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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint jeden Werktag früh.- Die Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.

Nr. 47.

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Telephon: Nr. 362.

Jugend- Pflege.

Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei Amtes

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Behörden Oberhessens

Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

Freitag den 24. Februar 1911

bäudes Gießen verkündet. Hierzu hat jeder Wähler 3u­tritt.

* Gießen. Der von der Israelitischen Religions­gemeinschaft geplante Sonderfriedhof wurde vom Kreisamt abgelehnt.

* Gießen. Die Vorarbeiten für die Bahnverbind­ung Gießen- Biedenkopf sind in vollem Gange. Ein Eisenbahn- Ingenieur ist von hier bereits beauftragt, die Pläne auszuarbeiten.

Unter den sozialen Aufgaben, die noch ihrer Lösung harren, steht die Jugendpflege, auf die von weitblicken­den Vaterlandsfreunden unermüdlich hingewiesen wurde, an erster Stelle. Es ist daher dankbar zu begrüßen, daß ein fürzlich veröffentlichter Erlaß des preußischen Kul­tusministers sich dieser Aufgabe annimmt; denn wem die Jugend eines Volkes gehört, dem gehört auch die Gießen. Am Dienstag hielt der Kriegerverein Zukunft. Das hat lange bereits mit unleugbarem Scharf Gießen im Vereinslokal zum Löwen seine Haupt- Ver­blick die Sozialdemokratie erkannt und sich infolgedessen sammlung ab. Laut Kassenbericht beträgt das Vereins­dieses vernachlässigten Zweiges unserer Sozialpolitik an­vermögen 4360 Mt. Die Mitgliederzahl im vergangenen genommen, mit der ausgesprochenen Absicht, dadurch Jahre bestand aus 367 ordentlichen und 17 Ehrenmit­die Jugend in den Bann ihrer Bestrebungen zu zwingliedern. Der Voranschlag für 1911 schließt mit 1680 gen. Gerechterweise ist die preußische Staatsregierung Mart in Einnahme und Ausgabe ab. Bei der Vor­auf Grund des Vereinsgesetzes gegen diese falsche Ju- standswahl wurden der 1. Vorsitzende Gabriel, Schrift gendpflege, die den heranwachsenden Jünglingen auf führer Möbus und Rechner Dort wiedergewählt und politischem Gebiete Haß gegen die Staatseinrichtungen Wagner als 2. Vorsitzender neugewählt. Als Ausschuß­und auf religiösem Gebiete nicht nur Gotteslosigkeit, son- mitglieder gingen aus der Wahl hervor die Herren Mö­dern Gottesverachtung einimpft, eingeschritten; aber in ser, Stuhl, Haupt, Waas, Rohleder, Kling, Sauer, richtiger Erkenntnis der Bedeutung der Sache hat sie sich Heß, Rück, Trümpert, Launspach, Welz, Dickore, Selzer nicht auf die Abwehr des von der Sozialdemokratie ge­und Schiffnie. gen die Jugend gerichteten Anschlags beschränkt, sondern ist daran gegangen, der Jugend gerade in den wichtig­sten Entwickelungsjahren, in denen der Grundstein zu dem fünftigen Menschen gelegt wird, den körperlichen und geistigen Halt zu geben, dessen der junge Mensch fürs Leben bedarf.

Körperliche und geistige Hebung beides strebt der Erlaß des preußischen Kultusministers in weitblickender Weise an, indem er alle Bestandteile unseres Volkes, die zur Jugendpflege berufen sind, zur Mithilfe aufruft und gleichzeitig unter Bereitstellung von Mitteln die staat­lichen Behörden anweist, alle derartigen Bestrebungen nicht nur zu unterstützen, sondern selbst tätig an ihnen mitzuarbeiten.

