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Gießen

Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

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Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H.

Nr. 148.

Telephon: Nr. 362.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 27. Juni.

* Die 67. Jahres- Versammlung des Hessischen Hauptvereins der Gusta v= Adolf Stiftung in Main 3. Eingeleitet wurde die Feier durch Glockengeläute von allen Kirchen der Stadt und der Vororte und Choralmusik vom Turm der Christuskirche. Danach vereinigten sich die Gustav Adolfs­Gemeinden des Mainzer Landes in dichten Scharen in ihren Kirchen und Bethäusern zu fröhlichen Festgottes diensten. Es predigten meist frühere Geistliche der Ge­meinden, so Pfarrer Scharmann- Ober- Ingelheim in Sa­stel, Pfarrer Bechtolsheimer- Gießen in Mombach, Pfarrer Veller- Wahlen in Bretzenheim, Divisionspfarrer Büttel- Schleswig in Weisenau; in Gonsenheim predigte Professor Lampas- Friedberg, in Kostheim Divisionspfr. Tiesmeyer- Mainz, in Gustavsburg Professor Werner­Friedberg. Jugendgottesdienste schlossen sich in allen Ge­meinden an. Nachmittags 3 Uhr versammelten sich Tau­sende in dem großen Saale der Stadthalle zu einer evangel. Festversammlung, die durch den Vorsitzenden des Hessischen Hauptvereins, Stadtpfarrer Dingelden- Darm­stadt, eröffnet wurde. Professor D. Dr. Schian- Gießen hielt eine Ansprache über das Thema: Der Gustav Adolfverein ein Tatbekenntnis zur evangelischen Wahr­heit".- D. Schian brachte einen Gruß von der theolo= gischen Fakultät zu Gießen. Sie wisse sich einig mit dem Gustav Adolf- Verein im Bekenntnis zur evangelischen Wahrheit. Die Fakultät bekenne sich zu ihr, indem sie ihre gesamte Tätigkeit in Forschen und Lehren in deren Dienst stelle, der Verein, indem er durch seine Arbeit der evangelischen Wahrheit Raum und Resonanz schaffe. Es komme viel darauf an, daß sein Wirken in diesem Sinne verstanden werde; nicht als Ausfluß des Mit­leids oder der humanen Gesinnung oder bloß des brü­derlichen Erbarmens, sondern als ein wuchtiges Be­kenntnis zum alten und ewig jungen Evangelium." Zu­letzt sprach ein Diasporapfarrer des Ostens, Pastor prim. Rosenberg aus Kempen in Posen, der Vorsitzende der deutschen Kleinsiedelungsgenossenschaft in der Ostmark, vormals Pfarrer in der russischen Diaspora.

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* Der Bismarck Fackelzug der Studenten­schaft hatte gestern abend eine große Menschenmenge auf die Beine gebracht. Der schier endlose Zug, in dem sich vier Musikkapellen befanden, ging durch die Kaiser- Al­lee, Ludwigstraße, Bleichstraße, Löberstraße, Bismard­straße, Süd- Anlage, Neuenweg, Seltersweg, West- An­lage hinaus zur Hardt. Zahllose Blumen wurden den Studenten von den holden Mägdlein aus den Fenstern zugeworfen. Vor der Bismarcksäule fand die sehr ein­drucksvolle Huldigung statt, der sich ein Kommers an­schloß.

Reichsausländer sind in Hessen nicht schulpflichtig. Diese Entscheidung hat das hessische Ministerium auf eine Anfrage der Kreisschul= fommission Offenbach in letzter Zeit getroffen. An­dererseits aber ist die Stadt verpflichtet, jene Kinder ge­rade so wie die Kinder hessischer Staatsangehöriger in die Schule aufzunehmen, wenn die Eltern dies beantra­gen. Der Reichsausländer braucht also keineswegs in Hessen die Schule zu besuchen, kann also auch wohl im Falle unentschuldigter Schulversäumnisse gesetzlich nicht zur Strafe herangezogen werden, kann fehlen, so oft es ihm beliebt, muß aber seinen Platz in der hessischen Schule erhalten, sobald er es wünscht. In den Kreisen der hessischen Lehrerschaft befürchtet man durch diese Regelung eine bedeutende Erschwerung der Klassendiszi­plin und eine ernstliche Hemmung der gedeihlichen Schul­

arbeit.

