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21.1.1911 Erstes Blatt
 
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Mangel geeigneter Winteruniformen zu leiden. Die Feuer­wehrleute froren so start, daß es ihnen nur mit großer Ueberwindung möglich war, die vorgeschriebenen Uebun­gen auszuführen. Da auch in der Gemeindekasse Ebbe herrscht, so faßte der Leiter der Eichener Feuerwehr den Entschluß, sich an den Kaiser zu weden. Als der Kaiser fürzlich mit der Kaiserin zu Pferde die Hauptstraße des Dorfes passierte, trat ihm der Leiter der so mangelhaft bekleideten Feuerwehr entgegen und bat um eine Zuwen­dung zugunsten der frierenden Feuerwehrleute von Eiche. Jetzt hat die Zivilkanzlei des Kaisers der Feuerwehr in Eiche mitteilen lassen, daß zur Anschaffung neuer Uni­formen 300 M bewilligt worden sind.

Der Tod im Unterseeboot. Dem ,, B. L.-A." wird von fachmännischer Seite zu dem Unfall des Unterseebootes U 3 geschrieben: Nach der vorliegenden Meldung steht es fest, daß die im Turm Eingeschlossenen nicht durch das Wasser, sondern durch den Luftdruck ums Leben gekom­men sind. In dem Augenblick, da der Druckörper des Un­terseebootes eine Verlegung erlitt, fonnte ja Wasser in denselben eindringen und der innere und der äußere Druck sich ausgleichen. In einer Wassertiefe von auch nur zehn Meter beträgt aber der Wasserdruck schon das Doppelte des normalen Luftdrucs, und die im Turm Eingeschlossenen bekamen diesen Luftdruck wahrscheinlich im Laufe weniger Sekunden in voller Stärke zu fühlen, während die Mann­schaft, welche sich in dem wesentlich höher befindlichen Schiffsvorderteil befand, sehr viel geringeren Ueberdruck zu spüren befam. Nun beträgt der normale Luftdruck auf die Oberfläche eines menschlichen Körpers etwa 10 000 Kilo. Wir spüren diesen kolossalen Drud nicht, weil auch unsere inneren Organe mit Luft von demselben Druck durchzogen und gesättigt sind, so daß also innerer und äußerer Druck auf den menschlichen Körper sich unter nor­malen Verhältnissen aufheben. Wenn aber nun plötzlich noch eine weitere Atmosphäre Ueberdruck hinzukommt, so bedeutet das, daß ganz plötzlich eine Last von 10 000 Kilo, d. h. also von 200 3entnern auf die Körperoberfläche drückt, and diesem Druck steht zunächst kein innerer Gegendruck gegenüber. Er wird also in dem Sinne wirken, daß er den Brustkasten gewaltsam zusammenpreßt und die Lungen und das Herz derart beschädigt, daß auch, wenn sich nach einigen Minuten der Druck innen und außen ausgeglichen hat, der betreffende Mensch doch nicht mehr zu retten ist, da er schwere innere Veregungen erlitten hat.

Eine Rabenmutter. In Bramfeld bei Hamburg setzte eine Frau ihr zwei Jahre altes Söhnchen auf den glühen­den Kochherd, so daß das Kind entsetzliche Brandwunden erlitt. Die Frau wa dann das vor Schmerzen schreiende Kind aufs Bett, schloß das Schlafzimmer ab und ging nach Hamburg, um sich dort zu amüsieren. Auf das aus der Wohnung dringende furchtbare Kindergeschrei erbrachen die Nachbarn die Tür und fanden das verbrannte Kind, außerdem aber noch drei weitere Kinder, die völlig aus­gehungert waren. Die armen Kinder wurden einem Asyl übergeben, die entmenschte Mutter nach ihrer Rückkehr ver­haftet.

