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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
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oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint Mittags 3 Uhr. Die„ Illustr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 98.
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Telephon: Nr. 362.
Ein besonderer Beamteneid? Zur Verteidigung des päpstlichen Antimodernisten eides hat das Zentrumsblatt den Vergleich gebraucht, man würde es ja auch dem Staate nicht verübeln können, wenn er von seinen Beamten einen besonderen Eid forderte, daß die Beamten nicht sozialdemokratischen Gesinnungen huldigen und die Sozialdemokratie in keiner Weise fördern wollen. Die„ Post" griff den Gedanken auf, und er ging nun auch noch durch andere Blätter. Wir fürchten nicht, daß der Gedanke zum Ziele trägt, aber es kann doch nicht unnütz sein, ihn kurz zu örtern. Zunächst: der Vergleich mit dem Antimodernisteneid stimmt bis zu einem gewissen Grade; aber diejenigen Kreise, die den Antimodernisteneid aufs schärfste verurteilen, würden wohl ohne Zweifel auch gegen einen solchen Beamteneid Stellung nehmen, und damit fällt für die Leute, an die sich der Vergleich richtet, die Beweiskraft fort.
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Vor allem aber darf man durchaus nicht glauben, daß der Antimodernisteneid des Papstes seinen 3wed erfüllt. Er preßt höchstens die vom römischen Dogma abtreibenden Denkenergien zusammen, wie man im 3ylinder oder im Kessel der Maschine den Dampf zusammenpreßt, und die unausbleibliche Entladung wird ſpäterhin desto gewaltsamer. Auch ein im katholischen Sinne strenggläubiger Mann braucht in dem geforderten Antimodernisteneid einen Kraftbeweis seines Kirchentums durchaus nicht zu erblicken; denn das ist der Eid nicht. Er bindet Geistiges mit Stricken. Das war noch allerwegen in der Weltgeschichte ein verlorenes Tun, das sich an seinen Urhebern rächte; es war immer die Verzweißlungstat einer sinkenden Weltanschauung. Auch ohne diese Eidesgebundenheit innerlich mit dem Dogma in Widerspruch gerät und doch in der Kirche bleibt, ist ein Feigling, und Feiglinge wirken nicht.
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Der Antimodernisteneid aber bewirkt, daß die Feig linge sich schon im Anfang sorglich im Hintergrunde halten, weil sie auf ihre äußeren Lebensmöglichkeiten bedacht sind. Die anderen aber werden Märtyrer und wenn sich die in ihnen aufgespeicherte Energie Geltung verschafft, so wird sie wirksam sein, weil die Bewegung nicht durch Halbheit geschädigt wird. Der Antimodernisteneid bewirkt also ziemlich sicher das Gegenteil dessen, was er sollte.
Gar nicht anders wäre es unseres Erachtens mit einem antisozialistischen Eid für Beamte. Ja, da würde die Verfehltheit der ganzen Maßnahme noch deutlicher in die Augen springen. Die katholische Kirche kann ihre Geistlichen wenigstens kontrollieren; der Staat aber fann nicht die Wahlzettel der Beamten einsehen, nachdem er das geheime Wahlrecht gewährt hat.
Was würde nun aber praktisch ein Beamteneid im Sinne des Antimodernisteneides erreichen? Die Mietlinge würden sich ducken, geradeso wie es in der katholischen Kirche mit vielen der Fall ist. Im Innern aber frißt dann die Selbstverachtung, die alle Berufsfreudigfeit vernichtet und den Menschen zum Quälgeist seiner ganzen Umgebung macht. Wenige würden deshalb ihr sicheres Brot schwimmen lassen. Und für die Zukunft wäre auch keine Vorsorge getroffen, denn der Vater, der seinen Sohn dem Beamtenstande zuführt, kann unmöglich voraussehen, wie sich der Sohn späterhin innerlich entwickelt.
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Die Sozialdemokratie kann nicht durch solche Maßnahmen überwunden werden. Sie wird besiegt durch die großen Gedanken, die jetzt zum Teil noch un= flar in unserem Volke gären und die sich eines Tages durchsetzen gegen alle Widerstände derer, die für solche Gedanken zu kurzsichtig sind oder dabei persönliche Vorteile einzubüßen fürchten. Da wollen wir heute nicht die Kraft der Widerstände stärken; es wäre ver= fehltes Tun. Wir sind nicht in der Lage des, der nach einem Strohhalm greifen muß..
Die Lage des Arbeitsmarktes in Hessen und Hessen- Nassan.
Gemäß der im Frühjahr einsetzenden Vermehrung der Arbeitstätigkeit hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Monat März erheblich verbessert.
