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tines Nachts sein Lokal geschlossen hatte und etnen Rund­gang um fein Haus unternahm, bemerkte er im Hofe zwei bestalten, die sich am Hühnerhause zu schaffen machten. Um jeden Preis wollte er die Kerle fassen. Wenn er ohne weiteres auf sie zugegangen wäre, wären sie ihm wohl entwischt. Da tam er auf eine glüdliche Idee. Salt!" rief er den Spitzbuben zu ,,. feinen Schritt weiter." Dann setzte er hinzu: Karrel, bring de Doggen hinten ruff!" und ließ auch diesen Karrel" in veränderter Stimme antworten. Desgleichen ahmte er die schnarrende Stimme eines Schutz­mannes nach, so daß die Diebe verdutzt wurden, sich um= ftellt glauben und sich von dem schlauen Bauchredner ohne weiteres festnehmen ließen. Auf der Straße tamen zufällig einige Soldaten daher, die die Burschen nach der Wache brachten.

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Der ahnungslose Engel aus Sachsen. Man schreibt der Tägl. Rdsch.": An den Namen der alten Bischofsstadt Meißen tnüpft eine Redensart an, die in Sachsen im Schwange ist und nicht gerade höflich lautet: Der dumme Junge von Meißen". Man wird unwillkürlich ar die Bes zeichnung erinnert, wenn man folgende mahre Geschichte hört: Nachdem eine dortige Bant die Ausgabe der neuen hundertmarkscheine angekündigt hatte ,, erschien am Schal­ter der Bank ein biederer Einwohner und außerte den Wunsch, einen solchen Schein zu besitzen. Der Beainte hielt ihm den Echein auch entgegen und erwartete, daß der Mann zunächst die entsprechenden 100 M in Gold oder Silber auf das Zahlbrett niederlegen würde. Da das nicht geschah, machte er dem Mann eine gelinde Andeutung und verlangte dann in dürren Worten die 100 M. Jetzt endlich ging dem anderen ein Licht auf, und er raffte sich zu den geflügelten Worten auf: Das hab ich mer doch ooch bald gedacht. Ich dachte, die gäbs geschenkt.

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Ueber die schreckliche Szene im Löwenkäfig, die sich, wie gemeldet, in Alsenborn bei Kaiserslautern abspielte, und der ein Menschenleben zum Opfer fiel, werden jetzt noch folgende Einzelheiten bekannt: das Programm hatte sich bis auf den letzten Teil glatt abgewickelt, die Tiere, besonders die Löwengruppe, arbeiteten willig und ruhig. Das letzte Glockenfignal schrillte durch das Zelt. Mit lauter Stimme verkündete der Direktor Wieser als interessanteste Szene für den Schluß:" Die Rasierstube im Löwenkäfig." Friseur Peter Feierabend hatte sich freiwillig erboten, in Gegenwart der fünf Löwen den Besitzer zu rasieren. Vom Publikum jubelnd begrüßt, betritt der Friseur festen Schrit tes den Käfig, in dessen Hintergrund die Löwen auf Posta­menten malerisch gruppiert sind, von ihrem Dresseur streng bewacht. Funkelnden Auges verfolgen die Bestien jede Be­wegung des fremden Besuchers, der dem am Gitter fißen­den Direktor bereits die rechte Gesichtshälfte rasiert hat und sich nun anfchidt, hinter dem Stuhl herumgehend, auf die andere Seite zu gelangen. Da, ein Sprung, ein Schrei - mit fagenartiger Geschwindigkeit hat sich der hinterste Löwe auf den Friseur gestürzt, reißt ihn zu Boden und gräbt die mächtigen Zähne in das Haupt ein. Der Ueber­fallene sucht sich, auf der Knien liegend und mit den Hän­den entgegenstrebend, aus dem Löwenrachen an befreien, die Dompteure stürzen auf die Bestie los halten ihr die Branten fest und machen vergebliche Versuche, ihr das Maul aufzureißen; auch die Wärter stürmen mit langen awetzinkigen Gabeln auf den Löwen zu, die greise Be­fiberin hält mit der Peitsche die anderen unruhig gewor denen Tiere in Schach, bis es endlich nach minuten langem Ringen den Rettern gelingt, dem Löwen den Rachen auf­aureißen und von seinem Opfer abzubringen. Wenige Stunden später trat der Tob bei dem Opfer des Löwen ein. Karl, das Kind von der Eisenbahn." Eine ungewöhn liche originelle Kindtaufe hat, wie man der Frff. Zeitung" mitteilt, vor etwa 14 Tagen in Türkismühle an der Nahe ( Fürstentum Birkenfeld) stattgefunden. Ein Dienstmäd­chen, das sich auf der Reise von Metz nach Leipzig befand, brachte auf der Fahrt unwett der Station Türkismühle ein Kind zur Welt, wobei die Wartefrau des Schnellzuges, mit Unterstüßung des Zugpersonals, Hebammendienste let­ftete. Der Schnellzug mußte bet der erwähnten Station anhalten, und die junge Mutter wurde mit ihrem Neuge­borenen in einen nabegelegenen Gasthof gebracht, während der Lokomotivführer mit seiner Maschine von der nahen Station Nohfelden eine Hebamme schnell an Ort und Stelle holte. Der Neugeborene ein fräftiger Junge, wurde auf den Namen Karl getauft und erhielt den Beinamen das Kind von der Eisenbahn". Die Taufe fand unter großer Beteiligung statt. Der Stationsvorsteher, sowie mehrere Beamte der Station Türkismühle übernahmen Patenstelle, während die Bahnhofswirtin und einige wohlhabende Bür­gersfrauen sich als Patinnen zur Verfügung stellten. Für einen reichlichen Kindtaufschmaus war auch gesorgt worden und außerdem bedachte man die Mutter mit ihrem jungen Weltbürger reichlich mit Geschenken, um sie instand zu setzen, die so unerwartet unterbrochene Heimreise zu voll­enden.

