Der Ordenssonntag in Berlin.
Das preußische Krönungs- und Ordensfest hat am vergangenen Sonntag im Königlichen Schloß zu Berlin in Anwesenheit des Kaiserpaares in der üblichen Weise stattgefunden. Der Präses der preußischen Generalordenstommission, General von Jacobi, behändigte im Auftrage des Kaisers die Auszeichnungen. Das Kaiserpaar ließ sich zunächst die Damen, die Orden und andere Auszeichnungen besitzen, vorstellen und begab sich alsdann mit den übrigen Fürstlichkeiten und dem Gefolge in den Rittersaal, wo die neu ernannten Ritter und Inhaber von Orden einzeln vorgestellt wurden. Hierauf fand der Gottesdienst in der Schloßkapelle statt. Nach dem Gottesdienst fand Tafel statt, bei welcher der Kaiser einen Toast auf das Wohl der deforterten Personen ausbrachte. Nach Aufhebung der Tafel begab fich das Kaiserpaar mit den übrigen Fürstlichkeiten in den Rittersaal, wo sich der Kaiser und die Kaiserin mit vielen der Anwesenden unterhielten.
Die Auszeichnungen:
rung der Flucht noch von dem des Selbstschutzes aus erforderlich. Angesichts dieses Tatbestandes beantragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft gegen den feigen Mörder lebenslängliche Zwangsarbeit. Das Kriegsgericht aber erkannte auf drei Monate Gefängnis und 50 Frant Geldstrafe. Es war ja nur ein deutscher Fremdenlegionär, der ermordet worden war. Auf dessen Leben kann es ja nicht weiter ankommen, denn es finden sich ja leider immer wie= der neue Dumme."
Rundschau vom Cage. Politisches.
Eine Kabinettsorder des Kaisers an das Kommando Der Marinestation der Ostsee aus Anlaß des Unfalls des Unterseeboots U 3 besagt u. a.: Jch beklage innigst den Tod dieser drei tapferen Männer, die als ein erneuter Beweis für den in meiner Marine herrschenden Geist bis zum letzten Augenblick, die Offiziere immer voran, ihre Sie sind nicht umsonst gestorben. Pflicht getan haben. Ehre ihrem Andenken! Zu den glücklich Geretteten, wie zu allen Angehörigen der Unterseebootswaffe aber habe ich das Vertrauen, daß sie unbeiirt durch das Unglück auf U 3, dessen Wiederkehr für die Zukunft auszuschließen unzweifelhaft gelingen wird, mit gleichem Eifer und Mut wie bisher ihren wichtigen Dienst tun werden.
Es erhielten u. a. das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub: der kommandierende General des 11. Armeekorps, von Scheffer- Boydal, den Roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub: der Gesandte in Bern, Dr. von Bülow, der kommandierende General des 2. Armeekorps, von Linsingen, den Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub und der königlichen Krone: der Oberprästdent in Magdeburg von Hegel, den Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe: der bekannte Parlamentarier Freiherr von Zedliz- Neukirch, den Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub: der Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern Holz und der Generalstaatsanwalt in Berlin Supper; den Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub: der Geheime Kommerzienrat Andrae in Frankfurt a. M. Professor Enneccerus in Marburg, Oberpräsident von Günther in Breslau, Botschafter von Jagow in Rom, Geh. Baurat Dr. Rathenau, Generaldirektor der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in Berlin, der Gesandte Freiherr von WangenHeim in Athen, der Oberreichsanwalt Dr. Zweigert den Roten Adlerorden 2. Klasse Bischof Dr. Frißen in Straß= burg; den Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife und der königlichen Krone: der Unterstaatssekretär in der NeichsKanzlei Wahnschaffe; den Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife: das Herrenhausmitglied Kommerzienrat Vopelius in Sulzbach bei Saarbrücken, der Zentrumsabgeordnete Wellstein; den Roten Adlerorden 4. Klasse der Zentrumsabgeordnete Dr. Becker, der elsässische Reichstagsabgeordnete Dr. Gregoir- Metz, die Zentrumsabgeordneten Nacken und Freiherr von Pfetten; den Kronenorden erster Klasse: der Präsident der