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Knabe, der Gänse hütete, einen dreijährigen Knaben. Es handelt sich um einen Racheatt. Wie der jugend­Itche Gänsehirt bei seiner Vernehmung zugab, wurde er von seinem Opfer vor einigen Tagen beim Spiel ins Gesicht geschlagen, wofür er sich zu rächen beschloß. Ein folgenschweres unglück wird aus dem hollän­dischen Orte Oirschot gemeldet. Ein Kind saß auf et­nem Kinderstuhl nahe dem Herdfeuer in der Küche, während ein zweites sich bemühte, an dem Stihl em­por zu flettern. Der Stuhl fiel um. Das eine Kind fiel in das offene Feuer, das andere in einen Kessel mit heißem Wasser. Beide Kinder starben an ihren furchtbaren Brandwunden nach kurzer Zeit.

Unter einer einstürzenden Giebelwand begraben. In Limmrit im Kreise Ost- Sternberg stürzte beim Ab­reißen eines alten Hauses der Giebel ein. Ein Arbeiter wurde erschlagen, zwei andere schwer verletzt.

Todessturz auf der Reitbahn. Auf der Reitbahn des vierten Ulanenregiments in Thorn ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Leutnant Neumann, ein im Osten wohlbekannter Herrenretter, stürzte bet einem Sprung über die Hürde so unglücklich, daß die Verlegungen set­nen sofortigen Tod zur Folge hatten.

Beim Segeln in der Ostsee ertrunken. In der Nähe des Ostseebads Dievenom ereignete sich Sonntag nachmittag ein Seglerunfall. Es fenterte dort ein Se­gelboot, in dem sich ein Oberleutnant aus Cassel und der Eisenbahnvorsteher Wellen aus Frankfurt befanden. Beide ertranfen. Die Wiederbelebungsversuche blieben Beide ertranfen.

Drei Kinder erstickt. In Schöneck in Westpreußen erstickten dret Kinder, die beim Spielen mit Streich­hölzern in Abwesenheit der Mutter die Betten in Brand gesteckt hatten.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Glaube und Heimat" von Tiroler Schauspielern dargestellt. Im Theater an der Wien in Wien gastiert feit einiger Zeit eine Tiroler Schauspielergesellschaft, die dieser Tage Schönherrs Tragödie Glaube und Het­mat" spielte. Der Dichter hatte sein Stück selbst insze­ntert.

Der Wettbewerb um das Bismard- Nationalbenks mal am Rhein. Sonnabend abend um 7 Uhr wurde die Entscheidung des großen allgemeinen Kunstausschusses im Wettbewerb um das Bismarc- Nationaldenkmal am Rhein gefällt. Man war fich einstimmig darüber einig, daß die Künstler der 20 preisgekrönten und zum Ankauf empfohlenen Modelle noch einmal zu einem weiteren Wettbewerb aufgefordert werden sollen. In diesem Wettbewerb wäre dem allgemeinen Wunsch Rechnung zu tragen, nach welchem die Person Bismarcks in dem Denkmal mehr zum Ausdruck kommen soll. Die neuen Entwürfe sind bis zum 1. November einzureichen, und es soll alsdann die eventuelle Entscheidung gefällt werden.

Aus den Gerichtssälen.

