Ausgabe 
25.2.1911 Erstes Blatt
 
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Deutscher Reichstag.

Der Reichstag bertet am Donnerstag tn awetter Be­ung die Militärvorlage, nach welcher die Friedensprä­enzstärte allmählich derart erhöht werden soll, daß sie 1915 te Bahl von 515 321 Gemeinen, Gefreiten und Obergefret­ten erreicht, die etwa 30 000 Einjährig- Freiwilligen nicht mitgerechnet. Die Kavallerie soll dabet in bisheriger Höhe Bestehen bleiben. Die Vorlage fand auf Sette der bürger­Itchen Partelen einmütige Zustimmung, weil alle die Not­wendigkeit der Heeresverstärkung angesichts der gewaltigen technischen Fortschritte anerkennen. Für das Zentrum Brachte dies der Abg. Speck zum Ausdruck, namentlich hin­Achtlich der Vermehrung der Maschinengewehrabteilungen. Boraussetzung der Bewilligung sei das Vorhandensein der Dedung mtt der aber auch zu rechnen set. Abg. Stüdlen Soz.) lehnte die Vorlage ab, weil er im Militarismus eine ulturfeindliche Einrichtung steht. Wir wollen etne Volks­wehr, so erklärte der Redner, auch wir lieben unser Va­erland, nur ist dies nicht eine Vaterlanösltebe, die sich in Dividenden umrechnen läßt. Jeßt wäre der geeignetste Moment, um die Abrüstungsfrage einmal ernstlich zu er pägen, denn der Friede ist nirgends gefährdet. Sehr war­me nationale Töne fand der Abg. Baffermann, der das un­Dedingte Einverständnis der Nationalliberalen kund gab. Unter Bezugnahme auf das Vorgehen der übrigen Welt­mächte und die weltgeschichtlichen Ereignisse der letzten Jah­ze wies er nach, daß der Weltfriede auf den deutschen Ba­onetten beruht, und daß an diesem kostspieligen, aber siche­ren Schutz nicht gerüttelt werden darf. Auch der Redner der fortschrittlichen Volkspartei, Abg. Wiemer, erklärte sich mit der Vorlage, deren Berechtigung er voll anerkannte, etnverstanden. Für die Söhne unseres Landes müßten wir te besten Kanonen und die besten Gewehre haben. Die Abrüstungsfrage werde in allen Kreisen des Reiches erör­fert. Von dem russischen Erbfeind dürfe man jetzt nicht mehr prechen. Die Vorschläge über Einschränkung der Rüstun gen dürfte man jedenfalls nicht mit einem fühlen Lächeln ablehnen. Namens der Reichspartei befürwortete lebhaft Abg. v. Liebert die Vorlage. Er betonte die vaterländi­schen Gedanken, die in der Institution des Heeres sich ver förpern und beklagte das immer stärkere Zurückbleiben des Volkes in Waffen" hinter der normalen Ziffer von 1% der Bevölkerung. Der Redner polemisierte dann gegen die Sozialdemokratie. Die Sozialdemokraten beschimpfen und beschmutzen berufsmäßig unser Heer.( Rufe bei den Soztal­demokraten: Schwindel! Unwahrheit!- Von rechts wird fui! gerufen. Präsident Graf Schwerin- Löwizz rügte dte Bwischenrufe der Sozialdemokraten.) Sie wollen den Sol­daten das Vaterland verefeln. Das werden wir nicht dulden! Jetzt erst ergriff der Kriegsminister das Wort, der diesmal leichtere Arbeit hatte als je in entsprechender Lage einer seiner Vorgänger. Den Rednern der großen Parteien, denen er den Vortritt gelassen, brauchte er nur wenig zu erwidern. Im wesentlichen konnte er sich auf den Mersum eines Nachatted beschrä# fan, wie seriig bei Nach­prüfung der nationalen Versicherungsprämte" die militä­risch- maritimen Ausgaben im Vergleich zu dem durch sie zu schützenden Volksvermögen sind. Dabei hörte man, daß Frankreich, verglichen mit allen Kultur- und Verwaltungs­ausgaben, doppelt so hohe Aufwendungen für Heer und lotte macht, wie bei uns Reich und Einzelstaaten. Auch die erziehliche Wirkung der Schule des Heeres und die nicht minder günstigen Wirkungen auf Volksgesundheit und wirtschaftliche Tüchtigkeit erfuhren in der schwungvollen Re­de des Herrn von Heeringen eine scharfe Betonung.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Kaiser tonferierte Donnerstag früh im Auswär­tigen Amte mit dem Staatssekretär von Riderlen- Wächter und nahm den Vortrag des Reichskanzlers Dr. v. Beth= mann Hollweg dortselbst entgegen. Im Schlosse hörte der Kaiser darauf die Vorträge des Chefs des Generalstabes der Armee und des Chefs des Militärkabinetts.

