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Eine amtliche Stenographiekonferenz soll noch im Laufe des Juni in Berlin abgehalten werden, an der die Vertre­ter ber bedeutendsten Stenographiesysteme teilnehmen.

Ein Ferien und Erholungsheim für ihre weiblichen Angestellten hat die Firma Bernhard Ties in Cöln einge­richtet. Es bietet Raum für 46 Personen. Die Besucher­innen werden mehrere Wochen bei Fortbezug des Gehalts fostenlos verpflegt.

Große Stiftungen. Der in Magdeburg verstorbene Kommerzienrat Polte hat 100 000 Mart für die Beamten und Meister und ebensoviel für die Arbeiterunterstützungs­kaffe der Fabrik vermacht.

Die Zollhinterziehungen gegen Solinger. Stahlwaren­fabrikanten, dte bet der Einfuhr von Schmiedewaren in den Vereinigten Staaten begangen worden sein sollen, zie­hen weitere Kreise. Nach Mitteilungen des Solinger Gen.< Anz. soll eine Solinger Firma zu einer Geldstrafe von 356 000 M verurteilt worden sein, die sie an die Vereinig ten Staaten zahlen muß.

Die Durchstechereien im Moabiter Untersuchungsge= fängnis, die zur Verhaftung des Gefangenenaufsehers Fröhling führten, ziehen jetzt weitere Kreise. Zurzeit schweben gegen eine ganze Reihe weiterer Gefangenenauf­feher Ermittelungsverfahren, da sie verdächtig sind, gleich­falls Kaffiber- Durchstechereien begangen zu haben.

Die Typhusepidemie in Schneidemühl. Die Zahl der Erkrankungen an Typhus ist auf über 150 gestiegen. Am Mittwoch waren die ersten Todesfälle zu verzeichnen. In der Kleinkinderschule wird ein Heim für diejenigen klei­nen Kinder eingerichtet, deren Mütter wegen Typhus im Krankenhaus Aufnahme gefunden haben.

Ein entsegliches Unglückt ereignete sich gestern vormit­tag in der alten Fabrikanlage der Firma Benz u. Co. in Mannheim, in der Gasmotoren hergestellt werden. Der Schlosser Adolf Dürrwang wurde von der Transmission erfaßt, gegen eine Wand geschleudert und zerquetscht. Im Zeitraum von Setunden war der Körper förmlich zer= fleischt. Die beiden Unterschenkel wurden ihm abgerissen und mit anderen Fleischteilen zum Fenster herausgeschleu dert. Dürrwang ist verheiratet und Vater dreier Kin­der.

Bergmanns Los. Auf der Zeche Vittoria" in Kupfer­dreh bei Essen verunglückten zwei Bergleute durch früh­zeitiges Losgehen eines Sprengschusses. Beide wurden als entseßlich verstümmelte Leichen zutage gefördert.

Vermischtes.

Das Befinden des Prinzen Joachim. Der noch immer an den Folgen des Sturzes leidende Prinz Joachim, der im Neuen Palais die Fürstenzimmer bewohnt, hat gestern in seinem Appartement zum ersten Male unter Aufsicht seines Leibarztes Gehversuche unternommen. Es stellte ich aber bald heraus, daß das Knie noch nicht genügend widerstandsfähig ist, sodaß die Gehversuche wieder unter­brochen werden mußten, obwohl die Heilung einen nor= malen Verlauf nimmt. Die vor einiger Zeit vorgenom­mene Röntgendurchleuchtung des Knies hat die Bermu­tung des Arztes bestätigt, daß keine Verlegung der Knie­Scheibe bei dem Sturze eingetreten ist. Am 7. Juli über­siedelt der Prinz mit der Kaiserin und der Prinzessin Vik­toria Luise nach Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel.

