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Deutscher Reichstag.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Kaiser über den Selbstmord. Wie bereits mit­geteilt, hat der Kaiser den Spruch des Ehrenrates gegen den Grafen Hans von Pfeil etwas gemildert, indem er dem Offizier, der aus dem Heer entfernt und des Rechtes, die Uniform zu tragen, verlustig gesprochen wurde, den Titel Hauptmann a. D. beließ. Die jetzt bekannt gewor­denen Gründe, die den obersten Kriegsherrn dabei leite­ten, legen für sein menschliches Empfinden beredtes Zeug­nis ab. Der Ehrenrat hat nämlich als eine besonders schwere Verfehlung gegen die Standesehre einen Selbst­mordversuch des Grafen Pfeil angesehen, weil er darin eine erhebliche Verlegung des Fahneneides erblickte. Der Kai­ser hingegen steht auf dem Standpunkt, daß der Selbst­mord eine Tat sei, die der Selbstmörder vor Gott und seinem Gewissen zu verantworten habe, die aber nicht gerichtlicher Beurteilung unterliegen fönne, wenn nicht besondere Umstände es erheischen; unbedingt aber gehe es zu weit, aus einem derartigen Schritt ein Verschulden wegen Bruchs des Fahneneides herleiten zu wollen.

Bei der Weiterberatung des Militäretats in der Budgetkommission des Reichstages wurde der Antrag, 2 Armeeinspekteure und je einen Gouverneur in Berlin, Cöln, Mainz und Ulm, sowie je einen Kommandanten in Altona, Breslau, Karlsruhe, Magdeburg und Spandau nebst den zugehörigen Generalstabsoffizieren zu streichen, abgelehnt. Für die Streichung der beiden Armeeinspek­teure stimmten nur die Sozialdemokraten, für die der Gou­verneure und Kommandanten auch der Fortschritt. Der Kriegsminister erklärte in der Besprechung auf sozialdemo­fratische Ausführungen, daß die Armee den Mitgliedern der regierenden Häuser dankbar wäre dafür, daß sie sich in den Dienst der Armee stellten, obgleich sie verfassungs­mäßig nicht dazu verpflichtet wären, und daß sie dadurch den innigen Zusammenhang zwischen den regierenden Häusern und der Armee zum lebendigsten Ausdruck_bräch­ten. Am Donnerstag soll die Frage des Verkaufs des Tempelhofer Feldes besprochen werden.

