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Hnngertyphusepidemie in Ostsibirien. Im äußersten Nordosten Sibiriens herrscht eine derartige Hungersnot, daß das Aussterben der eingeborenen Bevölkerung, der Ja­futen und Keräfen, zu befürchten ist. Der Hurgertyphus hat einen bedeutenden Umfang erreicht. Das ganze über anderthalb Millionen Quadratkilometer große Gebiet be­fitzt feinen einzigen Arzt.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Rostand als Goethe- Uebersetzer. Aus Paris kommt cine etwas absonderlich klingende Meldung: Der Verfasser von Chantecler" und Cyrano de Bergerac", Edmond Ro­stand, will Goethes Werke in seine Muttersprache übertra= gen und zwar will er den Anfang mit Göz von Berlichin­gen" und Tasso" machen. Er trägt sich mit der Absicht, zwei volle Jahre dem Studium Goethes zu widmen.

25 000 Millionen Tonnen Radium. Obwohl das Ra­dium in sehr vielen Mineralien, in vielen Wasser und in der Luft vorkommt. als selten also nicht wohl mehr be­zeichnet werden kann, beträgt der Gesamtbesitz der Menschen an Radium zurzeit nicht mehr als neun Gramm. Tas ist recht wenig, wenn man bedenkt, daß der Gesamtwert der Erde an Radium nach einer Schätzung von Dr. K. Kurz im Prometheus" nicht weniger als 25 000 Millionen Tonnen betragen soll. Bei der Ermittlung dieser Zahl ist Kurz da= oon ausgegangen, daß in den Gesteinen der uns zugäng= lichen oberen Erdrinde der Radiumgehalt etwa den billion­den Teil der gesamten Gesteinsmasse ausmacht. Wird dies Verhältnis der Erdrinde auf die ganze Erdmasse übertra= gen, so ergibt sich der genannte Radiumvorrat, von dem aber naturgemäß die Menschheit nur einen ganz geringen Teil wird mit Beschlag belegen können.

Ein neuer Erfolg der Chemie. Der befannie englische Chemiker Sir James Dewar, dem es zuerst aclang, Luft in flüssigen und festen Zustand zu bringen, demonstrierte in einem Vortrag der Königlichen Akademie in London seine neue Methode zur Gewinnung festen Sauerstoffes bei einem Verdampfungsprozeß des Elementes. Bisher war es nur möglich gewesen, festen Sauerstoff mit Hilfe eines dampfungsprozesses von Wasserstoff zu gewinnen.

Aus den Gerichtssälen.

Ver­

Im Prozeß gegen die Rektorswitwe Paula Herberich in Nürnberg wegen Verbrechens des Totschlages, begangen an ihrem Ehemann, über dessen Vorgeschichte wir berichtet haben, wurde am Sonnabend nach viertägiger Verhandlung die Zeugenvernehmung geschlossen. In dieser wurde in der Hauptsache festgestellt, daß die Angeklagte am 27. Apri! 1910, nachdem mittags ein ehelicher 3wist stattgefunden hatte, abends 7 Uhr ihrem heimkehrenden Ehegatten, dem Rektor Professor Dr. Gustav Herberich, auf dem Treppenhause ih­rer Wohnung mit einem geladenen Revolver entgegen­trat und ohne oder nach kurzem Wortwechsel auf den entsetzt umkehrenden und die Treppe hinuntereilenden Ehe­mann vier Schüsse abfeuerte, von denen einer traf und durch Verletzung des Herzens binnen weniger Minuten den Tod herbeiführte. Nach der Zeugenvernehmung begann die Abgabe der Gutachten der geladenen sechs Sachverständigen. Es wurden nur zwei dieser Gutachten abgegeben. Der Sach­verständige Landgerichtsarzt Dr. Fruchinger kam zu dem Schlusse: Die Tat der Angeklagten stellt eine Affetthand­lung dar. die aber nicht losgelöst werden kann von der vinchopathischen Veranlagung der Angeklagten Frau Her= berich ist nicht geistesfrank. Sie hat sich bei Verübung der Tat nicht in einem Zustande von Bewußtlosigkeit und nicht in einem anormalen Geisteszustande befunden, der die freie Willensbestimmung ausschließt. Der zweite Sachverständige Dr. Klüber, Anstaltsarzt an der Königlichen Kreisirrenan­Stalt in Erlangen, kam mit seinem Gutachten zu folgendem Schlusse: Bei der Angeklagten liegt eine Geistesfrankheit in dem Sinne, daß Paragraph 51 des Reichsstrafgesetzbuches der von der Strafausschließung handelt, anzuwenden wäre, nicht vor. Dagegen hege ich schwere Zweifel, ob Frau Her­berich im Momente der Tat ihre freie Willensbeitimmung besaß. Das Urteil wird am Montag gesprochen werden.

