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in Gießen.
Gießener Zeitung
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( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83.-Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.
Nr. 18.
1. Glatt.
Aus dem Reichstag.
-- Der einige Liberalismus. Bei der zweiten Beratung des Zuwachssteuergesetzes bieten sowohl die nationalliberale Fraktion wie auch die Fortschrittliche Volkspartei ein ultiges Bild des Durcheinander. Bei fast jeder A b= stimmung, und solche fanden mehr den ein= hundert statt, stimmten stets ein Teil der Natio= nalliberalen dafür, der andere dagegen. Ganz genau so uneinig stimmte die Fort= schrittliche Volkspartei. Wäre jede Abstimmung namentlich erfolgt, so hätte das ein unglaubliches Durcheinander von„ Kraut und Rüben" gegeben. Fraktionsgemeinschaft Wirtschaftl. Vereinig ung" stimmte bei allen Abstimmungen stets völlig geschlossen. Die liberalen Agitatoren wird aber diese Tatsache nicht abhalten, fernerhin in den Versammlungen zu falsch behaupten, daß die Abgeordneten der Wirtschaftl. Vereinigung„ uneinig" und die liberalen Abgeordneten„ einig" seien. So sind sie eben!
Aus dem Parteileben.
Die
§ Um das Erbe Köhlers scheint sich ein scharfer Kampf zu entspinnen. Dabei spielen die National liberalen, die in Oberhessen, außer bei den Akademikern und Beamten, so wird uns geschrieben, wenig Anhang besitzen, eine recht eigenartige Rolle. In ihrer bekannten Bescheidenheit hoffen sie wohl den Landtags= wie den Reichstagssiz, den Köhler inne hatte, für sich einzuheimsen. Da ihr Reichstagskandidat Prof. Gisevius von den Rechtsparteien nicht unterstützt wird, suchen sie den Bund der Landwirte für diese Kandidatur zu erwärmen. Fortwährend unterhandeln sie daher mit den hessischen Führern des Bundes. Interessant ist es aber, daß sie gleichzeitig auch mit den Freisinnigen in Unterhandlung stehen und nicht abgeneigt sind, sich mit diesen auf die Kandidatur des Prof. Biermann zu einigen und Prof. Gi= sevius fallen zu lassen. Für den Landtagswahlbezirk Köhlers haben die Nationalliberalen ihren Parteiangehörigen, Bürgermeister Fendt Hungen in Aussicht genommen. Schon vor einigen Tagen ist von der Gießener natlib. Geschäftsstelle ein anonymer, hektographierter Zettel an die Landtagswählmänner des Bezirkes Hungen Lich versandt worden, in dem Bürgermeister Fendt als Kandidat empfohlen wird. So sucht man auf der einen Seite die Unterstützung des Bundes für die Reichstagswahl zu erhalten, andererseits aber sucht man dem Bund ein ihm sicheres Landtags= mandat aus den Händen zu spielen und auch dieses für die natlib. Partei einzustecken. Werden denn bald die hessischen Führer des Bundes der Landwirte erkennen, welch' doppel tes Spiel die Nationalliberalen mit ihnen treiben?
Sozialdemokratische Wahlhilfe für Konservative.
Durch die freisinnige Presse geht folgende, bis heute unwidersprochen gebliebene Meldung:
Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
des Großherzoglichen Polizei- Amtes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)
Samstag den 21. Januar 1911
servativ! Und im Kreise Wetzlar tun die Sozialdemokraten, als wenn konservativ wählen für Nichtkonser vative ein Verbrechen sei. Die sozialdemokratische Agitation ist doch recht unwahrhaftig!
*
Reichstagswahlvorbereitungen.
Als Termin der Reichstagswahlen bezeichnet eine Berliner Korrespondenz den 28. Novbr. Wenigstens sei dieser Tag an maßgebender Stelle ins Auge gefaßt worden. Das sei jedenfalls sicher, daß in den letzten Tagen des Monats November die Entscheidung fallen werde.