Seehandlung von Dombois, der bekannte Maler Professor Graf v. Harrach und der Staatssekretär des Reichsjustizamtes Dr. Lisco, der Oberpräsident in Hannover Dr. Wetzel; den Stern zum Kronenorden 2. Klasse mit Schwertern am Ringe: der Staatssekretär des Reichskolonialamtes, Dr.v. Lindequist; den Stern zum Kronenorden 2. Klasse: Oberpräsident Hengstenberg in Cassel; den Kronenorden 2 Klasse: der preußische Landtagsabgeordnete Dr. Friedberg, die Reichstagsabgeordneten Kämpf ( fortschr. Volksp.) und Oberlandesgerichtspräsident Dr. Spahn( 3tr.) Die Gouverneure von Deutschostafrika Freiherr von Rechenberg und von Deutschsüdwestafrika Dr. Seitz, der Gesandte in Luxemburg, Graf von Schwerin; den Kronenorden 8. Klasse der Polizeipräsident von Jagow in Berlin und der freisinnige Abgeordnete Dr. Mugdan.
Nur ein Fremdenlegionär.
Die Ablehnung der Steuerfreiheit für die Landesfürsten bei der Beratung der Zuwachssteuer im Reichstage gibt der„ Nordd. Allgem. 3tg." Anlaß zu folgenden Bemerkungen: Die Fülle der Verbesserungsbestrebungen, wie in den drei Kommissionslesungen, führte auch in den Plenarverhandlungen zu zahlreichen neuen Anträgen materieller und formeller Art. Leider ist noch in der letzten Sigung ein ernster Zwiespalt wegen der Steuerfreiheit der Landesfürsten zu Tage getreten. Vom Bundesratstische wurden schwere staatsrechtliche Bedenken gegen die von der Kommission beschlossene Abänderung der Vorlage hervorgerufen. Es ist Aufgabe der dritten Lesung, dieses Hindernis zu beseitigen.
Ueber die Not der Winzer wurde am Sonnabend im preußischen Abgeordnetenhause in Form einer Interpellation verhandelt. Aus der Debatte ging hervor, daß in der Tat der Weinbau vor einer Krisis, oder, wie einer der vielen Redner ausführte, sogar vor einer Katastrophe steht. Der Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemer erkannte die Bedrängnis der Winzer an, und er sagte auch die Hilfe der Regierung zu. Freilich warnte er davor, nun alles von der Staatshilfe zu erwarten. Im übrigen erörterte er die Maßregeln zur Bekämpfung der Rebschädlinge und andere Punkte, die seiner Ansicht nach mit zu dem wirtschaftlichen Rückgang der Winzer beigetragen haben.
Die„ Hamb. Nachr." machen in einer furzen Notiz, die thnen aus Tunis zugegangen ist, unter der Ueberschrift " Was gilt das Leben eines deutschen Fremdenlegionärs?" auf folgenden entsetzlichen Vorfall aufmerksam:„ Vor dem Kriegsgericht fand kürzlich die Verhandlung gegen zwei Turfos statt, die im Herbst die Fremdenlegionäre Zimmer und Robin auf der Flucht niedergeschossen hatten. Aus den zahlreichen Zeugenaussagen ging mit voller Klarheit hervor, daß insbesondere die Tötung Zimmers nicht anderes war als ein feiger Mord. Die Flucht Zimmers war von vornherein aussichtslos und sinnlos, denn sie fand am hellen Tage auf einem von Soldaten und Eingeborenen belebten Gelände statt. Die Eingeborenen, von der Habgier ange= lockt denn auf den Kopf eines flüchtigen Fremdenlegio= närs ist ein Preis ausgesetzt- beteiligten sich eifrig an der Verfolgung. Durch die hare tBehandlung, die ihm vorher zuteil geworden war, und die schlechte Ernährung entfräftet, brach Zimmer nach wenigen hundert Schritten zu= sammen. Am Boden liegend, nach Atem ringend, bat der Unglückliche die ihn umringenden Verfolger flehentlich um Gnade. Es war, wie einige Zeugen vor dem Kriegsgericht versicherten, ein bejammernswerter Anblick. Trotzdem schoß ein Soldat auf den unmittelbar vor ihm Liegenden. Die Kugel durchdrang den ganzen Körper Zimmers; sie ging in das rechte Bein hinein und kam zur linken Schulter hinaus. Das war feiger, nichtswürdiger Mord, denn durch die unverdächtigen Aussagen mehrerer Zeugen wurde fest= gestellt, daß Zimmer sich bereits in den Händen seiner Gegner befand und daß er völlig außerstande war, auch nur den geringsten Widerstand zu leisten. Das Schießen auf Zimmer war also weder vom Standpunkte der Berhinde
Der Familienschmuck der Wallutjeffs.
