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und liquidierte für Reisekosten und Zeitversäumnis einen Betrag von 17 Mart. Das Gericht erkannte ihm aber nur Mark zu. Hiergegen beschwerte fich der Reisende beim Randgericht, wurde aber abgewiesen. Das Landgericht ging von der Ansicht aus, der Reisende hätte dem Gericht von der unverschieblichen Reise und dem in Frage kommenden Aufenthaltsorte Mitteilung machen müssen; dann wäre das Gericht in der Lage gewesen, entweder die Vernehmung dort zu veranlassen oder solange zu warten, bis er wieder zurüd­gekehrt sein würde. Das Gericht nehme an, daß ein Ge­schäftsreisender die gerichtliche Aufforderung auch richtig lesen und deren Sinn erfassen könne; wenn das nicht der Fall sein sollte, so habe der Reisende sich die Kosten selbst zuzuschreiben.

Vermischtes.

Der deutsche Rundflug 1911 hat am Freitag nach fünf­tägiger Unterbrechung durch die vom Verein für Motor­Iuftschiffahrt in der Nordmark veranstaltete Kieler Woche feinen Fortgang genommen. Mehr als% der rund 1850 Kilometer langen Strecke des Flugs sind noch zu absol­vieren. Die ersten 4 Etappen Berlin- Magdeburg, Mag­deburg- Schwerin, Schwerin- Hamburg und Hamburg­Rtel führten über 527 Kilometer. Die 9 weiteren Etappen von Kiel über Lübeck( Zwangszwischenlandung), Lüneburg, Hannover, Bielefeld( 3wangszwischenlandung), Minden ( 8wangszwischenlandung), Münster( Zwangszwischenlan bung), Neuß( 3wangszwischenlandung), Cöln, Dortmund, Cassel, Nordhausen( Ueberharzflug), Halberstadt, Dessau ( 8wangszwischenlandung) führen nach Berlin zurück und umfaffen 1827 Kilometer.

Das Passagierluftschiff Deutschland", das demnächst aufsteigen soll. wird, wie der Korrespondenz Heer und Po­litit" aus Luftschifferkreisen geschrieben wird, in der neuen Gestalt auch einen neuen Namen tragen. Der allbekannte Name Deutschland" hat aufgehört zu bestehen und weicht dem Namen der engeren Heimat des Grafen Zeppelin und wird darum in Zukunft Schwaben" heißen. Hoffent lich hat es unter diesem neuen Namen mehr Glück, als unter dem bisherigen aufzuweisen, der schon zwet Kata­ftrophen erlebt hat. Die Gründe der Namensänderung sind unbekannt.

Die Berliner Schuhleute dürfen sofort zur Schußwaffe greifen. Aus Anlaß der immer mehr zunehmenden Ge­walttätigkeiten gegen Schußleute im Dienst hat der Berlt ner Polizeipräsident von Jagow neue Bestimmungen über ben Gebrauch der Waffen erlassen. Es ist den Schußleu­ten gestattet, bet Gewalttätigkeiten, die gegen ihre Person bet Ausübung des Dienstes begangen werden, in den da­zu geeignet erscheinenden Fällen ohne vorherige Anwen bung der Hiebwaffe sofort von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Bisher durften sich die Schußleute der gefähr Itchen Schußwaffe nur dann bedienen, wenn nach ihrer pflichtgemäßen Ueberzeugung die von ihnen geführte min­der gefährlichen Hiebwaffe nicht genügte.

Selbstmordverfuch aus Furcht vor dem Eide. Die in Tasdorf bei Rüdersdorf in der Mark Brandenburg woh­nende Witwe Geritz war für gestern vormittag vor das Amtsgericht Kaltberge- Rüdersdorf zur Ableistung des Of= fenbarungseides geladen worden. Kurz vor dem Amtsge­richtsgebäude brach sie plötzlich besinnungslos zusammen. Es stellte sich heraus, daß sie sich mit Lysol vergiftet hatte, und zwar aus Angst vor dem zu leistenden Eide. Die Unglückliche wurde nach ihrer Wohnung zurücktranspor­ttert, wo sie sehr bedenklich darniederliegt.