Ein arger Schwindler ist der Bankier" Erich Schulze, der von mehreren Staatsanwaltschaften gesucht wird. Der 24 Jahre alte Mann, der sich stolz ,, Bankier" nannte, be­wohnte seit 1 Jahren in der Neuen Ansbacher Straße 3 im Erdgeschoß sechs Zimmer für 2000 Mark. Den Haus­halt führte ihm eine 25 Jahre alte frühere Buchhalterin, die er für seine Eefrau ausgab. Ob das Paar verhei­ratet ist, weiß man nicht. Er lebte auf großem Fuße und besuchte viel Theater und Konzerte. Die gnädige Frau" hielt sich eine Köchin und ein Hausmädchen. Schulze hatte in seinem Bankgeschäft" zwei Buchhalter und eine Buch­halterin angestellt. Auf seinem Türschild prangte die Auf­Schrift: Bankgeschäft Erich Schulze, Vertretung London und Paris". Mitte November v. J. verreiste Schulze unter dem Vorwande, daß er in Geschäften nach London fahren müsse. Seine Frau nahm er mit. Von dieser Reise tam das Paar nicht zurück. Die Angestellten mußten ohne Gehalt und Lohn ihre Stellungen verlassen. Das Paar ist wirklich in London gewesen. Es lebte dort in Saus und Braus acht Tage in einem Hotel und verschwand dann, ohne die Rechnung zu begleichen. Kürzlich tauchte es in Pforzheim auf, wo Schulze sich mit wertlosen Wechseln und Schecks für 6000 Mark Waren erschwindelte. Unter­dessen kamen Scharen von kleinen Beamten und Hand­werfern, die dem Bankier" ihr Geld anvertraut hatten, nach der Neuen Ansbacher Straße, um ihre Forderungen geltend zu machen, fanden aber die Tür verschlossen. Erst gestern tam jemand, der 5000 Mark verloren hat. Im ganzen sind bis jetzt schon 70 000 Mark Forderungen be= 00 Mari fannt geworden.

Ein Revolverschuß gegen Zahnschmerzen. Von Zahn­Schmerzen gequälte Leute sehnen sich mitunter, durch die sonderlichsten Mittel ihre Leiden zu vertreiben. Mit ei­nem ganz apparten Mittel versuchte es aber dieser Tage ein Knecht aus Wulmstorf bei Hamburg. Er steckte sich den Lauf eines Revolvers in den Mund und feuerte auf den bösen Zahn eine Kugel ab. Der Erfolg war nicht ganz zufriedenstellend, denn die Kugel hatte de nZahn nur leicht berührt, dafür eine schwere Halsverlegung im Gefolge. Der Knecht liegt jetzt noch unter dem Eindruck seiner Zahn­schmerzen im Krankenhause und büßt seinen flugen Ein­fall, da die Kugel bisher noch nicht entfernt werden konnte.

Bajuvarische Trintfestigkeit. In einer Berufungsver= handlung vor dem Oberkriegsgericht in München machte ein widerspenstig gewesener Reservist als Entschuldigung Trunkenheit geltend. Er habe 15 Maß Bier getrunken. Da er sich aber aller Borgänge gut erinnerte und auch er­klärte, daß er schon 28 Maß Bier auf einen Siz hinter die Binde gegossen habe, blieb die Berufung erfolglos.

Ein ganzes Warenlager gestohlener Gegenstände ist von der Hamburger Polizei aufgefunden worden. Boden­diebe unternahmen in den legten Monaten reiche Beute­züge in den Vororten Hamburgs. Drei Männer und zwei 17jährige Mädchen wurden verhaftet, darunter eine Schneiderin, deren Mutter gegenwärtig eine Gefängnis­Strafe wegen Kuppelei verbüßt. In der Wohnung dieser Schneiderin wurden schon bei der ersten Haussuchung zahl­reiche gestohlene Sachen aufgefunden; dann wurde die Wohnung polizeilich geschlossen. Viele Gegenstände waren bereits verkauft oder versetzt worden. Bei einer erneuten Haussuchung wurden jetzt für weitere 40 000 Mark Ge­genstände aufgefunden, die in der Wohnung so gut ver­stedt waren, daß sie nur bei ganz genauen und scharfen Nachforschungen zu finden waren. Die Verbrecher hatten regelrechte Wände gezogen, die aber hohl und mit Ta­peten verkleidet waren. Hinter diesen Wänden wurden bie Sachen einfach aufgestapelt.