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Roman von Baronin G. v. Schlippenbach. ( Nachdruck verboten.) -Um zehn Uhr desselben Tages fuhr Wallutjeff auf den Bahnhof, um sich von Clairon zu verabschieden. Vergeblich sah er sich nach ihm unter der Menschenmenge um, die schlanke bewegliche Gestalt des Geheimpolizisten, sein bleiches Gesicht waren nirgends zu sehen.
vier Wochen lang transportiert wird, einen Widerwillen und findet es auch zu hart.
Neues vom serbischen Prinzen Georg weiß die„, Boss. Zeitung" zu melden. Es handelt sich um Mitteilungen über ein angeblich gegen den Erzherzog- Thronfolger Franz Ferdinand geplantes Attentat. Der Anschlag sollte anläßlich des Besuches des Erzherzogs und seiner Gemahlin am rumänischen Königshofe im September 1909 stattfin den. Aus Dokumenten, die der österreichischen Polizer in die Hände fielen, und die die„ Voss. 3tg." teilweise veröffentlicht, soll sich die Mitschuld des Prinzen Georg von Serbien an dem Attentatsplan unzweifelhaft ergeben. Türkische Kämpfe in Arabien. Der Aufstand der Araberstämme im Yemen, der südwestlichen Küstenlandschaft von Arabien, veranlaßt die türkische Regierung zu einer mächtigen Kraftanstrengung. Nachdem man in der vorigen Woche die Absendung von bloß 15 000 Mann zur Unterdrüdung der Revolte beschlossen hatte, hat die Regierung jetzt eine Armee von 63 000 Mann mobil gemacht, um mit aller Macht die Ruhe im Yemen wiederherzustellen. Den Truppen werden große Streitkräfte der fanatischen Araber gegenüberstehen. Unter solchen Umständen dürfte der Krieg im Yemen wohl noch lange Zeit dauern, und selbst an den besiegten Arabern dürften die Türken wenig Freude erleben.
Für die Anwendung des Enteignungsgesetzes in den Ostmarten trat in der akademischen Ortsgruppe Berlin des Deutschen Ostmarkenvereins Professor Ludwig Bernhard energisch ein. Er führte aus, daß der polnische Hochadel auf eine Versöhnungspolitik hinarbeite, und es werde, wenn dieses Liebeswerben Erfolg habe, sich die Aera von 1890 bis 1895 wiederholen. Die Folge werde die allmähliche Beseitigung der Ansiedelungsbeschränkungen sein, und man müsse sich mit dem Gedanken vertraut machen, daß unsere Ostmarten in zwei Menschenaltern polnisch besiedeltes Gut sein würden. Wenn hingegen die preußische Regierung die jetzige Krisis im Polentum benutze und jetzt den unwiderruflichen Beschluß verkünde, das Siedlungswerk drei Jahrzehnte energisch durchzuführen, dann werde der deutsche Osten dauernd gesichert sein.
„ Mein Herr, darf ich Sie einen Augenblick sprechen?" sagte eine etwas piepsende Stimme hinter Wallutjeff. Als er sich umkehrte, stand ein torpulenter Mann hinter ihm. Er trug einen braunen Havelock und einen schwarzen Schlapphut, seine breiten Schultern waren gebeugt, der Rücken gerundet. Ein grau melierter Schnurr- und Backenbart bedeckte die untere Hälfte des stark geröteten, faltigen Gesichtes. Er nahm den Hut ab und wischte mit einem grell geblümten Taschentuch über sein kahles Haupt, das von einem Kranz grauer Haare umgeben war. Erstaunt folgte Wallutjeff dem Fremden.
,, Sie wünschen?" fragte er etwas von oben herab, ,, wer sind Sie? Ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen, mein Herr!"
Dide.
„ Nicht? Nun, aber ich kenne Sie," entgegnete der
,, So? Das setzt mich in Erstaunen."
" Sie sind Graf Jegor Alexejewitsch Wallutjeff," gab der Dicke zurück ,,, wir haben schon öfters miteinander ge= sprochen."
Die Kommission zur Feststellung eines Entwurfes für ein deutsches Strafgesetzbuch wird dem„ B. T." zufolge am 4. April unter dem Vorsitze des Ministerialdirektors Lucas ihre erste Sigung abhalten. Die Kommission besteht aus 15 Mitgliedern, zu denen Vertreter der Justizbehörden, Rechtsanwälte, Richter usw., sowie ein Psychiater ge= hören. Den Beratungen der Kommission wird der Vorentwurf zu einem deutschen Strafgesetzbuche und die an diesem geübte Kritik zugrunde liegen.
Lachend entfernte der Fremde etwas den Bart, richtete sich auf und lüftete schnell die vermeintliche Glaze. " Clairon!" rief Jegor überrascht, Sie sind es, ich habe Sie nicht erkannt. Wirklich, Sie sind ein vollende ter Verwandlungskünstler."
,, Das lernt man bei meinem Beruf," sagte der Ge= heimpolizist, erlauben Sie einen Moment."
Er verschwand am Ende des Bahnsteigs hinter eini
Daß ein Lehrer aus der Landeskirche austritt, dürfte immerhin zu den Seltenheiten gehören. In Schönebeck a. d. Elbe erregt die Angelegenheit des Lehrers Schabon Aussehen. Schabon hat dem Gericht seinen Austritt aus der Landeskirche angezeigt und der Königlichen Regierung davon Mitteilung gemacht. Man versuchte, ihn zur Zurüdnahme seiner Erklärung zu bewegen; als das fruchtlos blieb, wurde er aus dem Schuldienst entlassen.
Kleine Nachrichten.
Der angebliche Mörder des Rittmeisters von Krosigk, der inzwischen in das Militärgerichtsgefängnis zu Hanno ver überführte Arbeiter Fischer, hat bei seinem ersten Verhör durch den Untersuchungsrichter der 19. Division auch Stesem gegenüber die Erklärung abgegeben, daß er mit dem Mord an dem Rittmeister von Krosigk nichts zu tun habe. Die Untersuchung gegen Fischer durch die Militärbehörde wird besonders deshalb fortgesetzt, weil sich Verdachtsmomente ergeben haben, daß er eventuell als Mittwisser der Tat in Frage kommen könne.
Das argentinische Fleisch hat in Oesterreich, wie im Ackerbauministerium eingelaufene Berichte besagen, nur wenig Anklang gefunden. Die letzte nach Desterreich getommene Sendung ist zum großen Teil überhaupt liegen geblieben. Das Publikum zeigt gegen das Fleisch, das
gen leeren Wagen. Als er wieder zum Vorschein kam, erschien Clairon in seiner wahren Gestalt. Er trug einen Reisesack; in demselben hatte er Bart, Mantel und Hut gelegt, sein volles braunes Haar wieder an die Stelle der Glazze getreten.
