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Deutscher Reichstag.

Am 21. März 1871 wurde die erste Stzung des Deuts schen Reichstags abgehalten, am Dienstag, nach 40 Jahren die 3425. Darauf nahm Präsident Graf Schwerin- Löwit in seinen Eröffnungsworten Bezug. Die Vertreter der Regierungen und die Mitglieder des Hauses erhoben sich, aber eine weitere Kundgebung erfolgte nicht. Dann wurde bte Abänderung des Paragraphen 15 des Zolltarifgesetzes, Hinausschiebung des Inkrafttretens der lex Trimborn, betr. Witwen: und Waisenversicherung bis 1. Januar 1912 in erster und zweiter Lesung erledigt. Die Abg. Mugdan( fr. Vp.) und Ledebour( Sz.) erhoben Vorwürfe gegen die Mehr­heitsparteien, daß es ihnen nicht ernst set um das Zustande= kommen dieses sozialen Werkes. In der Debatte, an der sich auch Staatssekretär Delbrück beteiligte, wandten sich Redner der Nationalliberalen, des Zentrums und der Rech­ten gegen ihre Auffassung. Darauf begann die mit Span­nung erwartete Kalidebatte. Vorläufig war freilich wenig von einer Spannung zu merken, denn das Haus war sehr schwach besetzt. Den Kommissionsbericht erstattete Frhr. v. Richthofen, dann sprach der Abg. Speck( 3tr. ausführlich über die Kalipropaganda, die im Interesse der Kaltindustrte durchaus notwendig set. Nicht nur wissenschaftliche Unter­suchungen, auch praktische Versuche, Ausstellungen und Vor­träge seien notwendig. Bei der Verteilung der Gelder solle man nicht nur die großen, sondern auch die kleinen Organt­sationen berücksichtigen. Der Redner empfahl die von der Kommission beschlossene Verteilung der Propagandagelder. Nach den Erklärungen des Unterstaatssekretärs Richter hat fich die Regierung mit diesen Beschlüssen abgefunden. Ueber­dies sei eine Vorlage über eine Staffelung der Tarife zu­gunsten der kleinen Verbände in Vorbereitung. Anstelle des Abg. Roeficke, der erst später sprechen will, erhielt der Abg. Hne( Soz.) das Wort. Er erkannte zwar die große wirtschaftliche und nationale Bedeutung dieses Naturschatzes an, sieht aber in dem Kalisyndikat, das trotz der Pretsherab­setzung noch Riesengelder verdiene, den kapitalistischen Pfer­defuß. Die Sozialdemokraten wollen die ganzen Kaligelder für sozialpolitische Zwecke verwendet wissen, sie lehnen also die nach ihrer Ansicht parteiltche Verteilung der Propagan= bagelder, bei der die Kleinen zugunsten der Großen benach­teiligt werden, völlig ab. Gegen Ende seiner langen Rede fam Herr Hue auf die Wohnungsverhältnisse der Arbeiter in den Kalibergwerken zu sprechen, die er als sehr schlechte bezeichnete. Nach einer Erwiderung des Unterstaatsseret­tärs wurde die Debatte abgebrochen.

Der Kronprinz über seine Studien auf der Weltreise.

