Ausgabe 
21.10.1911 Erstes Blatt
 
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Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Am Mittwoch standen verschiedene Interpellatio nen auf der Tagesordnung. Reichskanzler von Beth­mann Hollweg gab eine furze Erklärung ab, in der er sich eine Aussprache über die auswärtige Bolttik für einen späteren Zeitpunkt vorbehtelt. Nach seiner Absicht werde der Reichstag nicht auseinandergehen, ohne daß hier zuvor über die auswärtige Bolttik ver­handelt worden set. Dann wurde über die sozialdemo fratische Interpellation betreffend das Netchsvereins­gesetz verhandelt, die Staatssekretär Dr. Delbrück so­fort beantwortete. Er wies ruhig und klar die Angriffe zurück und wurde hierin von einigen bürgerlichen Ab­geordneten kräftig unterstützt. Am Donnerstag wurde bte Besprechung der Interpellation beendet und in die erste Lesung des Privatbeamtenversicherungsgesetzes eingetreten. Satatssekretär Delbrite leitete die Ver­handlungen ein. Der Entwurf beruht auf zwet Dent­schriften, die das Reichsamt des Innern dem Reichstag bereits frither vorgelegt hat. Die Angliederung der Privatbeamtenversicherung an die Arbeiterversicherung ist verneint worden. Der Staatsjefretär gab eine ein­gehende Begründung für die Schaffung einer Privat­angestelltenversicherung als Zwangseinrichtung über­haupt und für die bisher nach oben und unten gezogenen Grenzen. Der in der Vorlage festgesetzte Betrag von 8 Prozent je zur Hälfte für Arbeitgeber und Arbett­nehmer ist das äußerste, was man nach Lage der Dinge den Versicherten auferlegen kann. Durch völlige Zu­laffung aller Ersatzkassen würde man nur die schlechten Risiken für die allgemeine Versicherung behalten. Wir werden uns hoffentlich in der Scommission einigen, noch ehe der Reichstag auseinandergeht. Hierauf erfolgte Bertagung.

Die Kompensationen.

Der faure Kongoapfel und die süße Marokkobirne.

sehr zuvorkommend. Den General Heimburger soll er wiederholt ins Gespräch gezogen und zu ihm geäußert haben: Belgien hat in letzter Beit start gerüstet." Der General antwortete: Jawohl Majestät, obgleich wir Vertrauen hatten." Worauf der Kaiser zur Antwort gab: Sie hatten recht, Vertrauen zu ha= ben. Der Kaiser soll sich dann noch des längeren über bte belgische Armterung der Festungen unterhalten has ben. Durchaus unwahrscheinlich klingt die Meldung bel­gischer Blätter, wonach der Kaiser dem General Heim­burger gegenüber gesagt haben soll: Wir benußen die füngsten Ereignisse, um zu erlangen, was wir in ge­wöhnlichen Betten nur unter großen Schwierigkeiten hätten erlangen können."

Die Kölnische Zeitung", die bekanntlich mit dem Berliner Auswärtigen gute Fühlung unterhält, verbrei­tet sich in einem längeren Artikel über die gegenwär­ttge auswärtige Lage und erklärt die englischen Mel­dungen, wonach durch die mannhafte Haltung Englands in der marokkanischen Frage der Friede gerettet wurde, als erlogen. Bezüglich der gegenwärtigen Marokko­verhandlungen erklärt das Blatt, daß bei den augen­bltcklichen Verhandlungen angesichts der Haltung Frankreichs es wohl geschehen könne, daß Cambon noch manchmal zwischen dem Pariser Platz und der Wilhelm­straße hin und her wandern müsse, bevor das zweite Abkommen paraphiert und schließlich der ganze Ver­trag unterzeichnet set. In Frankreich müsse man sich flar darüber sein, daß Frankreich in den fauren Kongoapfel betßen müsse, wenn es die sit ße Maroffobtrne verzehren wolle. Die Erklä­rungen der deutschen Regierung dürften hierüber keinen Zweifel gelassen haben. Cambon dürfte als scharffin­niger Beobachter zweifellos auch seiner Regierung be­richtet haben, daß in dieser Frage die gesamte öffent= Itche Meinung Deutschlands auf einen solchen Son gestimmt fet, daß die deutsche Regierung, wenn sie es wollte, gar nicht daran denken könnte, dem Bolte mit einer unwichtigen Abfindung zu kommen.

Pessimistisch gestimmt?

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Kaiser in der Eifel. Der Katser hat am Don­nerstag früh von Bonn aus eine Fahrt in die Etfel angetreten. Außer dem Gefolge begleiteten den Kaiser das Prinzenpaar Adolf zu Schaumburg- Lippe, der preu­ßische Landwirtschaftsminister Freiherr von Schorlemer und Oberpräsident Freiherr von Rheinbaben. Die Fahrt erfolgte über Brühl nach Zülpich, wo die Kirche besichtigt wurde, dann nach Altenahr, wo ein Frühstück stattfand. Später nach Manen und Schloß Bürresheim. Abends erfolgte die Rückfahrt nach Bonn, wo die dor­tige Studentenschaft dem Seatser einen Fackelzug dar= brachte.

Ein mit dem gegenwärtigen Stand der deutsch­französischen Verhandlungen angeblich vertrauter Di­plomat, der Cöln berührte, äußerte sich einem Journa­Itsten gegenüber sehr peffimist tsch über den Fort­gang der Berliner Besprechungen und meinte, es würde notwendig sein, daß Cambon in den nächsten Tagen wieder nach Paris reise, um mit dem französischen Mt­nisterium persönlich über die bestehenden Differenzen zu verhandeln. Die Differenzen zwischen Forderung und Angebot, die sich schon am ersten Tage der Ver= handlungen bemerkbar machten, beständen unverändert fort. Es sei vorläufig noch nicht abzusehen, auf welche Weise der zweite Teil des Maroffoübereinkommens zu einem fitr beide Tetle chrenvollen Abschluß gelangen solle.

Aeußerungen des Kaisers?

Die Petitionskommission des Reichstags hat in der laufenden Session bis test rund 1500 Petitionen bearbeitet. Dem Reichskanzler zur weiteren Veranlas= sung wurden 378 Petitionen überwiesen, über 63 Pe= titionen wurde zur Tagesordnung übergegangen, 15 wurden anderen Kommissionen überwiesen, die gleiche Zahl wurde fitr erledigt erklärt, 518 Petitionen wurden für ungeeignet zur Erörterung im Plenum erachtet.

Abgeordneter von Kröcher verzichtet. Der Präsi­dent des preußischen Abgeordnetenhauses von Kröcher hat endgültig auf seine Wiederwahl zum Präsidenten verzichtet. Ueber seinen Nachfolger schweben Verhand­lungen unter den Parteien.

Wie Brüsseler Blätter aus Aachen berichten, dankte der deutsche Kaiser angeblich in französischer Sprache auf die Ansprache des Generals Heimburger, der den Kaiser in Aachen namens des Königs Albert begrüßte. Der Katser soll sich zunächst nach dem Befinden der Kö­nigin erfundigt und an den guten Eindruck erinnert ha­ben, den er von seinem füngsten Besuche in Britsset er­halten habe. Hierauf soll der Seatser zu dem General ges wandt, gesagt haben: Sie sind Militärkommandant et­ner Provinz, mit welcher wir immer in guter Freund­schaft gelebt haben. Sie habent in letzter Zeit, wie tch glaube, in Ihrem Lande Befürchtungen gehabt. Glau­ben Sie mir, diese Befürchtungen waren grundlos." Während des Festessens im Rathause zeigte sich der Kaiser den belgischen Gästen gegenüber

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Aus Eifersucht.

Moman von Mar Hoffmann.

( Nachdruck verboten.)

Das Schicksal der Strafprozeßnovelle ist im Senio­renkonvent des Reichstages dahin entschieden worden, daß von einer Weiterberatung abgesehen wird, obwohl die Regierung nach wie vor den größten Wert auf das Zustandekommen der Strafprozeßreform leat.

Notstandsmaßnahmen. Der Verband füdwestdent­scher Industrieller hat an den Reichskanzler eine Ein­gabe gerichtet, in der er geeignete Maßnahmen zur Be­seltigung der drohenden Verteuerung der Lebenshal­tung und ihrer für unser ganzes Wirtschafts- und Voltsleben nachteiligen Folgen fordert. Auch mehrere Handelskammern haben in Eingaben an den Reichs­fanzler Stellung zur Teuerungsfrage genommen und Vorschläge zu einer Milderung der Teuerung unter­brettet.

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin ist dem Profeffor an der Universität Upsala Allvar Gullstrand für seine Arbett über die Optik des Auges verliehen worden.

Rückgang der franzöfifchen Rekruteneinstellung. Die in diesem Herbst in das Heer eingestellten französischen Rekruten weisen wieder eine Verminderung von 11 400 Mann gegen das Vorjahr auf. Es wurden eingestellt 208 000 tanti degett 219 409 Mann im Fahre 1910. 9fm metsten hat wieder die Infanterie, nämlich 7265 Mann, verloren. Das Verlangen nach einer Errichtung einer schwarzen Armee zur Verstärkung der europäischen Truppen wird immer stärker.

Ich kenne ihn gar nicht. Das sind lediglich Kom­binationen, die ganz einfach sind. Ein Mann, der sich als Tischler ausgab, war an dem Tage, als Sie beim Beatricenheim anklingelten, dort als Hilfesuchender. Er wurde mir als groß und blond beschrieben. Große Füße muß er gehabt haben, wie ich aus den Fußspuren schließe, falls er es gewesen ist, der hier eingebrochen ist. Und wenn die Füße groß sind, so sind es gewöhn Itch auch die Hände. War er aber Tischler- und es tst fein Grund, daran zu zweifeln- so wird er auch von der Hobelarbett träftig entwickelte Schultern haben. Be­saß er Familienähnlichkeit mit der falschen Magdalene?" ,, Soviel ich bemerkt habe, war es nicht der Fall." " Sie war ta eine hübsche, rotblonde Person mit frischem Gesicht. Wie war seine Gesichtsfarbe?"

Einige hundert stellenlose franzöfifche Kellner dran­gen bis zu dem Hause im Pariser Stadtzentrum, wo fich das Hauptbureau für Stellenvermittlung nichtfran zösischer Kellner befindet. Die Fensterschetben wurden eingeschlagen und nach Vertreibung von vier Beamten hausten die Kellner in den Bureaus wie Vandalen.

Folgenschwerer Deckeneinsturz. In einem Bartser Restaurant filtrzte plötzlich ein Teil der Decke ein. Dret Damen und ein Herr wurden schwer verlegt. Die Po­Itzet traf umfassende Maßregeln, um ein weiteres Ein­stürzen des alten Baues zu verhindern.

Japan will sparen. Das neue tapanische Budget hat die Forderungen zur Vermehrung von Heer und Flotte zurückgestellt, ebenso den Kredit von 17 Mil­lionen Men für einen Barlamentsbau. Die geplante Ausstellung ist auf unbestimmte Reit verschoben worden. Dadurch werden wettere 20 Millionen Yen gespart.

" Ste kam mir fahl vor. Ich hielt das für eine Wirkung fetner frommen Stimmung, denn er kniete ge­rade vor dem Krustfir und betete."

Sehr gut! Könnte ich das Dienstmädchen spre­Den?"

Bitte sehr!"

Kleine Nachrichten."

Ballonlandung auf dem Meere. Einige Kilometer von Brighton wurde ein Ballon aufgefunden. Er war in Paris aufgestiegen und auf halbem Wege nach New­Haven in das Meer gefallen. Die Schiffbriichtgen waren von einem Küstenboot aufgenommen worden.

Der Militärluftfrenzer 2. 3. 9" hat die vor der Abnahme gestellte Bedingung einer zwanzigstunden­fahrt glatt erfüllt. Er stieg Mittwoch abend in Baden­Baden um 7 Uhr 15 Minuten abends auf und landete dort wieder Donnerstag nachmittag 3 Uhr 18 Minuten.

Die herbeigerufene Auguste hatte, wie sie ver­sicherte, nichts von dem fremden Menschen gesehen; sie batte gerade eine kleine Besorgung zu machen gehabt. Sie wurde wieder entlassen, kam aber gleich zu­ruck und meldete den Justizrat Hetnroth.

Die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Landwirtschafts- Gesellschaft ist auf Sonnabend, den 21. bis Donnerstag, den 26. Oftober anberaumt und um­faßt 46 Sigungen der Deutschen Landwirtschafts- Ge­sellschaft, unter diesen 6 größere Versammlungen. Im Vordergrunde des Interesses stehen die Verhandlun gen, die sich mit der Dürre dieses Jahres befassen.

Todessturz ans dem Fenster. In Dortmund stürzte die Frant eines Bergmanns aus dem Fenster threr im Dachgeschoß gelegenen Wohnung auf die Straße, wo sie tot tegen blieb. Da fie vorher mit ihrem Manne einen Heftigen Streit gehabt hatte, besteht der dringende Ver­dacht, daß dieser sie aus dem Fenster geworfen hat.

Das runde Antlig bes lovtalen alten Herrn zeigte btesmal nichts von seiner sonstigen Heiterkeit. Er war ernst und musterte die beiden Herren bedenklich.

Wissenschaft, Kunst und Eiteratur.

Ein Hygienemuseum in Dresden. Der Präsident der Internationalen Hygiene- Ausstellung, Lingner, hat dem Oberbitrgermeister von Dresden seinen Entschluß mitgeteilt, die populärwissenschaftlich so außerordentlich bedeutende Abteilung Der Mensch" die Hygiene- Aus­stellung, ihren Hauptanziehungspunkt, ebenso die gleich­falls bedeutende historisch- wissenschaftliche und die etno­graphische Abteilung zu einem großen Hygienemuseum in Dresden zu vereinigen. Es wird dabet vorausge= setzt, daß Staat und Stadt gleichfalls Entgegenkommen zeigen. Nach Schluß der Ausstellung soll den zuständt­gen Behörden ein Finanz- und Verwaltungsplan vor­gelegt werden.

Der Nestor der Aerzte Deutschlands, Dr. Getto in Deidesheim, ist nach kurzem Krankenlager im Alter von 98 Jahren gestorben. Seine Prarts hat er bis vor etwa einem Jahre ausgeübt.

,, Das ist ja eine schauderhafte Geschichte!" rief er, nachdem er Fritz begrüßt hatte und mit dem Kriminal­tommissar bekannt gemacht worden war." Jetzt hat

Drei Kinder verbrannt. Beim Brande eines Ar­betterwohnhauses in Lindau im westfältschen Kretse Kulm sind drei Kinder eines Arbeiters ums Leben ge= tomment.

Todessturz eines amerikanischen Flieners. Der Flie­ger Ely ist in Georgia während eines Schaufluges ab= gestürzt und erlag bald darauf seinen Verletzungen.

Vermischtes.

Ministers Tochter an der Hobelbank. In Kopen­hagen etablierte sich vor zwei Jahren nach abgelaufener Gefellenzeit und abgelegter Meisterprüfung ein Fräu­lein Horsböl in dem Fach der Kunsttischleret. Sie ge­wann durch hervorragende Tüchtigkeit bald einen vor­nehmen Kundenkreis. Ihr Betspiel hat nun auf an­dere junge dänische Damen anregend gewirkt. Wie die Sieler Rettung" berichtet, hat sich fetzt auch die 17jährige Tochter des dänischen Premierministers, des Herrn Klaus Berntsen, der Tischlerei gewidmet. Ste wird bei Fräulein Horsböl in die Lehre gehen; die Lehrzeit ist auf fünf Jahre festgesetzt. Dann erst darf sie ihre Gesellenprüfung ablegen. Der Minister soll den Entschluß seiner Tochter durchaus aebilligt haben, da lede nützliche Arbeit veredelnd, Müßiggang aber demoralisierend wirke".

man den Doktor Waldom nicht bloß in die Sache ver­wickelt, man will ihm sogar an Kopf und Kragen." Wer will das?" fragte Weide.

,, Nun, die Zeitungen! Weisen sie nicht seit gestern mit aller Energie, die diesen Pressemenschen eigen ist, auf den Täter hin?"

" Die Zeitungen!" sagte der Kommissar gering­schätzig.

Durch Gärungsgase erstickt. Im Keller einer Wein­wirtschaft in Bingen wurden zwei Arbeiter durch Wein­gase betäubt. Nachdem alle Rettungsversiche unmögli waren, gelang es schließlich dem Rohrmeister des Was­fermerfs unter Benuzung eines Schutzhelmes, in den Keller einzubringen. Zunächst konnte einer der Ver= unglückten gekorgen werden. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche maren von Erfola. Der Ver­unglückte befindet sich auf dem Wege der Besserung, Heat Jedoch vorläufig im dortigen Hospital. Der zweite Ar­better konnte nur als Leiche geborgen werden. Es ist dies übrigens der zweite Unglücksfall, der durch Gä­rungsgase hervorgerufen wurde.

Gin allgemeines Abflanen der Feuerung wird aus dem Westen des Reiches gemeldet. Wie in Westfalen, ist auch am Niederrhein die Kartoffelernte ganz erheblich besser ausgefallen, als man ursprünglich angenommen hatte. Ueberall aibt es Kartoffel in Hille und Fülle. Bet dieser verhältnismäßig guten Ernte und bet den ungewöhnlich starken Zufuhren aus den östlichen Pro­vinzen und aus Holland lassen sich die hohen Preise nicht aufrecht erhalten. Die Preise für Kartoffel werden vor­aussichtlich in der nächsten Zeit noch weiter fallen. Im Ruhrorter Hafen wurde eine aus 2000 Bentnern beste­hende Schiffsladung holländischer Kartoffeln binnen drei Tagen verkauft, und zwar waren die Abnehmer feine Großhändler, sondern Private. Der Preis stellte fich auf 3,50 Mart pro Zentner. Das Eingreifen der Städte, der großen industriellen Werke und der Genos­senschaften hat gleichfalls auf die Preisbildung einen Einfluß ausgeübt. Die Händler im Rheinland und West­falen fetzten aus eigenem Antrieb die Breise herab. Auch in den Gemüsepreisen hat ein Rückgang begonnen. Gleich günstige Meldungen tegen aus anderen Landes­teilen vor, so daß mit einem Nachlassen der Teuerung im Reiche für die nächsten Wochen zu rechnen ist.

Erlauben Ste! Ihre Macht darf durchaus nicht unterschätzt werden; denn sie machen doch tatsächlich die öffentliche Meinung und können mit Leichtigkeit einen Menschen ins Unglück stürzen, ebenso wie ste ihn bei anderen Gelegenhetten bis über die Wolfen erheben können. Und ich habe meine sicheren Anzeichen, daß die Polizei diesen Fingerzetgen durchaus nicht skeptisch gegenübersteht. Ste mitsfen nämlich wissen, meine Her­ren, daß dieser Doktor Waldow ein lieber junger Freund von mir ist. Bald nachdem er sich hier niedergelassen hatte, hat er meine schwer erkrankte Frau, die von Au­toritäten bereits aufgegeben war, durch seine geradezu aufopfernde Behandlung von dem Tode errettet und verkehrt seitdem ständig in meinem Hause. Ich habe thn durch und durch als Ehrenmann kennen und schätzen gelernt und müßte darüber lachen, ihn mit dieser Tat in Verbindung zu bringen, wenn es nicht so furchtbar traurig und von so folgenschwerer Bedeutung für set­nen Beruf wäre."

" Sie haben Familie, Herr Justizrat?" fragte der Kommissar wie nebenbet.

,, Nur eine Tochter."

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" In welchem Alter ist sie, wenn ich fragen darf?" " Ste steht jetzt im einundzwanzigsten Jahr- Der Kommissar nickte. Hm!" " Ich kann mir denken, was Sie vermuten," sagte ber Justizrat rasch, und will deshalb auch gar kein Hehl daraus machen, daß ich es nicht ungern gesehen hätte, wenn sich die beiden jungen Leute ernstlich für

einander interessiert hätten. In der letzten Zeit schten mir leider eine kleine Entfremdung zwischen ihnen ein­getreten zu sein."

Der Kommissar wurde sehr aufmerksam. Seit wann ungefähr?"

,, Seit einigen Monaten."

" Seitdem Doktor Waldow den Regierungsrat be. Handelte?"

,, Ungefähr seitdem."

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" Und haben Ste nie mit Ihrem Fräulein Tochter darüber gesprochen, welchen Grund diese wie soll ich fagen? Verstimmung zwischen den beiden jungen Leuten hatte?"

doch, ich habe sie direkt gefragt, aber es war nichts aus ihr herauszubekommen, sie leugnete sogar die Verstimmung."

Und Sie selbst haben sich keine besonderen Ge­danken darüber gemacht?"

Wenn ich es Ihnen offen gestehen soll, so muß ich allerdings sagen, daß ich das veränderte Verhalten der beiden zueinander mit der Tätigkeit des Doktors im Hause Marleben in Verbindung gebracht habe. Die Frau Regterungsrat von Marleben war, was man als. eine falte Schönheit zu bezeichnen pflegt. In ihrem ganzen Benehmen lag immer eine berechnende Zurück­haltung, und eine solche Dame ist natürlich bet ihren Mitschwestern nicht beliebt. Sie hatten ihr den Beina­men ,, Circe" gegeben. Trotzdem wurde sie von manchen Männern natürlich in allen Ehren!- geradezu um­schwärmt, und so konnte ich es mir wohl denken, daß es meiner Tochter nicht angenehm war, wenn Doktor Waldow nun als Arzt öfters in dies Haus kam." ,, Noch dazu," fügte Weide, der durch diese Aufklär­ungen befriedigt zu sein schten, hinzu, noch dazu, da dies auf Wunsch der Frau Regierungsrat selbst geschah wie mir seine Wirtschafterin, die treffliche Frau Schul ze, gestanden hat."

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