* Kaisermanöver und Maul- und Klauenseuch e. Die Maul- und Klauenseuche, die im südlichen Holstein festgestellt wurde, hat sich in den letzten Tagen über den ganzen südlichen Teil der Pro­vinz Holstein ausgebreitet, sodaß alle Ortschaften ver­seucht wurden. Das Vieh stirbt in großer Menge. Die für das Kaisermanöver, das im Auguſt dort abgehalten werden sollte, angesagten Ein quartierungen sind bereits ab bestellt worden. Es scheint also, daß die Abhaltung des Kaisermanövers, daß in dem ver­seuchten Teile stattfinden soll, in Frage gestellt ist.

Die Versammlung der Ausschüsse für das Bismard National Denti al auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück fand in Wiesbaden cm Samstag statt. Die Sitzung, an der aus Hessen 11. a. die Ausschußmitglieder Abg. Dr. Osann, Justizrat Cal­man, Museumsdirektor Prof. Back, Geh. Oberbaurat Hoffmann, Stadtbaumeister Koch- Bingen teilnahmen,

der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Dienstag, den 27. Juni 1911.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

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die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabetlagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

wurde von Herrn Staatsminister Frhr. v. Rhein- geordneten Dr. Werner- Gießen, Bindewald und Behrens, baben eröffnet, der einen Gruß des dienstlich am Er­der Landtagsabg. Wolf- Stadecken und die Landwirte scheinen verhinderten Reichskanzlers v. Bethmann- Holl- Eifer- Muschenheim und Wilh. Dorsch Wölfersheim. Da ein großer Festbesuch zu erwarten steht, werden auf eini­gen Bahnlinien Sonderzüge eingelegt werden.

weg überbrachte. Ausgeschieden wurde aus der Bera­tung die Platzfrage, da sowohl die politischen Erwäg­ungen, daß die Lage der Elisenhöhe ein bedeutsames stämme bilde, als auch die großen, schon für den Grund­Bindeglied der süddeutschen und norddeutschen Volks derholt beschlossenen Stelle ausschließen. Es wurde wei­erwerb ausgegebenen Summen eine Aenderung der wie­son Bismarcks mehr in die Erscheinung treten zu lassen. ter zum Ausdruck gebracht, an dem Denkmal die Per­Als Termin für die Einsendung der abgeänderten Ent­würfe wurde der 1. November d. Js. bestimmt. Die erfreulich, daß sie nunmehr ein völliges Gelingen des mit Einstimmigkeit gefaßten Beschlüsse sind so großen vaterländischen Werkes erhoffen lassen.

Hessischer Photographen bund. Am 21. und 22. Juni fand in Essen im Saalbau des Stadt­gartens der Delegiertentag des Zentralverbandes Deut­scher Photographenvereine statt, zu dem aus allen Tei­len des Deutschen Reiches die Vertreter erschienen waren.

Auch der Hess. Photographenbund hatte einen Abgeord= neten entsandt. Besonders eingehend wurden folgende Punkte erörtert: Vergrößerungsschwindel, Häuserphoto­graphen und Schleudergeschäfte.