Lokal- Dachrichten.
wird
-h= Lahnkanalisation. Aus Berlin uns gemeldet, daß der 19er Kommission( Schiffahrtsabgaben) des Reichstages die auf die Kanalisation der Lahn( Gießen Rhein) bezüglichen Materialien von der Reichsregierung vorgelegt worden sind.
* Der Adel. Das Großherzogtum Hessen gehört zu den wenigen deutschen Bundesstaaten, in denen der Adel bei Besetzung der höheren Verwaltungsstellen keine Vorrechte genießt. Von den 3 Ministern sind 2 bürgerlicher und 1 adeliger Abkunft, von 14 Ministerialräten sind nur 2, von 18 Kreisräten nur 3 adelig. Also unter den 35 höheren und höchsten Verwaltungsbeamten nur 6 Adelige.
)( Gießen. Der am Landgericht Gießen ange= stellte Gerichts diener Franz Andres wurde zum Kanzleidiener bei diesem Gericht ernannt.
-g- Gießen. Heinrich Knote, der gegenwärStimme an Glanz nur noch von der Carusso's übertig als der erste Wagnertenor der Welt gilt und dessen troffen wird, hat für den Wagner- Liszt- Abend am 30. Januar, der im Stadttheater stattfindet, eine ganz er= lesene Auswahl getroffen. Er wird zum Vortrag bringen aus den Meistersingern„ Am stillen Herd" und das Preislied" Morgenlicht leuchtend", aus Lohengrin die Gralserzählung„ In fernes Land, unnahbar" und aus der Wallküre Sigmund's Liebeslied„ Winterſtürme wichen dem Wonnemond". Ebenso auserwählt ist das Klavierprogramm des Hofpianisten Ernst Riemann, der von Liszt die„ Fantasie quasi Sonate( apres unelekture de Domte), die Wasserspiele der Villa d'Este, Sposalizis und die Polonaise Nr. 2 in E- dur spielen wird. Die Preise sind so billig gehalten( von 75 Pfg. an), daß auch minderbemittelte Kreise sich diesen außergewöhn= lichen Genuß verschaffen können.
-m- Krofdorf. Bei der ersten Holzversteigerung aus dem Schutzbezirk Waldhaus( Sauerhege und Lich tenberg) am letzten Dienstag wurde Brennholz sehr begehrt. Buchenscheit zahlte man durchschnittlich mit 9 Mark, Buchenknüppel mit 7 Mark und Reisigholz mit 1 Mark pro Raummeter. Die am gleichen Tage in Wismar stattgefundene Holzversteigerung aus den Distrikten Reitzensteinerwald und Kennelsheck brachte durchschnittlich normale Preise; erstklassiges Buchenscheitholz wurde per Rm. bis 10 Mark bezahlt. Es waren viele Käufer aus Ruttershausen, Lollar und Marburg anwesend.
Rodheim a. d. B. Unser Gastwirteverband Krofdorf- Rodheim feierte am Donnerstag zu Fellingshausen im Rupp'schen Saale sein Winterfest. Der Vorsitzende Gastwirt Bender von hier hielt eine treff liche Ansprache und händigte den Kollegen StortRodheim und Schlierbach- Bieber, die jetzt 25 Jahre als Gastwirt tätig sind, mit besten Glückwünschen Diplome aus. Die ganze Feier war recht nett.
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aus
Langgöns, in Washington; Philipp Klotz, 64 J., aus Lampertheim, in Chilicothe; August Marrhausen, 77 J., in Detroit; Joh. W. Schaum, 54 J., in Milwaukee.
