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in Gießen.

Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt.- Erscheint jeden Werktag früh.- Die Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.

Nr. 20.

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Tele phon: Nr. 362.

Aus dem Reichstag.

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des Großherzoglichen Polizei Amtes

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der Großherzoglichen Bürgermeisterei sowie vieler anderer Expedition: Seltersweg 83.

Behörden Oberhessens

( Haus Brüder Schmidt.)

Dienstag den 24. Januar 1911

-h Bermuthshain. Ueber seine Tätigkeit im Reichstag hat unser Reichstagsabgeordneter Binde wald in einer großen Anzahl Ortschaften unseres Wahlkreises Bericht erstattet.

Lokal- Nachrichten.

Gießen, den 24. Januar. *)(* Wintersportplätze. Zur Förderung des deutschen Wintersportes soll eine Zusammenstellung aller deutschen Wintersportplätze demnächst im Druck er­scheinen. Damit alles Wissenswerte über die einzelnen Sportgebiete des Odenwalds, der Bergstraße, des Main­und Neckartals sowie des Vogelsbergs lückenlos in die­fer Zusammenstellung erscheint, ist es wünschenswert, wenn dem hessischen gemeinnützigen Verein zur Vermitt­lung von Land- und Kuraufenthalten in Darmstadt, Wienerstraße 42( Geschäftsführer Rechnungsrat Harth), alle in diesem Vereinsgebiete gelegenen Wintersportplätze und die Adressen der Vorstände derselben umgehend mit­geteilt werden, damit sie in der geplanten Zusammen= stellung noch erscheinen können.

*

Gießen. Für die Erhaltung des Liebig- Labo­ratoriums sind von ungenannter Seite für das zu er= richtende Liebig- Museum 1000 Mark zugegangen.

* Gießen. Im abgelaufenen Jahre kamen in Gießen 566 Knaben und 517 Mädchen zur Welt. Die Zahl der ehelichen Geburten belief sich aus 788, 418 Knaben und 370 Mädchen; unehelich geboren wur­den 295 Kinder, darunter 148 Knaben und 147 Mäd­chen; die unehelichen Geburten verteilen sich auf die ein­heimische Bevölkerung mit 58, auf ortsfremde Mütter ( Kliniken 2c.) mit 237 Kindern. Die Zahl der Ster befälle betrug im ganzen 624; 305 Verstorbene wa­ren männlichen und 319 weiblichen Geschlechts. 315 Verstorbene waren ortsfremde Personen, die in den Kli­niken und Anstalten Unterkunft gesucht hatten. Der Ue­berschuß der Geburten über die Sterbefälle beträgt 313 ( 192 Snaben und 121 Mädchen), oder 50 Prozent.