Der Kronprinz hat nun selbst zu den mannigfachen Zeitungsäußerungen, daß er auf seiner Reise zu wenig Stu­dten treibe und sich zu viel dem Sport und der Jagd widme, Stellung genommen. Wir haben schon früher betont, daß der Schein trüge, da die Telegramme über den Aufenthalt des Kronprinzen nur kurze Augenblicksbilder wiedergaben, aber den Inhalt seiner Reise nicht erschöpften. Der bekannte Forschungsreisende Dr. Oskar Bongard veröffentlicht jezt im Leipziger Tageblatt" persönliche Aeußerun= gen des Kronprinzen über seine Studien. Der Kronprinz sagte: Man hat es mir verübelt, daß ich nicht Tag für Tag von Tempel zu Tempel, von einem Museum In das andere gelaufen bin, und hat es so darzustellen ver­sucht, als hätte ich nur für Jagd, Golfspiel und Polo Sinn gezeigt. Das ist unwahr! Sie, Dr. Bongard, kennen Str Harold Stuart, der mir beigegeben war; es ist einer der Höchsten Beamten des Landes mit dreißigjähriger indischer Erfahrung. Er war Tag für Tag von meiner Ankunft in Indien bis zur Abreise um mich und die Unterhaltung mit thm war eine nie verstegende Quelle der Belehrung, gleich­gültig, ob wir in der Etsenbahn zusammensaßen oder zur Jagd fuhren. Aehnlich war es mit dem höchsten Richter Indiens, Lord Jenkins, und den anderen hohen Beamten und Offizieren, mit denen ich in Berührung fam. Sie fön­nen sich doch denken, daß die Engländer mis gerade ihre bedeutendsten Männer, die sie in Indien haben, zuführten. Von der Unterhaltung mit diesen hatte ich in einer halben Stunde mehr Gewinn, als der tagelange Verkehr mit Durch­schnittsmenschen bringen kann. Informierte mich der Um­gang mit diesen Männern über die wichtigen Fragen, die Indien betreffen und die Wirtschaftspolitik der Völker be= einflussen, so lernte ich beim Sport, dem ich mich gern hin­gebe, etnen Teil englischen Volkslebens fennen. Bei den Spielen waren Kaufleute, junge Beamte, Offiziere, furz alles vertreten, was an Engländern in Indien lebt. Es waren prächtige Menschen in ihrer ungezwungenen, männ= lichen Art, die nicht ein einziges Mal taktlos wurden. Durch die Unterhaltung mit ihnen habe ich Einblicke in das eng­lische Leben gewonnen, die mir wertvoll sind, und die der Erbe eines Kaiserthrones sonst nicht so leicht erhält. Nicht minder wertvoll war es für mich, unsere deutschen Kauf­leute und ihr Wirken kennen zu lernen. Es hat mich mit Stolz erfüllt, zu sehen und auch von englischer Seite un­parteiisch zu hören, welch geachtete und bedeutende Stellung fie einnehmen."

Die englischen Spione wieder Offiziere. Der verhaftete englische Spion gab an, daß er wetter nichts sei, als ein Händler mit altem Eisen und nur zu

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Das Familiengeheimnis.

Roman ven L. Walter. ( Nachdruck verboten.)

,, Alle? Alle?" fragte Selma, deren Augen glühten. " Alle Geschäftsbücher."

,, Gut, mein Rechtsanwalt mag sie prüfen." ,, Du hast nun Deine Stellung mir gegenüber einge­nommen. ich werde die meinige einnehmen."

" Ich bleibe so lange im Hause, bis die Angelegenheit geordnet ist."

Karl verneigte sich und ging. Eine Stunde später befand er sich mit dem Kassierer in seinem Kabinette allein. Er erzählte genau die Unterredung, die er mit Selma gehabt.

,, Sie haben recht gehandelt," sagte der Greis. ,, Was halten Ste von der Tante?" " Jch bleibe dabei: ste beabsichtigt einen Betrug." Aber das Geheimbuch!"

" Ist gefälscht!" rief bestimmt der Kassierer. " Horn, wie soll ich das beweisen?"

Sie beweisen nichts, die Klägerin soll ihre Ansprüche beweisen."

" Und wenn man einen Eid darüber fordert, daß mir die Angelegenheit fremd ist... Gott im Himmel, ich tenne ja das Geheimbuch.

Warten wir bis dahin! Es kommt alles darauf an, wie Fräulein Selma sich benimmt. In meiner Brust regt sich ein Gefühl, das mir sagt: hier ist ein Bubenstück verübt worden! Die plötzliche Krankheit, der rasche Tod Ihres Vaters, die Verwirrung im Hause... Geduld, wir Tommen schon dahinter!"