Eine aufregende Verbrecherjagd spielte sich gestern mor­gen in Friedenau bei Berlin ab. Dort wurden zwei Ein­brecher bei einem Bodendiebstahl von einer Frau Löwen­dorf überrascht und von dieser, ihrem Ehemann und ihrem großen Hunde verfolgt. Die Täter flüchteten auf Fahr­rädern in der Richtung nach Wilmersdorf. Einer von ih­nen wurde durch den Hund zu Fall gebracht und von dem hinzukommenden Wäschereibefizer Klonuf gestellt. Beide Männer gerteten in einen Ringkampf und stürzten zu Bo= den. Dabei wurde Klonuf von dem Einbrecher mit einem Messer am Kopfe oberhalb des Auges erheblich verletzt. Während die beiden miteinander rangen, kam der zweite Einbrecher zurück und feuerte einen Schuß auf seine Ver­folger ab. Es gelang jezt dem anderen Einbrecher, sich loszumachen. Er sprang auf, stellte sich hinten auf das Fahrrad seines Komplizen und beide entfamen.

Schiffskatastrophe an der belgischen Küste. Der von Hamburg kommende Dampfer Rheinfeld" ist in der Nacht zum Freitag mit dem von Antwerpen nach Schottland fahrenden englischen Dampfer Redwoon" an der belgt= schen Küste zusammengestoßen. Das englische Schaff sank alsbald, doch wurde die Mannschaft gerettet. Der deutsche Dampfer erlitt gleichfalls Beschädigungen, konnte aber den Hafen von Antwerpen noch erreichen.

Die Ehe des früheren Prinzen Hermann von Sachsen­Weimar geschieden. Vor der Pariser vierten Zivilkammer wurde, Blättermeldungen zufolge, am Donnerstag das Ur­teil im Ehescheidungsprozeß des Grafen Hermann von Ost­heim, des früheren Prinzen von Sachsen- Weimar, gefällt. Die Gemahlin des Grafen, Wanda Paola Lottero, hatte auf Ehescheidung geklagt. Das Gericht gab der Klage Folge, indem es den Grafen als den schuldigen Teil be­trachtete. Der Graf hatte die kinderlos gebliebene Ehe mit ihr am 29. September 1909 geschlossen und dabei gleich­zeitig auf Namen, Rang und Titel eines Prinzen des großherzoglich sächsischen Hauses verzichtet, wofür er für fich und seine Nachkommen den Namen und Rang als Graf von Ostheim erhalten hatte.

Die

Selbstmord einer Ueberlebenden von Messina. 38jährige Gattin Rosa des Zollbeamten Grasso in Riva hat sich, wie aus Triest gemeldet wird. in einem Anfall von Trübsinn erhängt. Frau Grasso hatte bei der Erd­bebenkatastrophe in Messina ihr Kind verloren und war selbst von den Trümmern begraben worden, wobei sie schwere Verletzungen erlitt. 70 Stunden hatte die Un­glückliche unter dem Schutt verbracht, ehe sie gerettet wurde. Nach ihrer Genesung übersiedelte ste mit ihrem Gatten nach Riva, wo dieser Anstellung beim Zollamte erhielt. Seit der Katastrophe litt sie an Trübsinn und äußerte wiederholt Selbstmordabsichten.

Das Vermögen eines Geigers. Der weltberühmte nor­wegische Geiger Ole Bull hatte bei seinem Tode ein be­deutendes Vermögen hinterlassen, das seiner in Amerika wohnenden Familie anheimfiel. Vor einigen Monaten starb nun auch Bulls Witwe, und bei der Testamentser= öffnung stellte sich heraus, daß sie ihr ganzes Vermögen in Höhe von 500 000 Dollars einer religiösen Sekte vermacht hatte, die im Heim Frau Bulls mystische Seancen abge­halten und die Frau systematisch dem Wahnsinn entgegen­getrieben hatte. Die Tochter der Verstorbenen hat infolge­dessen das Testament angefochten, und nach der Ansicht der amerikanischen Presse wird das Gericht sicherlich zu ihren Gunsten entscheiden.

