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Soziales.

- Spekulation und Preistreiberei. Daß nicht die Schutzzölle, sondern die Preistreiberei der Börse dem Volke das Brot verteuert, ist zwar von den Anhängern der jetzigen Wirtschaftspolitik, die den Schutz der nationalen Arbeitet gewährleistet und den heutigen, der sozialdemokratischen Verelendungstheorie hohnspred)= enden Wohlstand der breiten Massen erst ermöglicht hat, schon tausendfältig bewiesen worden. Es entbehrt aber nicht eines gewissen Reizes, daß jetzt die Richtigkeit die­ser Behauptung auch von einem Zeugen bestätigt wird, dem selbst der verbohrteste Freihändler aus dem Lager der goldenen oder roten Internationale nicht die Glaub­würdigkeit abstreiten wird, nämlich dem Berliner Tageblatt"( Nr. 4), das sich, selbstverständlich im Han­delsteil, also vernehmen läßt:

Die Preisbewegung des Getreidemarktes im Jahre 1910 unterscheidet sich ganz wesentlich von der des Vorjahres. Die Spekulation, die im Jahre 1909 den Weizenpreis auf über 270 Mt. getrieben hat, war im Jahre 1910 dem Getreidemarkte ferngeblieben, und in­folgedessen waren die Preisschwankungen nicht außer­gewöhnlich."

Man wird jetzt jedem roten Versammlungsschreier, der aus Unkenntnis oder wider besseres Wissen die Bau­ern des Brotwuchers bezichtigt, am besten dadurch den Mund stopfen können, wenn man ihn recht nachdrück= lich auf dieses kostbare Eingeständnis des Berliner Ta­geblattes hinweist und gleichzeitig hinzufügt, daß nie­mand mehr unter den durch die Machenschaften der Spekulanten hervorgerufenen Preisschwankungen zu lei= den hat als der Getreidebauer, der sich nicht hohe, son­dern in erster Linie stetige Getreidepreise als den für sich und die Allgemeinheit ersprießlichsten Zustand herbei­wünscht.

Eingesandt.

Wir erhalten folgende Zuschrift:

Die Art und Weise, wie ein reeller Geschäftsmann seine Waren kalkuliert, dürfte allgemein bekannt sein und wird jeder wohl wissen, wie scharf beim Einkauf und Verkauf gerechnet werden muß, um den Kunden für billiges Geld eine gute Ware zu liefern. Der Verdienst liegt heute zum großen Teil im günstigen Einkauf, da am Verkauf, um konkurrenzfähig zu sein, teilweise die liebe Ronkurrenz indirekt mit zu bestimmen hai.

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Anders ist das bei den Warenhäusern, weil sie zum großen Teil mit einem ganz anders gearteten Publikum zu rechnen haben, das geblendet und betrogen sein will und bei dem schon der Schein eines billigen Einkaufs wie z. B. große schreiende Anzeigen, Plakate mit rer­lockenden Preisen, Ankündigung von Ausnahmepreisen, Tel, 337. doppelte Rabattmarken 2c. genügt, es in den Glauben zu versetzen, günstig kaufen zu können. Diese Verblend­ung wird nun von den Warenhäusern in allen nur denkbaren und möglichen Formen unterstützt. Sie alle anzuführen, würde ein unendliches Werk abgeben, des­halb mögen für heute einige kurze Beispiele genügen, wie der Warenhäusler kalkuliert und hierdurch sein Bub­likum anlockt. Nehmen wir einen xbeliebigen Artikel, die Kalkulation der Tapeten heraus. Hier kauft der Waren­häusler z. B. zunächst verschiedene Muster zu 9 Psg. per Rolle Einkauf ein, dann mit je einigen Pfennigen Abstand von jeder Preislage einige Muster und sofort bis zu den teuersten Preislagen. Die erstgenannte Preis­lage zu 9 Pfennig per Rolle Einkauf, wooon man 4 Muster hat, werden nun zu vier verschiedenen Preisen verkauft und zwar das erste Muster zunächst 1 Pfennig unter Einkauf, also mit 8 Pfennig, das zweite mit 11 Pfg., das dritte mit 13 Pfg. und das vierte dann mit 15 Pfg. per Rolle. Was der Warenhausbesitzer also bei dem Lockmuster, welches natürlich auch tüchtig in den Anzeigen angepriesen wird, zusetzt, wird an den an­deren Mustern mehr verdient. Wer nun aber glaubt, daß die Tapete zu 8 Pfg. auch wirklich viel verkauft wird, der irrt sich gewaltig.

Waren unter Einkauf zu verkaufen, dafür nachfolgend ein anderer Trick. Bei Verkauf dieser vier Muster würde die Verkäuferin, das Ladenfräulein im Warenhause, an den ersten beiden zu 8 Pfg. und 11 Pfg. gar fein Jn­teresse haben, während sie ein solches bei den beiden Mustern zu 13 Pfg. und 15 Pfg. hat, da sie hierfür bei ersterem 2 Proz., bei letzterem 3 Proz. Provision für den Verkauf erhält. Da Warenhausverkäufer und -Verkäuferinnen bekanntlich mit den kleinsten Gehältern entlohnt werden, letztere oft genug mit ganzen 10 bis 15 Mark( ohne Pension natürlich) den ganzen Monat, so ist dieses natürlich auch wieder ein gewisser Zwang für sie, dem Publikum nur das anzuschwatzen, wobei die Verkäuferin selbst bei jedem Verkauf noch einige Pfennige Prämie verdient und bei einem Aufschlag auf den Einkaufspreis von 662/300 ist die Prämie von 3% nicht zuviel.

Genau so werden auch die allermeisten anderen Ar­tikel im Warenhause kalkuliert und durch die vorstehend erwähnten Kniffe, die einem reellen Geschäftsmann un­bekannt sind, wird auch die Absicht des Warenhäus= lers voll und ganz erfüllt, er kann billige Preise ver­künden, das Publikum täuschen, braucht keine billig fal­kulierten Waren zu verkaufen und verdient an seinen allermeisten Waren bedeutend mehr, wie jeder andere Geschäftsmann. Ein Wissender.

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