Die Beschlüsse der Strafrechtskommission.
Der Strafrechtskommission, die im Reichsjustizamt am 4. d. M. ihre Beratungen begonnen hat, ist, wie bereits befannt, die Aufgabe gestellt, auf der Grundlage des im Jahre 1909 veröffentlichten Vorentwurfs den Entwurf eines neuen Strafgesetzbuches aufzustellen. Die Kommission hält wüchentlich dreimal Sitzungen ab. In den ersten beiden Wochen ist der erste Abschnitt des allgemeinen Teils„ Das Strafgefet"(§ 1 bis 12) beraten worden. Die wesentlichsten Beschlüiffe haben, wie im Reichsanzeiger" mitgeteilt wird, folgenden Inhalt:
Die Dretteilung der strafbaren Handlungen in Verbrechen, Vergehen und Uebertretungen soll beibehalten werden. Die Frage, nach welchen Kriterien otese Teilung erfolgen soll, wird aber erst nach Erledigung des Strafsystems entschieden werden. Im Zusammhang damit soll auch die Erörterung darüber, ob das Polizetunrecht aus dem Strafgesetzbuch ausgeschieden, oder doch die Uebertretungen in einem getrennten Teil zu behandeln sind, vor= läufig zurückgestellt werden.
Die zeitliche und räumliche Geltung des Strafgesetzes will die Kommission im wesentlichen nach den Vorschlägen des Vorentwurfs, jedoch mit verschiedenen Ergänzungen, regeln. Es soll demnach bei dem Wechsel der Strafgesetzgebung grundsätzlich das dem Täter günstigste Gesetz angewendet werden, doch sollen einzelne sichernde Maßnahmen, unabhängig davon, ob das alte Gesetz sie kannte, zur Anwendung gelangen. Für das Einführungsgesetz sind gewisse Ueberleitungsbestimmungen vorbereitet, insbesondere über Aenderungen im Strafvollzug, den etwaigen Aufschub yon Straffolgen oder Nebenstrafen, die das neue Gesetz aus= drücklich mißbilligt, und über den Wegfall der Strafvollzugsfähigkeit Jugendlicher, falls das neue Gesetz die Altersgrenze erhöht.
Die Bestimmungen im internationalen Strafrecht, daß strafbare Handlungen eines Deutschen im Auslande im Inlande auch dann verfolgbar sein sollten, wenn die Tat nach dem am Begehungsorte geltenden Recht straflos ist, hat die Kommission nicht bewilligt; dagegen hat die Kommission den Vorschlägen des Weltverbrechens, b. b. der Delikte, die, ohne Rücksicht auf die Staatsangehörigkett des Täters und den im Auslande gelegenen Ort der Begehung, im Inlande verfolgbar sind, zugestimmt. Außer Hochverrat, Münzverbrechen und Amtsdelikten deutscher Beamten sollen auch der Meineid und Verbrechen und Vergehen gegen Deutsche oder gegen Reichsbeamte als Weltverbrechen angesehen werden. Deutsche sollen auch verfolgt werden dürfen, wenn sie auf staatlosem Gebiet eine nach deutschem Recht als Verbrechen anzusehende strafbare Handlung begangen haben. Im Einführungsgesetz soll zum Ausdrud gelangen, daß die Grundsäße, die für die im Auslande von einem oder gegen einen Deutschen begangenen Delikte gelten, auch auf Schutzgenossen Anwendung finden. Die Vorschriften über die Immunität der Abgeordneten und der Freiheit der Parlamentsberichterstattung And unverändert geblieben.
Der Einsame im Schloß Fürstenried.
