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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr.

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der Großherzoglichen Erscheint Bürgermeisterei

jeden Werktag früh.- Die Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.

Nr. 70.

Telephon: Nr. 362.

den

Zur Stichwabl in Giessen- Didda schreibt das hessische Regierungsorgan, die Darmstädter 3tg.": Es ist ohne Zweifel festzustellen, daß nicht nur die Nationalliberalen, sondern auch ein sehr beträchtlicher Teil der Wähler der Fortschrittlichen Volks­partei der Parole für den bürgerlichen Kandidaten gefolgt sind. Die Wähler haben sich hier einsichtsvoller gezeigt als ihre fanatisierte Parteilei tung und die Frankfurter 3tg." mit ihrem Anhang, die sie absolut in die Arme der Sozialdemokraten treiben wollten. Die Wähler des Freisinns in Gießen, die mit ihrer Stellungnahme für Dr. Werner so aufrecht ihre bürgerliche und staatserhaltende Gesinnung gegen Ansturm gewisser zersetzender Elemente in ihren eigenen Reihen verteidigten, haben auch ihrer Gesamtpartei einen großen Dienst geleistet. Die rechtsstehenden Blätter droh­ten bereits, wenn die in Gießen von der fortschrittlichen Barteileitung ausgegebene Parole für die Sozialdemo­fratie wirklich befolgt werden würde, in Zukunft den Frei­sinn nicht mehr als zu den bürgerlichen Parteien zäh= lend ansehen zu wollen. Das heißt mit anderen Wor­ten, die Rechte würde die Kandidaten des Freisinns in Zukunft nicht mehr unterstützen. Was das aber für die fortschrittliche Volkspartei bedeutet hätte, zeigte eine Aus' lassung der liberalen Leipz. N. Nachr.", die einige Tage vor der Stichwahl in Gießen schrieb: Wenn die Par­teien der Rechten aus der Haltung des Freisinns in Gie­ßen die natürlichen Folgerungen ziehen, dann wird aus dem fünftigen Reichstag Herr Dohrn verschwinden, dem die Stettiner Antisemiten das Mandat verschafften, dann die wird Herr Mommsen niemals wiederkehren, dem Konservativen den Weg bahnten, dann ist auch Herr Heckscher verloren, dem die Deutsch- Sozialen in dem Ent­scheidungskampfe Wahlhilfe brachten. Niemals wieder wird dann Herr Bruno Ablaß, niemals Herr Mugdan durch die Wandelhalle ziehen, Herr Buddeberg wird ver­gebens um die Palme ringen, und Herr Carstens seinen Pinneberger Kreis den Genossen überlassen. Fern blei­ben werden dem Reichstag auch die Herren Eickhoff, Günther, Gyßling, Hormann aus Bremen, Kaempf, der bisher den ersten Berliner Wahlkreis hielt, Manz, der Vertreter von Erlangen, Enders aus Sonneberg, Pfundt ner aus Breslau. Mit der Hilfe der Antisemiten er­oberte der Volksparteiler Deser die Stadt Frankfurt am Main, mit Hilfe des Bundes blieb Christian Storz der Sieger von Ulm- es würde eine stattliche Anzahl von Toten auf dem Schlachtfelde bleiben, wenn Gießen Schule macht, und fast immer würden in diesem Streite der beiden Löwen um die Beute die roten Füchse das Fleisch davon tragen."

Wir begrüßen den Sieg des bürgerlichen Kandidaten auf das freudigste. Er zeigt, daß bei Einigkeit der bür­gerlichen Parteien, bei Befolgung der Sammlungs­parole des Reichskanzlers, die wir immer als das beste Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemo­fratie befürwortet haben und weiter befürworten werden, die sozialdemokratischen Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Der Vorwärts" schreibt dagegen unter der Ue­berschrift" Liberale Schande":" Wir bedauern keinen Mo­ment den Verlust dieses Mandates, das uns sicher hätte zufallen müssen, wenn die Liberalen ihre Pflicht ebenso erfüllt hätten, wie die Sozialdemokraten es getan haben, wo immer Liberale im Kampf gegen den schwarz- blauen Betrachten wir doch Reichs Block gestanden haben. tagsmandate nur als Symptom unserer Stärke und schätzen sie nur dann voll ein, wenn sie aus eigener Kraft errungen sind. Aber wir begrüßen die Klärung. Der Ausgang dieser Wahl wird den Genossen im Lande eine gute Mahnung sein, die Wahlhilfe der Bürgerlichen so einzuschätzen, wie sie es verdient und den Kampf gegen den schwarz- blauen Block, wie ihn die Herren so laut mit Worten führen, nicht allzu tragisch zu nehmen. Der schwarz- blaue Block hat einen Erfolg, die Liberalen die Schande und wir, nur wir, die Geschlagenen, sind die einzigen, die mit Befriedigung aul die geleistete Ar­beit und die Resultate des Wahlkampfes zurückblicken fönnen." Wer lacht da nicht?

