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nig eine ausgebreitete Industrie künstlicher Blumen, die zahlreiche verheiratete Frauen beschäftigt. Als Ergänzung Der Wöchnerinnen- Unterstützung durch die staatliche Stran tenversicherung hatte man schon vor Jahren Stillprämien eingeführt, trotzdem gab es jedoch nur 55 Prozent stillen­der Mütter, und die Säuglingssterblichkeit betrug 20 Pro­gent. Die Gemeinde hielt daher zur Besserung dieser Ver­hältniffe, die übrigens günstiger sind als in vielen anderen fächsischen Industrieorten, die Gründung einer Mutterschafts­taffe für notwendig: Der Kasse können alle in der Stadt wohnenden weiblichen Personen beitreten, wenn deren et­genes oder anderes Familieneinkommen 1900 Mart im Jahre nicht übersteigt. Ist die Mitgliedschaft jedoch einmal erworben, so erlischt sie erst, wenn das Einkommen mehr als 2500 mt. beträgt. Die Mitglieder zahlen 50 Pfennig Monatsbeitrag und erhalten dafür bei einem Wochenbett folgende Unterstützung: Hat die Mitgliedschaft ein Jahr ge­dauert, so zahlt die Kaffe die geleisteten Monatsbeiträge, also 6 Mart, zurück, außerdem gibt sie 14 Mark Wöchnerin nengeld; zwetfährige Mitgliedschaft hat Anspruch auf 12 M. Bettragsrückzahlung und 18 Mart Wöchnerinnengeld; dret Jährige auf 18 und 22 Mart. Unbemittelte stillende Müte ter, die der Kasse angehören, haben außer dem Wöchnerin nengelde noch Anspruch auf ein Liter Milch täglich, aut threr etgenen besseren Ernährung. Die Stadt zahlt einen jähr lichen Zuschuß zu der Kasse, außerdem sind städtische Stif tungsgelder für ihren Zweck herangezogen.

Aus den Gerichtssälen.

Der Kampf um die volle Maß. Im Münchener Straf­prozesse gegen den Pächter Erwin vom Münchener Löwen­bräufeller und sechs seiner Schankfellner wegen betrügert­schen Einschenfens beantragte der Staatsanwalt mit Rück­ficht auf die Gewinnsucht Versagung mildernder Umstände gegen alle Angeklagte und gegen Erwin eine Gefängnis Strafe von vier Monaten und eine Geldstrafe von 3000 M oder weiteren 300 Tagen Gefängnis, gegen die Schank­fellner Gefängnisstrafen von drei bis sechs Wochen und Das Urtell außerdem Geldstrafen von 300 bis 500 M.

lautete für Erwin auf sechs Wochen Gefängnis und 8000 M Geldstrafe, sowte eventuell weitere 300 Tage Gefängnis. Die vier Schankkellner wurden zu Gefängnisstrafen von einer bis drei Wochen verurteilt.

Vermischtes.

Die Geschichte des ersten deutschen Turnplazes auf der Hasenheide bet Berlin. Nachdem schon 1810 Jahn öfter mit Schülern in der Hasenheide gespielt und geturnt hatte, versammelte er im Frühjahr 1811 wieder viele Schüler und zog hinaus in die Hasenheide. Da nun die Schar im­mer größer wurde, sah er sich gezwungen, einen geeigneten Play, der als Sammel- und Turnplag dienen sollte, ein­zurichten. Der damalige Forstaufseher Christoph und der Oberforstmeister von Schenk tamen Jahn wohlwollend zu Hilfe und gestatteten, daß er einen passenden Platz wählte, den er nun mit seinen Schülern einfriedigte und mit Ge­räten und einer kleinen Hütte ausstattete. Zum Spielen bot aber der Platz nicht genug Raum, darum wurden diese außerhalb des Turnplages, in den Rollbergen, vorgenom­men. Bei diesem Turnen, Spielen und Herrichten des Plazes verging der Monat Mai, die Zahl der Schüler mehrte sich wieder, zumal der Herodotübersetzer Friedrich Lange, Jahns Freund, ihm viele Jünglinge zuschickte und die Knaben des Schindlerschen Waisenhauses auch kamen. Selbst Erwachsene, Studierende und Offiziere fanden sich als Gäste ein. So war es die höchste Zeit, daß die Einrich­tung des Plages beendet wurde, und Anfang Juni 1811 wurde nun der erste Turnplatz in der Hasenheide eröfffnet. Diesen Namen erhielt die neue Anstalt, und am 19. Juni 1811 war der erste allgemeine Turntag.