Eine moderne Tochter des Regiments". Madame Le Breton, die Marketenderin des französischen ersten Hu­farenregiments, die soeben arm und vergessen im Natio­

nalheim" in Vésinet gestorben ist, verdient nicht nur um threr außergewöhnlichen Karriere willen ein Wort der Hervorhebung, sondern auch wegen des Umstandes, daß sie, wie das Petit Journal" mitzuteilen weiß, eine Ver­wandte der gegenwärtig regierenden schwedischen Königs­familie gewesen. War doch ihr Vater, der Artilleriemajor Bernadotte, ein Blutsverwandter jenes Feldmarschalls Bernadotte, der als Karl XIV. den schwedischen Königs­thron bestieg. Frau Le Breton, die 81 Jahre alt gewor­den, hatte noch vor drei Jahren die Marokkokampagne mit­gemacht, wo sie verwundet wurde und mehrere Wochen in marokkanischer Kriegsgefangenschaft zubrachte. Mit ih­ren fünf Feldzügen, zwei Verwundungen und drei Kriegs­medaillen repräsentiert die ,, Mutter der Zuaven" das Bild eines Lebensganges, wie ihn die kühnste Phantasie einer abenteuerlustigen Emanzipierten nicht romantischer zu er­träumen vermag. In einem algerischen Fort als Tochter einer wegen Tapferkeit vor dem Feinde mit der Ehren­legion ausgezeichneten Marketenderin geboren, hatte sie mit fünfzehn Jahren einen Soldaten der Ersten zuaven geheiratet und war bei dem berühmten Regiment als Marketenderin in Dienst getreten. Sie erhielt ihre Feuer­taufe in der Krim und begleitete dann das Regiment nach Italien, wo sie in der Schlacht von Solferino mit der Tapferkeitsmedaille dekoriert wurde, und später auch in Merito, wo sie verwundet wurde. Im deutsch- französi= schen Krieg hat sie an mehreren Gefechten teilgenommen und war gefangen genommen worden. Zum Gedächtnis der tapferen Marketenderin soll ein Gedenkstein errichtet werden, für den die Mittel durch öffentliche Sammlung aufgebracht werden.

Der Stadtverordnete und das Restaurant mit der ro= ten Laterne. In der Naumburger Allgemeinen Zeitung" findet sich folgendes Inserat in großer und fetter Schrift: In der letzten Stadtverordnetensizung haben Kommissi­onswahlen stattgefunden. Warum hat man eine Person in dieselbe gewählt, welche abends, wo diese Sitzungen gewöhnlich stattfinden, lieber in das Restaurant mit der roten Laterne geht? Mehrere Bürger." Das läßt tief blicken.

Anekdoten vom Grafen Haeseler.

Erzellenz Gottlieb", wie Graf Haeseler, der am 19. Ja­nuar seinen 75. Geburtstag feierte, im Volksmunde heißt, ist zweifellos unter allen deutschen Militärs unserer Zeit derjenige, von dem die meisten Anekdoten im Umlaufe find. Schon um seine Verwundung im französischen Kriege hat sich die Sage gesponnen. Es hieß, er sei fugelfest, da kein Geschoßregen ihn vom Plaze bringen konnte. Einmal, es war am 10. August 1870, tauchte in Frescaty eine preußi­sche Manenpatrouille auf. Die Franzosen bemerkten sie und verfolgten sie mit rasender Schnelligkeit. Der führende Ge­neralstäbler ersielt vier Schüsse. Trotzdem ritt er weiter, als wenn ihm nichts passiert wäre. Die vier Chassepotkugeln hatten ihm drei Rippen zerschmettert, Gaumen und Zähne ausgerissen, den linken Lungenflügel zweimal durchbohrt und das linke Schienbein durchbrochen. Der Offizier war Graf Haefeler. Daraus ergab sich die Erzählung, der Graf set zwar geheilt worden, aber nun habe er nur noch einen Lungenflügel, die Nippen seien durch silberne ersetzt, Gau­men und Gebiß beständen aus Kautschuk, die Kniescheibe aus Gold. Für eine Bestätigung wurde gehalten, daß der Graf in strenger Diät sich von Aepfeln und Milch nährte, etwas nach links geneigt geht, troß seiner Größe nur niedrige Pferde reitet und mit einer kleinen Fußtreppe den Gaul besteigt.

