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legten Wagens fand man eine große Anzahl von Zwanzig-, Behn-, Fünf- und Dreimarkstüden. Sorgfältig hat man dann alles durchsucht und nahezu tausend Mark gefunden. Wie sich herausstellte, hatte die vor kurzem verstorbene Mut ter des Mannes das Geld im Strohsad aufbewahrt, und nach ihrem Tode wurde der Strohsack mit dem ganzen In­halt auf den Dünger geschüttet. Durch einen glücklichen Bu= fall ist der Sohn somit wieder in den Besitz seiner Erbschaft gekommen.

Rußland in Cholerafurcht. Schon vor zwei Jahren hat die sogenannte Cholerafommission in Petersburg die Be­fürchtung ausgesprochen, daß die Cholera in Rußland fort­ab als endemisch zu betrachten sei. In diesem Jahre ist man völlig auf den Ausbruch der Seuche mit Beginn der wär­meren Jahreszeit gefaßt. In Petersburg selbst sieht man dem bösen Gast mit Schrecken entgegen, denn zur wirklichen Sanierung der ganz durchfeuchten Hauptstadt sind immer noch keine ernsten Maßnahmen getroffen. Das Ministerium nimmt an, daß bei dem großen Umfang, den die Cholera im vergangenen Jahre im ganzen Reich genommen hat, versteckte Infektionsherde übrig geblieben sind. Diese An­nahme scheint um so begründeter, als sich im Laufe des Winters choleraverdächtige Fälle in den Gouvernements Kiew, Jekaterinoslaw, Podolien, Wolhynten und Jaros­law gezeigt haben. Auf den Wiederausbruch der Pest im fernen Often bereitet man sich vor. Sachverständige sind der Ansicht, daß der vom Ministerium zur Bekämpfung der Seuche geforderte Kredit von 4 Millionen Rubel bei weiteri nicht ausreicht, erfolgreich gegen die verheerenden Epide­mien vorzugehen und daß schon zur Bekämpfung der Cho­Iera im europäischen Rußland mindestens die doppelte Summe nötig wäre.

Eine hartnäckige Selbstmörderin. In Rorschach am Schweizer Bodenseeufer ließ sich eine 50 Jahre alte Frau von einem Burschen auf den See hinausrudern und ver Sprach ihm fünf Frank, wenn er sie an eine tiefe Stelle bringe. Plötzlich sprang die Frau ins Wasser und biß den Burschen, der sie au retten versuchte, in die Hand. Ein zu­fällig vorüberfahrender Dampfer setzte sein Rettungsboot aus, dessen Insassen die Lebensmüde aus den Fluten fisch­ten. Vom Dampfer wollte sich die hartnäckige Selbstmörde­rin ebenfalls in den Bodensee stürzen, wurde aber daran verhindert. Nach der Landung konnten zwei herbeigerufene Schußlente sie faum zurückhalten, sich vor einen Eisenbahn­zug zu werfen.

Serenglaube und Leichenschändung. Die niedere rumä nische Bevölkerung des Hunyader Komitats hat in den lez­ten Tagen mehrfach begrabene Leichen wieder ausgescharit und verstümmelt, damit sie nicht in Gestalt von Heren auf der Erde umherziehen. So wurde in der Gemeinde Bose dieser Tage eine alte Witwe begraben. In der vorletzten Nacht wurde ihre Leiche von unbekannten Tätern exhumiert und vollständig zerstückelt. Hierauf wurden die Leichenteile wieder in das offene Grab geworfen. Die Staatsanwalt­schaft hat eine umfassende Untersuchung angeordnet.

Die Jungfrau von Megito. Siebenhundert männliche Insurgenten haben nach einer Meldung aus Merilo die Schöne Sennorita Margarita Neri zu ihrer Führerin ge­wählt, die es an der Spize ihrer Gefolgschaft schon zum Ehrentitel der merikanischen Jeanne d'Arc gebracht hat. Die Jungfrau von Merito" ist die Tochter des Generals Canuto Neri, der vor Jahren gegen den Präsidenten Diaz rebellierte, dabei jedoch den Tod fand. Ihre Mutter war eine Indianerin, deren Rassentyp sich auf die Tochter ver­erbt hat. Die erst 18 Jahre alte junge Dame hat eine vortreffliche Erziehung genossen, spricht fertig Französisch und Englisch, schießt dabei wie ein Nimrod und reitet wie ein zweiter Buffalo Bill. Sie leitet die Gefechte persön= lich. Ein gütiges Geschick bewahrte sie aber bisher vor Jeder Verwundung.