„ Ein interessantes Zugeständnis wurde am Sonntag im Wahlkreise Sagan- Sprottau, in Küpper, dem Wohnort des konservativen Reichstagsabgeordneten v. Bolko, in einer konservativen Wählerversammlung gemacht. Dem Abg. v. Bolko war am Mittwoch vorher in einer geg= nerischen Versammlung der Vorwurf gemacht worden, daß er sich im Jahre 1907 die Stichwahlhilfe der sozialdemokratischen Partei gegen seinen fortschrittlichen Rivalen durch das Versprechen, gegen alle indirekten SteuIn Amerika gestorbene Hessen. Ph. ern zu stimmen, gesichert, aber sein gegebenes Wort nicht Köhler, 78 J., in Troy; Heinrich Horn, 64 J., aus gehalten habe. Nach dem Bericht des„ Sagan. Wochen- Schlierbach, in Dayton; Johann Herbel, 82 J., blattes" hat Abg. v. Bolko diesem Vorwurf gegenüber erklärt, daß er seinerzeit infolge der Anstrengungen bei der Wahlbewegung erkrankt sei und in diesem Zustande Herrn Häckel( den Führer der Sozialdemokraten in Sagan- Sprottau), welcher ihn freiwillig aufgesucht, empfangen habe. Er habe Erklärungen abgegeben, aber nie daran gedacht, daß man daraus spä Daß die ter einen Strick gegen ihn drehen wolle. Erklhrungen„ befriedigende" gewesen sind, beweist der Umstand, daß der Sozialdemokrat Häckel seine Partei genossen in Sagan- Sprottau zur Wahl des erzkonservativen Abg. v. Bolko ausgefordert hat, der denn auch tatsächlich mit Hilfe der Sozialdemokraten gewählt wurde, obwohl er mit einem Freisinnigen in Stichwahl stand."
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Das ist ja interessant, also der Führer der Sozial demokraten bietet den Konservativen Wahlhilfe und die Genossen wählen dann prompt kon
* Aus dem oberen Vogelsberg. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, beabsichtigt die Gewerkschaft Vogelsberg, mit dem Sitz in Gießen, welche im Jahre 1908 Schürfungen in vielen Gemartungen des Vogelsberges unter Leitung des Herrn Berg- Ingenieurs Wilhelmy vornehmen ließ, im Laufe dieses Frühjahres ihren Bergwerksbetrieb in den Gemarkungen Hartmannshain, Herchenhain und Sichen= Wie weiter verlautet, beabsichhausen zu eröffnen. tigt Obermedizinalrat Dr. Fischer aus Darmstadt, ein Landhaus, wozu Herr Baumeister Renles den Plan angefertigt hat, auf der Herchenhainer Höhe, am sogen. Lamberg, am Rande des Oberwaldes zu erbauen. Die Vergebung der Bauarbeiten soll demnächst erfolgen.-
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( Gießener Tageblatt)
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Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Seit Eröffnung der Vogelsbergbahn werden die wildreichen Wälder unseres Gebirges auch von Jägern aus der Ferne( Frankfurt und Gießen) bevorzugt und haben sich die Pachtsummen mancher Gemeinden, deren Jagdgebiete von der Bahn bequem zu erreichen sind, bedeutend gesteigert, ja mitunter verdoppelt.
-m Schliz. Am 11. Januar fand in der Turnhalle dahier eine Versammlung der Mitglieder sämtlicher Festausschüsse des diesjährigen Gauturnfestes statt. Der Besuch war ein äußerst zahlreicher. Vorbehaltlich der Genehmigung des Gauausschusses wurde das diesjährige Gauturnfest auf Sonntag, den 9. Juli gelegt. Der Graf von Schlitz hat das Protektorat übernommen, während Bürgermeister 3inßer von Schlitz zum 1. Festpräsidenten und Oberamtsrichter Geh. Justizrat Wahl in Schlitz zum 2. Festpräsidenten ernannt wurde. Die einzelnen Ausschüsse wählten ihre Vorstandsmitglieder, bestehend in dem 1. und 2. Vorsitzenden sowie dem Schriftführer und war somit die Tagesordnung der heutigen Versammlung erschöpft.
