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Meine Dampfmaschine.
Meine Dampfmaschine.
Damals war ich noch so jung an Jahren und noch jünger an den Erfahrungen des Alltags, die den andern um mich geläufig waren.
Ich war Lehrling und stand im ersten Jahre. Schraubenschneiden auf der Maschine, Gerüsthaken abfeilen am Schraubstock und Meißel schleifen auf dem Schleifstein waren neben andern Dingen, die noch weniger zum Handwerk eines Mechanikers gehörten, so ziemlich alles, was man mir anvertraute. Darum freute ich mich ungemein, als mir der Meister eines Tages eröffnete, daß ich von nun an für einige Monate die Dampf maschine bekäme
Das klingt schon besser; und es flang auch mir gut in die Ohren. Aber so einfach ist das nicht; darunter verstand man när lich frühmorgens um vier Uhr aufstehen und den Kessel heizen, den ganzen Tag Refsel und Maschine überwachen und außerdem noch andere Dinge, die weniger mit der Maschine zusammenhingen, z. B. den Gesellen das Bier und Frühstück holen usw.
Aber das war mir alles einerlei, denn um meiner Dampfmaschine willen nahm ich alles gern auf mich. Profane Menschen sehen in so etwas nur eine Arbeit, ich aber nicht, da muß man sich hineinzudenken versuchen.
Vorher ein Lehrjunge im ersten Stadium, dem man meist nur Arbeit gab, um ihn überhaupt zu beschäftigen, den niemand weiter achtet, mit dem man nicht sprach und den man sehr merkwürdig ansah, wenn er einmal irgend etwas sagte, denn nach der Meinung der Älteren hat man in diesem Stadium nichts zu sagen, absolut nichts.
Aber jetzt:„ Seizer" nannten sie mich, und da kam der Dreher von der großen Bank, wo die großen Schwungräder fertig gemacht wurden.„ Seizer, heute mußt gehörig einbrennen, ich will polieren." Oder es tam der Schleifer: Heizer, Druck, Druck auf den Ressel, ich will noch den Schleifstein abdrehen." Oder der Schreiner:" Ich brauch die Bandsäge nachher, paß auf, daß nicht wieder die Karre stehen bleibt."
Der Schreiner war ein roher Mensch. So nannte er nämlich meine Dampfmaschine. Sie war nicht übermäßig stark. Man sagte, fünf Pferde hätte sie, und wenn irgendeiner an einer großen Arbeitsmaschine etwas kräftig anhielt, so ging sie langsamer. Oder wenn in dem ziemlich kleinen Kessel der Druck nachließ, blieb sie auch wohl einmal ganz stehen. Das passierte mir aber nicht.
Ich wurde rot vor Scham, wenn ich nur sah, daß sie nicht
mittam.
Das geschah besonders dann, wenn an der großen Stanze die schweren Refselbleche gestanzt wurden.
Und die Kesselschmiede waren auch rohe Menschen, sie freuten sich, wenn das vorkam, und wenn ich dann in Angst und Sorge bald am Schwungrad, bald am Ventil drehte und dabei den Schweiß auf der Stirn hatte, so lachten sie mich aus. Das waren sehr rohe Menschen, ich verachtete sie.
Auch den kleinen Pfeifer, der half an der großen Stanze mit; er mußte jedesmal den Hebel drücken, so daß die Kupplung einsetzte. Und wenn dann meine Maschine mit einem. Ruck langsamer ging, so rief er jedesmal:
„ Jub! Jub!"
Darum konnte ich ihn nicht leiden, er war auch sonst nicht der beste, und ich glaube, man nannte ihn ziemlich offen einen Lausbuben.
An einem Tag im Februar, da mußten wieder schwere Bleche aestanzt werden. Es war höllisch kalt, aber schon um 1.4 Uhr war ich im Resselhaus ganz allein und machte ein Riesenfeuer und fuhr doppelt so viel Kohlen an als gewöhnlich, schmierte meine Maschine extra gut, sah die Riemen nach, die Lager an Maschine und Transmission, denn ich wollte nicht dem kleinen Pfeifer Gelegenheit geben, Jub", zu schreien.