Nachdem im letzten Teil der Dienstagsißung der Abg. Ablaß( f. Vp.) den noch nicht abgeschlossenen Prozeß Becker und dessen ganze Vorgeschichte behandelt hatte, nahm der erfte Redner der Sitzung vom Mittwoch, Abg. Wagner: Sachsen( fons.) Anlaß zu der Feststellung, daß der Zusam­menhang mit der Reichsjusttzverwaltung nicht mehr recht erkennbar ist, daß es sich vielmehr um eine Einmischung in innerpreußische Justizangelegenheiten handelt, mit dem Zwecke, den freisinnigen Parteifreunden, die im Abgeord­netenhause sehr schlecht abgeschnitten hätten, den Rückzug zu decken. Dr. Wagner verwandte sich weiterhin für eine Eindämmung der Weitläufigkeiten des Strafprozesses. Auf die Ausführungen des nationalliberalen Abg. Jund, der mannigfache Materien aus dem Gebiete der Rechts­pflege berührte und u. a. der sogenannten Lieberkammer aus Anlaß des Moabiter Prozesses anerkennende Worte für ihre Unpartetlichkeit widmete, erwiderte Staatssekretär Lisco auf seine Einzelfragen und-Vorschläge, die auch der Justizverwaltung erwünschte Beschäftigung der Richter ab= wechselnd in 3tvil- und in Strafkammern findet ihre Schwierigkeit in der Vorliebe der Richter für die Zivilkam­mern und dem Mangel einer Einwirkungsmöglichkeit der Justizverwaltung auf die dafür zuständigen Oberlandes­gerichtspräsidenten. Die Verteilung der durch das Gesch vom vorigen Jahre zum Reichsgericht zugelassenen Hilfs= richter auf die bestehenden Senate ist besser, als die Bil­dung einer größeren Zahl von Senaten, da sonst jetzt und dann wieder 1912 oder 1913 nach Aufarbeitung der vor­liegenden Revisionen und Ueberflüssigwerden der Hilfs= richter eine vollständige Aenderung der Geschäftsverteilung vorgenommen werden müßte. Ueber die Notwendigkeit ei­ner Erhöhung der Rechtsanwaltsgebühren haben die Bun­desregieungen, nachdem die Anwaltskammern der preußt­schen Justizbehörde ihre Fragebogen als unzweckmäßig ha­ben zurückgehen lassen, die Oberlandesgerichtspräsidenten um gutachtliche Aeußerungen ersucht. Auf eine Rede des Abg. Werner( Rfpt.), der eine Erhöhung der Zeugengebüh­ren und ein Vorgehen gegen die Schundliteratur forderte, folgten lange Ausführungen des sozialdemokratischen Abg. Stadthagen über angebliche Fälle von Klassenjustiz. Das Effener Urteil falle den Geschworenen zur Last, die gerade­zu verbrecherisch ihr Votum gefällt hätten. Was den Fall der Bonner Borussen anbetreffe, so verlange er auch Milde gegen die Arbeiter. Warum werde nicht gegen die Moa­biter Mörder des Arbeiters Hermann vorgegangen? Wa­rum nicht auch gegen den Berliner Polizeipräsidenten und den Minister des Innern, die den Mord noch gelobt hätten? ( Redner wird zur Ordnung gerufen.) Staatssekretär Lisco beschränkte sich den sozialdemokratischen Anklagen gegen= über auf die Erklärung: Nach dem Ordnungsruf des Prä­sidenten habe ich zu dieser Angelegenheit nichts mehr zu sagen.( Lärm bei den Sozialdemokraten. Abg. Ledebour ruft: Drückerei! und wird zur Ordnung gerufen. Rufe bei den Sozialdemokraten: Er hat Recht!) Dann sprachen noch der Pole Senda, der die Unparteilichkeit des Reichsgerichts in Zweifel zog, und der Abg. Müller- Meiningen( fortschr. Volksp.), der erklärte, die legten großen Prozesse hätten die Unparteilichkeit des deutschen Richtertums dargetan. Fehl= griffe seien selbstverständlich, aber man dürfe sie nicht ver­allgemeinen. Die Ausbildung der Juristen müsse von Grund auf geändert werden. Unsere Jrzengesetzgebung fei mangelhaft. Gewisse Urteile hätten freilich das Ver­trauen des deutschen Volkes zur Rechtsprechung erschüttert. Damit war der Etat des Staatssekretärs und des gesamten Reichsjustizamtes erledigt. Am Donnerstag beginnt die zweite Lesung der Heeresvorlage und des Heeresetats.

Die Einwohnerzahl Deutschlands.

aufgenommen wirb, dient zum Bau von etwa 10 000 Kilo meter neuer Straßen. Die Ausführung dieses Straßen­nekes ist französischen Unternehmern erteilt worden; diese erhalten Abschlagszahlungen im Umfange der ausge­führten Arbeiten. Mithin hat die Türkei keine freie Ver­fügung über die Gelder. Diese verbleiben in Frankreich.

Kleine Nachrichten.

Sturmfahrt eines Militärballons. Der Militärballon Para 1909" vom Luftschifferbataillon, der, wie gemeldet, Dienstag mittag um 1 Uhr auf dem Gelände des Bataillons aufgestiegen war, ist troß des widrigen Wetters spät abends bei Müllrose in der Mark gelandet.

Der Kronprinz als Samariter. Am vergangenen Sonnabend wurde, wie aus Kalkutta gemeldet wird, auf der Tigerjagd ein Kulitreiber vom einem Tiger schwer ver­letzt. Der Kronprinz brachte ihn in seinem eigenen Boot nach dem Militärhospital, besuchte ihn dort täglich und be­schenkte ihn freigebig.