Horn ließ sich noch einmal das Geheimbuch vorlegen; er betrachtete lange die Züge, die für die des verstorbenen Halling gelten sollten. Nun blätterte er zurüc

Mein junger Freund," murmelte er nach kurzer Bause ,,, Sie haben nicht alles geprüft."

diesem Zwecke mit den Werftarbeitern in Verbindung ge­treten sei. Es scheint aber, wie aus Marinekreisen mit­geteilt wird, festzustehen, daß sowohl der verhaftete Spion als auch der leider entflohene zu den englischen Offizieren zu rechnen ist. Es erscheint eigentümlich, daß der Mann, der angeblich mit altem Eisen handelt, sich so intensiv um unsere neuen Kriegsschiffe bekümmert hat, die er doch kaum zu dem alten Eisen wird rechnen wollen. Die Behörden stehen darum diesen Angaben mit Recht sehr ungläubig ge= genüber. Das planvolle Vorgehen und die Sachkenntnis Ser Spione rechtfertigt vielmehr die Annahme, daß es sich tatsächlich, gleicherweise wie bei den beiden vor einigen Mo­naten Abgeurteilten, um Offiziere handelt. Wenn auch über die Einzelheiten nichts näheres aus Interessen der Landesverteidigung bekannt gegeben wird, so weiß man doch, daß das Hauptinteresse der Spione sich auf die Einrichtun­gen der Panzer konzentrierte. In Marinekreisen ist die Empörung über diese fortgesette Spionage sehr groß. Man nimmt wohl mit Recht an, daß es sich um ein lange vor­bereitetes und weit ausgesponnenes System handelt, und daß jedem Spion sein Arbeitsfeld zugeteilt ist. Die beiden Spione French und Brandon haben bekanntlich sich um die Schiffsbauten fast gar nicht gekümmert, sondern ihr ganzes Augenmerk auf die Küsten befestigung gerichtet. Es wurden bei ihnen bekanntlich 19 Zeichnungen gefunden, die aber nur Einzelheiten über den Entwurf der Festungsan­lagen von Friedrichsort, Kiel, Helgoland und Wilhelmsha­ven enthielten. Aufzeichnungen über Schiffe wurden da­gegen nicht gefunden. Die Borkumer Spione wurden auch bei Besichtigung einer Festungskanone verhaftet. Die Ham­burger Spione sind wiederum bei der Ausspionierung un­serer neuen Kriegsschiffe ertappt worden. Es erscheint darum ausgeschlossen, daß hier nicht ein System oder eine Arbeitsteilung vorliegt. Ermutigt dürften die Hamburger Spione zu ihrem Tun wohl auch durch die geringen Stra­fen worden sein, von denen die Borfumer Spione getroffen worden sind. Es ist aber zu hoffen, daß ihnen das Hand­werk diesmal gründlich gelegt wird. Die Beteiligung von Deutschen an fremder Spionage ist übrigens äußerst selten. Einer der letzten aufsehenerregenden Fälle, bei de­nen ein Deutscher wegen Spionage verurteilt wurde, ist der des preußischen Leutnants Hoensch, der 9 Jahre Zucht­haus für seinen Verrat erhielt. Er verbüßte aber nur ein Jahr in Halle von seiner Strafe, da ihn der Tod ereilte. Die Rechtsprechung gegen deutsche Spione ist mit Recht be= sonders scharf. Bei dem Prozeß des Leutnants Hoensch erhielt ein anderer Spion, ein Pole, nur 5 Jahre Festung, weil das Reichsgericht anerkannte, daß es sich um einen Feind der deutschen Nation handelte, und daß darum die Strafe milder ausfallen dürfe.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Das Kaiserpaar trifft Donnerstag den 23. März nach­mittags 3 Uhr von Kiel in Berlin ein und reist abends um 6 Uhr 26 Minuten mit Sonderzug vom Bahnhof Friedrichstraße nach Wien ab. Die Ankunft erfolgt Frei­tag vormittag 11 Úhr. Abends setzt das Kaiserpaar seine Reise nach Venedig fort. Die Ankunft dort erfolgt Sonn­abend mittags 12 Uhr 50 Min. In Venedig begibt sich das Kaiserpaar sofort an Bord der Hohenzollern", um hier auf einige Tage Wohnung zu nehmen. Die Abreise nach Korfu erfolgt voraussichtlich am 28. März, wenn nicht durch den Besuch des Königs von Jtalien das Kaiser­paar andere Dispositionen trifft.

