Ausgabe 
21.1.1911 Erstes Blatt
 
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einmal gesagt: Der ewige Friede ist ein Traum." Er ist

Abweichende Beschlüffezurzuwachssteuer.| nicht nur ein Traum, ſondern sogar ein schlechter Traum.

Die Weiterberatung der Einzelbestimmungen des Zu­wachssteuergesetzes vollzieht sich in denselben Formen wte bisher. Die Anträge nehmen immer mehr zu, die Redner wechseln rasch, und die Aufmerksamkeit im Hause ist nicht allzu groß. Man muß es aber schließlich den Mitgliedern, die nicht direkt an der Debatte beteiligt sind, zugute halten, denn die einzelnen Bestimmungen, um die hier gestritten wird, um ihre Aenderung oder Beseitigung. um das, was dem Erwerbspreise hinzugerechnet werden darf und was nicht, sind in ihrem überwiegenden Teile nicht gerade an= ziehend und dem Nichteingeweihten namentlich da, wo die feineren Unterschiede und juristischen Finessen in Betracht tommen, nicht immer und ohne weiteres klar erkenntlich. Sind sich doch die Redner oft selbst nicht über alle Konsequen­zen klar.

Denn die kriegerischen Fähigkeiten einer Nation zum Einschläfern bringen, heißt Selbstmord begehen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Die Arbeitsdispofitionen des Reichstags sind mit Rück­sicht darauf, daß die Beratung der Reichswertzuwachs­steuer statt der angesetzten drei Tage schon den vierten Tag in Anspruch genommen hat, geändert worden. Am Frei­tag soll die zweite Lesung der Zuwachssteuer unter allen Umständen zu Ende geführt werden, Sonnabend und Mon­tag bleiben sitzungsfrei. Am Dienstag wird die Fern­sprechgebührenordnung und das Reichssteuergesetz auf die Tagesordnung gestellt werden. Am Mittwoch und Don­nerstag soll dann der Verfassungsentwurf für die Reichs­lande in erster Lesung beraten werden.

Kein ausländisches Fleisch für Preußen. In der Bud­getkommission des Abgeordnetenhauses, die am Donners­tag ihre Beratungen mit dem Landwirtschaftsetat be­gann, erklärte der Minister auf Anfrage, daß die Ein­führung ausländischen Fleisches für Preußen nicht zu er­warten sei. Weiter gab er bekannt, daß der Wassergesetz­entwurf in der Vorbereitung wäre. Er hoffe, die Vorlage in der nächsten Session vorlegen zu können.

In der Budgettommission des Reichstags nahm am Donnerstag der Staatssekretär v. Tirpitz bei der Bera­tung des Marineetats Gelegenheit, auf die Ursachen der Katastrophe des U 3" einzugehen. Seine Erklärungen gipfelten darin, daß, soweit die bisherigen Ermittelungen haben feststellen können, ein Verschulden nicht vorliege. Der Kaiser hat sich durch den Prinzen Heinrich Vortrag über den Kieler Unterseebootsunfall erstatten lassen und der Marinebehörde telegraphisch sein Beileid und seine Anerkennung ausgedrückt.