Ein geradezu ideales Gemenwesen ist das Dorf Lan­genaubach, von dem jüngst berichtet wurde, daß es bisher ohne Erhebung von Steuern ausgekommen set. Das Dorf, das im Regierungsbezirk Wiesbaden liegt, zeichnet sich aber noch durch eine Reihe bemerkenswerter anderer Vorzüge aus, die durchaus als vorbildlich hingestellt werden können. Das Dorf zählt 780 Einwohner und hat einen Besitzstand von 500 Hektar Wald, der ihnen in Verbindung mit sehr ertragreichen Steinbrüchen ein sorgenlosen Dasein sichert. Aus dem Verkauf des Holzes und der Kalksteine erzielt das Dorf jährlich eine Einnahme von rund 50 000 Mark. Dieses Geld ist vorzüglich angelegt. Erstens hat die Ge­meinde dafür gesorgt, daß die vereinnahmten Summen tändig in Wertpapieren angelegt werden, um ein festes Dorfvermögen zu schaffen. Bisher sind nach Abzug aller Infosten rund 225 000 Mark gesammelt worden. Alljähr lich werden 20 000 Mart für Neubauten angelegt, die hy­gienischen und wirtschaftlichen Zwecken dienen. So wurde eine Hochdruckwasserleitung hergestellt, zu deren Anlage je­der Hausbesitzer 10 Mark beisteuern mußte. Weitere Bet­träge wurden für die Wasserleitung aber nicht erhoben, so daß auch diese Abgaben für die Dorfbewohner wegfallen. Außerdem hat die Gemeinde noch die Anlage einer elekt­fischen Licht- und Kraftleitung durchgeführt, von der aus jeder Dorfbewohner ohne weitere Unkosten an die elekt­tische Zentrale angeschlossen wird. Für die Verwendung des elektrischen Lichtes werden 20 Pfennig pro Kilowatt­tunde gefordert. Trotz all dieser kostspieligen sozialen Ein­richtungen braucht aber kein einziger Bewohner des Dorfes Steuern oder irgend welche andere Abgaben, wie Stra sengelder, Brückengelder, Wassergelder usw. zu bezahlen. Alle diese Ausgaben werden von dem 20 000 Martfonds des Dorfes bestritten, der aus den jährlichen Ueberschüssen da­ir zurückgelegt wird. Wie wir hören, beabsichtigt die Ge­meinde auch in diesem Jahre große Neubauten hygienischer und wirtschaftlicher Natur in Angriff zu nehmen. Auch tine Dorfbibliothek besteht zur Unterhaltung und Beleh­Tung der Dorfbewohner.