Die Gesellschaft der Steuer- und Wirtschaftsreformer tagte am Dienstag und Mittwoch in Berlin. Ueber das Thema der Beziehungen von Stadt und Land sprach der sächsische Kammerherr v. Frege. Er führte aus, daß die Zeiten, in denen in den Städten eine Antipathie gegen das Land herrschte, glücklicherweise vorbei seien, aber man treffe auch jetzt noch öfter eine komische Abneigung gegen das Land in den Städten. Industrie und Landwirtschaft hätten dieselben Interessen und bedürfen daher auch des­selben Schutzes. Solange es noch Zeit sei, müsse man die Zufriedenheit der Leute auf dem Lande erhalten, damit sie nicht in die Stadt ziehen, in der Stadt müsse man den Mittelstand zu erhalten suchen. Weiter wurde noch über die Erfolge und die wirtschaftlichen Wirkungen der Reichs­finanzreform verhandelt. In der Vereinigung deutscher Schweinezüchter wurde am Mittwoch über Viehzucht und Fleischversorgung Deutschlands verhandelt. Der Referent Prof. Anhagen trat für eine Hebung der Schweinezucht durch Zerteilung größerer Güter und Ansiedlung von Bauern ein.

Der Reichsanzeiger" veröffentlicht die vorläufigen Er­gebnisse der Volkszählung am 1. De mber 1910. Danach betrug die Einwohnerzahl im deutschen Reiche: 32 029 890 männliche 32 866 991 weibliche, zusammen 64896881 Personen. Davon entfallen auf Prenzen 19 845 811 männliche, 20 310 980 weibliche Personen, auf Bayern 3375 229 bezw. 3 501 268, auf Sachfen 2322 185 bezw. 2 480 300, auf Württemberg 1191 383 Bezw. 1 244 228, auf Baden 1059 137 bezw. 1082 695, auf Hessen 639 214 bezw. 643 005, auf Mecklenburg- Schwerin 317 884 bezw. 321 995, auf das Großherzogtum Sachsen- Weimar 204 409 bezw. 212 757, auf Mecklenburg- Streliß 53 523 bezw. 52 824, auf Oldenburg 243 825 bezi. 238 605, auf Braunschweig 242 739 bezw. 251 648, auf Sachsen- Meiningen 136 687 bezw. 142 105, auf Sachsen- Altenburg 106 385 bezw. 109 928, auf Sachsen- o- burg- Gotha 125 353 bezw. 131 855, auf Anhalt 161 171 bezw. 169 876, auf Schwarzburg- Sondershausen 44 194 bezw.45 790, auf Lippe 73 230 bezw. 77 519, auf Schwarzburg- Rudolstadt 49 530 bezw. 51 362, auf Walded 30 541 bezw. 31 182, auf Reuß ä. 2. 34 695 bezw. 37 921, auf Reuß j. 2. 74 264 bezw. 78 501, auf Schaumburg- Lippe 23 396 bezm. 23 254, auf Lübeck 56 888 bezw. 59 645, auf Bremen 148 419 bezw. 150 317, auf Ham­burg 505 935 bezm. 509 772 und auf Elsaß- Lothringen 964 043 bezw. 907 659 Personen.

Der Familienschmuck der Wallutfeffs.

Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. 40) ( Nachdruck verboten.) Das würde uns sehr angenehm sein," entgegnete Montpierre verbindlich.

Eine österreichische Militärkapelle vor dem Kaiser. Die zu dem Ball der Desterreicher am Donnerstag in Berlin eintreffende Militärkapelle des Regiments Deutschmeister" wird am Sonnabend oder Sonntag bei der Frühstückstafel vor dem Kaiser konzertieren. Der Katser hat seine Freude darüber ausgedrückt, die Weisen der österreichischen Kapelle im Schlosse zu hören.

Carusos Gastspiel in Wien. Caruso ist für ein drei­maliges Gastspiel an der Wiener Hofoper verpflichtet wor den. Der Künstler erhält für jeden Abend das kolossale Honorar von 15 000 kronen, die höchste Gage, die ihm je­mals bezahlt worden ist.