*

von

Prinz Heinrich Fahrt. Mit großem Eifer werden jetzt noch die letzten Vorbereitungen betrie ben, um eine glanzvolle Veranstaltung zu sichern. Die deutsche Fahrstrecke weist nur gute Chausseen auf, und man hat sogar im Taunus eine ganz neue Fahrstraße von dem Roten Kreuz nach dem Sandplacken angelegt. Prinz Heinrich trifft am Montag, 3. Juli, in Hom= burg ein und wird in der Villa des Landrats Marx Wohnung nehmen. Eingeleitet werden die Fest­tage durch größere Veranstaltungen der Kurdirektion Homburg von Sonntag bis zum Mittwoch. Mittwoch früh 7 Uhr beginnt die Fahrt. Als Start ist die Kai­ser Friedrich- Promenade am Kurgarten gewählt. Die Wagen nehmen ihren Weg über Königstein nach Schloß Braunfels, dessen liebenswürdige Schloßherrschaft, Fürst und Fürstin Solms, in dem großen Schloßhose und dem prachtvoll erhaltenen altertümlichen Rittersanle die Fahrtteilnehmer einen gastlichen Empfang bereiten. Auch Koblenz, das von der Fahrt berührt wird, berei­tet sich für einen festlichen Empfang der Fahrer vor. Auch auf englischem Boden erwarten die Fahrer man­cherlei festliche Veranstaltungen, und besonders den deut­schen Teilnehmern der Fahrt soll Gelegenheit gegeben werden, die an der Strecke belegenen Landsize und Schlösser kennen zu lernen, wo ihnen eine gastliche Auf­nahme bereitet wird.

- Die Rudergesellschaft( 1877) hat zu der 36. Kaiser Regatta zu Bad- Ems am 9. Juli gemeldet. Der Verein wird im Lahn- Vierer" starten.

-t- Butzbach, 26. Juni. Der Gesangverein Ein­tracht" beging gestern die Weihe seiner Vereinsfahne. Die Stadt prangte aus diesem Anlaß im schönsten Fest­schmuck. Sonntag um 2 Uhr bewegte sich ein Festzug mit 30 Abteilungen durch die Stadt. In der Festhalle begrüßte Präsident Bender die Festgäste. Dirigent Sa­mes leitete den Massenchor mit Orchesterbegleitung, den die Butzbacher Vereine vortrugen. Im Auftrag der Fest­jungfrauen übergab Fräulein Kätha Diehl die Fahne, Hauptlehrer Storch hielt die Fest- und Weihe rede. Der Massenchor Ans Vaterland", gesungen von den unter Leitung des Dirigenten Sames stehenden Ver­einen, sowie des Orpheus"-Butzbach und des Gemisch ten Chores schloß sich an. Dann sangen die Gastvereine. Abends verschönerten die Turner das Fest durch ihre Darbietungen.

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* Bettenhausen b. Langsdorf, 27. Juni. Sonntag, den 16. und Montag, den 17. Juli findet hier, wie bereits mitgeteilt, ein großes Bauern­Volksfest statt, zu welchem jetzt schon Vorbereitun­gen getroffen werden, um das Fest würdig zu gestalten. Dieses Bauern und Volksfest wird diesmal eine Ver­anstaltung sämtlicher rechtsstehenden Gruppen Oberhej sens sein und soll sich zu einer machtvollen Kundgebung des Deutsch- nationalen Gedankens und der christlichen Weltanschauung gestalten. Zu diesem Zwecke haben die deutsch- soziale und die christlich- soziale Partei, der Bund der Landwirte von Frankfurt a. M. und Umgegend einen gemeinsamen Festausschuß gebildet und in einer am Sonntag, den 18. Juni, in Hungen stattgefundenen Sizung den Festplan einmütig festgelegt. Als Redner haben zugesagt: Abg. Wolf- Stuttgart, die Reichstagsab­

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Friedberg, 27. Juni. Das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift Für Verdienste" wurde Jakob Wedfort und Johannes Kester 7., beide zu Nieder- Eschbach, verliehen.