Eine unsaubere Wurstfabrik. Die Straffammer in Glo­gau verurteilte den Fleischermeister Heinrich Reckzeh aus Grünig wegen Vergehen gegen das Nahrungsmittelge= f zu sechs Monaten Gefängnis. In dem Beschäft des bermeisters waren durch die Polizei efelerregende 31­stände aufgedeckt worden. Man fand einige vollständig mit Maden durchsetzte Lungenbraten und zahlreiche verdorbene Würste. In verschiedenen Kellerräumlichkeiten wurden ganze Stände mit verdorbenen Wurstwaren entdeckt.

Oermischtes.

Ein deutsches Dorf ohne Steuern. Das Dorf Langen­aubach im Regierungsbezirk Wiesbaden kann sich eines Vorteiles rühmen, der gerade jetzt in den Tagen der Steuererklärungen von besonderm Interesse ist. Die Ein­wohner haben nämlich bis zum heutigen Tage noch niemals Gemeindesteuern bezahlt und dürften auch in nächster Zeit nicht in die unangenehme Lage kommen. Das Dorf, das rund 780 Einwohner zählt, besitzt nämlich 500 Heftar Wald, aus dem es jährlich 40 bis 50 000 Mart Einnahme erzielt. Außerdem verfügt es über Kalksteinbrüche, die den So Bewohnern noch weitere Einnahmen verbürgen. kommt es, daß es sogar ein bares Vermögen von rund 200 000 Mart besitzt. Die Gemeinde weiß aber damit vor­züglich umzugehen. Es wurde eine elektrische Anlage ge= baut, von der aus der Strom jedem Bewohner frei ins Haus geführt wurde. Nur für den Verbrauch ist für die Kilowattstunde die geringe Summe von 20 Pfennig zu zahlen. Auch eine Hochdruckwasserleitung hat dieses ideale Dorf.

Mit der Aufklärung eines geheimnisvollen Selbst­mordes zweier junger Mädchen ist augenblicklich die Poli­zei in Halle a E. beschäftigt: Die beiden elegant geklei­beten Mädchen irrten Freitag nachmittag eine Zeitlang an den Ufern der Saale hin und her und stürzten sich dann plöglich in den Fluß, wobei sie beide ertranken. Ein hin­zueilender Arzt versuchte sie zu retten, doch kam er, da die Saale augenblicklich hoch geht, in Gefahr, selbst zu er= trinken. Die Leichen der beiden Mädchen sind vom strö­menden Wasser fortgeführt worden und konnten noch nicht gefunden werden. Man weiß noch nicht, wer die Unglück­lichen sind. In einer Tasche, die sie am Ufer zurückließen, findet sich neben einigen Schmucksachen auch ein Taschen­tuch, das H. K. gezeichnet ist.

Für und wider die Aviatiker- Ehen. Sollen Aviati­fer heiraten?" Das war die Frage, die von einem Redner während eines Banketts in London angeregt wurde, das dem englischen Flieger Graham White zu Ehren gegeben worden ist. Major Baden- Powell beklagte die ,, unglüd­Itche Gewohnheit" der Flieger, sich zu verheiraten, sobald fte sich genug Geld erflogen" hätten. Dann sei es na­türlich mit dem Fliegen vorbei, weil die Frauen sich davor fürchteten, Witwen zu werden. Man sollte Aviatiker nicht entmutigen, und ihnen die Gefahren ihres Berufes vor­malen. Wenn man Soldaten in die Schlacht schide, sage man ihnen auch nicht: Nehmt euch nur ja in acht, daß thr nicht totgeschossen werdet!" Im Gegenteil: man mun­tert sie auf, die Gefahr zu mißachten. Gewiß sollten die

Aviatifer vorsichtig sein, aber mit übertriebener Vorsicht werde man die Luft nicht erobern. Graham White konnte Major Baden- Powell nicht zustimmen, wenn er die Verhei­ratung als das Ende der aviatischen Lauf- oder vielmehr Flugbahn nenne. Was den verheirateten Fliegern das Leben schwer mache, sei vielmehr die Mühe, ihre besseren Hälften davon ebzuhalten, sie auf ihren Flügen zu be­gleiten.