( Spezialbericht der Gießener Zeitung".) Auch der Schluß der vergangenen Woche war noch dem Zuwachssteuergeset gewidmet. Am Mitt­woch begann die besondere Beratung der einzelnen Pa­ragraphen des Gesetzes. Eine große Anzahl Anträge fast hundert Stück wurden zu den verschiedenen Paragraphen gestellt. Man hatte oft das Empfinden, als wenn manche dieser Anträge weniger der sachlichen Erwägungen, sondern aus Gefälligkeit gegen irgend einen, vielleicht auf der Reichstagstribüne sitzenden In­teressenten entstanden waren. So kam es denn bei den Abstimmungen hin und wieder vor, daß sich nur ein einziger oder nur wenige Abgeordnete für" erhoben. Dadurch entstand manche heitere Situation, so daß ein Abgeordneter gelegentlich bemerkte: das hohe Haus habe sich selbst ausgelacht!" Die Freisinnigen und National­liberalen, die im Lande so viel von ihrer Einigkeit bei den Steuerabstimmungen reden, stimmten bei den vielen Abstimmungen beim Zuwachssteuergesetz fast nie ge= schlossen. Wie Kraut und Rüben stimmte jede dieser Parteien durcheinander. Jm Reichstag fällt das nicht mehr auf, weil man das von diesen beiden Parteien nicht anders gewöhnt ist. Eine längere prinzipielle Debatte entwickelte sich über einen konservativen Antrag, der die Landesherren bei Grundstücksverkäufen von der Zuwachssteuer befreien wollte. Für die Steu­erfreiheit der Landesherren sprachen die Konservativen. Bei der Abstimmung stimmten für die Konservativen der größere Teil des Zentrums und ein Teil der National­liberalen. Alle anderen stimmten dagegen. Auch der Abg. Behrens erhob sich gegen die Steuerfreiheit der Landesherren. Der Reichstag brach am Freitag seine Beratungen bei§ 49 des Zuwachssteuergesetzes ab, um die Beratungen am Dienstag fortzusetzen. In der Budget- Kommission wurde der Marine- Etat wei­ter beraten. In der Gewerbeordnungskommission wurde darüber verhandelt, ob die Lohnbücher vom Arbeitgeber oder vom Arbeiter aufbewahrt werden sollen. Die Reichsversicherungskommission setzte die Beratung über die Frage der Krankenkassen- Angestellten, Aerzte 2c. bis nach Vorlegung des Einführungsgesetzes aus und beriet weiter über die Besonderen Vorschriften". Am Mittwoch etwa dürfte der Abschnitt Ersatzkassen" zur Beratung kommen. Vor dem Sitzungszimmer der Petitions Kommission war einige Tage lang eine kleine Kaffee- Surrogat- Ausstellung aufgebaut. Der Kaffeehändler- Verein hatte eine Petition eingeschickt, daß es gesetzlich verboten werden solle, Sur­rogate z. B. Malz"-Kaffee, Kneipp"-Kaffee 2c. Kaffee" zu bezeichnen. Um die Abgeordneten von der Notwendigkeit dieser Maßnahme zu überzeugen, hatten sie diese kleine Ausstellung von Kaffee- Surrogaten auf­gebaut. Jm Vorraum zu den Präsidenten- Räumen ist das Geschenk der Stadt Lindau am Bodensee aufgestellt. Es ist ein großes schönes Gemälde, den Be­such der Reichstagsabgeordneten beim Grafen 3 ep­pelin darstellend. Man sieht auf dem Bild auf dem blauen Bodensee die geschmückten mit Menschen besetzten Dampfschiffe und zahlreiche Motorboote und im Mit­telpunkt des Bildes das aufsteigende weiße Zeppelin= Luftschiff. Nebenbei bemerkt, hat der Reichstagsabgeord­nete Behrens an diesem Besuch beim Grafen Zeppe­lin auch teilgenommen und auch eine Fahrt im 3eppelin Luftschiff mit anderen Abgeordneten

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mitgemacht.

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Reichstagswahlvorbereitungen.

-h Gießen, 24. Jan. Zum 29. Januar hat die nationalliberale Partei des ersten hessischen Wahlkreises eine Vertrauensmännerversammlung einbe­rufen. Der bisherige Kandidat Prof. Gisevius soll, wenn eine Einigung mit der fortschrittlichen Partei erzielt wird, von seiner Zusage, die Kandidatur anzunehmen, bunden werden. Es wäre dann zu einer neuen Kan­didatur Stellung zu nehmen.

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Offenbach. Der Vorstand des nationalliber alen Vereins hat einstimmig beschlossen, daß eine Un­terstützung der von den Deutsch- und Christlich- Sozialen, sowie der Wirtschaftlichen Vereinigung aufgestellten Kan­didatur des Lehrers Dern aus Neu- Isenburg nicht in Frage kommen könne.- Wie verlautet, soll Fabrikant Theodor Boehm als nat.- lib. Kandidat aufgestellt

werden.

*

Frankurt a. M. Der Landesausschuß der hessischen Fortschrittlichen Volkspartei hat am Sonn­tag beschlossen, daß für die nächsten Reichstagswahlen das Vorgehen der Fortschrittlichen Volkspartei in den einzelnen Wahlkreisen nur in engster Fühlung­nahme mit dem Landesausschusse stattfinden dürfe.