Bad Nauheim, 18. Jan. Wiederum iſt einer hingeschieden, welcher die Feldzüge 1866 und 1870 und 1871 von Anfang bis Ende mitgemacht hat: Metzgermeister und früherer Gastwirt Heinrich Klinkerfuß 2. Als Zeugführer der Trainkompagnie hat der Verstorbene die furchtbaren Strapazen an der Loire, bei Orleans, Briare 2c. mitgemacht. Bei letzterem Orte war die Bagage- Kompagnie zwischen dem Fluß und dem Eisenbahndamm von Franttireurs vollständig eingeschlossen, nur durch einen Viadukt war ein Entkommen möglich, und daß dieses gelungen, ist nicht am wenig= sten dem Verstorbenen zuzuschreiben. Wer ihn kannte, wird dies begreifen! Mit dem Entschlafenen ist ein Mann heimgegangen, welcher in seiner rauhen Schale einen guten Kern barg.
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Friedberg. Gegen 200 Hausbesitzer mußten hier mit Strafmandaten zu je 2.10 Mark bedacht werden, weil sie versäumt hatten, die Straße vor ihrem Hause reinigen zu lassen.
* Weikartshain. Hier fand am letzten Sonntag unter Beteiligung der gesamten Einwohnerschaft die feierliche Einweihung der neuerbauten Hochdruckwasserleitung statt, die von dem Gruppenwasserwerk im Lumdatal, der sogenannten Dieberg- Gruppe, gespeist wird. Das Projekt ist von Herrn Kreisbauinspektor Baurat Diehm.
Schotten. Zu Mitgliedern der Handelskammer wurden gewählt die Kaufleute Georg Rockemer und K. Wendeberg.
* Kirchhain. Die Eheleute Tarnow in Hamburg haben für die Armen der Stadt Kirchhain 20 000 Mark vermacht.
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Hanau. Wegen Gefahr der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche hat der Regierungspräsident in Kassel jetzt auch die Abhaltung des auf den 1. Februar angesetzten 3ucht- und Fettviehmarktes verboten.
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Rüsselsheim. Bei Aufräumungsarbeiten im Gemeindewald stieß man auf Fundamente, die zweifellos einem römischen Wachtgebäude angehörten.
* Mainz. Im Vorstandsausschuß des Verkehrsvereins wurde u. a. beschlossen, mit allen Mitteln ge= gen die Einführung der Billettsteuer zu kämpfen.
• Kassel. Eine bedauerliche Einschränkung wird die diesjährige gern erwartete Wanderausstell ung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Kassel erfahren. Wie die D. Landwirtschafts- Gesellschaft bekannt gibt, soll wegen der Gefahr der Verbreitung der Maulund Klauenseuche sämtliches Klauenvieh( Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine) von der AusstellAn Tieren ung ausgeschlossen werden. werden daher in Kassel nur Pferde, Geflügel, Kaninchen, Fische, Schäferhunde, Bienen ausgestellt werden. Dafür soll aber angestrebt werden, u. a. durch Vermehrung der Preise, eine möglichst umfangreiche Beschickung der übrigen Abteilungen herbeizuführen.
* Darmstadt. Eine Submissionsblüte, wie sie doch zu den Seltenheiten gehören dürfte, ist bei der Vergebung von zweimaligem Delanstrich von 1115 Tonnen Eisenkonstruktion auf dem hiesigen Bahnhof zutage 44 600 Mt., während die Firma Jos. Schmitt u. Sohn gefördert worden. Die Firma Hahn von hier fordert aus Frankfurt mit 4014 Mark zufrieden ist.
Holzverkäufe u. Versteigerung. mittags 10 Uhr, in der Schlierbach'schen Wirtschaft zu Oberförsterei Strup bach. Montag, 23. Januar, vorBieber.


