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liefert; er dürfte aber, da er ohne Hilfe so lange in der Kälte hatte liegen müssen, wohl kaum mit dem Leben da­ven tommen. Den Insassen des Autos ist man auf der Spur.

Eine Forschungsexpedition niedergemegelt. Aus Australien wird gemeldet: Staniforth Smith, der Administrator der öffentlichen Ländereien von Pa­pua, zwei weiße Offiziere, zwölf eingeborene Polizei­mannschaften und 14 Träger haben Port Meresby am 18. November v. J. verlassen, um das Innere von Neu- Guinea zu erforschen. Seit dem 7. Dezember sind keine Nachrich­ten von ihnen eingelaufen. Infolgedessen hegt man die ernstesten Befürchtungen über ihr Schicksal. Sie sollen alle mit Ausnahme zweier Eingeborener, die flüchten konnten, niedergemezelt worden sein. Eine ausgesandte Hilfsab­tellung wird gleichfalls vermißt.

Ein gefahrvoller Ballonaufstieg. Der Sonntag früh in Heidelberg aufgestiegene Ballon 3ähringen" des Mann­heim- Heidelberger Vereins für Luftschiffahrt trieb nach 10 Uhr in sehr geringer Höhe über den Häusern des Stadt­teils Neuenheim nach Nordosten. Dabei wurde der Bal­lon durch einen absteigenden Luftwirbel gegen die Giebel­wand eines vierstödigen Hauses geschleudert, das Tauwerk verfing sich am Grebel und der Ballon mit seinen vier In­fassen wangefesselt. Der heftige Wind zerrte nun so lange an dem Ballon, bis sich dieser losgerissen hatte. Mauer­Steine und Ziegel stürzten auf die Straße herab. Obgleich reichlich Balloft geopfert wurde, schwebte der Ballon auch jetzt noch ziemlich tief zwischen den beiden Häuserrethen ber Werderstraße, die mit großer Heftigkeit hin- und her­Schwankende Gondel karambolierte nochmals mit einem Dach und riß eine Anzahl Ziegel und ein Schutzgitter mit fich fort. Dann erst erhob sich das Fahrzeug endgültig über die Häuser, trieb in nordöstlicher Richtung fort und kreuzte mit sehr großer Geschwindigkeit, von heftigen Luftwirbeln auf- und niedergetrieben über den Odenwald. Nach heftt­gen Schneegestöbern landete Zähringen" dann später im Odenwald.

Ein irrfinniger Kapitän. Am Sonntag nachmittag traf der deutsche Dampfer Gertrud" in Helsingör ein. Der Steuermann teilte der Behörde mit, daß der Kapitän des Dampfers, Scherbinski, auf der Reise plötzlich irrsinnig geworden sei, und bat um Aufnahme ins Krankenhaus. Als der Arzt sich darauf an Bord des Dampfers begab, um die Ueberführung des Kranken ins Krankenhaus zu veranlassen, sprang der Kapitän in einem unbewachten Augenblick über Bord und verschwand in der hohen See. Bom Dampfer murde ein Boot losgemacht, und auch das Lotsenboot eilte dem Ertrinkenden zu Hilfe. Schließlich ge= lang es, den Jrrsinnigen ins Boot zu ziehen, worauf er ins Krankenhaus gebracht wurde.

Ein jugendlicher Nimrod. Lebhafte Aufmerksamkeit hat in Christiania die mutige Tat des dreizehnjährigen Knaben Christian Finerud aus Drammen erregt, der, als er vor wenigen Tagen in der Nähe von Drammen in den Gebirgswaldungen auf die Auerhahnjagd ging, sich plötz­lich einer Bärin mit zwet Jungen auf nur wenige Schritte Entfernung gegenübersah. Kurz entschlossen legte der Knabe seine Büchse an und streckte die alte Bärin mit ei­nem wohlgeztelten Schuß nieder. Die beiden Jungen fing er ein und nahm sie lebend mit nach Hause. Die tote Bärin wurde am nächsten Tage mit einem Wagen aus den Bergen heimgeholt.