Die Bedrängnis einer Millionärstochter. Miß Helen Gould, die von ihrem Vater ein Vermögen von 40 Milli­nen Mark geerbt hat, wird, wie sie in einem Zirkular alle Bittsteller erklärte, wöchentlich um ca. 6 Millionen " art Unterstübung angegangen. Vor wenigen Tagen hte sich ein nicht angenommener, gut gekleideter Mann durch, daß er einen Backstein durch das Fenster in das Limmer warf, in welchem Miß Gould sich gerade aufhielt. Sie selbst wurde nicht getroffen, und eine anwesende Dame, Ris. Edward Scholes, glücklicherweise nur leicht am Kopfe

aus

verletzt. Der Täter ist entkommen. In der letzten Zeit find der Millionärin öfters Drohbriefe zugegangen, und einmal soll sogar eine Verschwörung im Werke gewesen sein, sie zu entführen, um ein hohes Lösegeld zu erpressen. Eine neue Wünschelrute. In dem neuesten Heft der Physikalischen Zeitschrift" beschreibt Prof. Koch Stuttgart einen kleinen Apparat, mit Hilfe dessen man in einem gebirgigen oder hügeligen Gelände das Vorhanden­sein eines Grundwasserstromes feststellen kann, bevor kost­spielige Bohrungen unternommen werden. Dieser Appa­rat besteht im wesentlichen aus einer durch eine Feder ge= spannten Membran, welche eine Schallkapsel dicht abschließt; von der Schallkapsel führen dann Hörschläuche zu den Oh­ren des Beobachters. Als Profeffor Koch diesen Apparat auf den Erdboden auflegte, vermochte er das Geräusch des in der Tiefe fließenden Grundwaffers vermittelst der Hör­schläuche zu hören; eine Abtastung des Geländes ergab an bestimmten Stellen etne sehr geringe oder verschwindende Stärke des Geräusches, an anderen wieder ließ sich ein be­deutendes Eausen vernehmen. Hiernach scheint es, als wenn man einen Ersatz für die in ihren Wirkungen un­erklärliche Wünschelrute gefunden hätte, und zwar einen Ersaß, der auf exakten physikalischen Grundlagen beruht und daher weiterer Untersuchung und Vervollkommnung fähig sein dürfte.

Das Nein" vor dem Standesbeamten. In Bukarest creignet sich, so wird von dort geschrieben, vor einigen Ta­gen der seltene Fall, daß eine Braut bei der Ziviltrauung ihr Jawort verweigerte. Mit großem Pomp sollte die Hoch­zeit einer Bojarentochter mit einem Advokaten stattfinden. Eine große Wagenkolonne begleitete das Brautpaar auf das Standesamt, wo der Richter die Zivilehe vollziehen soll­te. Der Saal war mit Gästen in glänzenden Toiletten gefüllt. Als nun der Richter an die Braut die Frage stellte: Mein Fräulein, sind Sie entschlossen, die Gattin des Herrn Dr. N. zu werden?" da erwiderte das Mädchen mit lauter Stimme: Nein!" Der Richter wiederholte noch zweimal seine Frage, worauf er jedesmal ein Nein!" zur Antwort erhielt. In großer Bestürzung verließ die Hochzeitsgesell­schaft den Saal. Seinen Eltern gestand das junge Mäd­chen, daß es nur die Gattin eines jungen Mannes werden wolle, den sie während ihres Brautstandes kennen und lie­ben gelernt habe. Nach ergiebigen Tränenströmen und zor­nigen Reden sahen die Eltern ein, daß es das Beste set, dem Willen der Tochter nachzugeben, und in kurzem soll nun die Hochzeit mit dem Auserwählten der jungen Dame, diesmal aber ohne Prunk und in aller Stille, erfolgen.

Die endlich Geschiedenen. Das Pariser Apellations­gericht hat vor einigen Tagen eine Ehescheidung verfügt. die eine seltsame Vorgeschichte hat. Seit zehn Jahren bemüh­ten die beiden Gatten sich mit rührender Einmütigkeit, ihre Scheidung zu erwirken. Dreimal haben sie nach vorheriger Vereinbarung mieinander prozesstert, und dreimal wiesen die Gerichte ihre Forderung zurück, da das Gesetz die Ehe­scheidung auf Grund gegenseitiger Abneigung" nicht ge­stattet. Nun hat jeder der Gatten einen vierten Schet­dungsprozeß anhängig gemacht, mit der Begründung, daß die dreimalige Beantragung der Ehescheidung durch den anderen Gatten eine schwere Beleidigung set, die ein wet­teres eheliches Zusammenleben unmöglich mache. In er­ster Instanz haben die Gatten auch diesen vierten Prozeß verloren. Beide haben sich dann aber nach vorheriger Ver ständigung an das Appellationsgericht gewandt, und dieses hat jetzt endlich den Wunsch der Scheidungsluftigen erfüllt.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Friedrich Spielhagen ist, dem B. T." zufolge, nicht un bedenklich erkrankt. Der Dichter hat sich eine Erkältung zu gezogen. Da er bereits 81 Jahre alt ist und sein Allgemein­befinden seit einiger Zeit zu wünschen übrig läßt, tst sein Zustand als kritisch zu betrachten. Am Donnerstag war der Dichter so schwach, daß die Angehörigen bereits sein Ab­leben befürchteten.