Ueber das Befinden der Kaiserin werden der Kreuz­zeitung" von besonderer Seite Mitteilungen gemacht, in denen es u a. heißt, daß die Kaiserin unter der Ungunst der Witterungsverhältnisse des verflossenen Winters mehr­fach Influenzaanfällen ausgesetzt war, die ihr Befinden ungünstig beeinflußt haben. Daß man jedoch von einem Leiden nicht sprechen kann, beweisen die Teilnahme an der Reise nach Korfu und der Besuch beim Kaiser Franz Joseph zur Genüge. Immerhin aber läßt das Befinden der Kaiserin den Aufenthalt in dem südlichen Klima Kor­fus als erwünscht erscheinen.

Der Dank des Prinzregenten an sein Ministerium. Der bayerische Prinzregent hat ein Handschreiben an den Ministerpräsidenten Grafen v. Podewils gerichtet, in dem er dem Gesamtministerium und den Mitarbeitern in den einzelnen Ressorts für die Glückwünsche zu seinem 90. Ge­burtstag den wärmsten Dank ausspricht. Das Handschrei­ben schließt: Wenn mir am 12. März aus allen Teilen des Landes Herzliche Liebe und innige Verehrung ent­gegengeklungen haben, so danke ich dies nicht zuletzt den Männern, die mir nach der Verfassung als erste Ratgeber zur Seite stehen und denen gleich mir das Wohl des Lan­des oberstes Gesetz ist."

Die Stichwahl im Reichstagswahlkreise Gießen- Grün­berg- Nidda hat am Dienstag stattgefunden. Es wurden insgesamt 24 191 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Oberlehrer Werner( Wirtschaftliche Vereinigung) 12 568

"

,, Was gibt's?" fragte Karl erschreckt. Lesen Sie diese Zeilen!"

Und Karl las:

Freund Rudolphi hat mich betrogen, der brave Mann, dem ich so überaus großes Vertrauen geschenkt. Nun ist er tot... ich konnte ihn nicht zur Rechenschaft ziehen. Die Anweisung seines Schwiegervaters ist verschwunden; ich muß schweigen."

Ich habe diese Anerkennung schon gelesen, fügte er, hinzu. Es mag sich wohl um eine kleine Differenz ge= handelt haben."

,, Nein, nein!" rief Horn. Nun wird mir manches flar. Sie glauben an eine kleine Differenz zwischen den beiden Freunden? Es handelt sich um einhundertzwanzig­tausend Taler, die, wie ich sehe, damals dem Geschäfte Ihres Vaters entzogen wurden. Daher kommt der gegen­wärtige Stand. Und diesen Verlust hat Jhr Vater schwei­gend ertragen, er hat ihn selbst zu verbergen gewußt. Ich bewundere den Mann! Rudolphi war ein Bankier; er unternahm die gewagtesten Spekulationen und ghatte Glück. Man hielt ihn für den schlauesten Spekulanten in der Stadt und der Provinz. Als Jugendfreund Ihres Va­ters fam er fast täglich in unser Haus. Um jene Zeit grasierte die Wut, Zuckerfabriken anzulegen. Rudolphi überredete Herrn Halling zu einem solchen Unternehmen

Man baute die große Fabrik, die jetzt noch vor dem S. Tore steht und reichen Gewinn liefert. Dem Bruder Rudolphis, der die Zuckerfabrikation eingehend studiert haben sollte, übertrug man die Leitung. Ich kenne die näheren Verabredungen weiter nicht, ich weiß nur, daß Ihr Vater mit der genannten Summe beteiligt war. Jm zweiten Jahre des Betriebes zeigte Rudolphi den Kon­furs an. Das war ein Donnerschlag für Halling, der das Vermögen seiner Frau gewagt hatte. Der jüngere Ru­dolphi, der eigentliche Fabrikant, hatte nicht zu verlieren; der ältere aber, der Bankier, zog sich mit einem kleinen Verluste zurück. Halling wandte sich an den Schwieger­

Stimmen, Krantentassentontrolleur Bedmann( Sozialdes motrat) 11 622 Stimmen. Werner ist somit gewählt.