Schon um 6 Uhr tamen die Kesselschmiede, und wo sie mich sahen, riefen sie mir zu Einer ging an die Dampfmaschine und streichelte sie höhnisch, wie man ein altes Pferd streichelt, und meinte:
„ Na, na, ob? ob?"
Ich hörte es wohl und dachte:„ Ihr werdet heute euer Wunder erleben." Heimlich hatte ich nämlich die Sicherheitsventile beschwert, um den Druck im Kessel zu steigern. Und das wirkte. Die Maschine lief nicht schneller, dafür sorgte der Regulator, aber sie zog durch wie ein Pferd, dem man die doppelte Portion Safer zugeschoben hat.
Sie zog durch, und die Kesselschmiede merkten bald, daß zu höhnischen Bemerkungen kein Anlaß war und auch keine Zeit blieb, denn die Stanze drückte die fingerdicken Stahlplatten durch, als wenn es Käsescheiben gewesen wären.
Der kleine Pfeifer schrie aber trotzdem von Zeit zu Zeit " Jub! Jub!" wenn er den Hebel herunterdrückte, aber es klang schlecht, und er mußte außerdem bei dem schnellen Arbeiten seiner Maschine seine sieben Sinne beisammen haben, denn er hatte mit der einen Hand ein mächtiges Zahnrad zu bremsen, und da muße man aufpassen.
Ich freute mich wie ein König, der gesiegt hat, und heimlich streichelte ich meine Dampfmaschine, niemand sah es, aber die Dampfmaschine fühlte es ganz gut, und sie ging immer so weiter korrekt und unbeirrt, wie sie sonst nie gegangen war.
Ich hielt mich sehr viel bei der Maschine auf, ich war stolz auf sie, wie nie zuvor; jetzt konnte der kleine Pfeifer„ jub" schreien, soviel er wollte, das ärgerte mich jetzt nicht mehr.
So stand ich wieder einmal, es war gegen elf am Vormittag, und drehte am Ventil; obwohl das gar nicht nötig war. Ich freute mich und mußte mich irgendwie betätigen. Da auf einmal tönte ein schauerlicher Schrei durch die Werkstätte. Einige Männer riefen, abstellen!" Hastig drehte ich das Ventil zu, sofort ging die Maschine langsamer, und schließlich stoppte sie. Alles stand und staunte, und jetzt war es ganz still, entsetzlich still.
Noch wußte ich nicht was geschehen, auch die andern wußten es nicht, nur die Kesselschmiede an der Stanze wußten es, und die standen da, kreideblaß, und keiner sprach, keiner rührte sich, alle sahen auf den kleinen Pfeifer, der war ebenso blaß, und er trat wankend von der großen Stanze weg und kam auf mich zu, ganz langsam, und wie war das meriwürdig: mich faßte eine Höllenangst, und noch immer wußte ich nicht, was geschehen war. Da mit einem Male sah ich es: es war ihm der Unterarm bis hinter das Handgelenk abgequetscht.
Das sah gar nicht so entsetzlich aus, es blutete nicht, man sah kein Fleisch, die Jacke war gar nicht zerrissen und ganz glatt und sauber abgeschnitten, und gerade darum war es vielleicht so gräßlich. Und er kam zu mir, und er sagte zu mir ganz anders als er sonst sprach:
" Was soll ich jetzt machen?"
Ich sagte nichts, niemand sprach ein Wort; auch andere hatten es gehört, aber es gab ihm niemand Antwort- Er konnte auch nicht mehr sprechen, er brach bewußtlos zusammen und wurde von den andern weggetragen.