Eine Rabenmutter. Die Frau des Kellners Ernst Heiße in Mannheim erschlug am Samstag abend in ihrer Wohnung ihr sechs Jahre altes Kind im Bette und stellte sich gestern früh selbst der Polizei. Die Frau konnte das Kind, ein Mädchen, das sie mit in die Ehe brachte, nicht leiden und mißhandelte es bei jeder Gelegenheit. Nach­barsleute veranlaßten am Samstag das Einschreiten der Polizei. Ein Schuhmann untersagte der besttalischen Per­Son jede fernere Mißhandlung. Kaum hatte sich der Schutz­mann entfernt, da übermannte die Frau die Wut über das Einschreiten des Schuhmannes und sie schlug mit einem Schemel und einem Schrubber wie wahnsinnig auf das im Bett liegende Kind ein. Als sie merkte, daß das Kind sich nicht mehr rührte, verließ sie das Haus und fuhr zu ihrem Manne nach Frankfurt. Dieser veranlaßte sie, mit ihm zurückzukehren und sich der Polizei zu stellen. Die Unter­suchung der Leiche des Andes ergab, daß die Schädeldecke eingeschlagen war.

Eine gewaltige Mäuseplage herrscht gegenwärtig in verschiedenen Häusern des Amts Hütten( Kreis Edern­förde), wohin sich die kleinen Nager in schier unendlichen Massen aus den benachbarten umfangreichen Waldungen gezogen haben, vertrieben durch die außergewöhnlich star­Ten Niederschläge der letzten Zeit. Ganz besonders wird von den unwillkommenen Gästen das Forsthaus Hütten heimgesucht, wo deren Zahl nicht abzunehmen scheint, ob­gleich Hunderte der Schädlinge durch Gift getötet oder durch Kazen und Fallen gefangen wurden. Bei einer ähn­Itchen Mäuseplage im Jahre 1899 wurden in demselben Hause in furzer Zeit zwischen 1500 und 2000 Stück ge fangen oder vergiftet.

Das Einfüchenhaus" wird Mehrküchenhaus". Das System des Einfüchenhauses in Groß- Lichterfelde hat sich so wenig bewährt, daß ein großer Teil der Mieter aus­zieht, da die Klagen über die gemeinsame Küchenleitung, dessen Personal wiederholt gewechselt hat, nicht verstum­men. Die Schwierigkeiten, es allen Parteien des Hauses es gibt deren 20- bezüglich der Verpflegung recht zu machen, fonnten nicht behoben werden. Es ist nicht ge­fungen, die verschiedenen Geschmacksrichtungen einheitlich abzustimmen. Aus diesen Gründen hat der Besitzer, Herr Gossow, beschlossen, das Prinzip des Einküchenhauses end­gültig zu verlassen und für jede einzelne Wohnung eine besondere Küche einbauen zu lassen.

Der Dieb als Teufel. Aus Fiume wird gemeldet: Vor einigen Tagen drang in Castua in die Wohnung eines Bauern ein Teufel ein. In der Wohnung war nur ein 13jähriger Knabe anwesend. Der Teufel befahl, ihm die Schlüssel zum Geldschrank zu geben, sonst würde er ihn in Die Hölle tragen, und durchstöberte dann den Schrank. Der/ Anabe aber saß voll Furcht in einer Ece. Schließlich faßte er jedoch Mut, griff nach einem über ihm hängenden Ge­wehr und feuerte einen Schuß auf den Teufel ab, der tot zusammenbrach. Man erkannte in thm den Mechaniker Des Ortes.