Das größte Schiff der Welt. Auf der neuen Werft des Stettiner Vulfan" in Hamburg befindet sich das größte Schiff der Welt im Bau. Es ist für die Hamburg- Amerika­Linie bestimmt und hat ein Deplacement von 50 000 T. Ven seiner ungeheuren Größe geben folgende Zahlen einen ungefähren Anhalt: Es beträgt seine Höhe 31 Meter, seine Breite 30 Meter, seine Länge 268 Meter. Es hat 11 Stock­werke. Ohne Maschinen, Kessel und Ladung wiegt es bei­nahe 34 Millionen Kilogramm. Es kann 5000 Menschen aufnehmen, daneben eine enorme Menge Güter. Es ist mit allem erdenklichen Luxus ausgerüstet. So wird der Speisesaal der ersten Kajüte durch zwei Stockwerke gehen. Es fonnen hier gleichzeitig 800 Personen an kleinen Ti­schen essen. Auf dem Hauptpromenadendeck werden Kaf­fee! auben eingerichtet. Ein Schwimmbad ist vorhanden, mit dem hygienische Bäder, Massageräume und Turnhalle verbundensind. Mit diesem Bau hat die Hamburg- Ame­rifa- Linie und der Vulkan" einen neuen Reford geschaffen auf dem Gebiete des Schiffbaues.

Ein Bürgermeister, der weiß, was er will. Das schöne Städtchen Gartz a. d. Oder wollte seine Straßen neu pfla­stern und hatte deshalb ein Ausschreiben erlassen, in dem es Angebote von schwedischen Pflastersteinen verlangte. Ein Schlesischer Steinbruchbesitzer aber meinte, daß Garz doch in Deutschland läge und daß die Bezeichnung ,, schwe­dische" sich vielleicht nur auf das Format oder die Farbe der Steine bezöge. Er fragte also, wie wir in der, Tgl. Rdsch." lesen, höflich an, ob es ihm gestattet würde, auch Angebote in schlesischem Material zu machen. Und das war natürlich in stärkstem Grade anmaßend. Wie konnte sich ein so niederträchtig deutscher Kerl erlauben, anzuneh­men, daß Gary teine Vorliebe für das Ausland hätte? Die Antwort, die er erhielt, bestand aus einer Postkarte, auf deren Rückseite, unter der Ueberschrift und über der Ueberschrift in der Mitte und mit Tintenstift geschrieben, nur ein Wort stand, nämlich: Nein" und dahinter ein Ausrufungszeichen. Solche Entschiedenheit, besonders wenn sie sich gegen die eigenen Landsleute kehrt, ist in unserer schwankenden Zeit immer hocherfreulich. Außer­dem, kann der Magistrat von Gary a. d. Oder etwa dafür, daß der liebe Gott auch in Deutschland einen ganz guten Granit hat wachsen lassen? Er hat ihn nicht bestellt.

Dynamit als Zement. Die Polizei von Neujersey hat die Dynamitvorräte der Stadt feststellen lassen und dabei gefunden, daß der vorhandeneSprengstoff genügt, um ganz Neuyork und Neujersey vom Erdboden zu vertilgen. Diese gewaltigen Mengen sind alle in höchst fahrlässiger Weise als 3ement" mit der Bahn oder zu Schiff befördert wor= den. Bei der Verpackung wurden sie auch gemäß dem auf Bement lautenden Begleitschein behandelt. Da ihre Be­förderung größtenteils zur Winterszeit geschah, war zwar weniger zu befürchten, immerhin konnte bei einem plötz= lichen Temperaturumschlag oder anderen zufälligen Ereig niffen eine Katastrophe nur allzu leicht entstehen, wie es ja auch geschehen ist.

Karpfenzucht auf Reisfeldern. Die italienische Regie­rung hat vor einiger Zeit eine Fischart aus Australien ein­geführt, die sich dadurch vor anderen auszeichnen soll, daß fie es besonders auf die Larven der die Malaria verbreite­ten Mücken abgesehen habe und so zum Wohltäter der Menschheit werde. Nun ist dieser Fischart aber ein Konkur= rent entstanden in einem einheimischen Fische, und zwar In dem allbekannten Karpfen. In den Reisfeldern der Tombardei sind, wie die Neudammer Fischereizeitung mit­tellt, im letzten Sommer Versuche unternommen worden, Karpfen zu züchten. Die Reisfelder werden während des ganzen Sommers etwa 20-30 8entimeter tief unter Wasser