In der Metallindustrie geht die Hebung des Arbeitsmarktes über die übliche Frühjahrsverbesserung weit hinaus. Besonders meldet Frankfurt a. M. starke Nachfrage nach Arbeitskräften in den Branchen der Bauschlosser, Spengler, Installateure und Elektromonteure. Insbesondere gebraucht die aufstrebende Fahrradbranche viele Arbeitskräfte und führte teilweise sogar Nacht
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
des Großherzoglichen Polizei Amfes
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sowie vieler anderer- Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Donnerstag den 27. April 1911
arbeit ein. Ein ungünstiger Moment weist dagegen für Frankfurt a. M. die Elektrizitätsindustrie auf. Die Zusammenlegungspolitik hat zur Stillegung einzelner Fabrikationszweige geführt. Trotzdem konnten ste das Gesamtbild der Arbeitslage des Industriezweiges nicht trüben. Gut waren auch die Former, Gießer, Gelbmacher und Eisendreher beschäftigt. Aehnlich günstig wie aus Frankfurt a. M. lauten die Berichte aus anderen Orten, insbesondere aus Mainz, wo größere Neubestellungen belebend wirkten. So bestellte dort bei einer Waggonfabrik die Heeresverwaltung 360 Stück Feldbahnwagen, wie sie zur Beförderung der Munition von den Festungen nach den Forts gebraucht werden. Von den Wagen werden in jeder Woche 50-60 Stück fertiggestellt. Auch sind größere Aufträge an Neubauten und Umbauten an Eisenbahn- Motorwagen und Straßenbahnwagen zu verzeichnen.
Aus der Lederindustrie dagegen kommen ungünstige Nachrichten, insbesondere aus der in Offenbach a. M. ausschlaggebenden Lederwaren- und Reiseartikelfabrikation. Günstig schneidet dagegen die Schuhfabrikation Offenbachs ab. In der Industrie der Holz- und Schnitzstoffe ist ein lebhafter Aufschwung zu bemerken. Jm Baugewerbe setzte der übliche Frühjahrsaufschwung ein. In der Tabakindustrie klagen die kleineren und mittleren Unternehmer. Das Gast- und Schankwirtschafts= gewerbe erlebte seinen deutlichen Saisonbeginn. Doch wurden, wie üblich, durchweg junge Leute verlangt, wodurch es schwer wurde, die ansässigen älteren verheirateten Leute unterzubringen, die vielfach nur mit Aushilfsstellen vorlieb nehmen müssen, oder arbeitslos bleiben, wenn sie nicht bei zunehmendem Alter in andere Berufe übertreten wollen.
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Bei den ungelernten Arbeitern kommt natürlich die allgemeine Hebung des Arbeitsmarkts am klarsten zum Ausdruck, besonders jüngere Leute konnten auf den verschiedensten Arbeitsgebieten untergebracht werden. Nicht zum wenigsten beginnen jetzt die Lan d- wirte ihren Bedarf an Arbeitern für den Sommer zu decken, wobei die Nachfrage nach jungen Leuten beson ders groß ist, während ältere erst in zweiter Linie gesucht werden. Den Arbeitsnachweisen war es nicht möglich, diese Nachfrage annähernd zu decken, da ein großer Teil der sich Meldenden nicht einstellungsfähig ist, weil er den Anforderungen der Landwirte inbezug auf Kleider 2c. nicht entsprechen konnte oder weil die Arbeiter bessere Lohn- und Logisbedingungen stellten, als die Landwirte gewähren wollten. Auch auf dem we i b- lichen Dienst botenmarkt ist in fast allen Städten eine stetige Steigerung der Frequenzziffern zu verzeichnen, wenn auch wohl noch einige Zeit vergehen wird, bis auch dieser Teil des Arbeitsmarktes von den öffentlichen Arbeitsnachweisen genügend beherrscht wird.
Von den Organen des Mitteldeutschen Arbeitsnach weisverbandes wurden, soweit Meldungen von den kommunalen bezw. Kreisarbeitsnachweisen und Herbergen zur Heimat vorlagen, 11 827 Stellen vermittelt( gegen 9931 im gleichen Monat des Vorjahres), darunter: Marburg a. L. 4, Weilburg a. L. 27, Wezlar 44, Limburg a. 2. 104, Gießen 131, Friedberg i. H. 147.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 27. April 1911
* Eine neue Stempelmaschine für Postkarten. Das Reichspostamt stellt gegenwärtig Versuche mit einer neuen Postkarten- Stempelmaschine an, die in einer Stunde 100 000 Postkarten stempelt. Die Maschine hat den Vorzug, daß der Stempel nur auf der rechten Seite der Postkarte abgedruckt wird, während der für schriftliche Mitteilungen bestimmte Raum frei bleibt. Die bisherigen Stempelmaschinen haben den Nachteil, daß sie einen breiten, bänderartigen Stempelabdruck liefern und damit vielfach Teile der Aufschrift, sowie die auf der Vorderseite der Postkarte befindlichen Mitteilungen verdecken, oft sogar völlig unleserlich
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Die Obstbaum blüte steht zur Zeit im vollsten Flor. Schon in den Gärten unserer Stadt kann man hier und da die mit weißen und rosaroten Blüten übersäten Bäume sehen, welche wie ein riesengroßer wundervoller Frühlingsstrauß in den jungen grünen Frühling hineinschauen. Aber noch viel schöner und prächtiger ist der Anblick und Eindruck dieser Baumblüte in den Ortschaften der Umgebung. Fürwahr ein wirklich herrlicher Anblick, den sich die Freunde der Natur
( Gießener Tageblatt)
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die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
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23. Jahrg.
besonders auch angesichts des schönen Frühlingswetters nicht entgehen lassen sollten.