Der Kathreinerflugpreis von 50 000 Mart für einen Fernflug von München nach Berlin hat bereits den ersten Bewerber gefunden. Der bedeutende deutsche Flieger Sirth, der vorgestern in Kiel den deutschen Höhenrekord gebrochen hat, wird sich um den Preis bewerben. Nach den Bestimmungen soll derjenice deutsche Flieger den Preis erhalten, der als erster den Weg von München nach Berlin

über Nürnberg, Leipzig, 550 Klm. Luftlinie, zurücklegt. Der Flug München- Berlin muß innerhalb 36 Stunden zurüdgelegt werden. Gestattet sind drei Zwischenlandun­gen in Nürnberg, Leipzig( Flugplatz Lindenthal) und eine dritte an einem vom Flieger beliebig zu wählenden unge­sagtem Orte. Der Bewerber muß also nicht landen, er tann ohne Zwischenlandungen versuchen, Berlin zu errei chen. Er kann auch nach Belieben landen, muß aber, wenn er zwei oder drei Mal landet, in Nürnberg oder Leipzig niedergehen.

Der Krimtrieg im Kinematographentheater. Verschie= dene Episoden aus der Verteidigung Sebastapols werden, wie aus Petersburg gemeldet wird, demnächst im Kinema­tographentheater zu sehen sein. Es ist die Erlaubnis er­teilt worden, die im Museum von Sebastopol aufbewahr­ten Gegenstände zu benutzen, um Szenen der wichtigsten Ereignisse während der Belagerung in den Originaluni­formen und sonstigen Sachen darzustellen und zu photogra­phieren. Außerdem hat die Militärverwaltung noch ihre Einwilligung dazu gegeben, daß Soldaten die Kampf­Szenen darstellen dürfen und eine ganze Infanteriedivision mit Festungs- und Feldartillerie wird für diesen Zwed in Bewegung gesetzt. Verschiedene tausend Granaten und noch andere Explosivstoffe sind bestellt worden und eine Ab­teilung von Sappeuren wird in nächster Zett damit be­schäftigt werden, die notwendigen Laufgräben, Verhaue usw. zu graben und die Minen zu legen. Die an dem Kampf beteiligten Mannschaften werden die Uniformstücke der damaligen Zeit und der verschiedenen Nationen, der Russen, der Engländer, der Franzosen und der Türken tragen. Die Seekämpfe werden ebenfalls realistisch mit Hilfe von Unterseebooten dargestellt, die die Aufmachung einer Anzahl der damaligen russischen Schiffe erhalten sol­len, die im Laufe des Krimkrieges versanken.

Ein Ehemann als Hauptgewinn. Ein großes Kauf­haus von Tokio ist es, das den sinnreichen Einfall gehabt hat, seinen Kunden einen Ehemann als Hauptgewinn an­zufündigen. Jeder Käufer, der für wenigstens 16 Mart Waren einkaufte, bekam eine kleine Karte überreicht, auf der man die Photographie eines nach der letzten Mode ge­kleideten jungen Herrn sah, mit der Unterschrift: Ein Ehemann für 16 Mark!" Diese Karte stellte ein Los für eine Lotterie dar, die jenes Geschäft für seine Kunden ver­anstaltete und deren Hauptgewinn bei der Ziehung der jüngste Direktor des Hauses bildete. Ueberflüssig zu sagen, daß die Lotterie einen Riesenerfolg hatte aber es ist

nicht bekannt geworden, ob der junge Gatte mit der vom Glück begünstigten Frau zufrieden geworden ist. Hier kann man also wirklich mal von einem Lande sprechen, in dem die Ehe ein Lotteriespiel ist.