Eine der hübschesten Haeseler- Anekdoten erzählt, wie unser Kaiser den Korpskommandanten von Met gefangen nehmen wollte. Friedrich Sporleder berichtet sie in seinem Büchlein über den Grafen Haeseler folgendermaßen: Der Monarch sollte gewettet haben, er werde den Alten schon friegen. Es war bei den Matübungen, der Kaiser führte die Roten, Graf Haeseler die Blauen und verteidigte die Höhen des Forts Kaiserin gegen den anrückenden Monar­chen. Plötzlich brummte Exzellenz Gottlieb":" Was ist das schon wieder für eine unvorsichtige Kavalleriepatrouille, die Kerls haben es, glaube ich, auf mich abgesehen. Schreiben Sie mal den Namen des Regiments auf." Der General­stabsoffizier, an den sich Haeseler gewandt hatte, galoppierte mit einem halben Zuge Kavallerie hinter der Offizierspa­trouille her, da strauchelte das Pferd des letzten Mannes und stürzte. Der Generalstäbler hatte eine längere Unter­redung mit ihm und sauste wie der Blitz zurück. Nun wußte Haefeler Bescheid. Kurze Erklärung seiner Absicht, und der ganze Stab ritt, wie eine dichte Wolke den Grafen umgebend, direkt auf die vor dem Feinde liegende Ferme Leipzig zu. Hier verließ Graf Haeseler unbemerkt den Stab und stellte sein Pferd ein. Ein paar Minuten später rollte aus dem Tore ein Wagen, auf dem Strohbündel und alte Säcke lagen. Direkt am Kaiser fuhr der Wagen durch, und hielt einige Schritte hinter ihm. Meine Herren, jetzt haben wir, glaube ich, Exzellenz Haeseler eingekreist. Es liegt mir daran, seiner Person habhaft zu werden. Allons marsch!" Fort war die Suite. Graf Haeseler krabbelte plötzlich zum größten Gaudium der hier lagernden Truppen unter den Säcken hervor und kletterte vom Wagen herab. Was sind das hier für Truppen?" fragte er den hier haltenden Ge­neral. Auf Befehl Seiner Majestät außer Gefecht gesetzt!" " Hahaha," lachte der Graf, Herr General, auf meine Ver­antwortung treten Sie den Marsch in den Rücken der Ro­ten an. Keine Widerrede." Der Kaiser war wie aus den Wolfen gefallen, als er in seinem Rücken Vormarschsignale hörte. Schwärmen! Die Gläser richteten sich auf diese wohl toll" gewordene Gesellschaft. Im gleichen Moment machte die blaue Armee eien Vorstoß, und Majestät befand sich derart in der Klemme, daß er das Ganze halt" blasen ließ. Als er dann das Ulanenstückchen der alten Exzellenz erfuhr, soll er gelacht haben, daß ihm die Tränen über die Wangen Itefen.

Auch auf Haeselers Ruhesiz in Harnecop umspinnen ihn immer noch launige Geschichtchen. Es kam einmal ein hö­herer Offizier nach Harnecop und wollte sich anmelden. Der Diener bedauerte, der Graf sei auf dem Felde, und der Be­sucher wollte ihn dort aufsuchen. Nach verschiedenem Quer= feldein gelangte der Besucher an einen Kartoffelacker, auf dem eine Anzahl Arbeiter Kartoffeln ausmachten. Der Be= fucher wollte seinen Augen nicht trauen, als er unter ihnen den Grafen bemerkte, der im Schweiße seines Angesichtes mit den Arbeitern um die Wette arbeitete. Mit vollendeter Höflichkeit und echter Herzlichkeit begrüßte Exzellenz Gott­lieb den Ankommenden, bedauerte aber, augenblicklich gar feine Zeit und diese erst nach Schluß der Arbeit zu haben. Was war die Veranlassung, daß der Feldmarschall selbst die Kartoffelhacke schwang? Seine Arbeiter hatten ihn um eine Lohnerhöhung gebeten, und er wollte prüfen, ob es wirklich so anstrengend sei. Er hat ihnen dann im Schweiße seines Angesichtes zugestimmt.

Drabtnachrichten und neuestes.

Die Einnahmen der Eisenbahn im Dezember. Berlin, 20. Januar. Die Verkehrseinnahmen deutscher Eisenbahnen für Dezember 1910 betrugen aus dem Perso= nenverfehr M 57,266,189 oder M 3,534,883 mehr, d. i. pro Kilometer M 1125 oder M 55 gleich 5.14 Prozent mehr, aus dem Güterverkehr 147,716,875 M oder M 12,330,935 M mehr, d. i. pro Kilometer M 2835 oder M 202 gleich 7.67 Prozent mehr.