* Gießen, 27. April. Nach einem Rundschreiben des Hassia- Präsidenten an die hessischen Militärvereine sind infolge einer Vereinbarung zwischen der hessischen Regierung und der Preußischen Gesandschaft in Darmstadt Gesuche von Hassia- Vereinen um Verleihung eines Kaiserlichen Fahnenschmucks nicht mehr unmittelbar nach Berlin, sondern an das Hassiapräsidium zu richten.
*) Gießen, 27. April. Für die freisinnige„ Gießener Morgen- Zeitung" ist der Abend schnell hereingebrochen. Wie uns soeben mitgeteilt wird, hat das Blatt heute sein Erscheinen eingestellt.
hielt nicht der hiesige, sondern der Kösener S. C. am * Gießen, 27. April. Wie uns mitgeteilt wird, Samstag seinen diesjährigen Kommers in Darmstadt ab.
** Gießen. Am 21. April wurde zwischen J beshausen und Herbst ein auf dem Bahngleis der Strecke Stockheim- Lauterbach der kurz nach 2 Uhr nachmittags in Herbstein ankommende Zug dadurch gefährdet, daß vorsätzlich ein Balken über die Schienen gelegt wurde. Die Kgl. Eisenbahndirektion in Frankfurt hat auf die Ermittelung des Täters eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.
* Gießen. Der Ertrag des Blumenzelnen Kreisen wird also nichts entzogen. Was sie auftages wird dort verwandt, wo er eingeht. Den einbringen, kommt ihnen wieder zu Gute. Möglich ist dies, weil die Großh. Zentrale in fast allen Kreisen Zweigstellen hat( feine Zweigvereine; Beiträge werden in diesen Zweigstellen nicht erhoben). Wo die überall von der Zentrale beantragten Zweigstellen noch nicht errichtet sind, werden die Beträge aufgehoben, bis die Einrichtungen( Beratungsstellen, ärztliche Beratungen 2c.) verständlich auch allen den Einrichtungen zu Gute, die bestehen. Der Ertrag des Blumentages kommt selbst= auf dem Gebiet der Mutter- und Säuglingsfürsorge beJahre fast vollzählig der Zentrale angeschlossen haben. reits früher bestanden, und die sich im Laufe der letzten Daß schon vor dem Bestehen der Großherzoglichen Zentrale auf diesem Gebiete gerade von gemeinnützigen Vereinen viel getan worden ist, ist bekannt und von der 3entrale selbst immer wieder betont worden. Es sei nur an die seit langem bestehenden Hauspflegevereine, Vereine zur Beihilfe für Wöchnerinnen, Beratungsstellen 2c. erinnert.
Gießen, 27. April. Jm Hotel Schütz fand auf Einladung des Hauptausschusses für den Blumentag unter dem Vorsitz des Herrn Regierungs- Assessor Wolf eine sehr zahlreich besuchte Versammlung hiesiger Kaufleute statt, um zu beraten, in welcher Weise die Benbildes und damit zur Anziehung des Publikums beiLadenbesitzer am Blumentag zur Belebung des Stratragen könnten. Sämtliche Anwesende erklärten sich bereit, ihre Schaufenster dem Charakter des Tages entsprechend ausschmücken zu wollen; die Art und Maß der Dekoration müsse jedoch dem Einzelnen überlassen bleiben. Aus der Mitte der Versammlung wurde darauf eine Kommission, bestehend aus den Herren Stadtverordneter Helm, Karl Röhr und Obermeister Sad gewählt, die es übernahm, den Gedanken der Schaufenster- Dekoration in weitere Kreise der Geschäftswelt zu tragen.
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Marburg, 26. April. Die Altertums- Sammlung des hessischen Geschichtsvereins im hiesigen Landgrafenschlosse ist eine der reichhaltigsten. Die Altertümer, die aus allen Teilen Hessens stammen, sind seit einiger Zeit geordnet und in den großen Parterreräumen des Ostbaues des Schlosses untergebracht. Sie können täglich besichtigt werden. Auch das Szepter der ehemaligen Universität Fulda ist vorhanden.
* Friedberg, 26. April. Der Brandstifter, der im Jlbenstädter Schloß einen Brand legte, wurde in der Person eines Dieners ermittelt und hierher in Haft gebracht. Er hatte sich dadurch verdächtig gemacht, daß er sich bei der Löschung des Brandes in hervorragender Weise betätigte. Wie sich bei seiner Vernehmung herin ausstellte, wollte er sich bei der Gräfin, bei der er Ungnade gefallen war, durch seine Rettungsarbeit wieder in Gunst bringen. Er hat bereits ein Geständnis abgelegt.
-e- Heppenheim a. d. B., 25. April. Die hiesige Filiale der Zigarrenfabrik Knamtz- Hamburg sieht sich infolge schlechten Geschäftsganges veranlaßt, nur noch fünf Tage in der Woche arbeiten zu lassen.