Das seltene Gedenkfest, ein Vierteljahrhundert lang die Krone getragen zu haben, König Otto von Bay= ern fönnte es in diesem Jahre begehen, wäre sein Verstand nicht schon unheilbar getrübt gewesen, als er am 18. Juni 1886 durch den tragischen Tod seines Bruders Ludwig II. den Namen, nicht die Macht der Herrscherwürde erbte. Und ießt, am Donnerstag, den 27. April, erreicht der unglückliche Schattenkönig das 63. Jahr eines Lebens, das den Namen eines solchen kaum verdient. Von seinen Verwandten erkennt er längst niemand mehr. Selbst seine Mutter, die 1889 verstorbene Königin Maric, eine preuBische Prinzessint, stellte ihre Besuche schließlich ein, als sie ihren beklagenswerten Sohn nur aufzuregen und Wahnvorstellungen, die ihn umfingen, zu verstärken schienen. Ein paar Male im Jahre betritt eine Abordnung der höchsten ärztlichen Würdenträger Bayerns das einsame Schloß Fürstenried, wo der König seine Tage zubringt, und erstattet an das Staatsministerium einen Bericht, der immer wieder keine Veränderung im Befinden" feststellt. König Dtto kann noch viel älter werden, als er schon ist. Es Itegt im Wesen seines Leidens, daß Hand in Hand mit dem Berfall seines Geistes eine Festigung seines Körpers geht. Die kurzen Augenblicke, in denen er früher seines Zustandes, fa sogar seiner Majestät sich bewußt schien, sind für mmer vorüber. König Otto lebt nicht in der Wirklichkeit, ondern in einer Welt von Geistern, mit denen er zwieprache hält. Der Schein des Königtums wird um ihn her aufrecht erhalten. Bis an die Tür des Zimmers, wo der König einsam brütet oder in ein Zeltungsblatt, gleichwohl welchen Datums, hineinstarrt, wandelt man wie in einem wirklichen Königspalaste. Und draußen, am Eingange, wo bie hohen Gartenmauern sich zusammenschließen, stehen Soldaten mit Helm und Gewehr. Niemals werden ste des Rönigs ansichtig, dem sie den Eid der Treue schwuren und ber ein bis zum Tode Gefangener ist nicht menschlicher Gewalt, sondern eines unerforschlichen und unerbittlichen Schicksals..
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Des Rätsels Lösung.
Roman von Ludwig Blüm de. ( Nachdruck verboten.) „ Eine Kahnpartie bei diesem herrlichem Wetter müßte großartig sein!" meinte Siegfried nach kurzem Kriegsrat.
Es war ihnen auf das strengste untersagt, sich an die Fischerkähne zu wagen, deren wohl ein Duzend am Ufer des Wedelsteiner Sees lag. Darum wollten sie das gerade heute abend tun.
Wenige Minuten später waren die drei draußen und hatten auch bald einen sogenannten„ Seelenverkäufer", der ihnen recht leicht zu regieren schien, sowie zwei Ruder entdeckt. Siegfried prahlte mit seinen starken Armen und war der erste in dem unsicheren Fahrzeug, das sie jetzt mit vereinten Kräften vom Ufer abgestoßen.
,, Aber um Gottes willen!" ruft da der Schäferjunge aus. ,, Schnell, schnell heraus! Der Kahn ist ja led! Siehst Du nicht, wie das Wasser eindringt?"
,, Unsinn", erwiderte der verwegene Bursche fed, den Bruder, der ihn am Arm gefaßt, unsanft zurückstoßend. Ihr seid feige Memmen! Das bischen Wasser ist für die Kaze. Wollt Ihr mit oder nicht?""