gesetzt, das durch ein ausgedehntes, Jahrhunderte altes Ka­nalsystem aus den größeren Flußläufen herbeigeleitet wird. Im ganzen werden in der Poebene alljährlich etwa 200 000 Hektar Land in dieser Weise bebaut, leider machte man aber die schlimme Erfahrung, daß die betreffenden Landstriche bisher unrettbar der Malaria verfallen waren. Um diese Krankheit zu bekämpfen, haben nun einige Landwirte den Versuch unternommen, im Wasser ihrer Reisfelder Karpfen zu züchten. Der Erfolg war sehr günstig. Es fanden Preis­verteilungen an die Landwirte durch einen Vertreter der Regierung statt. In der Tat hat man mit der Karpfen­zucht in den Reisfeldern drei Fliegen auf einen Schlag ge= troffen. Erstens wachsen die Karpfen in den reiche Nah­rung bietenden Feldern zu mächtigen Fischen mit äußerst wohlschmeckendem Fleisch heran, zweitens gewinnt die Reiskultur, die Reisstauden werden fräftiger, da die Fische die Pflanzen von Ungeziefer reinigen und drittens ver­zehren die Karpfen in ausgiebigem Maße die Larven der Müden, die auf den Menschen die Malaria übertragen. In Zukunft soll deshalb die Karpfenzucht auf den italieni­fchen Reisfeldern in großem Maßstabe betrieben werden. Man hat berechnet, daß die Reisfelder der Poebene jährlich mehrere Millionen Kilogramm Karpfen liefern können.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Das Alter der Erde. Aus dem Gehalt von Zerfalls­produkten des Radiums das Alter der Erde zu ermitteln, ist eine Aufgabe, der sich der englische Forscher Strutt seit Jahren widmet. Bekanntlich bildet sich aus einem Atom Radium ein Atom Emanation. Von einem Gramm Ra­dium ist in ungefähr 1300 Jahren 0,5 Gramm in Emana­tion zerfallen. Die Emanation verwandelt sich nach und nach in Helium, das keine Aktivität mehr zeigt. Bis jetzt galt der Thortantt als das heliumreichste Mineral; Strutt hat jetzt, so schreibt die Umschau", Gesteine aufgefunden, die durch eine noch größere Menge an Helium ausgezeich­net sind. Sie gehören alle der archaischen Periode an und entstammen fristallinischem Gestein aus den verschiedensten Teilen der Welt. Die höchste Zahl für das Alter der Erde stellt sich nach Strutts Versuchen auf 700 Millionen Jahre.

Die Kultur in Wild- West.

Die Völkerkunde pflegt überall da, wo sie dem Publi­fum vor Augen tritt, das größte Interesse zu finden; um so erstaunlicher ist es, daß man wirklichen ethnographischen Kenntnissen, nur selten begegnet. Nur eine Völkergruppe macht da eine Ausnahme: die Indianer. Vielleicht spielt dabei der Eifer eine Rolle, mit dem man in jungen Jahren die Romantik wilder Indianergeschichten verfolgte. Selbst­verständlich entsprechen die Vorstellungen, die dadurch von dem Leben und Treiben der Indianer hervorgerufen wer­den, in den seltensten Fällen der Wirklichkeit. Die Inter­nationale Hygiene- Ausstellung Dresden 1911 wird sich durch Vorführung einzelne Objekte hier das Verdienst er= werben, die Kultur dieses vom Tode gezeichneten Volfes zu illustrieren.

