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Ueberall zu haben.

1. in Gießen

Gießener Zeitung

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( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 pfg. monatlich oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­Erscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. jeden Werktag früh.- Die Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.

Nr. 71.

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Telephon: Nr. 362.

Aus dem Reichstag. ( Spezialbericht der Gießener Zeitung".) Obstbau Sortierung- Dörren.

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Bei dem Titel Förderung der Landwirt­schaft" im Reichsetat nahm der Abg. Behrens das Wort, um dazu folgendes auszuführen:

Der Titel 19, der zur Förderung des Ab= sazes und der Verwertung von land wirtschaftlichen Erzeugnissen dem Herrn Staatssekretär die nötigen Mittel zur Verfügung stellt. Unter diesen Titel fällt auch die Förderung des deut­schen Obstbaues. Der Obstbau ist ein wesentlicher Teil unserer heimischen Landwirtschaft geworden, und beson­ders die kleinen Landwirte sind außerordent lich an dem Obstbau und einer günstigen Verwertung des Obstes interessiert. In den letzten Jahrzehnten sind in Deutschland alljährlich Millionen Obstbäumen angepflanzt worden zu dem Zwecke, dadurch der jetzigen übergroßen Einfuhr ausländischen Obstes Konkurrenz zu machen. Es ist eine Frage von großer Tragweite, minderwertiges, weniger gutes mit fleinen Schönheitsfehlern behaftetes Obst direkt zu ver­werten. Für die Herstellung von Fruchtweinen werden die künftigen Mengen des gebauten Obstes viel zu groß sein. Die Obstkonservenfabriken sind zur Zeit der Haupt­obsternte sowohl mit der Verwertung des Obstes als auch mit der Verarbeitung der Gemüse beschäftigt. Sie sind nun erfahrungsgemäß nicht in der Lage, das große Angebot, das während der Erntezeit an Obst herrscht,

zu verbrauchen, und die Preise werden dadurch außer

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ordentlich gedrückt. Die Obstzüchter, besonders die klei­nen Landwirte, werden dadurch oft sehr geschädigt. Es ist deshalb für die Obst züchter und Kleinbau­ern eine Frage von der größten Bedeutung, das vor­bezeichnete Obst zu einem haltbaren Fabrikat zu arbeiten, welches zu einer Zeit, in welcher die Konser venfabriken Mangel an Material haben, gesucht und an­gemessen bezahlt wird. Billiges Obst für den kleinen Mann in reichlichen Mengen den Märkten zuzuführen, liegt im Interesse der Volksgesundheit und muß eine der hauptsächlichsten Aufgaben des Deut­schen Pomologenvereins und aller Behörden und Kör­perschaften sein, die für den deutschen Obstbau arbeiten.

Es ist allerdings nicht zu bestreiten, daß die Nach­frage nach feinem Tafelobst auch in Deutschland bisher in demselben Umfang gestiegen ist, wie die Wohlhaben= heit und damit die Ansprüche und Bedürfnisse des täg­lichen Lebens gestiegen sind. Feines Tafel obst ist heute sehr gefragt und findet immer guten Absatz. Je mehr bei den Obstzüchtern die Erkenntnis sich Bahn bricht, daß nur gleichmäßig sortiertes Obst die Handels­ware ist, die imstande sein wird, die ausländische Ausfuhr auf deutschen Märkten zu ersetzen, je mehr die Obstzüchter sich zu gewissenhafter Sortierung zwin­gen und daran gewöhnen, um so größere Mengen Obst zweiter, dritter und vierter Sortierung werden gleich= zeitig für die weniger zahlungskräftige Bevölkerung ge­

wonnen.

Meine Herren, je nach der Eigenart der Sorten er­höht sich auch der Prozentsatz oder, was bei vielen Sor­ten zutrifft, erniedrigt sich zu Gunsten der dritten und noch billigeren Sortierung. Von letzteren aber darf man nicht annehmen, daß sie für den Rohgenuß nicht geeignet sind. Ihr Minderwert beruht oft nur auf Schönheitsfehlern. Der Wert für die Volksernährung ist nicht beeinträchtigt. Durch die gewissenhafte Sortierung, die der deutsche Pomologenverein durch Wort und durch Schrift, insbesondere durch das Beispiel seiner Obst= verpackungs- und Obst sortierungskurse, in weite Kreise getragen hat, und die die deutschen Obst züchter in immer größerem Maße vornehmen, wird ein Teil Obst frei, das nicht mehr in die letzten Sortierun­gen hineingehört und besonders in Jahren mit reichen Obsternten nicht mehr auf dem Markt lohnend verwen­det werden kann. Das Dörren des Obst es war bis vor kurzem mit großen Kosten verknüpft und wenig erträglich, ja deckte oftmals die Selbstkosten nicht. diesem Uebelstande entgegenzuwirken sind vom Deutschen Pomologenverein allerlei Versuche angestellt worden, um Verfahren zu finden, solches minderes Obst rentabel zu verwerten.