Die Bombe als Wohnung. Ganz einzigartig ist wohl eine Wohngelegenheit, die sich in Jdstedt ein Starenpaar erloren hat, und seit einer Reihe von Jahren regelmäßig benutzt. Es handelt sich um eine aus den Jahren 1848/50 #tammende, und im Garten der Jdstedter Waffenkammer

an der Erde liegende große Bombe. Wenn im Frühling die Stare ihre alte Behausung aufsuchen, erscheinen auch die kleinen Bombenbewohner, um zuerst ihre Wohnung von den Ueberresten des alten Nestes und den Blättern zu reinigen, die der Sturm hineingeweht hat, und sich von neuem darin häuslich einzurichten. So bot sich den Be­suchern der Waffentammer im vorigen Jahre ein reizendes Tieridyll, als vier Junge in der Bombe von den Alten getreulich gefüttert wurden.

,, Bitte, mich nicht zu füssen!" Spaniens Königin Vit­toria Eugenie, die mit dem König und ihren Kindern ge­genwärtig in Sevilla weilt, hat eine recht lobenswerte Bewegung gegen das Küssen der Kinder ins Leben gerufen. Englischen Blättern wird telegraphiert, ste habe aufs strengste verboten, daß ihre drei Kinder vom auch noch so loyalen Untertanen gefüßt werden, da ste der Ueberzeugung ist, daß durch solche Lieblosungen häufig Krankheiten über­tragen werden. Jede spanische Mama, die etwas auf sich und ihre Kinder hält, folgte natürlich sofort dem fönig­Itchen Beispiele, und jetzt läuft alles, was furze Röcke und furze Hasen trägt, mit fleinen eleganten Täfelchen auf dem Rüden herum, auf denen zu lesen ist: Bitte, mich nicht zu küssen!" Meulich wollte die Frau des Obergärtners bont Alcazar die kleine, jetzt zwei Jahre alte Infantin Beatrice in der Neberwallung ihre Gefühle in die Arme schließen und füssen, was nur im letzten Moment noch von Aber einer strengen Bonne verhindert werden konnte. da hatte die Bonne ohne das Prinzeßchen gerechnet, denn diese ließ sich trotz des königlichen Verbotes die Liebkosung der alten Andalusierin gern gefallen.

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Ein dringendes Bedürfnts. Es ist zu befürchten, daß den Zeitungen ein altgewohnter Quell der Belustigung ihrer Leser versiegen wird: daß die komischen Schulent­schuldigungsbriefe, deren Abdruck so manches Lächeln her­vorgerufen, immer seltener auf die Redaktionstische flat­tern werden. Denn Errungenschaft unserer Zeit! man hat jetzt vorgedruckte Schulentschuldigungszettel her­gestellt. Eine Berliner Firma hat, wie wir in der ,, Bosst­schen Zeitung" leserk, diesem von manchem unbeholfenen Schreiber sehnsüchtig empfundenen Bedürfnis endlich ab­geholfen und liefert Blocks zu 6 Stück für 10 Pfennig in der Hoffnung, daß sie von solchen Eltern gern gekauft werden, die nicht imstande sind, sachgemäße Entschuldi­gungsschreiben auszustellen. Die Zettel haben folgenden Wortlaut:, Sehr geehrter Herr Lehrer! Bitte meinem Kinde sein Fernbleiben vom Unterricht. we­gütigst entschuldigen zu wollen. Hoch­

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27 Jahre im Zuchthaus. Unter den vom Prinzregen­ten von Bayern begnadigten Sträflingen befindet sich auch ein Allgäuer, Sohn einer geachteten Familie, der als 20­jähriger Bursche aus Eifersucht seine Geliebte ermordet hatte, zum Tode verurteilt, dann von Ludwig II. zu le­benslänglichem Zuchthaus begnadigt wurde. Er ist jetzt ungebrochen an Gesundheit und Körperkraft, mit der ge= setzlichen Bewährungspflicht entlassen worden. Seine Ver­wandten haben ihm vor seiner Entlassung schon aus reichende Beschäftigung in der Landwirtschaft zugesagt.

Für den Aufenthalt der drei Söhne des deutschen Kronprinzen in Wien ist ein besonderes Programm aus­gearbeitet worden. Im Schönbrunnr Schloß wird eine große Kindergesellschaft versammelt sein. Nachmittags wird eine Fahrt durch den Part unternommen und den Prinzen dabei die Menagerie gezeigt. Es soll bei dieser Gelegenheit eine große Ueberraschung für alle fleinen Herrschaften in Vorbereitung sein. Der große weibliche Elefant, der die Menagerie schon um ein schönes Erem­plar bereichert hat, sieht Mutterfreuden für die allernäch­sten Tage entgegen, und es wird erwartet, daß das Ele­fantenbaby am 24. von den kleinen Hoheiten besichtigt werden kann. Da ein Elefant bei der Geburt nur achtzig Zentimeter hoch ist und schon munter um die Mutter her­umspringt, ist den fürstlichen Kindern damit ein drolliges Schauspiel geboten.