Niemand wußte mein Geheimnis, aber es hat lange, sehr lange gedauert, bis ich begriff, daß ich doch unschuldig war, und auch die Dampfinaschine war unschuldig. Ich sagte nie mehr meine Dampfmaschine" und bat, daß man mich davon wegtun möge. Warum wußte niemand, aber ich bat so, daß man es tat. Es wußte auch niemand, warum ich in der Folgezeit halbe Nächte nicht geschlafen, und es war nahe daran daß ich ernstlich krank wurde.
Bis der kleine Pfeifer aus dem Krankenhaus kam und, obwohl er einen Arm weniger hatte, munter und vergnügt war. Ja, er war in der Folgezeit selbstbewußter als je, denn er wurde nun als Laufbursche eingestellt, man kaufte ihm gute Kleider, und später stand er so hoch über den schmierigen Lehrlingen und Gesellen, daß er sie garnicht mehr aniah.
Wo immer ich im späteren Leben den Gang von großen Maschinen oder von Unternehmungen leitete, ich nannte sie nicht mehr meine Maschine",„ mein Unternehmen" und empfand auch nie mehr so, wie damals bei meiner Dampfmaschine.
Des kann er doch net!
Die Rosel laft zum Metzger vor, Schweinsohre soll se hole,
Wo schon am Abend z'vor ihr Fra' Zu richte hat befohle.
Der Metzger sagt:"' s sind keine do, Bis morge hen mer widder."
Frizz Sänger.
Doch d' Rosel drängt:„ Ich brauch se jetzt, Sonscht macht mer's d' Gnädig bitter."
" Ihr müßt Euch," hot der Metzger g'meint, ,, Halt doch bis morge b'scheide, Ich kann doch die Schweinsohre net Mir do vom Kopf wegschneide!"
Der große Sotto in Tanger. Dahinter Eingang zu der deutschen Gesandtschaft. Oben die Kasbah; unterhalb derselben das Judenviertel.
Auf den nordafrikanischen Wetter
winkel, wie Marokko schon seit langem genannt wird, sind zur Zeit wieder einmal die Augen der gesamten Welt gerichtet. Frankreich hat bereits umfassende Kriegsvorbereitungen gegen die Marokkaner getroffen und aus diesem Grunde wollen wir auch uns heute mit den Marokkanern etwas beschäftigen.
Stizzen aus Marotto...
Skizzen aus Marokko.
Bescheiden in seinen Ansprüchen, lebt der Dorfbewohner in Marokko äußerst einfach. Ein Stück grauen trockenen Brotes ( chobs), in Öl oder geschmolzene Butter getaucht, ist seine Hauptnahrung; Kaffee, grüner Tee mit Pfefferminzkraut, Milch, wohl auch nur Wasser bilden sein Getränk. Die Kleidung hat die uralte Form unverändert behalten: ein mit einer Kapuze versehener Mantel ,,, Djilabba" genannt, und der rote, Fez" oder Turban seine Kopfbedeckung. Die Füße stecken in gelben Schlappschuhen, sogenannten„ Babutschen"; sehr häufig, namentlich bei ärmeren Stämmen, sind sie ganz nackt. An seiner Seite hängt stets eine schöne, feste Provianttasche aus Ziegenleder, sowie ein langes Messer. Armselige Strohhütten, zu Dörfern vereinigt, die zum Schutze gegen Überfälle usw. stets mit einer sehr stacheligen Kaktushecke umpflanzt sind, dienen als Wohnung. Lesen und schreiben kann der Marokkaner vom Lande erklärlicherweise nicht. Ein Kind der Natur, weiß er über sein eigenes Alter nur dunkel, meistens gar keinen Bescheid; denn für ihn gibt es keine Zeit, er weiß nur, daß, wenn nach langen Monden trockener Sonnenglut der ersehnte Winterregen endlich, Sturzbächen ähnlich, die ausgetrocknete, rissige Erde tränkt, Mohammed ein Jahr länger tot ist. Den Regen sendet Gott, sein Name ist Allah, und Mohammed ist sein größter Prophet" ist der Inbegriff seines Wissens. Der Dorfheilige hat ihm mit vieler Mühe die wichtigsten Gebote und Sprüche des Islam beigebracht. Hieran hält er fest in unverbrüchlicher Treue. Er haßt den Christen und dessen Werke, und eher werden 100 Christen zu Mohammedanern als ein Araber zum Christen gemacht.