Schlimmes Ende eines Polterabendscherzes. Bei der Hochzeit eines Schneiders in einem französischen Grenz­orte veranstaltete die Jugend einen etwas geräuschvollen Polterabend, ohne dazu von dem 58jährigen Ehemanne aufgefordert worden zu sein. Etwa 150 Personen rückten mit Kesseln Blechgeschirr, Hörnern und Trommeln vor die Wohnung der Neuvermählten und führten ein Höllen­fonzert auf. Nach etwa einer Stunde riß dem Gefeier­ten" die Geduld: Er öffnete ein Fenster und feuerte mit einem Gewehr in die Menge der Demonstranten. Einer von ihnen erhielt eine Kugel in die Brust und war auf der Stelle tot. Der Schüße verbarritadierte sich in seinem Hause, bis Gendarmen eintrafen, um ihn festzunehmen.

Ein eigenartiger Fall von Gedächtnisschwäche ereig= nete sich dieser Tage in London. Eine junge Dame bat auf der Straße einen Schuhmann um Hilfe, da sie sich nicht erinnern könnte, woher sie komme. Sie wurde auf die Polizeiwache gebracht und vermochte sonst in jeder Hin­sicht Rede zu stehen, verriet sogar einen hohen Bildungs­grad, nur inbezug auf ihren Namen und ihre Herkunft hatte sie jede Erinnerung verloren. Man machte die ver­schiedensten Versuche, ihr Gedächtnis zu wecken, las ihr u. a. alle Namen des Adreßbuches vor, deren Anfangs­buchstaben mit den auf ihren Kleidern gefundenen über­einstimmten, aber vergebens. Durch Zeitungsnotizen Lonnte endlich eine Identifizierung herbeigeführt werden. Zwei Damen erkannten das junge Mädchen als eine Miß Kent, Kassiererin in einem Londoner Geschäftshaus und Pensionärin im Heim für arbeitende Mädchen. Als man thr die beiden sonst wohlbekannten Damen zuführte, zeigte die Erkrankte keinerlei Spur von Erinnerung. Die Stö­rung soll durch Gemütserregungen entstanden sein.

Korsische Hochzeitsfeier. Einen aufsehenerregenden Abschluß fand kürzlich eine in Bonifacio auf Korsika ge= feierte Hochzeit. Während des Schmauses entfernte sich die junge Frau von der Tafel und traf sich auf dem Fried­hof, dem ebenso poetischen wie beliebten Stelldichein der Liebespaare, mit einem früheren Liebhaber. Ihre Ab­wesenheit wurde entdeckt, die ganze Hochzeitsgesellschaft eilte ihr nach), es tam zu einem blutigen Kampfe, in dessen Verlauf nicht weniger als sieben Personen getötet wurden. Als echte Korsen flüchteten die Schuldigen in die Berge, um sich dort der Blutrache zu entziehen. Man i stgespannt, ob es endlich der Behörde gelingen wird, diesmal der Ven­detta, der Geißel dieser schönen Insel, Einhalt zu tun, die Schuldigen zu verhaften und zur Aburteilung vor die or­dentlichen Gerichte zu bringen.

Forellen in einem Eisenbahntunnel. Ein bemerkens­werter Fang wurde vor kurzem in einem Eisenbahntunnel der zweigleisigen Hauptbahnlinie Landau- Zweibrüden­Saarbrüden gemacht. Der Tunnel liegt in einer Wasser­scheide des inneren Pfälzer Berglandes zwischen den Sta­tionen Hinterweidental- Kaltenbach und Münchweiler. Durch ihn fließt ein Gebirgsbach, der in den Sulzbach ein­mündet und die Walch" genannt wird. In diesem Bache, ber innerhalb des Tunnels durch starke Felsquellen starken Zuwachs erhält, wurde kürzlich eine Forelle gefangen, die Pfund wog und ein völlig gebleichtes, fahlweißes Aus­sehen hatte. Es handelt sich offenbar um eine Forelle, die im Tunnelwasser aufgewachsen ist, oder aber längere Zeit barin gelebt hat und daher infolge Lichtmangels der bunt­Schillernden Farbe ihrer Gattung entbehrt. Es wäre sehr Interessant, genau zu wissen, ob die Forelle von der Brut