Eine Nichte Friedrich v. Schillers, das 88jährige Fräu­Tein Auguste von Lengefeld, ist in Putbus auf Rügen ge­storben. Die Verstorbene hatte in Putbus eine Töchter­schule gegründet und diese 25 Jahre aus eigenen Mitteln unterhalten.

Bei der Versteigerung des Nachlasses Theodor Körners in München erzielte das von seinem nachgeborenen Pflege= bruder, dem verstorbenen Hauptmann Karl Gottfried Ullrich in Rastenberg in Thüringen, gemalte lebensgroße Porträt Theodor Körners in der Uniform der Lüzower Jä­ger mit einer bergischen Flußlandschaft im Hintergrunde 355 M. Der hell polierte Nußbaumschreibtisch des Dichters mit dessen Originaltintenfaß brachte 335 M. Alles andere ging au auffallend niedrigen Preisen in die Hände etnes norddeutschen Liebhabers, der die Sachen wohl noch wetter­hin zusammenhalten wird.

Wie Kaiser Wilhelm seine Gattin kennen lernte.

Am 27. Februar sind es 30 Jahre her, daß unser Kaiser im Königlichen Schloffe zu Berlin Hochzett feterte. Recht eigenartig waren die Umstände, wie der Katser seine Gattin, die Kaiserin Auguste Viktoria, kennen lernte. Damals leb­te sie als Prinzessin von Schleswig- Holstein auf dem Schlof= se Primkenau wie eine einfache Landedeldame und scheute vor feiner Hausarbeit zurück. Im Herbst des Jahres 1879 hatte Onkel Friedrich", der Vater der Prinzessin Auguste Viktoria und intime Freund des damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, an den Prinzen Wilhelm eine Ein­ladung zur Auerhahnjagd ergehen laffen. Prinz Wilhelm tam mit einem Zuge früher, als er in Primkenau erwartet worden war. Er fand daher am Bahnhof keinen Wagen und ging zu Fuß nach dem Schloffe. Es war 11 Uhr frühmorgens, als der Prinz ankam und hier eine junge Dame, die Tochter des Hauses, mit hauswirtschaftlichen Ar­beiten beschäftigt fand. Die junge Prinzessin war, wie man erzählt, gerade dabei, eigenhändig für die Frühstückstafel thres Vaters frische Butter zuzubereiten. Im Schloß herrschte über die unerwartet frühe Ankunft des Gastes große Freude, und kurze Zeit darauf standen sich beim Früh­stückstisch zum ersten Mal der Prinz und die Prinzessin gegenüber. Prinz Wilhelm war bald am ersten Tage, wie er später erzählte, von der schlichten, gut bürgerlichen Art der jungen Prinzessin entzückt, der jeder Hochmut und fede Hoffahrt fernlagen. Am selben Tage begann noch die Jagd, und Brinz und Prinzessin konnten sich erst am nächsten Ta­ge wiedersehen. Die Anwesenheit des Prinzen dauerte nur drei Tage. Ste war aber lange genug, um ein Bündnis für alle Zeit zwischen den beiden Fürstenkindern zu knüpfen. Es kam dazu, daß der Großvater des Prinzen Wilhelm, der alte Kaiser Wilhelm I., und der Vater, der Kaiser Frie­drich III., Taufpaten der jungen Prinzessin waren, sodaß dadurch schon nahe Beziehungen hergestellt waren, die die Abwicklung der weiteren Verhandlungen sehr erleichterten. Da Prinz Wilhelm der zukünftige Thronerbe war, so muß­ten bei der Wahl seiner Gattin sehr viele staatsrechtliche Fragen erledigt werden, die Zeit in Anspruch nahmen. Durch das Eingreifen des alten Kaisers wurden die Ver­handlungen aber sehr bald abgekürzt und die Verlobung fonnte schon drei Monate später still gefeiert werden. Ihre Veröffentlichung erfolgte erst mehrere Monate später.

Marokkanische Volksfitten.

