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Rötger contra Riesser.

Die Differenzen im Präsidium des Hansabundes.

Im Zusammenhang mit dem gemeldeten Ausscheiden des Vorftzenden des Zentralverbandes Deutscher Indu Arteeller, Landrat a. D. Rötger, aus dem Präsidium hat bes Hansabundes und aus dem Bunde überhaupt, wischen Rötger und dem Präsidenten des Hansabundes, Dr. Riesser, ein Briefwechsel stattgefunden, den wir bei dem Aufsehen, welches die Sache erregt hat, unseren Lesern glauben nicht vorenthalten zu dürfen.

Tautet:

Das Schreiben Rötgers

Berlin, den 21. Juni 1911. Herrn Geh. Justizrat Dr. Riesser, Berlin NW. 7, Dorotheenstraße 36. Sehr geehrter Herr Geheimrat! Meine in den an Sie gerichteten Schriftstücken vom 14. und 16. Junt enthaltenen deutlichen Hinweise darauf, daß ich nicht gewillt bin, die Verantwortung für Ihre von Ih­nen als persönliche Bemerkungen" bezeichneten hochpolitischen Schlußdarlegungen auf dem ersten allgemet­nen Hansatage mit zu übernehmen, haben zu meiner Ueberraschung nicht verhindert, daß ein wesentlicher Teil Ihrer Ausführungen ohne vorherige Besprechung im Prä­fidium des Hansabundes in der Form eines Aufrufs zur Werbung neuer Mitglieder gekleidet worden ist. Dadurch find Ihre Ausführungen unzweideutig thres persönlichen Charakters" entkleidet und als Ansicht des Hansabundes und damit seines Präsidiums hinausgesandt worden, trotz­bem ich in meinem zweiten Schreiben deutlich darauf hin­wies, daß über die Einpassung Ihrer Darlegungen in die satzungsgemäßen Ziele des Hansabundes die Ansichten auch innerhalb des Hansabundes von einander abweichen dürf­ten."

Ich gehe über die in diesem Vorgehen enthaltene Nicht­achtung der Rechte des Präsidiums des Hansabundes hin­weg; es fann jetzt nur noch darauf ankommen, festzustellen, daß der von Ihnen persönlich ohne Vorwissen Ihrer Kol­legen im Präsidium geforderte poltttsche Kampf ge= gen Rechts als sabungsmäßiges Ziel des Hansabundes nun auch, wiederum ohne vorherige Beratung, zur Losung des Hansabundes gemacht worden ist.

Aktionskraft und Geschlossenheit wird durch Ihren Schritt nicht gemindert.

Nachdem Sie gestern Ihr Schreiben vom 21. d. M. der Deffentlichkeit übergeben haben, bin ich genötigt, mit die­sem meinem Schreiben gleicherweise zu verfahren. In vorzüglicher Hochachtung!

Ihr sehr ergebener gez. Dr. Riesser. Danach verharrt Herr Riesser ebenso wie Herr Rötger auf seinem Standpunkt, und die politischen Gegensätze, die sich in ihnen verkörpern, werden eben in den kommenden Wahlkämpfen ausgetragen werden müssen.

Das widerspricht nach meiner pflichtmäßigen Ueber­zeugung, wie ich wiederholt zu erkennen gegeben habe, dem Geiste der Sazungen und der Richtlinien des Hansa­bundes und meiner Stellung als Vorsitzender des Zentral­verbandes deutscher Industrieller, eines wirtschaftlichen Verbandes, in dem alle bürgerlichen politischent Parteien, sowohl links- wie rechtsstehende, vertreten find.

Der Vorstand des Bundes deutscher Industrieller hat dem Vorsitzenden des Hansabundes aus Anlaß des Aus­tritts des Landrats Rötger aus dem Bund sein Vertrauen ausgesprochen. Aehnliche Vertrauenskundgebungen wur­den nach Meldungen Berliner Morgenblätter von verschie­denen Vereinigungen des Hansabundes beschlossen, u. von dem geschäftsführenden Vorstand des Landesverbandes Nassau und von der Ortsgruppe Mannheim.

Ueber die zwischen Ihnen und Ihrer Gefolgschaft et­nerseits und mir und meinen Freunden andererseits in die­sem ausschlaggebenden Punkte bestehenden Meinungsver­schiedenheiten eine Verständigung, etwa durch Aus­Sprache im Direktorium des Hansabundes, zu versuchen, erachte ich für zwecklos. Nach langer, reiflicher Ueber­legung finde ich für eine solche Verständigung keinen Weg.

Das deutsche Telegraphennetz.

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welche die Berechtigung zum Einjährig- freiwilligen Hee resdienst besitzen oder welche nach dreijähriger Lehrzeit die Gesellenprüfung bestanden haben, sind zum Besuche der Pflichtfortbildungsschule nur insoweit verpflichtet, als dies durch statutarische Anordnung bestimmt wird." Dieser neue Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. der Sigung, die sich bis nach Mitternacht hinzog, wurde die Vorlage schließlich mit erheblicher Majorität ange­nommen, und zwar sprach sich letztere für die gleichzeitige Zuständigkeit des Kultusministeriums aus. Nach der Ab­stimmung erklärte der Handelsminister, für ihn sei die Vorlage in dieser Gestalt unannehmbar.

Die Telegraphie des Deutschen Reiches mit Einschluß von Bayern und Württemberg verfügt nach der neuesten Statistik über ein Netz von 210 269 kilometer Län= ge. Dazu kommen noch 48 181 kilometer Telegraphenlinien der Eisenbahnen. In den deutschen Schutzgebieten und in China verfügt das Reich außerdem noch über 6293 Kilometer Linien. Von den Linien ist die große Masse mit 196 069 Kilometer Luftlinien. 9669 werden uner der Erde und 4531 Kilometer unter dem Meer geführt. Die Länge der einzelnen Leitungen beträgt 1 537 523 Kilometer, die der Let­tungen bei den Eisenbahnen 211 561 Kilometer, in den Schutzgebieten 8814 Kilometer. Mit diesen 1757 898 Kilome­tern könnte man fast fünf Telegraphenleitungen von der Erde zum Monde legen. Von den einzelnen Leitungen werden 1255 738 in der Luft, 271 099 Kilometer unter der Erde und 10 686 Kilometer unter See geführt. Die Zahl der Telegraphenämter beträgt 41 276, wozu noch 118 in den Kolonicu und in China kommen. Von diesen Aemtern find 35 662 Reichs- oder Staatsanstalten, 5604 Bahntelegra= phenämter und 10 Seetelegraphenanstalten. Ununterbroche­nen Dienst haben 446 Aemter, vollständigen oder verlänger­ten Tagesdienst 17 626, beschränkten Tagesdienst 23 194. Zweigstellen gibt es 12 199. Außerdem nehmen alle Bahn­posten, alle Telegraphenboten und Landbriefträger Tele­gramme an. Die deutsche Telegraphie verfügt über 51 422 Telegraphenapparate.

Unter diesen Umständen sehe ich mich genötigt, auf die Mitarbeit am Hansabund zu verzichten. Ich lege dem­gemäß und in Uebereinstimmung mit der Anschauung des heute versammelten Direktoriums des Zentralverbandes mein Mandat als Mitglied des Direktoriums und Präst­diums im Hansabund nieder.

Ich tue dies im Bewußtsein, alles darangesetzt zu ha­ben, um an einer der Satzungen und Richtlinien des Han­sabundes entsprechenden Führung desselben auf der mitt­leren Linie mitzuarbeiten.

In vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster

Die Antwort Riessers

hat folgenden Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Landrat!

Rötger.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Eine Vergünstigung für die Grenzgarnisonen. Nach einer Kabinettsorder sollen, wie die Tägl. Rdsch." hört, in Zukunft Leutnants, Oberleutnants und Hauptleute der Grenzgarnisonen, die sich in geordneter petuniärer Lage befinden und die sich durch gediegene Charaktereigenschaften auszeichnen, soweit angängig, nach gewissen Zeitperioden in größere Standorte versetzt werden.

Der Kaiser empfing gestern an Bord der Hohenzol­lern" den Vorstand des Flottenbundes deutscher Frauen. Vertreten waren Hannover und die Landesverbände Bayern, Sachsen, Thüringen und Baden.

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. Kider­len- Wächter ist, wie die Nordd. Allgem. 3tg." mitteilt, von seinem Urlaub zurückgekehrt und hat die Amtsgeschäfte übernommen.

In Ihrem Geehrten vom 21. d. M. gehen Sie davon aus, daß in den letzten Tagen ein Werbeaufruf des Hansa­bundes erschienen sei, welcher ohne Zustimmung des Prä­fidiums einen wesentlichen Teil meiner persönlichen Aus­führungen auf dem Hansatage unzulässigerweise wiederholt habe. Demgegenüber stelle ich zunächst formell fest, daß mir seitens des verstärkten Präsidiums ausdrücklich die Geneh­migung zu derartigen Werbe- und Wahlfondsaufrufen generell erteilt worden ist. Sachlich aber fordert jener Aufruf, in Gemäßheit der Richtlinen des Hansabundes, lediglich den Kampf gegen die Ueber agrarier", also speziefi gegen den Bund der Landwirte, einen Kampf, den auch Sie stets als das Ziel des Hansabundes bezeich net und bisher auch immer Ihrerseits mit Entschiedenheit vertreten hatten. Hiernach kann Ihr Austritt nur den Sinn haben, daß Sie jetzt aus Gründen politischer Taktit wünschen, daß der Hansabund nicht mehr sezungsmäßigen wirtschaftspolitischen Kampf gegen die lebergriffe des Bundes der Landwirte führe, sondern ei­nen sabungswidrigen Kampf gegen alles, was Iinks steht, aufnehme. Ein solches Verfahren wider­spricht nach meiner Ueberzeugung den dauernden Lebens­interessen des gesamten deutschen Gewerbestandes. Der Hansabund wird, gestützt auf die begeisterte Zustimmung weiter Kreise des deutschen Gewerbestandes, sein Programm unbeirrt fortseßen und durchführen. Seine

7)

Und dennoch.

Novelle von Ernst Busolt.

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( Nachdruck verboten.)

Die Arbeitszentrale für die Privatbeamtenversiches rung, der sich eine Reihe führender Organisationen, wie die Vereinigung der deutschen Privatversicherung", der Zentralausschuß der Prinzipalsverbände in Sachen Pen­sionsversicherung der Privatangestellten" usw., angeschlossen haben, tritt am 30. Juni in Berlin zu einer Sigung zu sammen, um Grundzüge für die Aufstellung eines Gegen­entwurfes, betreffend die Privatbeamtenversicherung, zu vereinbaren.

Der Schluß des preußischen Landtags wird nach Ver­einbarungen zwischen der preußischen Regierung und den preußischen Landtagspräsidien am 1. Juli eintreten. Auf die Verabschiedung des Pflichtfortbildungsschulgesetzes ist seitens der Regierung Verzicht geleistet worden. Bezüg­lich der Zweckverbandsgesetze, die ans Abgeordnetenhaus verwiesen wurden, nimmt man an, daß ste dort beide in der Fassung des Herrenhauses Annahme finden.

Der Riß im reichsländischen Zentrum erweitert sich. Eine Vertrauensmännerversammlung des Wahlkreises Ha­genau faßte eine Resolution, welche die ablehnende Hal­tung des Reichstagsabgeordneten Hauß gegenüber der Verfassungsreform scharf verurteilte. Bei der nächsten Wahl wird von seiner Aufstellung als Kandidat abgese­hen. Der neue Kandidat muß ein entschiedener Anhän ger des deutschen Zentrums sein und gemäßigte Politit treiben. Man spricht davon, daß Dr. Spahn als Kandidat ausersehen sei.

Als Termin der Reichstagsersagwahl in Düsseldorf, die durch den Tod des Zentrumsabgeordneten Kirsch not­wendig geworden ist, ist der 15. September in Aussicht genommen. Der Whalkreis ist seit 1883 ununterbrochen im Besitze des Zentrums.

Frankreich und seine Eisenbahner. Die Eisenbahner­frage bereitet der französischen Regierung neue Verlegen­heiten. Der Arbeitsminister Dumont wird wahrscheinlich aus dem Ministerium ausscheiden, da er die geplanten Zwangsmaßnahmen gegen die Gesellschaften nicht durch­zusetzen vermag. Ueber 3000 der Streifenden bleiben stellenlos, nachdem die Eisenbahngesellschaften erklärt ha ben, unter keinen Umständen nachgeben zu wollen.

Nachdem das Feuerbestattungsgeseh in Preußen Geset geworden ist, werden außer den Groß- Berliner Gemeinden auch andere größere preußische Städte Anträge zur Er­richtung von Krematorien stellen. Die Staatsregierung beabsichtigt, wie verlautet, Krematorien vorläufig nur in den großen Städten zu genehmigen und will auf Grund des Zweckverbandgesezes dahin wirken, daß auch die den großen Städten benachbarten Vororte von den Einrichtun­gen der zu errichtenden Krematorien Gebrauch machen fönnen.

Ja, ich bin frei!" Virginie hatte lange mit der Ants wort gezögert. Allein, mißverstehen Sie mich nicht! Nie darf ich die Werbung eines Mannes annehmen! Und das ist ein Geheimnis, von dem ich nicht möchte, daß es dereinst die zitternden Salme meines Grabes flüsterten." Sie neigte den Kopf, und einen Augenblick schien es, als wolle ihre ganze Selbstbeherrschung sie verlassen. Dann, indem sie ihm ihre Hand reichte, flog es wie der Schimmer eines Lächelns über ihr lieblich ernstes Gesicht, und leiser als zuvor sagte sie: Ich wußte von Ihrer Neigung seit dem ersten Augenblicke, da ich Sie sah!"

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Lärmszenen im bulgarischen Parlament. König Fer­dinand von Bulgarien eröffnete am Donnerstag in An­wesenheit der Königin Eleonore und des Prinzen Kyrill in feierlicher Weise die Session der großen Sobranje. Beim Betreten des Saales wurde der König von den Abgeord­neten der Regierungspartei stürmisch begrüßt. Dann fam es zu einem unerhörten Skandal. Ein Mitglied des oppo­sitionellen Bauernbundes, Stambolinsti mit Namen, er hob sich und wandte sich im Auftrage der gesamten Oppo sition an die Minister mit den Worten: ,, Was hat der Kö­nig hier zu suchen? Sein Platz ist draußen! Wir hier werden über ihn zu Gericht sizen!" Von den Oppositions­bänken vernahm man sodann Rufe: Nieder mit dem Kö­nig!" Die Regierungsmehrheit antwortete mit Hurrarufen und mit dem Rufe: Es lebe der König!" Bor Verlesung der Eröffnungsrede durch den König versuchte der Führer der Bauernbündler nochmals unter Hinweis auf den strit­tigen Artikel der Verfassung gegen die Eröffnung der Sobranje durch den König zu protestieren, wurde jedoch durch stürmische Hurrarufe der Majorität daran gehindert. Nach der Verlesung der Thronrede wurden dem König beim Verlassen des Saales wiederum Huldigungen dars gebracht.

Das preußische Pflichtfortbildungsschulgeset wurde am Donnerstag in der Kommission weiter beraten. Paragraph 4, der die Dauer der Schulpflicht betrifft, wurde angenom­men und dabei konstatiert, daß ihr auch die im Betriebe threr Eltern Beschäftigten unterworfen sind. Bei Para­graph 5 wurde der Antrag wiederholt, allgemein die zum Einjährig- freiwilligen Dienst Berechtigten von der Schul­pflicht zu befreien. Der Gedanke wird von vielen Seiten grundsäglich gebilligt, dann aber durch einen neuen An­trag aufgenommen, der folgendermaßen lautet: Personen,

Und Adrian hätte ihr zu Füßen stürzen, ihre Knie um­flammern, ihr zuflüstern mögen, daß er sie nicht vergessen könne, daß er sie so lange gesucht und zuletzt gezweifelt hätte, sie wieder zu finden und daß er sie nie mehr ver­lassen werde, jetzt, da er sie gefunden.

Ein bisher nicht gekanntes ungestümes Gefühl von Kraft und Stärke durchströmte ihn, leuchtete aus seinen Augen. Er wußte, daß er den Mut haben würde, alles für sie zu wagen.

In ihrer inneren Bewegung hatten beide auf das wiederholte Pochen an der Tür nicht acht gegeben. Endlich trat Bonifaz ein, um seiner Herrin ein Billett zu über­reichen. Virginia erbleichte.

Wenn Sie mich nicht sofort verbannen wollen," be= eilte sich Adrian zu versichern, so lesen Sie, bitte, unge­stört!"

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auf das Sofa gesunken, halb ohnmächtig, das Blatt in der Hand. Ihre Augen waren geschlossen.

Adrian sank ihr zu Füßen und füßte ihre Hände. Er redete kein Wort.

Plötzlich erhob sie sich. Ihre sanften Züge nahmen einen herben Ausdruck an. Verlassen Sie mich, bitte!" stammelte sie.

Wie geistesverwirrt starrte Virginie auf die Zeilen. Dann sich erinnernd, daß sie nicht allein sei, murmelte sie Pardon!", und während Adrian sich eine Tasse Tee auf Ber Loggia eingoß, trat Virginie ins Zimmer zurück.

Abrian nahm seinen Tee und wartete lange. Endlich ging er zu ihr hinein. zögernd, ängstlich. Virginie war

,, Morgen?" tam es hörbar von seinen Lippen. " Nein," wandte sie sich mit ungewohnter Heftigkeit zu ihm ,,, nein ich muß morgen allein sein. Versprechen Sie mir!"

Adrian merkte, daß sie an allen Gliedern zitterte. ,, Wie Sie wünschen," sagte er beruhigend, als spräche er zu einem Kinde. Dann verließ er sie, ein Gefühl streiten­der, süßer und trauriger, Empfindungen im Herzen.

Kleine Nachrichten.

Die preußischen Landwirtschaftskammern haben eine beffere Ausbildung der jüngeren Juristen in Landwirt­schaftlichen Dingen angeregt. Es sollten besondere Kurse an landwirtschaftlichen Hochschulen eingerichtet und den Rea ferendaren die Beschäftigung an Landwirtschaftskammern freigestellt werden.

Eine Konferenz der Oberpostschaffnervereinigung Deutschlands, die in Breslau tagte und zu der zahlreiche. Delegierte aus allen Städten erschienen waren, beschloß, einen Bund deutscher Postschaffner zu gründen, der sich über das ganze Reich erstrecken soll.