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= w= Gießen. Am Freitag abend fand auf Anreg­ung des Deutschen Bundes der Vereine für naturge­mäße Lebens- und Heilweise" eine Zusammenkunft von Damen und Herren zum Zwecke der Gründung eines Naturheilvereins im Cafe Ernst Ludwig" statt. Nach einem Referat des Herrn C. Eucker, praktizierender Vertreter der Naturheilkunde aus Fulda, der die Zwecke und Ziele der Naturheilbewegung klarlegte, wurde zur Gründung eines Vereins geschritten, dem sich eine grö­Bere Anzahl Herren und Damen anschlossen. Hierauf wurden die Statuten beraten und ein Vorstand ge= wählt. Der Verein beabsichtigt nun demnächst in einer öffentlichen Versammlung, zu der durch die Zeitungen noch eingeladen wird, an die Deffentlichkeit zu treten. Anmeldungen werden im Reformhaus, Kreuzplatz, ent­

gegengenommen.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

treten. Der 3 weiten Kammer ging als Druck­sache zu die Anfrage des Abg. Wolf- Stadecken, betreff­end: die Nebenbeschäftigung der Volksschullehrer als Rechner ländlicher Genossenschaften.

h Darmstadt, 22. Jan. An dem großen Wohl­tätigkeitsfest der Bühnengenossenschaft nahm auch das Großherzogspaar teil.

h Darmstadt, 23. Jan. Auf Grund des Gut­achtens vom Gerichtschemiker Dr. Popp- Frankfurt und mit Rücksicht aul den Fund von Haaren gilt der des Kindesmordes angeschuldigte Heß als der Tat für überwiesen. Dem pathologischen Institut zu Gie­ßen wurde die Leiche zur näheren Untersuchung über­wiesen.

-h Rüsselsheim, 22. Jan. Zwischen dem Bei­geordneten Sittmann und dem Gemeinderat ist ein Rechtsstreit ausgebrochen. Für die Bürgermeisterei­geschäfte, die S. während der Erkrankung des Bürger­meisters Treber führte, verlangte S. eine monatliche Ent­schädigung von 200 Mark. Vom Gemeinderat wurden jedoch nur 100 Mark bewilligt. Auf gerichtlichem Wege soll die Sache geschlichtet werden.

-h Erbach i. D., 22. Jan. Die 22jährige Marga­rete Werner wurde wegen einer Anzahl schwerer Ein­brüche in Seckmauern verhaftet.

Landtagsersatzwahl für Hungen.

* Jm Landtagswahlkreise Hun gen- Lich ist von der Wirtschaftlichen Vereinigung als Nach­folger für den verstorbenen Abg. Köhler Herr Wil­helm Fenchel, Landwirt in Ober- Hörgern, aufgestellt worden, der auch die Kandidatur angenom­Wirtschaftlichen Vereinigung noch genannt werden, be­men hat. Andere Namen, die für die Kandidatur der ruhen auf Kombination. Herr Fenchel wird sich im Falle seiner Wahl der Fraktion des Bauernbundes im hessischen Landtage anschließen.

Offener Sprechsaal.

Warum kann der Bund der Landwirte im Wahlkreis Gießen den Kandidaten der natio­nalliberalen Partei, Herrn Prof. Dr. Gisevius nicht unterstützen?

Weil Gisevius von dem verstorbenen Abgeordneten Köhler der Ueberrumpelung geziehen worden ist. Weil Gisevius gegen die klaren Aussagen Köhlers sich bis heute noch nicht gerechtfertigt hat; weil Köhler und mit ihm viele Hundert derselben Mitglieder des Bundes der Landwirte über das Verhalten des Herrn Gisevius im höchsten Maße entrüstet waren; weil Gisevius selbst auf mündliche Anfragen in Langgöns über seine Stellung zum Hansabund und zum deutschen Bauernbund weichende Antworten gegeben hat; weil Köhler bis kurz vor seinem Tode wiederholt gesagt hat, wenn ich nur gesund bleibe, um mit dem Herrn Professor bei der nächsten Reichstagswahl abzurechnen; weil Gise­vius es nicht für nötig befunden hat, von seiner Auf­

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* Friedberg, 22. Jan. Altbürgermeister Stein­häuser, Ehrenbürger unserer Stadt, ist heute morgen nach langem Leiden hier gestorben. Lauterbach. Nur 409 Personen hat die Bestellung auch nur im geringsten sich mit dem Bund der völkerung unseres Kreises zugenommen; 1905 waren es 29 316, heute 29 725 Einwohner. Die Zahl der Haus­haltungen ist 5151. Von den größten Orten hat Lau­terbach 4328( 1905 4056), Schlitz 2584( 2591,-7), Herbstein 1642( 1600), Angersbach 1318( 1296).