An keinem anderen Volte läßt sich so gut beobachten, wie die Lebensart etnes Voltes den ganzen Entwicklungs­prozeß und Werdegang beeinflußt. Von Haus aus waren die Indianer Sammler- und Jägervölker, die Gewinnung der Nahrung veranlaßte fle zu einem unsteten Wanderle ben. Freilich sind sie zum Teil, die sogenannten atlantischen Stämme, schon in sehr früher Bett au einer mehr oder min­der seßhaften Wirtschaft gekommen und bet thr verblieben. Es kann kein Zweifel sein: wären die Europäer nicht ge= tommen und hätten in wenigen Jahren den Lebensnerv der Indianer zerstört, die heimische Kultur wäre siegreich von Osten nach Westen fortgeschritten. Die europäische Kultur wirkte auf die Rassenhygiene dieser Völkerschaften zer­sezzend, wenn auch manche ihrer Gaben zunächst eine Bestär­fung der indianischen Lebensweise zu bringen schienen. Dazu gehört in erster Linie die Einführung des Pferdes. Die Indianer jagten ursprünglich zu Fuß; als sie zu Reis tern wurden, konnten sie die Jagd noch mehr ausüßen und die Folge war ein noch stärkeres Uebergewicht der nomadi­schen Lebensrichtung. Berseßend auf die Rassenentwicklung wirkte aber die Kultur der alten Welt an sich. Die Laster Europas, im Gefolge des Alkoholgenusses, die Beschränkung der altbewährten Körperübung und Stählung und andere Dinge versezten den ersten Schlag. Schlimmer wirkte noch die Ländergier der europäischen Siedler. Man lockte den armen Rothäuten ein Stück Land nach dem anderen ab, de­zimierte dadurch beständig ihre Jagdgründe und damit die ihrer Art zusagende Lebens- und Ernährungsweise. Die sen Prozeß unterstützte vor allem auch der Vernichtungs­frieg gegen die Büffel, deren Zunge ein europäischer Lecker­bissen wurde. In wenigen Jahrzehnten brachte man es dahin, daß die Büffel zur Reihe der aussterbenden Tiere gehören. Die Indianer zogen sich mehr und mehr zurück und bekamenn als schlimmstes Geschenk von den Europäern noch die Pocken, denen blühende Stämme, so die Mandan, zum Opfer fielen. Auf diese Weise ist heute nur noch ein fleiner Rest von Indianern vorhanden, denen man be= stimmte Wohngebiete, sogenannte Reservationen, angewie­sen hat, innerhalb deren sich ihr Aussterbeprozeß zwar et­was verlangsamt, aber doch sicher vollzieht: wohl das beste Beispiel, wie furchtbar es für ein Volk werden kann, wenn seine rassenhygienischen Momente übersehen werden.

In alter Zeit lebten die Prärieindianer in der Haupt­sache vom Ergebnis ihrer Jagd. Diese Lebensart bedingte auch eine leicht bewegliche Wohnung, ein Feldzelt, das sie Tipi nennen. In den wärmeren Landstrichen, also haupt­sächlich im Missourigebiet, kam dazu eine von den Frauen getriebene Maiskultur, aus der die Mandan, Hidatsa, Oma­ha, Pani, Osedch und andere ihre Nahrung in zweiter Linie bezogen. Es zeigt sich hier deutlich die Wechselwirkung von Nahrung und Wohnung, denn diese Stämme leben die Hälfte des Jahres in festen Wohnungen: ein rundes ver­senktes Erdhaus, das sie den südlichen atlantischen Stäm­men mehr oder minder entlehnt haben. Entsprechend dem Wanderleben war auch die Zubereitung der Speisen. Man kochte die Nahrung in Gefäßen aus Holz, Büffelhorn oder Leder und warf, da die Töpfe die Einwirkung des Feuers nicht vertrugen, glühende Steine hinein, um die Spetsen wenigstens halbgar zu machen. Dagegen verstand man, der nomadisierenden Art entsprechend, eine Fleischkonserve herzustellen, den sogenannten Pemifan. Es ist dies ge­dörrtes Visonfleisch, das in hölzernen Mörsern einge­stampft wurde. Auf einer höheren wirtschaftlichen Stufe standen die atlantischen Stämme, vor allem die Frofesen und Algonkin. Sie nährten sich in der Hauptsache vom Hackbau, bei dem Mais, Bohnen, Melonen und Sonnen­blumen kultiviert wurden. Die Kerne der Sonnenblume wurden geröstet und gemahlen. Im Winter betrieben aber auch die atlantischen Völker angelegentlichst die Jagd, vor allem auf Büffel und Hirsche, auch waren sie tüchtige Fischer. Dieser Lebensweise entsprach die Wohnung, die ihre höchste Entwicklung im Norden erlangte. Hier baute man die be­rühmt gewordenen bis zu 50 Meter sich erstreckenden Lang­häuser, durch die in der Mitte ein Gang führte, in dem die gemeinsamen Feuer brannten. Die anderen Küstenstämme, so die Odschibwä, Menomini hatten dagegen kuppelartige Jurten, die aus zusammengebogenen Stangen gewölbt wa­ren und mit Rinde gedeckt wurden: den altbekannten Wigwam.