Die anderen zeigten nun nicht die geringste Lust, sondern gaben sich alle Mühe, ihn zurückzuhalten. Vergebens. Der Kahn gleitet langsam fort in dem sumpfigen Wasser. Aber kaum ist er zwanzig Schritte vom Ufer entfernt, da folgt er, von dem eindringenden Wasser be= Schwert, dem Steuermann nicht mehr, sondern beginnt zu Hinten. Das Ruder entfällt Siegfrieds Hand und verschwindet in dem moorartigen Wasser. Er steht ratlos da, möchte die beiden Gefährten nicht merken lassen, wie ihm zu Mute ist, findet aber auf ihre teils spöttischen, teils beorgten Ausrufe keine Erwiderung. Nun reicht ihm das Wasser bereits über die Knöchel. Er sieht den Tod vor Augen. Da ist es mit des fleinen Waghalses Mut zu Ende. Er ruft jämmerlich um Hilfe. Keine Gefährten
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Günstige Aussichten für den Staatssädel. Die in der Presse bereits gemachte Angabe, daß im Rechnungsjahre 1910 bei den Einnahmen aus den Zöllen und Steuern mehr aufkommen werde, als veranschlagt ist, wird sich bestätigen. Auch ist das voraussichtliche Plus mit 40 Millionen Mark faum zu hoch angegeben. Die Veröffent lichung der Abschlüsse, die zurzeit allerdings nur als vorläufige gelten können, steht unmittelbar bevor. Auch die Post und die Reichseisenbahnen werden mit Ueberschüssen abschließen, welche die Etatsansäke überschreiten, und zwar die Post um rund 18,8 Mill., die Reichseisenbahnen mit rund 11,5 Mill. Mark.
Cambons Erklärung an den Reichstanzler. Die französische Regierung hat durch ihren Berliner Botschafter Cambon dem deutschen Reichskanzler persönlich die Erklä= rung abgeben lassen, daß die Entsendung von Truppen nach Marokko nur dem Schutz der bedrohten französischen Interessen dient, und daß die Aktion sich im Rahmen der Algecirasatte hält.
Die Konferenz der deutschen Rettungshausverbände und Erziehungsverbände hat am Dienstag in München ihre zwölfte Tagung eröffnet. Das Hauptreferat wurde über das Thema erstattet: Welches Lebensalter soll die Altersgrenze bei der Ueberweisung in die Fürsorgeerziehung sein? Die Versammlung sprach sich einmütig gegen die Herabsetzung der Altersgrenze von 18 auf 16 Jahre bei Ueberweisung in die Fürsorgeerziehung aus und forderte, daß die Bundesstaaten, die bisher nur bis zum 16. Lebensjahre überweisen, die Altersgrenze auch auf das 18. Heraussetzen.
Der Entwurf zum Versicherungsgesetz der Privatangestellten ist soweit fertiggestellt worden, daß der Reichstag bei der Wiederaufnahme seiner Arbeiten die Vorlage vorfinden dürfte. Ob es gelingen wird, vor Pfingsten eine erste Lesung des Entwurfs vorzunehmen, scheint zweifelhaft, da der Reichstag zunächst das Einführungsgeseh zur Reichsversicherungsordnung und dann die zweite Lesung dieser Reichsversicherungsordnung selbst in Angriff nehmen will. Es ist daher wohl möglich, daß das Versicherungsgesetz der Angestellten für die Herbsttagung zurückgestellt wird.
Eine statistische Denkschrift über Streitausschreitungen ist der Kommission zur Vorbereitung des Strafgesetzbuches entgegen Meldungen einiger Blätter nicht vorgelegt worden. Es scheint sich dabei um ein Mißverständnis zu handeln. Der Kommission liegt allerdings eine Statistik vor, das ist aber die in der regelmäßig vom Kaiserlichen Statistischen Amte herausgegebenen Statistik für das Deutsche Reich enthaltene Kriminalstatistik, die eine zahlenmäßige Zusammenstellung über sämtliche zur Aburteilung gelangte Straftaten enthält, die nach Gesetzen und innerhalb der Gesetze nach Paragraphen geordnet sind. Es fehlen auch nicht die Verstöße gegen den§ 153 der Gewerbeordnung sowie die deswegen verhängten Strafen. Aber gerade diese Vergehen sind in der Statistik mit drei oder vier Zeilen abgetan, ohne besonders hervorgehoben zu werden.
Ueber den Gesundheitszustand des Papstes teilte eine hohe diplomatische Persönlichkeit in Rom dem Korrespondenten eines Berliner Blattes mit, daß dieser kein guter sei. Die Lebenskraft des 76 Jahre alten Mannes lasse sichtbar nach. Der Papst fühle sich immer müde, leide an Schlaflosigkeit und in letzter Zeit seien auch ernste Störungen im Stoffwechsel hinzugetreten.