Der Leipziger Verband deutscher Aerzte ist gestern in Stuttgart zu seiner diesjährigen Generalversammlung zu­sammengetreten. In Aerztekreisen sieht man der diesmali­gen Tagung mit ganz besonderem Interesse entgegen, da es gilt, Stellung zu nehmen zu der durch die Reichsver­sicherungsordnung neu geschaffenen Situation im Aerzte­

Die letzten purpurroten Säume am Horizont leuch­teten von der See herüber; in stiller Abendruhe lag Buchenau da, als Adrian sich dem Dorfe näherte. Die alten Fischer saßen auf den Staketen, die Weiber strickten Nege, die Jugend tummelte sich fröhlich herum. Adrian war so in Gedanken versunken, daß er eine anscheinend muntere Gesellschaft nicht bemerkte, die ihm in den Weg fam. In einiger Entfernung sah er drei Damen. Wäre es möglich? Adrians Mutter und Fräulein Konstanze von Grimmen in freundlicher Unterhaltung!

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vor ihren Blicken verlegen, schützte Kopfweh vor, um seine Einsilbigkeit wenigstens einigermaßen zu entschuldigen und zog sich zurück. Ein durchdringender Nebel stieg auf. Ueberall schien eine unheimliche Trübe zu lagern. fast übermäßige Gewalt zog Adrian nach Virginiens Hause. Er fühlte es, daß ihr Gefahr drohte. Wer mochte das Billett geschrieben haben? Eine in einen Mantel ge­hüllte Männergestalt ging ruhig an ihm vorüber, auf Vir­giniens Haus zu. Was ist das?" sagte er laut zu sich selbst. Auf die Gefahr hin, Virginien zu erzürnen, läutete er leise. Das heftige Verlangen, sie wiederzusehen und eine Vermutung bestätigt zu finden, die ihm das heiße Blut ins Antlitz trieb, hatte alle anderen Regungen seiner Seele niedergedrückt.

Nach der ersten Begrüßung legte Frau van der Landen ihren Arm in den des Sohnes. Du bist überrascht, nicht wahr? Ich bin die Frau nicht, derartige Geniestreiche zu machen. Der Vater hat mich hergeschickt, Du hast ihm so sehr durch die prompte Regulierung jener widerwärtigen Angelegenheit erfreut, daß er Dich bald sehen möchte, um Dir zu danken. Mich hat er abgesendet, um den Deserteur, der uns seinen ohnehin schon knappen Urlaub so verkürzen will, wieder einzufangen. Und Konstanze ist so lieb ge= wesen, mich zu begleiten."

Adrian erwiderte mit einigen höflichen Phrasen, die fühl flangen. Konstanze beobachtete ihn genau. Er wurde

Der alte Bonifaz öffnete. Er erschien Adrian noch welfer, greisenhafter als zuvor; oder war es der Ausdruck heimlicher Angst, der seine Züge so entstellte? Die Gräs fin zu Hause?"

" Ja, Herr Konsul!" und der Alte legte zwei Fin­ger seiner linken Hand auf die Lippen- ,, es ist Besuch da, wenn Sie warten wollen"- es flang wie eine Bitte.

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Adrian nickte und wurde von dem Alten in ein als Bibliothek eingerichtetes Kabinett geführt, das von dem Wohnzimmer durch ein kleines Speisezimmer getrennt war. Adrian bemerkte peinlich verlegen, daß die Tür zwischen beiden Zimmern halb offen stand, so daß er durch einen Spalt des Kabinetts direkt ins Wohnzimmer blicken konnte. Ein leichtes Feuer mußte im Kamin des Wohnzimmers brennen, denn Virginiens schönes, blasses Gesicht erschien vom warmen Hauch der Flammen rosig ebleuchtet. Sie stand vor dem Sofa, die Hand auf das Herz ges drückt, die feinen Augenbrauen zusammengezogen, als fühle sie Schmerz. Auf dem Sofa saß, wie Adrian geahnt, der Alte mit der unheimlichen Physiognomie, wie immer strah lend von Eleganz und augenscheinlich bei guter Laune. Virginie war also nicht Witwe, nicht geschieden, denn wie fäme sie sonst Adrian horchte auf.( Forts. folgt.)

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