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Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Kaiser, der Sonnabend abend im Automobil von Sammer in Hamburg eingetroffen war, wohnte Sonntag nachmittag mit Prinz und Prinzessin August Wilhelm und Prinzessin Viktoria Luise den Horner Rennen bei. Die Rennbahn war überaus stark besucht. Das Publikum be­grüßte den Kaiser, der die Uniform des Königsulanen­regiments trug, mit stürmischen Zurufen. Prinzessin Au­gust Wilhelm überreichte dem siegenden Reiter des Han­dicaps den Ehrenpreis der Kaiserin, einen goldenen Bokal. Gegen 5 Uhr verließen der Kaiser und die höchsten Herr­schaften unter Hochrufen des Publikums die Bahn.

Prinz Joachim zum Oberleutnant befördert. Das Mi­Ittärwochenblatt meldet: Seine Königliche Hoheit Prinz Joachim von Preußen ist im 1. Garde- Regiment zu Fuß zum Oberleutnant befördert worden.

zugehen werden, ein Gesezentwurf wegen Aenderung der Fahrkartensteuer sein. Der Gesezentwurf verfolgt den Zweck, die Abwanderung aus den höheren Klassen in die unteren zu unterbinden und zwar dadurch, daß man die Steuer für die Fahrkarten 1. Klasse erheblich herabsetzt und den dadurch entstandenen Ausfall durch eine entsprechende Erhöhung der Steuer für die 2. und 3. Klasse, vielleicht auch die Einführung einer mäßigen Steuer für die 4. Klasse auszugleichen suchen wird.

Reichskanzler von Bethmann Hollweg ist mit dem Unterstaatssekretär Wahnschaffe Sonntag früh in Wies­baden eingetroffen. Er besichtigte die Entwürfe für das Bismarcdenkmal und begab sich sodann auf einem Dam­pfer nach der Elisenhöhle bei Bingerbrück, wo das geplante Denkmal Aufstellung finden soll.

Die Belegung der preußischen Oberrechnungskammer. Durch die Presse geht die Nachricht, daß der Oberpräsident der Provinz Sachsen v. Hegel im Herbst den Posten eines Chefpräsidenten der Oberrechnungskammer in Potsdam er­halten werde. Wie der Inf." mitgeteilt wird, dürfte diese Nachricht faum zutreffen, da der gegenwärtige Chef­präsident, Wirkl. Geh. Oberregierungsrat v. Magdeburg, zunächst keine Rücktrittsabsichten hegt. v. Magdeburg war bekanntlich früher Oberpräsident der Provinz Hessen­Nassau.

Zu dem Zusammentreffen des Kaisers mit dem Führer der englischen Sozialdemokratie Macdonald, schreibt die Nordd. Allg. 3tg.":" In den Presseerörterungen über die­ses Zusammentreffen ist behauptet worden, der Kaiser habe den Wunsch ausgedrückt, mit Macdonald über seine Tätig­feit zugunsten besserer Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland zu sprechen. Diese Angabe ist unzutref= fend. Macdonald war von englischer Seite für eine Ein­ladung zu dem Frühstück in Aussicht genommen, das der britische Kriegsminister zu Ehren des Kaisers veranstal tete. Dies wurde dem Kaiser mitgeteilt mit der Frage, ob der Kaiser etwas dagegen hätte. Hierauf ließ der Kai­ser erwidern, er habe nicht das mindeste gegen Macdonalds Einladung einzuwenden.

Zum Generalsuperintendenten der Rheinprovinz, eine Stellung, welche durch den Fall Jatho zurzeit die beson dere Aufmerksamkeit auf sich lenkt, ist der bisherige Hof und Schloßprediger Konsistorialrat Rogge in Stettin ers nannt worden. Christian Rogge ist am 18. April 1864 3 Hohenfürst im Kreise Heiligenbell geboren, ist also 47 Jahre alt.