Um

Durch die Erfahrungen und Erfolge, die in der Landwirtschaft mit den neueren Maschinen- Ein richtungen zum Trocknen der Kartoffeln gemacht sind, angeregt, hat der deutsche Pomologenver­ein mit diesen Kartoffeldörrmaschinen Versuche mit dem Dörren von aus sortierten Aepfeln gemacht. Diese Ver­suche haben ein günstiges Resultat ergeben. Die Dörr produkte, die auf diesem Wege gewonnen wurden, sind an fünfundsiebcig Verwertungsfirmen, die sich mit der Herstellung a Isoholfreier Getränke beschäfti­

Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

des Großherzoglichen Polizei- Amtes

der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

Behörden Oberhessens

Freitag den 24 März 1911

gen, geschickt worden, und eine große Anzahl dieser Fir­men hat erklärt, daß diese Produkte für ihre Zwecke 3wede durchaus brauchbar und wohlgeeignet seien, die amerika­nischen Ringäpfel, die jetzt hauutsächlich verarbeitet wer­den, zu ersetzen. Der deutsche Pomologenverein hat auch die Rentabilität dieses Dörrverfahrens festgestellt. Wenn die Versuche des Pomologenvereins auf diesem Gebiet weiter von Erfolg gekrönt sind, so wird den deutschen Landwirten, besonders den kleinen Landwirten und den Obstzüchtern eine sehr gute Ein­nahmequelle besonders in den Jahren geöffnet, in denen viel Obst erzeugt wird. Eine bekannte Tatsache iſt ja: wenn das Obst knapp ist, steigt es im Preise; aber in den Zeiten, wo viel geerntet wird, sinkt es außerordent­lich im Preise und ist dann in den ländlichen Bezirken schafft wird, auf diesem Wege der Dörrung es günſtig kaum zu verwerten. Wenn nun eine Möglichkeit ge­zu verwerten, dann würde das sehr wertvoll für die Landwirtschaft, insbesondere für die kleinen Leute und für die Obstzüchter sein.

Im übrigen aber ist es auch eine Frage der Volks­ernährung. Je mehr Obst im Lande und von den wei­ten Volkskreisen verzehrt werden kann, desto günstiger ist es für die Volksernährung und-gesundheit. Denn es gibt kaum ein gesunderes Nahrungsmittel als Obst. Und deswegen bitte ich den Herrn Staatssekretär, bei der Verteilung der Mittel, die ihm aus Titel 19 seines Etats

zur Verfügung stehen, den deutschen Bomologenverein

zu seinen Arbeiten und Versuchen auf dem Gebiete der

Obstverwertung möglichst reichlich zu unterstützen.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Naum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Re flameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Wir haben keine Ursache an der Richtigkeit dieser Charakterisierung zu zweifeln. Die Großblockbrüder fen­nen sich ja genügend, um sich richtig einschätzen zu kön­nen. Wir stimmen also zu.

Das Berl. Tgbl." hatte in demselben Artikel den So­zialdemokraten empfohlen, unter Umständen zugunsten der fortschrittlichen Volkspartei auf besondere Kandidaten zu verzichten, um die Wahl eines entschiedenen" Libe­ralen sicher zu stellen. Darauf antwortet der Vorwärts" in föstlicher Offenheit:

Und leider stehen die Ratschläge, zu denen sich das Berl. Tageblatt" weiterhin in wahltaktischer Beziehung herabläßt, ganz auf der gleichen Höhe. Mutet uns das Blatt doch allen Ernstes zu, da, wo die Sozialdemokra­tie auf einen Erfolg aus eigener Kraft nicht hoffen darf, auf die Aufstellung eigener Kandidaten zu verzichten! Als ob es nicht gerade diese Taktik gewesen wäre, die in vielen Wahlkreisen den Freisinn so heruntergebracht hat, die auch die Hauptschuld daran trägt, daß in Gie­Ben- Nidda ein Teil der politisch so mangelhaft geschulten und disziplinierten Wählerschaft ins Lager der Antise­miten übergelaufen ist! Wenn der Freisinn trotz aller trostlosen Erfahrungen noch immer nicht gelernt hat, daß es nichts Korrumpierenderes gibt, als solch kläg= liche Kompromisselei, die kein politisches Prin­schlimm ge= zip kennt, als das der Grundsazlosigkeit nug für ihn! Aber der Sozialdemokratie zuzumuten, dem tapfer en Liberalismus zuliebe auf grund­

fätzliche und entschiedene Vertretung ihrer Anschauungen

zu verzichten, ihr zuzumuten, von vornherein ihr Banner zusammenzurollen, nur damit einem was chlap­pigen und korrupten Liberalismus die

Aus dem Grossblock von Bebel bisual erspart wird, sich für links oder

Bassermann.

Zwischen dem Berliner Tageblatt", das das Re­sultat der Gießener Stichwa hI im höchsten Grade bedauerlich und geradezu schmachvoll" bezeichnete, und dem Vorwärts", der aus gleicher Ursache seinen Leitartikel mit Liberale Schande" überschrieb, ist jetzt ein drolliger Frosch- Mäusekrieg über die Qua­lität ihrer Abgeordneten ausgebrochen. Das Berliner Tageblatt", das bisher der Sozialdemokratie in der Großblockdebatte am unentwegtesten Schmiere stand", leistet sich in Nr. 150( 22. März 1911) im Leitartikel Die Gießener Stichwahl" folgende Betrachtung über die Qualität der sozialdemokratischen Reichstagskandi­daten und Abgeordneten:

rechts, für Sozialdemokratie oder nackteste Reaktion zu entscheiden, das ist denn doch eine Leistung, die eines Mugdan würdig wäre!"