Das deutsche Kronprinzenpaar nimmt an der italie­nisajen Nationalfeier teil. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung meldet: Der Kronprinz wird sich nach seiner Rück­fehr einige Zeit in Aegypten aufhalten, um einen schrof­fen Klimawechsel zu vermeiden. An den Aufenthalt in Aegypten wird sich dann voraussichtlich ein Besuch des Kronprinzenpaares beim Kaiser und der Kaiserin auf der Insel Korfu anschließen. Im Laufe des April werden der Kronprinz und die Kronprinzessin einen offiziellen Besuch in Rom abstatten, um dem König und der Köni­gin von Jtalien die Glückwünsche des deutschen Kaiser­paares zur italienischen Nationalfeier darzubringen.

Damit war die friedlichste aller Militärdebatten in gro­Ben Zügen eigentlich erschöpft und durch die verantwortliche Bersönlichkeit glücklich abgeschlossen. Was folgte, war nur eine Nachlese. Abg. Korfanin sprach noch namens der Po­len gegen, Liebermann namens der Wirtschaftlichen Verei­nigung für die Vorlage, und Dr. Heim vertrat jene Zen­trumsminderheit, der die Deckungsfrage nicht gelöst erscheint und die deshalb gegen die Vorlage stimmen will. Noch eine Rede des Sozialdemokraten Noske und als Antwort auf die beiden letzten Redner eine Erklärung des Reichsschatjekre: tärs, daß die Regierung fest entschlossen sei, sich ohne neue Steuern einzurichten. Die üblichen persönlichen Bemerk ungen machten den Schluß. Nach sechsstündiger Debatte ist als bleibender Eindruck festzustellen, daß die bürgerlichen Parteien mit seltener Einmütigkeit hinter der Neufestsehung unserer Heeresstärke stehen. Falls auch die Zentrumsmin­derheit auch noch einschwenken sollte, stehen wohl noch allein die Sozialdemokraten und Polen abseits. In dieser Be­ziehung wird aftenmäßige Klarheit erst Freitag geschaffen werden, da am Donnerstag zwar die Vorlage in formloser Weise mit sehr großer Mehrheit angenommen, die nament­Itche Abstimmung über§ 1 aber ausgesetzt wurde.

Der Familienschmud der Wallutfeffs.

Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. ( Schluß.) Nachdruck verboten.

Er zog das grüne Saffianetui hervor, drückte auf die Feder, der Deckel sprang auf.

Die Nachricht von einer Brafilienreise des Prinzen Adalbert von Preußen, des dritten Sohnes unseres Kai­serpaares, die nach Rio de Janeiro gelangt ist und dort mit großer Freude aufgenommen wurde, entspricht nicht den Tatsachen. An amtlicher Stelle in Berlin ist von einer bevorstehenden Fahrt des Prinzen Adalbert nach Südamerika absolut nichts bekannt. Der Prinz weile ge­genwärtig in Kiel, wo er zur Marineatademie komman­diert ist, und es sei nichts über eine Absicht bekannt, daß der Prinz seine dortigen Studien auf längere Zeit unter­breche.