Eine Köpenidiade. In der Rheinprovinz und in der Pfalz trieb ein geriebener Schwindler eine Zeitlang sein Wesen. Er gab sich als Schuztruppenwachtmeister aus und prellte eine Anzahl Wirte. Jetzt ist er festgenommen wor den. Wie festgestellt wurde, handelt es sich um den Maler Heinrich Wilhelm aus Kaiserslautern. Er hatte sich von Berlin eine Uniform als Schuttruppen- Wachtmeister kom­men lassen und machte dann als solcher die genannte Bezirke unsicher. In Niederburg quartierte er sich ein; er gab dem Quartterwirte an, er bezahle sein Kostgeld mo­natlich, da er seine Pension monatlich erhalte. Das Ko­lonialamt habe ihn beurlaubt. Der Wirt verlangte Si­cherheit von ihm. Er zeigte nun Bescheinigungen der Kreistasse St. Goar vor, nach denen seine hohe Pension als Invalide ihm in den nächsten Tagen durch die Post zugehe. Diese Schriftstücke waren von ihm selbst angefer­tigt worden. Er hatte sie dann von St. Goar aus an sich selbst geschickt. Seinen Niederburger Kostgeber betrog er um 75 Mark. Die Untersuchung, die gegenwärtig im Gange ist, wird wohl noch weitere Heldentaten dieses Pseu­dowachtmeisters zutage fördern.

Der angebliche Mörder der Witwe Hoffmann in Ber­lin, der Kellner Rummler, der in Leipa in Böhmen ver­haftet wurde, hat inzwischen, wie die ,, B. 3. a. M." mel­det, sein Geständnis bereits widerrufen. Die Ermittelun­gen der österreichischen Behörden gegen Rummler haben ergeben, daß R. ein bereits vorbestrafter Hochstapler ist, und daß er sich trotz seiner Jugend schon viel in der Welt herumgetrieben hat. Auch die österreichischen Behörden stehen den Angaben Rummlers sehr skeptisch gegenüber. Man gewinnt den Eindruck, daß es Rummler nur darauf antomme, auf Staatsfosten nach Berlin befördert zu wer­den. Vermutlich weiß auch Rummler, daß er, wenn seine Selbstbezichtigung wahr wäre, nicht nach Deutschland aus­geliefert werden könnte, weil er österreichischer Staatsan= gehöriger ist. Dagegen würde man wohl Wert darauf Tegen, Rummler am Tatorte selbst zu vernehmen, so daß sein Transport nach Berlin wünschenswert wäre.

Ein Riesenbankett. Ein Bankett von solchen Dimen sionen, wie es gestern die Stadtvertretung von Kecskemet ( Ungarn) zu Ehren der dort versammelten Landwirte ver­anstaltet hatte, fand wohl noch nie in Ungarn statt. Auf 73 Tischen wurde teils im Freien, teils unter Zelten für 4328 Personen gedeckt. Seit 5 Uhr früh wurde in 43 Kes­seln Gulasch gekocht, für das man 14 Meterzentner Rind­fleisch verwendete. Den Gästen standen ferner zur Ver­fügung: 2000 Laib Brot im Gewichte von 62 Meterzent­nern, 280 Hektoliter Wein und 300 Flaschen Mineralwas­ser. Die Bedienung der Gäste besorgten 120 Bauernmäd­chen, 28 Burschen und 70 städtische Angestellte.

Das argentinische Fleisch in Wien hat einen endgül­tigen Mißerfolg zu verzeichnen: 400 000 Kilogramm der zuletzt in Wien eingetroffenen Sendung werden demnächst wieder nach Triest zurückgesandt, um von dort nach Eng­land zum Verkauf befördert zu werden. Die etwas ver­wöhnten Wiener wollen sich an den Geschmack des argen­tinischen Fleisches nicht gewöhnen. Damit wird die Ein­fuhr argentinischen Fleisches nach Oesterreich überhaupt ihr Ende gefunden haben.

Eine tragilomische Diebesgeschichte hat sich in Schonach im badischen Schwarzwald zugetragen. Dort war ein alter Bauer von einem Nachbarn des Haferdiebstahls bezichtigt worden, und der Gendarmeriewachtmeister und ein Ge­meinderat mußten Haussuchung bei dem Beschuldigten ab­halten. Sie fanden nichts, worauf der Verdächtige in feiner Stube gewaltig zu schimpfen anfing. Seine Ehre müsse ihm wiedergeben werden, so schrie er ein über das andere Mal und schlug mit den Fäusten auf den Tisch, daß die Wände zitterten und die 3immerdecke, aus deren then plötzlich einige Haferkörner auf den Tisch herab­

fielen. Der Bauer wurde fäseweiß, der Wachtmeister und der Gemeinderat aber gingen hinauf auf den Boden und hoben die Dielen ab, unter denen der ganze gestohlene Hafer fein säuberlich ausgebreitet lag.