e Friedberg, 26. Juni. Die Mitglieder- Ber­stern in unserer Stadt. Friedberg trug Festschmuck, meh­sammlung der Kriegerkameradschaft Hassia" tagte ge­tag abend war Festkommers im Saalbau. Die Mitglie rere Ehrenpforten begrüßten die Gäste. Schon Sams­der- Versammlung nahm Sonntag vormittag im Saal­bau ihren Anfang. Die Hassia- Lotterie für Herbst 1911 wurde einstimmig angenommen. Die Aufnahme des Vereins ehemaliger 116 er, der sich über viele Orte Oberhessens ausdehnt, wurde einstimmig a b gelehnt. Dagegen wurde auf Antrag Krämer- Bü­dingen beschlossen: Die Kriegerkameradschaft hat gegen die Aufnahme einer Jubiläumsvereinigung der ehemaligen 116er, die sich nach dem Regiments- Ju­Nauheim stellte den Antrag, fünftig bei politischen biläum 1913 wieder auflöst, nichts einzuwenden. Bad­Wahlen von Preßangriffen gegen die Sozialdemo­lehnt. Der Bezirk Vilbel wünschte: das Präsidium der fratie absehen zu wollen. Der Antrag wurde abge= Hassia möge aus Anlaß des 40jährigen Reichsjubiläums anregen, daß die Veteranen eine Auszeichnung erhalten. dem Großherzog vorstellig zu werden. Dem Präsidium wurde aufgegeben, in diesem Sinne bei Aussprache entspann sich um den Antrag Groß- Gerau: Eine lebhafte ,, Dem im August 1907 beim Böllerschießen gelegentlich des Kriegerfestes in Biebesheim verunglückten Kamera­den Otto Hammann soll eine Unterstützung gewährt werden, da er durch Verlust der rechten Hand um seinen Erwerb gekommen ist." Man einigte sich schließlich da­hin, daß eine allgemeine Sammlung in Bezirken und Vereinen stattfinden soll. Es wird beantragt, daß die Veteranenzulage von 15 Mt. auf 20 Mt. erhöht werden möge, was einmütige Zustimmung fand. Blu­Dem Antrag Seligenstadt auf Abhaltung eines mentages wurde die Dringlichkeit abgesprochen.

-d- Büdingen, 27. Juni. Das Burgfest auf der altberühmten Ronneburg lockte am Sonntag viele Gäste an. Herolde, Marketenderinnen, das Lager der Landsknechte versetzten den Besucher in die Zeit des Mit­telalters. Die Aufführung des von Steininger verfaßten historischen Festspiels m Glauben start, in Treue fest" durch 115 Mitglieder der Zweigvereine des Vogelsberger Höhenflubs aus Frankfurt, Offenbach, Büdingen, Hanau und Gelnhausen stand im Mittel= punkte des Festes. Schon die Hauptprobe am Vormit­tag war gut besucht. Mit einem Prolog wurde das Festspiel eingeleitet, wonach Kreisrat Beckmann- Büdin­gen im Namen des Festspiel- Ausschusses die Anwesen­den begrüßte, insbesondere die Mitglieder des Hauses Isenburg. Die Hauptaufführung begann um drei Uhr. Die Aufführung dauerte etwa zwei Stunden. Das Spiel war sehr wirkungsvoll und bot farbenprächtige Bilder aus der Zeit des 30jährigen Krieges.

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Büdingen, 27. Juni. Die Gemeinden des Kreises müssen im Rechnungsjahr 1911 170 000 Mark Kreisumlagen aufbringen.

* Marburg, 27. Juni. Eine für die Presse interessante Privatklage fand vor dem hiesigen Schöffengericht gegen die hiesige Hessische Landesztg." statt. Wegen eines Berichtes über eine Mietervereins­versammlung, in der über hohe Mietpreise geklagt wurde, forderte die Firma Kaiser& Roth die Hess. Landes­zeitung" auf, feine solche Berichte mehr zu bringen, an­dernfalls erhalte sie die Inserate der Firma nicht mehr. In einem Eingesandt" wurde darauf das Verhalten der Firma als verächtlich bezeichnet. Das Schöffengericht sprach nun den Redakteur frei, weil tatsächlich die For­derung der Firma die journalistische Ehre der Zeitung berühre und somit verächtlich sei. Es gelte all­gemein als verwerflich, die Haltung einer 3eitung von den Anzeigen abhängig zu

machen.

Darmstadt, 27. Juni. Gestern vormittag ist im Alter von 78 Jahren der Geheime Finanzkontrolleur Ludwig Krizzler gestorben, der sich um das hessische Steuerwesen große Verdienste erworben hat. 1906-07 deckte er große Steuerdefraudationen auf, die dem Staat mehrere Millionen einbrachten.