Schwarz als Modefarbe. In der Londoner Gesellschaft find in diesem Jahre für die Salons schwarze Wandteppiche und Tapeten Mode; nicht mehr lebhafte Farben und zarte Konturen, sondern schwarze Stoffe mtt rosenroten oder blauen Blumenmustern bedecken die Stühle, die Sessel und die Wände. Die Vorhänge sind von schwarzem Satin oder Kaschmir, die Kissen von schwarzem Samt. Die Papiertape­ten werden gleichfalls von der neuen Mode beherrscht, und man findet überall Tapeten mit schwarzem Grund. Die Eintönigkeit der Trauerfarbe wird hter und da gemildert; man nimmt z. B. Vorhänge und Möbelstoffe mit schwar­zem Grund und lebhaften Blumenmustern und dazu helle Wandtapeten. Man findet die schwarze Farbe sogar am Fußboden als Rahmen für Tapeten und Wandteppiche, in welchen rot und blau vorherrschen. Im übrigen, so be­merkt ein englisches Blatt, ist auch diese Mode nicht neu. Vor einigen Jahren sette eine berühmte Bühnenschönhett ihre Bekannten durch ein ganz in Schwarz und Gold ge= haltenes Boudoir nicht wenig in Erstaunen.

Der Roman" eines Gauners.

Vor einigen Jahren betrat in Rom ein Herr in der Uniform eines königlichen Adjutanten in der großen Oper bie Loge des eben erst neuernannten russischen Botschafters. Er machte seine Reverenz und, legitimtert durch seine gold­strogende Uniform, erklärte er der Botschafterin, die Köni= gin habe von weitem ihr kostbares Armband beobachtet und hege den Wunsch, es einmal aus der Nähe zu betrachten. Die Dame gab ihm den Schmuck- und Armband und Ad­jutant sah sie niemals wieder.

Der Held dieser Köpenickiade, die er mit Stolz selbst zum besten gab, hatte sich dieser Tage vor der Frankfurter Straffammer zu verantworten. Aus dem gräflichen Ge= schlechte derer von Halwyl" angeblich abstammend, stand seine Wiege im schweizerischen Kanton Solothurn. Im ju­gendlichen Alter von 17 Jahren bandelte er bereits mit einem Mädchen an. Als sein Vater davon erfuhr, gab er ihm auf offener Straße eine derbe Ohrfeige. Darüber ent­pört, ging der junge Mensch nach Frankreich, wo er sich mehr schlecht als recht als Buchhalter unter dem schilchten Namen Wyler durchschlug. Später ging er nach Italien und will hier in Bologna Literatur und Philosophie stu­diert haben.

Die weiteren Wanderungen führten ihn nach Spanien und Portugal. In Lissabon war er eine Zeitlang Journa list. Bei einem Abstecher nach Monte Carlo hatte er Glück an der Spielbank. Mit dem gewonnenen Gelde fuhr er nach Afrika und begründete einen Handel mit Seidenwaren. Auch tauschte er Elfenbein und Kautschuk ein. Mit einem Kapital von 15 000 Fr. will er dann den europäischen Bo­den wieder betreten haben. Auf dem Schiffe, auf dem er nun nach Frankreich zurückkehrte, befand sich auch der Her­zog der Abruzzen, dem sich Wyler als Führer und Dol­metscher verdingte, denn er rühmt sich, acht Sprachen zu sprechen. Er machte auch verschiedene Expeditionen mit dem Herzog, der ihn eines Tages Professor Lombroso vorstellte. Das aber war fatal; denn der berühmte Professor ent­deckte Wyler als besonderes interessantes Studienobjekt und schickte ihn kurzerhand in die Irrenanstalt nach Mai­land.