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Die Krönungsfeuer in England. In ganz England stet man zu den großen Krönungsfeuern, die am Donners tag abend von den Bergen und Hügeln des Landes auflo dern werden. Die Zahl dieser Krönungsfeuer wird auf mindestens 2500 geschätzt. 3u König Eduards Krönung im Jahre 1902 waren 1700 Schetterhaufen auf den Höhen ent. zündet worden.

Die Kommission zur Vorberatung des neuen Strafge­setzbuches hält nach der kurzen Pfingstpause fortdauernd Sitzungen ab, wird aber vom 15. Juli in ihren Beratun­gen eine längere Sommerpause eintreten lassen. Man rechnet damit, daß die Kommission in etwa Jahren ihre Arbeiten beendet haben wird. Dann werden die Verhand­lungen mit den Bundesregierungen über die Kommissions­beschlüsse beginnen, worauf der Entwurf im Reichsjustiz­amt auf Grund der erzielten Vereinbarungen ausgear­beitet werden wird. Er dürfte in 3% bis 4 Jahren an den Reichstag gelangen.

Ein D- Zugdieb auf frischer Tat ertappt. In dem Sonn­tag früh von Hamburg nach Frankfurt abgegangenen D- Zuge wurde in der Nähe von Uelzen ein D- Zugdteb auf frischer Tat erwischt, als er eben einem Gutsbesitzer, der neben ihm saß, das Portemonnaie aus der Tasche stahl. In Lehrte wurde der Dieb der telegraphisch vom Zug­personal benachrichtigten Polizei übergeben.

Attentat auf einen Deutschen in Marokko. In der Nacht auf den 18. Juni wurden in Casablanca der Deutsche Jungvogel und sein eingeborener Begleiter von zwei Strol. chen, entlassenen französischen Soldaten, angegriffen und beschossen. Jungvogel schoß in der Notwehr einen der An­greifer nieder; der andere entfloh.

Unter starken Vergiftungserscheinungen erkrankten in Schöneberg bei Berlin ein Brauerciarbeiter nebst Frau und 5 Kindern. Zwei Kinder sind bereits gestorben. Die übrigen Familienmitglieder wurden nach dem Kranken­hause gebracht. Ob es sich um Scharlach oder Diphterie handelt, muß die bakteriologische Untersuchung ergeben. Der Schießunfug hat wieder ein Opfer gefordert. In Schwientochlowit( Oberschlesien) Hantterten zwei Gym­nasiasten, die das Königshütter Gymnasium besuchen, mit einem Revolver. Der eine hielt dem anderen den Lauf direkt vors Auge, damit er hineinsehen könne. Dabei drückte er die Waffe, die geladen war, ab und sein Kamerad fiel tot zu Boden.

Die Abänderung des Gerichtstoftengesetzes. Wie der Inf." mitgeteilt wird, dürften die Strafprozeßordnung und das Gerichtsverfassungsgesetz teilweise Abänderungen der Kostenvorschriften notwendig machen, die in Einklang mit den neuen Bestimmungen der neuen Strafprozeßord­nung zu bringen sind. Zum Teil werden vermutlich ganz neue Kostensätze aufgestellt werden müssen, da in der Straf­prozeßordnung und in dem Gesez neue Gebühren und kostenpflichtige Atte voraussichtlich eingeführt werden, die in den jezt gültigen geseklichen Bestimmungen fehlen. Man wird hierzu z. B. die Gebühren bei Berufungen gegen Straffammern und die Gebühren beim Verfahren der Ju­gendgerichte rechnen können. Es ist anzunehmen, daß zwi­schen der Verkündung der neuen Strafprozeßordnung und ihrem Infrafttreten eine Novelle zum Gerichtskostengesetz eingebracht werden wird.

Die Kosten der jüngsten französischen Marotto- Expe­dition werden voraussichtlich 500 Millionen Franken er­reichen. Die bisherigen Ausgaben betragen 350 Mil­lionen Franken.