Besuch König Peters in Berlin? Wie verlautet, ge= denkt König Peter von Serbien dem Berliner Hof im Serbst dieses Jahres einen Besuch abzustatten. An Berliner gutunterrichteter Stelle wird dem ,, L.- A." hierzu mitgeteilt, daß amtliche Verhandlungen über einen Besuch des serbischen Königs zurzeit zwar noch nicht begonnen haben, daß man aber über die Absicht der Belgrader leitenden Kreise bereits unterrichtet set.
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Japan als Wächter über China. Aus Tokio liegt die Meldung vor, daß die von der gesamten japanischen Presse unterstützte Regierung ernstlich gegen die jüngst abgeschlossene Viermächte- Anleihe" Chinas Stellung zu nehmen beabsichtige. Japan so heißt es werde nur sein eigenes Interesse befragen, um die von ihm erworbene bevorrechtete Stellung in der Mandschurei so scharf wie mögItch zu akzentuieren. Welche Mittel die japanische Regierung dabei im Auge hat, wird noch geheimgehalten.
Kleine Nachrichten.
Ein heftiger Erdstoß wurde am Dienstag in Tirol ver spürt. Der Stoß war von donnerähnlichem Getöse beglei
stehen eine Weile ratlos da und laufen dann weinend zum Schloß zurück, um dort Hilfe zu holen.
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„ Horch! Was war das? Da muß ein Unglüd passiert sein!" ruft Erna aus, von ihren Träumereien jäh erwachend. Auch ihr Vater hat den gellenden Hilfeschrei gehört. Sofort eilten beide der Richtung zu. Des Kna ben lautes Lamentieren läßt sie die Unglücksstelle unschwer finden. Schnell haben sie des Junkerchens Notlage durchschaut, aber auch zugleich erkannt, daß es nicht leicht ist, ihm Hilfe zu leisten. Der Rentmeister ergreift eine der am Ufer liegenden langen Stangen, eine sog.„, Stafrute", wie sie die Fischer zu benutzen pflegen, wirft Rock und Stiefel ab und watet ins Wasser, um dem versinkenden Kahn womöglich so nahe zu kommen, daß er dem Knaben die Rute hinüberreichen kann. Unmöglich! Kchon nach wenigen Schritten steht der alte Mann bis an die Brust im Morast und gerät selber in größte Lebensgefahr. Nur mit verzweifelter Mühe arbeitet er sich, von Erna unterstützt, wieder heraus. Da ruft diese aus:
,, Vater, ich weiß eine Möglichkeit! Zwanzig Schritte von hier ist flares, tiefes Wasser, dort, wo die Badeanstalt gestanden. Ich will nicht umsonst für eine tüchtige Schwimmerin gelten. In wenigen Sefunden habe ich den Stein erreicht, der dicht bei dem Kahn herausragt. Ich schwimme im Bogen um das Schiff herum."
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Ehe Raben noch ein Wort erwidern kann, ist Erna schon davongelaufen. O, es ist für die kühne Schwimmerin keine leichte Arbeit! Da der Wasserspiegel infolge der lange anhaltenden Dürre sehr gesunken, so wird sie beständig von Schlingpflanzen und Morast gehemmt und gefährdet. Aber dennoch gelingt es ihr, den Stein zu erreichen, gerade in der höchsten Mot.
Siegfried ist gerettet. Fest flammert der Knabe sich an seine kühne Retterin und vermag nur zu stammein: ,, Dafür will ich Ihnen immer gut sein, liebes Fräulein, so gut, als wären Sie meine Mama."
Jetzt nahten Leute vom Schloß, auch einige Fischer,
tet und dauerte etwa dret Sekunden. Die Erschütterung war so heftig, daß die Leute aus den Häusern Itefen. Die Fensterscheiben flirrten und die Gegenstände wurden durcheinander gestoßen. Das Erdbeben richtete aber feinen nennenswerten Schaden an.