Nach wenigen Monaten gelang es Wyler aber, die Flucht zu ergreifen. Er kam nach Bukarest, fernte dort eine Zirkuskünstlerin fennen, mit der er an der österrei chischen Riviera herumreiste, bis ihm die Schöne lästig wurde, und betrat auf dem klassischen Boden Roms mi dem oben erwähnten Scherz" in der großen Oper die Ver brecherlaufbahn. Anfang August logierte er dann in einem erstklassigen Hotel zu München als Marquis Rosetta und stahl einer Dame einen Scheck über 500 Mark und Juwe len im Werte von 80 000 Mark. Merkwürdigerweise ist der Münchener Polizei von diesem Falle nichts bekannt. Fer­ner steht fest, daß Wyler in München, Augsburg, Nürn­berg und Frankfurt als Paletotmarder auftrat, wobei der Metalldreher Gries, den er in München fennen gelernt hatte, sein Kompagnon war. Bei einem Versuche, im Frankfurter Pfandhause Paletots zu versetzen, wurden die betden Spießgesellen festgenomnien.

Das Gericht verurteilte Wyler wegen Diebstahls in elf Fällen zu 4% Jahren Gefängnis, nahm an, daß er geistig gesund sei, ließ aber dahingestellt, was von seinen phantasti schen Erzählungen wahr sei. Und damit hat es natürlich fehr recht getan.

Drabtnachrichten und neuestes.

Der Kaiser in Glaube und Heimat".

Kiel, 22. März. Der Kaiser und die Kaiserin fuhren gestern abend kurz vor 7 Uhr in Begleitung des Prinzen und der Prinzessin Heinrich ins Stadttheater, wo Schön­herrs Tragödie Glaube und Heimat" gegeben wurde. Der Kaifer folgte den Vorgängen auf der Bühne mit gespannter Aufmerksamkeit. Zum Schluß der Vorstellung Iteß der Kaiser den Dichter Schönherr in die Loge bitten. Er äußerte sich zu ihm in Worten des höchsten Lobes über sein Stüd und sagte ungefähr folgendes: Die Vorstellung sei außer­ordentlich lebendig und besonders die Kaiserin sei von der Aufführung wie selten von einem anderen Stück gepact worden. Alles in ihm set echt und wahr. Er habe einen wunderbaren Theaterabend erlebt. Besonders erfreut set er, daß alles, was mit Religionsstreitigkeiten zusammen­hänge, vermieden set, und daß der Dichter Schwergewicht auf das rein menschliche gelegt habe. Es sei nichts Thea­tralisches an dem Stück, sondern alles aus dem Leben ge= griffen. Er erwarte in Schönherr den deutschen Dichter, der in Deutschland bis jetzt noch fehle. Schönherr sei der Mann, diese Hoffnung weitester Kreise zu erfüllen. Zum Andenken verlieh der Kaiser dem Dichter eine große Bronze­plakette mit seinem Bildnis. Die Kaiserin war von der Vorstellung tief erschüttert. Ihr standen noch die Tränen in den Augen, als sie das Theater verließ." Dem Theater­direktor überreichte der Kaiser den Roten Adlerorden vier­ter Klasse.

Die elsaßz- lothringische Verfassungsfrage.

Berlin, 22. März. Die Reichstagskommission für die elsaß- lothringische Verfassungsfrage nahm heute einen Antrag auf erweiterte Zulassung von Arbeitervertretern zur ersten Kammer mit großer Mehrheit an, lehnte aber in der Gesamtabstimmung den§ 6 betr. Zusammensetzung der Kammer mit großer Mehrheit ab.­

Ein Begrüßungstelegramm an den deutschen Reichstag.

Wien, 22. März. Der Deutsche Nationalverband hat gestern folgendes Telegramm an das Präsidium des deut schen Reichstages gerichtet: Der Deutsche Nationalverband des österreichischen Abgeordnetenhauses beehrt sich, den deut­schen Reichstag anläßlich der Feter seines 40jährigen Be­standes aufs herzlichste zu begrüßen."

Die Vereinigten Staaten und Mexiko. Washington, 22. März. Wie von zuständiger Seite gemeldet wird, beabsichtigt die Regierung der Vereinigten Staaten nicht, sich in die inneren Angelegenheiten Merikos einzumischen, wenn nicht besondere Umstände dies erforder= lich machen. Präsident Taft erklärte, die Dauer des Auf­enthaltes der Truppen an der merikanischen Grenze werde von der Entwicklung der Dinge abhängen.