Im Kampf mit Zigeunern. Zu einem folgenschweren Zusammenstoß zwischen einem Polizeibeamten und einer Zigeunerbande kam es bei Altena in Westfalen. Ein weib­liches Mitglied der Bande, das seit einigen Tagen die Umgegend von Altena unsicher machte, sollte wegen ver­schiedener Diebstähle festgenommen werden. Der Beamte begab sich in einen der Wohnwagen. Hier fielen drei Zigeuner über ihn her und suchten ihn zu erdrosseln. In der Notwehr griff der Beamte zum Revolver und tötete einen der Zigeuner durch einen Schuß in den Kopf. Die übrigen Zigeuner flohen, wurden aber ergriffen und in Haft genommen.

Der Ballon Berlin" im Kugeiregen.

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Der bekannte Berliner Luftschiffer Ingenieur Hans Geride war Dienstag abend von Schmargendorf aus mit dem Ballon Berlin" in Begleitung des Ballon­bauers Zetely aufgestiegen. Die Fahrt verlief während der Nachtstunden trotz des ungünstigen Wetters ziemlich glatt. Gegen 8 Uhr morgens passierte der Ballon am Mittwoch Thorn und näherte sich dem russischen Grenzorte Lubicz. Als der Ballon in 800 Meter Höhe die Grenze passierte, hörten die beiden Insassen plötzlich mehrere Ge­wehrschüsse, und einige Kugeln pfiffen dicht über den Köpfen der beiden Luftschiffer hinweg. In wenigen Minuten folgte Schuß auf Schuß. Die russischen Grenzwachen gaben etwa 60 Schüsse auf den Ballon ab, so daß sich die beiden In­sassen schließlich im Korb zusammenkauern und hinter den Sandsäden Deckung suchen mußten. Sobald einer der Herren den Kopf über den Ballonrand emporhob, um die Registrierapparate zu beobachten, fuhren neue Kugeln vorüber. Unglücklicherweise war der Ballon in eine Luft­strömung hineingeraten, die ihn dicht an der Grenze ent­lang führte, so daß die beiden Luftschiffer nicht weniger als fünfmal die Grenze passieren mußten, wobei sie jedes­mal von den Grenzwächtern beschossen wurden. Inge­nieur Gehrice stellte schließlich fest, daß in einer Höhe von über 5600 Metern eine nach Westen führende Windströ­mung herrsche, die den Ballon aus der Nähe der Grenze nach Deutschland treiben mußte. Durch Ballastabgabe stieg der Ballon schnell bis auf 5600 Meter empor. So trieben die Luftschiffer einige Zeit, bis sie in ein Wolfenmeer von unübersehbarer Größe hineingerieten. Gegen 12 Uhr mit­tags beschlossen sie schließlich zu landen, da sie in bedroh­liche Nähe der elektrischen Entladungen eines Gewitters tamen. Die Landung vollzog sich glatt bei der Ortschaft Nicolaiken bei Sensburg in Ostpreußen. Von dort aus wurde der Ballon 30 Kilometer weit bis zur nächsten Bahnstation gebracht und dann verladen. Die Luftschiffer haben während der 17 Stunden dauernden Fahrt etwa 700 Kilometer in der Fluglinie zurückgelegt.

Der Krönungstag in London.

Am Donnerstag wurden in der altehrwürdigen West­minsterabtet König Georg von England und seine Gemah­lin mit den alten englischen Krönungsinsignien geschmückt und erhielten damit die offizielle Weihe.