In märchenhaftem Glanze erstrahlte der Familien­Schmuck; es fehlte kein einziges Stüd. Vor Erregung und Freude weinend, warf sich Maria in die Arme des Gatten.

., Das Unglück ist gebannt", saget sie, fortan wird unserm Hause Heil widerfahren."

Wie sollen wir Ihnen danken, Herr Clairon!" rief Wallutjeff bewegt. Ihnen allein gebührt Ruhm und Ehre. Erlauben Sie, daß ich Eie umarme."

Mit dem Verkauf des Tempelhofer Feldes beschäftigte sich am Donnerstag die Budgetkommission des Reichstags. Sie bestätigte dem Kriegsministerium, daß es beim Ver­fauf im Rahmen seiner Befugnisse gehandelt habe.

Wallutjeff schloß den jungen Schweizer in die Arme, und Maria schüttelte seine Hand; sie konnte sich nicht satt sehen an dem wiedererlangten Schatz.

Die Handwerker- und Industriekonferenz, die am Don­netstag als Einleitung zu der Direktoriumssigung des Hansabundes in den Geschäftsräumen des Bundes in Ber­lin abgehalten wurde, beschäftigte sich vor allem mit der Abgrenzung von Fabrik und Handwerk, mit der Heran­ziehung der Industrie zu den Kosten der Lehrlingsaus­bildung durch die Handwerker und mit der anderweitigen Zusammensetzung der Parlamente zugunsten von Indu­strie und Handwerk. In der folgenden Direktoriums­sizung sprach Assessor Kleefeld u. a. über die Organisa­tionen und die laufenden volkswirtschaftlichen Arbeiten des Hansabundes, wobei festgestellt wurde, daß der Hansa­bund im Jahre 1910 rund 47 000 neue Mitglieder ge wonnen hat.

., Erlauben Sie, daß ich Ihr Honorar verdopple," sagte Wallutjeff, aber Clairon lehnte es entschieden ab. Ich habe eine Gunst zu erbitten, Herr Graf und Frau Gräfin," sagte Henri." Ich habe mich drüben mit Miz Lionel verlobt. Meine Braut und Ihre Mutter haben mich begleitet; ich bitte um die Ehre, ste den Herr= schaften vorstellen zu dürfen."

,, Gern, und ich lade Sie auf heute abend zu uns ein, auch Herrn Häuserling möchte ich dazu auffordern." Die Einladung wurde angenommen.

Der nun folgende Abend wird allen Beteiligten un­vergessen bleiben.

Zugunsten der Altpensionäre haben im preußischen Abgeordnetenhause die Nationalliberalen einen Antrag eingebracht: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, die Königl. Staatsregierung zu ersuchen, noch im Laufe dieser Session einen Gesezentwurf vorzulegen, welcher eine prozentuale Erhöhung der Pensionen der vor dem 1. April 1908 in den Ruhestand getretenen Staatsbeamten, Lehrer und Lehrerinnen sowie der Reliktenbezüge der Witwen und Waisen von solchen Staatsbeamten und Leh­rern vorsteht.

Die Luft war warm. und der Duft der Blumen er­füllte alles. Die Schneehäupter der Alpen glühten in feenhafter Pracht, der Vierwaldstätter See, von hin- und herfchrenden Dampfern und Ruderbooten belebt, schim­merte in tiefer Bläue. Auf dem geräumigen Balkon, der an die Wohnräume des gräflichen Paares stieß, saß die fleine Gesellschaft bei einem auserlesenen Mahl mit edlen Weinen. Die beiden Amerikaner gefielen durch ihr feines, freimütiges Betragen. Rede und Gegenrede flogen hin und her. Clairon erzählte alles, was er erlebt hatte. Er schilderte alles, was er unternommen hatte, um ein befrie­digendes Ergebnis herbeizuführen.