Der Kassierer als Dieb.

Halle, 22. März. Als Verüber des vermeintlichen Dieb­stahls von 25 000 Marf bei der Sächsisch- Thüringischen Af­tiengesellschaft für Braunfohlenverwertung wurde deren langjähriger Kassierer Kühne verhaftet. Kühne hatte Unter­schlagungen begangen und fingierte, da er infolge der Fusion seiner Gesellschaft mit Riebecks Montanwerfen eine Ent­deckung befürchten mußte, den Diebstahl.

Verheerendes Schadenfeuer.

Trier, 22. März. In Berrescheed brach gestern ein Großfeuer aus, das die ganze Nacht andauerte und bis jetzt acht Häuser und die Kapelle in Asche gelegt hat. Das Feuer wütet noch fort.

Brand in einem englischen Hospital. London, 22. März. In einem Flügel eines Grafschafts­ratshospitals brach Feuer aus und besonders die Abteilung für Kinder befand sich in großer Gefahr, da das aus Eisen erbaute Haus schon rotglühend wurde. Die Pflegerinnen arbeiteten heldenmütig an der Rettung der kleinen Patien­ten, unter denen eine wilde Pani herrschte. Es gelang, alle Kinder unversehrt fortzuschaffen, doch wurde eine Pfle­gerin durch die Explosion eines Feuerlöschapparates schwer verletzt.

Bandel und Verkebr.

Frankfurt, 21. März. Viehmarktpreise vom 20. März. Preise für 1 Zentner: Rinder: A. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt ( Lebendgew.) M 50-55,( Schlachtgew.) M 91-95, öte noch nicht gezogen haben( ungejocht)( Lebendgew.) M 50-3, ( Schlachtgew.) M 91-93, 6) junge fleischige nicht ausge mästete und ältere ausgemästete( Lebendgew.) M 46-49, ( Schlachtgew.) M 83-89,) mäßig genährte junge, gut ge nährte ältere( Lebendgew.) M 40-45,( Schlachtgew.) M 74 bis 83. B. Bullen: a) vollfleischige ausgewachsene, höchsteit Schlachtwertes( Lebendgew.) M 44-48,( Schlachtgew.) M 73 bis 80, 6) vollfleischige jüngere( Lebendgew.) M 40-43, ( Schlachtgew.) M 66-71. C. Färsen und Kühe: a) vollflet schige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes( Lebend gew.) M 43-47,( Schlachtgew.) M 77-84, b) vollfleisch. aus gemästete ühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren ( Lebendgew.) M 42-46,( Schlachtgew.) M 78-83, c) 1. we­nig gut entwickelte Färsen( Lebendgew.) M 38-42,( Schlacht­gew.) M 73-81, do. 2. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe( Lebendgew.) M 34-41, ( Schlachtgew.) M 63-76, d) mäßig genährte Kühe und Fär­sen( Lebendgem.) M 28-38,( Schlachtgew.) M 56-66, e) ge­ring genährte Kühe und Färsen( Lebendgew.) M 22-26, ( Schlachtgew.) M 50-59. D. Kälber: a) Doppellender feinste Mast( Vollmilch- Mast) und beste Saugfälber( Lebendgew.) M 56-60,( Schlachtgew.) M 93-100, c) mittlere Mast- und gute Saugfälber( Lebendgew.) M 52-55,( Schlachtgew.) M 88-93, d) geringere Saugfälber( Lebendgew.) M 47-50, ( Schlachtgew.) M 80-85. Schafe: A. Stallmastschafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthämmel( Lebendgew.) M 40 bis 41,( Schlachtgew.) M 84-86, b) ältere Masthämmel und gut genährte Schafe( Lebendgew.) M-,( Schlachtgew.) M B. Weidmastschafe: Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 48-51,( Schlachtgew.) M 62-64, 6) vollfleischige Schweine unter 80 kg. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 48-50, ( Schlachtgew.) M 62-64, c) vollfleischige Schweine von 100 bis 120 kg. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 48-51,( Schlacht gew.) M 61-63, d) vollfleischige Schweine von 120 bis 150 Kg. Lebendgewicht( Lebendgew.) M 48-50,( Schlachtgew.) M 60-63.