Die 58. Generalversammlung der Katholiken Deutsche lands findet vom 6. bis 10. August d. Js. in Mainz statt. Das Hotel Fürstenhof in Blankenburg( Harz) ist in der Nacht zum Dienstag vollständig niedergebrannt. Som mergäste waren noch nicht eingekehrt. Das Personal konnte nur das Notwendigste retten.
Nach 30 Jahren begnadigt ist der Schlachtergeselle Jentsch aus Altona, der mit zwei anderen Schlachtergesellen im Jahre 1880 einen Händler ermordet und beraubt hatte und vom Altonaer Schwurgericht zu lebenslänglicher Zucht hausstrafe verurteilt worden war. Seine beiden Mitschuldigen sind in der Strafanstalt Rendsburg, wo alle drei Täs ter zur Strafverbüßung untergebracht waren, gestorben. Aus Gram über den Tod seiner Mutter hat in Beuthen der 16jährige Sohn eines Fabrikbesitzers seinem Leben ein Ende gemacht. Er stürzte sich vom Dach des vierstöckigen Elternhauses und war sofort tot.
Ein folgenschwerer Einsturz eines Neubaues hat h in Matheshof bet Gleiwitz ereignet. Drei Zimmerleute wurden unter den Trümmern begraben. Einer von den Verunglückten ist tot, zwet sind lebensgefährlich verletzt. Vergiftungen durch verdorbenes Hackfleisch werden aus dem Vogtlande gemeldet. In Pausa und im benachbarten Ebersgrün sind zahlreiche Personen an Vergiftungserscheinungen erkrankt, zum teil schwer. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Durch eine einstürzende Wand verschüttet wurden in Stuttgart bei den Abbruchsarbeiten der alten Dragonerfaserne zwei Arbeiter, von denen einer getötet, der andere schwer verletzt wurde.
In die elektrische Wäschemangel geraten ist in Falkenstein im Vogtland die dreizehnjährige Tochter eines Tischlers. Das Kind, das allein in dem Raume war, wurde mit dem Kopf derart in die Mangel gezogen, daß dieser zit einer unförmigen Masse zerquetscht wurde.
Aus den Gerichtssälen.
Ein Todesurteil. Das Schwurgericht in Lübeck verur teilte den 20jährigen Kaufmann Ernst Hartmann, Sohn eines Rechtsanwalts, der am 18. November v. J. die Rentnerin Jensen in ihrer Wohnung nach einem vergeblichen Erpressungsversuch ermordete, zum Tode.
Der Berliner Hochstaplerprozeß Margolin. Vor dem Schwurgerichte des Berliner Landgerichts haben sich der Agent Joseph Margolin und seine Geliebte, die Sängerin Ernestine Fröhlich zu verantworten. Die Anklage lautei auf Urkundenfälschung und Betrug bezw. Beihilfe dazu. Margolin und die Fröhlich haben in Berlin ein sehr luguriöses Leben geführt und in den teuersten Hotels gewohnt. Seinen Hauptcoup, der das wesentlichste Moment der Antlage bildet, führte Margolin in folgender Weise aus: Er erschien eines Tages mit einer tiefverschleierten Dame, dte er als Frau Kommerzienrat Hecht ausgab, bei einem Notar und erklärte diesem, daß die Frau Kommerzienrat zur Bürgschaftsleistung für einen Wechsel bereit sei. Der Notar Iteß sich auch wirklich verblüffen und nahm die Bürgschaftsleistung der Frau, die in Wirklichkeit die Fröhlich war, notariell auf. Als die Komödie das erstemal gelungen war, wurde sie noch einige Male in Szene gesetzt. Die Akzepte mit dem gefälschten Giro der Kommerzienrätin wurden dann von Margolin in Umlauf gebracht, wofür er bei Geldgebern rund 100 000 M löfte. Er ergriff nach diesem gelungenen Schwindel die Flucht und nahm seine Geliebte mit. Das Paar wandte sich zunächst nach dem Süden und landete schließlich in Petersburg, wo