Der Krönungsakt verlief programmäßig unter Entfaltung märchenhafter Pracht. Gegen 9% Uhr verließ der Zug der fremden Fürstlichkeiten und der Vertreter der frem­den Staaten den Buckinghampalast und begab sich nach der Westminsterabtei. Um 10% Uhr kündete die Artillerie im Hydepark durch 21 Schuß an, daß sich der Zug der Majestäten in Bewegung gesezt habe. Voran schritten in mittelalter­lichen Kostümen die königlichen Schiffsknechte, hinter ihnen dte Adjutanten des Königs; es folgte die Generalttät. Un­terwegs wurden die Majestäten von der zahlreichen Menge mit stürmischen Burufen begrüßt. Bei der Ankunft in der Abtei wurde das Königspaar von der Geistlichkeit empfan­gen. Die Schüler von Westminster begrüßten die Mafe­stäten mit dem traditionellen Zuruf Vivat Regina, Vivat Rer." Ehe der König und die Königin ihre Thronsessel ein­nahmen, knieten sie zum Gebet nieder. Dann folgte der Akt der Krönung mit dem althistorischen Beremontell, und zwar die feierliche Anerkennung des Königs, die Salbung des Königs und die eigentliche Krönung. Als der Erz­bischof von Canterbury dem König die Krone aufs Haupt setzte, setzten alle Peers ihre Kronen auf. Die Versamm­lung brach in den lauten Ruf aus: Gott schüße den König! Die Trompeten schmetterten, die Kanonen in den Parks gaben Freudenschüsse ab und alle Glocken der Stadt läu­teten. Auf die Krönung folgte die Huldigung. Als erster huldigte der Thronfolger Prinz von Wales, es folgten die übrigen Beers nach ihrem Range. Nunmehr folgte die Krönung der Königin. Der Erzbischof übergab ihr den Ring und setzte ihr die Krone aufs Haupt. Nach der Spen­dung des Abendmahls sang der Chor das Tedeum und die Majestäten zogen sich in die Kapelle hinter dem Altar zu­rück. Als sie in die Kirche zurückkehrten, ertönte wieder der brausende Ruf: Gott schüße den König! bis das Kö­nigspaar die Kirche verlassen hatte. Der Königszug be­gab sich nach dem Buckinghampalast zurück, auf der ganzen Feststraße von der versammelten Menge auf das lebhafteste begrüßt.

Nach der Krönung.

Die Wagen mit den fremden Fürstlichkeiten fuhren auf der Fahrt vom Buckinghampalast nach der Westminsterabtei am Publikum ziemlich schnell vorüber. Die Zuschauer wa­ren bestrebt, die fürstlichen Insassen zu erkennen, aber dies war meist unmöglich, außer wenn es sich um ganz beson­ders hervorstechende Persönlichkeiten handelte, wie die Prinzen von China und Ägypten und die Vertreter von Aethiopien. Mehrere Prinzen trugen über ihren Unt formen die Mäntel ihrer britischen Orden. Der deutsche Kronprinz, Prinz Heinrich von Preußen und der Großherzog von Hessen hatten die Roben der Ritter des Hosenbandordens angelegt. Das Schauspiel in der Abtei war von wunderbarem Glanz. Die Pracht der Roben des Adels, die Toiletten der Damen, die vielen militärischen und Hofuniformen, das alles vereinigte sich zu einem ein­drucksvollen Bild von vollkommener Schönheit. Im Chor des südlichen Langschiffes saßen die Mitglieder des diplo­matischen Korps, unter ihnen Botschafter Graf Wolff- Met­ternich in der Rohe des Viktoria- Ordens mit dem Groß­freuz dieses Ordens. Gegenüber befanden sich die Plätze der fremden Fürstlichkeiten. Nach dem Einzug der Mitglie­der des königlichen Hauses war die Abtei bis auf den Raum vor dem Altar völlig gefüllt. Bewundernswert war die Leitung der Feier und die Ordnung, in der sich alles vollzog. Jeder Teil des Aftes kam so zur vollen Gel­tung. In würdevoller Weise gestaltete sich die Handlung der Krönung und der Huldigung. Sichtlich bewegt war der König, als der Prinz von Wales als erster Peer des Rei­ches die Huldigung leistete. Er drückte dem Sohn die Hand und füßte ihn. Tiefen Eindruck machte die vollkominene Würde des Königs und der Königin während der feier­lichen Handlung. Als der königliche Zug die Abtei verließ, durchbrausten mächtige Hurras für den König und die Kö­nigin und den Brinzen von Wales die Kirche. Eine ähn­

Itche Begrüßung wurde ganz spontan dem deutschen Krons prinzen zuteil.