Die Abentener der falschen Hofdame vor Gericht. Vor der Potsdamer Straffammer als Berufungsinstanz fand Sonnabend mittag die Verhandlung gegen die fal­sche Hofdame und ihren männlichen Begleiter statt, die im Dezember v. J. in das Marmorpalais bet Potsdam einzudringen versuchte und im Anschluß daran einen Betrugsversuch bei dem Juwelter Baertges unternahm. Die falsche Hofdame entpuppte sich bet ihrer Festnahme als der fezt 21jährige Kaufmann Josef Eichbaum, sein Begleiter als der Kaufmann Wilhelm Klemm. In der schöffengerichtlichen Verhandlung war Eichbaum zu et­nem Monat Gefängnis, Klemm zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Beide haben gegen das Urteil Be­( rufung eingelegt. Der Angeklagte Eichbaum schildert bet seiner Vernehmung den Vorfall in bekannter Weise. Er habe sich mit Klemmt in lustiger Stimmung verab= redet, etwas Originelles auszuführen. Zu diesem Zweck verkleidete er sich in dem Hotel Esplanade in Berlin als Dame und fuhr mit Klemm nach Potsdam, wo sie zu= nächst als Gräfin Arnim und Begleitung" das Mar­morpalais besichtigen wollten, was ihnen aber verwehrt wurde. Dann seien sie zu dem Juwelter Baertges ge= fahren, der vorher von Klemm telephonisch von dem Er­scheinen einer Hofdame der Kaiserin" benachrichtigt worden war. Die falsche Gräfin wurde beim Aussuchen von Schmuckfachen durch einen Kriminalbeamten, der Verdacht geschöpft hatte, verhaftet. Die Schmucksachen waren bereits eingepackt und sollten angeblich als Ge­burtstagsgeschenk für die Prinzessin Vittoria Luise die­nen. Nach einstündiger Verhandlung wies die Straf­kammer die Berufung der beiden Angeklagten zurück.

Eine interessante Privatklage wurde vor dem Schöf­fengericht in Marburg gegen die Hessische Landeszet­tung" verhandelt. Wegen eines Berichts über eine Mietervereinsversammlung, in der über hohe Miet­preise geklagt wurde, forderte die Firma Kaiser u. Roth die Heff. Ldsztg." auf, teine solche Berichte mehr zu bringen, andernfalls erhalte sie die Inserate der Firma nicht mehr. In einem Eingesandt" wurde darauf das Verhalten der Firma als verächtlich bezeichnet. Das Schöffengericht sprach nun den Redakteur fret, weil tat­

Wer bezahlt das Lösegeld für Richter? Der Korre spondent des Preß- Telegraphen in Konstantinopel hatte mit einer unterrichteten Persönlichkeit eine Unterredung über die Entführung des deutschen Ingenieurs Richter durch griechische Räuber. In türkischen Kreisen ist die Ansicht allgemein vertreten, daß die Regierung in dieser Angelegenheit feine Verantwortung übernehmen kann, weil jede Privatperson, die in einem solchen unzugäng­lichen Grenzgebiete Privatausflüge unternimmt, stets vor­her von den Behörden verwarnt wird. Die türkischen Be­hörden haben dem Ingenieur Richter zwei Gendarmen zu seinem Schutze mitgegeben. Alle Maßnahmen zur Gefan­gennahme der Räuber sind getroffen. Von der Auszah­lung eines Lösegeldes durch die türkische Regierung fann jedoch unter keinen Umständen die Rede sein. Von der Di­rektion der Zeiß- Werke in Jena, an die sich der Pre­Telegraph um eine Aeußerung wandte, wurde folgendes gefagt: Die Reise des Herrn Richter ist eine rein private Urlaubsreise gewesen, von der Firma hatte er keinerlei Auftrag. Nach Eintreffen der ersten telegraphischen Nach­richten von der Entführung Richters erschien ein dringen­des Handeln notwendig, und so hatte sich die Firma er boten, die für die Ausrüstung einer Hilfsexpedition durch den deutschen Konsul erforderlichen Kosten, auch solche für die Uebermittlung von Nachrichten, bereitwilligst vorzu­Strecken. Zur Zahlung des Lösegeldes hat sich die Firma nicht erboten. Die Firma Zeiß ist übrigens bis zur Stunde genau so ohne jede Nachricht über das Schicksal des Ent­führten, wie seine Familie, über deren Vermögensverhält­nisse die Geschäftsleitung der Zeißwerke im Augenblick nichts sagen kann.