her im Tunnel gelebt oder später hineingelangt ist, bezw. ob ihre Farbe von Jugend an fahlweiß war oder erst in­folge längeren Aufenthaltes im Tunnel so geworden ist. Da der Tunnel schon eine Reihe von Jahrzehnten existiert, sind beide Möglichkeiten gegeben. Die Forelle, die in Kaltenbach aufbewahrt wird, erinnert an die Höhlen­molche in den unterirdischen Gewässern der Adelsberger Tropfsteingrotte, die ebenfalls infolge Lichtmangels weiße

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Ueber die Wärme im Innern der Erde sind, wie der " Inf." aus Ingenieurkreisen geschrieben wird, in der Nähe des Dorfes Czuchow in Schlesien sehr bedeutsame neue Feststellungen durch fortwährende Messungen der Tempe= raturen in den verschiedenen Erdtiefen gemacht worden. Bei Czuchow wurde nämlich ein Bohrloch hergestellt, das eine Tiefe von 2240 Metern hatte. Die Herstellung des Bohr= loches wurde zugleich zu wissenschaftlichen Zwecken benutzt, um von der Wärme im Innern der Erde genaue Zahlen zu erlangen. Im folgenden wollen wir die charakteristisch­ften Zahlen wiedergeben, die dabet festgestellt worden sind. In einer Tiefe von 500 Metern wurde eine Wärme von 26 Grad gemessen. Die Messungen wurden weiterhin immer in Abständen von 50 Metern vorgenommen; da sich aber Hierbei nur geringe Wärmeunterschiede ergaben, so seien hter nur die Zahlen genannt, die in den Abständen von 500 Metern die Wärmegrade bezeichnen. In einer Tiefe von 1000 Metern hatte die Erdwärme 14 Grad Celsius zugenom inen und betrug 40 Grad. Während der Wärmeunterschied von 500 zu Metern nur 14 Grad betrug, war die Diffe= rnz in einer Erdtiefe von weiteren 500 Metern schon um 29 Grad Celsius gewachsen, da in 1500 Meter Tiefe eine Wärme von 69 Grad festgestellt wurde. Endlich seten noch die Zahlen genannt, die kurz vor dem Abschlusse des Bohr­loches in einer Tiefe von 2221 Metern gemessen worden find. Hier betrug die Erdwärme nicht weniger als 83,4 Grad. Sie war also gegen die Temperatur in einer Tiefe von 1500 Metern um rund 15 Grad gestiegen. Diese Fest­stellungen sind um so interessanter, als das Bohrloch von 2240 Meter Tiefe zu den tiefsten Bohrlöchern der Erde zählt.

Ein historischer Zufall.

Die Erinnerung an das ermordete Königspaar Alexan­der und Draga spukt immer noch im Konak von Belgrad. Nicht mehr als Rachegespenst. Aber als beständiger Alp­druck. Die schleichende Schwermut dieses Hofes, die nur peinlich von den Exzessen des Exfronprinzen unterbrochen wurde, vergrößert stets noch die Distanz zwischen dem le­bensüberdrüssigen König und seinem heißblütigen, leichtle= bigen Volk. Freiherr N. v. Stetten, der die Tragödie der Obrenowitsch in nächster Nähe erlebte, hält in der Zeit­schrift"( Verlag Alfred Janssen, Hamburg) eine wenig be­tannte Episode aus jener Zeit fest, die beweist, wie ein ganz unbedeutender Zufall den Lauf der Geschichte ablenken konnte. Er schreibt:

