. Allgem. 3tg." Stellung, und sie verteidigt sich dabei gegen die Kritik, die ihre von uns mitgeteilten Auslassungen über die Hansabundtagung gefunden haben: Vor acht Ta­gen haben wir uns in rein sachlicher Weise unter Hervor­hebung äußerer Erfolge des Hansabundes mit dessen lezz­ter Tagung beschäftigt, und Bedauern über die in ein­zelnen Reden enthaltene Agitationsmethode sowie über die sdwere Gefahr geäußert, die aus dem Hineintragen neuer Gegensäge in die Interessen der verschiedenen Erwerbs­stände für unser öffentliches Leben erwachsen. Gleichwohl haben einige Blätter es für passend gehalten, unsere Be­merkungen als anmaßend" zurückzuweisen. Ein Beispiel von Unbefangenheit haben unsere Kritiker damit gewiß nicht gegeben. Vielleicht urteilen sie auch heute schon an­ders, da der Zwist im Präsidium des Hansabundes zeigt, daß wir mit unseren Bedenken nicht allein stehen."

Das Urteil wird dem Spruchkollegium nicht leicht geworden sein. Es war, so schreiben die Leipz. N. N. zu dem Urtell, unverkennbar den Eindruck hat auch der Professor Baumgarten gehabt- daß man am ers sten Tage versuchte, Jatho beim Verhör goldene Brücken zu bauen, die ihn aber in seiner gefühlsmäßt= gen Eigenart eher noch zu schärferen Formulierungen veranlaßten. So wird trotz des Eindrucks, den die Res den der Verteidiger gemacht haben mögen, doch auch gerade dieser Umstand das Spruchkollegium veranlaßt baben, ein Erempel zu statuteren. Selbst Baumgartent, der lintsliberalfte aller zünftigen Theologen, ist ge genüber der Stellung Jalhos für seine eigene Person nach rechts hin erheblich abgerückt. Tatsächlich würde

Und dennoch.

Kleine Nachrichten.

Bäderfrequenz. Baden- Baden 29 947; Badenweller 3138; Badgastein 4962; Brückenau 1243; Davos 13 333; Elster 6300; Ems 7609; Friedrichroda 5147; Homburg 4500; Karlsbad 26 401; Kissingen 13 423; Königstein 3461; Kreuznach 5196; Langenschwalbach 2001; Marien­bad 10 183; Nauheim 14 775; Neuenahr 8863; Niendorf 751; Oberstdorf 2143; Deynhausen 8097; Oldesloe 1246; Orb 1808; Pyrmont 13 007; Reichenhall 7590; Salzun­gen 1565; Salzschlirf 2168; Sooden- Werra 2158; Soden 1750; St. Blasien 5587; Teplitz- Schönau 2722; Trave­münde 2362; Westerland Sylt 3636; Wildbad 5971; Wildungen 4928.

Der diesjährige Vertretertag der nationalliberalen Partei dürfte in Rücksicht auf die kommenden Reichstags­wahlen zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden, als es seither üblich gewesen ist. Sollten, wie heute als ziemlich fesistehend angenommen werden kann, diese Reichstags= wahlen im Januar bezw. Februar 1912 sich vollziehen, so würde der nationalliberale Vertretertag wohl Ende No­vember oder Anfang Dezember nach Berlin berufen wer= den, um Stellung zur allgemeinen politischen Lage zu nehmen und den Wahlaufruf zu erlassen.

Ein deutscher Militärflieger abgeftitrzt. Leutnant Scholz vom Döberizer Militärfliegerkommando stürzte am Sonnabend auf dem Ueberlandfluge beim Bahnhof Wustermark ab. Der Aeroplan schlug zunächst auf ei­nen Baum und stürzte dann total zertrümmert zur Er­de. Scholz hat starke, aber nicht lebensgefährliche Ver­letzungen erlitten.

Gegenüber Anträgen auf Errichtung von Krematorien soll die preußische Regierung zunächst zurückhaltung üben wollen. Wenigstens behauptet die Schlesische Zeitung": Die Staatsregierung beabsichtigt, Krematorien vorläufig nur in den großen Städten zu genehmigen. Sie will auf Grund des Zweckverbandsgesetzes dahin wirken, daß auch die den großen Städten benachbarten Vororte von den Ein­richtungen des zu errichtenden Krematoriums Gebrauch machen können."