Oberbürgermeister Kirschner amtsmide. Der frank­hafte Zustand, unter dem der Berliner Oberbürgermet­ster Kirschner seit einiger Zeit leidet und der ihn auch veranlaßt hat, seit einigen Wochen der Stadtverordne­tenversammlung fernzubleiben, ist die Ursache, daß der Oberbürgermeister nunmehr den Wunsch zu erkennen gegeben hat, vom Amte zurückzutreten. Er hat am Sonnabend mit den maßgebenden Persönlichkeiten der Berliner Stadtverordnetenversammlung fonferiert und hat ihnen den Wunsch ausgedrückt, demnächst vom Amte entbunden zu werden, ungeachtet seiner erst unlängst auf zwölf Jahre erfolgten Wiederwahl. Der Oberbür­germeister, der im 71. Lebensjahre steht, verläßt bereits im Laufe dieser Woche Berlin, um das Bad Wildungen aufzusuchen, und er wird nun mehrere Monate seiner Amtstätigkeit fernbleiben.

Noch ein Blumentag in Berlin. In Groß- Berlin war am Sonnabend Hilfstag für Mutter und Kind". Mehr als 10 000 junge Mädchen hatten sich in den Dienst der Sache gestellt und boten Margaretenblumen zum Verkauf an. Viele Verkäuferinnen hatten schon nach zweł Stunden ihre Waren an den Mann gebracht. Eine Anzahl Geschäfte stellte ihre Tageseinnahme oder einen Teil davon dem Zweck des Hilfstages zur Ver­fügung. Leider ist der Tag nicht ohne einen bedauer­Itchen Unfall abgegangen. Auf dem Lehrter Bahnhof stteg eine sechsjährige Margaretenverkäuferin auf das Trittbrett eines Vorortzuges. Als dieser sich gerade in Bewegung fette, sprang das Mädchen ab, wobet ihm ein Fuß abgefahren wurde.

Ein peinlicher Irrtum, der voraussichtlich noch wet­tere Folgen haben wird, hat sich in der Wöchnerinnen­abtellung der Königlichen Charttee zu Berlin zugetra­gen. Eine internationale Hochstaplerin, die dieser Ab­feilung als Polizeigefangene übergeben worden war, ist infolge eines seltsamen Mißverständnisses von dort entlassen worden und seitdem verschwunden. Vor eint­ger Zeit wurde von der Berliner Kriminalpolizei eine aus dret Mitgliedern bestehende Bande internationaler Hoteldiebe verhaftet, gegen die unter dem Rubrum " Neumann und Genossen" in nächster Zeit eine umfang­reiche Anklage erhoben werden sollte. Die Mitglieder der Bande sollen bei ihren Diebstählen sich schwarzer Trikots und schwarzer Masken bedient haben, um zur Nachtzeit in den Hotelzimmern völlig unsichtbar zu sein. Außerdem sollen ste, um ungestörter arbetten zu können, ihre schlafenden Opfer mit Chloroform oder Lachgas betäubt haben. Zu der Bande, die in dem Moabiter Untersuchungsgefanguis in Haft sitzt und schwere Zucht­hausstrafen zu gewärtigen hat, gehörte auch die aus Un­garn stammende Artistin Etelka Wittenberg. Diese wird wegen einer großen Anzahl ähnlicher Hoteldieb­stähle von mehreren österreichischen Gerichtsbehörden steckbrieflich verfolgt und sollte nach Verbüßung der hier gegen sie ausgesprochenen Strafe an Desterreich ausge Itefert werden. Nach ihrer Entlassung aus der Klinik ist sie nun spurlos verschwunden.

Humor hat eta Glasermeister in Gera, wo gegen­wärtig die Glasergehilfen streifen. Um den Streikpo­sten ihr Amt bequem zu machen, hat er am Eingang zu feiner Werkstatt einen Tisch mit Stühlen und einigen Flaschen Bier aufgestellt; darüber steht ein mächtiges Schild mit der Inschrift: Ruheplay für Streikposten."