Der übrigens recht dekadente König Alexander war oft und eindringlich vor Gefahren gewarnt worden, die ihm damals drohten. Ich entfinne mich aber, daß er in einer Audienz, die er mir wenige Wochen vor der Tat bewilligte, auf kein anderes Thema einging, als auf das wegwerfende Urteil des Auslandes über Königin Draga. Trotz der Aus­sichtslosigkeit, diese Frau auf dem Thron zu behaupten, brachte der unglückliche König fein anderes Interesse auf, als für die Nettung des doch unrettbaren Rufes der Königin. Am Vorabend des tragischen Abschlusses war Em­pfang im Konat. Ein schwüles Unsicherheitsgefühl beherrsch­te die versammelte Gesellschaft. Nur den König nicht. Ob­wohl man ihm kurz vorher die auffällige Anwesenheit von zahlreichen Provinzoffizieren in der Hauptstadt gemeldet hatte. Ein Lakai übergab dem Kriegsminister, der tags darauf auch ermordet wurde, das Schreiben eines ihm befreundeten Offiziers. Der Minister hatte sich eben nach dem Namen des Absenders der Schrift erkundigt, als König Alexander auf ihn zutrat und sich über die Stimmung in der Armee informieren wollte. Der optimistische Kriegsminister erwiderte, daß alle Vorkehrungen für Sicherheit und Rühe getroffen seien, und verwahrte den Brief ungelesen in den Taschen seines Dolmans. Dieses Schreiben enthielt eine vollständige Namensliste aller eben versammelten Ver­schwöreroffiziere und dringende Aufforderung, deren ſo­fortige Verhaftung zu veranlassen, da sie in der bevorstehen­den Nacht zur Tat" schreiten wollten. Der Minister vergaß im Verlauf des Festes vollständig das Papier. Nach der Er­mordung des Königstreuen Kriegsministers fanden die Ver­schwörer ben uneröffneten Brief vor. Der Schreiber der Warnung beging Selbstmord.

Ohne den unwesentlichen Zufall des Hinzutretens des Königs hätte die serbische Geschichte wahrscheinlich einen ganz anderen Verlauf genommen. Und König Peter hätte die Reihe seiner Anerkennungsbesuche kaum jemals begin­nen können.

Eine geheimnisvolle Krankheit.

Immer wieder tauchen im Reiche der medizinischen Wis­senschaft neue Probleme auf, die der Lösung harren; erst fürzlich wurde von einer kleinen englischen Insel der Aus­bruch einer Seuche gemeldet, deren Wesen und Entstehung den Gelehrten Rätsel aufgibt. In der Revue" berichtet Dr. A. de Neuville von einem anderen geheimnisvollen Leiden, das kürzlich Gegenstand der Forschung geworden ist, und gegen das die Heilkunde trotz aller Bemühungen noch kein Abwehrmittel zu finden vermochte. Eines Tages erschien bei einer der berühmtesten ärztlichen Autoritäten Washingtons ein fräftiger Fischer und bat um ärztlichen Rat. Im vergangenen Jahre sei er in seinen Arbeiten schwer behindert worden durch ein schmerzhaftestes Ge­schwulst an der linken Schulter. Er öffnete die Beule und heraus troch ein weißer, platter Wurm von etwa 2 3enti­meter Länge bei Zentimeter Breite. Der Fischer wun­derte sich, aber bekümmerte sich nicht weiter um die An­gelegenheit. Ein Jahr später entdeckte er auf der Brust fünf oder sechs Auswüchse. Er öffnete sie mit einem Mef= ser und fand überall Exemplare des gleichen Wurmes. Der Arzt in Washington schüttelte den Kopf, aber er untersuchte den Mann und stellte zwei Beulen fest, eine an der Leisten­gegend und eine unterhalb der linken Brustseite. In je­dem Geschwitr fand er einen Wurm. Das Tier schien der Gattung der Blasenwürmer anzugehören, war jedoch von einer Art, die der Wissenschaft bisher unbekannt war. Die rätselhaften Parasiten wurden dem bekannten amerikani­schen Helmintologen Prof. Smith übergeben, der in ihnen Eingeweidewürmer erkannte, die in Japan bereits einmal beobachtet worden waren. Wie ein amerikanischer Binnen­ftscher daran erkranken konnte, blieb schlechthin unerklär­lich; ebensowenig fand man das Tier in den Annalen der medizinischen Wissenschaft verzeichnet. Man mußte sich wohl oder übel damit begnügen, den rätselhaften Krankheitsfall genau zu überwachen. Da man fein Mittel kannte, mußte man beobachten, wie das Leiden des Fischers immer mehr anwuchs. Bald empfand er furchtbare Schmerzen, und schließlich wurde er wahnsinnig. Diese Zerstörung der Geistestlarheit war nicht überraschend: die Parasiten hatten das Gehirn erreicht. Bei der Autopsie untersuchte man sorgfältig das Schädelinnere: das Gehirn war von den Würmern durchlöchert und zernagt. Es blieb nur noch rät­selhaft, wie der unglückliche Patient diese Qualen und in­neren Verwüstungen so lange ertragen konnte. Der mör­derische Parafit wurde dann genauer untersucht. Im ver­