Die Aviatik und das Heer.

Berlin, 20. Januar. Von der Militärverwaltung ist der Bau von weiteren fieben Flugzeugen in Auftrag ge= geben worden, da die vorhandenen fünf Lehrmaschinen zur Ausbildung der Offiziere zu Militärpiloten nicht auß­reichen.

Die Geretteten von U 3".

Kiel, 20. Januar. Die aus dem Unterseeboot U$ Geretteten haben sich bis gestern nachmittag so weit erholt, daß 21 von ihnen aus dem Lazarett entlassen werden konn ten. Nur 2 der Leute sind noch im Lazarett geblieben, aber auch diese werden bereits heute entlassen werden können. Nachträglich verlautet von den Geretteten, daß bei den Ret tungsarbeiten eine fortgesetzte Verständigung zwischen den Rettern und den im Bootsraum eingeschlossenen Mannschaf ten ermöglicht wurde und zwar geschah dies dadurch, daß mit dem Hammer an die Schichtwand geschlagen wurde. Durch Zeichen dieser Art wurden auch, als das Vorderschiff bereits gehoben war, die Eingeschlossenen aufgefordert, die Verschlußklappe des Rohres zu öffnen, und als dies ge­schehen war, krochen die Retter hinein. Das war eine feineswegs leichte Aufgabe, denn sie mußten sich durch das Rohr von 45 cm Weite über 6 Meter hindurch zwängen. Eine gemeinsame Trauerfeier für die Opfer findet heute nachmittag in der Kapelle des Garnisonlazaretts statt. Studenten als Wahlhelfer.

Königsberg, 20. Januar. Gegen die Studenten, die in Labiau- Wehlau Wahlhilfe leisteten, ist der Hartungschen Beitur zufolge vom Universitätsrichter ein Ermittelungs­verfahren eingeleitet worden. Es haben bereits zahlreiche Vernehmungen stattgefunden.

Franzosenfreunde in Elsaß- Lothringen.

Metz, 20. Januar. Zwei Deutsche, die sich in der letzten Nacht mißliebig über die Vorgänge in dem französischen Sportverein äußerten, wurden von im Lokal anwesenden Mitgliedern des Vereins angegriffen und schwer mißhan= delt, so daß sie ins Spital gebracht werden mußten. Ein französischer Verein in Groß- Moyduvre beabsichtigt am Sonntag ein Konzert mit nur französischen Liedern abzu= halten, zu dem die Erlaubnis verweigert worden ist. Man befürchtet, daß der Verein trotzdem versuchen wird, das Konzert abzuhalten.

Flüchtiger Rechtsanwalt.

München, 20. Januar. Ein Rechtsanwalt der unlängst wegen Unterschlagung zu sechs Monaten Gefängnis verur­teilt worden war, sollte sich vor dem Landgericht verant­worten, weil er einander widersprechende Interessen zweier Parteien gleichzeitig wahrgenommen hatte. Der Rechtsan walt erschien nicht vor Gericht. Er ist flüchtig geworden. Die Bewegung unter den französischen Winzern. Epernay, 20. Januar. Die lebhafte Erregung im Wins zergebiet der Champagne dauert noch an. Militär hält die Ordnung aufrecht und bewacht die Geschäftshäuser. In der gestrigen Versammlung der Winzer in Venteuil erschien auch der Präfekt, der die Winzer zur Ruhe mahnte. Ent­sprechend dieser Aufforderung nahmen die Teilnehmer an der Versammlung eine Tagesordnung an, in der sie sich verpflichten, jeden Akt von Sabotage zu vermeiden und in der sie die Erwartung aussprechen, daß die Regierung ihren Forderungen gerecht werde. Um Mitternacht herrschte über­all Ruhe.

Nuglose Demonstration.

Paris, 20. Januar. Der Allgemeine Arbeiterver­band wird heute nacht einen Aufruf anschlagen, in dem gegen die Verurteilung japanischer Anarchisten Einspruch erhoben wird und die Verbandsmitglieder aufgefordert wer= den, vor der japanischen Botschaft eine Protestkundgebung zu veranstalten.