der

hinausgehalten wurde. Man zahlte Dividenden von 50 Prozent, um dadurch die Sicherheit des Unternehmens zu beglaubigen. Auf diese Weise konnte das Aktienkapital immer höher getrieben werden. Wohl wurden in deutschen Presse Warnungen laut, und ein Blatt variierte sogar einen bekannten Vers mit den Worten: Es kommt die Zeit, es kommt die Zeit, da du an Trebern" stehst und flagst", aber die Leipziger Bank blieb blind und gab immer neue Millionen her. Obwohl die Berliner Börse die Treberattien nicht zum Handel zuließ, machte die Brüs seler Börse in gewissenloser Weise das Geschäft. Bis auf 900 Prozent wurde der Stand der Aktien emporgetrieben. Das zog natürlich. Direktor Exner von der Leipziger Bant war völlig von Adolf Schmidt, dem Direktor der Trebergesellschaft, hypnotisiert und zu spät wurde der Trug erkannt. Eine Erinnerung an die furchtbare Finanzkata­strophe mag für manchen, der beteiligt war, schmerzlich sein, doch soll sie alle Liebhaber von Attien mahnen, sich nicht durch riesenhafte Dividenden, die den Gesetzen einer pernunftgemäßen Rechnung widersprechen, zu Käufen ein­fangen zu lassen.

Jm 3eichen der Rundflüge.

Von den Teilnehmern am deutschen Rundflug ist König, der Sonntag früh 6,30 Uhr in Hannover lans dete, der einzige, der bisher ohne Zwischenlandung die schwierige Strecke Lüneburg- Hannover durchge­führt hat. Schauenburg ist von seiner Landungs­stelle 20 Kilometer nördlich von Celle, wo ihn ein Mo­tordefekt zum Niedergehen gezwungen hatte, Sonntag frith um 5 1hr 55 aufgestiegen, hat 6 Uhr 15 Gelle überflogen und ist um 7 Uhr 08 Min. mit seinem Passa­gier in Hannover angekommen. Bitch it er, dessent Apparat nach dem Start am Sonnabend schwer beschä= digt wurde, und der bereits im Automobil nach Hanno ver gereist war, ist wieder in Lüneburg eingetroffen. Er wird im Laufe des heutigen Tages die Strecke Lüne= burg- Hannover ch durch die Luft zurücklegen, um die­se Etappe nicht u verltéren. Auf dem Flugplatz in Hannover war am Sonntag wieder ein sehr zahlreiches. Publikum anwesend, das die ankommenden Flieger mit lebhaften Ovationen begrüßte. Die Schaufliige, die um 7 Uhr begannen, hatten ein großes Publikum auf die Rennbahn gelockt. Es flogen Schulz, Vollmöller und Thelen. Vollmöller gewann den Höhen- und Dauerpreis mit einem Flug von 23 Minuten und einer Höhe von 920 Metern. Er erhielt 4544 Mark, Schultz 3056 Mark und Thelen 500 Mark.

Der Start Hannover- Münster.

Hannover, 26. Junt. Zu der Strecke Hannover­Münster mit einer Zwischenlandung in Minden und Bielefeld sind heute morgen sechs Flteger von 4 Uhr ab gestartet. Vollmöller ist um 6,05 Uhr in Minden niedergegangen. Als zwetter landete Lindpaintner. Schauenburg traf in Minden um 6,24 Uhr ein. Voll­möller ist gleich darauf in der Richtung nach Bielefeld aufgestiegen. König ist bet Stadthagen niedergegangen. Wittenstein, der heute in Lüneburg für die Strecke Lüneburg- Hannover aufgestiegen war, ist mit seinem Apparat in die Ilmenau geraten und hat den Flug endgültig aufgeben müssen.

Der Flug München- Berlin verschoben.

Der Flieger Hirth wollte, wie gemeldet, Sonntag früh als einziger Bewerber um den Kathreiner­prets den Flug München- Berlin vom Flugplatz Puch­heim bet München aus antreten. Nach einer Probe­runde, die dem letzten Ausprobieren des Motors galt, landete der Apparat auf einem Teil des Flugplayes, der noch mit hohem Gras bewachsen war. Dabei ver­wickelten sich die Räder in das fast meterhohe Bras, wodurch der Apparat beschädigt wurde. Der Flieger hlieb unverletzt. Der Aufstieg mußte verschoben mer­den.