Ist unsere deutsche Arbeiterpolitik und die sich auf alle Stände, nicht nur auf die Arbeiter erstreckende So­zialpolitik die Grundlage für die Gesundheit unseres Volkes, weil sie den wirtschaftlich Schwachen schützt, so ist die Jugendpflege, welche der Erlaß des Kultusmi­nisters in die Wege geleitet hat, eine wichtige Ergänz­und dazu, welche den Vaterlandsfreund, der mit Sor­gen auf die Zukunft der deutschen Jugend blickt, mit neuem Mut und neuer Hoffnung erfüllt. Möge der Ruf, den die Regierung an die staatserhaltenden Schichten unseres Volkes mit diesem Erlaß richtet, nicht ungehört verhallen, damit es gelinge, die deutsche Jugend nicht nur der Freude, dem Glück, der körperlichen und gei­stigen Gesundheit zu erhalten und ihre gefährdeten Be­standteile wieder wieder zu erobern und zu sichern, son­dern auch den nationalen Gedanken, der die Stärke je­des gesunden Volkes ist, in ihr zu beleben und zu hell­lodernder Flamme zu entfachen. Diejenigen, die sich in den Dienst dieser großen Sache stellen, werden selbst den schönsten Lohn davontragen. Denn diese Arbeit mit und für die Jugend wird ihnen nicht nur das Bewußtsein geben, für das deutsche Volk und seine Zukunft zu ar­beiten, sondern ihnen auch selbst die Jugendlichkeit und Frische verleihen, die nur die Jugend besitzt und denen mitteilt, die sie lieben.

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Aus Stadt und Land.

Gießen, den 24. Februar.

* Militärische s. Stempel, Major beim Stabe des Inf.- Rgts. 168, zum Bataillons- Kommandeur er­nannt. Wilken, überzähliger Major, aggregiert dem Inf. Rgt. 168, tritt zum Stabe dieses Regiments über. Graf v. Königsdorff, Leutnant im Inf.- Rgt. 115, Lange, Oberleutnant zum Oberleutnant befördert.

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an der Unteroffizierschule in Annaberg, in das Inf.­Regiment 168 versetzt. v. Hahn, Hauptmann im Großh. Art.- Korps( Feld- Art.- Reg. 25), wird von der Stellung als Batterie- Chef enthoben und tritt unter Be­förderung zum Major zum Stabe dieses Regiments über. Seederer, Oberleutnant im Feldart.- Reg. 25, unter Beförderung zum Hauptmann zum Batteriechef ernannt. Frhr. v. Nordeck zur Rabenau, Oberleut­

nant in der Schutztruppe für Deutsch- Südwest- Afrika,

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* Gießen, 24. Febr. Bubenhände beschmieren Tisch und Wände", das mögen sich die gesagt sein las sen, die vorgestern die beiden am Sockel des Liebig Denkmals aufgestellten Figuren beschmutzt haben. Hof­fentlich werden sie bekannt und durch ein entsprechendes Protokoll belohnt.

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Bad Nauheim. Die Regierung hat einem Hotelier, der die Verhältnisse Nauheims genau kennt, ein Grundstück von 4900 Quadratmetern zum Preise von 294 000 Mark verkauft. Der Hotelier wird auf der Baufläche ein großartiges Riesen hotel erbauen. Der Erbauer des Hotels will, wenn ihm Solwasser zu Badezwecken zugesprochen wird, die Kosten der Anlage bestreiten und dem Staate eine Summe von 200 000 Mark leisten. Dann will er 30 Jahre lang 24 000 Mt. für 1000 Kubikmeter ihm zugeführtes Sprudelwasser dem Staate verabfolgen.

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Uebergang von Schülern der Mit­telschulen auf Lehrerbildungsanstalten. Der Un­terrichtsminister hat bestimmt, daß Schüler und Schü­lerinnen, die den Abschluß einer vollentwickelten Mittel­schule mit mindestens genügendem Erfolg erreicht haben, bei ihrem Uebertritt in eine dreiklassige Präparandenan­stalt ohne Prüfung endgültig in die zweite Klasse auf­zunehmen sind. Es wird nur nötig sein, ihrer Förder­ung in der Musik besondere Sorgfalt angedeihen zu lassen.