Die Organisation einer monarchischen Verschwörung in Südportugal hat die Polizei in Lissabon entdeckt. Die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen haben die Ver­schwörung unterdrückt. Diese sind in der Mehrzahl ehe­malige Polizeibeamte und Munizipalgardisten. So lautet wenigstens die offiziöse Meldung."

Eine Kritik der Hansabundtagung. An der Stellung, die der Hansabund auf seiner Jahresversammlung in Ber­lin zu dem immobilen Kapital, dem Bürgertum und der Sozialdemokratie eingenommen hat, übt die Nordd. All­gem. 3tg." folgende Kritik: Die Absicht, einen Massen­eindruck zu erzeugen erklärt, aber entschuldigt nicht den Gebrauch starker Worte und falscher Bilder. Vielleicht ist sich der Redner, der davon sprach, daß man nicht länger auf sich herumtrampeln lassen wolle, selbst bewußt gewesen, daß für seinen drastischen Ausdruck kein objektiver Tat­bestand vorhanden ist. Mehrfach war von einem Kampfe des mobilen Kapitals um Gleichberechtigung, von der den Vertretern des modernen Kapitals und des gesamten Bür­gertums fehlenden politischen Macht die Rede. Das macht den Eindruck, als ob zwischen dem mobilen und dem immo­bilen Kapital, zwischen dem Bürgertum" und allen übri­gen Ständen, wobei als Bürger nur die galten, die in Gewerbe, Industrie und Handel tätig sind, ein grund­legender politischer Unterschied gemacht werden solle. Man fann doch nicht im Ernste das Bürgertum mit dem mo= bilen Kapital identifizieren und damit vom Bürgertum alle jene bodenständigen Elemente ausschließen, die nicht nur im Ackerbau, sondern auch in Handwerk und Industrie tätig sind. Aber der Hansabund wird sich nicht wundern dürfen, wenn in dem Morgenrot einer neuen Zeit, das er heraufführen will, den Massen die feineren Distinktionen zwischen Agrariern und Hyperagrariern, zwischen Boden­ständigen und Rückständigen verschwimmen und nur die Losung übrig bleibt: Kampf von Stadt gegen Land. Die Gegner des Hansabundes haben über die Unklarheit sei­ner Stellung gegenüber der Sozialdemokratie, namentlich im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen geklagt. Man wird nicht behaupten können, daß diese Unklarheit durch die Verhandlungen des Hansatages beseitigt worden wäre."

Kleine Nachrichten.

Seinen eigenen Sohn erschlagen hat in Hamburg im Jähzorn der Dienstmann Migge, der mit seiner Frau in Streit geraten war. Der Erschlagene hatte seine Mutter vor Mißhandlungen schüßen wollen. Der Täter wurde verhaftet.

Bäderfrequenz. Baden- Baden 28 067; Badenweiler 2725; Brückenau 971; Davos 12 889; Ems 6468; Friedrich­roda 4417; Homburg 3964; Karlsbad 22 763; Kissingen 11 424; Königstein 3332; Kreuznach 4674; Marienbad 8361; Nauheim 18 185; Neuenahr 7709; Oberstdorf 1588; Orb 1537; Pyrmont 11 061; Reichenhall 4697; Salzungen( Thür.) 1364; Sooden- Werra 1693; Soden 1390; Travemünde 1897; Westerland- Syl: 2288; Wildungen 4180.

Beteranenfürsorge im Fürstentum Reuß j. 2. Auf eine Petition des Vorstandes des Landesverbandes der fürstl. Reuß j. L. Militär- und Kriegervereine Gera- Reuß hat der Landtag des Fürstentums Reuß j. L. beschlossen, diejenigen Veteranen, welche an den Feldzügen 1849, 1864, 1866 und 1870/71 teilgenommen und ein Einkommen von nicht über 1200 M haben, von der Entrichtung der staat­lichen Einkommensteuer zu befreien und ferner allen vor­genannten Veteranen, welche die Veteranenunterstützung von 120 M jährlich aus Reichsmitteln beziehen, eine jähr­liche Staatsunterstützung von je 50 M zu zahlen.

Volkswirtschaftliches.

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Zunahme des Gesamtfleischvorrats und der Bevölke: rung. Ueber die Frage, in welchem Verhältnis der Ge­famtfleischvoirat in Deutschland im Vergleich zur Steige­rung der Bevölkerung zugenommen hat, wird der Inf." geschrieben: Gegenüber dem Jahre 1909 hat der Gesamt­fleischvorrat im Jahre 1910 um 3 734 544 Kilogr. zugenom­men, und zwar ist dies auf die Steigerung der gewerb­Itchen Schlachtungen bei den Schweinen(+61 740 175 Kilo­gramm) zurückzuführen. Alle übrigen Schlachtungen weisen eine Abnahme auf( Pferdefleisch 818 505 Kilogramm, Rind­fleisch 38 720 190 Kilogramm, Kalbfleisch 16 682 760 Kilogr., Schaffleisch 1107 632 Kilogramm und 3tegenfleisch 676 544 Kilogramm). Die erwähnte Steigerung von 3 734 544 Kilo­gramm reicht nicht aus, um die Bevölkerungszunahme aus­zugleichen. Auf den Kopf der Bevölkerung ergeben sich für 1910 als Gesamtfleisch vorrat 40,689 Kilogramm, für 1909 41,314 Kilogramm, für 1908 41,463 Silogramm, für 1907 40,746 Kilogramm, für 1906 37,418 Silogramm, für 1905 38,567 Kilogramm und für 1904 39,869 Kilogramm. Wenn nach dieser Berechnung auch eine Abnahme des Fleischvor rats um nicht ganz% Kg. pro Kopf nachgewiesen ist, so wird der Fleischvorrat doch eigentlich nur von dem der Jahre 1908 und 1909 etwas übertroffen. Die Angaben über die Höhe der aus Hausschlachtungen gewonnenen Fleischmengen für 1909 fehlen leider. In Anbetracht der starken Steige­rung der Schweineschlachtungen, die auch bez. der Haus­schlachtungen für Preußen nachgewiesen ist, wird man für 1910 wie für 1907 9,209 Kilogramm pro Kopf einsetzen kön= nen. Da für 1910 ein Einfuhrüberschuß an Fleisch und Speisefetten von 2.164 Kilogramm pro Kopf vorhanden ist, so ergibt sich tatsächlich, daß für 1910 ein Vorrat von reichlich 52 Kilogramm pro Kopf verfügbar gewesen ist.

König Friedrich August von Sachsen ist am Sonntag zum Besuche des Prinzregenten Luitpold in München ein­getroffen. Der König fuhr mit dem Prinzen Ludwig im offenen Wagen in die Residenz, wo der Prinzregent set­nen hohen Gast begrüßte.

Eine Benderung der Fahrkartensteuer? Wie verlautet, wird eine der ersten Vorlagen, die dem neuen Reichstage

3)

Und dennoch.

Novelle von Ernst Busolt.

( Nachdruck serboten.)

Am Berliner Kornblumentag am Freitag, den 16. Junt, den das Rote Kreuz zum Besten der Veteranen veranstal­tete, wurden nahezu 1 100 000 Kornblumen verkauft. Das Erträgnis des Kornblumentages wird auf 240 000 Mark geschätzt.

Ein Berliner Straßenbahnerstreik in Sicht? Am Fret­tag soll in einer geheimen Versammlung der gewerkschaft­Itch organisierten Berliner Straßenbahnangestellten der Streif so gut wie beschlossen worden sein. Die endgültige Entscheidung soll angeblich am Montag erfolgen. Die Stimmung der Straßenbahnangestellten, die ihre Forde= rungen unter allen Umständen durchsetzen wollen, soll sehr friegerisch sein. Man erwartet den Ausbruch des Streifes für Dienstag oder Mittwoch.

Die Errichtung eines Vichsencheninstituts für Südwest­afrika hat die Haupttagung der Deutschen Kolonialgesell­schaft in Stuttgart gefordert. Wie Gouverneur Dr. Seib im Landesrat erklärte, ist bereits ein großes, selbständiges bakteriologisches Institut mit zwei Bakteriologen in Aus­ficht genommen.

Hier hatte er in der aufblühenden Stadt durch fühne Handelsunternehmungen sein Glück gemacht. Nachdem sein Bruder gestorben, verheiratete er sich mit seiner im Wesen trefflich zu ihm passenden Frau, die Teller Bestande teren, allenden Traut, die ihrer stets ein strenge Begriff von Pflicht und Ehre gemeinsam; Kunst und Poesie erschienen ihnen als unsinniges Getändel für Leute, deren Leben durchaus verfehlt war. Obschon ein prachtvoller Flügel im großen Gesellschaftssalon stand, hätte Frau von der Landen es für ebenso lächerlich ge­halten, sich alle Tage davor hinzusetzen, als in einem Schaukelstuhl vor dem flackernden Kaminfeuer Gedichte oder Romane zu lesen.

sogar zu einem Lächeln über seine, wie er glaubte, äußerst wichtige Bemerkung auf.

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Ein Bürgermeister als Spielhöllenbesitzer. Aufsehen erregt in ganz Algier der Prozek, der jetzt vor den Geschworenen der Stadt Setif im Departement Constantine seinen Anfang nahm. Angeklagt ist der Bür­germeister der Stadt, ein gewisser Sèbe, der sich bis vor furzem eines großen Rufes als Politiker erfreute. Sèbe, der außerordentlich reich ist, wurde vor drei Jahren zum Bürgermeister von Setif gewählt. Er verdankte seine Wahl nur seiner Freigebigkeit. Die schlimmste Korrup­tion hielt unter seinem Regime Einzug in die Stadtver­waltung. Er selbst gründete mehrere Spielhöllen, in denen er zahlreiche Touristen durch seine Croupiers, die samt und sonders gewiegte Falschspieler waren, rupfen ließ. Infolge der außergewöhnlichen Begleitumstände dieses Prozesses

,, Bist und bleibst ein Träumer, mein Junge. Wundere mich nur, wie Du Deinem Posten vorstehst mit einem Kopf voller Einbildungen und all der Gelehrsamkeit! Glaub's mir, es ist alles Hokuspokus."

, Eine zartere Hand muß jezt in Adrians Leben ein­greifen, Piter," meinte die Mutter, ,, wir sind ihm zu alt= modisch und rauh. Ich sprach eben mit thm über Kon­stanze. Es ist Zeit, ihm eine ordentliche Frau zur Seite zu stellen. Konstanze ist heute aus Rostock zurückgekehrt von ihrer alten Großtante die dort gestorben ist. Sie hat wieder viel geerbt."

Adrian, der seit einer Reihe von Jahren Konsul in Amsterdam war, befand sich auf einem längeren Besuch bei den Eltern. Die Mutter, welche ihm zwei ihrer größten Gastzimmer eingeräumt, wäre glücklich gewesen, wenn Adrian alles so gelassen, wie sie es angeordnet. Aber nein! In ihren peinlich sauberen, nach Lawendel duftenden Räu­men befand sich ein wahres Durcheinander von alten ver­räucherten Bildern, Leuchtern voller Grünspan, geborstenen Schüsseln, verrosteten Waffen, alten Seidenstoffen, sowie von Statuen und Statuetten, vor denen sie als eine ehr­bare Frau erröten zu müssen glaubte. Und da saß Adrian, seelenvergnügt, im bequemen Sammetrod, ein Fez auf dem Kopfe, vor seiner Staffelei oft stundenlang und malte. Und er hatte doch eine gute Stellung, sowie die Aussicht, dermaleinst Erbe eines schönen Vermögens zu werden. Und dennoch! Dennoch dieser Eifer für eine Sache, die man armen Leuten überlassen mußte, die aber für einen Gentle= man, zum mindesten gesagt, Marotte war!

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Stirn hoch, die Augen sehr hell; in ihrer ganzen Erschei­nung, die leicht an ein Holbeinsches Porträt erinnerte, lag etwas von der fühnen Anmut züchtiger mittelalterlicher Bürgerschönheiten. Sie trug eine Toilette von derbem Wollstoff ohne Spigen oder Schleife, das gelbblonde Haar, der Mode zum Troy, glatt zurückgestrichen.

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Das Freifräulein Konstanze von Grimmen war seit Jahren mit den Landens befreundet. Ihr Vater, ein wohlhabender mecklenburgischer Gutsbesizer, der die letz­ten Jahre in Berlin verlebte, hatte seinem einzigen Kinde ein beträchtliches Vermögen und eine prächtige Villa, dent Landenschen Hause gegenüber, hinterlassen. Dort lebte sie nun frei und unabhängig mit einer älteren, farblosen Eng­länderin. Diese bildete einen Teil ihres Hofstaates, den andern ein gleichfalls ältlicher Musiker, der täglich bei dem Fräulein speiste, Professor Moser tituliert wurde und Fräu­lein von Grimmen einstmals in die Geheimnisse des No­tensystems eingeweiht hatte.

Und dabei," fiel ihr Mann ein, ist sie gesezt und ver­nünftig, brav und bieder, verachtet hohlen Prunk und Du darfst kein junges, flatterndes Geschöpf nehmen, das nichts zu leiten versteht! Es wird in Amsterdam einen sehr guten Eindruck machen, wenn Du Deine Landsleute bei Dir aufnehmen kannst in splendider Weise. Ihr paßt zusammen, Konstanze und Du- fannst nimmer besser an­fommen." Und nun folgten Auseinandersehungen beider alten Herrschaften über Konstanzens häusliche und wirtschaft­liche Tugenden ihr Gemüt und ihren Geldbeutel. ,, Wir können sie noch heute erwarten," meinte Mutter. Mit oder ohne Hofstaat?" lachte Adrian. " Miß Mason wird Konstanze sicherlich begleiten," nahm die Mutter nach längerem Schweigen die Unterhal­tung wieder auf; Konstanze ist so durch und durch lady­life; sie geht nie einen Schritt allein aus. Da hätten wir sie übrigens."

Nun, wie stehts mit dem Handelsvertrag?" Der alte Herr schien bei guter Laune zu sein und raffte sich

Fräulein von Grimmen fam in Gesellschaft der Eng­länderin langsam über die Straße zu Landens herüber, und wenige Augenblide später befand sie sich im Kreise threr trauten Freunde. Sie erschien sehr groß und schlank gewachsen. Ihr Gesicht war fein und regelmäßig. die

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Ein unruhiger, kleiner, nervöser Mann, schwärmte er mit der Lebhaftigkeit eines Jünglings für das Neueste in der Musik. Seine Schülerin hingegen, längst ihrem selb­ständigen Geschmacke folgend, erklärte Gluck und Sebastian Bach für ihre Jdeale unter den Komponisten und blieb, ihrem Charakter gemäß, beharrlich bei dieser Ansicht. Mit einer souveränen Gleichmütigkeit konnte sie, die weißen schlanken Finger verschränkt, in ihren steifen Empiresessel gelehnt, Mosers phantastischen Plänen und Ideen zuhören, auf deren Verwirklichung er noch immer hoffte, während ein ruhiges Lächeln, das der Anmut nicht entbehrte, ihre ernsten Züge überflog.

Vater und Mutter blickten wohlgefällig auf Adrian, als er ihr, die Hand küssend, seine Teilnahme an ihrem Verluste aussprach. Die Mutter war aufgestanden und gab, beide Hände um Konstanze gelgt, dieser einen Kuß; dann sah sie, so zärtlich sie es vermochte, zu dem langen Fräulein hinauf.

( Fortsetzung folgt.)

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