Das Johanniskraut spielt auf dem Lande am Johan­nistage immer noch eine große Rolle. Um die Mittags­stunde stehlen sich in vielen deutschen Gegenden Frauen und Bauernmädchen aus dem Hause, um ein Sträußchen von den dunkelgelben Blüten des Johanniskrautes zu pflüden. Das muß freilich vorsichtig geschehen. Still schweigend und lautlos und ohne sich umzusehen muß der Strauß gepflückt werden. Zu Hause wird der Johannis­strauß dann an den Balken in die Wohnstube gehängt, da= mit er gegen Unglücksfälle schütze. Wenn er das ganze Jahr bis zum nächsten Johannistage grün bleibt, so tritt ein besonderes Glück ein, eine Erbschaft oder Hochzeit, oder ein Lotteriegewinn. Die jungen Mägde nehmen den Jo­hannisstrauß in der Silvesternacht, genau beim Anbruch des neuen Jahres, gehen ganz allein und ungesehen in eine leere Dachkammer und rufen dreimal laut ihren Na­men. Hierauf suchen sie eiligst die Schlafkammer auf und im Traum erscheint ihnen dann ihr Zukünftiger. Es gibt bei uns mehrere Johanniskrautsorten, deren gewöhnliches das punktierte, auch Hartheu genannte, eigentliche Johan­niskraut ist. Es erhebt sich bis zu fußhohen Büschen und ist an seinen Blättchen zu erkennen, die, gegen das Licht gehalten, regelmäßig punktiert erscheinen. Die dunklen, goldgelben Blüten finden wir auch am niedrigen Johan­niskraut und am Berg- Hartheu. Alle drei Arten wachsen auf trockenen Rainen und in Kieferngebüschen. In frü­heren Zeiten wurde aus dem Johanniskraut ein Del ge­zogen, das zum Heilen von Wunden benutzt wurde.

Russische Bauernausschreitungen. In dem sibirischen Dorfe Pawlowsk in der Nähe von Nikolajewsk sind Bauernunruhen ausgebrochen, weil die Bauern mit der geringen Landbelehnung unzufrieden sind, die vom Chef des Bezirkes vorgenommen wurde. Die Bauern drangen in die staatlichen Gebäude und in die Wohnung des Chefs ein, verbrannten alle Papiere und Dokumente und zer­störten die Einrichtungen. Sie sprengten auch die Geld­schränke und brannten die Wohnung des Chefs nieder. Als die Polizei erschien, wurde die Sturmglocke des Dorfes ge­läutet. Alle Bauern bewaffneten sich und griffen die Po­lizei und die hinzugezogenen Soldaten an. Erst nach dem Gebrauch der Feuerwaffe, der den Tod mehrerer Bauern herbeiführte, wurde die Revolte niedergeworfen.

Eine kühne Vermessungsarbeit. Man schreibt der Frkf. 8tg. aus Winnipeg( Kanada): Eine der gefährlichsten Grenzvermessungen wird binnen kurzem durch die fana­dische Regierung unternommen werden; eine Anzahl ihrer Landmesser wird unter Leitung des Geologen Ogilvie in Begleitung von Indianern von Vancouver nach dem Nor­den abfahren, um die Feststellung der Grenze zwischen dem amerikanischen Alaska und dem kanadischen Yukon- Terri­tortum nach Möglichkeit herbetzuführen. Ogilvie soll diese Grenze von einem Punkte inlands der Yalcutat- Bay bis zum 141. Längegrade definitiv feststellen, eine schwierige Aufgabe, denn der Marsch von der Bay bis zum Fuße des 5950 Meter hohen Eliasberges ist über 40( englische) Meilen lang, und geht an dem großen Malespina Gletscher entlang, immer bergan über Eisfelder; er wird die Aus­dauer der Leute auf eine harte Probe stellen. Die Ver­messungsgesellschaft wird sich in kleinere Partien teilen und, aneinander gefeilt, die zahlreichen gefährlichen Spalten in dem Gletscher passieren; da es in dieser Region fein Holz zum Heizen gibt, so werden eine Anzahl Delöfen mitgeführt werden.

Nach dreißig Jahren aus dem Irrenhaus befreit. Vor dem Gericht in Barcelona hat in diesen Tagen ein Prozeß begonnen, der umso lebhafteres Interesse erregt, als in ihm eine Anzahl bekannter Persönlichkeiten der Stadt verwickelt sind. Der Kläger ist der angesehene Barcelonaer Advokat Francesko Andeyro, der gegen mehrere Mitglieder der Fa­milie die Anschuldigung erhebt, seine Kousine Matilda An­deyro ins Irrenhaus gebracht zu haben, um sich in den Be­sitz ihres reichen Erbes zu setzen. Das Mädchen lebte bis zu seinem 14. Jahre in Granada, als sein Vater, der als Ge­neral der spanischen Truppen auf den Philippinen weilte, mit Hinterlassung eines enormen Vermögens und eines Testaments starb, das zwei seiner Verwandten zu Voll­streckern seines letzten Willens einsetzte. Nach der Behaup tung des Klägers haben die Testamentsvollstrecker die Toch­ter des verstorbenen Generals in einem Kloster unterge­brecht und bis zu ihrem 21. Lebensjahre dort festgehalten.