Eine seltene Bauernhochzeit wurde in Schonstedt in Oberbayern abgehalten. Die Hochzeiter, wohlhabende Bauerslente, luden niemand von ihren Verwandten und Nachbarn, sondern nur die Armen aus ihren beiden Heimatsorten ein, und es ist auch so hoch hergegangen.
So," sagte er zufrieden, das wäre geglückt. Sie glauben mir also, daß ich meine Persönlichkeit im gegebe= nen Falle zu versteden weiß?"
Vortrefflich!" rief Wallutjeff.
Der Berliner Schlachthof ist abermals gesperrt worden. Die am 14. Januar verhängte Sperre war am Sonnabend, nachdem von neuem wieder alle Verkaufsräume und Stal Inngen desinfiziert waren, aufgehoben worden. Die Sperre ist aber, da kurz darauf wieder Fälle von Maul- und Klauenseuche festgestellt wurden, sofort wieder verhängt worden.
35 000 Mark unterschlagen wurden bei der Depositenkasse der Kommerz- und Diskontobank in der Chausseestraže in Berlin. Es handelt sich um Veruntreuungen von Angestellten durch Quittungsfälschungen.
150 000 Wark verunirent hat ein früherer Kassierer der Firma Becker u. Co., Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft in Berlin. Das Defizit wurde bei einer Kassenrevision aufgedeckt.
An Rauchvergiftung gestorben sind in Deggendorf in Niederbayern zwei Greise, die sich bei einem Brande in dem Spital, in dem sie untergebracht waren, nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten.
Mit der Hacke erschlagen hat in Prag ein junger Portier seine um viele Jahre ältere Gattin. Er erhängte sich nach der Tat auf dem Dachboden. Grund der Tat ist Eifersucht.
„ Ich habe nur noch einige Minuten Zeit bis zur Abfahrt des Zuges," sagte Clairon, neben dem Grafen aufund abschreitend.„ Ich muß Ihnen noch sagen, daß der Fahrkartenverkäufer sich noch sehr gut der alten Dame erinnert, die ich ihm beschrieb. Dieselbe, oder vielmehr Albert Meyer, löste die Fahrkarte bis Schaffhausen, wo ein anderer Zug genommen werden mußte. Folglich hatte der Mörder wohl die Absicht, das Verbrechen später zu begehen. Der feste Schlaf Andreis bewog ihn, schon bald hinter Zürich seinen versuchten Plan auszuführen. Da es Nacht war, ist er bei der nächsten Haltestelle ausgestiegen, hat die Klei dung gewechselt und ist dann weiter gefahren, wie ich vermute, nach der andern Richtung hin, vielleicht über Genf und von da über Lyon nach Marseille oder Toulon. Ich fragte den Verkäufer der Fahrkarten, ob ihm nichts an der alten Dame aufgefallen sei. Er sagte, die für eine Frau ungemein tiefe Stimme hätte ihn frappiert, dann auch noch die langen Schritte, die sie gemacht, als sie fortging. Später war es, als ob sie sich besonnen hätte, sie trippelte hastend weiter."
„ Jedenfalls ist Meyer noch kein so perfekter Schauspie= ler wie Sie," meinte Wallutjeff.
Ein Gebiß verschluckt hat in München ein Infanterist. Er wurde zwar sofort operiert und das Gebiß aus der Speiseröhre entfernt, nach dem gut verlaufenen ärztlichen Eingriff entwickelte sich jedoch eine Eiterung im Schlund, die sich bis auf das Bruftfell ausdehnte.
Das Zeichen zur Abfahrt wurde gegeben und Clairon verabschiedete sich schnell. Er versprach, Wallutjeff alles zu schreiben unter der Chiffre 3. 3. postlagernd.