Frankreich hat seinen Kriegsminister durch den Tod verloren. Er ist Donnerstag nachmittag einem Herz­schlage erlegen. Kriegsminister Brun litt seit etwa 14 Tagen an einer leichten Grippe und einer unbedeutenden Aderentzündung und hütete infolgedessen das Zimmer. Donnerstag vormittag empfing er seinen Kabinettschef und unterzeichnete dringende Sachen. Als er dann, auf das Frühstück wartend, im Zimmer auf und ab ging, brach er plötzlich tot zusammen. General Bruns Tod hat in Paris große Bestürzung hervorgerufen. Die Kammer­sizung wurde nach Bekanntwerden der Trauernachricht so­fort abgebrochen.

,, Mrs. Lionel willigt ein, daß wir schon hier heira­

Inseln vorgesehen werden. Die Befestigung des Panama. fanals ist in diesem Gesezentwurf nicht einbegriffen.

Gegen die Zulassung der unbeschränkten japanischen Einmanderung in Amerika, wie ste der neue amerikanische Handelsvertrag mit Japan vorsieht, macht sich bereits eine sehr berechtigte Opposition in den Pazifikstaaten geltend. Der Senat von Kalifornien nahm einstimmig eine Re­solution an, in der der Senat ersucht wird, den Vertrag mit Japan abzulehnen. In den übrigen Pazifikstaaten dürfte dieselbe Stimmung herrschen. Damit ist der Kon­flikt vom Jahre 1907 erneuert, als die Pazifikstaaten ge gen die weitere Zulassung der Japaner schärfsten Wider­spruch erhoben.

Der Kampf gegen das englische Oberhaus beginnt. Der englische Premierminister hat am Mittwoch im Unter­hause die sogenannte Vetobill eingebracht, die den Lords das Recht nehmen will, ein vom Unterhaus angenomme­nes Budget abzulehnen. Anscheinend ohne lange Debatte ist die Bill sofort mit 351 gegen 227 Stimmen angenom­men worden.

Wie Amerika abrüstet". Jm Repräsentantenhaus ist ein Gesetzentwurf angenommen worden, in dem 5,300,000 Dollar für die Verteidigung der Küsten und

ten und zwar in zwei Wochen," schloß Henri, sie erlaubt sich, Sie, Herr Graf und Frau Gemahlin zu der Feier ein­zuladen."

Wir nehmen mit tausend Freuden an!" riefen Je­gor und Maria.

Kleine nachrichten.

Der deutsche Kronprinz ist am Donnerstag von Kal. kutta nach Bombay abgereist. Vor der Abreise überreichte er dem Vizekönig ein Bild des Kaisers, den Mitgliedern des Stabes des Vizekönigs Andenken und dem ersten Be­amten des Vizeköniglichen Haushalts Medaillen.

Werden Sie in Ihrer Heimai bleiben?" fragte Wal­lutjeff den Geheimpolizisten.

Eine halbe Million Gage. Der russische Sänger Chal­japin wird in der nächsten Saison in fünf Monaten vierzig­mal in Europa singen und erhält dafür von einem Kon­sortium eine halbe Million, die höchste Gage, die je ein Sänger erreichte.

Nein, wir fehren nach Neuyork zurück," entgegnete Clairon. Ich habe Amerika lieb gewonnen und bin Be­amter der dortigen Versicherungsgesellschaft Equitable ge= worden. Ein großes Arbeitsfeld wartet meiner; in Ame­rika wird der Mann der Arbeit geschätzt.

Die Berhaftung von 21 Mädchenhändlern wird aus Kattowi meldet. In Petrikau wurde der berüchtigte, langgesud Mädchenhändler Drechsler verhaftet. Gleich­zeitig wurden gegen 20 seiner Agenten festgenommen. Drechsler verkaufte seit Jahren aus Russisch- Polen und Galizien Mädchen ins Ausland.

,, So werden Sie die Detektivtätigkeit in Zukunft auf= geben?" fragte der Graf weiter.