Also der waschlappige und korrupte Liberalismus wird seine Rolle als zutreiber der Sozialdemokratie weiter spielen können. Ob die Wähler aber in dieser un­würdigen Rolle weiter mitzumachen geneigt sind, das scheint nach den Erfahrungen in der Stichwahl in Gie­Ben- Nidda zweifelhaft zu sein.

Franz Behrens, Mitglied des Reichstages.

Hus Stadt und Land.

Gießen, deu 24. März 1911. - Die Herbst übungen des 18. Korps fin­den in diesem Jahre vom 22. August bis 20. Septem­ber statt. Die Operationsbasis liegt hauptsächlich im Taunus. Das Manövergelände wird begrenzt im Nord­osten durch die Linie Friedberg- Limburg, im Norden durch die Lahn, im Westen durch den Rhein von Ober­lahnstein bis Oppenheim, im Süden durch die Linie Oppenheim- Darmstadt, im Osten durch die Linie Darm­stadt- Frankfurt- Friedberg. In dem Gelände westlich der Linie Oppenheim- Wiesbaden- Kamberg übt die 25.( hess.) Division, östlich davon die 21. Division.

Aber daß die Sozialdemokratie mit Herrn Bed= mann nicht viel Staat machen konnte, das sollte sie sich eigentlich selbst sagen und die unbefangeneren So­zialdemokraten haben es sich wohl auch gesagt. Wer Herrn Beckmann selbst gehört hat, der hatte keinen sehr günstigen Eindruck von diesem sozialdemokratischen Kan­didaten. Und hier berührt man einen sehr wunden Punkt der ganzen sozialdemo= kratischen Wahlmache. Die Bedmänner werden geflissentlich in den Vorder= grund geschoben. Irgendwelche kleine Parteibeamte, die von der Leitung völ lig abhängig sind, müssen kandidieren und werden vielfach auch in den Reichs­tag gewählt, in dem sie dann allerdings nichts zu sagen, sondern nur zu stimmen haben. Man hat hier ein rotes Gegen- sundheitsamt der Landwirtschaftskammer für Pommern stück zu der Landratsfraktion auf der Rechten".

Niemand wird bestreiten können, daß das Berliner Tagebl." mit dieser Feststellung durchaus recht hat.

Dem Vorwärts" aber scheint diese Kritik seiner Größen" und der roten Landratsfraktion" nicht zu behagen. In Nr. 70( 23. März 1911) ant wortet er in einem Leitartikel Gießen- Nidda" darauf recht giftig:

,, Solchen Unsinn sollte doch das Berliner Tagebl." lieber die Herren Fischbeck und Wiemer verzapfen lassen! Wir würden es für geschmacklos halten, den Genossen Beckmann gegen das Geschwätz des Blattes in Schutz zu nehmen. Aber selbst wenn das dumme Gerede von den Beckmännern" gerechtfertigt wäre, so säße gerade der Freisinn derart im Glashause, daß er sich wahrhaftig hüten sollte, mit Steinen zu werfen. Denn eine Partei, in der die Fisch beck, kopsch, Mug­dan und Wiemer als hervorragende Leuchten gelten können, hat wahrhaftig feine Ursache, mit souveräner Gering= schätzung auf die kleinen Parteibeam­ten" der Sozialdemokratie herabzublicken! Doch haben ja gerade Linksliberale von der Theodor Barth- Gruppe über die freisinnigen Bezirksvereinsgrö­Ben so oft und so unbarmherzig die satirische Geißel geschwungen, daß wir uns die Jronisierung des Mosse­schen Größenwahns billig ersparen können."

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Gießen, 23. März.( Schuhimpfung gegen die Hämoglobinurie( Rotwasser, Weiderot, Blutharnen) der Rinder.) Im Auftrage des preußischen Landwirtschafts­ministeriums wird der Impfstoff gegen die Hämoglo­binurie der Rinder auch im Jahre 1911 durch das Ge­

Schußimpfung wird nach den Ergebnissen der Jahre zu Züllchow- Stettin hergestellt und abgegeben. Die 1907-1910 empfohlen für diejenigen Rinderbestände, in denen die Seuche alljährlich auftritt und in denen im Durchschnitt der Jahre 1 Prozent der Rinder oder mehr an der Seuche stirbt oder schwerer Erkrankungen wegen geschlachtet wird. Die Schußimpfung vermindert in ho­hem Maße die Zahl der Todesfälle und der schweren Erkrankungen. Der Impfstoff wird vom letzten Drittel Ge­des März an jeden Sonnabend abgegeben. Die brauchsanweisung, die auch die Bezugsbedingungen ent­hält, wird von der genannten Stelle auf Wunsch zu­geschickt.

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