Die Zentrumsfrattion des Reichstages, die am Diens tag gleich dem Reichstage auf ein 40jähriges Bestehen zu­rüdblicken konnte, feierte den Tag durch ein Festmahl in der Wandelhalle des Reichstages. Zur Teilnahme an der Feier waren auch führende Männer aus den Bundes­staaten in Berlin eingetroffen, darunter der bayerische Kammerpräsident von Orterer, der den Reichstagsverhand­lungen von der Tribüne aus beiwohnte.

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Unter dem Titel Kapital und Staatsaufsicht" er­scheint in diesen Tagen in einem Berliner Verlage eine finanzpolitische Studte des früheren Staatssekretärs des Reichskolonialamtes Dernburg, in der er zu den Debatten im Reichstag und preußischen Landtag über die Zulassung ausländischer Wertpapiere in Deutschland Stellung nimmt. Da Dernburg in dieser Studie einen Standpunkt ver­tritt, der zu der Auffassung unserer amtlichen Stellen in scharfem Gegensatz steht, dürfte seine Schrift Anlaß zu er= neuten Erörterungen der Frage geben.

Der Vertrag der Türkei mit der Bagdadbahn- Gesell­schaft über den Weiterbau der Bahn bis Bagdad und eine Zweiglinie bis Alexandrette ist am Dienstag unterzeichnet worden. Das Uebereinkommen wird von der Pariser Presse als ein unleugbarer Erfolg der deutschen Politik be= zeichnet. Das müsse Frankreich anspornen, von der Türkei die Internationalisierung" des letzten Bahnabschnittes, der zum Persischen Busen führe, zu verlangen. Denn man müsse fürchten, daß die Türkei und Deutschland nunmehr gemeinsame Sache machten, und daß Deutschland auch hin­sichtlich des letzteren Bahnabschnittes sein Uebergewicht zur Geltung bringen werde. Das Verhalten der Türkei in diesem Punkte werde ein Prüfstein für ihre Gefühle gegen­über den Westmächten sein.

Ein neues Kabinett in Rußland ist, nachdem der Zar den Ukas über Stolypins Rücktritt unterzeichnet hat, ge­bildet worden. Der bisherige Finanzminister Kokowhow wird Ministerpräsident. Das neue Kabinett bedeutet eine scharfe Schwenkung nach rechts. Stolypins Rüdtritt kam völlig überraschend; niemand glaubte, daß der Zar den verdienstvollen Staatsmann gehen lassen werde. Es ruft Befriedigung hervor, daß der politisch gemäßigte Kokowhow zum Kabinettschef ernannt wurde.

Die Nachrichten aus dem fernen Osten besagen, daß die Kriegsstimmung in China zunimmt. Die Grenzbezirke sind voll von Truppen und ständig treffen neue ein, die von dort aus nach der Grenze dirigiert werden. Ueberall stellen sich Freiwillige bei den Regimentern. Das Ge­rücht von einer Ermordung des russischen Gesandten in Pe­fing hat sich als unbegründet herausgestellt.

Kleine Nachrichten.

Zu dem gemeldeten Verlust au deutschem Boden in der Ostmart teilt Gräfin Schlieffen in Groß- Lichterfelde mit, daß die Meldung über den Verkauf ihrer posenschen Güter unwahr sei. Ein Pole Mielzynski sei thr und ihrem Inspektor unbekannt.

Die erste Telephonverbindung in Zentralafrika soll in der belgischen Kongokolonie eingerichtet werden. Die Ko­sten für ein einfaches Gespräch werden in Anbetracht der Schwierigkeiten, die mit der Anlage und Instandhaltung der Leitung verbunden sind, wohl die höchsten sein, die bis jetzt für Telephongespräche berechnet wurden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch wird die anständige Höhe von 150 Francs betragen.