,, Nicht ganz," sagte Clairon, verschmitzt lächelnd ,,, ich werde nur noch die liebenswürdigen Seiten meiner lie­ben Frau ausspüren."

Der orfanartige Sturm mit Regenböen hält noch in unverminderter Stärke auf der Nordsee und in der Elb­mündung an. Fortwährend laeifen noch Meldungen über Schiffsunfälle ein. Bei Flensburg fenterte Donnerstag infolge des Sturmes ein mit zwei Matrosen besetztes Boot des Kriegsschiffs Württemberg". Der Matrose Reinhold Müller ertrant.

Mit diesen Worten zog er die errötende Mabel an sich und füßte sie herzlich.

Bom Sturm in den Fluß geschleudert. Der achtjährige Sohn eines Feuerwehrmanns in Berlin spielte mit einigen Altersgenossen an einer Ladestelle des Spreeufers. Während des Spiels faßte ihn plötzlich ein Windstoß so heftig, daß er das Gleichgewicht verlor und ins Wasser fiel, wo er ertrant. Ein geradezu unglaubliches Stückchen leisteten sich meh rere Diebe in Steglitz bei Berlin. An einer Straßenede machten sie sich in vorgerückter Abendstunde daran, die Straßenlaterne auszubuddeln". Ohne bei der Arbeit ge stört zu werden, konnten sie die dreisten Burschen vollenden. Sie schleppten dann die Laterne ungehindert fort.

Die zwei Wochen bis zur Hochzeit des jungen Paares benutzten die guten Freunde, um Ausflüge in das Berner Oberland zu machen. Viele heitere und genußreiche Stun­den verlebten sie zusammen. Gräfin Maria erblühte in neuer Frische und Lieblichkeit; sie und Mabel befreun= deten sich warm, und auch Wallutjeff und Clairon um= schloß dasselbe Band der Freundschaft.

" Ich habe Ihnen noch die Waffe abzugeben, mit der Meyer den Mord vollbrachte," sagte er eines Tages. Ich fand sie bei der Haussuchung, die nach der Verhaftung des Mörders vorgenommen wurde, in der Kommode versteckt."

Eine fürchterliche Explosion entstand am Donnerstag in Königshütte( Oberschlesien) beim Transport eines meh rere Zentner schweren sogenannten Schlackenkuchens. Der Kuchen stürzte um und richtete infolge der Explosion große Berheerungen in dem betreffenden Stadtgebiete an. Un zählige Fensterscheiben wurden zerfrümmert. Bis flint Pfund schwere Schlackenstücke wurden umhergeschleudert. Biele Personen waren gefährdet, doch wurde niemand ernst. Itch verletzt

,, Mein treuer Diener ist durch diesen Stahl ums Le­ben gekommen," sagte Wallutjeff ernst ,,, ich möchte nicht, daß meine Frau die Waffe sähe.

In weitem Bogen schleuderte der Graf das Messer in den See, in dessen Nähe beide Männer standen.

Ein altes französisches Kriegsschiff, das sich auf der Fahrt nach Holland während des letzten Sturmes von set­nem Schleppdampfer losgeriffen hatte, ist am Donnerstag auf den Felsen der Scilly- Inseln entdeckt worden. Das Schiff ist von dem Felsen losgekommen und treibt jetzt hilflos im Meer.

Am Hochzeitstage waren Wallutjeff und Häuserling Trauzeugen. Mabel sah bildschön aus im bräutlichen Schmuck, und Clairons stattliche Erscheinung paßte zu ihr; auf beider Antlitz strahlte das reinste Glück.

,, Madame Henri Clairon," sagte Wallutjeff nach der Trauung, als man sich eben zum Festmahl setzen wollte, ,, gestatten Sie meiner Frau und mir, Ihnen unser be= scheidenes Hochzeitsgeschenk zu überreichen."