nach dem Eintreffen der Steckbriefe seine Verhaftung erfolgte. Zunächst wollte Margolin von feiner Betrugsabsicht etwas wissen, behauptete vielmehr, die Wechsel mit echtem Giro von dem Grafen Ramee, dem Schwiegersohn der Frau Kommerzienrat Hecht, erhalten zu haben. Der angebliche Graf Ramee hatte in der Tat die Tochter der Kommerzienrätin so für sich eingenommen, daß sie sich heimlich mit ihm trauen ließ. G8 glückte ihr schließlich auch, durchzusetzen, daß ihr Gatte aus der Untersuchungshaft, in die er als vermeintlicher MitHelfer Margolins genommen worden war. entlassen wurde. Der betreffende Entschluß des Untersuchungsrichters ba= sterte in erster Linie auf einem Geständnis, das inzwischen Margolin in Petersburg abgelegt hatte. Dieser hatte den Schwindel mit der angeblichen Kommerzienrätin Hecht eingestanden und zugegeben, daß Ramee ihn zwar mit der Beschaffung von Geld auf Wechsel betraut hatte, von der falschen Unterschrift auf diesen aber nichts gewußt habe. Nach längeren Verhandlungen wurden Margolin und die Fröhlich nach Deutschland ausgeliefert. Letztere hat eingestanden, daß sie nach Anleitung Margolins die Rolle der Kommerzienrätin gespielt habe. Wir werden das Urteil mitteilen.
Vermischtes.
Die Erbschaft in der Dunggrube. Seine Erbschaft in der Dunggrube gefunden hat der Tünchermeister Karl Wedel zu Biebesheim in Hessen- Darmstadt. Er ließ vor furzem Dung auf seinen Acker fahren. Beim Aufladen des
die das Geschrei vernommen. Allen voran eilte des geretteten Knaben Mutter, einer Wahnsinnigen gleich in ihrer Verzweiflung. Wie der alte Raben ihr aber zurief, daß seine Tochter den Knaben gerettet hätte, da wäre sie dem schlichten Mann fast um den Hals gefallen, da vergaß sie allen Stolz und schüttelte ihm wie einem Bruder die Hand. Die Fischer fuhren mit einem anderen Kahn an den Stein, auf dem Erna und Siegfried sie sehnsüchtig erwarteten, heran und brachten beide wohlbehalten ans Ufer. Die überglückliche Mutter küßte bald ihren Sohn, bald dessen Retterin.
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Wie soll ich Ihnen das vergelten, wie stehe ich tief in Ihrer Schuld!" wiederholte sie immer wieder. Unter denen, die vom Schloß gekommen, befand sich auch Woltersdorf. Mit begehrlichen Blicken schaute er das fühne Weib an, mit dem er für alle Zeiten gebrochen. Wie sah sie schön aus in diesem Augenblick! Welch eine herrliche Gestalt! Das aufgelöste blonde Haar fiel in wogender Fülle herab und verlieh dem lieblichen Wesen etwas wahrhaft Feenhaftes.
„ Nie, nie soll die ein anderer besitzen!" rief es voll heißer Leidenschaft in des Mannes Brust.„ Entweder ste Itegt mir noch zu Füßen oder ich vernichte sie!"
Zum Glück war die Aufregung des ereignisvollen Abends weder für Raben noch für Erna von üblen Folgen gewesen. Sie wurden während der nächsten Wochen täg lich aufs Schloß gebeten und von der dankbaren Mutter wie fürstliche Gäste behandelt. Jeglicher Standesunterschied schien geschwunden, ein Band herzlichster Freundschaft vereinte sie alle.
Aber trotz der Auszeichnungen, die ihm und seiner Tochter zuteil wurden, konnte der Rentmeister seines Lebens nicht mehr recht froh werden. Wie ein Alp lastete der schwere Verdacht auf ihm, in den er geraten war. Der General und viele andere, die ihn fannten, waren fest da von überzeugt, daß sein Gewissen völlia rein.(&. f.)