Ein Barbier, der das„ Einseifen" versteht, hat in Hohensalza( Provinz Posen) einen wohlhabenden Kunden gehörig gerupft. Er wurde dabei ertappt, als er einem wohlhaben den Kunden im Schlafzimmer einen größeren Geldbetrag aus der Kleidertasche stahl. Der spitzbübische Figaro hat diesen Kunden jedesmal beim Einseifen bestohlen und auf diese Weise über 2000 Mark erbeutet.
Sie reichten sich die Hand, dann stieg der Geheimpolizist in einen Wagen 2. Klasse ein, der Zug fuhr ab. Wallutjeff stand da und blickte ihm lange nach.
Beim Schlittschuhlaufen eingebrochen und ertrunken sind in Bederkesa in Hannover zwei Söhne eines Landwirts, von welchen der eine seinen in Gefahr befindlichen Bruder retten wollte. Ein dritter Knabe der bei dem Reitungsver such ebenfalls einbrach, wurde noch glücklich gerettet.
Ein schweres Automobilunglück hat sich am Sonntag mittag in Berlin ereignet. Bei Baumschuienweg stieß ein Privatautomobil mit einem Straßenbahnwagen zusammen. Sämtliche 6 Personen des Automobils und der Chauffeur wurden herausgeschleudert. Drei erlitten so schwere Verletzungen, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Das Automobil wurde zertrümmert.
Vor einen Personenzug geworfen hat sich an der Bahnstrecke zwischen Ellefeld und Anerbach im Vogtland ein zehn bis zwölfjähriger Knabe. Der Körper des jugendlichen Selbstmörders wurde in zwei Hälften geteilt. Es scheint sich um einen Realschüler aus Auerbach zu handeln da er eine rote Mütze, die dort üblich ist, trug.
Toulon, am 3. Nov. 19.. Hotel Imperial.
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Sehr geehrter Herr Graf! Erst heute bin ich imstande, Ihnen die gewiß schon heiß ersehnte Auskunft zu geben. Leider sind einige Tage vergangen, die ich in Marseille mit nutlosen Nachforschungen zubrachte. Ich suchte dort die mir bekannten Reeder auf und stellte unter der Hand Erkundigungen an, aber sie waren fruchtlos. Meyer ist nicht in Marseille gewesen. Nach dem vorgezeigten Bild ist seine Persönlichkeit leicht zu erkennen. Etwas verstimmte mich der erste Mißerfolg denn doch. Bisher war alles so glatt gegangen, ich war dadurch allzu zuversichtlich geworden. Gestern reiste ich hierher nach Toulon, und heute habe ich bereits erfahren, was ich zu wissen brauche. Meyer ist von hier vor fünf Tagen mit dem englischen Dampfer ,, Maud" abgereist. Es ist ein nicht allzu großes Schiff, das mit Weinen und Früchten beladen nach Neuyork abgeht. Es sind nur noch drei Fahrgäste darauf. Wohlweislich hat Meyer keinen großen Lloyddampfer_ge= wählt, um die Reise nach Neuyork unbeachtet zu machen. Im Gewühl der Riesenstadt hoffte er dann leichter verschwinden zu können. Der Reeder des englischen Dampfers heißt Robran. Als ich ihm das Bild des Verbrechers zeigte, erfannte er es sogleich. Das tief herabgefämmte Haar auf der Stirn und die hellen kazenartigen Augen Hatten auch bei ihm einen unangenehmen Eindruck her vorgerufen. Selbstverständlich habe ich nicht verraten, was mich veranlaßte, über Meyer Nachforschungen zu halten, ich hatte mir alles vorher zurecht gelegt und erzählte ein Märchen, das an Harmlosigkeit weit hinter der schauerlichen Wirklichkeit zurückblieb. Meyer hätte mit einem großen Passagierdampfer leicht vorher abreisen können. Daß er es nicht tat, ist zu unserem Vorteil, denn trotz seines Vorsprunges treffe ich hoffentlich vor ihm in Neuyork ein. Ich habe schon einen Platz auf dem schnell fahrenden Lloyddampfer ,, Virginia" belegt; er geht in einigen Stuns ( Fortsetzung folgt.)
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