Nach der Rückkehr in den Buckinghampalast erschienen der König und die Königin noch im Krönungsornat auf dem Balkon des Schlosses, von der Menge mit brausendem Jubel begrüßt. Die Truppen schlossen sich spontan den Freudenkundgebungen der Menge an, indem sie die Waffen in der Luft schwenkten. Die Feierlichkeiten verliefen bis her, ohne daß die Polizei einzuschreiten brauchte. Der Ambulanzdienst und alle militärischen Vorkehrungen funt tionierten ausgezeichnet. Es ereigneten sich nur wenige Ohnmachtsanfälle. Am heutigen Freitag findet der feier­liche Umzug durch die Stadt stattt. Der König und die Königin werden dabei eine Strecke von sieben Meilen durchfahren.

Die Flottenrevue vor Portsmouth.

Während London im Zeichen der Krönungsfeierlichkei ten steht, haben sich Schiffe aller Nationen und Englands gesamte Heimatliche Seestreitkräfte, mit nur geringen Aus nahmen, au einer großartigen Flottenrevue auf der Reede von Portsmouth gesammelt. Nicht weniger als 180 Kriegs­fahrzeuge, 57 große Passagierdampfer und Hunderte von Privatjachten und Fahrzeugen liegen in den Tagen vom 20. bis 27. d. M. bei Spithead. In der Tat eine friegerische Machtentfaltung und ein Gewimmel von Schiffen, wie sie faum ein Hafen der Welt erblickt, eine feierliche Veran lassung gezeitigt hat. Vor Monden schon war an alle see­fahrenden Nationen die Einladung ergangen, je eins ihrer Schiffe zu einer Flottenrevue nach der Reede von Ports­mouth zu entsenden, und siebzehn Länder haben ihr Folge gegeben. Zur Krönung selbst sind in London 32 Vertreter fremder Souveräne oder Staaten anwesend. Ein Stein zum Friedenstempel der Welt mehr, werden die Friedens­apostel und die Kriegsverdammer unserer Zeit frohlocken! Denn während der König in der Westminsterabtei schwört, den Frieden des Landes zu wahren und ist der Friede Altenglands nicht der Friede der Welt? stimmen demt König alle Nationen mit dem Ehrensalut ihrer Kriegs schiffe bei und bekräftigen auch ihrerseits das Friedens­versprechen.

Unfälle während der Feierlichkeiten.

Bei den zahlreicher Festveranstaltungen, die aus An­laß der Königsfrönung in ganz England stattfanden, ist es nicht ohne Unfälle abgegangen, von denen einige schwe rer Natur waren Darüber meldet der Draht:

London, 28. Juni. Beim Zug der königlichen Pro­zession nach der Westminsterabtei stürzte ein Rittmeister von der Leibgarde von seinem scheu gewordenen Pferde und erlitt einen Schädelbruch. In Lyme Regis, Grafschaft Dorset, barst eine zur Feier der Krönung abgeschossene Kanone und richtete furchtbare Verheerungen an. Ein her­vorragender Bürger namens Badford erhielt gräßliche Ver­legungen, an denar er nach kurzer Zeit verstarb. In Ba­rustable stürzte ein zu den Dekorationen gehöriger Tri­umphbogen ein. wobei eine Frau erschlagen und mehrere Personen schwer verletzt wurden.

Drabtnachrichten und neuestes.

Der Kaiser auf der Kieler Woche.

Kiel, 23. Junt. Der Kaiser begab sich heute mor gen 8 Uhr an Bord des Meteor, um an der heutigen Wett­fahrt des kaiserlichen Jachtklubs teilzunehmen.

Fortsetzung des Deutschen Rundfluges.

Kiel, 23. Juni. Für die fünfte Tagesstrecke des Deutschen Rundfluges Kiel- Lüneburg starteten heute früh von 4 Uhr ab Büchner, Lindpaintner, Reichardt, Thelen, Schauenburg, Vollmöller und König.

Lüneburg, 28. Juni. Von den Fliegern sind bis­her angekommen Lindpaintner um 6,10 Uhr, Büchner um 6,16 Uhr, Vollmöller um 6,50 Uhr und Thelen um 7,33 11hr. Im Flugapparat über den Kieler Hafen.