des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

sowie vieler anderer

Donnerstag den 23. März 1911

sekretär des Innern nachher konstatierte, daß er eine so tief in die Grundsätze unseres Gewerbereichs ein­greifende Rede lange nicht gehört habe". Die Abgeord­neten der Rechten fargten nicht mit ihrem Beifall. Sehr wahr, Sehr gut", Ganz vorzüglich"," dieselbe Rede habe ich" ja gehalten", rief Abg. Dr. Hahn ein über das andere Mal unter Zustimmung rechts und in der Mitte". Die Freisinnigen machten recht verdutzte Ge­sichter und verharrten in eisigem Schweigen. Nach dem Staatssekretär erhob sich der freisinnige Dowe, um die Rede seines Fraktionskollegen Deser wieder einzurenken, was ihm aber nicht gelang. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Pfeiffer sah ob der lebhaften Zustimmung des Dr. Hahn schon eine Fusion" zwischen Frankfur­fer 3eitung" und Deutscher Tageszei= tung".

Abg. Behrens, der nach d. Abg. Dowe das Wort nahm, berührte die Deser'sche Rede kurz, um dann über die An­gelegenheiten der deutschen Textilindustrie zu sprechen: Abg. Behrens führte aus:

Die Mohrenwäsche, die eben Herr Kollege Dowe an der Rede des Herrn Kollegen Deser vorgenommen hat, hat den Eindruck nicht zerstört, der durch die Rede des Kollegen Deser hier im Hause erweckt ist, nämlich, daß Herr Deser zum Schutze der Gewerbefrei=

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( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Aus Stad: und Cand.

Gießen, deu 23. März 1911.

*) Gießen. Der bisherige Kommandeur unseres Kaiser- Regiments, Oberst von Müller, ist zum Ge­neralmajor befördert worden und hat die Führung der 21. Infanterie- Brigade( Sitz Schweidnitz) übertragen be­kommen. An seine Stelle ist Oberstleutnant v. Trotta gen. Trey den unter Ernennung zum Obersten avan­ziert.

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Gießen. Die Aufnahme der schulpflichti­gen Knaben in die hiesige Volksschule erfolgt am Donnerstag, den 30. März, und der Mädchen am fol­genden Freitag, den 31. März.

-0- Gießen, 23. März. Morgen Freitag, abends 8 Uhr, hält der Bezirksverein Nordost seine Generalversammlung im Hotel Einhorn ab.

heit die Beschränkung der Gewerbefrei heit gefordert hat, also ungefähr die Fortungsstück Der Rivale des Satans". Eine geradezu derung, die wir zum Schutze des Mittelstandes heben. Die Fortschrittspartei macht also ganz gute Fortschritte, um zu einer von unserem Standpunkte aus zweckmäßigen Mittelstandspolitik zu kommen. Auf diese inneren revolutionierenden Vorgänge in der Fortschrittspartei will ich aber nicht weiter gehen; ich wollte nur feststellen, was wir empfunden haben.

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Ich will noch einiges zu der Resolution Nr. 841, die uns vom Herrn Kollegen Schiffer zur Förder ung der heimischen Textilindustrie gelegt worden ist, sagen. Wir werden dieser Resolution zustimmen; denn wir halten eine solche Zentralstelle zur Hebung und Förderung der heimischen Textilindustrie, die von einer großen Anzahl nennenswerter Industriel ler gewünscht wird, für angebracht, und ich empfehle sehr, daß der Herr Staatssekretär dieser Sache wohl wollend näher tritt.