Gymnasiastenstreit in Lissabon. Wie aus Lissabon ge= meldet wird, sind die Studenten des Gymnasiums in der Straße Passos Manuel in den Ausstand getreten, weil ein Lehrer aus Zwedmäßigkeitsgründen in eine andere Anstalt versetzt worden ist. Von der richtigen Erwägung ausgehend, daß diese jungen Herren eine empfindliche Lek­tion verdienen, hat der Minister des Innern angeordnet, daß die Ausständigen" das laufende Studienjahr ver­lieren. Die Studenten benahmen sich so ungeberdig, daß eine Abteilung der republikanischen Garde in das Gym­nasium einrücken mußte. Es ist dabei zu einem leichten Zusammenstoß zwischen der Garde und den jugendlichen Hizköpfen gekommen.

Eine chinesische Kaiserin Christin? Seit einiger Zeit weilt ein Mandarin in der Bibliothek des Vatikans in Rom, um nach Beweisen für die Legende zu suchen, daß vor mehreren Jahrhunderten eine chinesische Kaiserin, zum Christentum übergetreten sei. Der Mandarin hat jetzt daraufbezügliche Dokumente gefunden. Sein Sekretär er­klärt, daß die Aufzeichnungen von größter Wichtigkeit seien. Denn wenn untrüglich nachgewiesen werde, daß die Kai­serin Christin geworden sei, werde ihr Name aus der chinesischen Herrscherfamilie gelöscht und ihre Leiche aus der kaiserlichen Gruft entfernt werden.

Vergiftung von 250 Menschen. Aus Budapest wird ge­meldet: Ei nMonstreprozeß, bei dem es sich um die Ver­giftung von 250 Menschen handelt, von denen mehr als 100 nach dem Genuß von vergiftetem Schnaps gestorben sind, wird sich, wie schon kurz gemeldet, in diesen Tagen vor dem Schwurgericht von Groß- Becskeref abspielen. Im März v. J. waren im Dorfe Tot- Aradacz des Torontaler Komitats dreizehn Leute auf einmal gestorben, und die Gerichtskommission fonstatierte, daß sie alle an einem Lei­chenschmause im Hause des reichen Landwirtes Johann Zahorcz teilgenommen hatten, bei dem viel Branntwein getrunken worden war. Das Budapester chemische Insti­tut, dem die Gedärme der Gestorbenen sowie der übrig ge­bliebene Schnaps eingeschickt worden waren, fand bei der Analyse, daß der Branntwein große Mengen von Methyl­alkohol enthalten hatte, ein bekanntes, stark giftiges Sur­rogat. Kcum hatte sich die Aufregung gelegt, so fam aus dem Komitat Komorn eine gleiche Schreckensnachricht, und ir Laufe von zwei Wochen famen aus allen Teilen des Landes Berichte über Methylalkoholvergiftungen, im gan­zen etwa 250 Fälle, von denen über 100 tödlich verliefen. Die Untersuchung, die sich über das ganze Land erstreckte, dauerte monatelang und ergab als Ursprungsquelle des giftigen Schnapses die Schnapsbrennerei des Groß- Becs­kereker Großhändlers Alexander Kovacs, von dem der Branntwein stammte, der bei dem Leichenschmause im Hause des Landwirts Zahorcz getrunken war. Kovacz und eine Reihe seiner Angestellten werden als Angeklagte erscheinen und eine Masse von Zeugen wird Licht auf die anderen Messenvergiftungen werfen, die weitere Prozesse zur Folge haben werden.