Kiel, 23. Juni. Gestern abend gegen 8% Uhr stieg Kapitän z. S. Pustau mit dem Flieger Hirth zu dem aus­gesprochenen Zweck eines militärischen Erfundigungs­fluges auf. Das Flugzeug ging etwa 900 Meter hoch über den Kriegshafen, wo es Pustau gelang, sämtliche dort liegenden Kriegsschiffe mit Sicherheit zu bestimmen und die genaue Lage in die Karte einzuzeichnen.

Tödlicher Unfall beim Spagenschießen.

Erfurt, 23. Juni. Auf dem Hofe der Mainzer Hof­Kaserne, in der sich ein Teil des Feldartillerieregiments Nr. 19 befindet, wurde gestern abend beim Schießen nach Spazen der Kanonier Schmidt von der. 2. Batterie so un­glücklich in die Brust getroffen, daß er bald darauf starb. Berliner Getreide und Schlachtviehmarkt.

Die Witterung ist in der am 21. Juni abgelaufenen Berichtswoche im allgemeinen recht fruchtbar gewesen, dürfte aber schwerlich noch die bereits eingetretenen Be­schädigungen der Saaten in großem Umfange wieder gut ge­macht haben. Man ist vielmehr in Börsenkreisen überzeugt, daß die deutsche Ernte an Roggen und Sommergetreide mangelhaft ausfallen wird. Wenn diese Ansicht besonders bet den Preiser von Roggen nicht zum vollen Ausdruck gekommen ist, so Itegt das hauptsächlich an zwei Umstän= den. Erstens haben einige Gebiete Deutschlands einen recht befriedigenden Ertrag zu erwarten, und von dort her mehrt sich das Angebot für Abladung aus neuer Ernte und zwei­tens zeigt sich Rußland, das wiederum eine reiche Ernte erwarten fann, ziemlich verkaufslustig. Die Roggennotie­rungen stellen sich infolgedessen für spätere Termine gegen die vorhergehende Woche sogar etwas niedriger. Für Wet­zen haben neuerliche Klagen aus einigen Bezirken der nordamerikanischen Fruchtarten über Schädigung der Saa­ten durch Dürre sowie Käufe für Budapester Rechnung auf Grund von Ernteschäden den Preisen eine mäßige Beffe­rung gebracht. Hafer wurde ziemlich rege gekauft und zog im Preise an auf die ungünstige Beurteilung der heimi­schen Ernteaussichten. In Mais war das Geschäft ruhig. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für den Septembertermin wie folgt: Weizen 199,25 M, Rog gen 167,75 M, Hafer 164,25 M, Mais 141,50 M.

Preise des städtischen Schlachtviehmarktes. 1. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, un­gejocht 79-84 M, F) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 73-80 M, c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 66-74 M. 2. Bullen: a) vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes 73-77 M, b) vollflei schige jüngere 71-76 M. c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 60-78 M. 3. Färsen und Kühe: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes bis M, b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, bis zu 7 Jahren 68-72 M, c) ältere auss gemästete und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 62-67 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 57 bis 62 M, e) gering genährte Kühe und Färsen bis 64' M, f) gering genährtes Jungvieh( Fresser) 56-66 M. 4. Stäl ber: a) Doppellender feinster Mast 107-136 M, 6) feinste Mastfälber 93-100 M, c) mittlere Mast- und beste Saugfäl ber 83-92 M, d) geringere Mast- und gute Saugfälber 74-84 M, e) geringere Saugfälber 55-75 M. 5. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel 76-84 M, b) ältere Masthämmel, geringere Mastlämmer und gut ge nährte junge Schafe 70-76 M, c) mäßig genährte Hämmel und Schafe 57-72 M. 6. Schweine: a) Fettschweine über 3 3tr. Lebendgewicht' M, b) vollfleischige Schweine 240 bis 300 Pfd 54-56 M, c) vollfleischige 200-240 Pfd. 54-55 M, d) vollfleischige Schweine 160-200 fb. 52-55 M, e) vollfleischige Schweine unter 160 Pfd. 50-52 M, f) Sauen 48-49 M.