gangenen Jahre wurde in Tokio von den Professoren der medizinischen Fakultät eine Frau untersucht, die die glet chen Symptome dieser rätselhaften Krankheit zeigte. An einzelnen Teilen ihres Körpers fand man in einem Ku bikzentimeter Gewebe bis zu 1500 dieser Würmer. Dabei gelang die seltsame Feststellung, daß der Patient nur ein vorübergehender Wirt seiner Henker ist. Man fand Larven des Parasiten in Tierkörpern, so z. B. in der Zunge eines frisch geschlachteten Ochsen. Dem Ochsen hatten die Würmer nichts angehabt, aber nach der Schlachtung blieb die Larve im Fleische. Ein Mensch davon und der noch immer lebendige furchtbare Feind entfaltete sich nun in dem menschlichen Körper, der seiner Entwicklung günstiger ist. Die Erscheinung erinnert an die Trichinen. Die in Tokio untersuchte Frau war 33 Jahre alt und der ameri­fanische Fischer 48. Beide starben an ihrem Leiden und ha ben Kinder hinterlassen. Die Nachkommen zeigen einst­weilen keinerlei Symptome der Krankheit, doch es wäre verfrüht, die Ansteckungsfähigkeit zu verneinen. Denn ebenso wenig wie der Name der Krankheit ist die Intuba­tionsfrist bisher erforscht. Die amerikanischen und japani­schen Aerzte erschöpfen si chin Hypothesen, aber bis heute ist es noch keinem Gelehrten gelungen, das Rätsel zu lösen.

Drabtnachrichten und neuestes.

Verurteilung eines Hochstaplerpaares.

Berlin, 26. April. Das Urteil gegen den Agenten Margolin und die Sängerin Fröhlich wurde heute in der zweiten Morgenstunde gefällt. Es lautete gegen Margolin wegen schwerer Urkundenfälschung und Betruges in mehre ren Fällen auf 3% Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehr­verlust, gegen die Angeklagte Fröhlich wegen schwerer Ur­fundenfälschung auf 1% Jahre Gefängnis. Beiden Ange­klagten wurden drei Monate der Untersuchungshaft ange­rechnet.

Vom Blizz erschlagen.

Ratibor, 26. April. Im benachbarten Mosurau wurde die Hebamme Höllebrandt während eines Gewitters vom Blizz getötet. Ihr Verlobter wurde schwer verletzt. Beide standen kurz vor der Hochzeit.

Brand eines schleswig- Holsteinischen Herrensizzes. Lübeck, 26. April. Der Stammsitz einer alten dänischen Adelsfamilie, der Grafen v. Luckner, das Schloß Schulen­burg bei Oldesloe, ist ein Raub der Flammen geworden. Damit ist eine der schönsten Baulichkeiten Schleswig- Hol­steins zerstört.

Eine Rekordfahrt der Deutschland". Düsseldorf, 26. April. Die gestrige Rückfahrt der Deutschland gestaltete sich zu einer Rekordfahrt, da die Strecke Aachen- Düsseldorf in 56 Minuten zurückgelegt wurde, während der Schnellzug 80 Minuten braucht. Schwerer Reitunfall cines Offiziers.

Saarbrücken, 26. April. Bei der Besichtigung durch den Korpskommandeur stürzte Oberleutnant Mathieu vom Infanterieregiment Nr. 70 mit dem Pferde. Der Offizier wurde vom Pferde geschleift und durch Huftritte schwer ver­Tetzt.

Zum Tode verurteilter Gattenmörder. Heilbronn, 26. April. Das Schwurgericht verurteilte den 25jährigen Lokomotivheizer Otto Schluchter wegen Gat­tenmordes zum Tode. Schl. hatte am 3. Dezember v. J. seine Frau auf dem Spaziergange in den Neckar gestoßen, um seine Geliebte heiraten zu können.

Eine Millionenstiftung für arme Studenten. Wien, 26. April. Eine verstorbene Bauunterneh merin hat für arme Studenten an der Wiener Universität dte Summe von einer Million Kronen ausgesetzt.