Novelle von Ernst Busolt. 9) Nachdruck verboken.) Nach seinem frühen Tode- ihre Mutter hatte sie nicht war sie einem alten, geistig wenig befähigten gefannt Oheim, der als Titularrat verabschiedet wurde, nach Deutschland gefolgt und dort, in Wiesbaden, mit Wlo­dawa bekannt geworden. Roman Wlodawa gehörte nach dem, was Adrian aus Virginiens Reden erfuhr, zu den Abenteurern, denen die Liebe zur zweiten Natur gewor­den ist. Die Ehe mit ihren Fesseln behagt ihnen ebenso­wenig wie jede redliche Arbeit, und da sie nicht bescheiden leben wollen, treten sie als vornehme Gaukler, als Pro­fessionsspieler in die Welt hinaus. Eine solche Natur nun wie die Wlodawas hatte in Virginiens schwachem Oheim eine mächtige Leidenschaft für das Spiel zu entfachen ge= wußt, und bald fand sich dieser Wlodawa gegenüber tief verpflichtet. Das war der Augenblick, den Wlodawa vor­ausgesehen. Seit langen Jahren an eine kränkliche Frau verheiratet, hatte er dies niemandem verraten, und da Seine Frau thres Leidens halber den Aufenthalt nicht zu wechseln vermochte, trat er als Freter um Virginiens Hand hervor. Virginie wurde von dem Oheim bestürmt. Er drohte ihr, sich das Leben nehmen zu wollen, wenn sie sich nicht entschließen wolle, Wlodawas Frau zu werden. Go gab sie sich zum Opfer hin.- Die Trauung fand im Aus­Tand statt.

Die Siebenerkommission des Hauptausschusses für die

Die Beschießung des Ballons Berlin wird im Sta­be der russischen Grenzwache in Abrede gestellt, da je= des Schießen auf Ballons streng verboten ist. 53 habe sich nur um Alarmschüsse gehandelt, zu welchen die Grenzwache verpflichtet set.

Tages fehrte mein Mann von einer Ausfahrt in furcht­barer Aufregung heim. Er hatte mit einem Griechen Streit gehabt. Mehr erfuhr ich nicht. Einige Tage da­rauf wußte sich mir im Bois de Boulogne dieser Grieche zu nähern."

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Der Versuch einen Bersonenzug aur Entgleisung zu bringen, wurde auf der westfälischen Strecke Steele­Dahlhausen gemacht. Unbekannte Täter hatten Eisen­tetle und Steine in Wetchenzungen geklemmt. Das Hin­dernis wurde aber glücklicherweise rechtzeitig entdeckt.

Eine böhmische Ortschaft in Flammen. In Wele­nts in Südböhmen entstand durch unvorsichtige Kinder eine Feuersbrunst, bet der zwei Kinder verbrannten und elf Häuser eingeäschert wurden. Die übrigen Orts­bewohner waren auf dem Jahrmarkt in einer anderen Ortschaft.

Frau Gräfin," flüsterte er mir zu, ich habe Grund, Ihren Gatten zu hassen, Sie aber haben dazu einen noch größeren. Ich sehe Sie unglücklich. Ich will Ihnen die Waffe in die Hand geben, Ihre Ketten zu brechen."

Entsetzt wich ich zurück, er aber fuhr fort: Er ist an Ihnen zum Schurken geworden. Als er mit Ihnen vor den Altar trat, hatte er schon eine Frau."

Mit der schönen Frau zur Seite versammelte Wlodawa allabendlich eine Schar von Kavalieren in seinen Salons am grünen Tisch. Seine wirklich gute Familie, seine große Gewandtheit und Schlauheit, ja ein gewisser dämonischer Bug in ihm trugen dazu bei, den mit einer geradezu ver­blüffenden Sicherheit Auftretenden nie in einen Konflikt mit der Polizei geraten zu lassen." Ein Tränenstrom un­terbrach Virginiens Erzählung, dann sich fassend, berich­ete sie weiter: Wir waren nach Paris gekommen; eines

,, Das ist die Verleumdung eines Feindes!" fuhr ich auf.