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Heute ist von alldem nichts mehr erhalten; noch kurze Beit und auch die ganze Kultur der Prärieindianer ge­hört nur noch den Museen an.

Der Tod eines Peftforschers.

Sein letztes Gespräch mit dem Pekinger Vizekonsul.

Im französischen Kriegsministerium ist aus Peking ein Bericht des französischen Vizekonsuls in Charbin ein­getroffen, in dem über den Tod des französischen Stabs­arztes Dr. Mes ny nähere Einzelheiten mitgeteilt wer den. Stabsarzt Mesny diente in der Kolonialarmee und war zum Studium der Bestepidemie nach Charbin ver­setzt worden. Der Bericht des Konsuls macht in seiner schlichten Einfachheit einen erschütternden Eindrud. Er erzählt, daß er ins Grand- Hotel in Charbin berufen wur de. Ein russischer Arzt trat aus dem Hotel und verstän= digte den Vizekonsul, daß Dr. Mesny an der Pest erfrankt sei; bald darauf trat auch Dr. Mesny selbst, von vier Kranfenwärtern gestüßt, auf die Straße. Der russische Arzt stellte den Konsul in eine entsprechende Ent­fernung von dem Kranken auf. und nun konnte dieser ein furzes Gespräch mit dem Vizekonsul führen. Dr. Mesny er­Ilärte, daß er aller Wahrscheinlichkeit nach nur noch 3 Tage zu leben habe, er habe bereits sein Test a ment gemacht und bitte den Konsul, seine Papiere und Effekten nach entsprechender Desinfizierung in Empfang zu nehmen; er wünsche aber nicht, daß seine Familie zu früh verständigt werde. Darauf sprach der Arzt dem Konsul seine Ent­schuldigung deswegen aus, daß er sich ihm nicht früher vorgestellt habe, allein, sagte er, ich fürchtete, Ihnen die Pest ins Haus zu bringen. Mit einem traurigen Lächeln fügte er dann hinzu, er sage nicht auf Wiedersehen, sons dern Adieu! Sodarn bestieg er mit einem letzten Gruß den Ambulanzwagen und ließ sich ins Spital fahren Der Bericht des Vizekonsuls schließt mit den Worten: Ich gestehe, daß ich zu Tränen ergriffen war von dem Anblick dieses jungen Arztes, der mit so entschlossenem Mute in sein Schidsal ergeben war.

Aus Charbin wird telegraphiert, daß die Sterblich­feit in dieser Stadt zurückgegangen sei, in der Hauptsache deshalb, weil die Mehrzahl der Chinesen gestorben, be ziehungsweise geflüchtet sei. An der Eisenbahnstrecke längs Charbin liegen ganze Törfer ausgestorben, in den Häu­sern findet man von der Pest dahingeraffte Familien, die noch nicht beerdigt sind. Mit den Zügen, die aus Charbin abfahren, flüchten die europäischen Kaufleute aus Wla. diwostok und Charbin nach dem Westen.

Drabtnachrichten und neuestes.

Das Befinden des Königs Nikolaus. Wien, 21. Februar. Ein Belgrader Blatt, das gewöhn Itch aus Cettinfe gut unterrichtet ist, meldet, daß das Be­finden König Nikolaus Besorgnis hervorrufe. Die frem­den Gesandten holten täglich Erkundigungen ein. Mehrere Höfe würden täglich über das Befinden des Königs unter­richtet. Die Rückkehr des Kronprinzen werde erwartet. Brand in der Berliner Königlichen Bibliothek. Berlin, 21. Februar. Durch einen Brand in der Königlichen Bibliothef wurde heute fast die gesamte Feuer wehr alarmiert. Die Gefahr konnte jedoch bald beseitigt werden, da der Feueralarm durch das Inbrandgeraten ets nes Instrumentenbehälters im Kellergeschoß veranlaßt wor dem war.

Geständnis des Zoppoter Frauenmörders.