Als sie sich dann weigerte, den thr augedachten Bräutigam zu heiraten, ließen sie das Mädchen auf Grund gefälschter ärztlicher Gutachten für unzurechnungsfähig erklären und im Irrenhause von Barcelona internieren. Hier hat die Unglückliche mehr als dreißig Jahre verbracht. Erst jetzt ist es ihrem Vetter gelungen, den Aufenthaltsort der Verschol­Ienen zu entdecken und nach Beibringung eines von dem berühmtesten spanischen Psychiater ausgestellten Zeugnisses das die ungetrübte geistige Gesundheit Matilda Andeyros fonstatiert, die Freilassung der seit einem Menschenalter im Irrenhause schmachtenden Erbin zu bewirken.

Ein teuflischer Druckfehler findet sich in einem Leip­ziger Blatt. Es berichtet vom Aerzteverband in Markran städt und von den Bestimmungen, die er für den Sonntags­dienst getroffen hat. Da heißt es gleich in Paragraph 2: ,, Bestellungen zu Besuchen sollen möglichst bis 9 Uhr vor­mittags bei dem gewünschten Arzt abgegeben werden, der seinerseits für Erkrankung( gemeint ist Vertretung) forger wird."

Der opferwillige Ehemann. Aus Neuyork wird fol­gende, etwas seltsam klingende Geschichte gemeldet: Se nator Lea( Tennessee) hat durch seinen Opfermut im Hospi tal zu Georgetown seiner Gemahlin das Leben gerettet. Er hat sich durch eine Operation ein Viertel seines Körper­blutes entziehen lassen, damit es seiner schwererkrankten Gemahlin eingeführt werden konnte. Die Operation ist für beide Teile gut verlaufen.

Aus dem Gerichtssaal. Richter( als die Angeklagte zögert, ihr Alter anzugeben, zum Schreiber): Bemerken Sie bei dem Geburtsdatum: Kann sich nicht mehr erinnern!" Offenherzig. Fremder( in einem Restaurant, das we­gen der kleinen Portionen bekannt ist): Also einen Kalbs­braten, aber eine kleine Portion bitte!" Kellner: Eine kleine?... Na, da werden Saber schau'n!"

Die ärmsten Millionäre der Welt.

Eines Tages steht John J. Blair, einer der reichsten Männer Amerikas, vor Gericht. Er ist verklagt, und das Objekt, um das es sich handelt, beträgt 2. Mill. M. Blair bittet um Vertagung, doch der Richter erklärt, er könne ihn nur aus der über ihn verhängten Haft entlassen, wenn er für dasDoppelte der fraglichen Summe gültigeSicherheit beibringe. O, wenn das alles ist," sagt Mr. Blair ver­gnügt ,,, die fann ich geben." Und er greift in die weit auseinanderklaffende Tasche seines Roces und zieht- einen Apfel heraus. Alles lacht, und der bestürzte Krösus erklärt: Da habe ich mich vergriffen, das ist ja mein Frühstück" und entnimmt nun den Tiefen einer anderen Tasche ein Bündel Papiere, das Werte für 4 Mill. M ent­hält.

Diese Szene ist typisch für die mehr als einfache, ja geradezu ärmliche Form, in der manche Dollarfönige ihr Dasein fristen. Ein Mann wie Blair, der jederzeit einen Scheck über mehrere Millionen ausstellen fann, begnügt sich des Mittags mit einem Apfel, ißt auch bei der Haupt­mahlzeit nur spärlich und überlegt sich die zwei Penny, die die Fahrt mit der Straßenbahn kostet. Noch dürftiger ver­Millionären der Welt" gehört, Samuel Dunlap seine brachte ein anderer Krösus, der ebenfalls zu den, ärmsten Tage, bevor er vor kurzem von seinem färglichen Erden­dasein erlöst wurde. Vierzig Jahre lang wohnte er in dem dunklen Hinterzimmer eines fleinen Häuschens, nur von einer alten Wirtschafterin bedient. Jeden Monat schnitt die Dienerin dem Millionär die Haare, die dann auf seine Anordnung zum Ausstopfen seiner Matratze verwendet wurden. Vierzig Jahre lang soll er sich nur ein einziges Mal einen neuen Anzug gekauft haben, an den er nie eine Bürste kommen ließ, weil er ihn dadurch allzu sehr abzu­nutzen fürchtete.