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Der Nachlaß einer Bettlerin. Ein in Prag als Bett­lerin lebendes 69jähriges Fräulein hinterließ Wertpa ptere und Schmuckgegenstände im Werte von 230 000 nen. Für wohltätige Zwecke stiftete sie 150 000 Kronen. Den Rest erbte ein Neffe.

Aus den Gerichtssälen.

Die Haftung der Eisenbahn beim Transport lebendes Tiere. Ein reichsgerichtliches Urteil, das am 14. Dezem ber vorigen Jahres erging, beschäftigte sich mit der Haftung der Eisenbahn beim Transport lebender Tiere und dürfte insofern für die weite Deffentlichkeit besonderes Inte resse haben, als entschieden wurde, daß die Eisenbahn nicht für den Schaden haftbar gemacht werden kann, der für die Tiere aus der mit der Beförderung verknüpften besonderen Gefahr entstanden ist. Die mit der Beförderung verbunde­ne Gefahr wird so lange als Ursache des Schadens ange­nommen, bis ein grobfahrlässiges oder gar vorsätzliches Handeln der Bahnbeamten bewiesen werden kann. Anlaß zu diesem Urteil gab die Beförderung zweier Schweißhunde mittels Eilfrachtbriefes in einem Käfig mit der Aufschrift: Lebende Tiere". Da diese während der Be förderung verendeten, so wurde auf Schadenersatz geklagt, wobei geltend gemacht wurde, daß tierärztlicherseits eine Gehirnerschütterung und Gehirnlähmung infolge heftiger Erschütterung festgestellt worden sei, was nur durch grobe Fahrlässigkeit des Bahnpersonals hervorgerufen sein könnte.

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Der Graf reiche ihr ein Schmucketui. Es enthielt drei Diamantsterne. Häuserling hatte sie genau nach denen angefertigt, die zum Familienschmuck gehörten.

,, Und Sie, mein Freund," wandte Jegor sich an Henri, " tragen Sie, bitte, diesen Ring und diese Nadel als Ans denken an uns. Der Onkel hat sie auf meinen Wunsch gearbeitet."

Zwei prächtig funkelnde Diamanten von der Größe der Ohrgehänge lagen in kunstvoller Fassung als Brust­nadel und Ring in dem zweiten kleinen Etui, das Walluts jeff Clairon einhändigte. Der Dank und die Ueberraschung der Beschenkten war groß.

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Drei Jahre später finden wir das gräfliche Paar in seinem kleinen Palais am Newatai in der russischen Haupt­stadt Wallutjeff bekleidet einen hohen Posten am kaiser­lichen Hof, seine Frau gehörte zu den bevorzugten Damen der jungen Zarin, die eine entschiedene Vorliebe für die anmutige Maria Nikolajewna an den Tag legt. Gräfin ist jetzt wieder Mutter von zwei prächtigen Söhnen. Den Familienschmuck zu tragen, kann Maria sich aber nicht entschließen. Es knüpfen sich allzu traurige Erinnes rungen daran. Er liegt wohlverwahrt in dem feuerfesten Gewölbe einer Bank. ,, Wenn unser ältester Sohn heiraten wird, mag seine junge Gattin das Halsband, die Sterne und die Ohrs gehänge tragen," sagte Maria zu Jegor, hoffentlich wird das verhängnisvolle Geschmeide nie mehr gestohlen." Ich habe eben einen Brief aus Amerika erhalten," sagte Wallutjeff eines Tages im April ins Zimmer tretend. Clairons reisen im Sommer nach Lon don; sic fragen an, ob sie uns in Walkowa auf einige Wochen besuchen dürfen." Welche große, unerwartete Freude!" rief Maria ju belnd ,,, ich will gleich an Mabel schreiben und ihr sagen,' wie sehr wir uns auf ihren Besuch freuen."

,, Sie sollen das russische Landleben kennen lernen," fügte Jegor hinzu." Wohl keine Gäste sind unter dem Dach unseres Stammsizes so hochwillkommen gewesen, wie Henri Clairon, der ehemalige Geheimpolizist, und seine schöne Gemahlin."

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