-sch Wetzlar, 23. Febr.( Ein salamoni­ches Urteil.) In der Aula des Kgl. Landrats amtes fand gestern die Schiedsgerichtssitzung der Knapp­schafts- Berufsgenossenschaft Saarbrücken, Sektion 1, statt. Unter den vielen Vorgeladenen, welchen man die Rente entzogen hatte, war auch der Bergarbeiter L. aus Bis= senberg. 2. hatte vor Jahren einen Unfall erlitten. Durch herabfallendes Gestein in der Grube war ihm die linke große Zehe gequetscht worden. L. bekam eine Rente von 15 Prozent, welche man ihm aber wieder entzog, da die Quetschung als geheilt angesehen werden konnte. Da aber noch Reibflächen" vorhanden waren, die zu einer eventuellen Verschlimmerung der Verletzung führen konnten, plädierte Gewerkschaftssekretär Schla­bach, der den L. vertrat, für Beibehaltung der Rente. Das Schiedsgericht stellte sich aber auf einen anderen Standpunkt und bewilligte fünf Paar Strümpfe. !! Aus der Wetterau. In dem Orte R. wird folgende ergötzliche Geschichte von einer kürzlich verstor benen alten Frau erzählt. Jedes Frühjahr kam Wirtin aus B. zu derselben, um ein Erstlingslämm­chen zu kaufen. Auf die Frage der Bäuerin, was diese mit dem Lämmchen mache, bekam sie die Antwort: Ja, liebe Frau, ich ziehe jedes Jahr ein Lämmchen groß anstatt Kinder, die teuer sind."" Siehste, Hannes", sagte die Alte zu ihrem dabeistehenden Schwiegersohn, dou mußt doas gerad so mache wäi die Fraa und näit ean 5 Johr 6 Keann grußzäihe!" Der Hannes soll zu

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( Gießener Tageblatt)

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die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reflame teil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

handlungstermin auf Antrag der Parteien auf den 4. Mai dieses Jahres vertag t.

== Fellingshausen, 24. Febr. Verschiedene Frauen hiesiger Gemeinde haben sich von einem Rei­bereden senden, der landwirtschaftliche Geräte anbot, lassen, Lose von der Nationalen Renten- und Kredit­bank in Amsterdam anzunehmen. Sie zahlen dafür mo­natlich 5 Mark Beitrag, dafür werden ihnen von der Verlosung der Obligationen 18 sichere Treffer zuge= sichert.(!) Die ganze Sache ist natürlich Schwin­del. Denn es liegt doch klar auf der Hand, daß eine Verlosung nicht 18 Treffer garantieren kann. Es ist bedauerlich, daß es diesen skrupellosen Leuten noch immer gelingt, ihre ausländischen Obligationen unter­zubringen. Also Vorsicht!

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Vom Westerwald. In Hundsangen, Ober­hausen, Obertiefenbach, Wilsenroth und Frickhofen wird zum schwedischen Pflastersteinzoll in größeren Versamm­lungen Stellungen genommen, in denen aufklärende Vor­träge gehalten und dann den Versammlungen eine Re­solution zur Annahme vorgelegt wird, die sich für Ein­führung eines mäßigen Zollsages ausspricht. Eingelei­tet ist diese Aktion von den christlich organisierten Steinarbeitern des Westerwaldes im Einverständnis mit den Arbeitgebern. Schweden lieferte im Jahre 1910 nicht weniger als Millionen Doppelzentner Pflaster= steine nach Deutschland und das in derselben Zeit, wo in vielen Steinbrüchen des Westerwaldes über ungenüg­ende Beschäftigung geklagt wurde. Mögen also alle in­teressierten Kreise zusammenwirken zum Schutze einer heimischen Industrie.

Corbach, 21. Febr. Anläßlich seines 70. Ge­burtstages hat Herr Kommerzienrat Peter folgende Stiftungen gemacht: 20 000 Mt. für die Beamten und Arbeiter der mitteldeutschen Gummiwarenfabrik in Frank­furt und Corbach; 5000 Mt. für das Krankenhaus in Corbach; 5000 Mark für das Krüppelheim in Arolsen; 3000 Mt. für das Diakonissenhaus in Arolsen; 1000 Mark für den Verein Frauenbildung und Frauenstudium in Waldeck; 1000 Mark für die Blindenstiftung.