Die Raubjagd auf Pelztiere soll jezt in Sibirien, we­nigstens soweit die edelsten Felle in Betracht kommen, ein­geschränkt werden. Die Pelzhändler in Jrbit haben nämt­lich beschlossen, die Regierung um ein Verbot des Zobel­fanges während zweier Jahre zu bitten. Nur hierdurch könne der Ansrottung des Zobels vorgebeugt werden.

Wohnbauten auf dem Lande. Gegen die Errichtung vielgeschossiger Mietfasernen in ländlichen Gegenden, eine Folgeerscheinung der immer mehr zunehmenden Ausbrei= tung der Industrie auf dem platten Lande, wendet sich ein an die beteiligten Provinzialbehörden ergangener Runderlaß des preußischen Ministers der öffentlichen Ar­beiten. Der Minister weist u. a. auf die erheblichen Miß­stände hin, die sich gerade auf dem Lande, wo es der Regel nach an Vorkehrungen für eine ordnungsmäßige Be­seitigung der Abfallstoffe und der Abwässer fehlt, bei dem engen Zusammenwohnen vieler Familien einstellen. Für die nachgeordneten Behörden sind in dem Erlasse deshalb Fingerzeige gegeben, wie der Errichtung großer Mietka­sernen auf dem Lande gesteuert, anderseits aber die Auf­führung von Ein- und Zweifamilienhäusern gefördert werden kann.

Die jungen Männer schüttelten sich die Hände. Dann verabschiedete sich Clairon. Er fuhr zu Acton und brachte ihm das Perlenhalsband, die Sterne, die Nadel und den Ring. Der Juwelier sollte aus den beiden letzten Gegen­ständen wieder ein Paar Ohrgehänge, genau wie die er­sten, machen, den ganzen Schmuck reinigen und ein Etui bestellen. Clairon wünschte es aus grünem Saffianleder, innen mit weißem Sammet gefüttert. Auf dem Deckel sollte das Monogramm der Gräfin Wallutjeff unter der neunzadigen Krone in goldener, schön ziselierter Juwe­lierarbeit prangen.

Jetzt erst dachte der gewissenhafte Geheimpolizist an sich selbst; er fuhr nach Rose- Cottage. Sein Herz klopfte freudig und doch voller Unruhe. Miß Lionel bat ihn, in ihr reizendes Boudoir zu treten. In ihrem rosig er­glühten Gesichtchen spiegelte sich stolze Erwartung. Mit offenen Armen eilte sie dem Mann entgegen, der durch seine Klugheit und Energie ihre Achtung und Liebe ge­wonnen hatte.

Mis Mabel", sagte Clairon, Sie haben durch die Zeitungen alles erfahren. Zürnen Sie mir, daß ich mich unter einem falschen Namen bei Ihnen einführte?"

Nein, wie sollte ich es," entgegnete sie ,,, ich bin stolz auf Sie, Mr. Clairon.

Einen unheimlichen Fund machte ein Thorner Arbeiter. Er fand in einem Gebüsch ein mit Bindfaden verschnürtes Paket, das er nach seiner Arbeitsstelle mitnahm. Hier würde es geöffnet und man fand darin zwei Kinderleichen. Ueber die Herkunft schwebt völliges Dunkel.

Ein rabiater Bursche ist in Mainz verhaftet worden. Als Mittwoch früh der 19jährige Karl Ferkaluk vom Wirts haus in die elterliche Wohnung kam und sein Nachtessen in der Küche nicht vorfand, schlug er alles kurz und klein. Als seine Mutter und sein älterer Bruder Wilhelm herbei­eilten, stach er mit dem Messer blindlings auf diese los, sodaß beide schwer verletzt ins Hospital gebracht werden mußten.