Marokko ist von altersher ein Land, wo Menschenleben niedrig im Kurse stehen. In allerneuester Zeit wurden zwei Soldaten in Fez wegen ziemlich geringfügiger Eigentums­

vergehen mit dem Tode bestraft. Man macht wenig Aufhe bens von solchen Dingen, nur wenn der Marokkaner in meist tüdischer Weise das Blut von Europäern vergießt, wendet der Eingewanderte der Chronik marokkanischer Bluttaten besondere Aufmerksamkeit zu. Aber ein Fall verbrecherischer Grausamkeit im Familienleben, dessen Schauplatz jetzt die kleine marokkanische Hafenstadt Alkassar war, wird in allen europäischen Kretsen Marokkos lebhaft besprochen, um so mehr, als das Opfer eine junge, ausneh mend schöne Marokkanerin war, die von einem alternden Manne zur Gattin erforen ward. Eifersucht war die Triebfeder der abscheulichen Handlung. Ein angesehener Einwohner von Alfassar, der bereits Vater mehrerer er wachsener Söhne und Töchter war, entdeckte eines Tages, daß die Mutter seiner Kinder ihre körperlichen Reize ver­loren hatte. Er heiratete eine junge Witwe von 18 Jahren, eine echt maurische Schönheit von erlesener Anmut. Sieben Tage und sieben Nächte wurde nach marokkanischer Sitte die Hochzeit des ungleichen Paares gefeiert. Dann ging der Gatte seinen Geschäften nach, und die junge Frau blieb mit der älteren Gattin und den Kindern ihres Mannes daheim. Mit diesem Moment brach die mühsam verhaltene Eifers sucht der zurückgesetzten Marokkanerin hervor. Im Verein mit ihren Kindern, die sie mit der Leidenschaft thres Zornes erfüllt hatte, stürzte sie sich auf die Störerin ihres Eheglücks. Nachdem die Bejammernswerte entfleidet und fest an ein Bett geschnürt war, setzte man sie geradezu teuflischen Fol tern aus. Man stopfte ihr heißen Brei in Mund, Nase, Ohren, brannte sie mit glühenden Eisen am ganzen Leibe und würde sie sicher getötet haben, wenn der Gatte nicht dazugekommen wäre. Nachbarn, die durch das Schreien der gefolterten Frau aufmerksam geworden waren, hatten ihn benachrichtigt. Er eilte in voller Hast nach Hause und fonnte es nur betreten, nachdem er die Türe gesprengt hatte. Der Familienvater ist Schußbefohlener einer europäischen Macht. Aber weder deren Konsul noch die einheimische Be­hörde kümmerte sich um den Vorfall. Wochen gingen da rüber hin. Nur zögernd entschloß sich endlich der Gouver neur, da das öffentliche Gerede nicht verstummen wollte und die Bevölkerung eine Sühne der schrecklichen Tat forderte, die beiden Söhne des Hauses ins Gefängnis zu stecken. Von der Schuld der älteren Frau nahm auch jetzt niemand No­tiz. Was gilt die Frau in den Augen eines Marokkaners! .Das Opfer der Familientragödie ist von ihren schred­lichen Wunden nach langer Krankheit wiederhergestellt, aber ihre Gesundheit ist für immer erschüttert. Man regt sich nicht übermäßig darüber auf, daß der ihr vor einigen Wo­chen angetraute Gatte, anstatt die Urheber des verübten Verbrechens ihrer gerechten Strafe zu überlassen, sich ein­zig und allein um die Haftentlassung seiner Söhne bemüht. Seine junge, verunstaltete Frau interessiert ihn nicht mehr.

Drabtnachrichten und neuestes.

Sturm auf eine Sparkasse.

Berlin, 25. Februar. Infolge von Gerüchten, die bisher noch keine Bestätigung erhalten haben, erfolgte ge­stern auf den Rabatt- Sparverein Nord in der Brunnen­straße ein derartiger Ansturm von Leuten, die ihre Depots und Einlagen zurückforderten, daß er seine Zahlungen ein­stellen mußte und voraussichtlich Konkurs anmelden dürfte. Sturmschäden in Berlin.

Berlin, 25. Februar. Durch den starken Sturm, der gestern nachmittag wieder herrschte, wurde in allen Stadtteilen großer Schaden angerichtet. Von der Lazarus­Kirche löste sich ein Teil vom Dach des Turmes und stürzte auf die Straße herab, ohne jedoch Personen zu verleben. Durch den Umsturz eines Bauzaunes wurde ein zehnjäh­riger Knabe schwer verletzt. Am Bellealliance- Platz wurde ein Mann gegen eine Automobildroschke geweht und er­heblich verletzt.