Ein anderer Sonderling, George T. Cline, der viele tausend Morgen Land in neun Staaten Nordamerikas be saß, und bei seinem Tode fünf Millionen Dollars hinter­ließ, verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in einem fleinen schmutzigen Raum, in dem seine einzige Gesellschaft seine geliebten Violinen waren. Wie eine englische Wo chenschrift von diesem Diogenes unter den Dollarföni gen berichtet, blieb er manchmal zwei oder drei Tage lang in seiner Kammer, ohne Nahrung zu sich zu nehmen. Dann schlich er nach einem billigen Restaurant, nahm sich den Tee, den er selbst bereitet hatte, mit und opferte wider­strebend 50 Pfennig für eine Mahlzeit. Dieser Mann, des­sen jährliches Einkommen gegen 200 000 Mark betrug, hat in den letzten 20 Jahren seines Lebens nicht mehr als 10 Mart die Woche für seine Bedürfnisse ausgegeben.

Mit Cline fann es an Sparsamkeit James Tyson auf­nehmen, der der reichste Mann Australiens war und doch nicht besser lebte, als der geringste seiner Tagelöhner. Er trug stets mit Stolz die silberne Uhr, die er sich als junger Mensch für zwanzig Mark gekauft hatte, nichts anderes, als seine Arbeiter und ging noch schlechter gekleidet als fie. Sein Stolz war, daß er niemals ein Theater betreten, niemals berauschende Getränke zu sich genommen, niemals Seife gebraucht statt des Sandes, dessen er sich nach alter Gewohnheit beim Waschen bediente- und daß er niemals ein weißes Hemd oder Handschuhe getragen habe.

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Drabtnachrichten und Deuestes.

Vom Deutschen Rundflug. Lüneburg, 24. Juni. Zum Fluge auf der Strecke Lüneburg- Hannover stiegen heute früh von 4 Uhr ab Lind­paintner, Thelen, Büchner und Vollmöller auf.

Hannover, 24. Juni. Thelen ist un 7,58 Uhr hie: gelandet. Lindpaintner, der bei Gelle wegen Ventilschaden niedergehen mußte, ist um 10 Uhr wieder ausgestiegen und um 11,15 Uhr glatt auf dem Flugfelde gelandet. Preußische Landtagsabgeordnete auf der oftdeutschen Industrie und Gewerbeausstellung.

Posen, 24. Juni. Der Sonderzug mit den Mit­gliedern des Abgeordnetenhauses traf um 10,25 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof ein. Die Herren begaben sich sofort nach der Ausstellung, wo ein Rundgang angetreten wurde. Das amerikanische Geschwader in l.

Riel, 24. Juni. Zu Ehren des hier weilenden amerikanischen Geschwaders fand gestern bei dem Chef der Marinestation der Ostsee Admiral Schröder große Tafel statt. Für die Unteroffiziere des amerikanischen Geschwa­ders fand im Etablissement Waldwiese ein Gartenfest statt. Die Einladung hierzu war von den Deckoffizieren und Unteroffizieren der deutschen Hochseeflotte ergangen. Stapellauf des ersten österreichischen Dreadnoughts. Triest. 24. Juni. Heute vormittag fand hier der Stapellauf des ersten österreichisch- ungarischen Dread­nougth statt. An der Feier nahm Erzherzog Franz Fer­dinand als Vertreter des Kaisers Franz Josef teil. Die Baltanlage wieder einmal fritisch? Petersburg, 24. Juni. Russische diplomatische Kreise sehen die Balkanlage sehr besorgt an und befürchten, Mon­tenegro könne der Kriegspartei und den hinter ihr stehen­den dunklen Mächten nachgeben. Heute trifft der Spezial­gesandte des Königs von Montenegro hier ein, über deffen eigentliche Mission amtliche Kreise angeben. nicht unter­richtet zu sein.