Bei einer Geschoßerplosion in Tsingtau getötet ist nach einer behördlichen Meldung an die in Gladbach lebenden Eltern der Matrosenartillerist Hoeninger. Der Getötete stand vor der Heimkehr und war der einzige Sohn des Fri­seurs Hoeninger in Gladbach.

In den Ausstand getreten sind in der Chemnitzer Me­tallindustrie über 3000 Gießer und Former. Die Auffor­derung der Arbeitgeber, bis zum Montag die Arbeit wieder aufzunehmen, blieb unbeachtet. Infolgedessen wurden am Montag 50 Prozent sämtlicher Metallarbeiter ausgesperrt, so daß etwa 10 000 Metallarbeiter feiern.

Ein folgenschweres Unglück ereignete sich bei einer Re­paratur an einem Hochofen der Düdelinger Hütte bei Trier. Aus einer Höhe von 20 Metern stürzte eine Platte mit den darauf stehenden Arbeitern ab. Einer der Verunglückten wurde getötet, drei wurden lebensgefährlich verletzt.

Weil ihm gekündigt worden war, schoß am Dienstag auf dem Paulinenschacht der Hohenlohewerke in Kattowih der Steiger Eger auf den Bergverwalter Gersberg und ver= lehte ihn schwer. Darauf erschoß er sich selbst.

Volkswirtschaftliches.

Die erste kommunale Mutterschaftskasse. In der klei­nen Industriestadt Sebnitz in der sächsischen Schweiz ist vor kurzem die erste kommunale Mutterschaftskaffe in Deutschland ins Leben gerufen worden. Es gibt in Seb­

pater des Bankiers, einen steinreichen Rentier, der sein Vermögen in dem Bankhause seines Schwiegersohnes ste= hen hatte. Dieser händigte Halling eine Anweisung ein, wonach er, Halling, hundertzwanzigtausend Taler von Ru­dolphi zu erheben hatte, sobald der Rentier mit Tod ab­gegangen. Der brave Mann wollte Hallings Verlust nicht; er wollte aber auch seinem Schwiegersohn nicht sofort schaden, trotzdem er mit diesem in Feindschaft lebte. Kurz darauf starb der Rentier. Ich habe nichts mehr über die Angelegenheit gehört. Auch der Bankier Rudolphi ging heim und seine sehr reiche Tochter, sein einziges Kind, verheiratete sich mit einem Offizier. Ihr Vater trieb ruhig sein Geschäft.

heute ersehe ich aus dem Geheimbuch, daß Rudolphi seinen Freund schmählich betrogen hat. Also die Anweisung des Schwiegervaters ist verschwun­den." O, o, rief Horn, das sin dseltsame Ereignisse! Ich weiß nicht mehr, was ich davon denken soll. Madame Junker, so heißt die Tochter des verstorbenen Bankiers, besitzt das ungeschmälerte Vermögen ihres Vaters, lebt mit dem nichtstuenden Gemahle in Saus und Braus, und hier, wo man das Vermögen gestohlen... es ist himmel­schreiend! Verschließen Sie das Hauptbuch sorgfältig. vielleicht können wir noch einmal Bezug auf diese Notiz nehmen."

,, Wie aber benehme ich mich der Tante gegenüber?" Warten! Warten! Sehen wir zu, wie sie angreift!" Der junge Kaufmann sollte nicht lange warten. Schon amfolgenden Tage fündigte ihm ein Rechtsanwalt an, daß er von Fräulein Selma Halling beauftragt sei, die Schuldforderung der Dame an die Firma geltend zu ma­chen; er hoffe jedoch, schloß der Brief, daß durch gütliche Vereinbarung einem Prozesse vorgebeugt werde, den die Gläubigerin gern vermieden wissen wollte. Karl zeigte den Brief dem Kassierer.

,, Was beginne ich?" fragte er.

" Sie lassen Ihren Advokaten mit der Tante unter­Handeln."

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