Die geräuschlose Schreibmaschine, Aus Neuyork er­fährt die ,, Nature", daß der Bostoner Erfinder W. P. Kid­der der sich bereits durch die Erfindung einer verbesserten Buchdruckmaschine ausgezeichnet hat, eine geräuschlose Schreibmaschine erfunden habe, deren Wirkungsweise sich von der gewöhnlichen Schreibmaschine erheblich unterschei­det, während sie benutzt wird wie diese. Die Geräusche beim Gebrauch der geräuschlosen" Schreibmaschine sollen nicht lauter sein als die Töne, die beim Schreiben mit Fe­der und Tinte hervorgerufen werden. Bei der geräuschlosen Schreibmaschine entsteht die Schrift nicht durch einen Schlag, wie bei den Hebeln der gewöhnlichen Schreibma­schine, sondern durch einen Druck. Die Walze der Schreib­maschine dient nur zur Stütze des Papiers, nicht aber als Widerstand für den schlagenden Hebel. Anstelle des Wi­derstandes tritt ein Stahlband. Wodurch nun der nötige Druk hernorgerufen wird, beschreibt der Bericht nicht voll­ständig; es wird nur gesagt, daß durch eine besondere Ein­richtung, die sehr sinnreich erdacht sein soll, ein Druck von etwa 3 Kilogramm gegen den niedergedrückten Typenhebel ausgeübt wird. An Haltbarkeit und Schnelligkeit soll die neue Maschine den bisher gebräuchlichen durchaus eben­bürtig sein.

Die nnmusikalischen Amerikaner. In einer Rede, die der Präsident der Harvard- Universität A. Lawrence Lowell in der Nationalen Vereinigung der amerikanischen Musik­lehrer gehalten hat, erhob der Gelehrte etne bittere An­flage gegen das moderne Amerika, das immer mehr den Sinn für wirkliche Musik verlöre. Der moderne Ameri­faner sei unmusikalisch, das gewahre der aufmerksame Be­obachter bei fast allen Gelegenheiten. Eines der fürchter­lichsten Dinge, die man tun kann, ist, zu einer Versamm­lung gebildeter Amerikaner zu gehen und der Musik zu lauschen mit der sie ihre Bankette verschönern". Es ist Schundmusik, und man lernt es, sich zu schämen. Unsere gebildeten Männer scheinen sich herzlich wenig um gute Mu­sir zu kümmern, was sie begehren, das ist irgend ein Gas­senhauer, bei dem sie mitsingen können, nachdem ihre Stim­men vom Tafelreden und Hochrufen heiser sind. Von allen Arten, Gefühle auszudrücken, ist dieses organisierte Hoch­rufen bei Tisch die schlimmste. Auch sie zeigt die wachsende Degeneration unseres Gehörs und unseres musikalischen Geschmacks. Der Gassenhauer triumphiert, nicht nur in den untersten Volksschichten, sondern auch bei den Gebil­deten. Unserem Volke fehlt jede Fähigkeit, differenziertere Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Und dieses unaufhalt= same Anwachsen des unmusikalischen Geistes Amerifas spie= gelt sich erschreckend deutlich in der Mufit, die bei fast allen festlichen Gelegenheiten zur Erbauung" der Anwesenden produziert wird."

Epilog zur Katastrophe des U. 3.

Die Beisetzung der Opfer.

Die Opfer des Unfalls des Unterseebootes U 3, der Ma­trose Riester, der Kommandant des Bootes Kapitänleutnant Ludwig Fischer und der Leutnant Kalbe, wurden am Sonn­abend resp. Sonntag beigesetzt. Die Beerdigung des Ma­trosen Riester hat am Sonnabend nachmittag auf dem Kicler Garnisonfriedhof stattgefunden. Es waren pracht­volle Kranzspenden eingegangen vom Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen, dem Prinzen Adalbert, dem Staatssekretär des Reichsmarineamtes v.Tirpitz, den fremdländischen Marineattachees, den Admiralen und zahl= reichen Marine- und Truppenteilen, Vereinen und Privat­personen. Die Beerdigung erfolgte nach vorhergegangener Trauerfeier, bei der Marineoberpfarrer Goedel die Ge­

dächtnisrede hielt, im Beisein oer ortsanwesenden Admirale und vieler Abordnungen unter großen militärischen Ehren und überaus reger Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Garnisonfriedhof.