- Schotten, 24. Febr. Der hiesige Gemeindevor­stand beabsichtigt mit dem am 6. Juni 1911 hier statt­findenden Zuchtviehmarkt eine Verlosung von Vieh, landwirtschaftlichen Geräten und Haushaltungsgegen= ständen zu verbinden. Das Gr. Ministerium des In­nern hat die nachgesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 5000 Lose, zu 1 Mark das Stück, ausgegeben wer­den dürfen und nach Abzug von 300 Mark für Prä­miierungszwecke mindestens 60 Proz. des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Lose zum Ankauf von Gewinn­gegenständen zu verwenden sind. Zugleich wurde der Vertrieb der Lose in der Provinz Oberhessen gestattet.

Soziales.

Eine wichtige Agitation unter den Tabak: Arbeiterinnen.

wird zur Zeit vom christlichen Tabatarbeiterverband be­trieben. Zu diesem Zweck ist die Nummer 6 des Ver­bandsorgans Deutsche Tabalarbeiter- Zeitung" als Son­deragitationsnummer für die Arbeiterinnen erschienen. Im vergangenen Jahr hat der Verband zwar gute Fortschritte gemacht, etwa 1800 Mitglieder zugenommen, aber im Verhältnis zur sozialdemokratischen Konkurrenz­organisation ist noch vieles beizuholen, besonders un­ter den Arbeiterinnen. Der christliche Verband zählte am Schluß des vergangenen Jahres 7840, darunter 3311 weibliche Mitglieder; der sozialdemokratische Ver­band dagegen Ende 1909 schon 32 625, darunter 15 089 weibliche Mitglieder. Dieses Mißverhältnis hat sich im letzten Jahre( für das der Abschluß des sozial­demokratischen Verbandes noch nicht vorliegt) nicht viel geändert. Für einzelne Bezirke und Landesteile ergeben ich an den vorhin genannten Zeitpunkten folgende Zah­len. Weibliche Mitglieder hatten in:

Rheinland

dieser Belehrung kein besonderes geistreiches Gesicht ge- Westfalen

macht haben.

vom 1. März bis zum 15. April zur Dienstleistung beim * Darmstadt, 23. Febr. In der Kaserne des Wittmer( Friedberg), Inf. Reg. 115 kommandiert. Vizefeldwebel, zum Leutnant der Reserve des Inf. R. Feldartillerie- Regiments Nr. 25 sind seit gestern zwei Dr. Bost roem, Unterarzt der Res. Mann, der Kanonier App el- Hartmannshain und der 118 befördert. Gefreite Sei p- Hattenrod, unter genicstarreäh n- ( Gießen), zum Assistenzarzt befördert. Gießen. Provinzialdirektor Dr. Usingerlichen Erscheinungen plötzlich gestorben. wurde für die bevorstehende Reichstagsersahwahl als des Wahlkommissar für den ersten Wahlkreis Großherzogtums bestellt. Das amtliche Ergebnis der Wahlen wird am Dienstag, den 14. März, vormittags 11 Uhr, im Sizungssaal des Regierungsge

*

Weitere Mannschaften sind erkrankt. Die Kaserne ist ab­gesperrt. Die nötigen Vorsichtsmaßregeln sind getroffen. Darmstadt. In der Klage der Stadt Offen­bach gegen den Bürgermeister Dr. Dullo, betreffend die Kaiserhof- Aktien, wurde der angesetzte Ver­

Hessen u. Hessen- Nassau Baden

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christl. Verband soz. Verband

198

607

369

1989

162

1824

1005

743

Im übrigen Nord- und Ostdeutschland- Oldenburg, Sachsen und Preußen hatte der christliche Verband zusammen nur 148, der sozialdemokratische Tabakarbei­terverband dagegen 7492 weibliche Mi, glieder. Nur Rheinland und Baden stehen für die christliche Organi­falon günstiger. Das energische Bestreben der christlich­organisierten Tabakarbeiter, dieses Mißverhältnis allmäh­lich immer mehr auszugleichen, verdient nachdrücklichjte Unterstützung.