Um den von Berlin entfernter liegenden bedeutenden

der

Textilindustriegebieten, insbesondere in Rheinland, West­falen und Süddeutschland, eine solche Prüfungsstelle nutzbarer zu machen, dürfte es sich empfehlen, in Süd­deutschland und in Westdeutschland Nebenstellen der Zen­tralprüfungsstelle zu errichten. Dem zweiten Teil Resolution, der verlangt, daß die zur Hebung der Produktion von Textilrohstoffen in den deutschen Schutz­gebieten geeignete Maßnahmen getroffen werden sollen, stimmen wir gern zu; denn außer mit Weizen, Petro­leum, Kupfer, Zucker treiben die amerikanischen Börsen­leute wohl kaum ein für unser Wirtschaftsleben schlim­meres Spiel als gerade mit Baumwolle. Amerika ist der eigentliche Hauptproduzent von Baumwolle. Unsere deutsche Textilindustrie, die ein außerordentlich erheblicher Verbraucher der amerikanischen Baumwolle ist, befindet sich in ziemlicher Abhängigkeit von Amerika. Die Baum­wollproduktion der Welt, wie in der uns vom Kolonial­amt überreichten vortrefflichen Denkschrift über die Baum­wollfrage dargelegt ist, reicht ja überhaupt nicht mehr für den Weltbedarf aus. Wir können zur Sicher ung unserer deutschen Textilindustrie und der mehr denn eine Million Menschen, die direkt und indirekt von der Textilindustrie leben, nicht anders aus der Abhändigkeit von Amerika herauskommen, als daß wir in unseren deutschen Schutzgebieten möglichst die nötigen Textilrohstoffe zu erzeugen. Erfreulich ist, daß zu diesem Zwecke im Kolonialwirtschaftlichen Komitee nicht nur direkte Interessenten, sondern auch solche Kreise sich zusammengefunden haben, die ein indirektes In­teresse an der Baumwollproduktion haben. Ich möchte hier hervorheben, daß auch in den christlich- nationalen Arbeiterkreisen dieser äußerst wichtigen Frage die aller größte Aufmerksamkeit gewidmet wird, und besonders darauf hinweisen, daß der christlich- nationale Textilarbei­terverband bereits seit 8 Jahren durch seine Mitglied- schaft zum Kolonialwirtschaftlichen Komitee sein Interesse an den Bestrebungen zur Beschaffung von Roh­baumwolle durch Förderung der Baum­wollkultur in unseren deutschen Kolo nien gezeigt hat. Es ist hiermit der christliche Die Fortschrittspartei erlebte bei Beratung der Titel Textilarbeiterverband dem Vorbild der englischen Textil­18 und 19( Förderung von Handel, Gewerbe u. Land­arbeiterverbände gefolgt, die im Laufe der letzten Jahre wirtschaft) im Reichstag einen unerwarteten großen" Erfolg. Der freisinnige Vertreter für Frankfurt a. M., fast 1 Million Mark für denselben Zweck an das eng­Abg. Deser, hielt eine Rede über die elektrische Indulische Kolonialwirtschaftliche Komitee gezahlt haben. Also, wir empfehlen diese Resolution zur Annahme. strie und die Lage der Installateure, von der der Staats­

Aus dem Reichstag. ( Spezialbericht der Wetzlarer Zeitung".) Gewerbefreiheit Textilindustrie.

**) Gießen, 23. März. Die neueste Bilderserie der Lichtspiele" im Kolosseum ist wieder mit gro­Bem" Geschmack zusammengestellt. Sie beginnt mit dem äußerst wirkungsvollen Film: Großen Brand in Mos­fau". Hierzu steht im wohlerwogenen Gegensatz die ur­komische Liebesgeschichte: Tontolini in den Wolken". Es folgen dann Der Meister des Dietrichs"," Kompromit­tierende Briefe"," Der Mann in Texas", und die New­Worker berittene Polizei". Die Glanznummer des Pro­gramms ist zweifellos das große fantastische Ausstat­märchenhafte Farbenpracht tut sich vor den Blicken des überraschten Zuschauers auf. Den Abschluß des interes­- dessen Besichtigung wir jeder­santen Programms mann empfehlen- bildet das heitere Drama beim Nachbar". Gießen, 23. März. Hausierer mit ,, R est e r- stoffen" überfluten jetzt vor Ostern wieder alle Ge­genden. Da aber gewisse Leute trotz aller Warnungen in Wort und Schrift nicht alle" werden, fallen immer wieder vertrauensselige Menschenkinder herein. Die Sucht, heutzutage billig zu kaufen, hat so blind gemacht, daß alle Warnungsrufe umsonst sind. Die Stadt macht in dieser Sache vom Lande wenig Ausnahme. Wir wei­sen noch einmal darauf hin, sich mit diesen fliegenden Händlern" nicht einzulassen, sondern in den bekannten reellen Geschäften einzukaufen.

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-n- Weilburg, 22. März. Bei einem gefallenen Ochsen des Fruchthändlers Wilhelm Gottlieb Zanger in Schupbach ist Milzbrand amtlich festgestellt worden. durch das Lahntal ist der Anfang gemacht worden. In Zukunft wird eine direkte Straßenverbindung von Lim­burg über Nassau, Bad Ems bis zum Rhein bestehen, sodaß das romantische und an Naturschönheiten so reiche Lahntal dann bequem befahren werden kann.

Limburg. Mit dem Bau einer neuen Straße

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Darmstadt. Die Klage gegen den Groß­herzog, welche von Seiten eines Gutsbesitzers in Hol­stein eingereicht worden war, dessen Hund angeblich durch Verschulden des Großh. Chauffeurs s. 3. in Kiel überfahren worden war, wurde abgewiesen, da nach der Beweisaufnahme der Hund, der einen Wert von 300 Mt. hatte, selbst unter das Auto lief und der Chauf­feur nicht unvorsichtig gefahren ist.

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Aus Rheinhessen. Ein Mutterschwein eines Landwirts in Wallertheim warf unter mehreren Jungen eine Mißgeburt, deren Kopf Menschen- bezw. Affenzüge zeigte. Der Landwirt wußte nicht recht, wie er das Geschöpf ernähren solle, und ließ es verhungern. Vom Landesmuseum wurden ihm für das tote Wesen noch 5 Mark vergütet.

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