So schleppte sich auch am Donnerstag die Debatte von Absatz zu Absatz und von Paragraph zu Paragraph. Zu­nächst handelte es sich darum, was zum Erwerbspreise, der einen wichtigen Begriff im Gesetz bildet, hinzugerechnet oder von ihm abgerechnet werden darf. Ein Milderungsantrag Weber( nat.) findet zu Paragraph 10b Annahme. Bei der Weiterberatung drückte bei Paragraph 10c Abg. Cuno( fort­schrittl. Vp.) seinen Unwillen über Milderungsanträge aus, die auf den erhöhten Abzug von Zinsen gerichtet sind. In der großen Reihe von Abstimmungen, die bei Paragraph 10c erforderlich ist, werden angenommen Zentrumsanträge auf Erweiterung der bei dem Zinsabzuge anzurechnenden Aufwendungen, sowie auf Erhöhung der Wertgrenze bei den Weinbergen von 200 auf 300 Mark, für die Zulassung des landwirtschaftlichen Zinsabzuges von Prozent. Weiter wurden angenommen: die Anträge der Nationalliberalen, wonach der Zinsabzug bei städtischen bebauten Grundstücken Prozent beträgt, und wonach ferner bei nicht mehr als fünfjährigen Zeiträumen, bei Bauplätzen, dagegen nicht bet bebauten Grundstücken, nur die halben Zinsen abgezogen werden dürfen. Im übrigen wurden die Kommissionsbe­schlüsse bestätigt. Die rückwirkende Kraft auf den 12. April 1910, den Tag, an dem der Entwurf im Reichstage einge­bracht worden ist, sowie die Rückbeziehung auf den 1. Ja­nuar 1885 in Paragraph 11 wurden zurückgestellt. Ange­nommen wurde schon jetzt die Bestimmung, wonach auf 40 Jahre zurückgegriffen wird, wenn der Erwerb des Grund­stücks auf Erbanfällen usw. beruht und der letzte steuer­pflichtige Rechtsvorgang nicht in die Zwischenzeit fällt. Pa= ragraph 12 der bestimmt, daß die Gemeinden Erwerbsvor= gänge berücksichtigen können, die vor dem 1. Januar 1885 Itegen, ist von der Kommission gestrichen. Diese Streichung wurde aufrechterhalten. Ebenso die Streichung des Para­graphen 13. Nach Paragraph 14 kann bei Parzellierungen der Verkäufer innerhalb zweier Jahre Verluste, die er bei einem Teile erleidet, auf den Wertzuwachs anderer Teile anrechnen. In einem Hammelsprunge wurde mit 126 gegen 118 Stimmen auf Antrag Cuno die Frist auf drei Jahre ausgedehnt. Paragraph 20 bringt die Steuerskala. Die Steuer ermäßigt sich für jedes vollendete Jahr des für die Steuerberechnung maßgebenden Zeitraumes, längstens für 30 Jahre, mit 1 v. H. ihres Betrages. Bei der Abstimmung wurde ein Antrag Weber angenommen, der statt ein Pro­zent anderthalb Prozent setzt. Paragraph 22 enthält die Befreiung von der Steuerpflicht. Befreit sind das Reich, die Bundesstaaten und Gemeinden und gewisse gemein­nüßige Vereinigungen, z. B. solche, die sich mit innerer Ko­Ionisation, Arbeiteransiedlungen u. a. befassen und nicht mehr als 4 Proz. Reingewinn verteilen. Ein konservativer Antrag Graf Carmer forderte Ausdehnung der Steuerfrei­heit auf den Landesfürsten und die Landesfürstin; ein zwei­ter will ſtatt 4 Prozent Reingewinn 5 Prozent setzen. Abg. Korfanty( Pole) beantragte, die Steuerfreiheit der Bundes= staaten zu streichen und nur solche Vereinigungen steuerfret zu lassen, die ihre Tätigkeit ohne Rücksicht auf die Abstim= mung derer, denen sie zugute kommen soll, ausüben. Das Haus vertagte sich vor der Abstimmung auf Freitag.

v. d. Goltz über den Krieg.

Ein Hochschülerstreit ist in ponover ausgebrochen. Wegen Ablehnung des Gesuches des Lehrförpers der Tier­ärztlichen Hochschule um Einführung des Rektorats anstatt des bisherigen Direktorats durch den a dschaftsmint. ster beschloß die Studentenschaft, den Besuch sentlicher Vor lesungen und ilebungen als Bro eft groen den Bescheid einzustellen.

Wegen eines Wahltompromisses für das ganze Rhein­land sollen zwischen den Nationalliberalen und der Fort­schrittlichen Volkspartei Verhandlungen eingeleitet wor­den sein. Zwischen beiden Parteien haben am Donners­tag auch Verhandlungen stattgefunden über die beidersei­tiger Randidaturen in der Provinz Hannover.

Ein Fünfmillionen- France- Gewinn in Montecarlo. Ein Engländer hatte während der letzten zehn Tage ein der artiges Glück an dem Spieltische in Montecarlo, daß er mit einem Gewinn von nahezu fünf Millionen abschloß. Er gedenkt seine Angriffe auf die Bank noch weiter fortzusetzen.

Sozialdemokratische Protestversammlungen gegen das Wahlrecht sollen am Sonntag in ganz Preußen veranstaltet werden. Es soll in allen Bersammlungen eine gleichlau­tende Entschließung vorgelegt werden. Eine sozialdemo­fratische Frauenkundgebung soll Sonntag den 19. März in allen großen Orten vor sich gehen, in denen die Frage des Frauenwahlrechts behandelt werden soll.

Ueber den Geisteszustand des Direktors Ohm von der Niederdeutschen Bank in Dortmund hat der Pinchiater Voß ein Gutachten abgegeben. Darin fommt er zu dem Schlusse, daß bei Ohm geistige Minderwertigkeit in so hohen Maße vorhanden set, daß durch sie seine Strafbarkeit ausgeschlossen sei. Auf Grund dieses Gutachtens hat der Verteidiger den Antrag gestellt, Ohm aus der Haft zu entlaffen.

Die Zahl der Deserteure in der französischen Armee betrug im Jahre 1910 13,500, die der Gestellungspflich­tigen 53,000. Gegen das Jahr 1909 bedeuten diese Zah­len Zunahmen von 500 und 3000. Das ist nicht gerade sehr schmeichelhaft für das Heer der französischen Republik.

Eine große Falschmünzerwerkstätte wurde in dem ober­schlesischen Orte Schop nib entdeckt. Es waren in letter Beit viele Ein- und Zweimarkstücke im oberschlesischen In­dustriegebiet im Umlauf. Man ging der Herkunft der Mün­zen auf die Spur. Zwet galtzische Industriearbeiter wur den als die Falschmünzer verhaftet.

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Tödliche Rodelunfälle werden aus Bingen gemeldet. In Auerbach an der Bergstraße rannten beim Rodeln zwet Damen mit ihrem Schlitten gegen einen Baum. Die eine trug erhebliche Verletzungen davon, der anderen wurde das Kinn zerschmettert und außerdem erlitt sie eine Gehirns erschütterung, der sie nach kurzer Zeit erlag. Ein Kind wur de von einem Schlitten angerannt und so schwer verletzt, daß der Tod alsbald eintrat.

China auf dem Wege zur Konstitution. Das vom chi­nesischen Reichsausschuß vorgelegte konstitutionelle Pro­gramm ist von der Regierung in Pefing redigiert und ab­geändert worden. Das abgeänderte Programm sieht für das laufende Jahr nach chinesischer Zeitrechnung die Ver­öffentlichung von Bestimmungen vor für die Bildung des Kabinetts und für die Ernennung des beratenden Komi­tees. Gegen den Schluß des Jahres 1911 sollen diese Aen­derungen in Kraft treten, bürgerliche, Handels- und Straf­gesetze erlassen und ein geheimer Rat eingesetzt werden. 1912 soll ein Barlamentsbudget aufgestellt und Bestim­mungen für die Wahlen erlassen werden, denen 1913 die Bildung des Parlaments folgen soll.

Aus Anlaß des 40. Jahrestages der Kaiserproklamation in Versailles hat der Berliner Berichterstatter des Pariser " Matin" den Feldmarschall v. d. Golz über den deutsch­französischen Krieg und über seine Ansicht vom Zukunfts­frieg befragt. Der Feldmarschall sagte seinem Besucher u. a.: Was wir heute feiern ist weniger der Sieg, der auf bei­den Seiten große Wunden geschlagen und viel Trauer ver­ursacht hat. Deutschlands Einigung veranlaßt uns vielmehr zu jubeln. v. d. Goltz fuhr dann fort: Ich be­haupte nicht, daß der Krieg unvermeidlich ist. Ich habe schon früher dargelegt und wiederhole es auch Ihnen gegenüber, daß wir in einem Zustande leben, der allgemein der be­waffnete Friede" genannt wird. Viele reden sich ein, daß der Krieg für immer verschwunden ist. Sie berufen sich dabei auf die vierzigjährige Friedenszeit seit 1870/71. Die Geschichte freilich lehrt gerade das Gegenteil; sie zeigt, daß die Menschen nicht wie friedliche Lämmer nebeneinander leben können. Ja, die Lebensbedingungen unserer Zeit bie= ten viel zahlreichere Reibungsflächen, als dies früher der Fall war. Und wenn die Möglichkeit eines kriegerischen Zusammenstoßes auch scheinbar verschwindet, die Gefahr besteht doch ständig. Dies niemals zu vergessen, ist die Pflicht eines jeden Vaterlandsfreundes. Moltke hat

Der Familienschmuck der Wallutjeffs.

Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. Nachdruck verboten.)

11)

Ja, das glaube ich auch. Aber hören Sie noch zwei weitere Aussagen an. In einem abgelegenen Kleiderma­gazin faufte Meyer einen vollständigen Frauenanzug: Kleid, Mantel und einen Hut, der das Gesicht beschattete, dann noch einen dichten Schleier und einen Regenschirm. Diese Sachen hat er furz vor Abgang des Zuges angelegt; er glaubte den Verdacht so eher abzulenken. Es schließt Nch Glied an Glied. Wenn ich morgen schon abreiste, wäre es gut, der Kerl hat ohnedies einen großen Vorsprung."

,, Daß er nicht in Europa geblieben ist, steht bei mir fest. Er wird den nächsten Hafen aufgesucht haben, in diesem Falle wahrscheinlich Marseille oder Toulon."

Wallutjeff zuckte kaum merklich die Achseln, ein un gläubiger Ausdruck malte sich auf seinen Zügen. Clairon bemerkte es.

Kleine Nachrichten.

Beide Beine abgefahren wurden gestern nachmittag dem Arbeiter Gerecke auf dem Betriebsbahnhof der Gewerkschaft Hansa- Silberberg bei Benthe in Hannover beim Rangieren. Der Verunglückte wurde sterbend ins Krankenhaus ge­bracht.

Bei der Explosion von Granatzündern auf einem Mag deburger Fort wurde ein Vizefeldwebel von der Fußartille rie lebensgefährlich verletzt.

Generalfeldmarschall von Haefeler, der am Donnerstag seinen 75. Geburtstag feierte, ist an einer leichten Influenza erkrankt und muß daher dem Ordensfeste am 22. Januar fernbleiben. Exzellenz von Haeseler muß seit gestern das Bett hüten. Er befindet sich auf seinem Gute Harnecop.

,, Sie halten es gewiß für aussichtslos, daß ich mich in dem französischen Hafen umsehe?" fragte er lächelnd. Aufrichtig gesagt, ja. Es kommen und gehen so viele Schiffe," versetzte Graf Wallutjeff.

Aus den Gerichtssälen.

Der Bock als Gärtner. Das Schwurgericht Bromberg verurteilte den Kriminalkommissar Schreiber aus Brom berg, der zwei weiblichen Strafgefangenen Beträge von 50 M und 100 M unterschlagen hatte, wegen Verbrechens im Amte zu einem Jahre Gefängnis.

Die Not der Veteranen erhellt aus der Tatsache, daß bei dem Magistrat der Stadt Berlin 5000 Gesuche von Kriegsteilnehmern um Unterstügung eingegangen sind.

Wegen schwerer Mißhandlung von Refrnten in 24 len ist der Unteroffizier Grunert von der 8. Kompanie des Infanterieregiments 144 in Meß zu zwei Monaten Ge­fängnis verurteilt worden. Der Musketter Dirks hatte am meisten zu leiden. Er erhtelt allein zirka 17 oder 18 Ohra feigen, wurde mit genagelten Schuhen getreten und mit der Seitengewehrscheide mißhandelt.

Ein gewiß nicht alltägliches Petitionsgesuch um Gewäh­rung der Ehrengabe für Veteranen aus den Kriegen von 1864, 1866, 1870 und 1871 hat sich ein in Offenbach wohnen­der Einwohner geleistet. Er begründete sein Gesuch um Ge­währung dieser Ehrengabe damit, daß er im Jahre 1872 die Witwe eines bei Gravelotte gefallenen Kriegers- gehei= ratet habe.

Ich habe in beiden Häfen unter den Reedern gute Freunde," sagte Clairon zuversichtlich. Schon früher habe ich in geheimer Mission mit ihnen zu tun gehabt, und sie erwiesen sich mir als nüßlich bei verschiedenen Nachfor­schungen; ich hoffe auch diesmal, nicht umsonst zu fragen."

Dieses Gespräch wurde unterbrochen durch die Mel­dung der Aufwärterin, daß drei Herren den Geheimpoli­zisten zu sprechen wünschten.

Ein Oberpostschaffner als Defraudant. Im Beisein des Prinzen August Wilhelm verhandelte gestern die Potsdamer Disziplinarkammer gegen den Oberpostschaffner Achtsnichts vom Postamt Wilmersdorf. Der unter der Anklage des Dienstvergehens stehende Angeklagte war seit dem Jahre 1891 im Postdienst, zuletzt als Oberpostschaffner tätig. Achts­nichts wurde am 9. Juli des vorigen Jahres von der Straf fammer wegen Briefunterdrückung zu sechs Monaten Ge­fängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte Auslandsbriefe, die Wertsendungen enthielten, unterschlagen. Bei einer Haussuchung wurden 14 Briefe vorgefunden, und bet einer Leibesvisitation, die im Betsein des Postdirektors vorge­nommen wurde, konnten aus der Hosentasche Achtsnichts fünf Wertbriefe zutage gefördert werden. In der Verhand­lung lautete das Urteil auf Dienstentlassung. Unter Zu­billigung mildernder Umstände, da seine Frau schwer Iets dend ist, wurde dem Angeklagten die halbe Dienstpension auf drei Jahre hindurch zugebilligt.

Eine Stiftung von 100 000 Mark ist der Stadt Heidelberg von unbekannter Seite gemacht worden. Der Zinsertrag soll bis zu einer Summe von einer Viertel Million ange­häuft werden und dann zur Errichtung eines Bürgerheims dienen.

Vermischtes.

Das große Los um ein Frühstück verscherzt. Ein sels tenes Pech hatte ein Maurer, der mit Kollegen zusammen in Groß- Umstadt bei Darmstadt arbeitete. Sie kauften ein Los der preußischen Staatslotterie. Einige Tage vor der Ziehung reute aber einen der Teilnehmer das dafür ausgegebene Geld, und er bot sein Zehntellos zum Kaufe aus. Niemand wollte anbeißen, bis sich schließlich ein an­derer Maurer fand, der den Anteil für ein Frühstück, be­stehend in Schweinsrippchen, erstand. Ein paar Stun den später kam schon ein Bote des Lotteriekollekteurs und teilte mit, daß das Los mit dem großen Gewinn von 200 000 M und der Prämie von 300 000 M, zusammen also mit 500 000 M gezogen worden sei. Auf jeden Mau­rer entfielen 50 000 M. Man kann sich die Verzweiflung des armen Teufels denken, der die 50 000 M um ein paar Schweinsrippchen dahin gegeben hatte. Es war nur ein gelinder Trost für ihn, als der glückliche Gewinner ihm er­klärte, er wolle ihm 2000 M abgeben.

hinter ihnen zu. Nach etwa dreiviertel Stunden öffnete er sie wieder, und sich fröhlich die Hände reibend, sagte er: Ich kann Ihnen jetzt noch manches Interessante mit­teilen. Meyer hat in einem Warenhause einen vollständi­gen neuen Anzug aus dunkelblauem Cheviot gekauft, dazu einen fleinen Handkoffer und einen schwarzen Filzhut. Dann hat er bei einem Optiker eine dunkelblaue Brille er­standen. Endlich kam auch der Wirt eines außerhab der Stadt liegenden kleinen Gasthauses und sagte aus, daß ein Mann, auf den die Beschreibung paßte, zu ihm ge= kommen sei. Er habe ein Zimmer verlangt und es nicht eher als am folgenden Abend verlassen. Der Fremde habe etwas Scheues, Unheimliches an sich gehabt, einen fazenartigen Blick seiner hellen Augen, von denen er eine dunkle Brille abgenommen habe, als er im Zimmer war. Als der Kellner ihm die bestellten Speisen und den Wein brachte, habe der Fremde gesagt, er sei müde und werde schlafen, man möge ihn nicht stören. Die Verkleidung muß Meger erst vorgenommen haben, als er auf dem Wege zur Bahn war und es Nacht wurde."

Bitte, treten Sie in diesen Nebenraum," sagte Clairon zu Wallutjeff und dem Juwelier, ich denke, es finden fich auf unsern Aufruf hin noch einige Personen, die in Der Sache etwas zu melden haben."

Beide Männer traten ab. Clairon schlok die Tür

hat?"

Glauben Sie, daß er den alten Anzug mitgenommen ,, Rein, er wird ihn wohl in ein Paket gebunden, mit einem Stein beschwert und in den See geworfen haben." Durch Ihre Darlegung wird alles flar," sagte Wal­lutjeff bewundernd, einen dankbaren Blick auf das fluge und energische Gesicht Clairons werfend.

" Jahrelange Uebung in meinem Beruf schärft den Verstand," entgegnete der Gelobte mit Selbstzufriedenheit.

Die frierende Feuerwehr. Die freiwillige Feuerwehr der Nachbargemeinde Potsdams, Eiche, hat sehr unter dem

Sier habe ich mir noch die Nummer der Augsburger Zeitung verschrieben, die den Steckbrief und das Bild Meyers enthält," nahm Clairon das Wort. Es ist besser, wenn ich zwei Exemplare besite. Ich muß mit der Mög­lichkeit rechnen, daß mir eines durch einen Zufall abhan­den kommt und ich somit einen wertvollen Beweis verliere. Aber auch noch die übrigen bis gestern erschienenen Num­mern schickte man mir auf Verlangen, ich hoffte, darin etwas weiteres über den entsprungenen Zuchthäusler zu finden, und meine Annahme erwies sich als richtig, diese Notiz z. B. hat auf ihn Bezug."

Ja, Herr Graf, mit meinem Neffen mißt sich so leicht niemand," bemerkte der Juwelier lachend. Ich könnte Ihnen manchen noch verwickelteren Fall erzählen, den er glücklich zu Ende führte. Die Herren vom hiesigen Ge­richt kennen und achten Clairon. Morgen soll das Zeugen­verhör stattfinden, zu dem auch die Kammerfrau der ver­storbenen Gräfin geladen ist; am Abend steht der Abreise Clairons nichts mehr im Wege."

Clairon las: Ein frecher Diebstahl ist am Morgen des 23. Oktober auf dem Bahnhof in Augsburg verübt wor­den. Einer Dame ist eine Börse geraubt worden. Außer einer nicht unerheblichen Summe Geldes enthielt die grünseidene Börse einen Ring mit einer Perle, auf den die Bestohlene Wert legt. Man bringt diesen Raub mit dem entsprungenen Albert Meyer in Verbindung, der wegen ähnlicher Verbrechen schon einige Male bestraft wurde."

,, So glauben Sie, daß Meyer den Ring hier verkauft hat, um sich die Mittel zu einer Verkleidung und der Reise zu verschaffen?"

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,, Gewiß, es muß so sein."

Aber weshalb meldet sich derjenige nicht, dem er den Ring verkaufte?" fragie der Graf.

,, Es gibt hier genug Dunkelmänner, die lichtscheue Ges schäfte machen. Der Schuhmacher Meunier kam heute auch wieder zu mir, er hatte etwas mitzuteilen vergessen." Was denn?" fragte Häuserling gespannt. Nun erzählte Clairon, was Meunier dem Meyer über den Italiener gesagt, der alte Goldsachen kaufte und Ver­sagobjekte annahm.

Es wäre nuglos, den Italiener auszufragen, er würde alles leugnen," meinte Häuserling.

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( Fortsetzung folgt.)

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