Beschädigung der Bitterfelder Ballonhalle. Bitterfeld, 25. Februar. Die neue Parseval- Ballonhalle hat infolge des Sturmes sehr gelitten, sodaß sie nicht betre­ten werden darf.

Blutiges Renkontre in einer Bar. Wilhelmshaven, 25. Februar. In einer von Marine­offizieren besuchten Bar kam es zwischen einem Leutnant und einem Handlungsreisenden zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf der Handlungsreisende dem Offizter einen Schlag in das Gesicht versetzte. Der Leutnant wollte den Schlag erwidern, wurde aber von Zivilisten daran gehin­dert. Er verlangte die Karte des Reisenden. Als ihm die­se verweigert wurde, begab er sich in seine Wohnung und fehrte mit einem Revolver bewaffnet in die Bar zurück. Er gab auf den Reisenden mehrere Schüsse ab, ohne ihn zu tref­fen. Dagegen wurde ein Barmädchen durch mehrere Schüsse leicht verlegt.

Bluttat im Fasching.

München, 25. Februar. Nach einer Faschingskneipe der Brauereiakademiker kam es auf der Straße zu einer Rauferei, bei der ein Sudent von einem mastierten Un­bekannten niedergestochen wurde und mehrere Kinder schwere Verlegungen erlitten.

Sensationelle Offiziersaffäre.

Mez, 25. Februar. Die Affäre des Leutnants E. vom Infanterieregiment Nr. 130, dessen Verhaftung gemeldet wurde, wird viel besprochen. Es hat sich herausgestellt, daß die Rettungsmedaille, die E. trug, auf unrechtmäßige Weise erworben war. Der Offizier hatte einen Jungen veran­laßt, sich ins Wasser zu stürzen und dann den Knaben ge­rettet".

Vier Mädchen verbrannt.

Bufarest, 25. Februar. In der Gemeinde Belcesti verbrannten infolge Umstürzens einer Petroleumlampe vier junge Mädchen in ihren Betten.

Ein Schulhaus durch eine Lawine verschüttet. Moskau, 25. Februar. In dem Dorfe Aibge im Gouvernement des Schwarzen Meeres wurde das Schul­haus durch eine Schneelamine verschüttet. Dabei fanden 12 Knaben und 6 Erwachsene den Tod.

Auf einer Eisscholle ins Meer getrieben. Reval, 25. Februar. Bei der Insel Lewensart löste sich eine Eischolle mit 500 Fischern los. Die Leute konnten bis jetzt noch nicht geborgen werden.

Handel und Verkebr.

Frankfurt, 23. Februar. Viehmarktpreise. Preise für 1 Zentner Kälber: a) Doppellender, feinste Mast( Lebendge­wicht) M,( Schlachtgew.) M-, b) feinste Mast( Voll­milch- Mast) und beste Saugkälber( Lebendgew.) M 58-60, ( Schlachtgew.) M 93-100, c) mittlere Mast- und beste Saug­fälber( Lebendgewicht) M 52-55,( Schlachtgew.) M 88-93, d) geringere Saugkälber( Lebendgew.) M 45-50,( Schlacht­gewicht) M 76-85. A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel( Lebendgew.) M 40-41,( Schlachgew.) M 84-86, b) ältere Masthämmel, geringere Mast lämmer und gut genährte junge Schafe( Lebendgew.) M ( Schlacht­gewicht) Mc) mäßig genährte Hammel und Schafe ( Märzschafe)( Lebendgew.) M ( Schlachgew,), d) Marschschafe oder Niederungsschafe( Lebendgew.) M B. ( Schlachtgew.) M Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80-100 Kilogramm Lebendge­wicht( Lebendgew.) M 49-50,( Schlachtgew.) M 62-64, 6) vollfleischige Schweine unter 80 Klgr. Lebendgewicht( Le­bendgewicht) M 47-48%,( Schlachtgewicht) M 60-62, c) voll­fleischige Schweine von 100-120 Kilogr. Lebendgewicht( Les bendgewicht) M 48-50,( Schlachtgew.) M 60-62, d) voll­fleischige Schweine von 120-150 Kilogr. Lebendgewicht( Le bendgewicht) M 44-50,( Schlachtgewicht) M 56-61.

Weidmastschafe: