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Der Krönungsfubel in London.

Die Krönungsfeier ist vorüber. Die Zeremonien in der Westminsterabtei waren dieselben wie bet vielen an­deren Krönungen englischer Könige, aber niemals sind zu folchen Krönungsfesten so zahllose Völker zusammen­geströmt wie bet diesem. Niemals, seitdem Weltgeschichte geschrieben wird, waren auf einem so verhältnismäßig engen Raume so ungeheure Menschenmassen versammelt wie an diesem Krönungstage. Nirgendwo auf dem Erden= rund wird man sich einen Begriff davon machen können, weil es eben nie dagewesen ist weder beim Jubiläum der Königin Viktoria noch bei der Krönung Eduards VII. noch bei dessen Begräbnis. Die Mehrzahl der Londoner haben alle diese Ereignisse miterlebt, aber so etwas haben fie nie gesehen. Zu Millionen waren die Menschen her­beigeeilt. Man hatte da gegen sechstausend Polizisten aufgestellt, um Ordnung zu halten, aber wenn ihrer sech­zigtausend gewesen wären, hätten sie nichts gegen diese Maffen vermocht, wären diese anders als guten Willens gewesen. Ein ungeheurer Akkord der Fest­freude ging von dieser flutenden Menschheit aus. Man fang, man blies in bunte Hörner, man schrie Hurra" und lachte lachte über alles, über den tollen Mummenschanz, den mit abenteuerlichen Gewändern angetane Jünglinge verübten, lachte, wenn man sich gegenseitig auf die Zehen trat, und vertrieb sich die Zeit mit Scherzen, wenn, wie das am Strand sehr häufig geschah, die Flut minuten­lang sich staute, die Massen mit solcher Wucht aufeinander­drückten, daß die Väter ängstlich ihre Kinder auf die Schul­tern hoben, um sie vor Schaden zu bewahren. Am Nach­mittag, als das Gedränge am stärksten war und die Menge stürmische Ovationen ausbrachte, erschien, wie berichtet, der König im vollen Festgewand und mit der Krone auf dem Haupte, begleitet von der Königin, auf dem Balkon des Palastes. Unten im Hofe, zu Pferde sitzend, befand sich eine Anzahl Generale, hinter ihnen hielt eine starke Ab­teilung Kavallerie, eine Abteilung Matrosen und ein Re­giment Infanterie. Wohl 5000 Zuschauer drängten sich vor den Gittern. Als der König sich verbeugte, brach ein mt­nutenlanger Sturm des Beifalls aus, in den auch die Soldaten mit einstimmten. Die Offiziere schwan­gen ihre Säbel und die Soldaten schrien" Hurra". Die Fahne des Infanterieregiments flatterte auf und nieder. Drei Minuten stand das königliche Paar auf dem Balkon und dankte immer und immer wieder für diese von Her zen kommende Huldigung seines Volkes und seiner Sol­daten. Obwohl der König, den man mehrmals husten sah, fich offenbar nicht in bester Gesundheit befand, wickelte das ungemein komplizierte Programm sich erstaunlich glatt ab. Es brachte überdies mehr als einen Moment, wo man inne wurde, daß hier doch nicht bloß ein in wnchenlangen Pro­ben einstudierter Festakt vor sich ging. So namentlich als der König seinen als erster seiner Untertanen durch Knie­fall ihm huldigenden ältesten Sohn, den jungen Prinzen von Wales, ans Herz schloß, und als die Königin, von der Erregung der Stunde bleich bis in die Lippen, im Krö­nungsornat ebenfalls huldigend vor ihren Gemahl hintrat und die Blicke des Herrscherpaares sich begegneten. Feter war kaum zu Ende, die Prozession hatte sich noch nicht wieder zur Rückkehr nach dem Buckingham- Palast formiert, als der gekrönte Herrscher in dem für ihn einge­richteten Umkleidezimmer der Abtei seine erste Regt­rungshandlung vollzog. Sie bestand in einem Fin­gerdruck auf einen elektrischen Knopf, dessen Leitung in Neufundland den Grundstein zu einem königlichen See­mannsheim auf die dafür bestimmte Stelle fallen ließ. Ein Sinnbild sowohl für die Vermählung von Aeltestem und Neuestem in dieser Krönungsfeter, wie für die erd­umspannende Bedeutung der britischen Krone. Das könig­Itche Paar brachte den Nachmittag in stiller Zurückgezogen­heit zu. Zum Diner war nur der deutsche Kronprinz, feine Gemahlin und einige andere im Buckingham- Palast untergebrachte Gäste geladen.

Keine Begnadigung der englischen Spione.

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Wie eine Berliner Korrespondenz gehört haben will, ist dem Kaiser der Vorschlag gemacht worden, anläßlich der Krönung des englischen Königspaares die englischen Spione Trench und Brandon, die augenblicklich auf den Festungen Glaz und Wesel wegen der Borkumer Spionageaffäre ihre Strafe abbüßen, zu begnadigen. Der Kaiser hat die Begnadigung der englischen Spione a b= gelehnt. Wie verlautet, war der Vorschlag dem Kaiser von einer ihm sehr nahestehenden Seite gemacht worden. Von irgend einer amtlichen Stelle ist der Vorschlag nicht angeregt worden.- Der Prozeß gegen Trench und Bran­don hat die Ausdehnung und Bedenklichkeit der englischen Spionageversuche an unserer Küste vollständig klargelegt; ein neuer Prozeß gegen einen englischen Spion ist gegen wärtig wieder beim Reichsgericht anhängig. Unter diesen Umständen wäre die Begnadigung doppelt bedenklich ge wesen, denn sie hätte geradezu zu neuen Spionageaften ermuntert. Den beiden Engländern wurden seinerzeit vom Reichsgericht mildernde Umstände bewilligt; das war das Aeußerste, was an Nachsicht geübt werden konnte.

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Und dennoch.

Novelle von Ernst Busolt.

( Nachdruck verboten.)

Ich habe Dir jetzt alles auseinandergesetzt!" und die Scharfen, stechenden Augen des Alten bohrten sich fest in die Virginiens, während er fortfuhr: Sie ist gestorben; ich kann Dir die Papiere vorlegen, und Du siehst mich be­reit, Dich zu rehabilitieren, Dir eine Stellung zu geben. Ich bin alt, neue Verbindungen mag ich nicht mehr schlie­Ben, umsoweniger, als ich fühle, was ich Dir schuldig bin." Er hielt einen Augenblick inne, dann meinte er: Ich habe Dich lieb, Virginie; es hat mich unendliche Mühe ge= tostet, Dich hier zu finden." Wieder trafen Virginie seine Augen. Sie vermochte den Blick nicht zu ertragen und wandte sich zur Seite.

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Ich wußte es lange, daß Du hier lebst; ich ließ Dich ruhig, da ich doch die letzte Zeit mit ihr zubringen wollte. Sie ist im Herbst gestorben. Doch wollen wir uns nicht mit geschehenen Dingen befassen, sondern mit der Zukunft. Ich habe mir" hier schlug er ein häßliches Gelächter an ein ganz. ansehnliches Vermögen verdient; wer anders als Virginie Barinoff sollte es mit mir teilen? Du lebst ja hier, wie ich sehe, sehr bürgerlich. Das sind die alten russischen Mahagonimöbel vom Onkel. Es wird Dir nicht auf die Länge behagen. Ich habe jetzt mein Domizil in London. Wenn man solide leben will, ist Old­England der richtige Ort. Ich werde nun als englischer Gentleman meine Tage verbringen; hin und wieder ein Abstecher nach Paris, Spa, Monako- wir wollen es uns schon einrichten. Nun?"

Es lag eine Betonung in dem kleinen Wort, die Adrian beben machte.

Der Alte erhob sich langsam, sah sich nach fast allen Setten um, und sich an Virginie lehnend, flüsterte er: Komm!"

Virginie, die bis jetzt regungslos gestanden, blidte

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Kaiser und Kanzler. Wie der N. P. C." aus Kiel geschrieben wird, erwartet man dort in den nächsten Tagen den Besuch des Reichskanzlers, der, bevor der Kaiser die Nordlandreise antritt, von dem Monarchen zum Vortrag empfangen werden wird.

Eine angebliche Aeußerung des Kaisers über die So­zialdemokraten. In politischen Kreisen Berlins kursiert augenblicklich, der N. G. C." zufolge, ein Wort, das der Kaiser vor einiger Zeit geäußert haben soll. Es soll ge= lautet haben: Meine Sozialdemokraten sind gar nicht so schlimm!" Man wird abwarten müssen, ob die genannte Korrespondenz richtig unterrichtet ist.

Der türkische Thronfolger als Gast bei den Kaiser­manövern. Nach einem Telegramm der Frkf. 3tg." aus Konstantinopel nahm der türkische Thronfolger eine Ein­ladung des Kaisers zur Teilnahme an den Kaiserparaden und dem Schluß der Herbstmanöver an. Der türkische Thronfolger wird sich Ende August mit großem Gefolge zunächst nach Stettin begeben.

Die Beratungen im Reichsamt des Innern zwischen den Referenten der sozialpolitischen Abteilung und den Ministerialreferenten sämtlicher

gegen 224 Stimmen angenommen wurde, verweigerte, gilt das gesamte Ministerium als gestürzt. Verschiedene Mis nister sollen dem Justizminister einen Vorwurf darüber gemacht haben, daß er sich nicht mit der einfachen Tagess. ordnung begnügt habe. Inzwischen hat das Kabinett seine Demission gegeben.

Wiederaufleben der Winzerunruhen. Die Agitation der Winzer im Marnegebiet setzt wieder mit voller Heftig­keit ein. In verschiedenen Ortschaften wurden rote Fah nen gehißt und das Bild des Ministerpräsidenten Monis verbrannt; man hegt ernste Befürchtungen für den kom menden Sonntag.

Die Türken haben in Arabien eine schwere Niederlage erlitten. Das Reutersche Bureau meldet aus Hodeida vom 17. d. M.: Eine starke Abteilung Aufständischer übers raschte die türkische Vorhut, die aus vier Bataillonen und vier Kanonen bestand. 1000 türkische Soldaten wurden getötet, 500 verwundet. Die Truppen flohen, von den Rebellen verfolgt, in Unordnung nach Djisan. In der Verwirrung bombardierte das türkische Kanonenboot Djis san und tötete und verwundete einige hundert Soldaten. Die Araber erbeuteten vier Kanonen, zwei Maschinenges wehre, 2000 Gewehre und eine große Menge Munition und Borräte und zogen sich dann zurück.

Miniſterier Reichsversicherungsordnung haben keine Enſtbarkeitsteuer für Berlin. Nach dem Vera

ihren Abschluß gefunden. In den Beratungen wurde u. a. festgestellt, daß die Versicherung erst an einem späteren Zeitpunkt zur Durchführung gelangen kann, weil noch vor­her umfangreiche Vorarbeiten zu bewältigen sind, wie 3. B. für die Versicherung der unständigen Arbeiter und der Hausgewerbetreibenden.

Gegen die neuen preußischen Schulreformpläne. Wie die Post hört, bereiten die preußischen Universitäten eine Eingabe vor, die sich gegen jede Verkürzung des altsprachli= gen Unterrichts wenden will. Unter den sehr zahlreichen Gymnasialfreunden schweben im Abgeordnetenhause Er­wägungen, ob die Regierung wegen dieser Angelegenheit zu interpellieren sei.

Ueber die Stichwahlparole der konservativen Partei liegt heute eine bemerkenswerte parteiamtliche Aeußerung vor. Graf Schwerin- Löwiß, der Präsident des Reichs­tags, hatte in einer vor seinen Demminer Wählern ge­haltenen Rede kürzlich betont, daß er für den Fall einer Stichwahl immer und unter allen Umständen auch den schlimmsten bürgerlichen Demokraten doch noch mit aller Entschiedenheit( als das kleinere Uebel) gegen jeden So­zialdemokraten zu unterstützen bitten" würde. Demgegen­über wurde betont, daß die Mehrzahl der bei der Leitung der konservativen Partei beteiligten Herren in diesem Punkte vom Grafen Schwerin- Löwiz abweicht und der An­sicht ist, man müsse von Fall zu Fall entscheiden und direkte Bundesgenossen der Sozialdemokratie genau wie diese selbst behandeln. Diese Auffassung wird jetzt von dem amt­lichen Parteiorgan der Konservativen im Namen der Par­teileitung ausdrücklich bestätigt: Wir vermögen einen Unterschied zwischen Sozialdemokraten und deren Helfern nicht gelten zu lassen und müssen im übrigen die Entschei­dung über die in den einzelnen Wahlkreisen zu beobach­tende Stellung zur Stichwahl lediglich von taktischen Grün­den unseres Parteinteresses abhängig machen."

Die gestrige Verhandlung gegen den Cölner Pfarrer Jatho vor dem damit beauftragten Spruchkollegium dauerte von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags und wurde sodann nach zweistündiger Pause wieder aufgenommen. In seinem Verhör, das drei Stunden dauerte, soll der An­geschuldigte seinen religiösen Standpunkt vollkommen auf­recht erhalten und diesen als in der evangelischen Landes­firche durchaus gleichberechtigt bezeichnet haben. Als ein­ziger Zeuge wurde der Landtagsabgeordnete Dr. Hinz­mann- Elberfeld vernommen. Die übrigen Zeugen wurden vom Spruchkollegium abgelehnt, wogegen die Verteidiger protestierten. Um 8 Uhr abends wurde die Weiterver­handlung auf Sonnabend vormittag vertagt.

Frankreich hat wieder einmal eine Kabinettskrise zu überstehen. Es wird darüber aus Paris gemeldet: Die Kammer verhandelte am Freitag über die Interpellatio­nen, welche sich auf die Aeußerung beziehen, die der Kriegs­minister General Goiran vor einigen Tagen im Senat bei der Beratung des Kriegsbudgets machte. Der Minister hatte im Senat gesagt, es gebe im Falle des Krieges kei­nen Generalissimus; die Leitung der Operationen würde vom Kriegsminister unter Verantwortlichkeit der ganzen Regierung abhängen. Da in der Debatte der Justizmini­ster im Namen der Regierung sein Einverständnis zur einfachen Tagesordnung, die von der Kammer mit 248

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auf. Es schien, als wolle sie sich aus unsichtbaren Ketten, die man ihr angelegt, befreien. Tief aufatmend sagte ste mit fester Stimme: ,, Nein, ich folge Ihnen nie mehr, Graf Wlodawa. Das Unrecht das Verbrechen, das Sie mir gegenüber begangen, ist so ungeheuer, so himmelschreiend, daß ich mich nur wundere, wie Ste glauben können, ich hätte es vergessen. Ich spreche nicht davon, wie Sie den Geisteszustand meines schwachen Oheims zu benutzen ver­standen haben, ihn und mi chzu täuschen. Was rede ich? Jedes Wort einem Manne wte Sie gegenüber ist ver­schwendet!"

Das Letzte sagte sie mit unsäglicher Verachtung. Will das Kätzchen zeigen, daß es Krallen hat? Noch im vori­gen Herbst während ihrer Krankheit habe ich eine Erobe­rung gemacht. Eine Dame aus der Gesellschaft von streng­sten Grundsätzen. Weißt Du, daß ich eine Einladung zu einer fürstlichen Hofjagd hier in der Tasche trage?" Graf Wlodawa" Virginie schien ungeduldig zu werden ,, Sie haben es mir unmöglich gemacht, in der Gesellschaft, in die ich durch meine Familie und Erziehung gehöre, zu verkehren. Sie haben," hier zitterte ihre Stimme ,,, mich auf alle Zeit von dem Glück der Frau aus­geschlossen. Verlassen Sie mich!"

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Phrasen! Du siehst aus der Geduld, mit der ich Dich angehört, daß ich Dich wirklich lieb habe, jetzt aber hat die Sache ein Ende. Weißt Du, daß Du in meiner Macht bist? Ja, in meiner Macht!" Virginiens Augen füllten sich mit dem Feuer eines Hellauflodernden Zornes, der Alte, sie mit eiserner Gewalt festhaltend, beugte sich zu ihr nieder, Virginie schrie auf. Adrian trat ein. Berzeihen Sie die Indiskretion, Gräfin!" sagte er, so ruhig er es vermochte, dann zu dem Fremden: Die Art und Weise, mein Herr, wie Sie sich soeben einer Dame gegenüber benommen, ist eines Kavaliers nicht würdig; man fann in England leben, ohne darum Gentleman zu sein. Hier ist meine Karte. Ich stehe zu Ihren Diensten." ,, Nicht so rasch, mein Herr!" sagte der Alte, vor Wut

lauf der letzten Berliner Stadtverordnetenfißung, der ein sehr stürmischer war, darf die Luftbarkeitssteuer für Berlin als abgelehnt betrachtet werden.

Ein Dorf in Flammen. Seit gestern mittag steht die Ortschaft Waidmannsdorf bet Klagenfurt in Flammen. Die Feuerwehren sind wegen Wassermangel machtlos. Sie­ben Gehöfte mit den Nebengebäuden sind bereits nieder­gebrannt. Den Besitzern i stalles Vieh und alle Habe ver brannt.

Drei türkische Offiziere, Mitglieder der zurzeit in der Reichshauptstadt weilenden Studienkommission, legten ge stern auf dem Grabhügel des vor einigen Monaten von einem Albanesen in Konstantinopel erschossenen Oberst­Ieutnants von Schlichting einen großen Lorbeerkranz nieder. Sprengpulver als Ofenfeuerung. In Abbach( Nieder­bayern) ist die Frau eines Steinmetzea, die mit Zeitungs­papter ihren Ofen anheizen wollte und eine Düte Spreng­pulver, die darunter lag, ahnungslos mit in den Ofen geworfen hattet, durch die Explosion getötet worden. Die Wohnung wurde demoliert.

Von einem umstürzenden Postpaketwagen erschlagen wurde in Salzwedel der Postschaffner Neuling; er war sofort tot. Der Postillon des Wagens wurde schwer ver­legt. Das Unglück ereignete sich dadurch, daß der sehr ellig fahrende Postwagen bei einer Biegung, die zu rasch und furz genommen wurde, umschlug.

Dem Freund in den Tod gefolgt. Am vorigen Sonn­tag war der Sohn des sächsischen Ministerialdirektors Rum­pelt in der sächsischen Schweiz tödlich abgestürzt. Ein Freund des Toten, der Assistent Conradi an der Dresdener Technischen Hochschule, hat sich den Todessturz seines Freun des so zu Herzen genommen, daß er sich an der Unglücks­stelle vergiftet hat.

In die Sense gestürzt. In Grafenwöhr in der Ober­pfalz ist ein radfahrender Bauer in seine Sense gestürzt, die er auf dem Rücken trug. Dabei wurde ihm die Leber durchbohrt. Militärärzte vom nahen Truppenübungsplatz leisteten alsbald Hilfe, der Mann starb aber bald.

Untergang einer Fähre. In Mecheln bei Antwerpen ist gestern eine Färe mit 20 Passagieren gesunken. Acht sollen ertrunken sein, jedoch ist eine genaue Feststellung bisher nicht möglich gewesen.

Die Typhusepidemie in Schneidemühl. Am Donnerstag wurden 24 neue Typhusfälle angezeigt. Ein neuer Todes­fall ist nicht eingetreten. In den beiden Krankenhäusern Itegen jetzt 34 Kranke. Die Erkrankungen sind meist leich= ter Natur.

Aus den Gerichtssälen.

Zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Gleiwit verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den Schneider Josef Kupka aus Zabrze wegen Mordes zum Tode. Kupka hatte eine galtzische Handelsfrau am 15. Februar mit Hammerschlägen betäubt, beraubt, mit Petroleum begossen und sie, nachdem er sie angezündet hatte, in den Schorn­stein gezwängt. Seine Ehefrau wurde wegen Begünsti­gung zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Schwur­gericht in Frankfurt a. D. verurteilte den Baugewerfs­schüler Schmidt aus Breslau wegen Ermordung des Brief­trägers David aus Bieberteich zum Tode.

Zengengebühren für Geschäftsreisende. Eine nament­Itch für Geschäftsreisende wichtige Entscheidung fällte das Karlsruher Landgericht. Ein Geschäftsreisender, der sich auf der Tour befand, erhielt an seinem eigentlichen Wohn­ort etne 3eugenvorladung zugestellt, die ihm von seiner Frau nachgesandt wurde. Er erschien auch zum Termin

schäumend. Ich spreche sofort mit Ihnen!" Er wandte sich nach Virginie um: Also steht's mit Dir? Das ist mir allerdings neu. Es amüsiert mich und Sie, mein

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Herr, ich habe ein außerordentliches Physiognomienge­dächtnis, wären Sie nicht fener junge Herr aus Spa, der meine Tochter heiraten wollte? Mit welchem Rechte wer­fen Sie sich als Ritter für diese Dame auf?"

,, Mit dem Rechte, das ein jeder Mann hat, wenn es gilt, eine wehrlose Dame zu schüßen. Und jetzt"- Adrian machte eine nicht mißzudeutende Bewegung nach der Tür. Seine mächtige Gestalt schien zu wachsen. Sein graues Auge blitte; Hoheit, Stolz und Kraft lagen in jeder Be­wegung.

Der Graf ergriff seinen Hut und verließ das Zimmer. Lange Zeit sprach keines von beiden ein Wort. Virginie lag vor dem Sofa auf der Erde, das Gesicht in die Kissen gedrückt. Adrian ging mit beschleunigten Schritten auf und nieder. Dann hob er sie mit sanfter Gewalt auf. Halb mechanisch, als wäre ihr alles gleichgültig, sank sie in eine Sofaecke, das Tuch vor die Augen gedrückt.

nie!"

,, Virginie," flüsterte Adrian, meine geliebte Virgi­" Ich bin vor ihm geflüchtet," schluchzte ste, und er hat mich doch gefunden! Jetzt ist alles aus für mich, keine Rettung möglich!"

Mehr war in den ersten Minuten nichts vor thr her­auszubringen. Dann, sehr allmählich, nach sanftem 3u­reden erfuhr Adrian das Geheimnis ihres Lebens.

Virginie Alexandrowna Barinoff war die Tochter eines russischen Gutsbesitzers, der durch die Aufhebung der Leibeigenschaft zu Grunde gegangen war.

( Fortsetzung folgt.)