Ein Europäer als vornehmer Stadtaraber.
Mieter einiger Acker Land, arbeitet der Marrokkaner gerade so viel, als er für seinen täglichen Lebensunterhalt nötig hat, und läßt zudem die schweren Arbeiten durch seine Frau verrichten, deren absoluter Herr er ist. Wie ein Kamel beladen, in gebückter Saltung, schleppt die brave Alte die Produkte der spärlichen Landwirtschaft, Gras, Heu, Stroh und Holzkohlen, zur Stadt, indem ihr Gebieter in aller Seelenruhe, die lange, geliebte
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Flinte im Arm, auf dem einzigen, dem Umfallen nahen, mageren Maultiere oder kleinen Esel sizzend, seine Ehehälfte begleitet. Er selbst trägt keinen Korb, denn er ist stolz. Seine Frau hat sozusagen das Los eines Haustieres; doch zu des Tyrannen Lobe sei's erwähnt, er schlägt sie nie. Gegen alle Witterung abgehärtet, ist sie nur mit einer Jacke und kurzem Rocke( einer Art Handtuch) bekleidet. Die nackten Beine sind gewöhnlich mit rauhem Ziegenleder umwickelt. Gegen die heißen Sonnenstrahlen schützt sie ein weißes Kopftuch und darauf ein hoher Strohhut, dessen gewaltiger Rand( von zirka 70 cm Durchmesser) mit von oben herunterhängenden Schnüren wagerecht gehalten werden muß. So sigt sie den ganzen Tag geduldig in der Sonnenglut des wogenden Marktes, um ihre Erzeug25 Centimes, einzutauschen, nisse gegen einige„ Billous" womit sie dann wiederum gleich die Einkäufe für den spärlichen Haushalt besorgt. Zuweilen reicht ihr der Wasserträger, meistens stämmige Neger aus dem Sudan, in einer blitzenden Messingschale für ein kleines Entgelt einen Trunk frischen Wassers, welches er in einem Ziegenfelle auf dem Rücken trägt. Wenn nun der Tag zur Neige geht, dann erscheint der besorgte Gatte aus der fühlen Kaffeehalle, und sie kehren heim zur fernen Hütte.
Furchtbar ist es, in den Gefängnissen, in ihren verpesteten, dunklen, nie gereinigten Räumen voller Unrat, Nacht für Nacht zu liegen,
auf kalten, feuchten Steinen, von Hunger und Durst gequält, wenn nicht ein Freund oder die fremden Touristen bei Besichtigung der Gefängnisse hier und da ein Stück Brot und einen Krug Wasser durch das Ochsenauge der Kerkertüre reichen lassen. Der schlimmste Verbrecher kann, wenn seine wohlhabende Familie einige 20 Duro à 5 Mt. als Lösegeld bezahlt, sich gleich wieder in Freiheit befinden, während der arme Unglückliche, oft schuldlos, elendig verhungert. Doch wieviel schrecklicher noch sind die Jammergestalten, an den Stadtmauern hingekauert, die das Licht der Sonne nicht mehr sehen. Im Verein bitten sie mit tlagendem Gesang im Namen ,, Allahs" um ein Almosen. Sie hatten irgendeine Missetat mit dem Verlust der Augen büßen müssen.
Der arabische Stadtbewohnerunterscheidet sich sehr von seinem Bruder auf dem Lande. Er ist des Lesens und Schreibens kundig, kann auch ein wenig rechnen und gilt deshalb auch als Gelehrter. Versteht er ein Handwerk, so nennt man ihn„ Meister", und als glück. licher Inhaber einer kleinen Krämerbude bekommt er den wohlklingenden Titel Kaufherr ,, Sidi el Tascher". Die
Arabische Reiterphantasie am Strand von Tanger.
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