Für 100 000 Mark Juwelen sind in der Potsdamer­straße in Berlin bei dem Juwelier Henri Nevier ge­stohlen worden. Die Einbrecher drängen von einer liber dem Laden befindlichen leerstehenden Wohnung durch ein Loch in den Geschäftsraum ein und erbrachen alle Schränke. Das Geschäft wird ständig von einem Wächter beobachtet.

Es ist die volle Wahrheit!" fuhr er ruhig fort. Ich fenne die Gräfin Wlodawa, sie lebt auf ihrem Landgute in Serbien, eine alte und kränkliche Dame. An Ihnen liegt es, die Klage wegen Bigamie zu erheben, und Sie sind frei!"

Ein flüchtiger Strafgefangener erschossen. Bei Cos­wig( Anhalt) wurde ein auf Außenarbeit beschäftigter Strafgefangener, der flüchtig wurde und die Elbe zit durchschwimmen versuchte, von dem ihn verfolgenden Gefangenenaufseher, als er auf Anruf nicht umkehrte, im Wasser erschossen.

Ein nennjähriger Mörder. In der Nähe der un­garischen Ortschaft Vasarhely erschlug ein neunfähriger

Als ich das Entsetzliche vernommen, kämpfte ich mit mir einen langen Kampf. Ich wollte wieder meine Frei­heit erlangen, aber ein unüberwindlicher Abscheu ergriff mich bei dem Gedanken, mein Elend der Welt preiszu­geben. Den alten Bonifaz zog ich ins Vertrauen. Mit ihm und auf seinen Rat entfloh ich aus jenem Hause." Virginie hatte geendet und schwieg.

Lange vermochte Virginie nicht zu antworten. Und wäre es Dein Ernst? Wäre es wahr?" flüsterte sie end­lich, erglühend und scheu durch Tränen zu ihm auf­blidend.

Adrian hielt sie lange in inniger Umarmung. Dann ste umfassend, trat er mit ihr auf den Balkon. Der Mond. hatte den Nebel bezwungen und schimmerte und glänzte auf der weiten Wasserfläche. Und schienen nicht die Wellen jauchzend und stürmisch zu rauschen: Was ist Leben, was ist Sterben, wenn man Liebe gefunden hat? Ich habe feinen Ring, ihn Dir an Deinen Finger zu stecken," sprach Adrian ,,, allein hier schreiben wir unser Gelöbnis auf den Fittich des sousenden Windes, der es um den rollenden Erdball trägt."

Und dennoch!" rief entschlossen Adrian, als meine Gattin hat niemand das Recht, Dich scheel anzubliden. Wie lieb ich Dich habe, wußtest Du schon damals im ersten Augenblick, als der schüchterne Student sein Auge nicht fortzuwenden vermochte von jenem süßen, fremden Ges sichtchen unter den Rosen des Kurgartens von Spa. Und meine Neigung hat im Laufe dieser fünf Jahre feinen Wechsel erfahren. Die traurige Schrift Deiner herben Er innerungen wird allmählich verlöschen, und Frieden und Glück werden mit leiser Hand den Kummer von der Stirn Streichen."

Auf seinem Zimmer fand Adrian eine Depesche von dem Prokuristen seines Vaters vor. Eine plötzliche Krank­heit hatte den alten Vater befallen; er bat, schnell zu tommen. Am nächsten Morgen stand Adrians Wagen vor der Tür. Er hatte noch reichlich Zeit, Virginie zu sehen. Tiefer, stiller Friede lag über ihrem kleinen Hause. Durch eine der geschlossenen grünen Jalousten schimmerte der matte Schein einer Ampel in die blasse Morgenluft. Eine unwillkürliche Rührung stieg in Adrian auf, und mit einer gewissen Scheu setzte er die Glocke in Bewegung. Bald hörte er eine Tür gehen und die Stimme des alten Dieners, der herausrief, wer da sei. Als er Adrians Stimme er fannt, ließ er ihn ein. Adrian fragte, ob er seine Herrin sprechen könnte. Bonifaz nickte und schlürfte in seinen großen Schuhen voran. Nicht lange, und Adrians schöne Verlobte erschien, halb fragend, halb ängstlich zu ihm auf­blickend und doch mit einem Ausdruck strahlenden Glückes in den Zügen. In fliegender Eile setzte ihr Adrian aus­einander, weshalb er abreisen müsse.

( Fortsetzung folgt.)

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