Das Programm für die Krönungsfeierlichkeiten in England ist jetzt veröffentlicht worden. Die Empfänge der fremden Vertreter und Fürstlichkeiten finden am 17., 18. und 19. Juni statt. Am 19. ist großes Festessen im Buckinghampalast, am 20. offizieller Empfang der aus­ländischen Delegierten im Schloß von Buckingham, am 21. offizieller Empfang der Minister der englischen Kolonien, am 22. Krönungsfeier, am 24. große Flottenschau, am 26. Galaoper, am 29. firthliche Feier in der St. Paulskathe­drale, nachher Festessen zu Ehren des Königs, gegeben von der Stadt London.

Sie gaben mir ein Amulett, diesen Ring," sagte Henri, er hat mir Glück gebracht. Darf ich ihn behal­ten?"

Ja," lispelte sie in holder Verlegenheit. " Mabel, darf ich eine Frage an Sie richten?" Und als ihre Augen es bejahten, fuhr Clairon fort: Jd liebe Sie, Mabel. Lange habe ich mit diesem

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Sie durch den worden ist. D mit leidenschaft men, und tägl Telegrammen e Stätte feines b en der orthod ber heilige Sy gen 3wangslag Sienten Fanati Ein glüdli gefchichte ift die lacht worden. Frift. 3tg." Der Liebenswi Reichstagsabge biefen zum Un unerwarteterm Annahme der G Mg von Erbsch Mart in bar nun in feinem

Ein sonderbarer Unfall ereignete sich in Monstab( Al­tenburg). Ein Bäckermeister zerkleinerte mit einem schar­fen Brotmesser hartes Brod für die Pferde. Das Messer rutschte plößlich ab und drang dabei dem Manne ins Herz, so daß er tot zu Boden stürzte.

Die türkische 100 Millionenanleihe, die in Frankreich

Gefühl gekämpft: Sie sind die reiche Erbin, ich nur der arme Henri Clairon."

Bei einem Hansbrand umgekommen ist in Düsseldorf ein 61jähriger Fabrikarbetter. Drei Kinder konnten geret­tet werden.

,, Nur?" erwiderte Miß Lionel. ,, Sie sind der einzige Mann, der mir imponiert, der einzige, dem ich von Her­zen gut bin."

,, Sie willigen also ein, meine Frau zu werden?" Ja, von ganzem Herzen."

Ein gräßlicher Unglücksfall trug sich auf der Zeche , Graf Schwerin" zu Raurel bei Dortmund zu. Ein Schacht­hauer öffnete die Schachttür, um das Signal zum Herauf­fahren des Förderkorbes zu geben, als plötzlich infolge des starken Sturmes die Tür zuschlug und den Unglücklichen in den Schacht stieß. Der Schachthauer stürzte 620 Meter tief hinab und blieb als ubnkenntliche Masse liegen. Im lezten Moment hatte er noch die Tür erfassen wollen, doch schlug dieselbe die linke Hand glatt ab.

Mes Lionel billigte die Wahl ihres einzigen Kindes. Sie gab mehr auf die Charaktereigenschaften, die Clairon in so hohem Maße sein eigen nannte, als auf Reichtum. Den besaß Mabel selbst in Hülle und Fülle und konnte bei der Wahl des Gatten ganz der Stimme ihres Her­zens folgen.

Vermischtes.

Russischer Fanatismus. Mit gespannter Aufmerksam samkeit blickt ganz Rußland auf die Stadt Zarizyn, wo ein schnell berühmt gewordener Mönch namens Jliodor eine Schar fanatischer Anhänger um sich geeint hat, die alle freiwillig dem Hungertode entgegengehen wollen. Die Reden und Laten Jliodors haben in der letzten Zeit in Rußland großes Aufsehen erregt, denn der furchtlose Mönch scheute nicht davor zurück, seine geistlichen Vorgesezten zu tadeln, an allerlei Maßnahmen des heiligen Synod Kritit zu üben, und dabei deckte er vor der Deffentlichkeit eine Reihe schlimmer Mißstände in der kirchlichen und staat­lichen Verwaltung seines Distriftes auf. Der heilige Sy­nod beschloß schließlich, den unbequemen Mann abzuschieben und befahl ihm, sich in ein Kloster der Diözese Tula zu­rückzuziehen. Aber Jliodor weigert sich, diesem Befehle nachzukommen, der ihn dem eigentlichen Felde seiner Wirt­samkeit entziehen würde. Vor dem Altor der Kirche lei­stete er einen feierlichen Eid, er wolle lieber den Hunger­tod erleiden, als Zarizyn verlassen. Nun weilt er schon mehrere Tage in dem Gotteshause, weist alle Lebensmittel zurück und liegt betend vor dem Altare. Eine große An­zahl Mönchsbrüder und Gemeindeglieder haben geschworen das Schicksal Jliodors zu teilen. Tag und Nacht ist die Kirche von frommen Fanatikern besetzt, die singend und betend die Erlösung durch den Tod erwarten. Jliodor

Clairon hob das Geld von der Gesellschaft L'Equitable ab und beglich die bedeutenden Auslagen. Jim wurde für seine Dienste glänzend belohnt. Auf die warme Em­pfehlung Clairons hin bekam er eine gut bezthlte Stelle bei der Geheimpolizei in Neunort.

Nun war alles so weit erledigt, daß der Abreise Clai­rons nichts mehr im Wege stane. Er hatte an Wallutjeff telegraphiert:

Allright, rise in drei Tagen ab."

Nichts weiter, denn er wollte sich die Freude vor­behalten, den wiedergewonnenen Schmuck persönlich ab­zugeben.

,, Meine Mutter und ich reisen mit Ihnen," sagte Mabel, als ihr Verlobter tam, um Abschied zu nehmen; ,, wir wollten Sie überraschen."

Jubelnd schloß Henri die Braut in die Arme. XI.

Jegor Alexejewitsch und Maria Nikolajewna hatten ihrer Reise in den Kaukasus und nach Yalta auf Wunsch des Arztes aufgegeben, sie gingen statt dessen in ein deut­sches Bad.

Seit den erfreulichen Nachrichten aus Amerika wich der auf dem gräflichen Paar lastende Druck teilweise. Maria erholte sich zusehends, und sie und ihr Mann hoff­

ten, daß die Findigkeit Clairons die Angelegenheit, welche ihnen so sehr am Herzen lag, zum guten Ende führen werde. Ich sehne mich darnach, Luzern zu sehen, um das Grab unseres treuen Andrei zu besuchen", sagte Wallut­jeff. Wird es Dich aber nicht aufregen, mein Täubchen?" Nein, Jegor, auch ich möchte gern hin."" Wallutjeff hatte Clairon immer durch Depeschen be= nachrichtigt, wo er zu finden war. Auch jetzt, nach Em­pfang der Drahtnachricht aus Neuyork, flog nachstehendes Telegramm über das Meer:

Sind am 3. April in Luzern, Hotel Schweizerhof. Erwarten Sie dort.

Wallutjeff."

Bacon Montpierre und Miß Rower benutzten das selbe Schiff, wie Clairon, Mabel und Mrs. Lionel. Die beiden Brautpaare lebten sich gut ein. Alice sah zwar noch angegriffen aus, aber das Glück strahlte aus ihren Augen. In Havre landete man und reiste noch bis Paris zusammen. Dort blieb man einige Tage beisammen und verlebte im Hause der Eltern Alphonsens recht frohe Stunden. De Vater und die Mutter des jungen Fran­zosen hießen Miß Rower in ihrer Familie herzlich will­fommen.

Der Frühling zog über die Welt, als Clairon mit seinen beiden Damen in Luzern eintraf. Auch sie stiegen im Schweizerhof ab, Wallutjeffs waren schon seit einigen Tagen dort. Nachdem Henri sich vom Reisestaub gereinigt hatte, ließ er sich beim Grafen melden.

Mit ausgestreckten Händen eilte Gregor dem Geheim­polizisten entgegen, der eine rotlederne Tasche trug. Willkommen, lieber Freund!" rief der Graf und auch Maria begrüßte Clairon erfreut. Hier, Herr Graf, Ihr Eigentum," sagte Clairon, in­dem er die Tasche überreichte, bitte, öffren Sie das Schloß." Mit bebenden Fingern tat es Jegor.( Schluß f.)

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