Die Leiche des Leutnants Kalbe war nach Berlin überführt worden und wurde am Sonnabend nachmittag auf dem Dreifaltigkeitsfriedhofe beigesetzt. Unter den Krän­zen leuchtete ein weißes Kreuz, das Prinz Heinrich gestiftet hatte, und ein prachtvoller Lorbeerkranz, den die geretteten Mannschaften des 11. 3 ihrem Retter gestiftet hatten. Es befanden sich weiter darunter Kränze von den Kriegsschif­fen, der Torpedodivision, den Halbflottillen, der Germania­werft, den Howaldtwerken und dem Kommando der Flotten­station der Nordsee, zahlreichen Krieger- und Marinever­einen von Kiel und anderen Orten.

Der Kommandant des 1. 3, Kapitänleutnant Ludwig Fischer wurde am Sonntag nachmittag in Darmstadt bei­gesetzt. Auf dem Friedhof und in den anliegenden Straßen hatten sich über 10 000 Personen eingefunden. Der Kaiser hotte sich durch den preußischen Gesandten Freiherrn v. Je­nisch vertreten lassen, de rGroßherzog durch seinen General­adjutanten Generalmajor v. Hahn, Prinz Adalbert von Preußen durch seinen persönlichen Adjutanten Kapitän­leutnant Junkermann. Ferner nahmen an der Beerdigung teil der Kommandierende General des 18. Armeekorps Ge­neral der Infanterie v.Eichhorn, die Staatsminister Dr. Ewald und v. Hombergk zu Vach, die Generaliät und sämt­liche Offiziere der Darmstädter Garnison. Aus Riel waren zeh nkameraden des Verstorbenen, darunter die zwei ge­retteten Offiziere des 11 3 erschienen.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Ein ungetreuer Bürgermeister.

Münster i. W., 23. Januar. Der seit 14 Tagen vermißte Bürgermeister der westfälischen Stadt Meppen, von dem es zunächst hieß, daß er mißlicher Vermögens­verhältnisse halber nicht in sein Amt zurückkehren werde, hat sich Unterschlagungen zuschulden kommen lassen. Nach den vorläufigen Feststellungen beläuft sich der Fehlbetrag auf etwa 100 000 M. Der Aufenthalt des Flüchtigen ist noch nicht bekannt. Von seiten der vorgesetzten Behörde ist der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet worden. Einsturz eines Hafentais.

Paris, 23. Januar. Aus der Stadt Nantes wird gemeldet, daß dort der Hafenkai vorgestern nachmittag 5 Uhr in einer Länge von 80 und einer Breite von 20 Metern plötzlich im Wasser versant. Es war dies eine Folge des vorjährigen Hochwassers, welches den Kai unter­wusch, ohne daß sich bisher Spuren einer Beschädigung gezeigt hätten. Bei dem Einsturz wurden mehrere Eisen­bahnwagen, ein großer Hebekran und ein kleines Schlepp­schiff mit in die Tief der dort in mächtiger Breite ins Meer strömenden Loire gerissen. Der Schaden wird auf 600 000 Francs geschätzt.

Großer Einbruchsdiebstahl in einem Goldwarenladen. Würzburg, 23. Januar. Bei einem Einbruch in einen Goldwarenladen in der Domstraße wurden gestern nachmittag Uhren und Goldwaren im Werte von 50 000 M gestohlen. Von den Tätern hat man feine Spur.

Von einem Deserteur lebensgefährlich verletzt. Kaiserslautern, 23. Januar. Der Pionier Klotz, eit Schlosser aus Pforzheim, der aus Furcht vor Strafe de= sertierte, verletzte bei der Verfolgung einen Offizier und einen Unteroffizier lebensgefährlich. Als Klotz bei Duden­hofen gestellt wurde, tötete er sich durch einen Schuß aus seinem Dienstgewehr.