-h- Muschenheim, 22. Jan. Bei einer Schlitten fahrt erlitt die 62 Jahre alte Hebamme Eva Schmidt fahrt erlitt die 62 Jahre alte Hebamme Eva Schmidt einen komplizierten Schädelbruch und ist an den Folgen desselben gestorben.

Wetzlar. Pensioniert sind die Herren Amts= gerichtssekretär Niebold und Gerichtsvollzieher Kraft in Wetzlar.

) Darmstadt. 2997 Unfallanzeigen sind bei der land- und Forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für das Großherzogtum Hessen in Darmstadt im ver­flossenen Jahre eingegangen. In 1785 Fällen wurde erstmalig eine Entschädigung festgesetzt, darunter in 49 Fällen das gesetzliche Sterbegeld oder eine Angehörigen­rente gewährt, weil die Verletzung den Tod zur Folge gehabt hatte. Von dem Recht der Uebernahme einer Krankenhausbehandlung wurde in 250 Fällen Gebrauch gemacht, und diese Unfallverletzten einem Krankenhause oder einer für die Nachbehandlung eingerichteten Pri­vatanstalt überwiesen. Die Zahl der Mitglieder der zur Berufsgenossenschaft gehörigen Haftpflichtversicherungs­anstalt, zu der der Beitritt freiwillig ist, betrug Ende 1910 8035 Personen. Die Reserven der Anstalt bezif­fern sich im 3. Geschäftsjahr bereits auf rund 50 000 Mark, sodaß die Erhebung einer Nachschußprämie, wie dies oft noch angenommen wird, ausgeschlossen ist. Darmstadt. Der Finanzausschuß der Ersten Kammer wird am nächsten Donnerstag zur Beratung des Gemeindeumlagengesetzes zusammen=

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Landwirte einmal ins Benehmen zu setzen, sondern viel­mehr so ganz ohne weiteres, obschon er nach seinen wiederholten Aussprüchen selbst nicht nationalliberal ge­sinnt ist, sich derselben nationalliberalen Partei anschließt, die seit 20 Jahren im Wahlkreis Gießen den Bund der Landwirte und Köhler scharf bekämpft; die zu die­sem Zweck sich mit den Freisinnigen zusammengeschlagen hat; die nach den eigenen Worten ihrer Führer dies­mal Herrn Gisevius um dessen willen ausgesucht weil sie mit einem halbfreisinnigen Kandidaten bei den Bauern nicht durchkommt. Diese Partei hat also keine festen Grundsize. Sie hat erst im vorigen Jahr in Friedberg in der schroffsten Weise gegen den Bund der Landwirte agitiert, sie hat den Bauernzersplitterungs­bund zum Kampf gegen die Bauern, die verhaßten Agrarier, herbeigeholt und damit beigetragen, daß die­ser Kreis ins Rote Meer gesunken ist.

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Einer solchen Partei hat sich Herr Gisevius angeschlos=. ihn sen. Wollte man vom Bund der Landwirte aus unterstützen, so würde man das Andenken Köhlers be­schimpfen, würde sich selbst erniedrigen. Denkt hieran, ihr verantwortlichen Vertreter des Bundes der Land­wirte, vergeßt auch nicht, daß wiederholt im Gießener Anzeiger" zu lesen war, die Vertretung des Kreises durch den Bauern Köhler sei eine Schmach und ganz Deutsch­land weise mit Fingern darauf. Tut das Aeußerste, schlagt den Nationalliberalen einen nationalen, monar­chisch gesinnten parteilosen Mann vor,- ihr habt dazu das Recht und die Pflicht und lehnen deren Vertre­ter das Ansinnen ab, weil ihnen die Partei über das Vaterland geht, so mögen sie die Verantwortung über die unausbleiblichen Folgen tragen. Ihr aber steht cha­rakterfest und rein da.

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