Ein Protest der Teilnehmer am europäischen Rundflug. Die 14 an dem europäischen Rundflug beteiligten Flieger traten Sonntag auf dem Flugplay Soesterberg bet Utrecht zusammen und beschlossen einen Protest gegen die Flugkommission des Aeroklubs von Frants reich, welche trotz des ungünstigen meteorologischen Be richtes den Start nach Brüssel für Sonntag angesetzt hatte. Die Flieger erklärten, sie wollten ihr Leben nicht unnüß aufs Spiel setzen, und verlangten vom Aero­flub die Aufhebung des Beschlusses der Flugkommission und die Ansehung eines neuen Starts.

Berunglückte russische Aviatiker.

Der russische Aviatiker Sredinski und sein Bassa­ater stürzten am Sonntag in Petersburg mit einem Farmanapparat ab. Der Apparat wurde zertrümmert. Beide Insassen wurden leicht verletzt. In Warschau stürzte der Aplatifer Sacano mit seinem Flugapparat aus einer Höhe von 13 Metern ab und wurde schwer verletzt; der Apparat wurde zertrümmert.

fächlich die Forderung der Firma die fournaliſtiche Erinnerung an den Leipziger Bankfrach. ser feinen Insel Juist beobachtet, daß ein Ballon,

Ehre der Zettung berühre und somit verächtlich set. Es gelte allgemein als verwerflich, die Haltung einer Bettung von den Anzeigen abhängig zu machen.

Vermischtes.

Ein heiteres Erlebnis des Königs von Sachsen. Ein heiteres Erlebnis hat König Friedrich August von Sachsen auf dem Artillerietage zu Plauen i. V. am 17. Juni ge­habt. Die zahlreich erschienenen ehemaligen Artilleristen hatten beim Nahen des Königs in langer, mehrgliedriger Reihe Aufstellung genommen, zuvorderst natürlich die äl­testen mit Kriegsdenkmünzen und sonstigen Ehrenzeichen geschmückten Kameraden. Ein alter, etwas schwerhöriger Kamerad unterhielt sich gerade eifrig mit seinem Hinter­mann, als der die Reihen abschreitende König auf ihn zu­fam und ihn mit der Anrede beehrte: Nun, lieber Ka­merad, wo haben Sie denn gestanden?"" Der Angeredete wendet jäh den Kopf zurüd und in dem Glauben, sein Nebenmann im Glied wünsche etwas von ihm, schrie er: Was meenst de?" Belustigt ging der König auf diesen Ton ein und rief ihm mit erhobener Stimme zu: ,, Wo Du gedient hast, will ich wissen?"

Folgen eines Bligschlages. Ein interessantes Beispiel für die Nachwirkung eines Blitzes behandelt ein Obergut­achten des Nervenarztes Dr. Rudolf Foerster- Charlotten­burg, das die ,, Monatsschrift für Unfallheilkunde" in ihrer letten Nummer bringt. Ein Mann, der im Jahre 1905 vom Blitz getroffen, aber nur vorübergehend bewußtlos wurde, zeigte seitdem beim Auftreten von Gewittern Angst­zustände. Vor nicht langer Zeit starb er plötzlich, als ge= rade ein Gewitter aufzog. Ein Zusammenhang zwischen dent Tod und dem früheren Blizunfall war nicht von der Hand zu weisen, da der. Befund ergab, daß zurzeit des To­des ein Herzleiden bestand und die Angstzustände das Herz erregten. Es trat also infolge des Blitzschlags nach über fünf Jahren der Tod ein.

