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Gießener Zeitung

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Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­

der Großherzoglichen

ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr.- Erscheint Bürgermeisterei

Mittage 3 Uhr.

-

Redaktion: Seltersweg 83.

Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter

Manuskripte wird nicht garantiert.:.

Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 171.

Telephon: Nr. 362.

Selbstvertrauen u. Gemeinfcbattsgefübl.

Bei der Eröffnung der Krefelder Handwerks-, In­dustrie- und Kunst- Ausstellung hat der Oberpräsident der Rheinprovinz, Frhr. v. Rheinbaben, eine treffliche Rede über die Aufgaben und Ziele des Handwerks gehalten. Er hat darin u. a. ausgeführt: Der Gedanke: Alle für einen und einer für alle, der das landwirtschaftliche Ge­nossenschaftswesen so in die Höhe gebracht hat, muß auch jeden Handwerker tief durchdringen."

Was hier der Vertreter der preußischen Regierung insbesondere dem Handwerk ans Herz legt, Selbstver trauen und Gemeinschaftsgefühl als Hauptbedingungen des Fortschritts zu betätigen, gilt im allgemeinen für alle Stände und Klassen. Selbstvertrauen und Selbst hilfe muß aber das erste sein. Sie bildet die Grund= lage jeder Arbeit, der Wirksamkeit im Hause und in der Familie, im Beruf und im öffentlichen, politischen wie wirtschaftlichen Leben, in der Gemeinde und im Staate. Wenn das alte Wort, die tapfere Losung des Selbst­bewußtseins: Jeder ist seines Glückes Schmied, sich noch immer bewähren soll, so kann das nur in dem Sinne geschehen, daß jeder zunächst und allermeist der eigenen Kraft und Tüchtigkeit vertraut und auf eigenen Füßen steht, daß er zu allererst durch sich und seine Leistungen vorwärts zu kommen strebt. Die Hauptsache ist und wird immer sein, daß den Kampf ums Dasein jeder selbst führen muß, daß sich jeder, an welcher Stelle er sich auch befinden mag, des Leitgedankens bewußt blei­ben soll, was er ist und wird, verdanke er sich selber. Ueberall bestätigt die Erfahrung immer aufs neue die Tatsache, daß die größten einschneidenden Taten Erfolge aus dem Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen, der Anregung und dem Willen einzelner hervorgegan­gen sind.

und

des Großherzoglichen Polizei Amfes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Montag, den 24. Juli 1911.

Aus Stadt und Cand.

Gießen, den 24. Juli.

* Uebertragen wurde dem Schulamtsaspi= ranten Wilhelm Grieb aus Ober- Hörgern, Kr. Gie­Ben, eine Lehrerſtelle an der Gemeindeschule zu Köd= dingen, Kr. Schotten.

Flugtag. Dem Sportverein von 1900 fann man mit seiner gestrigen flugsportlichen Veranstaltung einen vollen Erfolg buchen. Tausende von Menschen hielten trotz der sengenden Hitze das Flugfeld besetzt. Der erste Flug sollte zwischen 5 und 6 Uhr stattfinden, des lebhaften Windes wegen wurde aber der Start auf Uhr verschoben. Kurz nach 6% Uhr erhob sich der zierliche Eindecker leicht und elegant in die Lüfte. Nach 5 Minuten kehrte der Pilot zurück und landete sicher an der Aufstiegstelle. Lebhafter Beifall wurde dem gewand­ten Flieger zu teil. Es wurden noch zwei Flüge solviert, die beide ebenfalls vortrefflich gelangen.

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Dem Sportverein aber gebührt aufrichtiger Dant, daß er diese Veranstaltung zustande gebracht hat, und man kann nur wünschen, daß trotz der vielen Zaun­gäste" auch in finanzieller Hinsicht ihm ein voller folg beschieden ist.