Zigarrenschmuggel au der holländischen Grenze. Duisburg, 23. Januar. Hier wurde ein weiterer Schaff= ner der Eisenbahnlinie Cleve- Nymwegen der der großei Bigarrenschmugglerbande angehört, über deren Entdeckung mehrfach berichtet wurde, in dem Augenblick verhaftet, als er in einem Zigarrenladen 20 000 geschmuggelte Zigarren ablieferte. Eine polizeiliche Durchsuchung des Ladens ergab, daß sich in den Zigarrenbeständen 120 Mille geschmuggelte Ware befanden. Drohende Aussperrung im Münsterlande.

Münster i. W., 23. Januar. Der Arbeitgeberverband der Textilindustriellen des Münsterlandes beschloß, alle dem Verband christlicher Textilarbeiter angehörenden Arbeiter und Arbeiterinnen zu entlassen und die Betriebe still an legen, sofern von den streifenden Arbeitern der Firma Hecking in Neuenkirchen nicht die Arbeit wieder aufgenom men wird. Von dieser Aussperrung würden etwa 8000 Ar­beiter und Arbeiterinnen betroffen werden.

Die Unterschlagungen des Obertelegraphenassistenten Huttanus und. ihre Folgen.

Frankfurt a. M., 23. Januar. Der Franff. 3tg." wird aus Bonn gemeldet: Der flüchtige Obertelegraphen­assistent Oskar Huttanus. auf dessen Ergreifung befannilich eine Belohnung von 1000 Mart von der Oberpostdirektion in Cöln ausgesetzt worden ist, hat außer den 95 000 Mark amtlicher Gelder noch über 30 000 Mark privater Gelder unterschlagen. Wie die Bonner Zeitung" erfährt, werden wegen der Unterschlagungen des Huttanus eine ganze Reihe von Beamten ersaßpflichtig gemacht, und zwar der Tele­graphendirektor, der jetzige Telegrapheninspektor und seine Vorgänger, ferner der Obertelegrapheninspektor von der Oberpostdirektion Cöln als Bezirksaufsichtsbeamter und verschiedene Beamte der Bezirksrechnungsprüfungsstelle bei der Oberpostdirektion.

Sozialdemokratische Wahlrechtsdemonstrationen

Berlin, 23. Januar. Die von der sozialdemokrati­schen Partet zum Zweck erneuter Wahlrechtsdemonstratio­nen veranstalteten Massenversammlungen erreichten in Ber­lin die Zahl von über 70. Die Menge der Demonstranten belief sich insgesamt auf 30 000 Personen. Ruhestörungen waren nicht zu verzeichnen. Ebenso wie in Berlin nahmen auch die in Frankfurt a. M., Cöln, Dresden und Breslau veranstalteten Demonstrationen einen ungestörten Verlauf. Folgenschwere Explosion.

Moskau, 23. Januar. Infolge einer Gasolinerplo sion in einem Restaurant tamen drei Personen in den Flammen um. Mehrere Bedienstete des Restaurants wur den mehr oder weniger schwer verletzt.

China von der Best bedroht.

O London, 23. Januar. Wie aus Schanghai gemeldet wird, sind in Tschifu zwölf Todesfälle an Pest vorgekom­men. Man befürchtet ein Uebergreifen auf Schanghai. In Pefing hat wegen der Ausbreitung der Epidemie das diplo= matische Korps das Gesandtschaftsviertel abgesperrt. Das Europäerviertel wird ebenfalls abgesperrt werden.

Unruhen in Honduras.

Renyork, 23. Januar. Neuyorf- Herald meldet aus Hon­duras: Der amerikanische Kreuzer Tacoma" hat 30 und der britische Kreuzer Brillant" 20 Mann gelandet, um die neutrale Zone zu schützen. Die fremdländischen Konsulate und die Häuser der ausländischen Einwohner sind seit Weth­nachten verschanzt. Man erwartet jeden Augenblick den Ausbruch von Feindseligkeiten zwischen den Truppen von Honduras und den Aufständischen.

Bandel und Gerkebr.

Gaffel, 21. Januar. Weizen( 100 Kilogramm) 19.50 bis 20.00 M Roggen( 100 Kilogramm) 15.00-15.60 M, Gerste ( 100 Kilogramm) 15.00-16.50 M, Safer( 100 Kilogramm 15.00-16.75 M, Heu( Zentner) 2.70-3.30 M, Stroh( Zentner) 1.60-2.40 M.

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