Zoppot, 21. Februar. Der Seefahrer Gaffke, der die Mutter seiner Braut, Frau von Laszewski ermordet hat, erklärte einem Gefängniswäter gegenüber, er habe Fran von Laszewski am Morgen des 10. Januar mit einem Blei stock getötet und dann sein Opfer die Treppe hinunterge. stoßen, um den Anschein eines Unfalles zu erwecken. Es wird jetzt bekannt, daß Gafffe auch auf anderem Wege ver­suchte, Frau von Laszewski aus der Welt zu schaffen. E hatte unter Verwendung von Salzsäure Grünspan erzeugt und dieses Gift dem Morphium beigegeben, das Frau von Laszewski regelmäßig nahm. Trotz wiederholter Versuch erreichte er auf diese Weise sein Ziel nicht.

Ein schauerlicher Fund.

Mannheim, 21. Februar. Beim Aufwinden einer Ankerfette machten gestern mittag am Rheinkai Schiffer einen schauerlichen Fund. Sie entdeckten an der Kette einen Frauenrumpf, dem Beine und Kopf fehlten. Arme und Leib waren schwer verletzt. Die Gerichtskommission, die den Fund besichtigte, nimmt an, daß es sich um den Körper einer Ertrunkenen handelt, der in die Schaufeln eines Dampfers geriet. Die Leiche mag wohl acht bis zehn Tage im Wasser gelegen haben.

Gewitter und Schneesturm. Cöln, 21. Februar. Gestern abend gegen 7 1hr trat plöhlich ein starker Schneesturm ein unter gleichzeitiger Entladung eines ziemlich heftigen Gewitters.

Frankfurt a. M., 21. Februar. Gestern abend gegen 10 Uhr entlud sich hier ein kurzes Gewitter, dem ein starker Schneesturm folgte. Im Osthafengebiet schlug der Blitz in einen Feuermelder und alarmierte die Wehr, die bald wie­der abrücken fonnte. Der Sturm hat großen Schaden an­gerichtet. Die Telephon- und Telegraphenleitungen nach Berlim sind gestört.

Folgenschwerer Hauseinsturz.

Warschau, 21. Februar. Beim Einsturz eines vierstödi gen Neubaues wurden einige Maurer schwer verletzt. Un­ter den Trümmern liegen noch mehr Leute begraben, deren Rettung zweifelhaft ist.

Von einer Lawine verschüttet.

Junsbruck, 21. Februar. Ein Förster wurde von einer Lawine fortgerissen und tot aufgefunden. Sein Hund war unter die Lawine geraten, konnte sich aber aus dem Schnee befreien und kam schwer verletzt nach Hause. Dadurch wurde man auf das Unglück aufmerksam.

Wolfsplage in Galizien.

Wien, 21. Februar. Nach Drahtmeldungen aus Lems berg hat in Ostgalizien infolge der grimmigen Kälte dte Wolfsplage überhand genommen. Die Wölfe dringen in Nudeln bis an die menschlichen Wohnstätten vor. Bei der Ortschaft Samophar wurde ein Förster von einem Rudel Wölfe bedroht. Er streckte zwei durch Schüsse nieder, die andern Bestien ergriffen die Flucht.

Handel und Verkebr.

Ernteschägungen und Tierbestände. Nach Mitteilung des Internationalen landwirtschaftlichen Instituts in Rom erhöht sich die Schäzung der Weizenernte von Australien von 24 422 000 Doppelzentner im Vormonat auf 24 498 000 Doppelzentner. Die mit Wintergetreide bestellten Flächen betragen in Frankreich bei Weizen 5 632 000 Hektar, bei Rogen 1 171 000 Hektar; in Rumänien bei Weizen 1954 000 Heftar, bei Roggen 128 000 Heftar. Der Bericht besagt fer­ner, daß die Rindvichbestände im Laufe der letzten 10 Jahre in Europa um 5 Millionen, in Nordamerifa um 27, in Süd­amerifa um 12% und in Australien um 3 Millionen zuge­nommen haben. Die Schweinebestände haben sich in Euro­pa um 7, in Nordamerika um 11 und in Südamerika um 0,8 Millionen erhöht. Auf je 1000 Einwohner famen Rind­vieh in Europa 24 Stück, in Nordamerika 188, in Südame­rifa 199, in Australien 287; Schweine in Europa 1 Stüd ,. in Nordamerifa 45, in Südamerika 52 und in Australien 70 Stück.