*

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Die dritte diesjährige Tagung des Sch wur­Zum Vorsitzenden des Schwurgerichtes für Oberhessen gerichtes beginnt am Montag, den 25. September. Zum Vorsitzenden des Schwurgerichtes für Oberhessen wurde Landgerichtsrat Brül in Gießen, für Starken= hessen Landgerichtsrat Stiegel ernannt. burg Landgerichtsrat Nagel in Darmstadt, für Rhein

Das Infanterie- Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116 beabsichtigt am 4., 5., 8., 9., 11. Uhr nachmittags im Gelände hart westlich Gr. R ech­und 12. August d. J. von 9 Uhr vormittags bis 4 tenbach mit der allgemeinen Schußrichtung gegen die Hohe Birken" ein gefechtsmäßiges Schießen mit scharfer Munition abzuhalten. Das gefährdete Ge­

*

an

Volpertshausen und Wetzlar- Reiskirchen werden den genannten Tagen von 8 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags innerhalb des Schußbereiches abgesperrt. Die große Dürre als Folge der tropischen Hitze macht sich von Tag zu Tag stärker bemerkbar. Das Sommerkorn bekommt die Notreife, das Gemüse geht zu Grunde, und auch die Kartoffeln leiden schweren Schaden. Jmmer schaut man zum Firmament empor, aber Tag für Tag strahlt die Sonne mit unverminder­ter Gewalt vom stahlblauen Himmel. Durch die Stra= ßen und über die Felder geht ein Glutwind, als ob er aus einem Backofen käme. Alle Wetterzeichen, die sonst mit Sicherheit auf Regen deuten, schlagen in diesem Jahre fehl. Es hilft nichts, daß der Rauch niederschlägt und daß die Schwalben am Boden fliegen, selbst das Feuchtwerden des Salzes, ein Zeichen auf das die Haus­frauen so viel geben, hat in diesem Jahre keine Bedeu­tung. Während die Landleute sorgenvolle Gesichter ma­chen, freuen sich die Sommerfrilchler. Am Meer und im Gebirge muß es jetzt herrlich sein. So geht's im Leben Wat den eenen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall".

Aber Selbstvertrauen, Selbsthilfe allein reicht nicht immer aus, um sich zu behaupten, um den harten Da­seinskampf zu bestehen. Der Mensch ist von Haus auslände, insbesondere die Straßen Wetzlar- Weidenhausen ein soziales, genossenschaftliches Wesen und auch über die Zeit seiner Unselbständigkeit und Erziehung hinaus auf die Zusammenarbeit mit anderen, auf die Gemein­schaften angewiesen, in der er von Geburt an hineinge­stellt wird, und in denen er zu wirken berufen ist. Selbst­hilfe ist zwar eine wesentliche aber nur die eine Vor­aussetzung ergibt sich aus dem Gemeinschaftsgefühl, aus dem Gemeinschaftswillen. Zur Selbsthilfe muß sich die Genossenschaftshilfe gesellen, wenn berechtigte Forderun gen durchgesetzt werden sollen, zumal heute fast auf allen Gebieten Schwierigkeiten und Hindernisse die Kraft und Macht des einzelnen übersteigen und nur durch das Zusammenwirken vieler überwunden werden können. Der Gedanke, die einzelnen zu einem Ganzen, zu einer Genossenschaft oder zu einer Gewerkschaft zusam­menzuschließen, die Zusammengehörigen zu großen fe­ſten Verbänden und Körperschaften zusammenzufassen und so einen starken Gemeinschaftswillen herzustellen, beherrscht allenthalben das Leben der Gegenwart. Jeg­licher Stand und Beruf ist heute zur Erfüllung politi­scher, wirtschaftlicher, firchlicher, gesellschaftlicher Aufga­ben organisiert. Unser Zeitalter kennzeichnet die genossen­schaftliche Arbeit, der der Gedanke zugrunde liegt, daß Einigung und Einheit stark machen. Selbstvertrauen und Gemeinschaftsgefühl gehören zusammen, müssen sich er­gänzen.

Reichstagswahlvorbereitungen.