Ein Jahrzehnt ist am Montag den 26. Junk seit dem Schwarzen Tage verflossen, als die Leipziger Bank zusam­menbrach und viele bis dahin glänzende Existenzen ver­nichtete. Aber auch kleinere Rentner und Genossenschaften wurden von schweren Schlägen betroffen, da man den Be­sitz der bis dahin als totsicher" geltenden Bank anver­traut hatte. Der Tod hielt eine reiche Ernte, denn an vielen Orten nahmen sich die von dem Schicksalsschlage Ruinierten das Leben. In den Bädern, in denen manche Besizer von Aktien der Leipziger Bank wellten, kehrte der Schrecken ein, und der ganze Sommer litt unter dem ver­derblichen Ereignis. Die Wirkung desselben ging sogar über Deutschland hinaus, denn sämtliche Börsenplätze der Welt wurden in Mitleidenschaft gezogen. Das Aktienka­pital der Leipziger Bank von 48 Millionen Mark ging völlig verloren. Von den anerkannten Forderungen im Gesamtbetrage von 75 Millionen Mark wurden bei Be endigung des Konturses 67 Prozent ausgezahlt. Daß dies ermöglicht werden konnte, war dem tatkräftigen Eingrei fen der Deutschen Reichsbank zu verdanken, die sich mit aller Kraft dem Unheil entgegenwarf. Der Bericht der Handelskammer zu Cassel hat das Eingreifen der Reichs­bank mit den anerkennendsten Worten bedacht. Es hieß in denselben: Die Reichsbank hat in dieser Zeit gezeigt, daß sie im wahrsten Sinne das Rüdgrat unseres Kredit­wesens bildet, und daß unser Wirtschaftskörper auch bei den schwersten Krisen an ihr einen unbedingt festen Halt findet. Das Verhalten der Reichsbank kann nicht genug als mustergültig hervorgehoben werden." Um einer Ban­fenfrisis vorzubeugen, legten sich auch andere Großbanken ins Mittel, vor allen die Deutsche Bank.

Die Ursache des Zusammenbruches der Leipziger Bank war auf ihre enge Verbindung mit der Aktienge= sellschaft für Trebertrodnung" in Cassel zu­rückzuführen, deren Bestand durch Täuschung sondergleichen

Ein französischer Ballon in der Nordsee gelandet. Emden, 26. Junt. Gestern morgen wurde auf

der mit zwei Personen bemannt war, in die Nordsee fiel. Das ausgesandte Rettungsboot fonnte keine Hilfe bringen und nur die Hüllen einiger Sandsäcke auf­fischen. Auch die Suche eines Torpedobootes blieb er­folglos. Es muß angenommen werden, daß die beiden Luftschiffer ertrunken sind. Nach neueren Meldungen stammt der verunglückte Ballon aus Paris und ist am Sonntag mit acht anderen Ballons aufgestiegen. Dret diefer Ballons sind gestern morgen an verschiedenen Stellen Ostfrieslands beobachtet worden.

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Drabtnachrichten und neuestes.

Eine Probefahrt des Luftschiffes Schwaben. Friedrichshafen, 26. Junt. Das Luftschiff Schwaben, das als Erfaz für das verunglückte Luft­schiff Deutschland dienen soll, tst heute morgen 8 Uhr au feiner ersten Probefahrt aufgestiegen. Graf Zeppelin hatte selbst die Führung übernommen.

Verheerendes Großfener.

Papenburg, 26. Junt. In Aschendorf geriet gestern vormittag während des Hauptgottesdienstes etn Haus in der Poststraße in Brand. Die Flammen ver­breiteten fich bei dem herrschenden Winde mit solcher Schnelligkeit, daß in wenigen Stunden fiebzehn Wohn­häuser und mehrere Nebengebäude eingeäschert waren. Der Schaden ist sehr groß.

Feuer auf einem Unterseeboot.

Kopenhagen, 26. Junt. Auf dem im hiesigen Hafen liegenden Unterseeboot Dyfferen" entstand eine Feuersbrunst, die das ganze Schiff zu zerstören drohte. Zwei Mann der Besagung, die sich im Maschinenraum befanden, entgingen nur mit knapper Not dem Ver­brennungstode. Die Mannschaft versuchte zunächst den Brand durch Wasser zu löschen, da man jedoch befürch= tete, dadurch Explosionen hervorzurufen, erstickte man das Feuer mit Sand. Der im Innern des Schiffe angerichtete Schaden ist beträchtlich.