Folgenschwerer Zugzusammenstoß in Frankreich. Paris, 20. Januar. Im Bahnhof von Bourges stieß gestern ein Eilzug mit einem Güterzug zusammen. Zehn Reisende wurden schwer verletzt.

Bergarbeiterunruhen in Spanien.

Valencia, 20. Januar. Achthundert Bergleute sind in den Ausstand getreten, um gegen die Entlassung einiger Arbeitskollegen zu protestieren. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung ist Militär in das Ausstandsgebiet entfandt wor­den.

Unglück im Theater.

Reuyork, 20. Januar. Im Opernhause zu Hamilton in Kansas brach während eines prientalischen Tanzes die Klinge eines Schwertes, das ein Sänger schwang und flog ins Parkett, wo sie einem Zuschauer den Kopf durchbohrte. Der Theaterbesucher bemächtigte sich eine große Aufregung.

Berliner Getreide und Schlachtviehmarktbericht.

Am Weltmarkte für Weizen hat sich in der am 18. Jas uuar abgelaufenen Berichtswoche eine leichte Neigung zur Abschwächung bemerkbar gemacht, zu welcher der Beginn der australischen, westamerikanischen und argentinischen Ver­ladungen und die damit vielleicht zusammenhängende Zu­rückhaltung Frankreichs den Anlaß gegeben haben dürfte. Roggen hatte dank andauernder ziemlich reger Nachfrage für den Export im allgemeinen eine feste Haltung. Rus sischer Roggen wurde bei reichlichem Angebot vielfach für den Inlandsfonsum gekauft. Die Lieferungspreise zeiger schließlich nach Schwankungen faum eine Veränderung ge­gen die Vorwoche. Die Forderungen für Hafer wurden seitens der Provinz troß stärkeren Angebots nicht ermäßigt; die Händler aber kauften nur vorsichtig, da der Konsum wenig geneigt ist, zu den hohen Preisen Anschaffungen zu machen. Russischer Hafer wurde in den letzten Tagen etwas billiger offeriert. Die Lieferungspreise weisen eine Aen­derung gegen die Vorwoche nicht auf. Auf die Maispreise drückt die große nordamerikanische Ernte. Auch Odessamais wurde billiger angeboten, doch ist diese Sorte hier wenig beliebt. Gerste ermattete nach anfänglicher Festigkeit infolge größeren Angebots. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Lieferung im Mai wie folgt: Weizen 206,75 M, Roggen 156,75 M, Hafer 155,50 M, Mais 135,00 M.

Preise des städtischen Schlachtvichmarktes. I. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, höch­stens 6 Jahre alt 76 bis 81 M, 6) junge, fleischige nicht aus­gemästete und ältere ausgemästete bis M, c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 71 bis 78 M, d) ge­ring genährte jeden Alters 71 bis 76 M. II. Bullen: a) vells fleischige höchsten Schlachtwertes 74 bis 78 M, 6) vollfleischige jüngere 70 bis 76 M, c) mäßig genährte jüngere und gut ge nährte ältere 66 bis 72 M, d) gering genährte- M. III. Fär. sen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höch sten Schlachtwertes M. 6) vollfleischige ausgemästete ühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt, 65 bis 72.4, c) ältere ausgemästete und weniger gut entwickelte jüngere Kühe 63 bis 71 M, d) mäßig genährte Färsen und ähr 52 bis 65 M, e) gering genährte Färsen und Kühe bis 52 f) gering genährtes Jungvieh( Fresser) 62 bis 70 M. IV. Käl ber: a) Doppellender feiner Mast 104 bis 133 M, 6) feinste Mast( Vollmilchmast) und beste Saugkälber 100 bis 107 M, c) mittlere Mast- und gute Saugfälber 88 bis 97 M, d) ge­ringe Saugfälber 82 bis 90 M. V. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 76 bis 84 M, 6) ältere Mastham­mel, geringere Mastlämmer und gut genährte jüngere Schafe 71 bis 75 M, c) mäßig genährte Hammel und Schafe ( Märzscherfe) 65 bis 74 M. VI. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Lebendgewicht 55-58 M, 6) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen über 2% 3entner Lebendgewicht 54-56 M, c) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen bis 2% Zentner Lebendge­wicht 51 bis 55 M, d) fleischige Schweine 48 bis 51 M, e) ge­ring entwickelte Schweine 52 bis 54 M, f) Sauen 42 bia 43 Marf.