Wie aus dem Bezirk ch st- König berich tet wird, hat sich Bürgermeister Meisinger in Kirch- Brombach bis jetzt zur Annahme des Mandats nicht entschließen können.- Die Zeitungsmeldung, daß von nationalliberaler Seite als Reichstags- Kandidat für Bensheim- Erbach nunmehr auch Schloßhaupt­mann Baur- Lindenfels vorgeschlagen werden soll, be­ruht It. Erb. Kreisbl." auf einem Irrtum. Als offiziel­ler nationalliberaler Kandidat wurde seinerzeit in der Darmstädter Vertrauensmänner- Versammlung des Wahl­freises Herr Friedrich Scio r- Erbach mit erdrückender Mehrheit aufgestellt. Da dieser nicht daran denkt zurück zutreten, so kann von einer anderen nationalliberalen Kandidatur keine Rede sein.

-d- Bad Nauheim, 24. Juli. Die Erweite rungsbauten unseres Bahnhofes nehmen einen raschen Fortgang. Während der ganze Bahnhof bis zum Herbst 1912 fertig sein wird, wird die Güterhalle mit Abfertigungsgebäuden schon im nächsten Monat vollendet sein.

Offenbach, 24. Juli. Die bekannten Vor­gänge in den letzten Stadtverordneten- Sizungen haben zwei weitere Mitglieder der Stadtverordneten laßt, ihr Mandat niederzulegen: Die Herren L. Feyh

und Christ. Schmidt.

veran­

Darmstadt, 20. Juli. Einen schönen und dankenswerten Wohltätigkeitsaft hat gestern nachmittag der Hessische Automobilklub" zur Ausfüh­rung gebracht. Er hatte durch Vermittelung der Bür­germeisterei resp. der städtischen Schulen sämtliche Kin­der, deren körperliches Gebrechen ihnen eine Bewegung in der freien Natur nur selten und unter großen Schwie­rigkeiten gestattet, zu einer Automobil- Spazierfahrt ein­

Bei den Kompromißverhandlungen geladen. Zur festgesetzten Stunde fanden sich etwa 60 zwischen den oberschlesischen Polen und dem 3 en trum bietet nach der Breslauer Zeitung die Zentrums­partei jetzt den Polen Wahlhilfe in vier Wahlkreisen Westpreußens an: in Graudenz und Thorn gegen die Nationalliberalen und in Marienwerder und Löbau gegen ihre konservativen Freunde.

solcher Kinder armer Eltern, meist von diesen getragen, gefahren oder geleitet, am Klublokal( Hotel Britannia) ein, und unter dem Jubel der zahlreich versammelten Zuschauer wurden die Kleinen in 16, von den Klub­mitgliedern zur Verfügung gestellten und mit Fähnchen geschmückten Automobilen, die meist von ihren Besizern

( Gießener Tageblatt)

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die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfs.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Plagsvorschriften ohne Verbindlichkeit. Berlag der ,, Gießener Zeitung" 6. m. b.$.

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23. Jahrg.

| persönlich geführt wurden, nach einer Rundfahrt durch die Stadt und die waldige Umgebung über Messei nach) der Sommerfrische Einsiedel geleitet, wo sie auf Kosten des Klubs mit Kaffee und Kuchen, Milch usw. bewir tet und obendrein noch mit schönen Büchern beschenkt wurden. Es war für jeden Zuschauer eine Freude, die dankbaren, glückseligen Gesichter der kleinen Automobil­herrlichen Waldlandschaft gut schmecken ließen und in fahrer zu beobachten, wie sie sich's im Anblick der ihrer Freude fröhliche Lieder sangen. Gegen 6 Uhr zurück und wurden von ihren Angehörigen in Empfang abends waren die Kinder wieder am Ausgangspunkt

genommen.

-m- Darmstadt, 24. Juli. Am Sonntag mittag jetzt unaufgeklärter Ursache ein Waldbrand, der zirka 15 entstand im Walde bei Jagdschloß Wolfsgarten aus bis Morgen Tannen- und Buchenbestand einäscherte. 500 Mann Militär aus Darmstadt, sowie die freiwilligen Feuerwehren der benachbarten Orte dämmten das Feuer erschien persönlich auf dem Brandplatz und beteiligte sich bald ein, sodaß keine Gefahr besteht. Der Großherzog lebhaft an der Bekämpfung des Feuers.