Die Judenfeindlichen Ausschreitungen in Galizien. Lemberg, 26. April. Ueber die Ausschreitungen in Ka­row wird berichtet: Gestern wurden zwei jüdische Fleisch­hauer von Bauern mißhandelt und angeblich ihres Geldes beraubt. Der Verhaftung der Täter durch Gendarmerie setzte die Ortsbevölkerung Widerstand entgegen. Auch ein Rabbiner wurde schwer verletzt.

Dentsche Staatsangehörige im belagerten Fez.

O Paris, 26. April. Unter den in Fez eingeschlossenen Europäern befinden sich neun Deutsche, darunter die aus vier Köpfen bestehende Familie des Konfuls Vassel.

Folgenschwere Explosion einer Granate.

Paris, 26. April. Auf dem Marineschießplatz bei Lorient versuchten mehrere Landleute eine von ihnen ge= fundene Granate zu zerschlagen. Plötzlich explodierte das Geschoß, wobei ein Bauer getötet und zwei andere schwer verletzt wurden.

Ein französischer Bahnhofsvorsteher als Brandstifter. Paris, 26. April. Der Vorsteher des Güterbahn­hofs in Hyeres bei Toulon wurde verhaftet, weil er in dem Verdacht steht, das Magazin in Brand gesteckt zu haben, um die Entdeckung der von ihm verübten Veruntreuungen und Diebstähle zu verhindern.

Handel und Verkebr.

Frankfurt a. M., 24. April. Viehmarktpreise vom 24. April. Preise für 1 Bentner. Rinder: A. Ochsen: a) voll­fleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, 7 Jahre alt ( Lebendgewicht) M 47-51,( Schlachtgewicht) M 85-88, bie noch nicht gezogen haben( ungejocht)( Lebendgewicht) M- ( Schlachtgewicht) M--, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete( Lebendgewicht) M 43-46,( Schlacht= gewicht) M 78-88, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere( Lebendgewicht) M 37-42,( Schlachtgewicht) M 68 bis 77, d) gering genährte jeden Alters( Lebendgewicht) M 37 bis 42,( Schlachtgewicht) M 68-77. B. Bullen: a) voll­fleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes( Lebend­gewicht) M 47-49,( Schlachtgewicht) M 78-81, 6) vollflet­schige jüngere( Lebendgewicht) M 43-44,( Schlachtgewicht) M 71-73. C. Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausge­mästete Färsen höchsten Schlachtwertes( Rebendgewicht) Mark 45-49,( Schlachtgewicht) M 81-88, b) vollfleischige ausge­mästete ühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren( Le­bendgewicht) M 44-47,( Schlachtgewicht) M82-84, c) 1. me­nig gut entwickelte Färsen( Lebendgewicht) M 41-43, ( Schlachtgewicht) M 79-83, dto. 2. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe( Lebendgewicht) M 37-42,( Schlachtgewicht) M 69-78, d) mäßig genährte Kühe und Färsen( Lebendgewicht) M 30-35,( Schlachtgewicht) M 60-70, e) gering genährte Kühe und Färsen( Lebendge wicht) M 24-27,( Schlachtgewicht) M 55-61. Kälber: a), Doppellender, feinste Mast( Lebendgewicht) M,( Schlacht gewicht) M 6) feinste Mast( Vollmilchmast) und beste Saugfälber( Lebendgewicht) M 44-50,( Schlachtgewicht) M 96-103, c) mittlere Mast- und gute Saugfälber( Lebend= gewicht) M 52-57,( Schlachtgewicht) M 88-97, 6) geringe Saugkälber( Lebendgewwicht) M 44-50,( Schlachtgewicht) M 75-85. Schafe. A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer unt jüngere Masthämmel( Lebendgewicht) M 43,( Schlachtgewicht) M 90,6) ältere Masthämmel und gut genährte Schafe( Le bendgewicht) M( Schlachtgewicht) M Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kilogr. Lebendgewicht ( Lebendgewicht) M 47-49,( Schlachtgewicht) M 60-62, 6) vollfleischige Schweine unter 80 Kilogr. Lebendgewicht( Le= bendgewicht) M 45-47,( Schlachtgewicht) M 58-60, c) voll­fleischige Schweine von 100 bis 120 Kilogr. Lebendgewicht ( Lebendgewicht) M 40-49,( Schlachtgewicht) M 55-60, 6) vollfleischige Schweine von 120-150 Stilogr. Lebendgewicht ( Lebendgewicht) M 46-49,( Schlachtgewicht) M 58-60.