*) Main 3, 24. Juli. Die Bürgermeisterei zu Mainz wandte sich mit einem Rundschreiben an die rheinhessischen Städte und an die Stadt einverstanden seien. Die rheinhessischen Städte haben Wiesbaden und fragte darin an, ob sie mit der Ein­führung der vollständigen Sonntagsruhe sich ablehnend geäußert, dagegen hat sich Wiesbaden dazu bereit erklärt.

für Jugendpflege hat sich hier unter dem Vor­Biedenkopf, 24. Juii. Ein Kreisausschuß sitz des Landrats Dr. Daniels gebildet. Von den Mt. 15 000, die der Regierung zu Wiesbaden zur Unter­stützung der Jugendfürsorge überwiesen sind, hat der Kreis Biedenkopf 600 Mark erhalten.

beschlossen die Aufnahme einer Anleihe von 70 000 M. == Weilburg, 24. Juli. Die Stadtverordneten zwecks Ankaufs des Bauplatzes für die neue Unterof­fizierschule. Der Magistrat hat namens der Stadt an die Intendantur des 18. Armeekorps, sowie an das Militär- Bauamt Gesuche gerichtet, bei der Erbauung der Unteroffizier- Vorschule auch die heimischen Handwerker und Gewerbetreibenden bei Vergebung der Arbeiten zu berücksichtigen.

* Dillenburg, 24. Juli. Die Rettungsme­daille am Bande wurde dem Fräulein Bubenzer in Freudenberg verliehen, die im Februar dieses Jahres auf dem Asdorfer Weiher den Lehrer Uffelmann mit eigener Lebensgefahr vor dem Ertrinken rettete.

Limburg, 24. Juli. Eine Anzahl Blätter hatten jüngst die Nachricht verbreitet, daß der katholische Pfarrer Schneider von Arnstein im Lahntal ohne Vor­wissen des Kirchenvorstandes und des Fiskus, welch letzterer Kirchenpatron von Kloster Arnstein ist, Alter= tümer aus dem alten Kloster Arnstein von hohem ar­chäologischen Werte heimlich an einen Wiesbadener Kunsthändler verkauft habe, um Geld für den Kirchen= bau von Saulbach zu gewinnen. Der angegriffene Pfar­rer erklärt nunmehr in der Oeffentlichkeit, daß die ganze Geschichte von Anfang bis zu Ende verleumderische Er­findung sei, und daß ihm, da jene Blätter ihm sogar die Aufnahme einer Berichtigung verweigert hätten, nichts anderes übrig bleibe, als gegen alle jene Zeitun­gen die Verleumdungsflage anzustrengen.

*) Nassau a. d. L., 24. Juli. Die Mauern der Ruine des im 12. Jahrhundert erbauten Ahnenschlosses des Frhrn. von Stein in Nassau a. d. L. sind nachts eingestürzt. Weitere Einstürze drohen noch. Das in der Nähe stehende Denkmal des Frhrn. v. Stein ist nicht gefährdet. Der Platz ist abgesperrt.

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Auszeichnung. Dem Seniorchef der Firma Henkel& Co., Fabrikantin des selbsttätigen Waschmit tels Persil" und von Henkels Bleichsoda, Herrn Frizz Henkel senior, ist der Charakter als Kommer­zienrat verliehen worden.

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Literarisches.

Die gehaalte G'schwister. Volksstück in

3 Aften von Greta Bidelhaupt. Mit einem Gruppen­bild. Verlag H. L. Schlapp- Darmstadt. Preis 1 Mt. Die Verfasserin hat das Leben und Treiben der Oden­wälder, ihre Freuden und Leiden selbst miterlebt und darum leben auch ihre Gestalten und zaubern uns ein Stück echten Erbacher Volkslebens auf die Bühne.